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6.
Der Praktikant


Es war an einem jener sonnigen Maitage, wo der Prater seine ganze Pracht entfaltet. Tausende von Equipagen rollten die Alleen auf und ab. Die Kaiserstadt schien aus ihrem Winterschlafe erwacht in langen Zügen die würzige Frühlingsluft zu athmen. Auch ich hatte die Feder ins Tintenfaß gesteckt und zu Hut und Stock gegriffen, um mir meinen Antheil an der schönen Frühlingswelt nicht verkümmern zu lassen. Bald trieb ich lustig in dem Menschenstrome dahin. Die reizenden Frauengestalten in den langsam fahrenden Wagen, die Pracht der Toiletten, die funkelnden Equipagen, die herrlichen Pferde: Alles vereinte sich zu einem ewig wechselnden, lebenswarmen Bilde, das auf den Provinzialen einen fast berauschenden Eindruck ausübte. Wie verschwindend klein kam ich mir bei diesem Prunke, diesem Reichthume, diesen hocharistokratischen Wappenschildern an den Wagenschlägen vor! »Das ist Paul Esterhazy!« tönte es rechts, »da kommt der Colalto,« erscholl es links von mir. »Schau, da ist der Schwarzenberg mit seinen Apfelschimmeln! Ah, ah! und der Trautmannsdorf, und die Palfy, und die Pallavicini!« In diesem Tone schwirrte es um mich her, so oft eine neue Equipage heranfuhr. Um Banquiers oder sonstige Götter minorum gentium schien sich keine Seele zu kümmern. Nur bei Rothschilds prächtigem Gespann ward eine Ausnahme gemacht; doch galt die Aufmerksamkeit mehr den edlen Pferden als dem Eigenthümer derselben. Der Wiener hielt heute Revue über seine höchste Aristokratie und freute sich sie alle auf ihrem Platze zu erblicken.

Des vielen Schauens müde bog ich endlich in einen durch eine Gruppe uralter Bäume sich schlängelnden Seitenpfad ein.

Nach und nach schwächte sich das Getümmel der großen Allee ab, der Pfad ward immer einsamer und brachte mich zuletzt an das Ufer eines reizenden Flüßchens, des sogenannten Kaiserwassers. In mannigfaltigen Windungen schlingt sich dasselbe durch Wald und Wiesengrund nach dem großen Donauarme.

Es war mir bisher ergangen, wie es Tausenden von eingebornen Wienern geht. Ich hatte keine Ahnung davon gehabt, daß der Prater so liebliche Partien besitzt. Nie war ich weiter als bis zum Rondeau am Ende der großen Allee und dann in den weltberühmten Wurstelprater gekommen. Der sogenannt Wildprater dagegen war mir ebenso unbekannt als die hohe Tatra. Ich hatte ihn für eine Art riesigen Wildpark gehalten, in welchem es, besonders zur Brunftzeit, nicht gerathen ist umherzustreifen, indem man sonst leicht unangenehme Rencontres mit liebeseligen Hirschen haben kann. Wie erstaunt war ich also ein reizendes Landschaftsbild vor mir zu erblicken, das ich in der unmittelbaren Nähe der Residenz niemals erwartet hätte.

Kein Laut regte sich um mich her; nur dann und wann tauchte ein Reh aus dem Waldesdickicht auf, heftete einen Augenblick seine großen, klugen Augen verwundert auf den seltenen Gast und huschte wieder blitzschnell in das Gebüsch zurück. Das Flüßchen zog leise rauschend seinen Weg und nur ein fernes dumpfes Summen deutete mir an, in welcher Richtung ich meinen Rückweg einzuschlagen hatte.

Während meiner Betrachtung der Scene war mir die Cigarre ausgegangen. Ich suchte nach meinem Feuerzeuge und merkte bald, daß ich es wieder einmal vergessen hatte. Schon wollte ich umkehren, als ich bei einer Windung des Weges einen jungen Mann, am Fuße einer Esche liegen sah. Der Unbekannte hatte, was mir fehlte, eine brennende Cigarre. Bis jetzt schien er mich noch nicht bemerkt zu haben. Den Kopf in die eine Hand gestützt las er eifrig in einem Buche. Vor ihm lagen auf einem Papiere die Ueberreste einer äußerst frugalen Mahlzeit: ein Stück Brod und die Schalen eines schwarzen Rettichs. Auch das Taschenmesser lag geöffnet daneben.

