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Gegen den Schmerz gibt es ein unfehlbares Heilmittel: einen noch größeren Schmerz.

Das erfuhr Matthias. Wollte noch je das Wehsal um Lilly in ihm aufzucken, so kam von selber der Gedanke an seine Mutter, und was er an dem Mädchen verloren oder, so mußte er es ja besser nennen: sich nicht gewonnen hatte, das schien ihm dann gering gegen den Schatz, der ihm mit seiner Mutter entrissen worden war.

Lilly, zumal da er sie nicht sah und nichts von ihr hörte als das ganz nichtssagende: in Lübeck bei der Tante, – entglitt nun seiner Seele ziemlich, wie die Erinnerung an einen Traum, – mag er uns noch so heftig bewegt haben, mögen wir uns, jäh erwachend, noch so bestimmt vorgenommen haben: das vergess' ich nie! – doch blaß und blässer wird, je höher die Sonne steigt und je mehr Geräusche des Tages in unser Ohr dringen. Zuletzt … es ist noch nicht einmal Mittag, … wissen wir nur dumpf, daß wir überhaupt geträumt haben.

Ja, die Geräusche des Tages, die zu Matthias Tedebus hindrangen, waren bei aller Tweetenhorner Stille sogar so stark, daß auch das gern gehegte und gepflegte Leid um seine Mutter darunter – man möchte sagen: zu leiden hatte. Es konnte nicht so viel Raum in seinem Herzen einnehmen, wie er ihm in seiner Sohnesliebe gönnen und für immer erhalten wollte.

Mehr denn je mußte er sich Frau Clasens Vertrauen gefallen lassen. Wen hatte er sonst auf Erden, der ihm auch nur ein Geringes an Mütterlichkeit und mütterlicher Sorge bot? Matthias, bei aller Tapferkeit und allem selbständigen Schreiten, war doch dazu geschaffen, sich irgendwo anzuschmiegen, sein Gemüt irgendwo ruhen zu lassen. Und wenn er nun in seiner Verlassenheit umher schaute: nur auf Frau Clasen fiel sein Auge. Ihre Geschäftigkeit um sein Wohl nahm zu. Die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens, über die er sonst seiner Mutter hatte schreiben können, mußte er jetzt mit der Witwe besprechen. Zuerst tat er das allerdings nur wohl oder übel, dann aber erkannte er doch die Vorteile, die er aus Frau Clasens Freundlichkeit zog, und da er ja auch gar keinen Grund mehr hatte, daran zu zweifeln, daß die Clasenschen Frauen es redlich mit ihm meinten, so begann seine Dankbarkeit, die immer mit Freuden in ihm arbeitete, nach und nach lebhafter und bestimmender zu werden, und in der Enge des Zusammenseins, wo ihn von seinem Herzen aus gar keine Fäden noch mit der Außenwelt verbanden, war Frau Clasen dann bald da, wo sie hinstrebte, – sie nannte es: an Mutterstelle. Matthias räumte ihr zwar vorerst diesen Ehrenplatz keinesfalls mit einem Worte ein; in seinen Gedanken hielt er daran fest: der Platz mußte ewig leer bleiben, und nur ein Gedächtnismal seiner Liebe, dauernder als Stein und Erz, durfte da aufragen, aber sein Herz nahm gern fürlieb mit dem, was das Leben ihm jetzt entgegentrug, und er widersprach Frau Clasen nicht, wenn sie mit großem Eifer immer aufs neue davon anfing, was sie für eine schöne Aufgabe darin sah und wie wohl es ihr selber tat, ihm die Mutter wenigstens etwas zu ersetzen.

Der mütterliche Trieb in dieser Frau hatte spät eine Möglichkeit des Wirkens gefunden, und es bereitete ihr eine Lust zu fühlen, daß ihr jemand wahr und wahrhaftig dankbar wurde. Das hatte sie noch nie erlebt. Für ihre Mutter konnte sie schaffen vom Morgen bis zum Abend, konnte ihr gute Worte, ja sogar – waren sie auch nur zaghaft – Zärtlichkeiten geben, sie erntete nichts als das ›All nich wohr‹ der verbitterten Greisin.

Fine brauchte keine mütterliche Liebe. Sie war, wenn Frau Clasen recht nachdachte, schon von Jugend an ganz für sich gewesen, – vielleicht der Mutter zu ähnlich, als daß sie der Mutter nahe zu kommen vermochte. Jetzt, seitdem Fine darum rang, die wichtigste, wohl die einzige Tat ihres Lebens zu tun: sich einen Mann zu gewinnen, der sie aus dem Leben hinter den Linden herausholte und ihr bei aller Gebundenheit in der Ehe die Freiheit der Frau schenkte, jetzt war sie erst recht ihre eigenen Wege gegangen, sah nur ihr Ziel und verlangte, stumm oder auch laut, daß ihre Mutter mit ihr im Streben nach diesem Ziel aufgehen sollte.

Gab die Mutter in allem nach, – nun, das verstand sich für Fine von selber, – dafür bekam Frau Clasen noch nicht einen warmen Blick.

So war die Witwe einsam zwischen den beiden andern Frauen, die sie doch keine Minute des Tages allein ließen.

Nun endlich war da ein neuer Mensch, der sie brauchen konnte und auch brauchte, der so weltverlassen dastand, daß ihm jede andere Seele, die ihm gefällig sein wollte, willkommen sein mußte. Beinahe war Frau Clasen froh, weil Matthiassens Mutter das Zeitliche gesegnet und weil er mit seiner Schwester fast ganz gebrochen hatte.

Matthias wurde einig mit der Witwe. Er gestand es sich ein: ein kleiner, wenn auch noch so äußerlicher Ersatz wurde sie ihm in der Tat für das Wesen, das auf dem Friedhof an der Schlei die emsigen Mutterhände für immer ausruhte.

So hatte Matthias in dieser ersten Zeit von Frau Clasens Sehnsucht, einen Sohn in ihm zu erblicken, den Gewinn. Sie umfriedete ihn gleichsam. Sie kam ihm nicht mit Klagen über Großmutters Härte und Finens Kälte. Sie tat das nicht, weil sie durch ihre erwachte Mütterlichkeit von diesen beiden, sie sonst unablässig quälenden Dingen abgelenkt worden war.

Aber das Ungewohnte wird gerade dem Schwachen, der immer neue Kräfte von außen nötig hat, um sich weiter zu treiben, rasch zur Gewohnheit und damit zur Last.

Es kam die Stunde, daß Matthias, gerührt von Frau Clasens Sorgfalt, den Arm um ihre Schulter legte und sie mit seiner Treue ansah: »Ich vergess' es Ihnen nicht, daß Sie mir von selbst all das abgenommen haben, wofür ich mir keinen Rat wußte, liebe Frau Clasen. Sie handeln weiß Gott an mir wie eine rechte –« noch stockte er einen Augenblick vor dem Worte, das ihm auf der Zunge lag, dann aber ließ er seine Dankbarkeit ruhig überströmen. Gab ihm nicht auch Frau Clasen mehr, als sie nötig hatte? Warum sollte er ihr gegenüber immer so sparsam sein? Mochte nur sein Dank einmal verschwenderischen Ausdruck finden! Er holte tief Atem: »Ja, ganz gewiß! Wie eine rechte Mutter!«

Die Witwe weinte, und das sind sicher die einzigen Freudentränen gewesen, die dieses Geschöpf im Leben vergießen durfte.

»So ein herzliches Wort hat noch keiner mit mir gesprochen!« sagte sie, und Matthias, seiner Regung nun auch ganz willig folgend, nahm ihren Kopf und drückte seine Lippen leicht an ihre Schläfe.

In dieser Stunde waren die beiden auf dem Gipfel ihrer Freundschaft. Nun schritten sie weiter, ohne viel Nachdenken, und also wie im Nebel … nach ihrer Meinung natürlich noch höher oder doch wenigstens geradeaus, in Wahrheit aber ging es, wie es nicht anders sein kann, wenn man einen Gipfel erreicht hat, talabwärts.

Nicht, daß Frau Clasen eigentlich in ihrer Betulichkeit um Matthias herum erlahmte. Aber sie wiegte sich nun darin, seiner Dankbarkeit sicher zu sein, … sie glaubte, das Stück Sohnesliebe für immer zu besitzen. Die wichtigen Kleinigkeiten, – und war es auch nur das Besorgen seiner Wäsche, die er früher oft nach Kappeln geschickt hatte, – gingen jetzt von selbst. Sie brauchte sich nicht mehr anzustrengen, wie sie dies und jenes am besten für ihn einrichten könne. Und so nahm ihr mütterlicher Trieb sie nicht mehr ganz in Anspruch, – weil sie aber unruhiger Natur war, suchte sie alsbald danach, womit sich das bißchen Muße oder Müßigkeit, das ihrer Seele gegeben war und das sie als Leere empfand, ausfüllen ließ. Und da fand sie denn selbstverständlich nichts anderes als ihre eigenen Angelegenheiten …

Die Klagen über Großmutters Härte und Finens Kälte tauchten wieder auf, und Matthias glitt hinein, es zu dulden, daß sie sich zu ihm aussprach.

»Ach, es tut mir so wohl,« versicherte sie, »dann ertrag' ich das da oben noch einmal so leicht!«

So kam der Umschwung: aus dem Empfangenden ward er, da er zu trösten, zu erklären, zu besänftigen hatte, der Gebende. Ihre Schwachheit, diese furchtbare Kraft und Stärke der Matten, zehrte an ihm, ohne daß er es merkte. Er wurde in seiner Dankbarkeit und in seinem Mitleid, den Tugenden, die bei Tedebus leicht zu Fehlern wuchsen, ihr Berater, und nun verging bald kein Tag, wo er diesen Beruf nicht ausüben mußte.

