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Fünfzehntes Kapitel

Wie man Fehlgeburten zustande bringt

Wisse, o Wesir – möge Gott dir gnädig sein! –, unzählig sind die Arzneien, die zum Abortus und zur Ausstoßung der Frucht führen. Ich werde dir aber nur diejenigen aufzählen, die ich selber erprobt habe und daher als gut empfehlen kann; auf diese Weise kann ein jeder selbst entscheiden, was nützlich ist und was Schaden bringen kann.

An erster Stelle ist die Krappwurzel zu erwähnen. Diese ist besonders im frischen Zustand wirksam, jedoch auch im getrockneten; in dem letzteren Fall aber muß sie vor dem Gebrauch zerstampft und feucht gemacht werden; sie vernichtet das männliche Sperma oder tötet den Fötus, verursacht Abortus und ruft die Menstruation hervor, wenn sie in die weibliche Scheide gebracht wird.

Dieselbe Wirkung erzielt man auch durch eine Abkochung dieser Pflanze, die von der Frau auf nüchternen Magen getrunken werden muß.

Der Rauch verbrannten Kohlsamens ist ebenfalls ein Abtreibungsmittel; er muß mittels eines Rohres in die Scheide eingeführt werden.

Ich wende mich jetzt zum Alaun. Diesen führt man in pulverisiertem Zustand in die Scheide ein oder bestreut vor dem Coitus den Penis damit; die Empfängnis wird verhindert, indem es dem Samen unmöglich gemacht ist, an den Uterus zu gelangen; denn der Alaun hat die Eigenschaft, die Scheide trocken zu machen und zusammenzuziehen. Durch allzu häufige Anwendung dieses Mittels wird jedoch dauernde Unfruchtbarkeit hervorgerufen.

Wenn der Mann unmittelbar vor der Beiwohnung sein Glied mit Holzteer bestreicht, macht er seinen Samen zeugungsunfähig. Dies ist das wirksamste aller Abortusmittel, und wenn eine Frau während ihrer Schwangerschaft wiederholt eine kleine Menge Holzteer in ihre Scheide einführt, wird sie unfruchtbar werden, und das Kind wird tot zur Welt kommen.

Das Einnehmen von einem Viertel Lot Kirschlorbeerwasser mit etwas Pfeffer befördert die Menstruation und reinigt den Uterus von dem geronnenen Blut, das sich zuweilen darin befindet. Wenn die Frau diese Medizin während ihrer Schwangerschaft anwendet, wird der Embryo dadurch abgetrieben; nach der Entbindung eingenommen, reinigt die Arznei den Uterus von allen schädlichen Stoffen und befördert die Nachgeburt aus dem Leibe.

Das Trinken einer Abkochung von Zimt und roter Myrrhe und das Ausspülen der Scheide mit derselben Mischung tötet den Foetus und treibt ihn ab, wenn es der Wille des allerhöchsten Gottes ist. Wenn die Frucht im Mutterleibe stirbt, wird eine Abkochung von gelben Levkojen sie daraus entfernen, falls es der Wille des allerhöchsten Gottes ist.

Alle von mir aufgezählten Arzneien sind erprobte Mittel, und ihre Wirksamkeit ist gewiß.


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