Heinrich von Kleist
Briefe
Heinrich von Kleist

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1808

Auerswald an Kleist

An Herrn v. Kleist Hochwohlgeboren zu Dresden.

Königsberg, den 5. Jan. 1808

Ew. p. gefäll. Zuschrift vom 22. v. Mts. habe ich zu erhalten das Vergnügen gehabt. Ich danke Ihnen für die mir darin gemachte Mitteilung der Anzeige des für das Jahr 1808 herauskommenden Kunstjournals verbindlichst, und benachrichtige Sie, daß ich es mir angelegen sein lassen werde, solche nach Möglichkeit zu verbreiten. Ich hoffe, daß der Erfolg dieses Unternehmens Ew. p. Wünschen entsprechen wird, da Sie dieses Institut gewiß mit dem regsten Eifer für die Kunst leiten werden und auf Beiträge von den ersten Schriftstellern Deutschlands rechnen dürfen.

Ich habe die Ehre p.

Auerswald.

124. An Ulrike von Kleist

Dresden, den 5. Jan. 1808

Es sind nun schon wieder nahe an drei Monaten, meine teuerste Ulrike, daß ich keine Zeile von Deiner Hand gesehen habe. Dieses Wormlage liegt in einem solchen Winkel der Erde, daß die Post es gar nicht kennt, und der eine sagt, die Briefe gingen über Berlin, der andere, über Cottbus. Ich schicke Dir also diesen Boten, als eine Art von Exekution, die nicht eher von Dir gehe, als bis Du Dich zu einer Antwort entschlossen hast. Setze Dich sogleich hin, mein liebstes Mädchen, und schreibe mir, warum das Geld, das Du mir zu Weihnachten versprochen hast, ausgeblieben ist? Jeder Grund ist zu verschmerzen, nur nicht der, daß Du mir böse bist. Wenn Du es nicht auftreiben kannst, was sehr wohl möglich ist, so muß ich dies wenigstens wissen, damit irgend ein andrer Rat geschafft werden kann. Denn unsere literarische Unternehmung, die den besten Fortgang verspricht, ist in vollem Laufe, Dresden allein bringt 50 Subskribenten auf, woraus Du das Resultat des Ganzen berechnen magst, wenn Du auch nur annimmst, daß von den übrigen Städten in Deutschland, jede 1 nimmt. Die Horen setzten 3000 Exemplare ab; und schwerlich konnte man sich, bei ihrer Erscheinung, lebhafter dafür interessieren, als für den Phöbus. Durch alle drei Hauptgesandten dieser Residenz (den franz., östr. und russischen, welcher letztere sogar (Graf Kanikow) Aufsätze hergibt) zirkulieren Subskriptionslisten, und wir werden das erste Heft auf Velin durch sie an alle Fürsten Deutschlands senden. Es kömmt alles darauf an, daß wir die Unternehmung, in den drei ersten Monaten, aus eigner Kasse bestreiten können, um nachher in jeder Rücksicht völlig gedeckt zu sein. Schreibe mir also unverzüglich, ob Du mir mit einem Vorschuß zu Hülfe kommen kannst, oder nicht; und wenn es bloß daran liegt, daß Du das Ganze, das Du versprachst, nicht auftreiben kannst, so schicke den Teil, den Du vorrätig hattest, und zwar gleich, durch meinen Boten, welches ein, zum Postamt gehöriger, Portechaisenträger, und völlig sicher. Ich schicke Dir eine Handvoll Anzeigen, damit Du auch, oder wer es sei, eine Subskription, wo sich die Gelegenheit findet, veranlassen kannst. Julchen kann eine oder zwei an Martini nach Frankfurt schicken, wo ja auch Lesegesellschaften sein müssen. Adieu, grüße alles, und schreibe mir, was Du willst, nur nicht, daß Du mir nicht mehr so gut bist, als sonst –

Dein Heinrich.
(Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gasse Nr. 123)

N. S. Der Bote ist bezahlt.

Jean Paul an die Redaktion des Phöbus

5. Jan. 1808

Auch ohne die originelle Mittlerin [Frl. v. Hake] würd ich mich zwei solchen kritischen Vermittlern, deren drei Kunstwerke der Prose und Poesie ich schon so lange geschätzt, zu ihrem höheren überrheinschen Bunde angeschlossen haben, sobald sie es begehrt hätten. Ihre Ankündigungs-Worte haben mein Inneres erquickt. Auch ich bin für die vermittelnde Kritik – ist ja alles und das ganze Leben nur Vermittlung und nur die Ewigkeit nicht – und alle jetzigen kritischen Vermittlungen finden in späteren Zeiten und Genien wieder die höhere Vermittlung. Ich werde Ihrem Phöbus zum Gespann vorlegen, was ich Bestes habe – kein Stecken-, Schaukel-, Nürnbergspferd –, und kann ich ihm und mir nicht helfen, so mag meines so nebenher laufen, wie man sonst in Neapel ledige Pferde zur Lust neben dem Gespann mittraben ließ.