Es tat ihr ja so wohl, sich auszusprechen! Daß Großmutter damit gedroht hatte, ihr und Fine dies Jahr nichts zu Weihnachten zu schenken, weil Frau Clasen neulich, als Großmutter beim Aufstehen war, aus Versehen das Fenster offen gelassen hatte, so daß es zog und Großmutter Husten kriegte, – daß Großmutter böse war, weil Frau Clasen heimlich mit Adelaide Poggenstohl geredet hatte. Ja, die Poggenstohl, die war auch falsch. Die hatte sicher was davon verraten, was Großmutter ihr anvertraut hatte, über ihr Testament, nicht wahr?

»Nein, nein, Mutter, ich sagte bloß zu ihr, wie gut du jetzt wieder gehen könntest.«

»All nich wohr.«

Da war nichts von diesen Nichtigkeiten und Widrigkeiten, womit Frau Clasen ihren angenommenen Sohn verschont hätte. Nach dem Anflug von Frische, den sie erst getan hatte, versank sie wieder ganz ins Kleinliche, – das einzige Gewohnte, dessen sie wohl überdrüssig zu sein behauptete, in Wirklichkeit aber doch nie überdrüssig ward.

Und Matthias, – ja, ihm fehlte nicht etwa die Kraft, aber es fehlte ihm doch noch immer der kurz auflodernde Mut, um nur einmal zu sagen: Nun schweigen Sie aber still mit den alten Geschichten!

Er hörte zu … war gut, heimste von der Witwe den schönsten Dank ein, und es kam zwischen den beiden eine Weichseligkeit auf, die in Matthiassens Nerven das Beste lähmte.

Denn um nur unter dem Jammerwortschwall auch einmal zu Worte zu kommen, fing er nun gleichfalls an zu klagen.

Er wußte: auf Fröhliches, Gesundes horchte die Witwe nicht, aber sie verstummte sofort und wurde ganz Ohr, sobald er Trauriges vorbrachte. Und so, eigentlich mehr gegen seinen Willen, der gar nicht dafür war, Familiendinge über den engsten Kreis hinauszutragen, ließ er sich dazu verleiten, selbst voller Unbehagen, der Witwe allerhand darüber anzudeuten und es ihr dann immer klarer auseinander zu setzen, wie wenig liebevoll im Grunde seine Schwester war und wie viel sie jetzt sogar an der Teilung des Vermögens, die doch der ganz unparteiische Advokat mit ihrer eigenen Zustimmung vorgenommen hatte, auszusetzen wußte. Wie ihr Bräutigam sich auch hinter sie steckte, damit sie Matthias durch mancherlei ungerechte und unglaublich weit hergeholte Vorwürfe bewog, immer mehr von dem, was ihm zukam, zu ihren Gunsten aufzugeben.

»Ach ja,« meinte er. »So habe ich Clara nie vorher kennen gelernt. Das hätte ich nie von ihr gedacht, als Mutter noch lebte. Jetzt sehe ich, was Mutter alles ins Gute und Gleiche zwischen mir und meiner Schwester gebracht hat.«

»Ja, ja, Herr Tedebus, wer so eine liebe Mutter gehabt hat wie Sie, – ich kann es Ihnen nachfühlen, was Sie entbehren, wenn ich es auch selber nie erlebt habe.«

»Ach ja, Frau Clasen.«

Und sie fanden ihr flaues Genüge darin, sich gegenseitig zu bedauern. –

Immer stärker ward das schwache Wesen.

Worüber Frau Clasen bis dahin zu Matthias gewehklagt hatte, das waren eigentlich nur Unfaßbarkeiten gewesen, Sachen, die einmal so waren und immer so bleiben mußten. Jetzt aber kam etwas zum Vorschein, was nach Tat verlangte. Aus dem bloßen Berater, aus dem Tröster sollte ein Helfer werden.

Der schöne Beo hielt am Stammtisch und in der Harmonie mächtige Reden.

»Meine Herren! Seien Sie weitsichtig. Wir kaufen das Gehölz vor dem Neustädter Tor an. Da ist ein Teich darin, nichtwahr? Der wird vertieft … gibt das idealste Wasserbecken her, was auf Erden existiert. Wasser … brülljant! … Gut gegen Gicht, Rheumatismus, Herzfehler, Aderverkalkung und Gallenstein. He? Westlich kommt ein Sanatorium hin, drei Stock hoch, fünfzig Zimmer. Und dann brechen wir durch: von dem Gehölz bis nach meinem Park, bis zur Josefinenquelle, eine breite, pompöse Promenade. Na, was kann das kosten? Schaffen Sie mir dreißigtausend Taler, und ich setze Ihnen hier das Weltbad in Betrieb. Für mich will ich nichts dafür haben. Ich schenke Tweetenhorn die ganze Idee. Nur im Interesse der Stadt. Kann man menschlicher handeln? Sagen Sie selbst! – Und auf die Prospekte drucken wir: das Holsteinische Karlsbad, – das Wiesbaden des Nordens, und – nicht zu vergessen: ein Wagrisches Monako. He? Tweetenhorn hat in zehn Jahren dreißigtausend Einwohner, die auf goldenen Schüsseln jeden Tag ihr Diner von sieben Gängen verspeisen. Für jeden Taler einen millionärhaften Einwohner mehr. Ist das Verzinsung? Weitsichtig, meine Herren!«

Ja, da mochte der schöne Beo schon Recht haben: weitsichtig genug waren seine Pläne, aber die Tweetenhorner fanden sie auch recht weitschichtig, und als die Angelegenheit vor die Stadtverordneten kam, – der schöne Beo hatte seine Freunde im Kollegium, und die meinten, man könne eine Anleihe aufnehmen, um dem Badedirektor die nötige Summe zur Verfügung zu stellen, – da schüttelten die älteren Gemeindeväter doch sehr entschieden den Kopf, und der Magistrat war erst recht nicht geneigt, für das Beowulfsche Sanatorium anderer Leute Säckel zu bemühen und sich eine Verzinsungslast aufzuhalsen. Dem schönen Beo wurde kein Heller bewilligt. Er mußte sich damit zufrieden geben, die Welt auch fernerhin mit seinem auf Flaschen gefüllten Josefinenbrunnen zu beglücken. Die schönen Damen, die er schon auf der Kaiserpromenade, – so hatte die Straße zwischen dem Gehölz und seinem Gewese heißen sollen, – lustwandeln und sich mit ihren Kavalieren in die Spielsäle drängen sah, blieben Tweetenhorn einstweilen fern. An Badegästen gab es hier überhaupt jetzt nur noch ein paar alte Lübecker Rentner, die schließlich in Tweetenhorn ebenso gut ihrem Ende zuwanken konnten wie in ihrer Heimat. Sonst ließ sich schon niemand mehr sehen. Die Wirkung des vielgerühmten Brunnens mußte also wohl nicht so lebhaft sein, wie die Färbung des auf die Flaschen geklebten Anpreisezettels. Der schöne Beo zuckte die Achseln über die Kleinbürger, die seiner großen Absichten nicht wert waren.

»Wenn die Stadt das brülljante Geschäft nicht machen will, muß ich mir das Geld aus Privathand besorgen. Krieg' ich leicht. Wird den Schafsköpfen auf dem Rathaus noch mal leid tun. Ich hab' es mir nun einmal vorgenommen, dies Nest auch gegen seinen Willen in die Höhe zu bringen.«

So redete er herum, aber die Privathände zu öffnen, das war auch nicht so einfach, wie der Zahnarzt es sich gedacht hatte. Arthur Schenk, der vor des schönen Beos Angesicht mit allem einverstanden war und weidlich auf den Magistrat schimpfte, daß der solches Genie nicht anerkennen und fördern wolle, ging hinter dem Rücken seines lieben Freundes hier und dort hin und flüsterte den Leuten das nötige Mißtrauen ein: »Wer dem einen roten Heller gibt, kann ihn gleich in den Schornstein schreiben. Der und das Gehölz kaufen! Seine Schulden will er berappen, damit sie ihm nicht sein Haus über den Kopf weg verauktionieren.«

Wo der schöne Beo anklopfte, – es wurde ihm nicht aufgetan. Selbst gegen ihren Willen vermochte er daher die Tweetenhorner nicht glücklich zu machen.

Indessen: das Wasser stieg diesem Manne immer höher, – es stand ihm nachgerade schon am Kinne. Der Landkauf und die Anlage des Bades, wie sie ihm in der Tat vorschwebten, hätten ihn retten können. Von den Geldern, die dabei schwimmen mußten, ließ sich etwas herausfischen, womit er die drängendsten Gläubigergemüter zur Ruhe brachte, und sie warteten überhaupt von selbst länger, sobald sie nur sahen, daß sich Dinge entwickelten, die doch am Ende so übel nicht waren.

Aber wenn nichts geschah, wenn dem schönen Beo kein Mensch mehr Hab und Gut anvertraute, so hatten die Gläubiger selbst am allerwenigsten Grund, noch Geduld mit ihm zu üben. Beowulfs Reisen und sein heimliches Spielen beraubte ihn mehr und mehr seiner sowieso schon geringen Barschaft. Um jeden Preis brauchte er mindestens tausend Taler, – sonst blieb ihm nichts andres übrig, als bei Nacht und Nebel davon zu gehen.

