Heinrich Federer
Spitzbube über Spitzbube
Heinrich Federer

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Während dies im heißen Mailand anfangs September 1482 geschah, saß zu Innsbruck am Fenster seiner Burg der lange Erzherzog Sigismund, sah in seine engen, an den Gipfeln schon verschneiten Berge hinauf, zog fröstelnd die Schärpe um die Achseln zusammen und brütete eine neue Falle für den Ehrwürdigen im Ranfte aus. Denn er mußte durchaus Soldaten haben. Seine blassen Augen glänzten von einem frechen Einfall. Er wollte den Waldbruder geradeswegs mit Gold ködern.

Dieser Gottesmann hatte gewiß nur immer Kupfer gesehen. Und im Kupfer ist leicht heilig werden. Aber im Gold! Das kostet einen andern Schweiß. In diesem Metall wie im Sonnenschein des Teufels sitzen und sich daran erwärmen und dabei doch saubere Hände und eine lautere Seele bewahren, das kommt nicht einmal jedes Säkulum vor.

Sigismund hatte zwar mehr Schulden als gelbe Haare auf dem Kopfe. Aber was verschlug es, noch eine Summe mehr in das Kamin zu kreiden. Er ließ also mit Zürnen und Bitten nicht ab, bis ihm der Schatzmeister und Kanzler der städtischen Kassen zweihundert Goldmünzen auf den Tisch schüttete, alle mit seinem langnasigen Gesicht überprägt und dem scheinheiligen Spruch auf dem Revers: nil sine Eius spiritu.

Als die gelben Batzen mit einem herrlichen Gelächter über die Ahornplatte kollerten und in ihrem Widerschein sogar das trockene Gesicht des Kanzlers aus seinen hundert nußbraunen Kerben wie eine Orange aufblühte, da ward Erzherzog Sigismund seiner Sache sicher. Nicht als ob er glaubte, das rohe Gold an sich überwältige den Klausner. Dafür dachte er zu vornehm und klug vom Heiligen. Die geistliche Art, wie die Münzen geschenkt würden, sollten sie erst recht wertvoll machen, ähnlich wie Altargold nicht mehr den frechen Sinn des Dukaten atmet, der über den Markt rollt, sondern schon einen Flimmer von der Morgenröte des Himmels zeigt. So ein frommes Mäntelchen, worein dieses Sündengeld gewickelt werden konnte, wäre zum Beispiel die Bestimmung, Bruderklaus möge sich daraus einen Muttergottesaltar für seine noch so kahle Ranftkapelle beschaffen. Man konnte etwa beifügen, diese Gulden seien aus einem muselmännischen Zierat geschlagen, worauf der Halbmond und ein Koranvers gar heidenmäßig geprahlt hätten, und nun sei es artig genug, daß das nämliche edle Erz aus dem Götzentum zu Christus und seiner allerreinsten Mutter zurückkehre, ähnlich wie die Gabe des Mohrenkönigs sich zu Bethlehem in Marias Schoß ergossen habe.

Des Herzogs Phantasie spielte das Gleichnis übermütig weiter, und als er den Stifterspruch rund und frech beisammen hatte, war sein wetterwendischer Sinn so obenauf gekommen, daß er nach einer alten Knabenart anfing, vor allen Hofleuten im Tanzschritt das große Vorzimmer zu durchkreisen, dazu ein Kneiplied zu pfeifen und abwechselnd bei jedem Reim den drei Windhunden, die lautlos hinter ihm liefen, einen geschickten Box zu versetzen.

Indessen beschattete sich sein Gesicht rasch, als er Umschau hielt, wen er wohl am rätlichsten in den finstern Wald zum hellköpfigen Bruder schicken dürfte. Ein täppischer Mensch konnte auch dieses Geschenk um allen Erfolg bringen. So war sein Sekretarius Jost Bilander gewiß schlau und redfertig. Aber er trank unmäßig und konnte im Ranft, wo es nur Wasser und Milch gab, mit seinen Schnapsfläschchen ein böses Ärgernis geben. Auch sein Medicus Cölestin Gragg hätte einesteils gut gepaßt. Er strebte hager und würdig wie eine Kirchenfahne voran, sprach langsam, mit gemessenen Blicken, und hielt sein Latein fest beisammen. Aber er war ein Fachsimpel, der dem Eremiten leicht Puls und Zunge untersuchte und ein halbes Dutzend Mixturen verschrieb und darüber ganz vergaß, daß er ihn vielmehr zu Sigismunds Politik kurieren sollte. Auch an die Professorenwitwe Händeli dachte er flüchtig. Sie konnte das Paternoster sicher in zehn Sprachen gleich hurtig beten und hatte auch die ärgsten Martyrien unserer lieben Heiligen aus einem blutigen Spanisch in ein noch blutigeres Deutsch übersetzt; ein phantasievolles Evawesen, aber zu fürchten in ihren Sentimenten. Wogegen sämtliche Pilger eines Tones erzählten, wie der Bruderklaus ein nüchterner Kopf sei, keine Silbe Latein wisse, vielmehr seine Andacht in einem knorrigen Schweizerdeutsch verrichte.