Der Unbekannte schien ganz versunken in seine Lektüre. Nur stellenweise ließ er die Augen vom Buche weg über die Wiesen und das Kaiserwasser schweifen. In seinem Blicke lag etwas Träumerisch-Beschauliches. Das zarte, blasse Gesicht war eines von jenen, die man bei der ersten Begegnung lieb gewinnen kann. Der Anzug zeigte wenig Eleganz, war aber sehr reinlich und durchaus nicht geschmacklos.

Ich zögerte einen Augenblick, ehe ich ihn mit meiner Anrede aus seiner idealen Welt in die sicherlich nicht allzu reizende Wirklichkeit zurückrufen wollte. Dann hustete ich leise.

Der junge Mann blickte von seinem Buche empor Ich trat auf ihn zu.

»Ich störe Sie in Ihrer Lektüre,« sagte ich mit verbindlichem Tone; »meine Cigarre ist ausgegangen. Dürfte ich Sie mit der Bitte um etwas Feuer belästigen?«

»O bitte recht sehr,« erwiderte der Unbekannte mir seine Cigarre hinreichend, »hat gar nichts zu sagen.«

Die Cigarre war eine der heillosen langen Kreuzercigarren, gefertigt aus dem scheußlichsten Kraute, das jemals auf den Namen Tabak Anspruch erhoben hat. Während ich meinen Glimmstengel in Brand setzte, schob der junge Mann mit der Geschwindigkeit eines Eskamoteurs das Brod und den schwarzen Rettich in die Tasche.

»Sie haben sich da ein schönes Plätzchen zum Lesen ausgesucht,« sagte ich die Cigarre dankend zurückgebend. »Ich hätte nicht geglaubt, daß der Prater so reizende Partien hat.«

»Sie sind kein Wiener,« erwiderte der junge Mann etwas zögernd, »man hört es an der Aussprache.«

»Nein, ich bin ein Rheinländer.«

»Ein Rheinländer? Also wohl ein Preuße?«

»Keineswegs; ich bin ein Mainzer.«

»Ich habe gerade von Ihrer schönen Heimath gelesen,« sagte der Unbekannte, lächelnd auf sein Buch weisend. »Was gäbe ich darum, wenn ich den Rhein einmal besuchen könnte!«

Ich warf einen Blick auf das Buch. Es waren Freiligrath's Gedichte. Die aufgeschlagene Blattseite zeigte aus dem Gedicht am Drachenfels die Anfangsstelle:

»Ich zog allein hinab den Rhein,
Am Hag die Rose glühte,
Und wundersam die Luft durchschwamm
Der Duft der Rebenblüthe.« –

Hier endigte die Seite. Ich legte zum Scherze den Finger auf die Blattseite und rezitirte aus dem Gedächtnisse:

»Cyan' und Mohn erglänzten schon
Der Südwind bog die Aehren;
Ueber'm Rolandseck da ließ sich keck
Eines Falken Lustschrei hören.«

»Oh, Sie können Freiligrath auswendig! rief aufspringend der junge Mann. »Sie lieben also auch die deutsche Poesie, Sie lieben meinen Lieblingsdichter Freiligrath!«

»Ich sollte wol meinen,« erwiderte ich lächelnd. »Uebrigens bin ich sogar selbst ein wenig vom Geschäfte.«

»Sie sind wohl auch Dichter?« fragte, mich mit einer Art ehrfurchtsvoller Scheu anblickend, mein junger Unbekannter.

»Nein, das gerade nicht. Ich schreibe zwar hier und da einmal etwas, aber zum Dichter habe ich es nicht gebracht. – Doch, Sie sagten vorhin, Sie möchten gern einmal den Rhein besuchen; warum thun Sie es nicht? Die Reise würde Sie nicht gereuen.«

Der junge Mann sah mich an und schüttelte wehmühtig lächelnd den Kopf.