*

125. An Johann Wolfgang von Goethe

Hochwohlgeborner Herr,
Hochzuverehrender Herr Geheimrat,

Ew. Exzellenz habe ich die Ehre, in der Anlage gehorsamst das 1. Heft des Phöbus zu überschicken. Es ist auf den »Knieen meines Herzens« daß ich damit vor Ihnen erscheine; möchte das Gefühl, das meine Hände ungewiß macht, den Wert dessen ersetzen, was sie darbringen.

Ich war zu furchtsam, das Trauerspiel, von welchem Ew. Exzellenz hier ein Fragment finden werden, dem Publikum im Ganzen vorzulegen. So, wie es hier steht, wird man vielleicht die Prämissen, als möglich, zugeben müssen, und nachher nicht erschrecken, wenn die Folgerung gezogen wird.

Es ist übrigens ebenso wenig für die Bühne geschrieben, als jenes frühere Drama: der Zerbrochne Krug, und ich kann es nur Ew. Exzellenz gutem Willen zuschreiben, mich aufzumuntern, wenn dies letztere gleichwohl in Weimar gegeben wird. Unsre übrigen Bühnen sind weder vor noch hinter dem Vorhang so beschaffen, daß ich auf diese Auszeichnung rechnen dürfte, und so sehr ich auch sonst in jedem Sinne gern dem Augenblick angehörte, so muß ich doch in diesem Fall auf die Zukunft hinaussehen, weil die Rücksichten gar zu niederschlagend wären.

Herr Adam Müller und ich, wir wiederholen unsre inständigste Bitte, unser Journal gütigst mit einem Beitrag zu beschenken, damit es ihm nicht ganz an dem Glanze fehle, den sein, ein wenig dreist gewählter, Titel verspricht. Wir glauben nicht erst erwähnen zu dürfen, daß die, bei diesem Werke zum Grunde gelegten Abschätzungsregeln der Aufsätze, in einem Falle keine Anwendung leiden können, der schlechthin für uns unschätzbar sein würde. Gestützt auf Ew. Exzellenz gütige Äußerungen hierüber, wagen wir, auf eine Mitteilung zu hoffen, mit der wir schon das 2. Heft dieses Journals ausschmücken könnten. Sollten Umstände, die wir nicht übersehen können, dies unmöglich machen, so werden wir auch eine verzuglose, wenn es sein kann, mit umgehender Post gegebene, Erklärung hierüber als eine Gunstbezeugung aufnehmen, indem diese uns in den Stand setzen würde, wenigstens mit dem Druck der ersten, bis dahin für Sie offenen, Bogen vorzugehn.

Der ich mich mit der innigsten Verehrung und Liebe nenne

Ew. Exzellenz

gehorsamster    
Heinrich von Kleist.

Dresden, den 24. Jan. 1808
Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gasse Nr. 123

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Goethe an Kleist

Ew. Hochwohlgebornen bin ich sehr dankbar für das übersendete Stück des Phöbus. Die prosaischen Aufsätze, wovon mir einige bekannt waren, haben mir viel Vergnügen gemacht. Mit der Penthesilea kann ich mich noch nicht befreunden. Sie ist aus einem so wunderbaren Geschlecht und bewegt sich in einer so fremden Region daß ich mir Zeit nehmen muß mich in beide zu finden. Auch erlauben Sie mir zu sagen (denn wenn man nicht aufrichtig sein sollte, so wäre es besser, man schwiege gar), daß es mich immer betrübt und bekümmert, wenn ich junge Männer von Geist und Talent sehe, die auf ein Theater warten, welches da kommen soll. Ein Jude der auf den Messias, ein Christ der aufs neue Jerusalem, und ein Portugiese der auf den Don Sebastian wartet, machen mir kein größeres Mißbehagen. Vor jedem Brettergerüste möchte ich dem wahrhaft theatralischen Genie sagen: hic Rhodus, hic salta! Auf jedem Jahrmarkt getraue ich mir, auf Bohlen über Fässer geschichtet, mit Calderons Stücken, mutatis mutandis, der gebildeten und ungebildeten Masse das höchste Vergnügen zu machen. Verzeihen Sie mir mein Geradezu: es zeugt von meinem aufrichtigen Wohlwollen. Dergleichen Dinge lassen sich freilich mit freundlichem Tournüren und gefälliger sagen. Ich bin jetzt schon zufrieden, wenn ich nur etwas vom Herzen habe. Nächstens mehr.

Goethe.

Weimar, den 1. Februar 1808

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126. An Heinrich Dieterich

Herrn Herrn Buchhändler Dietrich Wohlgeboren zu Göttingen. Hierbei ein wachsleinenes Paket Sign. H. B. D. worin Bücher.

