Egid Filek
Wienerwald
Egid Filek

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V.

Bergauf, bergab und rundum.

Im Lainzer Tiergarten.

Durch den lichten Herbstnebel steigt steil die Straßenbahn nach Ober Sankt-Veit.

Im klaren Licht des Spätherbstes liegt der Kirchenplatz, wohl einer der schönsten des Wienerwaldbezirkes, und hätte nicht ein neues Haus eine stillose Bresche geschlagen, der Eindruck des Platzes wäre so rein und unverdorben wie noch zu Großvaters Zeit.

Über die grauen Schindeldächer des Wolfrathplatzes ragt hoch empor mit prachtvollem Umriß die weithinschauende Kirche, zusammen mit dem erzbischöflichen Schloß ein Musterbeispiel wohlverstandenen Einfügens der Architektur in die Landschaft.

Ober Sankt-Veit gehört mit dem nordwestlich benachbarten Hacking zu den ältesten Orten an der westlichen 84 Stadtgrenze; sogar die prähistorische Geschichte des Ortes ist uns durch mannigfache reiche und schöne Funde aus der neolithischen Zeit anschaulich belegt. Von den waldweiten Revieren des Tiergartens zieht nämlich südlich von Sankt-Veit ein Trias-Kalkkamm herab, der, in den Fluten der Großstadt verebbend, noch einmal uns einen letzten Rückblick auf die Gipfelcharakteristik voralpiner Kalkberge schenken will. Auf dem höchsten Punkt dieses Kammes, auf dem Gemeindeberg, in dessen Ostflanke der stimmungsvolle Ortsfriedhof eingebettet ist, wurde jene neolithische Ansiedlung ausgegraben, deren Funde merkwürdige Verwandtschaft mit nordgermanischer, ja skandinavischer Keramik und Ornamentik zeigen.

Wundersam mild und ergreifend ist der Ausblick von dem verkarsteten Gipfel des Gemeindeberges. Sperren gegen alle anderen Himmelsrichtungen dornige, macchienartige Gebüsche die Fernsicht, so dringt der Blick südwärts weit hinein in waldstille Bezirke. Ein Wiesental wird von der weiten Schlange, der Tiergartenmauer, umfaßt; darüber buckelt Waldberg hinter Waldberg, verblaut ein Höhenzug über dem anderen, bis über dem Höllenstein ein Stück des Schneeberges herübersieht und über eine flache Senke im Waldgebirge die schöngeformten Berge des Triestingtales erscheinen. Über dem Anninger und den Föhrenbergen aber lockt der Süden; ein seltsam klares Licht liegt dort in der Ferne, im reinsten Blau der Sehnsucht stehen darinnen Berge hinter Berge, ganz rückwärts die breiten Kuppen des Rosaliengebirges.

Das ist eine der Besonderheiten des Wienerwaldes, dieser Blick nach Süden! Wo immer wir stehen, am Waldesrand 86 am freien Südhang, auf dem Gipfel, immer wenden wir uns zuerst nach Süden, wo im reinen Licht, in Pracht und Glanz die trotzigen Zackenburgen der Alpen stehen. Der Wienerwald wäre ohne diesen Blick auf das Hochgebirge seines größten Zaubers verlustig und dann ein Waldland wie jedes andere, läge nicht außerdem noch jener unbeschreibliche Glanz, gemischt aus österreichischer Landschaftskultur und leise einstreichendem Südhauch über ihm.

Zwischen Gemeindeberg und Tiergarten erhebt sich auf einer Kuppe das »Faniteum« des Grafen Lanckoronski. Ursprünglich als Begräbnisstätte für die Gräfin gedacht, dient der schöne Bau, den Laroche aus Basel 1895 in den reinen Formen der Florentiner Frührenaissance aufführte, jetzt wohltätigen Zwecken. In seinem Innern birgt er eine erlesene Sammlung von Kunstwerken aus dem Florenz des 15. Jahrhunderts, prächtige Schnitzereien aus der spanischen Renaissance und vornehme Fresken von Wilhelm von Steinhausen, dem Nestor der deutschen Malerei. Für Kunstfreunde ein reichbegnadeter Platz!