So blieb denn Sigismunds lange Fuchsnase schließlich beim städtischen Schatzmeister und herzoglichen Rat stecken, der in einem Trab mit den Hunden hinter ihm hertrippelte, um ja nicht ohne Quittung für die zweihundert Gulden verabschiedet zu werden. Denn dieses Männchen sorgte für den Stadtsäckel so geizig wie für den eigenen und war unter Sparen und Knausern mit vierzig Jahren schon grau und staubig wie ein Sechziger geworden. Soweit man dabei fromm sein kann, war er es sicherlich vor sich und den Menschen. Er betete laut und leise, fastete zu den gebotenen Zeiten und pilgerte zu den drei Klosterkirchen, wo er regelmäßig von zwei Münzen, die er eine Viertelstunde zwischen den Fingern gedreht hatte, schließlich die kleinere wie einen heißen Tropfen Fegefeuer in den Opferkasten fallen ließ. Den größern Batzen, den ihm seine milde kranke Frau zugesteckt hatte, legte er daheim mit aller Heimlichkeit in die Spartruhe, wo sein enges Himmelreich lag.

Dieser Simon Quicker empfahl sich aus vielen Gründen zur heiklen Mission. Zuerst und vor allem war er so gehorsam, als große Herren es nur brauchen können. Vom Tintengütterli des Viertelschreibers rückte er zum doppelten Tintengeschirr des Steuerkassiers und dann Sprosse für Sprosse zum großen Kristallhafen des Schatzmeisters vor, ohne die großen Buchstaben kleiner oder die kleinen größer zu zeichnen, als wie er es in der Demut seiner Lehrlingswochen getan hatte. Das S und Q seines Namens bewahrte den gleichen scheuen Schnörkel einer Schnecke, die noch nie die Hörner gezeigt hat. Die Adeligen der Stadt mit Sigismund an der Spitze, denen das Fliegen, aber nicht das Kriechen der Mitmenschen Sorge macht, sahen nur, wie ihr Schreiberlein in Abhängigkeit aufgewachsen war und sich daran sozusagen gemästet hatte, und ahnten nicht, daß dieses zähe Wesen mit zunehmendem Alter und Geldsack aus seinem dunkeln Schneckenhaus an der Kunzelgasse und aus der ewigen Dienstbarkeit immer öfter in eine Freiheit, wie seine gnädigen Herren sie genossen, hinausguckte oder doch hinausblinzelte. Freilich, wie er sie nähme, diese unbekannte Unabhängigkeit, äße und verdaute, das wußte auch Herr Quicker nicht. Diese Anfechtungen waren so unbestimmter Art, daß der Kanzellarius, sobald seine Hand wieder Zahlen und Zeichen über die Folioblätter schrieb, sich darein völlig vergaß und oft, wenn er am Feierabend die übrigens seltenen Tintenkleckse mit Streusand vom Finger rieb, beinahe glaubte, es seien Tropfen seines Blutes.

So blieb er genau in Wort und Ziffer, zäh, ja geizig im Werk, respektvoll in allen Manieren und trug bei viel steifer Würdigkeit gegenüber dem Volke jenen hübschen Schein von Sorge und Geduld im Gesicht, der allen Sparkatzen eignet. Aber niemand konnte denken, daß er nur wegen blöden Batzen so dulderhaft alt und beinahe abgemergelt aussehe, sondern mußte weiß Gott was für große innere und äußere Schicksale vermuten, die über dieses Haupt gefahren, es zerknittert, aber keineswegs entblättert hatten. Denn warm und dicht lief noch immer der eisgraue Haarpelz über seinen kleinen, runden Haselnußkopf in die Ohren und tief ins Genick hinunter. Seine Lippen dagegen waren dürr und in den Mund gezogen, als sögen sie unablässig an etwas.