»Ich bin Praktikant bei der Staatsschuldentilgungskasse.«

»Und dürfen die Praktikanten des vielsilbigen Amtes nicht ins Ausland reisen?« fragte ich weiter.

»Man sieht es wohl, daß Sie kein Wiener sind,« versetzte lächelnd mein neuer Bekannter, »sonst würden Sie an einen Praktikanten diese Frage nicht stellen.«

Ich fing an zu begreifen, welche Bewandtniß es mit der Praktikantenschaft haben dürfte und bereute fast meine vorwitzige Frage. Um dem Gespräche eine andere Wendung zu geben, sagte ich:

»Die Praterfahrt scheint Sie ebensowenig als mich zu interessiren. Wie wäre es, wenn Sie Ihre k. k. Cigarre ins Wasser würfen, sich eine meiner Hamburger anbrennten und mit mir ein wenig hier im Walde herumbummelten, den Sie jedenfalls besser kennen als ich? Doch zuvor erlauben Sie mir Ihnen meine Karte zu geben.«

Der junge Mann nahm mit einer Verbeugung meine Karte und warf einen Blick darauf.

»Ich habe es noch nicht bis zu einer Visitenkarte bringen können, Herr Doktor« erwiderte er nicht ohne Humor. »Mein Name ist Pleschner, Ihnen zu dienen, das Uebrige wissen Sie.«

Herr Pleschner legte meine Karte sorgfältig in den Freiligrath, zündete die Cigarre an und schlürfte mit Wohlbehagen den duftigen Rauch. Dann machten wir uns zusammen auf den Weg, der uns in vielen Wendungen nach dem Feuerwerksplatze führte. Wir plauderten von Deutschland, von dem lustigen Leben auf den deutschen Hochschulen und waren in einer Viertelstunde so bekannt geworden, als ob wir uns schon sehr lang kennten.

Bei dem Gasthause zur Rose, wohin wir jetzt kamen, war fast kein Platz mehr zu finden. Endlich entdeckten wir ziemlich abseits unter einer Ulme noch ein leeres Tischchen. Ich lud meinen Begleiter ein Platz zu nehmen, und bald schäumten zwei mächtige »Halbe« vor uns.

»Sie sagten mir vorhin, daß Sie Praktikant bei einer kaiserlichen Kasse seien« sagte ich, indem ich meinem Begleiter eine andere Cigarre bot. »Wäre es unbescheiden zu fragen, welche Stelle das ist? Ich bin erst kurze Zeit in Wien und habe keinen Begriff von der österreichischen Beamtenhierarchie?«

»Welche Stelle das ist?« erwiderte Pleschner in den Rauch seiner Cigarre blickend. »Das ist schwer zu sagen. Mathematisch ausgedrückt ist ein Praktikant noch etwas weniger als eine Null in der großen Ziffer des österreichischen Beamtenwesens.«

»Also beziehen Sie nur einen geringen Gehalt?«

»Gehalt? Der Praktikant weiß nur vom Hörensagen, was Gehalt ist. Wenn ich zur vollkommenen Zufriedenheit meines Bureauchefs arbeite, so habe ich Hoffnung vielleicht in einem Jahre in die unterste Gehaltklasse einzutreten.«

»Und wieviel beträgt alsdann Ihr Gehalt?«

»Dreihundert Gulden.«

»Und seit wann arbeiten Sie schon gratis?«

»Ungefähr anderthalb Jahre.«

»Also ein Noviziat von dritthalb Jahren,« dachte ich bei mir, »um am Ende dieser Prüfungszeit zweihundert Thaler zu erhalten! Das ist stark.«

Ich zögerte meinen neuen Bekannten weiter nach seinen Verhältnissen auszufragen, weil ich fürchtete ihm mit meiner Neugier zudringlich zu werden. Dennoch konnte ich es mir nicht versagen, wenigstens über einige Punkte noch Aufschluß zu verlangen.