Aber auch der Ort Ober Sankt-Veit ist, abgesehen von seinen reichen historischen Erinnerungen und dem gemütlich stimmenden Eindruck, den die Reihen alter Weinhauerhäuser in der Firmian- und Glasauergasse machen, mit Kunstschätzen reich bedacht. Ist schon die Pfarrkirche ein architektonisches Prunkstück, so ist besonders der Hof des anstoßenden erzbischöflichen Sommerschlosses ein belehrendes Beispiel, wie der wahre Meister mit einfachsten Mitteln den höchsten Eindruck erreicht. Tritt man, von dem modernen Verkehr des Wolfrathplatzes kommend, durch das 87 dämpfende Präludium des Kirchenvorparkes in die Stille des Schloßhofes, so ersteht mit zwingender Kraft aus dieser einfachen, aber von reifster Schönheit getragenen Architektur des Hofes die geistige Größe des späten 16. Säkulums. Das Innere des Schlosses, dessen erster Bau auf die Zeit vor 1500 zurückgeht, enthält ganz entzückende Fresken im Gartentrakt, sie dürften dem kunstreichen und phantasievollen Johann Bergl zuzuschreiben sein, und im 1. Stock neben einem schönen Schnorr von Carolsfeld und einigen gotischen Tafelbildern ein Meisterwerk deutscher Kunst, einen dreiteiligen mächtigen Flügelaltar aus der Schule Dürers, vielleicht von seinem Schüler Hans Schäuffelein, eine Sinfonie von leuchtenden Farben und von hohem dramatischen Ausdruck in der figurenreichen Kreuzigung.

Hinter dem Schloßpark, in dem uralte Baumgruppen über einem dämmernden Teich träumen, zieht die Erzbischofgasse steilauf. Sie führt mit ihrem letzten Stück hoch über dem alten, gänzlich umgebauten Schloß Hacking zur Tiergartenmauer. In Hacking, gleichfalls einem sehr alten Ort, dessen erste Dokumente in die Babenbergerzeit reichen, genannt nach dem Geschlecht der Hackinger, versuchte man um 1760 eine Maulbeerplantage mit Seidenraupenzucht, die aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder einging, da das Klima auf diesen nordseitigen Hängen doch zu rauh war.

Nun bleiben wir der Tiergartenmauer als Führerin in langer Wanderung getreu. 26 km² umhegend, führt sie, eine weithin sichtbare Schlange, bergauf und bergab, durch Wiesen jetzt, dann durch einsame Wälder, nahe den Ortschaften, dann wieder durch viele Kilometer fernab 88 jeder Ansiedlung, ein Gebiet umschließend, das zwar in manchen Teilen gegen Osten und Nordosten den herkömmlichen Wienerwaldcharakter trägt, das aber in seiner Hauptsache, dank jahrhundertelanger Pflege und forstlicher Schonung, durch seine uralten Waldungen Landschaftsbilder von höchster Kraft und malerischer Wirkung hervorbringt. In diesen urwüchsigen Wäldern durchbricht noch immer das Schwarzwild das Dickicht; zu den Tümpeln ziehen, wenn das Abendgold durch die Stämme leuchtet, der Hirsch, das Damwild und die Mufflons; aus der Höhe erklingt der Schrei des Bussards oder des Falken und zwischen das Wurzelwerk alter Eichen wühlt sich der Fuchs.

Dieser Reichtum an botanischen und zoologischen Formen läßt es begreiflich und lobenswert erscheinen, daß nach dem Jahre 1918 der Tiergarten als Naturschutzpark erklärt wurde, damit nicht Raub- und Wucherhände an diesem Heiligtum unberührter Natur sich vergreifen.

Von der Hackinger Höhe zieht die Mauer steilab zur Allee des Auhofes; auf einer Wiese des Tiergartens steht die Kapelle von Sankt Nikolaus, der letzte Rest einer 1529 von den Türken zerstörten alten Ansiedlung. Den Altar schmückte ein schönes Gemälde von Kupelwieser. Als 1918 Bubenhände die Kapelle entweihten und bestahlen, mußte das Bild vor ihnen in Sicherheit gebracht werden. Wo jetzt die Mauer läuft, bestand schon früher eine hölzerne Planke als Wildgatter, die Jagdberichte aus dem 17. Jahrhundert erwähnen.