Ew. Wohlgeboren

haben wir die Ehre anbeigehend 20 Exemplare unsers Journals Phöbus zum Debit zu übersenden. Wir bitten uns den dafür eingehenden Betrag nach Abzug von 33⅓ pCt Rabatt auf nächster Ostermesse zu berechnen. Die Herren Perthes, Cotta, Bertuch, Nicolovius, das Industriecomptoir in Wien, in Leipzig Breitkopf, die Realschulbuchh. in Berlin und Ew. Wohlgeboren haben den Debit ganz ausschließend und niemandem weiter wird unmittelbar zugesendet. Wir bitten Ew. Wohlgeboren um geneigte Beförderung des beikommenden Sr. Majestät von Westfalen adressierten Pakets und wünschen daß Sie sich so viel als möglich für unsere Unternehmung interessieren mögen.

H. v. Kleist   Adam Müller

Dresden, 29. Januar 1808

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127. An Ulrike von Kleist

Meine teuerste Ulrike,

ich schicke Dir das 1. Heft des Phöbus, es wird Dir doch Vergnügen machen, es zu lesen. Grüße alles, ich habe heute keine Zeit, zu schreiben, und bin

Dein treuer Bruder          
Heinrich.

Dresden, den 1. Feb. 1808

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128. An Joseph Thaddäus Freiherrn von Sumeraw

Hoch- und Wohlgeborner Freiherr!
Höchst zu verehrender Herr Staatsminister!

Wir verdanken Ew. Exzellenz gnädiger Verwendung die Gewährung unsres alleruntertänigsten Gesuchs, Seiner Majestät dem Kaiser unser Kunstjournal Phöbus überreichen zu dürfen, und so wagen wir es Hochdenenselben unser Dankgefühl auszudrücken. Die mannigfachen Schwierigkeiten womit ein wohlgemeintes Unternehmen, wie das unserige, in der gegenwärtigen Zeit zu kämpfen hat, sind nichts gegen die Genugtuung, welche wir empfinden, indem uns die Gunst eines erleuchteten Staatsmannes und die Aussicht auf das Wohlwollen des erhabensten Souveräns gewährt wird.

Ew. Exzellenz gnädiger Empfehlung unsre Arbeiten würdig zu machen und in einem Geiste zu schreiben, der Hochdenenselben gefallen könne, wird unter allen Rücksichten, welche sowohl unser Stoff als die Zeit und das deutsche Vaterland uns auflegen, allezeit die erste und teuerste sein.

Unter Gefühlen der tiefsten Verehrung und Dankbarkeit haben wir die Ehre zu sein

Ew. Exzellenz untertänigst

H. v. Kleist   Adam Müller

Dresden, den 4. Februar 1808

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129. An Ulrike von Kleist

Mein liebes Herzens-Rickchen, ich danke Dir. Du hast mich gerührt dadurch, daß Du mich um Verzeihung bittest, daß es nicht mehr sei. Es ist kein Zweifel, daß wir, was den Verlag des Phöbus betrifft, damit auskommen werden. Auf den 1. Jan. 1809, wenn irgend die Sache gut geht, kriegst Du Dein Geld wieder. Hier in Dresden interessiert sich alles, was uns kennt, für unsre Unternehmung. Stelle Dir vor, daß wir von der Regierung, als eine Gesellschaft von Gelehrten, höchstwahrscheinlich (die Sache ist schon so gut, als gewiß) eine kostenfreie Konzession zum Buchhandel erhalten werden; die vier Buchhändler, die hier sind, treten allzusamt dagegen auf, doch man ist festentschlossen, die Konkurrenz zu vergrößern. Es kann uns, bei unsern literarischen und politischen Konnexionen gar nicht fehlen, daß wir den ganzen Handel an uns reißen. Dazu gibt noch obenein keiner von uns den Namen her, sondern die Handlung wird heißen: Phönix-Buchhandlung. Ferner: die Familie Hardenberg hat uns beauftragt, die gesamten Schriften des Novalis (Hardenberg-Novalis, von dem Du mir nicht sagen wirst, daß Du ihn nicht kennst) zu verlegen, und verlangt nichts, als die Veranstaltung einer Prachtausgabe. Wenn die Sache klug, auf dem Wege der Subskription, angefangen wird, so kann dieser einzige Artikel (da so viel seiner Schriften noch ungedruckt waren) unsern Buchhandel heraufbringen; und wir wagen, im schlimmsten Fall, nicht das allermindeste dabei. Auch Goethe und Wieland haben geschrieben, und werden an unserm Journal Anteil nehmen. Der zerbrochene Krug (ein Lustspiel von mir) wird im Februar zu Weimar aufgeführt, wozu ich wahrscheinlich mit Rühle (der Major und Kammerherr geworden ist), wenn der Prinz dahingeht, mitreisen werde. Kurz, alles geht gut, und es fehlt nichts, als daß ich noch ein Jahr älter bin, um Dich von einer Menge von Dingen zu überzeugen, an die Du noch zweifeln magst. Aber sei nur nicht so karg mit Briefen! Was mir verzeihlich war, zu seiner Zeit, ist es darum noch Dir nicht; und wenn Du nicht antwortest, so denk ich, Du machst Dir nichts daraus, wenn ich Dir was Gutes melde. Adieu, grüße alles, aufs Frühjahr bin ich gewiß bei Euch – was ist denn das für ein Komet, den mir Caroline Schönfeld zeigen will? Bald ein mehreres.