Wollte sich keine andere Privathand bieten, nun, eine war da: er hatte, so rechnete er, die Mittel, sie zu zwingen, daß sie ihm hergab, was sie besaß.

Fine kam zu ihrer Mutter: »Jetzt macht Harry endlich Ernst.«

»Ja?« fragte Frau Clasen erfreut. »Und wann?«

»Er meint, am ersten November können wir heiraten. Aber er bittet dich noch um was.«

Fine stockte. Sie errötete. Es war nicht leicht für sie, der Mutter, von der sie sonst alles als selbstverständlich hinnahm, nun auch das letzte Opfer zuzumuten.

Sie stotterte: »Du mußt wissen, … er kommt in dieser Zeit ein bißchen mit Kassa zu kurz. Ob du … ihm nicht … leihen möchtest.«

»Wieviel?«

Fine senkte die Stirn tief herab: »Vielleicht … so …«

»Wieviel, Kind?« Frau Clasens Stimme zitterte.

Fine atmete hoch auf und sprach es dann ganz schnell heraus: »Er hat tausend Taler nötig, oder er kann sich hier nicht halten und mich nicht heiraten.«

»Tausend …?« Frau Clasen lallte nur so. »Das ist ja fast alles, was ich auf der Welt mein eigen nenne.«

»Du kriegst von ihm ebenso gut die Zinsen wie von der Sparkasse.«

Das sagte Fine unsicher. Sie glaubte ja wohl daran, daß ihr Bräutigam ehrlich handeln wollte. Aber ob er auch ehrlich handeln konnte? Die Gewißheit hatte Fine nicht ganz. Gleichwohl! Für sie stand alles auf dem Spiel. Ihre Mutter mußte helfen, wenn nicht die ganze, schon zu lange lagernde und arg verstoßene Brautschaft in die Brüche gehen sollte.

»Ja, tust du es, Mutter? Dann bist du mich ja für immer los. Ob du mir das Geld jetzt gibst oder später, oder ob ich es erst überhaupt – ganz nachher bekomme, das kann dir einerlei sein.«

Frau Clasen suchte nach einer Ausflucht: »Wenn Großmutter das erfährt!«

»Die erfährt ja so vieles nicht. Warum gerade das?« Fine wurde dringender. »Wenn dir an meinem Glück was liegt –«

»Denkst du nicht, Kind? Hab' ich das noch nicht bewiesen?«

»Ja, aber alles nützt nichts, wenn du jetzt nein sagst.« Fine fing an zu weinen. »Dann wäre es besser gewesen, du hättest von Anfang an keinen Pfennig gegeben. Damals hatte ich mich schon darin gefunden, daß ich alte Jungfer wurde. Da kam die Hoffnung. Du selber triebst mich. Wenn ich jetzt hier sitzen bleiben soll, hast du die Schuld.«

»Wenigstens muß ich es erst mit Herrn Tedebus besprechen.«

»Was geht den das an?« fragte Fine mürrisch.

»Ich kann mir nicht alleine raten, Kind, und er ist der einzige …«

»Du solltest lieber mit Harry sprechen.«

»Nein, nein! Der hat so etwas … da werde ich leicht schwach. Laß mir Zeit. Bitte, bitte, Kind!«

Matthias tat einen entschiedenen Spruch: »Halten Sie die Hand über Ihr Vermögen, Frau Clasen!«

Er bestärkte die Witwe, so viel er es nur vermochte, im Widerstande gegen Beowulfs Forderung, und Frau Clasen raffte alle ihre Kräfte zusammen und gab Fine Bescheid: »Nein, mein Kind! So wahr mir Gott helfe! Ich darf es nicht tun! Ich darf mich nicht von allem trennen. Dein Bräutigam muß dich nehmen mit dem, was wir früher abgemacht haben, und das hat er ja auch schon zur Hälfte bekommen.«

Fine stampfte auf den Boden, biß in ihr Taschentuch und riß die Spitze davon herab.

»Dann schrumpeln wir hier alle weiter ein!« rief sie. »So wie wir bis jetzt eingeschrumpelt sind! Meinetwegen! Wenn es dir Vergnügen macht! Eine nette Mutter hab' ich!«

»Ach, Fine, sei doch barmherzig.«

»Barmherzig? Das hätte ich erst von dir lernen sollen!«

Es war ein tiefer Bruch zwischen Mutter und Tochter. –

Am andern Morgen trat der schöne Beo zu Matthias in den Laden, lehnte sich auf die Theke, strich sich den Bart und warf dem Buchbinder einen seiner magnetischen Blicke zu, mit denen er nach seiner Meinung und Rede auch die stärksten Feinde bezwang.

»Sagen Sie mal, Verehrtester, – Sie mischen sich in meine Familienverhältnisse hinein?«

»Nicht im mindesten, Herr Beowulf,« antwortete Matthias und hielt dem magnetischen Blick unerschrocken Stand.

»Sie intriguieren hier gegen mich bei meiner Frau Schwiegermutter?«

»Fällt mir nicht ein, Herr Beowulf. Ich habe Frau Clasen, als sie mich fragte, nach bestem Wissen und Gewissen einen Rat gegeben, und nicht wahr? Sie und ich sind uns darüber einig, daß Frau Clasen gut tut, wenn sie diesen Rat befolgt.«

»Donnerwetter! Sie sind ja ein brülljanter Kerl! Sie verdienen ja …«

»Ach, Herr Beowulf, sehen Sie doch ja ein bißchen zu ihren Worten, wie? Ich habe eine richtige Portion Gutmütigkeit in mir, aber zuletzt –«

Matthias wiegte das Haupt. Das hieß: zuletzt weiß ich doch nicht, was dir geschehen könnte, mein Lieber.

Der schöne Beo sah ein, daß er diesem festen Manne gegenüber nichts ausrichten würde. Er nahm seinen Rückzug, freilich nicht, ohne sich noch ein gewaltiges Ansehen zu geben. Er hob die Hand wie drohend: »Wenn ich Sie noch ein einziges Mal auf diesen Wegen betreffe, dann ziehe ich andere Saiten auf, verstanden?«

»Wäre ich neugierig,« entgegnete Matthias keck.

Beowulf schlug die Ladentür hinter sich zu, daß die Glasscheiben darin klirrten.

Unerschrocken war nun allerdings Matthias gewesen. Aber er hatte eigentlich mehr Mut gezeigt, als er besaß. Seinem friedlichen Sinne war solch ein Auftritt widerwärtig. Dazu sah er jetzt bloß zwei verweinte Frauen im Hause. Die eine wimmerte ihm immer vor, wie schrecklich Harry Beowulf mit ihr herumtobte, weil sie das Sparkassenbuch nicht herausgeben wollte, – die andere sprach kein Wort mit ihm.

Der schöne Beo, der in diesen Tagen so oft ins Haus kam wie nie zuvor, ging mit dröhnenden Schritten durch den Flur und trampfte auf die Treppe, – alles, um den Buchbinder seinen gerechten Zorn wissen zu lassen.

Aber Matthias biß die Zähne zusammen und ließ sich nicht einschüchtern. Immer war seine Rede zu Frau Clasen: »Halten Sie Ihre Taler fest, sonst sind Sie sie los. Seien Sie vernünftig.«

»Ach ja, Herr Tedebus, wenn ich Sie nicht hätte, da wäre ich verweht.«

Zu seinem vermeintlichen Freunde Schenk aber äußerte sich der Buchbinder tief verstimmt, nachdem er sich vor Frau Clasen mit aller Macht zusammen genommen hatte und ihr ein heiter mutiges Antlitz zeigte, um sie wieder und wieder in diesem Kampfe zu stützen: »Weißt du, es ist nicht auszuhalten in meinem Hause. Wenn das so weiter geht, bin ich in ein paar Monaten hier weg.«

»Wegen dem magnetischen Badedirektor? Ach, Mensch! Der braucht dich nicht zu beunruhigen. Der tut doch bloß immer so großadmiralsch! Pust' ihn an, und er fällt um. Natürlich: ganz recht hast du. Das Geld, das der kriegt, soll lieber in den Rinnstein geworfen werden, und wenn er denn die holde Jungfrau dort oben nicht heimführt, – was hab' ich immer gesagt? Soll die froh sein!«

Hatte der Malermeisterssohn seinen Freund Tedebus auf diese Art in der Meinung über den Zahnarzt bestärkt, so wandelte er, den Künstlerhut schräg auf den Locken und die Hände in den Taschen, gemächlich, träumenden Auges zum schönen Beo und tat da sein Werk:

»Mensch! Sag' mal: du streitest dich mit dem Kleisterfritzen herum? Ja, was hast du denn bei deinen überlebensgroßen Talenten von den paar Talern aus dem Hause Markt fünf? Dat is 'n Zwetsch in en ole Pird, wie mein Großvater immer sagte. Laß das Mädchen heimführen, wer will. Stell' dir das doch vor: so, wie die Sachen da liegen, heiratest du ja den kleinen Buchbinder mit! Er kontrolliert dir ja jedes Seidel Bier und jeden neuen Schlips. Das ist ja der Herr Pastor in dieser verehrlichen Familie. Na, wie du meinst. Viel Pläsier.«

Eine Woche lang war im Hause hinter den Linden lauter Zank und Streit, so daß die Großmutter aufmerksam wurde und sich kaum noch mit allerhand Ausreden beschwichtigen ließ. Die Alte sah ihre Tochter scharf an: »Dor passeert wat!«

»Das ist bloß ein bißchen Aufregung, Mutter,« antwortete Frau Clasen, »weil Fine nun doch bald Hochzeit macht.«

»All nich wohr.«

Zwei Wochen ging es so, da bekam Fine einen eingeschriebenen Brief von Harry, und sie las ihn, indessen das Papier in ihrer Hand auf und nieder bebte und ihre Augen kaum die einzelnen Wörter fassen konnten:

Sehr geehrtes Fräulein! Da ohne augenblicklich zur Verfügung stehende Mittel … Heirat undenkbar … genötigt … Verhältnis, … zwischen uns bestand, … hierdurch zu lösen. Natürlich ungemein schmerzlich berührt … –

Tedebus öffnete gerade die Tür der Stube, wo Fine Clasen stand und die letzte Hoffnung ihres Lebens jählings in den Abgrund stürzen sah.

