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Achtes Kapitel.
Die Katastrophe in Wildes Leben

Wir müssen die Betrachtung der Werke Oscar Wildes eine Zeitlang unterbrechen, um von jener Katastrophe in seinem Leben zu sprechen, die ihn mit einem Schlage von den Höhen des Ruhmes und Genusses hinabschleuderte in den tiefsten Abgrund, seine bürgerliche und künstlerische Existenz vernichtete und den berühmten und gefeierten Schriftsteller zu einem Verbrecher, einem gesellschaftlich Gezeichneten stempelte.

Es scheint, daß Oscar Wilde schon seit 1886 sich der homosexuellen Leidenschaft hinzugeben begonnen hat. Eine perverse physiologische Anlage wird wohl der Grund gewesen sein, und moralische Hemmungen fehlten leider bei dem Manne, dessen beherrschender Gedanke die Trennung von Kunst und Moral und Kunst und Leben war. »Die Tatsache, daß ein Mann ein Giftmischer ist, spricht nicht gegen seine Prosa«, sagte er in seinem Essay über Wainewright, und ein andermal mehr sachlich: »Die Sphäre der Kunst und die Sphäre der Moral sind vollständig verschieden, getrennt.« Das Leben selbst, sein eigenes Schicksal, hat Wilde furchtbar widerlegt. Die Kunst läßt sich nicht so von dem Leben und damit der Führung des Lebens trennen, wenn sie sich auch keineswegs der Moral und dem Leben unterordnen, ihr Diener sein soll. Und ebensowenig läßt sich die Persönlichkeit des Künstlers, sein Verhältnis zur Welt und zu den Menschen von seinem Werke trennen. Ein Mittel hat ja der schaffende Künstler vor anderen Menschen voraus, seine Kunst seinem eigenen Leben dienstbar zu machen, seine Konflikte, seine Nöte und Leiden zu objektivieren und dadurch zu heilen oder doch zu mildern, und auch Wilde hat dies Mittel, wie wir sahen, in Dorian Gray angewandt, allerdings ohne Erfolg für sich selbst. Denn seine krankhafte Leidenschaft scheint mit den Jahren zugenommen zu haben. Und dann erging es ihm wie Dorian Gray. Die Sache wurde allmählich ruchbar, die Türen der guten Häuser schlossen sich ihm, alte Freunde verließen ihn, man ging ihm aus dem Wege. Sah man ihn doch oft in Theatern und Restaurants in Gesellschaft sehr zweifelhafter junger Leute. Den letzten flüchtigen Blick in sein Leben vor der Katastrophe läßt uns sein Freund André Gide tun, der ihn im Januar 1895 in Algier traf. Wilde gab sich ganz dem Genusse hin und war stets von einem Schwarm junger Schmarotzer umgeben, die er beschenkte und mit denen er sich amüsierte. »Meine Pflicht ist, mich furchtbar zu amüsieren«, sagte er, und: »Ich hoffe, daß ich diese Stadt gründlich demoralisiert habe.« Die Gerüchte gegen ihn nahmen immer festere Gestalt an. André Gide warnte ihn und riet ihm, nicht nach London zurückzukehren. Aber Wilde schlug alle Warnungen in den Wind. »Wie sonderbar sind meine Freunde,« sagte er. »Sie raten mir zur Klugheit, zur Klugheit. Kann ich denn klug sein? Ich muß so weit gehen, wie es möglich ist+… Es muß etwas geschehen+… etwas anderes.« Gide fand ihn seltsam ermüdet. Sein Lachen hatte etwas Rauhes, etwas Übertriebenes. Er suchte offenbar nach wilden Genüssen. »Nicht Glück! Vor allem nicht Glück. Vergnügen! Man muß immer das Tragischste wollen.« Und so stürzte er mit offenen Augen, wie von einem Verhängnis getrieben, in sein Schicksal hinein.

