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DIE STUMMEN DINGE

Soviel ist stumm und wartet lang,
ob einer nicht vorüberkäme,
der den verborgenen Gesang
der Dinge in der Nacht vernähme,
der Stimmen hörte und das Raunen
der Stummgeborenen, den Chor
der Schweigenden und nähm' ihn in die Hände
und trüg' ihn durch das irdische Gelände
und höbe ihn durch Lächeln und Erstaunen
und Achselzucken bis ans Wolkentor.

Und spräche so: »Du großer Meister,
sie haben lange sich gekränkt,
dass in der Harmonie der Geister
kein Wohllaut ihnen ward geschenkt.
Ich bringe dir der Wälder Psalmen,
den heimlichen Gesang des Steins,
Musik von Blüten, Ähren, Halmen,
das Lied der Stadt im Schornsteinqualmen
und jedes solche Lied ist meins.
Sie alle leg' ich dir zu Füßen,
dem nichts zu klein ist und gering;
mit meinem Mund soll jedes Ding
den Meister aller Dinge grüßen.«

So steht gar vieles still und wartet nur,
ob einer nicht des Wegs vorüberginge
und fände in der Tiefe der Natur
verborgner Seelen leise Lebensspur
und sänge Lust und Leid der Kreatur
im Namen aller stummgebornen Dinge.


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