Was dem Erzherzog den Mann besonders genehm machte, war jene große Tugend, die ihm selbst durchaus abging: daß Simon Quicker bei keiner noch so langsamen und dürren Arbeit Langeweile empfand, sondern mit seinem grauen Haupt unbeweglich am gleichen Fleck auf den endlichen Erfolg harrte, wirklich ähnlich einem alten, geduldigen Kater vor dem Mauseloch. Die Heiligen, wer weiß es nicht, sind wunderbar an Gnaden; aber auch an Langeweile. Sigismund verehrte sie wie alles Außerordentliche, als da sind Alchimisten, Kunstschützen, Feuerschlucker, Schachfexen, Versespucker, Bücherfabler, Sternleser und, trotz dem Hasse auf Niklaus Cues selig, den Brixener Bischof, auch Grübler mit einer schweren Runzel in der Stirne und einem dünnen, ins Dunkel bohrenden Zeigefinger. Aber die größte Meinung hatte er doch von den Heiligen. Er hätte gerne jedem die Füße geküßt, wenn er dann sofort wieder aus ihrer Tyrannei von Kirchenstille, Sitzenbleiben und Moralpredigt hätte schicklich fliehen dürfen. Ja, diesmal würfe er sich am liebsten selbst in eine unkenntliche Tracht und wallfahrtete geradeswegs in die Urschweiz zum Eremiten. Das bildete in seinen vielen Abenteuern mit hellen und dunklen Existenzen ein ganz unterhaltliches neues. Aber die Straße war lang, der Zugang holperig, die Eidgenossen blieben auch nach dem Ewigen Frieden die alten Grobiane, der Sanktus selbst saß tief unten in einer feuchten Schlucht. Man schwitzte, fror, geriet in Nebel und Regen, und dann kam das Schlimmste, die unermeßliche heilige Langeweile. Wer weiß, durch wie viele Litaneien und Rosenkränze man sich hindurchbeten mußte, bis der große Sonderling ein vernünftiges Wort von Welt und Weltgeschäften abnahm. Nein, das war nichts für sein Quecksilber. Das war Quickers Genie. Der hatte das richtige Blei dazu.

Also war denn die Mission in die Berge genau verabredet und dem Gesandten jede Kleinigkeit auf die Seele gebunden. Er sollte weder in Zürich, noch in Luzern sich länger als zur Notdurft aufhalten, weder in Gespräche, noch in Gesellschaften sich einlassen und ein kluges Inkognito behaupten, bis er vor der Zelle stände und den Klausner so recht aus dem Stegreif fassen könnte. Da mußte er dann die Türkengefahr gelb und rot malen und dartun, wie Sigismund, von den christlichen Herren Nachbarn und Vettern vexiert, sich kaum der eigenen Haut erwehren, geschweige denn gegen den nahenden Erbfeind einige Soldaten aufstellen könne, so daß der Halbmond, wenn es so weitergehe, die bequemste Straße in unsre Lande finde. Dann würden auch die Gletscher und Felsen Unterwaldens den alten Väterglauben nicht mehr schützen. Inzwischen säßen leider sotane Eidgenossen auf ihren Butterballen und Schafpelzen und sorgen sich um ihre Kälber, oder wenn sie noch über einen Ochsenschwanz hinausblicken, geschieht es, um mit den Italienern und Franzosen zu liebäugeln, obwohl es weltbekannt ist, daß diese Halunken mit den Muselmannen unter einer Decke stecken und den Halbmond gegen das Heilige Römische Reich und seinen treuesten Bannerträger Österreich aufwiegeln. Also zu Hilfe, ihr Schweizer! Ihr seid doch vom gleichen Glauben, von gleichen Sitten und vom gleichen gemütlichen Deutsch wie wir. Sigismund beistehen heißt jetzt, sich selber beistehen, noch mehr: heißt, dem Christentum beistehen.

Noch vieles wurde eingeschärft. Simon Quicker notierte sich alles in kleinen zierlichen Schlagwörtern auf den innern Deckel seines großen lateinischen Gebetbuches. Darunter waren auch übelriechende und infame Anekdoten über die Sforza, den König Ludwig und seinen lockern Sohn Karl, der häßlich sei wie des Teufels Großmutter; aber auch eine Vision, in der eine hundertjährige Nonne im Pustertal den Erzengel Michael wollte gesehen haben, wie er in österreichischen Farben und mit Sigismunds langer Locke und Nase Konstantinopolis berannte und ein Kreuz auf die Sophienmoschee steckte. Aber all dies sollte dezent, ein bißchen unbestimmt, das Gröbste mehr mit Mienen und der Gebärde: lasset mich lieber schweigen! ausgedrückt werden. Auch von den Innsbrucker Gnadenorten sollte Herr Simon die Mirabilia berichten, gleichsam die Stadt und Landschaft bis unter die Felsen von allem Erbaulichen abgrasen und so unvermerkt zeigen, in welcher Luft und Geistigkeit der Herzog seine alternden Tage zubringe.

So tuschelten sie in der Fensternische unter der Helle und Unschuld des Gipfelschnees und hielten, daß nichts hineinlausche, die kurze und die lange Nase wie Spitzbuben zusammen. Wenn dann der Einsiedler, von so viel frommer Schelmerei übernommen, zu allem Ja und Amen gesagt hätte, dann begänne die Mission bei den Regierenden, das Werben, Notieren, Urkunden, Siegeln, kurz ein so strammes Aufstellen der Söldnerkompagnien im Kontrakt, daß sie beim ersten Wink vom Papier auf die Sigismundschen Schlachtfelder hinausmarschieren und siegen konnten. Für jede Kompagnie bekäme Herr Quicker vier Goldgulden.