Kaum hatte das Mädchen den Buchbinder erblickt, da ballte sie den Brief zusammen, warf ihn Matthias vor die Füße und schrie ihm mit verzerrtem Antlitz entgegen:

»Da! – Wissen Sie, was das ist? – Das verdank' ich Ihnen! Da können Sie stolz darauf sein! Sie vernünftiger Ratgeber Sie!«

*

Dem schönen Beo war der Bruch mit seiner Braut, den er hatte vollziehen müssen, so nahe gegangen, daß er erst einmal aus Tweetenhorn verschwand. Fine hoffte und die meisten anderen fürchteten: für immer. Die Gläubiger gingen zum Rechtsanwalt und auf das Amtsgericht. Sie bekamen auf ihre ängstliche Frage an beiden Stellen ein Achselzucken zur Antwort.

»Abwarten,« hieß es. »Sein Haus hat er ja hier gelassen.«

Und richtig! Noch war kein Monat dahin, da erschien der Zahnarzt wieder in der Stadt, strahlend, warf mit dem Gelde nur so um sich und bezahlte die Schulden, die ihn am schwersten drückten. Zwar rechnete er dazu nicht die tausend Mark Mitgift, die er schon von den Clasens bekommen hatte. Er schrieb nur an die Witwe: So bald als möglich … Ehrenwort …

Wo er die neue, so reichlich fließende Quelle erbohrt hatte, das wußte niemand. Selbst sein Vertrauter Schenk erfuhr nichts. Der konnte nur seine Mutmaßungen anstellen, und das tat er denn auch zur Genüge und machte Bewegungen dabei wie einer, der Spielkarten verteilt und mit beiden Händen Geld vom Tische zusammenstreicht, um es in die Tasche zu stecken.

Den Männern also war der schöne Beo jetzt verdächtiger denn je, – bei den Tweetenhorner Damen aber schadete ihm die Aufhebung seines Verlöbnisses nicht. Er wußte sie mit seinen weichen, weißen Fingern so mild zu behandeln und besaß überdies eine wehmütige Art, seine Leiden anzudeuten. Ja, was ahnte die Welt von den Kämpfen, die er durchzumachen hatte? Wie suchte die Welt doch immer nur die minderen und herabsetzenden Beweggründe hervor!

War er etwa der Mann, der bei der Wahl seiner Frau auf das Geld schaute, obschon er es für seine großen Unternehmungen notwendig brauchte? Ach nein! Geld … das stand ihm anderswo zur Verfügung, – er durfte nur die Börse hinhalten. Draußen gab es, – das sah man ja, denn woher hatte er sonst seine neuen Mittel? – draußen gab es Leute genug, die ihm nach Verdienst vertrauten und ihm so viel gaben, wie er immer haben wollte. Nein, wenn er sich eine Frau suchte, so geschah es aus Herzensdrang, und wenn er sich von seiner Braut trennte, die er erst für das einzig richtige, seinem Wesen ganz entsprechende Mädchen gehalten hatte, – man sollte nur glauben: das hatte seine tief innerlichen Ursachen.

Fräulein Josefine … er konnte es nicht leugnen, … seelengut, aber doch etwas, ja, wie sollte er sich ausdrücken? – etwas zu einfach für seine sehr zusammengesetzte Natur.

Das war es. Die Tweetenhorner Frauen und Jungfrauen glaubten ihm aufs Wort. Sie fanden diese seine Andeutungen sogar noch recht zart. So ein gebildeter Mann wie Zahnarzt Beowulf und dann eine Buchbinderstochter, – nein; er hatte sich geirrt.

Und wenn das für Fine Clasen auch schmerzlich sein mochte, – er war doch ehrlich gewesen. Besser, es ging mit den beiden jetzt auseinander, als daß ein unglücklicher Ehebund daraus entsprang. Die Frauen und Jungfrauen, obschon sie sonst strenge darauf achteten, daß auf eine Verlobung auch die Hochzeit folgte, ließen beim schönen Beo Gnade vor Recht ergehen. Fine wurde bedauert, aber man fand, daß sie für ihren Stand und ihre Gaben die Augen zu hoch erhoben hatte.

So wurde der Zahnarzt vom schönen Geschlechte für seine Tat noch als ein Held angesehen. Er spreizte sich auf den Straßen und fand die ganze Geschichte brülljant.

Fine hingegen saß vergrämt hinter den Lindenbäumen und ließ sich nirgends sehen. In schrecklicher Wut hatte sie all ihr Aussteuerzeug, woran sie sich die langen Monate vorher die Finger wund nähte, zusammen gerafft und wie sie es gerade zu fassen kriegte, in Schränke und Kommoden geworfen. Sie litt unter der Schande, die Verstoßene zu sein, – aber noch furchtbarer war es ihr, daß ihre Gedanken von dem Menschen, der ihr das Herbste antat, nicht los kamen. Sie wollte Beowulf mit Gewalt hassen, aber ihre Mühe war vergebens. Er hatte ihr mit seinen Küssen – rühmte er sich etwa zu Unrecht, daß er ein Meister in der Zärtlichkeit sei? – etwas Sehnsüchtiges ins Herz gebrannt, das jetzt, gerade wo Fine so einsam war, um so heftiger aufflackerte.

Das Mädchen rang oft verzweifelt die Hände. Wenn sie sich prüfte, wenn sie ganz redlich gegen sich sein wollte, – ja, sie hätte zu Beowulf stürzen mögen: »Nimm mich wieder! Verlaß mich nicht!«

Dies Flehen hätte ihn am Ende erweicht, – aber das war ja alles unmöglich. Mit Bitterkeit überlegte sie sich's: dem Manne gab die Welt das Recht, oder sie verzieh es ihm doch, daß er in einem Mädchen erst Liebe entfachte, um sich dann ohne Schonung abzuwenden. Das Mädchen aber, das sich das Recht und die Freiheit angemaßt hätte, für diese Liebe nur um ein wenig Gegenliebe zu betteln, wäre für alle Zeit verachtet gewesen.

Nein, – leiden … schweigen … sich einsperren, – die Sehnsucht mit Fäusten ersticken, das war das Los, und die Welt sagte: die Pflicht der Verlassenen.

Fine übte sich darin tagaus, tagein, und um ihren Mund grub der Harm seine scharfen Falten ein. Die Lippen welkten. Es war auch niemand da, der ihr in ihren Schmerzen Beistand geleistet hätte. Die Mutter kam nicht über das gewöhnliche Geseufze und Geklage hinaus, und die beiden andern Hausgenossen waren kaum für Fine vorhanden. Sie wurde immer blasser, ihre Wangen fielen ein, ihre Gestalt beugte sich: sie war in wenig Wochen aus der blühenden Braut ein altes Mädchen geworden. Das beobachtete Adelaide Poggenstohl, wenn sie auf ein Stündchen zu ihrer Jugendfreundin oben im Giebel herangehumpelt kam.

»O mein Liebling,« sagte das Jüngferlein, »das geht aber nicht so weiter! Wir waren so hübsch, und jetzt? Um ein Mannsbild? Glaub' es mir, sie sind es nicht wert, daß man sich auch nur den Finger ihretwegen ritzt. Ich rede leider Gottes aus Erfahrung. Hast du ein Unrecht getan? Nun? Wer muß sich verkriechen, und wer kann sich frei zeigen? Ist das nicht gerade umgekehrt, als es nun geschieht? Tritt hinaus, geh unter die Leute, lauf' ein paarmal Spießruten, – tut weh, ich kenn' es, aber dann lassen sie bald die Rute sinken: du brauchst sie nur recht, recht ernst anzusehen. Geh in Wald und Feld, sprich da mit deinem Gott, lehn' dich mal an einen Baum und laß ihm die Tränen auf die Wurzel rieseln. Mein Kind: das Mannsvolk will uns halten wie Sklavinnen, aber wir müssen uns zu Menschen machen. Komm erst mit mir hinaus, – ich zeig' dir ein stilles Fleckchen. Da geht es sich gut auf und ab. Da hab' ich selber so was, wie es jetzt in dir sticht und schneidet, zur Ruhe gebracht.«

Und es war nach solchen Reden, daß Fine – schon im erwachenden Trotze gegen den Mann, der sich, wie sie ihn kannte, sicherlich seiner schnöden Tat jetzt noch rühmte, – den Mut fand, wieder auf die Straße zu treten, und die Tränen, die sie nach Adelaide Poggenstohls Rezept draußen unter freiem Himmel verströmen ließ, milderten ihr den Druck um das Herz herum. Ihr Atem ward wieder freier.