H. v. Kleist.

[Dresden,] d. 8. [Februar 1808]

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130. An Heinrich Joseph von Collin

Ew. Wohlgeboren

uns, mit so vieler Herzlichkeit gegebene, Versicherung, unser Kunstjournal, einer eignen Unternehmung gleich, zu unterstützen, hat mir sowohl, als H. Adam Müller, die größte Freude gemacht. Es geschieht, Ihnen einen Beweis zu geben, wie sehr wir jetzt auf Sie rechnen, daß wir unser Gesuch, uns mit einem Beitrag zu beschenken, gleich nach Empfang Ihres Schreibens noch einmal wiederholen. Es könnte uns, bei dem Ziel, das wir uns gesteckt haben, keine Verbindung lieber sein, als mit Ihnen, und so wenig es uns an Manuskripten fehlt: es liegt uns daran, daß Ihr Name bald im Phöbus erscheine. Da das Institut vorzüglich auch dazu bestimmt ist, von großen dramatischen Arbeiten, die unter der Feder sind, Proben zu geben, so würden uns Szenen aus Werken, die unter der Ihrigen sind, ganz vorzüglich willkommen sein. Doch auch für alles andere, was Sie uns geben wollen, werden wir dankbar sein; schicken Sie es nur gradezu an die hiesige Kaisl. Königl. Gesandtschaft, welche alle unsere wechselseitige Mitteilungen zu besorgen die Güte haben wird. Ich bin, außer der Penthesilea, von welcher ein Fragment im ersten Hefte steht, im Besitz noch zweier Tragödien, von deren einen Sie eine Probe im dritten oder vierten Heft sehen werden. Diese Bestrebungen, ernsthaft gemeint, müssen dem Phöbus seinen Charakter geben, und auf der Welt ist niemand, der in diese Idee eingreifen kann, als Sie. Das erste Werk, womit ich wieder auftreten werde, ist Robert Guiskard, Herzog der Normänner. Der Stoff ist, mit den Leuten zu reden, noch ungeheurer; doch in der Kunst kommt es überall auf die Form an, und alles, was eine Gestalt hat, ist meine Sache. Außerdem habe ich noch ein Lustspiel liegen, wovon ich Ihnen eine, zum Behuf einer hiesigen Privatvorstellung (aus der nichts ward) genommene Abschrift schicke. H. v. Goethe läßt es in Weimar einstudieren. Ob es für das Wiener Publikum sein wird? weiß ich nicht; wenn der Erfolg nicht gewiß ist (wahrscheinlich, wir verstehen uns) so erbitte ich es mir lieber wieder zurück. Es ist durch den Baron v. Buol (K. K. Chargé d'Affaires) der es sehr in Affektion genommen hatte, mehreremal dem H. Grafen v. Palfy empfohlen worden (nicht zugeschickt), – aber niemals darauf eine entscheidende Antwort erfolgt. – Von der Penthesilea, die im Druck ist, sollen Sie ein Exemplar haben, sobald sie fertig sein wird. – Sagen Sie mir, ums Himmels willen, ist denn das 1. Phöbusheft bei Ihnen noch nicht erschienen? Und wenn nicht, warum nicht? Wir sind sehr betreten darüber, von dem Industriecomptoir in Wien, dem wir es in Kommission gegeben haben, gar nichts, diesen Gegenstand betreffend, erfahren zu haben. Würden Sie wohl einmal gelegentlich die Gefälligkeit haben, sich danach zu erkundigen? Das zweite Heft ist fertig; und noch nicht einmal die Ankündigung ist in Wien erschienen! – Ich hätte noch dies und das andere, das ich Ihnen schreiben, und worum ich Sie bitten möchte, doch man muß seine Freunde nicht zu sehr quälen, leben Sie also wohl, und überzeugen Sie sich von der Liebe und Verehrung dessen, der sich nennt

Ihr H. v. Kleist.

Dresden, den 14. Feb. 1808
Pirnsche Vorstadt, Nr. 123

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131. An Otto August Rühle von Lilienstern

An den Maj. v. Rühle.

Mein liebster Rühle,

Du mußt mir gleich etwas Geld schicken, um einige notwendige Ausgaben zu bestreiten. Laß es, wenn es sein kann, 30 Rth. sein; Du kannst es Dir ja, nach der Verabredung von gestern, ersetzen.

H. v. K.

Sonnabend, d. – April 1808

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132. An Otto August Rühle von Lilienstern

An den Maj. und Gouverneur Sr. des Pr. Bernhard v. Weimar, H. v. Rühle Hochw. zu Weimar, cito.