In der Urschweiz selbst war wenig zu hoffen. Da fütterte man das Volk noch immer mit den alten Schauerlegenden von Blutvögten, mit denen das milde Österreich ehemals hier gewütet habe. Von einigen Junkern in Luzern . . . leider lebte der wohlgesinnte Jost Göldli nicht mehr . . . konnte man schon eher Beistand erwarten. Aber am günstigsten mochte Zürich sein, wohin Simon nach einer Anstandsvisite beim Abt von Einsiedeln sich begeben und mit dem Bürgermeister Waldmann, den Röuist und Edlibach unterhandeln sollte. Hier nun galt es, Majestät entwickeln, den schönsten Rock anziehen und vor allem in möglichst hohen Stiefelabsätzen auftreten, um einen Zoll größer zu erscheinen. Denn diese Eidgenossen sind unverschämt lange Kerle und schauen niederträchtig auf kleine Staturen hinunter. Auch mit großen Zahlen solle Simon da nicht kargen, und wenn man zum voraus Pension heische, solle er dreist schwören, daß Sigismund selbst, sobald er die Kontrakte in Händen habe, mit einer Herde silberbeladener Esel über den Arlberg kommen werde, um höchsteigen die Gelder auszustreuen und den Magistraten seine Bundesfreundschaft zu bezeigen. Das war auch nicht gerade gelogen. Sigismund reiste gerne, zumal wenn es im Prahlen der Fürstengnade geschehen konnte. Er, der Verschwender, hätte am liebsten wie eine Sonne sich über die Länder verbreitet und Gold in dicken Strahlen um sich herum ergossen. Leider, spottete der Hofnarr, habe diese Sonne für sich selber schon zu wenig Licht und müsse sich oft mit Wachs und sogar mit Unschlittkerzen behelfen. Aber zu Martini wurden nun wertvolle Pfänder im Trienter- und Brixenergebiet frei; Kaiser Friedrich hatte die Ohmgelder auszuzahlen. Dann konnte Sigismund die Sonnenrolle wohl ein Weilchen spielen und am Ende selbst die Wildnis des Eremiten damit vergolden.

Im übrigen möge Simon Quicker stets seine schöne Ruhe bewahren, alles mit Würde betreiben, sich mit keinem Wort übereilen, nie Freude zeigen, und wenn der Faden leicht von der Spindel laufe, ihn doppelt sorglich zwischen den Fingern drehen. Zwei uralte Dogmen der Regierungsweisheit solle er sich ans Morgen- und Nachtgebet hängen: in diplomatia nequaquam velociter! Die Schnecke ist der beste Politiker. Und das zweite Gebot: sich nie verblüffen lassen! Ein braver Legat kennt kein Erstaunen.

Als endlich der letzte Tupf aufs i gesetzt und dem Schatzamt, bis Herr Quicker zurückkäme, ein verantwortlicher Verweser gegeben war, begleitete der Herzog seinen Gesandten fröhlich zur Türe, tätschelte ihn auf die Schulter und wünschte: »So reiset denn wie ein glücklicher Österreicher! Geht mit Zügeln, kommt mit Flügeln!« Dann wandte er sich zu den Windhunden, die dummhöflich hinter ihm standen, zog Zwiebackschnitzel aus dem Brustschlitz und warf sie weit ins Zimmer: »Hüst, Heinricke, pack zu! Peter, avanti . . .!« Aber in diesem Augenblick zog ihn jemand bescheiden von hinten am Ärmel, und Simon Quicker, den er schon über Inn und Rhein wähnte, stand noch am gleichen Fleck und sagte mit leiser Zähigkeit: »Und mein Reise-, Pflege und Schmerzensgeld, herzogliche Gnaden?«

»Jaso, selbstverständlich, wenn Ihr zurückkommt . . .« erwiderte Sigismund mit einem unangenehmen Lachen.

»Das steht bei Gott, ob ich aus jenen Wildnissen zurückkehre,« seufzte der Gesandte. »Dann sollen sich wenigstens Frau und Kind meiner Mühsal erfreuen.«

»So nehmet einen Vorschuß aus der Stadtkasse!«

»Hoheit, das ist wider mein Amtsgelübde.«

»Dann holet vom Eurigen, reicher Kauz. Ich erstatt' es Euch mit zehn Prozent . . . Soll ich's noch schreiben . . .? Fürstenwort . . .!«

Unbeweglich stand der Ratsherr vor ihm und sagte nicht Nein.

»Also klecksen wir, klecksen wir,« spottete der Herzog mit unschöner Stimme. »Beruhigen wir diesen Siebennöter.« Und er setzte sich an seinen trotz des Tages mit vier Kerzen beleuchteten Tisch am weiten Fenster, streckte die langen Beine aus, klappte kindisch die Schuhspitzen gegeneinander und suchte, während er leise durch die Zähne flötete, einen passenden Federkiel.