Frau Clasen, immer in der Verschüchterung vor ihrer Mutter, beschwor die alte Poggenstohl: »Nur Großmutter nichts verraten. Ich muß ihr das ganz langsam beibringen.«

»Ach, mein Gutes,« lächelte die Weißwarenhändlerin und blickte recht lieb aus ihrer Haube heraus, »meinst du, daß wir uns über die jetzigen Dinge unterhalten? Ach, die sind uns viel zu wenig nahe. Wir reden von den Vierziger und Fünfziger Jahren, – da brodelt es voll Erinnerungen. Siehst du: für Großmutter und mich sind die Toten lebendig und die Lebendigen meist tot. Sei mir nicht böse darüber, – es ist so. Ich und verraten?«

Nein, Adelaide erwähnte in ihren Stunden oben im Giebel nichts von der aufgehobenen Verlobung, aber Großmutter brauchte auch über vieles, was sich im Hause ereignete, gar keine Kunde zu bekommen: sie fühlte es ganz von selber. Als der November herankam, sagte sie zu Frau Clasen: »Ick meen, dor sall nu Hochtid wesen?«

»Ach, Mutter, – da ist noch … wir müssen noch …«

»Vörbi is dat. Mi seggt keen Minsch wat, aber ick weet Bescheed. Dat is ut!«

»Ja, wenn du es dir schon denkst … wir meinten alle, es sei besser …«

Frau Clasen hatte Angst, die Alte möchte sie jetzt mit Vorwürfen überschütten, aber dem war nicht so. Sie sagte:

»Ick heff glicks wußt, dat dor nix na keem. So 'n Tähnbreeker, – dat is nix för uns. Fine hört hierher, – se mutt den Bookbinner heiradn, un de kriggt denn dat Huus. So is dat hier jümmers west.«

»Ja, Mutter, das läßt sich aber doch nur nicht so einfach in die Wege leiten.«

»As sick dat hört, so mutt dat sin, un so ward dat ock. Fine kummt hier nich rut, nich ut de Dör. Verlat di dorup. De Bookbinner, – all dat annere is nich wohr.«

Den Buchbinder heiraten! Was alte wunderliche Leute sich einbilden! Das war etwas, woran Frau Clasen selbst im Traume noch nicht gedacht hatte. Tedebus und Fine, – nein, so schön sich alles gelöst hätte, wenn das Haus auf die Art in der Familie geblieben wäre, – zu solchen Hoffnungen verstieg sich die Witwe nicht. Zwischen dem Buchbinder und ihrer Tochter waren böse Abgründe. Die beiden gingen einander am liebsten aus dem Wege, – es sah immer aus, als ob sie nicht das Geringste miteinander zu tun haben wollten.

Matthias war wohl höflich gegen Fine, denn es war ihm überhaupt nicht und vor allem nicht gegen Frauen gegeben, unhöflich zu sein, aber er hielt den Nacken steif. Fine erwiderte seinen Gruß nur obenhin. Kälter, – so mußte jeder denken, der das sah, – konnte es zwischen zwei Menschen, noch dazu zwischen zwei Menschen in einem und demselben Hause, nicht hergehen. Aber das war sonderbar. Bei beiden blieb auf die Dauer diese Kälte nicht echt. Die Form, in der sie einander begegneten und die ihnen zuerst notwendig war, um ihre wahren Empfindungen zu offenbaren, bewahrten sie, aber die Empfindungen darunter wandelten sich doch allmählich um, und nun ward ihnen die Starre und Unnahbarkeit zu einem Schutz, um sich gegenseitig zu verbergen, was sie in Wahrheit fühlten. So sparten sie sich die Beschämung, ihre verwandelte Gesinnung einzugestehen.

Matthias hatte seinen gerechten Zorn gefaßt, weil ihm Fine zum Lohne für seinen ehrlichen Rat die Schuld gab, daß er ihr die ganze Zukunft zerbrochen habe, aber doch hatte das Mädchen, gerade in dem Augenblick, wo sie ihm das zusammengeballte Papier vor die Füße warf und ihn mit lauten, ja, gekeiften Vorwürfen überschüttete, – doch hatte sie da zum ersten Male recht eigentlich leibhaftig vor ihm gestanden!

Das steckte in ihr? So konnte sie auffahren? Er war entrüstet, doch sein Erstaunen über Fine war noch größer als seine Empörung. Die Stille, Lässigkeit, Gleichgültigkeit, worin sie sonst einherging, – das war also alles nur ein Dunst, ein Nebel. Jetzt, wo sie durch Beowulfs Absage in ihrer Liebe und ihrer Ehre tief beleidigt worden war, da kam der Schmerz wie ein Sturm und fegte das Trübe hinweg. Wahrhaftig! Leben glühte unter der dumpfen Decke! Sie war ja gar nicht so geduldig, wie sie immer tat. Das war ja gar kein Mädchen, das bloß immer ja sagte und alles hinnahm, – es war ein Mensch, der leidenschaftlich aufbegehren konnte.

Matthias war neben Fine hergegangen, ohne daß sie seine Gedanken irgendwie einnahm. Jetzt, wo sie ihn gehässig weit von sich wies, zog sie ihn plötzlich an …

In seinem und ihrem Erlebnis war ja nur eine einzige Ähnlichkeit: sie beide mußten auf das Herz, das sie sich erringen wollten, verzichten, aber dieser eine Punkt war schon genug, um bei Matthias das Gefühl eines gemeinsamen Geschickes entstehen zu lassen, und obschon er, – an seiner Empörung festhaltend, – äußerlich sorgfältig alles vermied, was als Anteilnahme zu deuten gewesen wäre, folgte seine Seele jetzt heimlich doch dem ganzen Leide, das Fräulein Josefine auszukosten hatte. So ging sie, ohne es zu wissen, nicht allein durch die Dornen. Gewiß, – immer wieder sagte er es sich, – wo anders er etwas auf sich hielt, war es seine Pflicht, ihr für ihr Benehmen gegen ihn böse zu sein, aber im Innersten durfte er ihr ruhig zugeben: er hatte ja auch die Schuld daran, daß das Geld im Hause blieb. Darüber und nur darüber war das Verlöbnis in die Brüche gegangen, – also: war es denn ein Wunder, wenn Fine ihren Ärger auf sein Haupt häufte?

Nur den Gedanken des andern genau nachgehen, dann verstand man jede Regung, mochte sie freundlich oder feindselig sein, und urteilte milde und gerecht darüber! –

Und nicht so ganz viel anders als Matthias erging es dem Mädchen. Dieser Buchbinder, der sonst gar nicht wußte, was er seinen Mitmenschen und besonders seinen Hausgenossen alles für Liebenswürdigkeiten erzeigen sollte, er war auf einmal zu einer Macht in ihrem Dasein empor gewachsen, die ihren vollen Haß verdiente. Er erschien ihr wie ein unerwartetes Riff, an dem ihr Fahrzeug zerschellte. Aber die Festigkeit, Ruhe und Stärke, womit Matthias auf seinem Rat bestand und ihn nach wie vor für einzig richtig erklärte, hatte doch etwas Bezwingendes.

Wie Fine für Matthias, so nahm Matthias jetzt für Fine eine wirkliche, sozusagen greifbare Gestalt an, die man wohl bekämpfen, die man aber auch achten mußte.

Matthias und Fine sahen manchmal aneinander vorbei, als kennten sie sich im Grunde nicht mehr, und dabei waren sie eines des anderen nun gerade erst kundig geworden. Der Zwiespalt, der sie scheinbar voneinander trennte, verband sie in Wirklichkeit … viel enger … viel unlöslicher, als sie es je zu ahnen, geschweige denn zu fürchten vermocht hätten.

Wie das indessen so geht: die Form, da sie hohl war und von keinen wahren Empfindungen mehr gestützt wurde, bröckelte nach und nach ab. Im Bewußtsein seiner Mitschuld an Finens Unglück, – einer Schuld, für die er sich freilich nur loben konnte, – war es Matthias, der – aus seinem Gerechtigkeitssinne heraus – zuerst versuchte, ob nicht wieder ein guter Geist unter dieses Dach zu rufen war. Scheute sein Stolz noch davor zurück, Fine die Hand hinzustrecken, so fand sein Gemüt, dem nur wohl war und das nicht ruhte, wenn es nicht freundlich sein durfte, alsbald einen Ausweg oder besser gesprochen: Umweg, der am Ende zu solchem Friedensschlusse führte. Er wandte kleine Listen an. So gab er Frau Clasen etwa ein Buch zu lesen: »Ich habe es gestern für die Leihbibliothek bekommen. Die Zeitungen schreiben schön darüber. Vielleicht hat Fräulein Josefine nach Ihnen auch Lust, es kennen zu lernen? Sie können dann den zweiten Band auch gleich bekommen.«

Oder es war Josefinens Geburtstag. Matthias kam mit einer Schachtel des besten Briefpapiers zu Frau Clasen:

»Die setzen Sie ihr nur noch auf den Tisch,« – er lächelte, fast schalkhaft, dabei, – »sie braucht ja aber nicht zu wissen, woher es stammt.«

Und dann war eine große Theatervorstellung in Tweetenhorn. Die Lübecker kamen mit ihrer Oper und gaben ein Gastspiel.