Die uralte Kastanienallee führt zum schönen Forsthaus Auhof. Voraus grüßen von blauen Waldbergen die Mauern und Türme von Mariabrunn. Der Auhof ist uralter Besitz 89 aus dem 13. Jahrhundert stammt er. 1327 schenkt Friedrich der Schöne das Gut den Nonnen zu Sankt Magdalena vor dem Schottenwald. Erst 1500 kommt es in den kaiserlichen Besitz und wird Wohnung des Forstmeisters. Nach 1529, wo in der Not der Zeit eine allgemeine Wilddieberei entstand, mußte er harte Zucht üben. Denn jeder Wildfrevler, ohne Rücksicht auf seinen Stand, mußte sich im Auhof zur Buße stellen. – Das jetzige Haus stammt aus dem Jahr 1773; ein mit Fresken geschmückter Gartenpavillon fiel 1898 den Flammen zum Opfer.

Bei dem Tor rechts neben dem Auhof stehen zwei mächtige steinerne Eber und hinter jenem Tor in mariatheresiagelber Mauer führt die Jagdstraße in die Geheimnisse des Parkes.

Zur Sauhatz und hörnerfrohen Hochwildjagd zogen sie hier ein, Josef I., Karl VI., der zum erstenmal die kaiserlichen Jagdreviere in dieser Gegend zusammenfaßte, Maria Theresia, die Zäune gegen das Ausbrechen des Wildes anlegen ließ, Josef II., der Erbauer der Mauer, die ganze höfische Pracht des Wiener Kongresses, Franz Josef I., der Naturfreund Rudolf und zuletzt Franz Ferdinand: sie alle haben hier allein, im Freundeskreis oder zu Ehren fürstlicher Gäste der Jagd sich mit jenem weidmännischen Eifer hingegeben, der den Habsburgern seit jeher zu eigen war.

Mariabrunner und Weidlingauer Häuser und Villen mit ihren Gärten treten jetzt nahe an die Mauer heran, bis 90 diese, bei der seltsamen Klippe des Mühlberges sich scharf südwärts wendend, von den Siedlungen sich lostrennt und ihren einsamen Lauf durch die abseitigen Waldungen des Laabersteiges anhebt.

Vorher konnte man noch auf die schöne Senke des Hirschengstemms sehen, zu der der Hornauskogel mit seinem kennzeichnenden Föhrenschopf in schöner Linie absinkt; der Johanneskogel ließ so manches von seinen Eichenwaldgeheimnissen ahnen, trägt er doch auf seiner breiten Kuppe, besonders auf dem Südhang, die erlesene Säulenpracht hochstämmiger, uralter Rieseneichen, zeigten sich im Rückblick die nordzuliegenden Wiesen des Hagenberges; und die Erinnerung an manchen lustigen Skischwung, an manche einsam-beschauliche Skifahrt in jenem Teil des Tiergartens steigt auf.

Jetzt aber versinkt in das Waldesdickicht Mauer und Durchblick und nur ein einziges Mal wird die Landschaft freier, dort, wo unser Weg jene prächtige Wiese quert, die zur Ansiedlung »Baunzen« führt. Es ist eine der schönsten Wienerwaldwiesen.

523 Meter hoch ist der Punkt, wo die Tiergartenmauer am nächsten dem Himmel ist, auf dem Kamm des Laaber Steiges.

Dann aber steigt sie in geänderter Richtung talwärts und schon blinkt die Ferne durch den sich öffnenden Wald.

Im weiten Wiesental liegt Laab am Walde; eingebettet zwischen lichtschattenden Obstbaumfluren glänzen vielfarbig die Häuser und der Turm der wenig ansehnlichen Kirche. Darüber ein Gewoge langgedehnter Waldberge und dann die schärfer profilierte blaue Wand des Höllensteines. Auch 91 Laab ist eine sehr alte Siedlung und wurde samt dem Jagdhof, der dem 12. Jahrhundert entstammen soll, 1529 von den Türken zerstört.