»Zwölf Kreuzer pro Tag,« fragte er und drehte den langen Hals leicht gegen Simon, »he, das scheint mir ein reichlicher Satz.«

»Geruht fünfzehneinhalb,« bettelte Herr Quicker. »Bei den Eidgenossen lebt und stirbt man teuer.«

»Dann sechzehn, ich bin nicht ungerad . . . Sechs Wochen schätz ich zum längsten . . . Schmier- und Schenkgelder, sagen wir fünfzig Dukaten. Das stopft viele Mäuler . . . Also siebenmal sechzehn mal sechs . . . macht . . .«

Hart neben dem Fürsten stand der Kanzellarius und fühlte bei dem leichten und lockern Gebaren Sigismunds einen dumpfen Groll in sich aufsteigen. Indem er diesen paar Federstrichen zuhörte, die eher wie ein Spiel als wie eine Arbeit klangen, und mit denen über ihn, den kleinen Simon Quicker, über sein Schicksal, seine Gefahr, vielleicht über sein Leben und Sterben im totschlägerischen Schweizerland von einem pfeifenden und stiefelklöppelnden Herrn entschieden wurde, fiel ihm seine Abhängigkeit schwer wie noch nie ins Blut. Ihn dünkte plötzlich, er stehe wie in der Luft. Wo er auch immer sitze und diene und arbeite, überall könne ihn so ein Federstrich wegblasen. Jene langen Finger da schreiben und regieren, dachte er empört; ich schreibe und ducke mich. Ja, ich schreibe und rechne und diene seit zwanzig Jahren und habe kein noch so kleines, freies Plätzchen gewonnen, wo ich Herr und Meister bin und feststehe, wenn mich ein Großer von seinen Tinten und Stühlen fortbläst.

Quicker erinnerte sich mit dem alten sauren Verdruß an das kleine Haus, wo er mit Frau und Tochter wohnte, aber dessen kurzweiligere Hälfte gegen die Kunzelgasse dem Wittib seines früh verblichenen Bruders und Buchbinders selig nutznießend gehörte. Seine Kammern standen im Rücken des Hauses und sahen aus ihrer Vergitterung in einen Obst- und Wiesengarten hinaus – verwahrlostes, oberherrliches Gut – dessen Gezweige in seine Fenster kroch, ihm die Sonne stahl und doch nicht eine Birne, die ihm fast in den Mund wuchs, abzubeißen erlaubte. Dieser hoch ummauerte Garten in seiner Verwilderung und Abgeschlossenheit, voll Grün und Sonne und Stille bis zum Fluß hinunter, deuchte ihn je länger je mehr das Ideal der Unabhängigkeit. Mir und für mich! schien die Wiese, schienen die ungeschüttelten Bäume, die Beerenbüsche und ihre Gratisgäste, Vögel und Immen, schien besonders das verlotterte, aber hübsch in aller stillen Mitte liegende Gartenhaus zu sagen: mir und für mich! Oft rechnete Simon aus, was er täte, wenn ihm das Gut gehörte, welche Bäume abgeholzt, wieviele Kesselchen Beeren gewonnen, wieviel Gras gemäht, Obst gepflückt und gedörrt, welcher Bienenstand gesetzt und um welche Summe eine Meranerkuh in den Stall gelagert, endlich wie das Gartenhaus mit den sechs Fenstern bequem zu einem kleinen, einsamen, eigenherrlichen Wohnhaus umgehobelt würde. So oft beschäftigte er sich damit, wenn ihn der Amtsgürtel besonders eng deuchte, daß er die Einnahmen und Ausgaben des Gutes auf den Heller kannte, die Schuldscheine und Quittungen geschrieben sah und sich etwa beim Entschluß ertappte: Aber nächstes Jahr will ich es gegen das Wasser hinunter doch einmal mit Randich und Hasenklee probieren . . . Dann stieß er wohl mit seinem Haarschopf ans Fenstergitter, erwachte und zog seufzend das Vorhängchen vor.

So galt es also auf den Tod der Schwägerin Ursula Quicker warten, um wenigstens den Käfig mit niemand teilen zu müssen. Denn was das Nächstliegende wäre, ein hübsches Haus aus seinen großen Ersparnissen zu bauen, eine solche Tollkühnheit fiel seiner unendlich konservativen, geizigen und mißtrauischen Seele nicht im Traume ein. Jene Ursula aber, schon der Name ließ nichts Gutes hoffen, zählte erst vierzig Jahre wie er, hatte noch hochblondes schweres Haar, eine Stirne, glatt und froh wie eine Fensterscheibe, und eine Mutter bei sich, die mit ihren zweiundachtzig Jahren noch Haselnüsse aufbiß.

Der Herzog, der abscheuliche Kalligraph, kritzelte am Fenster sorglos weiter, und die Berge gegenüber lachten ihm wie souveräne Brüder ins Gesicht. So schreiben können! Im Rechnungsamt waren die Fenster schon viel schmaler, und erst daheim! Es war ein Käfig, und was er erschrieb und errechnete, geschah für einen Käfig und ein Käfigleben bis zum Sarg.