Mein liebster Rühle,

ich muß Dich nur noch über einen Punkt instruieren, in Betreff des Ph[öbus], der bei unsrer letzten Zusammenkunft nicht hinlänglich ausgemacht worden ist. Der Ph. muß schlechterdings verkauft werden, es ist an gar keine Kommission zu denken, weil wir die Verlagskosten nicht aufbringen können. Wir müssen uns daher zu jedwedem Opfer verstehen. Weil das Kapital, das wir hineingesteckt, doch verloren sein würde, wenn er aufhört, so muß es lieber in die Schanze geschlagen [werden] zu einer Zeit, da dies noch ein Mittel werden kann, ihn (für künftige Jahre) aufrecht zu erhalten. Ja, um dem Skandal zu entgehen, müssen wir uns noch obenein, wenn man uns nur Kredit geben will, für das Risiko verschreiben – ich weiß, daß Du mit dieser Maßregel nicht voreilig sein wirst. – Adieu.

H. v. Kl.

Dresden, den 4. Mai 1808

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133. An Georg Joachim Göschen

Ew. Wohlgeboren

nehme ich mir die Freiheit, gestützt auf eine eben erhaltene Zuschrift des Hr. v. Rühle, und auf die eigene Bekanntschaft, die ich mit Denselben vor einigen Jahren zu machen das Glück hatte, in Betreff des Phöbus folgenden Vorschlag zu machen. – Es war die gutgemeinte, aber etwas voreilige Hoffnung, die uns der Hr. App. Rat Körner zur Erlangung einer Buchhandlung machte, die uns verführte, den Verlag dieses Kunstjournals auf eigne Kosten zu übernehmen. Die Verweigerung derselben setzt uns außerstand, den Vertrieb desselben gehörig zu besorgen, und hat zugleich unser Verhältnis mit den hiesigen Buchhändlern so gestellt, daß an eine Näherung nicht wohl zu denken ist. Da wir auf jeden andern Vorteil, als diesen, das Werk aufrecht zu erhalten und ihm die Allgemeinheit zu geben, deren es würdig ist, Verzicht leisten: so bieten wir Ew. Wohlgeboren denselben gegen Übernahme der Totalkosten (wovon die Berechnung hier einliegt) von Ihrer Seite – und von unsrer, gänzlich unentgeltliche Lieferung der Manuskripte, und Kredit, was die schon vorhandenen Kosten betrifft, bis zur Ostermesse 1809 an. Für den künftigen Jahrgang müßte ein neuer Kontrakt geschlossen werden. Ich sende Ew. Wohlgeboren das Verzeichnis des 4. und 5. Heftes, und einige, bereits fertige, Sachen davon, woraus sich das Ansehn dieser, zur Messe noch erscheinenden, Lieferung einigermaßen wird beurteilen lassen. – Indem ich nur noch hinzusetze, daß der Druck notwendig nach wie vor hier würde vor sich gehen müssen, versichre ich, daß wir gefällig sein werden, in jedem andern noch nicht berührten Punkt, und habe die Ehre, mit der vorzüglichsten Hochachtung zu sein,

Ew. Wohlgeboren ergebenster          
Heinrich v. Kleist.

Dresden, den 7. Mai 1808

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134. An Johann Friedrich Cotta

Ew. Wohlgeboren

nehme ich mir die Freiheit, in Betreff einiger Manuskripte, die ich vorrätig liegen habe, folgende Vorschläge zu machen.

1) Ob Dieselben das Trauerspiel: Penthesilea, in Verlag nehmen wollen, wovon, um Ursachen, die hier zu weitläufig auseinander zu setzen sind, bereits 7 Bogen gedruckt sind. Dieser Druck der ersten Bogen schreckt die Hr. Buchhändler ab, das Werk anders, als in Kommission, zu übernehmen, und gleichwohl setzen mich die großen Kosten, die mir der Phöbus verursacht, außerstand, im Druck dieses Werks fortzufahren. Da die verspätete Erscheinung der Dramen, wovon der Phöbus Fragmente liefert, diesem Journal in letzter Instanz tötlich sein würde (indem es nur darauf berechnet ist), so muß ich mich, in dieser Lage, an jemand wenden, dem das Interesse der Kunst selbst am Herzen liegt. Ich bin erbötig, Ew. Wohlgeb. die Bestimmung des Honorars gänzlich zu überlassen und Kredit darauf zu geben, bis Ostern 1809, wenn Dieselben nur die Druckkosten, nach dem inliegenden Anschlag, übernehmen, und mir, zur Fortsetzung des Werkes, übersenden wollen. Wenn es nicht anders, als in Kommission genommen werden kann, so bin ich bereit, auf die Berechnung bis Ostern 1810 Kredit zu geben, falls Dieselben mich, durch einen Vorschuß von 150 Rth., in den Stand setzen wollen, Ihnen das Werk unverzüglich zu liefern. – Ich erbitte mir auf einen dieser Punkte eine gefällige Antwort.