Die Veranlassung zu seinem Sturze war seine Freundschaft mit Lord Alfred Douglas, dem Sohne und Erben des Marquis von Queensbury, also einem Mitgliede der höchsten englischen Aristokratie. Lord Alfred Douglas hat seine Seite des Falles Wilde sehr ausführlich in einem umfangreichen Buche: »Oscar Wilde und ich« (London 1914) dargelegt, in einem Buche, das im Grunde nichts als eine Schmähschrift auf den toten Freund ist, und er verfolgt sein Andenken auch noch in seinen im Jahre 1919 veröffentlichten »Gesammelten Gedichten«. Er gehört zu jenem Typus der englischen Aristokraten, wie ihn Meredith so meisterhaft dargestellt hat, deren exzentrischer, launenhafter, von Stolz und Egoismus beherrschter Charakter eine Folge ihrer Ausnahmestellung ist, und zwar war er in dieser Beziehung schon stark erblich belastet. Sein Vater war zweimal verheiratet und zweimal geschieden, lag mit seinem Sohne in beständigem Streit, war bekannt als Patron der Preisboxer, ein jähzorniger und exzentrischer Mensch; er hätte das Urbild des Grafen Fleetwood in Merediths Roman »Die verblüffende Heirat« sein können. Wilde lernte Lord Alfred Douglas, der 14 Jahre jünger war als er, im Anfange der 90er Jahre als Oxforder Studenten kennen. Er war damals schon ein berühmter Mann, und Lord Alfred war ein junger Mann, der sich für einen Dichter hielt und später dann auch mit Gedichten an die Öffentlichkeit trat, eine Zeitlang sogar die Zeitschrift Academy redigierte. Aber er hatte den Vorzug, ein Sproß der stolzesten Aristokratie der Welt, enorm reich, wenigstens in seinen Aussichten, jung und von ausnehmender Schönheit zu sein, alles Eigenschaften, die Wilde sehr hoch schätzte. So entstand zwischen ihnen eine intime Freundschaft, die namentlich in der Zeit von 1892-95 immer engere Formen annahm. Sie waren unzertrennlich, aßen und tranken zusammen, hatten eine gemeinsame Börse und lebten sehr verschwenderisch, hierdurch und durch ihr beständiges Zusammensein Aufsehen und Klatsch erregend. Lord Douglas leugnet sehr entschieden, von dem Laster Wildes etwas gewußt zu haben, geschweige denn daran in irgendeiner Weise beteiligt gewesen zu sein. Es ist schwer, an seine vollständige Unschuld und reine Unwissenheit zu glauben. In der kurzlebigen Zeitschrift Das Chamäleon, die 1894 erschien, aber es nur auf eine Nummer brachte, und zu der auch Wilde eine Reihe von Aphorismen beisteuerte, »Die Sätze und Lehren zum Gebrauch für die Jugend«, veröffentlichte der junge Lord zwei Gedichte, die »Die Liebe, die ihren Namen nicht nennen darf«, zum Gegenstande hatten. Später hat er diese Gedichte zu unterdrücken versucht. In derselben Zeitschrift richtete er auch ein Gedicht an seinen Vater unter dem lieblichen Titel: »An den Mann, den ich hasse«. Später haben beide Freunde sich beschuldigt, einander herabgezogen, verdorben, verleitet zu haben. Gegen Wilde spricht hierbei, daß er soviel älter, reifer und bedeutender war als der junge Lord. Jedenfalls beruhte die Freundschaft, wie in so vielen Fällen, nicht auf den Vorzügen, sondern auf den Schwächen der Freunde. Wilde scheint sich dem jungen Manne gegenüber in der Rolle des zynischen Mentors in der Art seines Lord Henry Wotton in Dorian Gray gefallen zu haben, und Lord Douglas gesteht, von dem Ruhme des Schriftstellers, seiner Gabe der Konversation und seinem Selbstbewußtsein angezogen und geblendet worden zu sein. Der Vater Lord Alfreds, der Marquis von Queensbury, war jedenfalls der Ansicht, daß Wilde seinen Sohn verderbe, und suchte durch gute und böse Mittel, zunächst durch Überredung, Bitten und Geld, dann durch Drohungen die beiden zu trennen. Es half nichts. Er verprügelte seinen Sohn öffentlich. Bei einer Premiere schickte er Wilde einen Strauß aus Kohlblättern. Er suchte ihn in seinem Hause auf und machte ihm eine furchtbare Szene. Wilde lachte und wies dem wütenden Manne, der ihn beschimpfte, die Tür. Da griff der Marquis zum Mittel der öffentlichen Beleidigung. Er schickte ihm eine offene Karte in seinen Klub mit den Worten: » Oscar Wilde is a bugger (Sodomit, Knabenschänder).