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Charmides

Charmides

I

Ein junger Grieche, von Siziliens Strand
Kam er mit Wein und Feigen säftestrotzend;
Vom Bug des Schiffes späht' er unverwandt,
Dem Wind, den Wellen wie ein Knabe trotzend,
Voll Sprühschaum seine Locken braun und kraus,
Triefnaß die Bank schon, in die feuchte, stürm'sche Nacht hinaus,

Bis mit dem Frühschein ihm ein Speeresschaft
Aufblinkt wie ein Goldfaden im Azur
Und er die Segel refft, die Taue strafft
Und munter gegen den Nordwestwind nur
Den Lotsen steuern heißt; den ganzen Tag
Hielt er den Kurs und sang im Takte mit dem Ruderschlag.

Und als Korinthus' blasse Höhn erglühen,
Sucht er in einer kleinen Sandbucht Schutz,
Kränzt sich mit Ölbaumzweigen nach den Mühen,
Spült Hals und Antlitz rein vom Salz des Sprutts,
Wäscht sich mit Öl die Glieder dann und holt
Die Linnentunika herauf, Sandalen erzbesohlt

Und ein mit Fischsaft schön gefärbt Gewand,
Von einem braunen Händler eingehandelt
An Syracusäs sonn'gem Hafenstrand,
Mit tyrischen Stickerei'n geziert, und wandelt
Durch der Verkäufer Marktgeschrei empor
Zum zarten, silbrigen Hain, und als den roten Wolkenflor

Der Tag, der nimmermüde, wob, hinauf
Die Berghöh klimmt er, eilig, unentdeckt,
Zum Tempel, von geschäft'ger Priester Hauf
Noch nicht entweiht, und steht, sorglich versteckt,
Der jungen Hirten, seiner Freunde, Schar
Mit Gaben kommen: der bringt seiner Herde Erstling dar,

Der wirft in Scheu krachendes Salz ins Feuer,
Der hängt im Tempel auf den knot'gen Stab
Für sie, die treulich ihm in Stall und Scheuer
Schutz vor des bösen Wolfes Raublust gab;
Dann singt der Chor der Mädchen stimmenklar
Und jeder bringt, so reich er ist, ein Opfer zum Altar.

Den Buchenkelch voll Milchschaum bis zum Rand,
Kaum erst gebaute wachsne Honigscheiben,
Tropfend von duft'gem Gold, ein schön Gewand
Mit Hunden eingewebt, die Wild auftreiben,
Glattschwarze Vließe, wie der Pankratiast
Zu tragen pflegt, mit weißen Hauern eines Ebers Last,

Raub an der eifersücht'gen Artemis,
Athena zu Gefallen, und das Fell
Des fleckigen Hirsches, in Gebirgswildnis
Vom Schaft erreicht; dann rief der Herold hell
Und, jeder einzeln, zog der Beter Strom,
Des schlicht vollbrachten Opfers froh, hinab vom Peridrom.

Der alte Priester löscht die Feuer aus
Bis auf das Licht, das in Rubinenglanz
Stets in der Zelle brennt; der Leiern Braus
Schwächte im Wind sich, wie in heitrem Tanz
Das Landvolk tief und tiefer sich verlor;
Des Wärters starke Hand schloß das polierte erzne Tor.

Lang lag er so, kaum, daß er Atem zog,
Hörte des ausgegoßnen Weines Schall
Und, wie der Nachtwind um den Altar flog,
Von dem Gewind der Rosenblätter Fall,
Wähnte sich in verzückter Ohnmacht fast,
Bis oben durch das offne Dach des vollen Mondes Glast

Über die Marmorfliesen floß; hervor
Da sprang er tollkühn aus der Dunkelheit,
Riß auf das zedernholzgeschnitzte Tor
Und schaut' ein riesig Bild im Safrankleid,
Ehrfurchtgebietend, schlachtgerüstet! Groß
Starrte der Greif vom Helm, der lange Speer, erbarmungslos,

War ein rot Flammenzepter, steinern rollte
Bleierne Augen das Medusenhaupt,
Es jappte wild, als ob er schreien wollte,
Der Mund, blutlos und kalt, atemberaubt,
Und Schlangengraus kroch übern Schild hin frei;
Zu Füßen saß die Eule blinkend und mit heisrem Schrei.

Der Fischer, der allein an Suniums Kap
Sein Öllicht putzte oder nach dem Tun
Das Netz warf, hörte erznen Rossetrab
Über das Wasser und wie jählings nun
Der Nacht verhangnes Zelt ein Windstoß riß,
Und kniete hin und betete in heil'ger Schauernis.

Und schuld'ge Liebende in ihrer Lust
Vergaßen plötzlich ihr gestohlnes Glück,
Als schreckt' ein Ruf sie aus Dianas Brust;
Der grimme Wächter lief in Hast zurück,
Zu seinem Schild oder mit harter Hand
Würgt' er schwarzbärt'ge Kehlen überm dunklen Zinnenrand.