2) Ob Ew. Wohlgeb. den Verlag eines Taschenbuchs übernehmen wollen, wozu ich Denselben jährlich ein Drama im Manuskript, und Zeichnungen von Hr. Hartmann, der Szenen daraus darstellen will, überliefern würde. Ich würde, in diesem Jahre, das Käthchen von Heilbronn dazu bestimmen, ein Stück, das mehr in die romantische Gattung schlägt, als die übrigen. – Doch auch eines der andern Stücke, wovon im Phöbus Fragmente erschienen, stehen Ew. Wohlgeboren zu Diensten. – Es wird nächstens noch eins erscheinen, vielleicht, daß dies Denenselben zusagt. Ich erbitte mir über diesen Punkt, wenn er angenommen wird, gefällige Vorschläge.

3) Erbitten wir uns, Hr. Ad. Müller und ich, da Sie außerstand sind, den Phöbus in diesem Jahr zu übernehmen, wenigstens alle Gefälligkeiten, die nötig sind, ihn zu halten. Wir werden Denenselben eine Kritik (wir hoffen, von Hr. Fr. Schlegel, oder wenn dies nicht sein kann, von Hr. Dokt. Wetzel) der fünf erschienenen Hefte, und eine Inhaltsanzeige des sechsten (in welchem Beiträge von Fr. v. Staël und Fr. Schlegel erscheinen werden) zuschicken und bitten, dieselben gefälligst im Morgenblatt zu verbreiten.

Ich habe die Ehre, mit der vorzüglichsten Hochachtung zu sein,

Ew. Wohlgeboren ergebenster          
Heinrich v. Kleist.

Dresden, den 7. Juni 1808
Pirnsche Vorstadt, 123

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135. An Johann Friedrich Cotta

Ew. Wohlgeboren

haben sich wirklich, durch die Übernahme der Penthesilea, einen Anspruch auf meine herzliche und unauslöschliche Ergebenheit erworben. Ich fühle, mit völlig lebhafter Überzeugung, daß diesem Ankauf, unter den jetzigen Umständen, kein anderes Motiv zum Grunde liegen kann, als der gute Wille, einen Schriftsteller nicht untergehen zu lassen, den die Zeit nicht tragen kann; und wenn es mir nun gelingt, mich, ihr zum Trotz, aufrecht zu erhalten, so werd ich in der Tat sagen müssen, daß ich es Ihnen zu verdanken habe. Ew. Wohlgeboren erhalten hierbei ein Exempl. dieses Werks. 300 andere sind bereits an Hr. Böhme in Leipzig abgegangen; 50 hat Arnold erhalten. Ich bitte nur,

1) den 13. Druckbogen (da das Werk nur c. 12 enthält) gelegentlich, von den mir überschickten 353 Rth., in Abrechnung zu stellen;

2) mir schleunigst den Ladenpreis zu bestimmen, damit Hr. Arnold hier mit dem Verkauf vorgehen kann; und

3) zu disponieren, wohin die übrigen Exemplare versandt werden sollen?

Was das Taschenbuch betrifft, so übergebe ich mich damit nunmehr, so wie mit allem, was ich schreibe, ganz und gar in Ew. Wohlgeboren Hände. Wenn ich dichten kann, d. h. wenn ich mich mit jedem Werke, das ich schreibe, so viel erwerben kann, als ich notdürftig brauche, um ein zweites zu schreiben; so sind alle meine Ansprüche an dieses Leben erfüllt. Das Schauspiel, das für das Taschenbuch bestimmt ist, wird, hoff ich, in Wien aufgeführt werden. Da bisher noch von keinem Honorar die Rede war, so hindert dies die Erscheinung des Werkes nicht; inzwischen wünschte ich doch, daß es so spät erschiene, als es Ihr Interesse zuläßt. Ich bitte also, mir gefälligst

4) den äußersten Zeitpunkt vor Michaeli zu bestimmen, da Sie das Manuskript zum Druck in Händen haben müssen.

Ich habe die Ehre mit der herzlichsten und innigsten Verehrung zu sein,

Ew. Wohlgeboren ergebenster          
H. v. Kleist.

Dresden, den 24. Juli 1808
Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gasse Nr. 123