»Und nimmt Ihnen das Amt viel Zeit weg?«

»Täglich sechs Stunden, von neun Uhr bis um drei, manchmal auch noch länger.«

»Ich erscheine Ihnen vielleicht unbescheiden, Herr von Pleschner,« sagte ich nach einer Pause, »aber vielleicht werden Sie bei einem fremden Menschen es weniger als Neugierde, sondern eher als Theilnahme ansehen, wenn ich Sie frage, wie es ihnen unter solchen Umständen möglich ist anständig zu leben ohne die Beihülfe Ihrer Familie in Anspruch zu nehmen.«

Um den Mund meines jungen Begleiters zuckte ein trübes lächeln, während eine leichte Röthe seine Wangen überflog.

»Warum sollte ich Ihnen ein Geheimniß aus Verhältnissen machen, an denen ich ja keinerlei Schuld trage?« sagte er nach einigem Schweigen. »Glauben Sie mir, mein Herr, daß Ihre Theilnahme, weit entfernt mich zu verletzen, mir vielmehr wohlthut. Sie wissen nicht, wie selten man in diesem großen Steinhaufen, Wien genannt, einem offenen, mitfühlenden Herzen begegnet. Ich will Ihnen meine einfache Geschichte erzählen. Vielleicht verschafft es mir Erleichterung, wenn ich mich einmal offen aussprechen kann, und dann können wir ja am Ende ebensogut hiervon als von andern gleichgültigen Dingen sprechen.«

Bei diesen Worten reichte mir Pleschner über den Tisch die Hand, die ich herzlich drückte.

»Mein Vater,« begann der k. k. Praktikant, »war Subalternbeamter im Kanzleifache mit einem Gehalte von 900 fl. Seit vier Jahren schläft er draußen auf dem Schmelzer Friedhofe. Er hinterließ meiner Mutter zwei Kinder, mich und eine jüngere Schwester, und vielleicht hundert Gulden Schulden, an deren Abzahlung wir drei volle Jahre laborirten. Ich war damals 17 Jahre alt und besuchte das akademische Gymnasium. Als braver Student, so nennt man hier nämlich auch die Gymnasiasten, war ich bei sämmtlichen Professoren beliebt. Die traurige Lage unserer Familie gab mir den Entschluß ein, meine Lehrer zu bitten mir, wenn möglich, einige Privatstunden zuzuweisen. Es gelang mir in der That durch ihre Vermittelung monatlich etwa zwanzig Gulden zu verdienen. Meine Mutter konnte als Wittwe eines kaiserlichen Beamten und als gebildete Frau nur solche Arbeiten verrichten, welche sie wenigstens nicht mit den gewöhnlichen Handarbeiterinnen auf gleiche Stufe stellten. So führten wir durch drei Jahre ein Leben voll angestrengter Arbeit und Entbehrungen. Ich benutzte die freie Zeit nach der Schule zum Stundengeben und studirte des Nachts. Endlich hatte ich das Gymnasium absolvirt. An einen Besuch der Universität war unter meinen Verhältnissen nicht zu denken. Ich mußte suchen sobald als möglich selbstständig zu werden. Ein College meines seligen Vaters verschaffte mir durch seine Vermittelung die Stelle als Praktikant bei der Staatsschuldentilgungskasse, welche ich, wie ich Ihnen schon sagte, bereits seit anderthalb Jahren bekleide. Da meine Anstellung keinen Gehalt hat, so mußte ich darauf bedacht sein, mir einen Verdienst zu verschaffen. Nach Schluß des Amtes gebe ich täglich zwei Stunden von vier bis sechs Uhr, wofür ich monatlich 16 fl. erhalte. Außerdem bin ich Aushilfshofmeister in dem S.'schen Institute, wo ich die Zöglinge von 7-8 Uhr Abends zu beaufsichtigen und mit den schwächeren zu korrepetiren habe. Dafür erhalte ich 15 fl., so daß meine Einnahme in runder Summe 31 fl. beträgt. Daß man mit solchen Revenuen sich die Lust zu Rheinreisen vergehen lassen muß, werden Sie mir zugeben, Herr Doktor. Meine einzige Erholung besteht darin, daß ich an meinen seltenen freien Tagen mit einem guten Buche in der Tasche nach dem Prater spaziere und dort mein frugales Mittagsbrot verzehre, bei dessen Dessert Sie mich heute überrascht haben. (Hier zog er die Ueberreste des schwarzen Rettichs aus der Tasche und wies mir sie lachend). Dann stecke ich mir eine Cigarre an, lese und träume. Hier haben Sie meine Biographie, die Schilderung meiner Gegenwart und zugleich auch meine Aussichten für die Zukunft.«