Denn um den Tempel rollte Waffenschall
Und die zwölf Götter in marmorner Angst
Sprangen empor, Schrecken scholl überall,
Bis du, Poseidon, deinen Dreizack schwangst
Und die gebäumten Rosse aus dem Fries
Wieherten und ihr Hufschlag das Gebälk erzittern ließ.

Mit offnen Lippen stand er, todbereit,
Und nicht schien ihm der Preis dafür zu groß,
Dies Wunder furchtbarer Jungfräulichkeit,
Die breite Stirn zu schaun so mitleidslos,
Fürwahr zu groß nicht! Denn kein Mann je sah
Seit Trojas jungem Hirtenprinzen solch ein Wunder nah.

Bereit zum Tod, stand er, doch sieh! da war
Still rings die Luft, das Wiehern scholl nicht mehr,
Und aus der Stirn warf er sein lockig Haar
Und riß sich das Gewand vom Leib, – denn wer,
Der toll nicht wird in solchem Liebesbrand? –
Und kam, berührte ihren Hals und mit verruchter Hand

Löst' er den Panzer und das Krokuskleid,
Entblößte dann das Elfenbein der Brüste,
Daß, wie der Peplos sank, die Heimlichkeit
Ihres Mysteriums sichtbar werden müßte,
Das keinem Freier sie verraten je,
Die kühlen Hüften, schwellenden Schenkel, der zwei Hügel Schnee.

Die sich der Liebe Sünden nicht bewußt,
Laßt nicht mein Lied sie lesen, matt von Klange
Wär's ihrem dumpfen Ohr und ohne Lust
Hörten sie es, doch ihr, in deren Wange,
Die blasse, nun ein zögernd Lächeln kroch,
Denen kund ward, wer Eros ist – o lauscht ein wenig noch!

Für eine Weile läßt die durst'gen Augen
Er auf dem strahlenden Bild ruhn, bis sie schier
Vor zu viel Wonnen schwindeln, und dann saugen
Sich seine Lippen in wollüst'ger Gier
An ihren Lippen fest, des Halses Turm
Umschlingt er, ohne Macht mehr über den erweckten Sturm.

Kein Mann hielt solch ein Weib im Arm! Die ganze
Nacht lang nur Honigworte haucht er leis,
Weidet mit Blick und Kuß sich an dem Glanze
Des nie berührten Leibes silberweiß,
Liebkost den glatten Hals und preßt in Lust
Sein heißes klopfendes Herz an ihre kalte eisige Brust.

Speere, wie die Numidierstreiter werfen,
Drangen durch sein wild wirbelnd Hirn und gleich
Schluchzenden Geigen zitterten die Nerven
Süß qualvoll, und so schmerzlich wonnereich
War all dies, daß von ihren Lippen nicht
Sein Mund ließ, bis die Lerche warnend schon das Schweigen bricht.

Wer nie den Tagesschein im dunklen Zimmer
Aufdämmern sah, zurück den Vorhang schob,
Und sich verstörten Augs und müde wimmernd
Von angebetet liebem Leib erhob,
Der weiß nicht, was ihm sagen will mein Sang,
Wie lang der letzte Kuß war und sein Säumen süß und lang.

Der Mond stand im kristallnen Hof, ein Zeichen
Dem Schiffer, daß der Himmel Rache sann,
Die matten Sterne schienen trüb, vom bleichen
Flatternden Flug des Morgengrauns begann
Der Ost zu zittern, wo die Nacht erblich,
Bevor der Buhler von dem stillen dunklen Altar wich.

Eilig den Fels klomm er hinab, der Kühne,
Und kam zur Grotte Pans und hörte tief
Des Ziegenfußes Röcheln, eine grüne
Anhöhe jagt' er dann empor und lief
Wie ein jung Reh in den Olivenhag,
Der bei der schöngebauten Stadt in schatt'gem Tale lag.

Und suchte einen Bach, ihm wohlvertraut,
Wo er dem grünen Taucher oft, dem raschen,
Nachsprang mit kind'schem Jubeln hell und laut,
Silberforellen fing in seinen Maschen,
Und warf sich ins zerknickte Ried und lag
Tief atmend süßen Schreckens voll und wartet' auf den Tag.

Auf grüner Bank lag er und ließ die Hand
Achtlos in kühle dunkle Wirbel tauchen
Und um die heißen Wangen, hoch entbrannt,
Fächelnd des Morgenwindes Atem hauchen,
Die Locken sich zerwehn von seinem Kuß
Und sah nur seltsam für sich lächelnd in den Wellenfluß.

Bis dann der Hirt im Grobwollrock, umzingelt
Vom Lämmervolk, das Hürdentor auftut
Und aus dem Schornstein blauer Rauch sich ringelt
Und über halbgereiftem Hafer ruht,
Der gelbe Haushund bellt am Hügelhang,
Und durch das kraus'ge Farnkraut rauscht der Rinder schwerer Gang.