Wieder wußte Matthias das in seinem Streben nach Eintracht klug zu benutzen: »Bitte, Frau Clasen, – ich habe gerade drei Plätze. Wenn es Ihnen Freude macht und Fräulein Josefine … Kleine Zerstreuung, nicht wahr?«

Das waren Kleinigkeiten, die er leise und zart anbrachte. In der Hauptsache war es ihm gar nicht so sehr darum zu tun, daß Fine sie immer sehr bemerkte, und noch viel weniger wollte er das Mädchen zum Danken nötigen und sich etwa bei ihr in eine Gunst setzen, nein, er konnte nur seinem Drange nach Frieden und seinem Berufe, Liebe auszusäen, auf die Dauer nicht widerstehen.

Frau Clasen aber war eine eifrige Mittlerin: sie nahm aus Tedebussens Hand die Geringfügigkeiten, und wenn sie sie dann ihrer Tochter brachte, o, dann waren es lauter große Dinge, und die Witwe fand kein Maß darin, Matthias als den besten Menschen von der Welt zu rühmen.

»Setz' dich doch nicht immer so weit weg von ihm bei Tisch!« bat sie »Was hat er dir denn getan? Ich hätte meinen Willen auch ganz alleine durchgesetzt, und hör' dich nur um: es gibt Leute genug, die sagen, daß es ein wahres Glück für dich gewesen ist, daß du den da drüben nicht geheiratet hast. Was erzählt man sich alles für Geschichten über ihn! – Nein! Wir müssen Herrn Tedebus bloß dankbar sein.«

So rasch, wie Frau Clasen es wünschte, taten sich nun allerdings Finens verschlossene Züge vor Matthias nicht auf, aber dem Hin zu ihr des Buchbinders begegnete doch nach und nach von ihrer Seite ein Her zu ihm. Sie nahm nicht nur seine Aufmerksamkeiten helleren Auges an, sondern sie benutzte auch seinen eigenen Umweg durch die Mutter, um ihm nun ebenfalls erst zaghaft, dann mutiger kleine Sachen in die Hand zu spielen, – eine Häkelei, eine Lederpreßarbeit.

Für gewöhnlich wäre solch ein Austausch, noch dazu, wo er immerhin selten stattfand, nicht weiter von Bedeutung gewesen, jetzt aber ward jedes noch so geringe Ding zum Zeichen, das da besagte: wir wollen wieder die guten Bekannten von früher sein.

Josefinens weiblichem Sinne, ihrer Eitelkeit war es nicht gegönnt, Matthias in seinen Beweggründen voll zu verstehen. Er handelte aus Güte, sie aber sah darin, daß er mit dem Suchen nach Freundlichkeit begonnen hatte, ein Bekenntnis seiner Schuld und zwar einer Schuld, die ihn reute.

Das schmeichelte ihr, und unter diesem Balsam wurde ihre Seele dann leicht geschmeidig … gefügig … geneigt, zu verzeihen, – doch noch nicht verzeihend. Ihr weiblicher Sinn hielt einen Rest des Gerölles sorgfältig fest, – den sollte er nur ganz allmählich und mit mancher Mühe fortschaffen. Das tat denn Matthias auch wacker, und bald war es bei dieser Arbeit nicht mehr nötig, Umwege zu wählen. Es ging auf gerader, immer mehr sich ausebnender Straße von ihm zu ihr.

So wähnte Fine, die Überlegene, Herrschende zu sein, während sie doch in Wahrheit von Matthiassens Klugheit gelenkt wurde, wie es ihm recht und lieb war. Sie meinte, er wollte Buße tun, – er aber wollte die viel größere Aufgabe erfüllen, allen Menschen, mit denen ihn das Leben in Berührung brachte, gerecht zu werden, – mit ihnen allen, so weit sie es verdienten, – und wie sollte Fine es nicht verdienen? – nach dem Gebote des Herrn in Sanftmut und Einigkeit Hand in Hand zu wandeln.

Es war eine recht glückliche Zeit in dem Hause. Die alte Amundsen war damit zufrieden, daß wenigstens der andere fremde Mensch nicht mehr kam, um Fine wider allen Familienbrauch und, wie ihr unumstößlicher Glaube war, auch wider alle Bestimmung anderswohin zu verpflanzen. Sie hielt sich stille, lauerte, ob sich nun nicht etwas zwischen ihrer Enkelin und dem Buchbinder anspann, und war gnädiger, als man sie seit langem oder vielleicht überhaupt jemals gekannt hatte. – Kam sie Sonntags herunter, so brachte sie es sogar über sich, Tedebus zuzunicken: »Na? Geiht dat Geschäft? Mutt'n junge Fru in't Huus! Junge Fru! Denn ward dat irst wat!«

»Finde schon eine, liebe Frau Amundsen,« antwortete Tedebus, dem es eine freudige Überraschung war, von der Alten solche Worte zu hören.

»Man nich so lang söken. Geiht dat Beste bi weg! Jümmers nehmen, wat dor is. Ja, ja!«

Damit schleppte sich die Greisin zum Gotteshause, und Matthias, gut gelaunt, rief hinter ihr her: »Sie müssen mir helfen, Frau Amundsen!«

Sie drehte den Kopf zu ihm zurück: »Dat kann ick licht. Mi man frag'n. Ol Lüüd weeten, wat för jung Lüüd good is. Dat anner is all nich wohr.«

»Na, ich komme mal zu Ihnen hinauf!«

So war es des Öfteren fast eine scherzhafte Wechselrede, wenn Matthias die Amundsen sah. Frau Clasen hatte es nie besser gehabt als jetzt, weder bei ihrer Mutter, noch bei ihrer Tochter, und je mehr sie für das Einandernäherkommen von Matthias zu Fine und von Fine zu Matthias überflüssig wurde, desto lieber war es ihr. Sonst hatte sie oft den Schmerz, nicht genug beachtet und bemitleidet zu werden, nun aber war es ihre Lust, sich ausgeschaltet zu sehen. Ja, was sie erst, als Großmutter davon anfing, als unerfüllbar verschmäht hatte, das gewann nun schon eine gewisse Macht über sie: sollte es denn ganz unmöglich sein, daß Tedebus und Fine …? So prächtig, wie sie sich vertrugen? Was hatte es für Not, daß Fine drei Jahre älter war als er? Und Frau Clasen griff das Gemeinsame im Schicksal der beiden lebhaft auf: zwei Menschen, die ein und dieselbe Enttäuschung erlitten hatten, konnten die sich nicht vortrefflich trösten? Und kam beim Trösten nicht das bißchen, was man außerdem noch brauchte, um sich gut zu sein, von selber?

Frau Amundsens Gedanke ward in der Brust ihrer Tochter zur Spannung und Erwartung, und auch Frau Clasen stand nun ebenso wie ihre Mutter unablässig auf der Lauer und sah scharf von der Seite hin, ob Matthias nicht mit Fine einen Händedruck tauschte, ob nicht zu merken war, daß die beiden irgend eine Heimlichkeit miteinander hatten, – ob sich nicht überhaupt irgend etwas ereignete, was für den kleinen grünen Strauch der Hoffnung, den Frau Clasen sich ins Herz gepflanzt hatte, als Frühlingsregen wirkte!

Wohl geschah noch nichts dergleichen, aber Finens Stirn wurde von Woche zu Woche glatter, – sie richtete sich wieder auf und schmückte sich mit den Spitzenkragen, die sie nach dem Bruch mit Beowulf zu ihrer Aussteuer geworfen hatte. Die Zeit des Alterns war für sie vorüber, und wie immer beim Menschen nach solchem trüben Lebensabschnitte drängte sich das zurückgehaltene Jugendgefühl um so kräftiger und heischender hervor. Sie glaubte nicht mehr daran, daß für sie alles … das hieß in ihrer Sprache so viel als: jede Aussicht, noch Frau und zwar natürlich glückliche Frau zu werden, … vergangen sei, und wenn sie an ihre Liebe zu dem Zahnarzt dachte, dann wallte es jetzt bisweilen in ihr auf, daß sie errötete.

Diese Liebe, – war sie nicht doch vielleicht nur etwas Oberflächliches gewesen? Er hatte es verstanden, sie zu verwirren, ihr ein Zittern in die Adern zu senken, das sie nun, da sie aus seinem Banne heraus war, gar nicht mehr als schön empfand. War nicht etwas Unlauteres durch Beowulf in sie hineingekommen? Etwas, dem sie ja und ja nicht nachhangen durfte, wenn sie wieder so reinen Gemütes werden und bleiben wollte, wie sie es einst, bevor der Zahnarzt in ihr Leben trat, immer gewesen war? Ja, sie gestand es sich ein: durch ihre Liebe hatte sie unter Beowulfs magnetischen Blicken allerhand fühlen und kennen gelernt, dessen sie sich schämen mußte.

Wie aber gelangte Josefine Clasen zu diesem Geständnis? Dadurch, daß sie unwillkürlich mit ihrem früheren Bräutigam den Mann verglich, mit dem allein sie jetzt tagtäglich ihre Meinungen tauschte und von dem sie viel mehr annahm, als sie selber wußte. Bei diesem Vergleiche sank das vorher von ihr angeschwärmte Bildnis des schönen Beos tief herunter. Sie begann zu ahnen, und dann wurde es ihr klar und klarer: sie hatte damals ihr Herz an einen großsprecherischen, an einen eiteln, an einen nur nach Leidenschaftlichem strebenden Menschen verloren. Wie einfach, bescheiden, ohne je auch nur das geringste zweifelhafte oder gar zweideutige Wort zu gebrauchen, stand Herr Tedebus da! Sie hatte nach dem Äußeren geschaut und geurteilt, sich in Weichlichkeit einhüllen lassen und war von einer Sucht nach allen möglichen Genüssen angesteckt worden. Das verschwand nun von ihr, je mehr sie mit Matthias redete und auf seine tätige, nüchterne, jede Unaufrichtigkeit und jeden Schein ernst ablehnende Art achtete. Was in ihrer Seele während der Zeit ihres Brautstandes unfrisch gemacht und angekränkelt worden war, das genas freudig im Umgange mit Matthias, – wie sie es sich vorstellte: unter seinen kühlen Händen.