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136. An Ulrike von Kleist

Meine teuerste Ulrike,

Ich hätte Dich so gern diesen Sommer einmal gesehen, um Dir über so manche Dinge Auskunft zu geben und abzufordern, die sich in Briefen nicht anders, als auf eine unvollkommene Art, abtun lassen. Doch mancherlei Ursachen, die gleichfalls zu weitläufig sind, um auseinander gesetzt zu werden, verhindern mich, bis noch auf diese Stunde, Dresden zu verlassen. Der Phöbus hat sich, trotz des gänzlich danieder liegenden Buchhandels, noch bis jetzt erhalten; doch was jetzt, wenn der Krieg ausbricht, daraus werden soll, weiß ich nicht. Es würde mir leicht sein, Dich zu überzeugen, wie gut meine Lage wäre, und wie hoffnungsreich die Aussichten, die sich mir in die Zukunft eröffnen: wenn diese verderbliche Zeit nicht den Erfolg aller ruhigen Bemühungen zerstörte. Gleichwohl ist die Bedingung, unter der ich hier lebe, noch erträglich, und ich fürchte sehr, daß es Euch allen nicht besser geht. Ich habe jetzt wieder ein Stück, durch den hiesigen Maître de plaisir, Grf. Vizthum, an die Sächsische Hauptbühne verkauft, und denke dies, wenn mich der Krieg nicht stört, auch nach Wien zu tun; doch nach Berlin geht es nicht, weil dort nur Übersetzungen kleiner französischer Stücke gegeben werden; und in Kassel ist gar das deutsche Theater ganz abgeschafft und ein französisches an die Stelle gesetzt worden. So wird es wohl, wenn Gott nicht hilft, überall werden. Wer weiß, ob jemand noch, nach hundert Jahren, in dieser Gegend deutsch spricht. Ich bitte Dich, nicht böse zu werden, wenn ich Dir vorderhand die Interessen der 500 Rth. nicht auszahlen kann, ich versichre Dich, daß es ganz unmöglich ist, indem die meisten Buchhändler bis auf Ostern 1809 unsre Schuldner sind. Die eigentliche Absicht dieses Briefes ist, bestimmt zu erfahren, wo Du bist, und Dich zu fragen, ob Du wohl einen reitenden Boten, den ich von hier aus nach Wormlage abfertigen würde, von dort aus weiter nach Fürstenwalde besorgen kannst? Man wünscht jemanden, der in der Mark wohnt (es ist der G. P.), schnell von der Entbindung einer Dame, die in Töplitz ist, zu benachrichtigen. Schreibe mir nur bestimmt: ja, weiter brauch ich nichts; ich überlasse es Dir, ob Du den Boten, den Du in Wormlage aufbringst, wegen etwa allzu großer Weite, erst nach Gulben schicken, und dort einen neuen beitreiben lassen – oder jenen gleich nach Fürstenwalde abgehen lassen willst. Schnelligkeit wird sehr gewünscht. Auch mir antworte sogleich auf diesen Punkt. Vielleicht komme ich in etwa drei Wochen selbst zu Euch, sehe, was Ihr macht, und berichtige meine, oder vielmehr die Schuld eines Freundes. Lebe inzwischen wohl, schreibe mir, was unsre teuerste Tante macht, und die übrigen, und zweifle nie an der unauslöschlichen Liebe Deines

H. v. K.

Dresden, den [?] Aug. 1808

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137. An Ulrike von Kleist

Meine teuerste Ulrike,

Ich hatte mir, in der Tat, schon einen Paß besorgt, um nach Wormlage zu kommen, weil ich Dich in einer wichtigen Sache zu sprechen wünschte. Doch ein heftiges Zahngeschwür hält mich davon ab. Da die Sache keinen Aufschub leidet, so bitte ich Dich, Dich auf einen Wagen zu setzen und zu mir her zu kommen. Ich weiß wohl, daß man keiner andern Schwester so etwas zumuten könnte; doch grade weil Du es bist, so tue ich es. Der Überbringer ist mein Bedienter, in dessen Begleitung Du so sicher, wie in Abrahams Schoß, reisen kannst. Auch kannst Du, wenn Du vorlieb nehmen willst, bei mir wohnen. Es soll mir lieb sein, wenn Du länger bleiben willst, doch ich brauche Dich nur auf einen Tag, und Du kannst, wenn Du willst, mit demselben Wagen wieder zurückreisen. Ich gebe Dir alsdann meinen Bedienten wieder mit. Entschließe Dich, meine liebste Ulrike, schürz und schwinge Dich, das Wetter ist gut, und in drei Tagen ist alles, als wär es nicht geschehen.

H. v. Kleist.

Dresden, den 30. Sept. 1808

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138. An Heinrich Joseph von Collin

Ew. Hochwohlgeboren

habe ich die Ehre, hiermit die Penthesilea, als ein Zeichen meiner innigsten und herzlichsten Verehrung, zu überschicken, und damit ein Versprechen zu lösen, das ich Denenselben zu Anfange des laufenden Jahres gegeben habe.

Herr Hofrat Müller sowohl, als ich, wiederholen die Bitte uns, wenn die öffentlichen Verhältnisse ruhig bleiben sollten, gefälligst mit einem Beitrag für den Phöbus zu versehen.

Das Käthchen von Heilbronn, das ich für die Bühne bearbeitet habe, lege ich Ew. Hochwohlgeb. hiermit ergebenst, zur Durchsicht und Prüfung, ob es zu diesem Zweck tauglich sei, bei.