Dann zog leichtfüß'ger Schnitter Schar aufs Feld
Durch Wiesen in der Taujuwelen Pracht,
Geblök erscholl auf nebligem Gewäld,
Der Wachtelkönig flog vom Nest, erwacht;
Da sahn Waldheger wohl am Wildbach ihn
Und staunten: nein, kein Ird'scher war's, so schön, wie er erschien.

Und einer sprach: »Gewiß, der Knabe ist
Hylas, der untreu Herakles entfloh;
Einer Najade Buhler jetzt, vergißt
Den Freund er!« Doch ein andrer: »Nein, nicht so,
Es ist Narzissus, der sich selber liebt,
Dies, süß und rot, der Mund, für den's nicht Frauenlockung gibt.«

Und, näher kommend, rief ein Dritter drauf:
»Der junge Bacchus ist's, der Speer und Vließ
Am Strand verbarg, müde vom tollen Lauf
Mit der Mänade, die sich jagen ließ,
Und weise wären wir, von hier zu gehn,
Denn lang nicht lebt, wer die Unsterblichen einmal gesehn.«

Sie flohn und blickten nicht zurück und schreckten
Furchtsame Hirten mit der Schilderung,
Wie einen Waldgott sie im Ried entdeckten,
Und niemand kreuzte mehr die Waldlichtung,
Kein Ölbaum ward gefällt an diesem Tag,
Kein Schilf geschnitten, ganz verödet war der schöne Hag.

Nur daß der Kuhbub, mit der leeren Kufe
Über der Schulter, auf dem andern Strand
Hinsprang und stehen blieb und mit hellem Rufe
Den neuen Kameraden, den er fand,
Begrüßt', und scholl kein Ruf zurück, halb bang
Wieder des Wegs ging oder daß herab den stillen Hang

Vom Hof ein Mädchen lachend lief, den heißen
Mysterien der Liebe noch ganz fremd,
Und sah sie nun den Arm, den schimmernd weißen,
Und all die Mannheit, ihre Schritte hemmt
Und voller Sehnsucht, die Jungfräulichkeit
Nicht kennen sollte, ihn anblickt und sich wegstiehlt voller Leid.

Fern hörte er der Stadt Gesumm und Traben
Und dann und wann das hellre Lachen, wo
Die feurige Unschuld gliederbrauner Knaben
Rang oder wettlief luft- und sonnenfroh,
Und dann und wann ein Schellenklingen bloß,
Führte den Schaftrupp der geschorne Schöps zum Quell im Moos.

Unruhig tanzt die Mücke durch die Weide,
Das Heimchen zirpte müßig aus dem Baum,
Die Wasserratte in dem glatten Kleide
Schwamm mutig durch der kleinen Wirbel Schaum
Zu dem Wildentennest, von Ast zu Ast
Sprang scheu der Fink, träg kroch die Sumpfschildkröte im Morast.

Im leichten Wind wehten die seid'nen Samen,
Wie durch das Grasmeer blank die Sense glitt,
Die Amseln, die im Ried ein Frühbad nahmen,
Brachen des Waldes klaren Spiegel mit
Silbernen Kreisen und, kaum wieder frei,
Schoß der Libelle nach aus dem Versteck der graue Schlei.

Doch wenig Acht all dessen hatte er,
Spielt' Eichhorn auch die Buche auf und nieder
Und sang der Hänfling auch vom Busche her
Dem braunen Liebchen seine schönsten Lieder,
Oh, wenig Acht all dessen, denn er sah
Athenas Brüste und der Kön'gin nacktes Wunder nah.

Doch als der Hirte die zerstreuten Geisen
Zusammenpfiff vom steilen Felsenpfad
Und des Hornkäfers Summen wie mit leisen
Hornstößen – Mahnung, daß ein Wetter naht –
Den dunklen Wald durchdröhnte, hoch daher
Ein letzter Kranich wie ein Schatten flog und dumpf und schwer

In plätschernd Feigenlaub der Regen schlug
Verließ den finstern Wald er und entlang
An düstern Hütten, feuchten Gärten trug
In seine Sandbucht wieder ihn sein Gang;
Da ruft er die Bemannung rasch an Bord,
Nimmt Stand am Steven, löst das nasse Tuch und steuert fort.