Warum habe ich noch kein Sohlenbreit Boden, wo ich sagen kann: da steh' ich, da trotz' ich, da regier' ich . . .? Nicht einen Schritt kann ich auf Eigenem tun. Der Herzog schreibt: ich will! du gehst in die Schweiz! Du tust und dienst mir so und so, basta . . .! Und ich schreibe: gehorsamster Diener, untertänigster Rat . . . und komme in hundert Tintenklecksjahren nie zum einfachen Kritz: ich will! . . . Wann, Simon Quicker, tust du einmal etwas für dich allein? Etwa die Reise zu den Eidgenossen? So viele abenteuerliche Wochen aus meinem Hock heraus, mit Schwitzen und Schwatzen, Lügen und Betrügen und bestenfalls mit einem verkälteten und verschnupften Heimkommen und wieder in den Käfig Sitzen, mit dem Gitter, Geäst und ewigen Schatten? . . . Ein wahrer Frost überrieselte ihn.

Was er in tausend kleinen, stillen Revolutiönchen an seiner Kasse und Stabelle gelitten, verbissen und immer wieder in der Amtstinte ertränkt hatte, das wollte jetzt, wo er quasi Leben und Ingenium seinem Herrn für eine ungewisse Fahrt verkauft hatte, in einer einzigen Empörung aufstehen. Zum erstenmal wagte er sich zu sagen: ist da Gold genug? aber klappte schon beim bloßen Namen des geliebten Drecks schwächlich zusammen. Nein, ermannte er sich nochmals, Gold freilich, ja, viel Gold, liebes, starkes, herrliches Gold! aber noch etwas anderes dazu, etwas Luft, Licht . . . Platz . . . etwas Gart . . .

»Da!« Der Herzog reichte das Blatt und wunderte sich nicht, daß der Kanzler vor so viel Gnade in einem scharfen, erschreckten Bückling zusammenfuhr. »Leset, Herr Legat!«

Simon Quicker raffte sich auf, prüfte sorglich jedes Wort des Schuldscheins nach hinten und vorne und rückte inwährend eng und enger an den herzoglichen Sessel. Die Heinricke beschnüffelte argwöhnisch seine dürren Waden.

»Ist Eurer Ehrenfestigkeit noch nicht genug getan?« fragte endlich Sigismund mit einem Versuch von Gemütlichkeit.

»Euer Gnaden,« erwiderte Simon und stieß alle Hörnerkraft seines Schneckenlebens in diesen einen Augenblick zusammen, »das ist Papier und regierendes herzogliches Papier. Aber in unsern wilden Zeiten verfliegt Papier wie eine Schneeflocke dort an den Gräten. Ich möchte ein Pfand,« fuhr er satzlicher fort, da er sah, daß weder die Berge ins Fenster stürzten, noch der Erzherzog eine Falte zog, noch auch nur ein Windhund knurrte, »ein handliches Pfand, geschehe was wolle, daß niemand Eueren gnädigen Willen und mein gutes Recht einmal böslich umbiegen kann . . . Verzeihung, Herr, ich . . .«

»Setzen wir uns,« lud jetzt Sigismund merkwürdig sanft ein und errötete leicht den magern Hals hinauf über das farblose, lange Gesicht. Hundertmal in der Klemme, hatte er schon hundertmal solche Demütigungen erlebt. Aber jedesmal schoß ihm die Scham wieder bis unters Haar. Er sann nach und kaute dabei an den goldenen Zipfeln seines Schnurrbarts.

»Ich übernehme aus purem Gehorsam für Euer Gnaden eine Sache, die mir persönlich ganz und gar wider den Strich geht,« erklärte Simon, die Stimmung rasch ausnützend, mit leiser, harter Stimme. »Eure Hoheit weiß doch, daß ich gewohnt bin, von morgens bis abends am Pult zu sitzen oder an der Kasse, und daß ich seit der hohen Schule zu Prag, wo ich leider zwei Jahre in litteris artibusque vergeudet habe, nie mehr zwei Stunden über Innsbruck hinausgekommen bin. Die Berge kenne ich nur vom Anschauen und,« vermerkte er bitter, »vom Schatten. Die schweizerischen aber sollen noch zehnmal gröber und finsterer sein als die hiesigen. Das Reisen ist mir ein Greuel. Auf Waffen versteh' ich mich nicht. Und nun überleget Euch, mit so viel Gold durch so verschrienes Volk reisen . . .«

Sigismund nickte gelangweilt: ja, ja, er begreife.