»Und wollen Sie so leicht mit der Zukunft abschließen?« fragte ich nach einer Pause. »Sie sind ein junger Mann. Die Welt steht Ihnen offen; Jugend mit Energie im Bunde verfehlen selten ihr Ziel.«

»Die Karrière eines Beamten ist wie eine arithmetische Progression. Ich werde in einem Jahre 300, in sechs vielleicht 500, zehn Jahre später etwa 900 fl. haben und dabei stehen bleiben. Um es weiter bringen zu können, brauchte ich, was mir gänzlich mangelt, Protektion.«

»Und haben Sie Freude an Ihrer gegenwärtigen Beschäftigung?«

»Fast ebensoviel als der Esel Freude hat an dem Milchkarren, den er täglich in die Stadt schleppt. Was soll ich aber anfangen? Die schwerste Zeit haben wir überstanden. Bekomme ich einmal Gehalt, so braucht wenigstens meine arme Mutter nicht mehr so viel zu arbeiten, und ich kann hoffen, meiner Schwester eine bessere Erziehung geben zu lassen.«

»Aber Sie selbst?«

Der Praktikant zuckte die Achseln. »Ich habe Vaterstelle zu vertreten. Erst kommen die Anderen, nachher ich.«

»Herr v. Pleschner,« sagte ich, hingerissen von Bewunderung für die Selbstverleugnung des jungen Mannes. »Ich bin zwar nur ein einfacher Soldat in der großen Armee der Tagespresse, aber mein Beruf bringt mich oft in Berührung mit einflußreichen Männern. Würden Sie Ihre Praktikantenmisere mit der Stelle eines Beamten an einem der neugegründeten industriellen Institute vertauschen, und glauben Sie, hierzu die nöthige Befähigung zu haben?«

Ein Strahl zweifelvoller Freude blitzte aus den Augen des Praktikanten.

»Ich bin ein tüchtiger Mathematiker, besitze Sprachenkenntniß, zeichne auch nicht übel,« sagte er, »und was Eifer und Treue in der Erfüllung meiner Berufspflicht betrifft, so dürften Sie durch meinen Chef, den Rechnungsrath R., alles Wünschenswerthe über mich erfahren.«

»Ich will Ihnen keine Hoffnung machen, die ich am Ende nicht erfüllen könnte,« versetzte ich. »Darum wollen wir vorläufig noch den Milchkarren zur Stadt schleppen. Geben Sie mir indeß Ihre Adresse und lassen Sie uns dann unser Gespräch über diesen Gegenstand für heute abbrechen. Vertrauen Sie auf Gott, der die Menschen oft wunderbar zusammen führt.«

Der junge Praktikant gab mir seine Adresse und begleitete mich dann nach der Stadt. – Einige Wochen nach unserem Zusammentreffen im Prater hatte ich Gelegenheit einem der finanziellen Matadore der Residenz, welcher zugleich Verwaltungsrath einer Eisenbahn war, in meiner Eigenschaft als Mitarbeiter an einem einflußreichen Journale eine literarische Gefälligkeit zu erweisen, die mich berechtigte seine Verwendung für meinen Schützling in Anspruch zu nehmen. Die Erfüllung meiner Bitte war eine Kleinigkeit für den Finanzier. Er ließ die nöthigen Erkundigungen einziehen, und vierzehn Tage darauf sagte der Praktikant seinem Milchkarren Lebewohl, um eine seinem Alter und seinen Kenntnissen entsprechende Stelle in dem Bureaux der Direktion der Eisenbahn anzutreten. Was die Staatsschuldentilgungskasse betrifft, so wird sie mir hoffentlich verziehen haben, daß ich ihr einen Mitarbeiter an ihrem beschwerlichen Tagewerk entführte.


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