Neun Sonnen zogen ihren himmelfernen
Bogigen Goldweg, blasse Monde neun
Flüsterten ihr Gebet den keuschen Sternen
Als ihren Beicht'gern zu und was sie scheun,
Je zu gestehn, den treuen Nachtschwärmern
Vertrauten sie's. Da kam durch Schaum und Wogenschwall von fern

Mit gelben Schwefelaugen eine Eule
Und setzte sich aufs Schiff, das wie von drei
Karackenlasten wie im Sturmgeheule
Erkrachte; und sie schlug mit heisrem Schrei
Die Flügel und jäh deckte Nacht die Flut,
Orions Schwert stak in der Scheide, Mars barg seine Glut,

Der Mond stand hinter fahl gelbschwarzer Larve
Von Wolkentrieb und aus dem Meergefild
Stieg rotgebuscht der ries'ge Helm, der scharfe,
Acht Ellen lange Speer, der erzne Schild,
Und hell, in voller Rüstung strahlend, schritt
Athena durch die See, die totenblaß und zitternd glitt.

Dem Graun der Schiffer schienen ihre Locken,
Frei fliegend, wie zerrißnes Sturmgewolk
Und ihre Füße nur die Wirbelflocken
Verborgner Riffe und wie Kolk auf Kolk
Ans rollende Schiff schlug, scholl des Lotsen Ruf
Zum jungen Steurer auf dem Achterbord: »Windwärts die Luv!«

Doch er, der überkühne, hitz'ge Freier,
In seiner Inbrunst, die zum Frevel ward,
Hoher Mysterien seliger Entweiher,
Als er die Augen sah, groß, fühllos hart,
Lachte vor Lust und rief: »Ich komme!« und
Sprang hoch vom Bug in den schaumüberdeckten eis'gen Grund.

Da fiel ein heller Stern aus Himmelshöhn,
Ein Tänzer aus des Milchstraßbogens Tanz,
Und mit der Räder rasselndem Stahlgedröhn,
Bleich, in gerächter Gottheit stolzem Glanz,
Fuhr Pallas nach Athen zurück und kurz
Gurgelten noch Luftperlen auf nach des Vermeßnen Sturz.

Und der Mast bebte, als der Herrin Wagen
Die große Eule nachflog spött'schen Schreis,
Und der Pilot, der alte, hieß die zagen
Schiffer das Segel reffen und sprach leis
Von eines dunklen ries'gen Schemens Graus,
Den er geschaut; das Schiff schoß schwalbengleich durch Sturm und Braus.

Und wie bewußt, was er auf sich geladen,
Sprach niemand mehr von Charmides hinfort,
Und als sie dann erreicht die Symplegaden,
Zogen ihr Schiff sie in den sichren Port,
Suchten das Tor der Stadt zum Zollvermerk
Und boten feil ihr braunes, bildgeschmücktes Töpferwerk.

II

Ein guter Triton doch erbarmungsreich
Trug den Ertrunknen heim nach Griechenland
Und Meerfraun kämmten sein feucht Haar ihm weich,
Lösten der Stirne Trotz, die klamme Hand,
Und brachten von Arabien Spezerei'n
Und wiegten ihn mit ihrer Halkyone Liedern ein.

Und als zum heimischen Athen er kam,
Erhob sich eine mächt'ge Woge jäh,
Den öl'gen Grund phantastisch wundersam
Beblümt mit dem geflockten Schaum der See,
Die, fest ihn drückend an die glas'ge Brust,
Landeinwärts schoß wie ein weißmähnig Roß in toller Lust.

Nun, wo Kolonos an das Meer grenzt, liegt
Flach hineingedehnt die schönste aller Au'n,
Kaninchen kennen sie, die Biene fliegt
Selbst von Hymett hierher, der scheue Faun
Weilt furchtlos hier, denn niemals durch den Tag
Kommt ein Ruf lauter als der Hirt beim Spiele jauchzen mag.

Doch heimlich sieht aus dorn'gem Labyrinth
Und dichtem Zweiggewirr des Hains ringsum
Der Jäger oft den jungen Hyazinth
Beim Diskuswerfen und zieht die Kappe stumm
Über den schuld'gen Blick, schleicht fort und wagt
Nicht in sein Horn zu stoßen, auch – wenn kaum der Morgen tagt,

Werfen Dryaden hier den Lederball
Am schilf'gen Strand und gewinnen sich mit List
Einen geißohr'gen Pan zum Seneschall
Aus Furcht vorm Meergott, der ihr Schrecken ist,
Den Gürtel lösend spähn sie bang umher,
Ob nicht sein blauer Arm, sein roter Bart enttaucht dem Meer.

Ganz von gelbblüt'gem Bohnenstrauch umgrünt,
Liegen zwei Grotten auf und ab den Strand,
Glatt ist die Bucht, nur daß, wenn sie verdünt,
Die Welle ihren Umriß läßt im Sand,
Als sollt' sie nicht zu bald vergessen dort
Die grüne Binse, ihr Gespiel – und doch, es ist ein Ort,

So klein, daß der unstete Schmetterling
Bis Mittag wohl aus jedes Kelches Grunde
Den Seim stahl und zu wenig noch empfing
Für seinen Liebesdurst, – in einer Stunde
Hätte ein Schifferbub, herzlos genug,
Wände er einen Kranz für seines Schiffes gemalten Bug,

Fast kahl gepflückt die kleine Wiesenflur,
Denn alles stolze Prunken liegt ihr ferne,
Vereinzelt stehn ein paar Narzissen nur
Im ungemähten Gras wie Silbersterne,
In aller Lieblichkeit so ernst und still,
Und schwanke Klingen schwenkt nur da und dort ein Asphodill.