»Und ungern,« fuhr Simon nun in eintönigem Kanzleiton weiter, »verlass' ich für soviel Zeit und auf so ein Risiko meine . . . Ihr wisset ja . . . etwas einfältige Tochter und mein sieches Weib . . . Soll ich nun so hart wider meine Natur arbeiten und Euch das Gebet eines Heiligen und noch eine Armee bringen, so darf ich von Eurer Generosität eine feste und greifbare Gegenleistung fordern . . . Gebet mir denn, ich bitt' Euch um aller Heiligen willen . . .« er stockte, sein kleines Gesicht verschlüpfte sich beinahe zwischen dem Kragen und Haarschopf, »gebet mir das . . . Wieslin . . . den Garten . . . das Inngüetl, das Eure Wirtschafter, die Faulpelze, verlottern lassen und das so hexigschön an meine Fenster reicht . . . Ja, Inngüetl heißt es . . . da könnte meine Frau, die fast stirbt vor Schatten, in die Sonne und gute Luft hinaussitzen und noch einmal zu roten Backen kommen. Schon acht Jahre sitzen oder liegen ohne Sonne . . . Herr . . .! Und Ihr verliert ja nichts, habt noch Eure großen Schloßgärten bis zur Aue hinaus. Hingegen das Inngüetl laßt Ihr verkommen, kennet es kaum von Aug . . . o teurer Herr, schenket es mir . . .! Und ich zerreiß alsogleich diesen Schuldschein und spring wie eine Gemse in die Schweizerberge und . . . und stampf Euch, wie jener Römer sagte, Legionen aus dem Boden . . .«

Er atmete schwer auf und erwartete ein Donnerwetter. Aber der Erzherzog schüttelte belustigt seine schönen, gelben Locken, das einzige echte Gold, das er noch besaß und niemandem verpfändet hatte. So komisch sah und hörte sich das trockene Zahlenmännchen an, daß er Mühe hatte, nicht wie bei einer Komödie zu klatschen und zu ermuntern: bis! bis!

»Ihr scherzet doch wohl,« spaßte er endlich, »im Güetl wachsen nur saure Zwetschen und Äpfel, Herr Legatus, aus denen man Essig preßt . . .«

»Um so leichter zu vergeben, Erzherzog! Ich würde dennoch Gemüse pflanzen, Kohl, Rüben, Bohnen, Salat . . .«

»So was gedeiht dort gar nicht,« übertrieb Sigismund neckend.

»Und häuselte mich ein bißchen über dem Wasser, wo das Stadel oder Gartenhüttel steht, mit der Familie ein . . . ich . . . einfach . . . Hoheit, nehmet den Zettel, zerreißt ihn . . .«

Er hielt dem Fürsten den Schuldschein vors Gesicht. »Wir bekennen Uns schuldig . . .« grinste es ihm da häßlich in der eigenen Schrift entgegen, »pro Tag . . . pro Woche . . . zehen Procenti . . . für gütigen Vorschuß . . . in summa . . .« Zahlen, Zahlen, Zahlen! Nichts als Geld, das er nicht hatte, nicht zahlen konnte, pfui Teufel, auch nicht zahlen wollte . . . Nur kein Geld schwitzen . . .! Wirklich, was verliert er am Inngüetl? Was schert er sich darum? Nehm' er's! Nur kein Geld!

Er packt das Blatt, schwenkt es leichtherzig vor die Hunde. Sie schnuppern daran, im Nu ist's in Fetzen.

»So habet den Dreck!«

»Das nun möchte ich gewissenhaft dokumentiert sehen,« drängte Herr Quicker mit der herzklopfenden Angst eines Menschen, dem ein Glück, wofür er ein Leben verschwendet, nun wie ein Sonnenstrahl ohne Zwang und Not in den Hosensack schoß, aber ebenso wieder entschlüpfen könnte. Er tunkte mit verzweifelter Frechheit die Feder ins Geschirr und reichte sie dem Fürsten. »Dahero,« lispelte er dienerhaft demütig, verlange ich keine Reisevergütung, item keine Löhnung für Geleit und Sporteln, item kein Entgelt für alle Strapazen, Fährlichkeiten und Ängsten, nichts, gar nichts als mir ohnedies ausbedungen ward, scilicet vier Goldgulden für jede Kompagnie, die ich für Euer Gnaden aus jenem Soldatenlande unter Blei und Siegel zugesichert erhalte . . . bitte, durchlauchtigster Herr, bemerket nichts anderes, nur das noch auf dem Papier . . .«

Sigismund runzelte leicht die Stirne, indem er nochmals zu schreiben begann. Aber seine blassen Augen heiterten sich rasch auf. Er pfiff leise durch die langen Oberzähne, punktierte und stempelte am Rande und reichte das Blatt mit witzig bewegten Mundwinkeln: »Leset, Legat!«

Das braune Gesichtlein des Zahlenmenschen ward noch um eine Farbe dunkler. Der Zettel zitterte in seiner Hand, er fuhr sich wie in einem Wirbel an die Stirne und brockte endlich ärmlich hervor: »Unmöglich, Hoheit, unmöglich!«

