Autorenseite

 << zurück 

Kapitel XV

General Alison an Mrs. Drake, die Frau des Colonels

Ich komme dorthin zurück, wo wir stehen geblieben waren, und berichte Ihnen den Rest. Wir werden nie mehr erfahren, wie sie überhaupt dort hin kam, es gibt keinen Weg das herauszufinden. Ständig hatte sie nach schwarzen lebhaften Pferden mit glänzendem Fell Ausschau gehalten – ständig wachsam, hoffend, verzweifelnd, wieder hoffend; immer schnell mit dem Horn zur Hand, bereit, seinen Ruf zu blasen, wenn nur die geringste Aussicht auf Erfolg bestand, die ständigen Enttäuschungen brachen ihr Herz; immer und überall fragte sie nach ihrem Pferd, ging zu allen Auktionen, an jeden Ort, wo viele Pferde waren. Wie sie dann dort hingekommen ist, wird für immer ein Rätsel bleiben.

In meinem vorstehenden Absatz war ich stehen geblieben bei dieser Situation: zwei Pferde lagen sterbend im Ring, der Stier hatte seine Verfolger für einen Moment abgeschüttelt und stand schnaubend da, wild scharrte er Wolken von Staub über seinen Rücken, als der Mann, den er verwundet hatte, wieder aufstieg und in den Ring zurückkehrte, auf einem armen Pferdewrack mit verbundenen Augen, das trotzdem eine seltsam anmutende militärische Würde an sich hatte – und im nächsten Moment schon hatte der Stier es aufgeschlitzt, seine Gedärme quollen heraus und fielen zu Boden: der Stier jagte weiter hinter der Pest seiner Peiniger her. Plötzlich erschallte eine Fanfare im Rund, eine Fanfare die mein Blut gefrieren ließ – »Ich bin es – Soldier komm!« Ich drehte mich um und sah Cathy durch die Masse der Leute die Treppen herunter stürzen, sie sprang mit einem Satz über die Brüstung und rannte zu dem reiterlosen Pferd das ihr entgegen torkelte seit dem Moment, in dem die bekannte Fanfare ertönte; aber seine Kräfte verließen es, es knickte direkt vor ihren Füßen ein und fiel hin, sie weinte und küsste es überschwänglich, das Publikum erhob sich wie ein Mann, weiß vor Angst! Bevor irgendjemand zur Hilfe eilen konnte war der Stier zurück –

Sie kam niemals mehr zu Bewusstsein. Wir trugen sie heim, trugen sie in ihrem eigenen Blute, wir knieten nieder vor ihrem Lager und hörten auf ihre gebrochene Stimme, ihre letzten leisen Worte im Fieberwahn gesprochen, wir beteten für ihre sterbende Seele, es gab keinen Trost und keine Hoffnung mehr – ich glaube es wird niemals mehr Trost und Hoffnung geben. Auf eine besondere Art schien sie glücklich, denn sie war schon auf dem Wege in eine andere Welt unter einem anderen Himmel, sie sah ihre Ranger wieder, ihre Tiere und Freunde, und ihre Soldaten. Die Namen kamen zärtlich und liebevoll über ihre Lippen, einer nach dem anderen, mit vielen Pausen dazwischen. Sie hatte nun keine Schmerzen mehr und lag da mit geschlossenen Augen, abwesend und leer flüsterte sie, wie im Traum. Manchmal noch lächelte sie bei einem der Namen – bei Shekels, oder BB, oder Potter.

Einmal war sie noch in ihrem Fort und gab Befehle, dann wieder jagte sie über die Plains, an der Spitze ihrer Leute, sie übte mit ihrem Pferd; einmal sagte sie mahnend, »du gibst mir den falschen Huf; gib mir den linken – weißt du nicht, das ist Good-Bye?«

Dann lag sie nur noch ganz ruhig da; das Ende war nah. Nach und nach flüsterte sie, »Müde ... schlafen ... nimm Cathy, Mama.« Dann, »Küss mich, Soldier.« Für eine Weile lag sie ganz still, wir wussten nicht, ob sie noch atmete. Dann kam ihre Hand hervor, sie tastete und sagte, »Ich kann es nicht finden, blas' Taps.« Es war das Ende.

***


 << zurück