Dahin nun brachte ihn der Wogen Schlag,
So lieben Dienstes froh, und wo das Land
Jungfräulich noch von allem Wasser lag,
Legte sie ihn auf goldnen Ufersand,
Rückkehrend oft, wie ein Verliebter tut,
Zu küssen diesen blassen Leib, einst ganz erfüllt von Glut,

Bevor das Meer die selbstgenährte Flamme,
Den Opferbrand erlosch, so stolz entloht,
Bevor des Todes Frost, der eis'ge, klamme,
Verwelken ließ die Lilien weiß und rot,
Die, wenn der Knabe durch die Wälder sprang,
Einander Antwort gaben wie in süßem Zwiegesang.

Als früh nun die Waldnymphen Hand in Hand
Die busch'ge Mulde kreuzten, schrie ihr Pan,
Da er den bleichen Jüngling sah im Sand,
Laut auf, bang vor Poseidons list'gem Plan,
Und gleichwie Sonnenstrahl leicht und hell
Flohn die Dryaden durch die Lichtung in das Dickicht schnell.

Nur eine nicht, die sich nicht schrecken läßt,
Wenn eines Meergotts Arm die weißen Brüste
Ihr in verliebter Tyrannei zerpreßt,
Und gar zu gern die süße Lockung wüßte,
Mit der des Freiers List die Tore bricht
Der stärksten Burg, und schlich zurück, und fand es sündig nicht,

Ihm ihren Schatz zu weihn, schön, wie er war,
Und lag bei ihm, von Liebesdurst erglüht,
Rief süße Namen, spielte mit dem Haar
Und küßte sich an seinem Munde müd,
Bang, daß er nicht erwache, und dann bang,
Daß er zu bald erwacht, floh sie hinweg, aber nicht lang,

So kehrte sie zu neuem Angriff wieder
Und saß den ganzen Tag und lacht' ihn an,
Hielt seine Hand, sang ihm die holdsten Lieder
Und zürnte, wie er noch ihr trotzen kann,
Ihr Magdtum nicht umfängt zu Wonnen traut,
Wußt' nicht, daß vor drei Tagen er Persephone geschaut.

Wußte nicht seiner Lippen Sakrileg,
Sprach nur: »Ja, er erwacht, – ich kenn' ihn gut –
Erwacht, wenn ob Korinth nach langem Weg
Der Schild der Sonne hängt in roter Glut;
Sein Schlaf ist grauser Trug, damit ich nur
Noch mehr ihn lieb', und tiefer, als der Fischer seine Schnur

Vom Grottenrand läßt in die Fluten fallen,
Bläst schon sein Horn ein mächtiger Triton
Und flicht Girlanden uns aus dem kristallen
Treibenden Meergerank und schmückt uns schon
Des Brautbetts Säulen von Smaragd, denn ganz
Umstäubt von sprühendem Silberschaum und im Korallenkranz

Werden auf einem Perlenthron wir sitzen
Und Pfühl wird eine blaue Woge sein,
Und die gekrümmten Wasserschlangen blitzen
Zu Füßen uns im amethystnen Schein
Des Rautenpanzers und wir sehn im Meer
Die Äschen schwimmen um den Mast gesunkner Schiffe her

Mit goldnen Buckelaugen, Scharlachflossen
Wie rote Flammen, und die Tiefe liegt
Durch ihres Saales Glasportal erschlossen
Und zeigt Delphine uns, in Schlaf gewiegt
Von Halkyonen, wo in grüner Tracht
Proteus am Felsenstrand Neptuns Seekälber überwacht.

Opalne Anemonen stehn in Gruppen
Mit Purpurrändern, wo den Spiegelplan
Wir zwei betreten, mit gelbschwarzen Schuppen
Ziehn Fische, ganze Schwärme, durch die Raan
Des halbvermorschten Wracks und honigklar
Sind Bernsteintropfen hingestreut auf das umschlungne Paar.«

Doch als ein Kriegsherr ohne Sieg, die Sonne
Zurück nun zog mit wehndem Glutpanier
In ihren Erzpalast, und die Kolonne
Der kleinen gelben Sterne den Saphir
Des Himmels schon durchstreifte, weit zerstreut,
Da kam die Furcht ihr, daß er nie den Liebeskuß ihr beut,

Da rief sie: »Auf! Erwach! schon taucht den Baum
Der Mond in blasses Silber, grau und kalt
Kriecht schon das Meer empor am Ufersaum,
Der Frosch ist laut und aus der Grotte schallt
Nachtschwalbenschrei, die Fledermaus zieht sacht,
Der braune krumme Iltis schleicht durchs dunkle Gras bedacht.