Wie sollte sie also Matthias nicht dankbar sein? Wie sollte sie sich nicht schämen, – und damit war Josefine Clasen denn für jetzt glücklich am Ende ihrer Liebe zu dem Zahnarzt und ihres Wehs um seinen Verlust angelangt! – daß sie nicht aus eigener Kraft rein von unrein unterschieden und nicht aus eigenem Gewissen der Schwüle, die von ihrem Bräutigam in sie hinüberkroch, widerstanden hatte?

Matthias aber, den die Gedanken der drei Frauen so mannigfach und wechselnd umkreisten, tat schlicht und recht sein Werk und sang sein gutes, oft sein frommes Lied dazu.

*

Drei Jahre war Matthias nun schon in Tweetenhorn. Sein Laden nährte ihn vortrefflich, daß er schon allerhand auf die hohe Kante legen konnte, zumal da er ja das Geld, das seine Mutter ihm für den Hauskauf geliehen hatte, jetzt sein eigen nannte und keine Zinsen dafür zu zahlen brauchte. Und weil ihn eben sein Beruf recht ausfüllte, konnte er sich noch immer nicht entschließen, den Wagrischen Boten und die Druckerei, in der die Zeitung hergestellt wurde, zu erwerben, obschon er ja einigermaßen die Mittel dazu besaß.

Matthias liebte sein erlerntes Handwerk und fürchtete, es vernachlässigen zu müssen oder gar gezwungen zu sein, in ein ganz anderes Fahrwasser zu steuern, wenn er sich zu etwas Neuem wandte. So begnügte er sich damit, daß er sein Geschäft nach allen Seiten hin soviel als möglich erweiterte. Seine Vorräte wurden mannigfaltiger, sein Buchhandel wuchs, seine Leihbibliothek wies fast schon das tausendste Werk auf. Er richtete eine Lesemappe ein, die von Woche zu Woche von Haus zu Haus wanderte. Kurzum: es war eine Freude für alle, die etwas auf Geschmack und geistiges Leben hielten, wie dieser junge Buchbinder danach strebte, sich auf redliche Weise hochzubringen.

Aber je mehr er an Waren und Büchern kommen ließ, desto enger wurde sein Raum.

Der kleine Laden, – die Werkstatt, – seine eigene Stube, – alles war voll gepfropft, und er mußte, um sich rühren zu können, den Schuppen und sogar den Boden des Waschhauses mit als Lager benutzen. Doch da moderte ihm das Papier vor Feuchtigkeit. Ein unerträglicher Zustand. Und wie leicht war es, dem abzuhelfen! Matthias brauchte nur den Holzstall auf dem Hofe nieder zu reißen, einen Teil vom Garten abzuschneiden und dort ein richtiges Lagerhaus aufzubauen, dann hatte er Platz in Hülle und Fülle und durfte sich noch so manches für seine Kundschaft halten, was er jetzt nicht unterzubringen vermochte. Das war dann ein Fortschritt! Der Gedanke ließ ihn nicht los. Er sah es im Geiste vor sich, das neue Haus: unten kam eine helle, luftige Werkstatt mit neuen Geräten hin, und oben lagen die Ballen. Da stand dann auch die kleine Druckmaschine für die Besuchskarten. Was mußte es für ein Vergnügen werden, da von früh bis spät zu arbeiten!

Ja, und warum sollte er diesen seinen Plan nicht ausführen? Die Ruhe und der Frieden im Hause gaben Matthias das Gefühl der Sicherheit. Er war der Herr … er ordnete an, was ihm beliebte.

Da er Frau Clasens Ängstlichkeit kannte, so besprach er seine Absicht gar nicht erst mit den Frauen, sondern ging zum Zimmermann und bestellte sich einen Gesellen, der kommen und das alte, baufällige Ding von Stall mit Stumpf und Stiel ausrotten sollte. War das zunächst geschehen, dann sah man schon weiter.

Der Geselle kam. Matthias zeigte ihm, was er zu tun hatte, und ging auf Besorgungen einen Weg zur Stadt. Der Geselle lehnte Beil und Säge an die Schuppenwand, besah sich den Todeskandidaten von allen Seiten und fand allmählich, daß es wohl am besten sei, wenn er zunächst die Tür aushob. Von den Türpfosten aus ließ sich das Ganze am bequemsten niederreißen.

Also rieb er sich die Hände, trat mit der Miene eines entschlossenen Mannes auf die Tür zu, nahm sie mit einem rechtschaffenen Hi-jupp! aus den Angeln und setzte sie an den Gartenzaun. Das war schon ein schönes Loch im Schuppen. Jetzt das Dach herunter und dann mit dem Beil an die Balken: in drei Stunden war der Bau dem Erdboden gleich. Der Geselle faßte die Leiter und schwang sich mit seiner Hacke auf das Dach. Er klemmte das Eisen unter die Sparren … krach! da war die erste morsche Latte los. – Krach! da zersplitterte die zweite. – Krach! da sah der Himmel auf den Fleck Erdbodens da unten, der ihm wohl bald hundert Jahre verborgen geblieben war.

Auf einmal aber, als der Geselle so recht mitten in seinem wohltätigen Zerstörungswerke begriffen war und sich freute, mit wie wenig Kraftanstrengung er hier Bedeutendes leisten konnte, – auf einmal öffnete sich oben im Vorderhause das Fenster.

Die alte Amundsen … ohne Haube … die spärlichen, gelbweißen Haare wirr um den Kopf … starrte leichenblassen Angesichtes heraus, keuchte, hustete und rief schließlich mit krächzender Stimme: »Wat fallt di in?«

Der Geselle hielt in der Arbeit inne, sah zu der Greisin hinauf, vermochte sich aber nicht zu denken, daß er mit dem Zuruf gemeint sei, und hob alsbald die Hacke zu neuen Streichen.

»Wullt du mal maken, dat du dor wegkümmst?«

Wieder machte der Geselle eine Pause und blickte fragend nach Frau Amundsen hin. Meinte sie am Ende doch ihn?

»Ick?«

»Ja, du!« schrie die Alte. »Wat hest du hier to dohn?«

»Ick sall …«

»Nix sallst du! Versteihst du? Maken, dat du vun 'n Hoff runner kümmst – dat sallst du!«

Jetzt begehrte der Geselle auf: »Wenn min Meister mi seggt …«

»Hett hier nix to seggen!«

»Na, aber Herr Tedebus –?«

»Ok nich!«

Der Geselle zuckte mit den Achseln, als wolle er sagen: was scher' ich mich um dich? Er begann, mit verdoppelter Kraft in das alte Holz hineinzuhauen. Da verschwand Frau Amundsen. Das Fenster wurde heftig zugeschlagen, und gleich darauf erhob sich auf der Treppe drinnen im Hause ein großes Getöse, – ein Weinen, Stöhnen, ein Auftrampfen mit den Stöcken.

Wahrhaftig! Die alte Amundsen, so wie sie war, in ihrer Nachtjacke und unbedeckten Hauptes, schleppte sich, ohne auf das Jammern ihrer Tochter zu achten, Stufe für Stufe hinunter, kroch mit Aufbietung aller Kraft, die sie über ihren mürben Körper noch besaß, den Flur entlang nach hinten, stellte sich vor den Schuppen hin und drohte zu dem Gesellen hinauf:

»Ick jag di mit 'n Stock vun 'n Hoff! Runner dor! Runner! So 'n Kirl! So 'n utverschamten!«

»Mutter, laß doch! Herr Tedebus …«

»Ach wat! Tedebus hier, Tedebus dor! Dumm Tüüg! Hier blifft allens, as dat west is. Nich een Spier ward anners makt!« Und nun schwang sie ihren Krückstock zu dem Gesellen hinauf: »Ick segg di: rut! Orer bat geiht di slecht!«

Frau Clasen legte sich aufs Betteln: »Können Sie nicht mit der Arbeit aufhalten? Mutter ist so aufgeregt. Bloß bis nachher. Wir müssen das alles noch mal besprechen. Meine Mutter wird sonst so krank.«

Der Geselle war ein vernünftiger Bursche. Er sah sich die alte Frau an. Ob die ihre fünf Sinne beieinander hatte? Das schien fast nicht. Und hier stehen und sich ankeifen lassen, dazu fühlte er sich nun auch zu gut. Also wollte er lieber erst einmal seinem Meister Bericht erstatten, – der konnte dann mit Herrn Tedebus das Nähere beschließen.

Langsam stieg er vom Dache, zog seine Jacke an und meinte nur: »Sall mi wunnern, wat dornah kümmt.«

Damit verließ er den Hof. Die alte Amundsen war zusammengesunken, – Frau Clasen konnte sie kaum noch aufrecht halten.

»Fine! Fine!« rief sie ins Haus hinein, »einen Stuhl, schnell!«

Fine kam und brachte den Sitz. Die Alte fiel darauf und holte nur eben und eben Atem.