Hier, in diesem Tal, wenn sich die Sonne westwärts neigt und fröhliche Menschen zur Kirchweih ziehen, umblüht und umduftet von der ganzen Farbenpracht des österreichischen Frühlings, hier müßte einmal Beethovens Septett erklingen oder müßten Schubertsche Hörner, vielleicht gar jene aus dem Scherzo der großen C-Dur-Sinfonie, die Wehmut des Abends trinken und sie dann umwebt vom heiteren Gesang schwirrender Geigen in wohligen Sexten durchklingen. In jeder Waldecke würde dann der Geist unserer großen Meister lebendig, die in ihren Werken die beste Schilderung der niederösterreichischen Landschaft geben.

Nach dem Sonnenlicht des Laaber Beckens zwängen aber Bärenberg und der steilabsinkende Kaufberg die Mauer in eine sonnenarme, schluchtartige Enge, welche in kühnem Bogen ein Aquädukt der zweiten Wiener Wasserleitung überspannt.

Erst beim Gütenbachtor wird die Landschaft wieder heiterer, doch tritt, befreit von der Waldenge des Tiergartens, die Straße nach Kalksburg in weite, feuchte Wiesengelände. Aber gleich darauf steigt die Mauer neuerlich, durchzieht buntscheckigen Mischwald, zuletzt Föhrenbestände und erst bei dem Ort Mauer gelangt sie, begrüßt von Weingärten, Äckern und Villen, welche ganz zu ihr heraufgeflüchtet sind, in die Zone der dichtgesiedelten Menschen, die sie an einer Stelle sogar niedergerissen haben, ihren Freund, den langgehegten Wald, rodeten und ihre 92 von der Not der Zeit diktierten primitiven Häuser darauf setzten. Dort, wo die schnurgerade Straße von Speising zur Kaiserinvilla, zur Villa Hermes, zieht, dort hat sich sogar eine ganze Stadt angesiedelt, die sich die Invaliden erbaut haben. Das weißleuchtende Jubiläumsspital und das rotgescheckte Versorgungsheim verdecken die Mauer, die, später ein weites Wiesental umsäumend, gegen das »Faniteum« ansteigt, zum Heurigenschank »Stock im Weg« niederleitet – dort ist zur Zeit der Obstbaumblüte an stillen Werktagsvormittagen eine gar süße, welt- und großstadtferne Idylle – dann steigt sie wieder an, ärgert sich mit den vielen, steilrandigen Waldbächen und erklimmt eine Höhe, von der in den Nachmittagsstunden sich eine gar wundersame Aussicht über Wien weitet. Zu Füßen liegen im vielfarbigen Grün die Villen von Ober Sankt Veit, dann atmet die Landschaft noch einige Male stärker auf, bis sie unter der Last der ungeheuren Häusermasse erdrückt wird. Ferne, in die Klarheit des Abends, ragen die Türme von Sankt Stephan, der Votivkirche und des Rathauses, glänzen die behäbigen Kuppeln anderer Gotteshäuser und schwingt vergnügungsselig der Reif des Riesenrades. Dann ahnt man die Weite der Ebene gegen Carnuntum, hinter der im zartesten Blau Hainburgerberg und Thebnerkogel den Blick festhalten. Südwärts ziehen weiße Wolken, weich, traumselig und musikerfüllt, wie die Landschaft, die sie übersegeln. Jetzt, bevor die Mauer zum steilen Anstieg auf den Hagenberg ansetzt, durchbricht das weiße Band ein großes grünes Tor, neben dem ein kleines Pförtchen sich öffnet, das Adolfstor. 94

Draußen die sonnenselige Wiener Landschaft und gleich wenn die Tür sich hinter uns geschlossen hat, die abgeschlossene, räumlich umgrenzte Traulichkeit des Waldes! Noch entfaltet sich nicht die ganze Pracht des Tiergartenforstes. Erst hinter der hochgelegenen Baderwiese, wo die Aussicht über Wien ungeahnt erweitert ist und sich das Kahlengebirge in einer seltsamen, ungewohnten Perspektive zeigt, wird der Wald hoch und ernst, mischen sich in die Säulenreihen der schlangenleibigen Buchen die mächtigen, düsterknorrigen Eichen, die nirgends mehr im Wienerwald in dieser gewaltigen Pracht anzutreffen sind.