Nein, bist du auch ein Gott, sei nicht so spröde,
Denn dort am Strome hört' ich manchen Tag
Ein Ried mir flüstern, wie in trauter Öde
Dereinst ein holder Knabe bei ihm lag,
Der, als er grausam seiner Wonne pflog,
Goldflügel rauschen ließ und hochauf in die Sonne flog.

Sei nicht so spröd, noch bebt von Phöbus' Kuß
Der Lorbeerstrauch, und deren Schwestern dort
Am Felshang wachsen, sieh, die Fichte muß
Von Boreas erzählen immerfort,
Dem kühnen Räuber, und auch ich erfuhr's:
Im Silberglanz der Pappeln war der Spötterblick Merkurs.

Schön nennt mich der Najaden Neid sogar
Und jeden Morgen wirbt ein junger Hirte
Um mich mit Äpfeln und gelocktem Haar
Und sinnt, wie er die spröde Jungfrau kirrte
Mit allen Gaben, denen Nymphen hold;
Doch gestern bracht' er eine bunte Taube mir als Sold

Mit roten Füßchen, die aus dem Geäst
Der hohen Sykomore er samt sieben
Fleckigen Eiern grausam stahl vom Nest
Bei Taggrau, als, den sie am meisten lieben,
Beer'gen Wacholder weit von ihrem Baum
Ihr Trauter suchte; so beständig ist die Wespe kaum,

Die frühste unabläss'ge Winzerin
Der blauen Trauben, wie für meine Lippe
Der schlichte Hirt; sein froher reiner Sinn,
Sein lachend sonn'ges Auge sind wohl Klippen
Für den der Artemis geschwornen Schwur;
Denn wahrhaft schön ist er, sein Mund gemacht zum Küssen nur.

Aufgehendem Halbmond gleicht im Silberschein
Die Stirn ob dunklen Braun, einander nah,
Und nimmer lockte aus dem Myrtenhain
Der heiße tyrische Tag für Kypria
Holderen Buhlen; erster seidiger Flaum
Kraust auf den ros'gen Wangen sich, und stark ist er und braun.

Und er ist reich, und fette, woll'ge Herden
Blökender Schafe ruhn auf einer Trift
Und irdne Schüsseln voller Sahne werden
Der diebischen Fliege süßes Todesgift,
In seiner Hütte in blaßrotem Flor
Steht üppig ihm das Kleefeld, und er spielt das Haberrohr.

Und doch lieb' ich ihn nicht, denn bis du kämest,
Bewahrt ich einzig meine Liebe dir,
Daß du mir dieses blasse Magdtum nähmest;
Blumlosen Schaumes schönste Blume mir
In Ägeus' ganzem Meere, hellster Stern
Seines azurnen Himmels, ob wir suchen nah und fern.

Ich wußte ja, du kommst, sobald das Reis
Erst einmal Knospen trieb und Frühlingssaft
Meine zartgrüne Rinde schwellt' und weiß
In Blüten ausbrach myriadenhaft
Mit Monden, die, vorm Morgengraun nicht bang,
Des Monds der Nächte spotten, und der Drossel erster Sang

Das scheue Eichhorn schreckt aus seinem Speicher,
Die Kuckucksblume schön entsproß am Rain;
Da floß in jeder moos'gen Ader reicher
Voll Liebesdrang mein Blut, wie neuer Wein
Strömt' es wollüstig durch mein junges Laub
Und mein jungfräulich schlanker Stamm war wilder Stürme Raub.

Des Abends kamen Rehe her und preßten
Ans tiefste Zweigicht Nüstern schwarz und kühl,
Und Amseln machten in den höchsten Ästen
Ihr kleines Nest aus Gras zum Liebespfühl,
Und zwitschernd hielt wohl ein Zaunkönig Rast
Auf einem Zweig, so dünn, daß er kaum trug die süße Last.

Ich war der attischen Hirten Sammelziel
Und Amaryllis lag in meinem Schatten,
Um meinen Stamm ging lachend Daphnis' Spiel
Mit seiner Spröden, bis ihr im Ermatten
Sein heißer Hauch schon streift das wirre Haar:
Sie kehrt sich, schaut und flieht nicht mehr, wo Haft so wonnig war.

Komm denn in mein Versteck, wo Geißblattranken
Sich weben zu der Wonne Baldachin
Und paphische Myrten, die kühl schattend schwanken,
Der Liebe süßeste Zeremonien
Zu heil'gen scheinen, dort im tiefsten Grund
Der kühlen grünen Einsamkeit ist mir ein Weiher kund;

Bienen und Wasseramseln sind ihm hold;
Denn rings stehn große Lilienblüten, jede
Ein weißbesegelt Boot mit Fracht von Gold
In ihrer flachen Blätter grüner Reede,
Gesteuert mit Libellen, – komm nun fort
Vom bleichen flutgeküßten Strand, du findest einen Ort

Ganz wie für uns geschaffen, Kypria
Wandelt hier abends oft, den Arm geschlungen
Um ihren treuen Knaben, und ich sah,
Wie Luna vor Endymion, dem jungen,
Die Nebelschleier fallen ließ, – komm fort!
Dianas Pantherfuß betrat nie die geheime Lichtung dort.