»So ist es billig,« regierte Sigismund und reckte sich vor dem kleinen Kassierer in seiner langen, schlanken Fürstlichkeit empor. Von der Höhe wie vom regierenden Himmel herab ertönte es nun kategorisch: »Simon Quicker, Euch gehören der Garten und für jede Kompagnie noch zwei Doppelgulden. Aber wenn Ihr heimkommt ohne Segen und Soldaten, dann stehen die Dinge wie vorher: ich zahle nichts und muß meine sauren Zwetschen wieder selber essen. Überlegt es Euch, bis ich die Bestien da gefüttert habe . . . He, Peter . . . Nikola, Heinricke, wer packt das . . . und das . . .? – coraggio!« Er schmiß die Biskotti aus der Brusttasche weit übers Parkett, neckte und reizte und schrie vor Spaß, wenn die schlanken Windspiele auf der schlüpfrigen Diele ausglitten oder sich in die Schnauze fuhren . . . »Sonst muß ich eben,« sagte er nachlässig gegen den Kanzler, »in Gottes Namen einen andern Boten suchen. Es machten viele den interessanten Spaziergang gerne genug . . . Wollt Ihr also?«

Simon Quicker krümmte sich vor dem Papier wie in Bauchgrimmen. Er sah das Wort Hortus in Majuskeln notiert, und sogleich lag er vor seinen brennenden Blicken, der schöne, lange, einsame Garten bis zum Fluß hinunter, diese allendliche Freiheit über die engen Gitter hinaus; dieses Schalten und Spazieren da auf eigener Erde als wie ihr Herrgott so oder so, und kein Mensch darf hineinkommen, nicht einmal hineingucken. Dieses Pflanzen der Gemüse dann in geordneten Beeten, dieses Fischen im Inn an stillen Nachmittagen, so ein geduldiges und sicheres und das Blut beruhigendes Geschäft wie seine bisherige Gold- und Silberfischerei es kaum gewesen; zuletzt das Sitzen und sich Sonnen im eigenen Grün, das man mit niemand teilen muß, wenn man einmal alt und steif ist und friert und eine noch frostigere Hand in der seinigen erwärmen möchte, die Hand seiner Gertrud. Ach, wie viele Jahre friert sie schon im Zimmerschatten und sehnt sich in die Wärme jenes Rasens hinaus, oder . . . Ja, ja . . . friert . . . sehnt sich nach Wärme . . . ich . . . Sicher, ich könnte jetzt auch geben, so frei . . . so eigen . . . so im Garten . . .

»Es ist ein kurzweiliges Reisen,« fiel der Erzherzog wieder ein. »Ich möchte den Legaten schier beneiden.« Er tupfte mit dem langen Zeigefinger auf einer Wandkarte neben der Türe herum, während die blöden sechs Hundeaugen ihm folgten, als gälte die Erklärung ihnen. Und wirklich foppte er: »Ihr jagt über die Weiden am Arlberg und sprengt das Herbstvieh auseinander . . . Dann seht ihr das Schloß von Sargans überm Rhein. Hier schwimmt ihr lustig durchs Wasser. 's ist nicht tief. Nun geht's gemächlich am Walensee vorbei zum obern Züricherbecken. Da könnt ihr die Schweizertrauben probieren . . . Spuckt sie aus und sauft lieber vom Most, den sie dort wie flüssig Gold verzapfen. He, Nikola, willst wohl aufpassen . . . Da ist Rapperswil und herbergt noch manchen biderben Österreicher, der euch gern den landsmännischen Pelz kraut . . . Na, er hört nicht da drüben. Aber ich hab' ihn, er zapple wie er will.« Leicht und lieblos streifte sein Auge den armen Quicker, der ganz geknickt noch an der Kante des Schreibtisches stand und sich nicht einmal mit einer Hand auf die Platte zu stützen wagte.

Ja, die Reise, war sie ihm wirklich so ein Ekel und Untrost? Er reiste doch in hoher Sendung, konnte es sich bequem machen und, wo er sich eröffnete, Ehre und fette Gastlichkeit genießen. Seen und Pässe und fremde Städte interessierten ihn wenig. Aber sehr interessant war, daß er da in anderthalb Monat soviel Gold pflücken konnte, ewiges, unverblichenes Gold, wie in der gleichen Zeit zu Innsbruck altes Kupfer. War es nötig, daß der Ehrwürdige im Ranft sein Geschäft geradezu segnete? Mochte er den Segen in der Kutte behalten. Wenn er nur nicht fluchte! Und dazu war er sicher zu höflich und zu heilig. Ging Simon dann recht fromm und behutsam vor, so hatte er bald ein Dutzend Kompagnien beisammen, und im Verkehr mit Bürgermeistern, Obersten und reichen Junkern fiel sicher für den Ambassadore eines mächtigen Nachbars, wenn er ein bißchen anstellig wäre, noch manches schwere Geschenk ab. Das ist wie unter überreifen Bäumen wandeln. Streichle sie nur leise, und sie schütten dir von ihrem Reichtum in den Schoß. Freilich, die Bäume und Wiesen des Inngüetl sind noch viel wichtiger. Um das geht der Kampf . . . Leib und Seel und Ehr um das . . .!


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