Auf einem flachen Waldsattel liegt das ganz einsame Rohrhaus, wie alle Jägerhäuser unter Josef II. erbaut, dann steigt der Kaltebrünnlberg waldschwer auf. Sein Gipfel aber ist abgeholzt und mit niedrigem Buschwerk bedeckt, welches mitleidig die letzten Reste der Befestigung von anno 1915 unter seinem stachlichen Grün verbirgt.

Einmal kamen wir im späten November herauf, wo noch kein Schnee lag, aber der Rauhreif aus jedem Ast ein Zaubergebilde machte.

Bis zur Baderwiese reichte der unangenehme Stadtnebel, erst dort strahlte eine warme Sonne vom hellgrünen Himmel. Durch den dämmerigen Rauhreifwald stiegen wir auf den höchsten Punkt, den Kaltenbrünnlberg. Aus dem Schatten traten wir in das Sonnenlicht des Gipfelplateaus. 95 Die Äste und Zweige der Gebüsche starrten, armdick mit blitzendem Reif umsponnen, in den glasklaren Himmel. Noch war die Fernsicht verdeckt; aber noch einige Schritte, dann war sie da. In voller Winterpracht ragte das Hochgebirge in die klarste Luft. Schneeberg, Rax, Hochschwab, Reisalpe, Gippel und Göller zackten schneeumhüllt am Horizont. Die Stadt und alle Täler aber deckte das Nebelmeer, dem die Kuppen des Wienerwaldes lichtselig entragten.

Die Fernsicht hier droben ist unsagbar weit, schön und lehrreich. Fast der ganze Wienerwald und ein großer Teil der niederösterreichischen Voralpen läßt sich überblicken. Aber besonders prachtvoll ist das Wiener Becken zu übersehen, denn vom Nußberg bis zur Pottendorfer Senke bleibt kein bedeutungsvoller Teil verborgen.

Über dem benachbarten Hornauskogel, der eine Kalkauflage trägt, die den Wuchs hochstämmiger Föhren begünstigt, während sonst im ganzen Tiergarten der weiche, mergelige Schiefer herrscht, grüßt, noch diesseits der Mauer, der dunkle Schwarzföhrenwald der Brandwiese, welcher, selbst eine Waldeinsamkeit von großartigstem Ernst, mit den prachtvollen Buchen um den Hüttgrabenstadl, den klassischen Eichenwäldern am Johannserkogel, bewohnt von vielen Rudeln Schwarz- und Hochwild, eine der großartigsten Lebensgemeinschaften des Lainzer Tiergartens bildet.

Am Ostfuß des Kaltenbrünnlberges dehnt sich die ungeheure Penzingerwiese, einst der Schauplatz so vieler höfischer Feste, breitet sich eine parkähnliche, teichgeschmückte Landschaft aus, in der wie ein Fremdkörper durch seinen Stil – 96 französische Renaissance –, der nicht zur Landschaft passende Prunkbau der Villa Hermes steht. Hasenauer erbaute, ohne Rücksicht auf die umgebende Landschaft zu nehmen, das Haus in den Jahren 1882 bis 1885 in seiner retrospektiven Art für die Kaiserin Elisabeth, deren unsteter Geist aber auch in diesem Waldtuskulum keine Rast fand. Makart und viele andere bekannte Wiener Maler und Plastiker dieser Jahre schmückten die Innenräume.

Jetzt sind die Bilder verschalt, die Plastiken mit Tüchern umhüllt. Die Fenster sind geschlossen, die Pracht verfällt, sic transit gloria mundi.

Draußen aber duftet und leuchtet in gleicher Pracht wie früher der Wienerwald. 97

 


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