Doch wenn du willst, so laß uns wieder nun
Zurückgehn zu der Wogen wildem Schwall,
Den ganzen Tag dort wandeln, wo Neptun
Die Wasser wölbt zu Hallen von Kristall,
Der Tiefe Purpurungeheuer sehn
Beim plumpen Spiel, den scharfen Xiphias auf Raub ausgehn.

Denn, trifft mich meine Herrin hier, o nimmer
Zeigt sie Barmherzigkeit und Mitleid dann,
Nein, legt den Jagdspeer hin und spannt mit grimmer,
Gnadenloser Hand den strengen Bogen an,
Zieht die befiederte Kerbe an die Brust
Und gibt die straffe Sehne frei, ja, eben jetzt, ich wußt:

Schon naht ihr heil'ger Fuß! – erwach, erwach!
So träg im Liebeskampf! Der Wollust Most,
Laß einmal tief mich trinken ihn und mach
Mein hungernd Ich satt mit der Nektarkost,
Die selbst der Gott liebt! Liebster komm mit mir,
Komm, noch die Grotte deines blauen Reichs erreichen wir!«

Sie sprach es kaum, als sich, erzitternd jäh,
Die Zweige teilten und der Gottheit voll
Die Luft sich fühlte und die ganze See
Bangend zurückwich und ein Hornruf scholl,
Lang, fürchterlich, ein Spürhund bellte und
Sausend ein Rohrpfeil blitzgleich niederschoß zum Ufergrund.

Und wo die kleinen Knospen ihrer Brust
Eben milchweiß erblühten, drang er tief,
Der ungebetne Gast, in grauser Lust,
Der mörderische Buhle, und durchlief
Blutig gefurchte Bahn mit seinem Erz
Und suchte und durchbohrte mit beflügeltem Tod ihr Herz.

Mit bittrem Schrei ausschluchzend da ihr Leben,
Sank die Dryade auf des Knaben Leib,
Schluchzend um Wonnen, nimmer ihr gegeben,
Um Magdtum, das erfüllt nicht ward im Weib,
Um all der ungestillten Sehnsucht Qual,
Und aus der pochenden Brust quoll roter Jugend heller Strahl.

O jammervoll zu hören war ihr Schrei
Und jammervoll fürwahr ihr Tod zu schaun,
Bevor der Wollust süße Raserei
Ihr kund ward, dies Mysterium voller Graun,
Das nicht zu kennen, nicht zu leben heißt,
Doch kennst du es, dich in des Todes tödlichste Bande schweißt.

Da war es, daß Kytheras Königin
Mit Silbertauben vor dem goldnen Kahn,
Die all die Nacht lang mit Adonis in
Arkadischer Schäferhütte lag, die Bahn
Nach Paphos zog, über den Menschen fern,
Hoch oben zwischen Bergesgipfeln und dem Morgenstern.

Und als sie unten sah das traurige Paar,
Den Schrei vernahm so schwach, so schmerzensreich,
Der wie Violenton zu hören war,
Hingleitend auf der Luft, hieß sie sogleich
Die Schwingen falten ihren Taubenzug
Und sank zur Erde, kam zum Strand und sah nun Leids genug.

Denn wie ein Gärtner, der, sein Haupt gewandt,
Des Hänflings letztem Ton lauscht, allzu dicht
Hinmähend an des Blumenbeetes Rand,
Achtlos den dorn'gen Schaft der Rose bricht,
Und mit der Blüten aufgelöster Pracht
Den braunen Grund bestreut, wie, seine Herde unbedacht

Hintreibend längs der Flur, ein junger Schäfer
Wohl ein Narzissenpaar zertritt, das hier
Mit gelbem Saume den Marienkäfer
An sich gelockt, den stolzen Falter schier
Zur Demut zwang, mit leichtem Fuße, nicht
So grausam je vermeint, die vollen goldnen Kelche bricht,

Wie ein Schuljunge, seines Buches müd,
Am Bach sich niederwirft aufs schilf'ge Gras,
Zwei Wasserlilien pflückt, am Strand erblüht,
Und kurze Zeit vergißt das Stundenglas,
Dann fortgeht, als erfreuten sie ihn nie,
Und sie die heiße Sonne töten läßt, so lagen sie.