Fine stand mürrisch zur Seite und flüsterte ihrer Mutter zu: »Wenn Herr Tedebus das befiehlt, – da haben wir doch kein Recht, uns hineinzumischen.«

Frau Clasen winkte ihr nur: »Laß uns Großmutter bloß erst zu Bett haben. Mein Gott! Sie kann ja den Schlag kriegen! – So, so, Mutter!«

Da erschien Matthias in der Hoftür; der Geselle, den er unterwegs traf, hatte ihm alles erzählt. Zornsprühend stand der Buchbinder da:

»Das geht mir aber doch zu weit! Leute, die ich hier an die Arbeit schicke, wegzujagen? Da hört für mich die Rücksicht auf. Frau Amundsen!« Damit trat er nahe an die Greisin hin: »Wenn Sie denn wissen wollen, wer hier Herr im Hause ist: das Haus gehört –«

Hinter Großmutters, von schwerem Atem auf und nieder gehenden Rücken rang Frau Clasen verzweifelt die Hände. Matthias sah ihren flehenden Blick, – es war der Blick eines Menschen, der nicht mehr sprechen kann und der sich nur noch mit den Augen vor dem letzten, alles verderbenden Streiche des Überwinders retten möchte, – und da wurde es dem Buchbinder unmöglich, seinen Satz zu vollenden. Das entscheidende Wort blieb ihm in der Kehle stecken.

In Wut über das Erlebte, ärgerlich über sich selber und seine Weichheit wandte er sich ab und ließ die Hoftür hinter sich ins Schloß krachen. –

Großmutter schwebte viele Stunden zwischen Leben und Tod. Wohl oder übel mußte Matthias die Arbeit ruhen lassen. Es ging doch einfach nicht an, daß jetzt auf dem Hofe Lärm gemacht wurde. Er wollte und konnte doch nicht schuldig daran werden, wenn die Alte vielleicht ihren Hintritt nahm.

»Aber,« sagte er, »Frau Clasen, – wir beide, wir sind fertig miteinander. Das ist bei Ihnen nicht mehr Pietät, das ist auch keine Liebe zu Ihrer Mutter, das ist weiter nichts als Feigheit! So!«

Frau Clasen hatte ihre immer bereite Antwort: Seufzer und Tränen. Fine aber gab Matthias Recht: »Sie sollen den alten Kram hier doch niederreißen, Herr Tedebus. Großmutter kann ja vorn in der Stube zu Bett liegen. Da hört sie nichts.«

Fine versuchte, die Greisin zu bewegen, daß sie sich ihr Lager anderswo aufschlagen ließ, und selbst Adelaide Poggenstohl tat Fürsprache bei ihrer alten Freundin, damit Tedebus die Arme regen konnte, – aber umsonst: Frau Amundsen klammerte sich mit ihren dürren Fingern an die Bettkante fest:

»Hier kriggt mi keen Minsch rut! Wenn mi een anröhrt, denn spring' ick ut 't Finster!«

»Großmutter, – du hast aber da vorn viel bessere Luft.«

»Ick bruuk keen Luft.«

»Der Doktor sagt auch …«

»All nich wohr!«

»Siehst du?« meinte Frau Clasen, »ist da nun etwas zu erreichen? Habe ich nicht recht, wenn ich immer gleich von vornherein nachgebe? Ich will mir nachher keine Vorwürfe Mutters wegen machen müssen.«

Fine entgegnete nichts, aber ihr Herz war voll Bitternis. Sie wünschte, und sie verhehlte sich diesen Wunsch auch gar nicht, daß es endlich zu Ende sei mit der Alten! Was tat sie noch für Nutzen? Keinen. Und was bedeutete sie? Nichts als Druck, Dumpfheit, Einschüchterung für alle, die mit ihr unter dem Dache waren.

Es blieb also dabei: jetzt ließ sich kein Schuppen abbrechen und kein Kalk zum neuen Bau auf dem Hofe löschen.

»Aber nachher, Herr Tedebus,« so drängte Fine den Buchbinder geradezu, »nachher, wenn Großmutter wieder auf ist, – denn sie kommt wieder auf, verlassen Sie sich darauf, – dann sag' ich ihr Bescheid, wie es steht, und wenn sie uns dann kein Geld mehr geben will, so geh' ich aus und nähe!«

Das Tatkräftige, das auf einmal aus dem Mädchen sprühte, gefiel Matthias wohl. So lebhaft, so in Hitze sah er Fine gern. Sie wollte ausgehen und sich Geld verdienen: das hieß Rührigkeit, das war ein Ringen nach Selbständigkeit, nach Freiheit! Jung und entschlossen sah sie dabei aus. Mit so einer frischen Person ließ sich reden.

»Nähen für andere Leute, Fräulein Josefine?« fragte er. »Nun, das haben Sie nicht nötig. Mir fällt etwas ein, das ist besser für Sie. Ich mache Ihnen einen Vorschlag: mir fehlt jemand im Laden. Von Ihrer Mutter kann ich es nicht mehr annehmen, daß sie mir hilft – ich will es nicht mehr annehmen, verstehen Sie? Wenn Sie die kleine Stelle haben wollen … und sich nicht genieren, … so wenig ich dafür geben kann …«

»Ja!« Fine jauchzte auf. »Das wäre endlich einmal eigenes Brot!«

»Also gut! Wann treten Sie in mein Geschäft ein?«

»Am liebsten noch heute, Herr Tedebus!«

Josefinens von Jugend an gedämpfte Seele arbeitete nur dann kräftig und entschieden, wenn von außen her etwas in sie hineingeworfen wurde, was sie aufstachelte. Bei jenem Auftritte zwischen der Großmutter und dem Zimmergesellen und nachher bei jenem Händeringen ihrer Mutter vor Tedebus hatte sie die Lüge erkannt, die hier im Hause wie eine überall sich herum schleichende oder bald in diesem, bald in jenem Winkel zusammen gerollt liegende Schlange genährt wurde, – genährt durch die Schuld ihrer Mutter. Fine lechzte danach, dem bösen Tiere den Kopf zu zertreten, und da das, – hörte man nicht Großmutter durch Wände und Türen röcheln? – noch immer nicht anging, so flüchtete sie wenigstens jetzt völlig zu dem Menschen, der ihr als das Muster aller Rechtlichkeit und aller Wahrhaftigkeit vor Augen stand.

Die Gehülfin des Buchbinders zu werden, – das war, als ob sie von dem Wuste der ewigen Wehleidigkeit und der Fürchterei hier oben geläutert würde!

Matthias war es unmöglich, in Frau Clasen noch die Gestalt zu sehen, die ihm auch nur im entferntesten etwas von seiner Mutter ersetzte. Sein Herz wanderte weiter, und wenn es auch noch kein Ziel wußte, so war doch Frau Clasen zwischen ihm und Fine fürderhin nicht nur ausgeschaltet, wie sie es ja vordem selbst gern hatte sein wollen, nein, die Witwe war gänzlich beiseite geschoben.

Mochte sie sich Tag und Nacht abmühen, das alte Leben im zweiten Stock vor dem Verlöschen zu bewahren: Matthias und Fine taten etwas Nützlicheres, sie arbeiteten zusammen unten im Laden, – Fine lernte kleine Handgriffe von der Buchbinderkunst und steckte, wenn der Sonnabend kam, glückselig ihren Wochenlohn in die Börse. Sie fühlte sich zum ersten Male, so lange sie denken konnte, für das Leben brauchbar, sie hatte das Bewußtsein, daß ihre Zeit etwas wert war, und eine innige Verehrung richtete sie nach dem Manne hin, der ihr dieses Gefühl und dieses Bewußtsein geschenkt hatte.

So war es gerade, als wirke in Matthias Tedebus, ohne daß es ihm ahnte, ein verhängnisvoller Trieb, sein Dasein in die Geschicke der Menschen zu verflechten, deren er sich, sobald er einen ihm auferlegten Zwang merkte, doch zu erwehren suchte. Er meinte, er sei nun richtig frei von den Clasens, in Wahrheit war er mehr denn je an sie gebunden.

Denn wie stand es? Aus Rücksicht auf die Kranke baute er sein Geschäft nicht aus, und um Frau Clasen zu ihrer Sorge um die Mutter nicht noch mehr Leides zuzufügen und sie dafür zu entschädigen, daß ihr Platz im Laden nun von Fine eingenommen war, sprach er bald wieder gütig zu der Witwe.

»Sie haben so viel mit der Pflege zu tun, Frau Clasen, Sie hätten gar keine Stunde für mich übrig. Das haben wir uns ja auch überlegt. Um Ihretwillen …«

»Ach, Sie können gar nicht anders, als bloß immer gut sein, Herr Tedebus!«

Wenn sie so sprach, dann war es für Matthias schwer, seinen Zorn über ihre Unwahrhaftigkeit aufrecht zu erhalten. Sie war eben doch eine Frau, die aus Liebe handelte, mochte diese Liebe an sich aus noch so geringwertigen Ursachen fließen.

Gerecht sein, die Menschen nach dem beurteilen, wie sie geworden und zu werden genötigt waren.

Auf die Art machte er, dessen Natur, so lange es irgend ging, immer nach einem Ausgleich strebte, mit den beiden älteren Frauen, – obschon er sich äußerlich fern von ihnen hielt, – innerlich seinen Frieden, und an Fine, mit der er nun fast stets in ein und demselben Raume zusammen war und munter schaffte, gewöhnte er sich bald. Er entbehrte sie, wenn er hin und wieder einen Tag allein sein mußte.

Matthias deuchte sich den Herrn im Hause und hatte doch lauter Herrinnen über sich, – drei Menschen, die viel schwächer und gerade darum viel stärker waren als er selbst.

* * *


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