Indem ich noch bitte, mir, wenn es Ihren Beifall haben, und die Bühne es an sich zu bringen wünschen sollte, diesen Umstand gefälligst bald anzuzeigen, damit mit dem Druck, in Tübingen bei Cotta, der das Werk in Verlag nimmt, nicht vorgegangen werde, habe ich die Ehre mit der vorzüglichsten Hochachtung zu sein,

Ew. Hochwohlgeboren ergebenster          
Heinrich v. Kleist.

Dresden, den 2. Okt. 1808
Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gasse Nr. 123

*

139. An Karl August Varnhagen von Ense

[Dresden, Oktober 1808]

Lieber Varnhagen,

Ich bin zweimal im goldnen Engel gewesen, ohne Sie zu treffen. Heute bin ich krank. Wollen Sie nachmittag eine Tasse Kaffee bei mir trinken? Sie werden damit sehr erfreuen,

Ihren ergebensten          
H. v. Kleist.

Donnerstag

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140. An Ulrike von Kleist

Meine liebste, teuerste Ulrike,

Ich reise, in diesem Augenblick, in der Sache der Fr. v. Haza, von welcher ich Dich, bei Deinem Hiersein in Dresden, einigermaßen unterrichtet habe, nach Lewitz, in der Gegend von Posen ab. Da ich wieder durch die Lausitz gehe, so glaubte ich, bei dieser Gelegenheit, meine Schuld an Pannwitz, abtragen zu können; doch die Ausgaben wachsen mir so über den Kopf, daß ich es nicht bestreiten kann. Tue mir den Gefallen, und decke die 20 Rth., die ich ihm schuldig; ihm schuldig zu sein, quält mich nicht, doch unsrer Minette, die sie ihm vorgeschossen hat. Ich lege Dir den Brief bei, den Du, in diesem Fall, zuzusiegeln, und an ihn abzuschicken hast. Fr. v. Haza ist eine liebenswürdige und vortreffliche Dame, und die ersten Schritte, die ich für sie getan habe, machen es ganz notwendig, daß ich die letzten auch tue. Das allererstemal, daß ich Geld kriege, will ich, so wahr ich bin, gleich an Dich denken. Adieu, vor 14 Tagen bin ich nicht hier zurück.

Dein Heinrich.

Dresden, den 2. Nov. 1808

N. S. Der Buchhändler Walter hat den Phöbus übernommen, und alle Ausgaben sind gedeckt.

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141. An Heinrich Joseph von Collin

An Herrn Heinrich von Collin Hochwohlgeboren zu Wien.

Teuerster Herr von Collin,

Das Käthchen von Heilbronn, das, wie ich selbst einsehe, notwendig verkürzt werden muß, konnte unter keine Hände fallen, denen ich dies Geschäft lieber anvertraute, als den Ihrigen. Verfahren Sie ganz damit, wie es der Zweck Ihrer Bühne erheischt. Auch die Berliner Bühne, die es aufführt, verkürzt es; und ich selbst werde vielleicht noch, für andere Bühnen, ein Gleiches damit vornehmen. – Wie gern hätte ich das Wort von Ihnen gehört, das Ihnen, die Penthesilea betreffend, auf der Zunge zu schweben schien! Wäre es auch gleich ein wenig streng gewesen! Denn wer das Käthchen liebt, dem kann die Penthesilea nicht ganz unbegreiflich sein, sie gehören ja wie das + und - der Algebra zusammen, und sind ein und dasselbe Wesen, nur unter entgegengesetzten Beziehungen gedacht. – Sagen Sie mir dreist, wenn Sie Zeit und Lust haben, was Sie darüber denken; gewiß! es kann mir nicht anders, als lehrreich und angenehm sein. – Hier erfolgt zugleich die Quittung an die K. K. Theaterkasse. Ich schicke sie Ihnen, teuerster Herr von Collin, weil es mir an Bekanntschaften in Wien fehlt, und die Güte, die Sie für mich zeigen, mich zu dieser Freiheit aufmuntert. Besorgen Sie gefälligst die Einziehung des Honorars, und senden Sie es mir, da es Papiere sind, nur mit der Post zu, wenn sich keine andre sichre und prompte Gelegenheit findet. – Schlagen Sie es doch in ein Kuvert ein, an den Baron v. Buol, hiesigen K. K. Chargé d'affaire, so ersparen wir das Postgeld. – Ich verharre mit der innigsten Hochachtung,

Herr von Collin,                    
Ihr ergebenster          
Heinrich von Kleist.

Dresden, den 8. Dezmbr. 1808
Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gasse Nr. 123

*

142. An Otto August Rühle von Lilienstern

An den H. Maj. v. Rühle Hochw. zu Dresden.

[Dresden, 1808]

Mein liebster Rühle, schenke mir oder leihe mir, auf mein ehrliches Gesicht, zehn Taler, zum Lohn für das, was ich Dir gestern getan habe. Wenn ich auf Dich böse bin, so überlebt diese Regung nie eine Nacht, und schon als Du mir die Hand reichtest, beim Weggehen, kam die ganze Empfindung meiner Mutter über mich, und machte mich wieder gut.

H. v. K.


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