Und Venus rief: »Dies hat nur Artemis
Mit bittrer Hand, die grausame, vollbracht,
Wenn gar nicht die auf der Akropolis,
Die strenge Jungfrau, größer noch an Macht,
In makelloser Majestät – ach, soll
Lieblos ins Haus des Todes gehn ein Paar so liebevoll?«

Jüngling und Maid mit sanfter Hand nun trug
Sie in den goldnen Wagen: weißer als
Mondweiße Perlen sind und mit dem Zug
Der einen blauen Ader, schien ihr Hals
Zu schluchzen noch und, zweifelhaft belebt,
Zu beben noch die Brust, wie windbewegt die Lilie bebt.

Milchweiße Schwingen spannten drauf die Tauben
Und auf ins Morgengrau ging die Fahrt –
Wohl eine leichte Wolke mag sie glauben
Ob Ägeus' Meer, wer sie so hoch gewahrt –
Bis dann die Luft durchschüttert ward von Sang,
Der all die Nacht von Münden blaß um Thammuz' Wunden klang.

Doch als erreicht war die gewohnte Stelle,
Wo einer runden Marmortreppe Schnee
Ins Meer taucht, ließ der Lippen Blütenschwelle
Die Seelen eben noch erzittern, eh'
Sie ganz ins Leere schwand und Venus sah:
Ärmer an einer holden Maid war ihr Gefolge da.

Und hieß mit all den Wundern dieser Mär'
Dann schnitzen einen Zedernsarkophag,
Daß er der beiden duft'ge Ruhstatt wär',
Wo Ölbaumgrün sanft macht den blauen Tag
Auf Paphos' niedren Höhn, das Reh noch röhrt
Zur Mittagszeit und man die Nachtigall bis morgens hört.

Und so geschah's und eh mit spitzem Speer
Die Morgenbiene die Narzisse traf,
Der aufgewachte Hirsch vom Lager her
Zum Bach gesprungen kam und aus dem Schlaf
Die Wasseramsel scheucht' und im Gestein
Sich die Lazerte sonnte, schliefen sie schon unterm Rain.

Und als es Tag ward, flehte Kypria,
Knieend inmitten schwellender Tripode,
Im Silbertempel zu Proserpina,
Sie, deren Liebreiz Schönheit gab dem Tode,
Möge vom bleichen Gatten sich erflehn,
Daß Liebe über Charons eis'ge Wasser dürfe gehn.

III

Im mondlos melancholischen Acheron,
Fern von der schönen Welt, dem frohen Licht,
Wo Lenz nie sproßt, nie Apfelbäume von
Fruchtlast gebeugt stehn, übern Rasen dicht
Der blühende Mai nie streut Kastanienblust,
Nie Drosseln singen, nie der Hänfling lockt zur Hochzeitslust,

Da wo ein dunkler Lethebrunnen floß,
Lag Charmides, der junge; müde brach
Die Blüten er von dem Asphodelos
Und streut' ins dunkle Wasser nach und nach
Ihren geraubten Schatz und sah vom Saum
Die weißen Sterne sinken; und das Land war wie ein Traum.

Wie er nun in die Flut sah und im glatten
Spiegel sein eignes blasses Antlitz fand,
Durch seine braunen Locken, glitt ein Schatten
Über die Fläche, eine kleine Hand
Stahl sich in seine und ein warmer Mund,
An seiner Wange dicht, tat seufzend sein Geheimnis kund.

Die müden Augen wandt' er da und sah,
Und näher zog es beide noch zusammen,
Die jungen Münde näher noch, ganz nah,
Bis sie nur eine Rose sind von Flammen,
Und dann umschlang er sie in Sehnsuchtsmut
Und fühlt' ihr klopfend Herz und jeder Atemhauch war Glut.

All seine Schönheit bot er ihr zum Kuß,
Sie all ihr Magdtum ihm, daß er es töte,
Und Leib an Leib in seligem Genuß,
Wuchs ihre Lust und schwand – zu kühne Flöte,
Dies Glück zu singen, o wie wagst du's nur?!
Genug, daß Eros lacht' auf dieser blumenlosen Flur.

Wie wagst du's nur, zu kühne Poesie?!
Falt' über Ikars Wahn die Schwingen nun
Und laß verborgen deine Melodie
In deiner Leier stummen Saiten ruhn,
Bis du am alten Quell Kastalias standst,
In Lesbos' Wassern Sapphos goldnen Griffel wiederfandst!

Genug, daß ihm, des Leben eine tolle
Flutwelle war von Sünde, hoch geschwellt,
Der lieblose Hades eine volle
Ernte noch gab von jenem Flammenfeld,
Wo Liebe sicher wandelt unverbrannt
Mit nacktem Fuß – genug, daß Lippe noch zu Lippe fand

Zu jenem heißen, wilden Wonnerausch,
Der, bis er stirbt am eignen Übermaß,
Wie alles Leben in dem eignen Rausch
Verschmilzt, eh das Gebot Proserpinas
Zum ebenholznen Throne sie befahl
Des bleichen Gotts, der ihr den Gürtel löst' im Ennatal.


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