« Jetzt schien Wilde kein anderer Ausweg zu bleiben als eine Klage gegen den Beleidiger. Ein großer Skandalprozeß im Anfang April 1895 war die Folge. Die ersten Anwälte Englands standen sich gegenüber, Sir Edward Clarke auf seiten Wildes, Edward Henry Carson, der spätere »ungekrönte König von Ulster«, auf seiten seines Gegners. Der Marquis trat den Wahrheitsbeweis an, und es kam zu bösen Enthüllungen. Oscar Wilde hatte entlassenen Kellnern und Lakaien kostspielige Diners gegeben, junge Leute von sehr zweifelhaftem Charakter mit silbernen Zigarettenetuis beschenkt, in Hotels mit ihnen geschlafen, abgefeimten Erpressern £ 30 geschenkt, wie er sagte, weil es ihnen nicht gut ging und sie die Armut nicht verdienten, anderen dazu verholfen, nach Amerika zu gehen, von wo sie ihm Briefe schickten, in denen sie ihn »Lieber Oscar« nannten und von ihrer Liebe sprachen. Der Anwalt Wildes zog die Beleidigungsklage zurück, und der berühmte Dramatiker verließ als verachteter und gezeichneter Mann das Gericht. Er hätte fliehen können, aber er blieb, und am 5. April wurden er und ein gewisser Alfred Taylor verhaftet. Es begann nun der zweite Prozeß. Zum Ergötzen des Londoner Publikums, das sich für die strenge Theaterzensur durch ausführliche Berichte über pikante Prozesse in den Zeitungen schadlos zu halten pflegt, wurde entsetzlich viel Schlamm und Schmutz aufgewirbelt. Sehr fragwürdige Gestalten erschienen, die sich zu unsittlichen Zwecken hergaben und dann Erpressung trieben, ein Zutreiber, eben jener Alfred Taylor, ein Mensch, der ein großes Vermögen verschwendet hatte und jetzt gewerbsmäßig Zimmer zu dergleichen Zwecken vermietete, also eine Art Männerbordell hielt; scheußliche Einzelheiten wurden ausführlich berichtet, die beschmutzten Bettücher, wenn auch nicht in natura, so doch in der sachkundigen und lebhaften Beschreibung von Hotelzimmermädchen vor den Zuhörern ausgebreitet. Wilde verteidigte sich geistvoll und geschickt, aber doch ohne die rechte Empfindung für das Gefühl der anderen. Er hielt eine lange Rede zum Preise der Liebe David und Jonathans, der Liebe, die Plato zur Grundlage seiner Philosophie gemacht hat, der Liebe, die Shakespeare und Michel Angelo in ihren Sonetten besungen haben. »Das ist die Liebe,« so schloß er seine Apostrophe, »die die Liebe des Weibes übertrifft; sie war schön, sie war rein, sie war edel – diese Liebe eines älteren Mannes mit seiner Lebenserfahrung und eines jüngeren mit aller Freude und Hoffnung noch vor sich.« Einige klatschten Beifall, andere zischten; im ganzen war der Eindruck kein günstiger. Sir Edward Clarke, der wieder seine Verteidigung übernommen hatte, versuchte alles als Lüge und Erpressung zu erklären. Am Ende konnten die Geschworenen sich nicht einigen, da drei von zwölf zu keinem klaren Schuldspruch kommen konnten. Der Prozeß ging ohne Resultat aus. Wilde wurde gegen eine Kaution von £ 8000 freigelassen. Er war frei, wenn auch moralisch verurteilt. Kein Hotel wollte ihn aufnehmen; er mußte bei seinem Bruder eine Zuflucht suchen. Seine Gläubiger belegten sein Haus mit Beschlag; seine Möbel und seine Kostbarkeiten wurden zu geringem Preise versteigert, manche seiner Manuskripte gestohlen. Er hätte wieder fliehen können, aber er wollte nicht. Derselbe Fatalismus, der ihn nach London getrieben hatte, hielt ihn jetzt dort zurück, um die Sache auszufechten, das Ende derselben zu sehen, sein Schicksal zu versuchen. Vielleicht hatte er auch eine noch dumpfe Hoffnung, als Sieger aus diesem Kampfe hervorzugehen.

So begann im Mai 1895 der dritte Prozeß, in dem Sir Edward Clarke – diesmal ohne Honorar, denn Wilde besaß nichts mehr – wieder die Verteidigung übernahm. Einiges Neue kam noch hinzu, namentlich der Fall eines Gehilfen von Wildes Verleger, der zeigte, wie verderblich der Einfluß Wildes auf gewisse junge Leute war. Am Schlusse der Verhandlungen wurden Wilde und Taylor zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Urteil wurde vom Publikum mit Beifallsäußerungen begrüßt. Keine Sympathie, kein Mitleid regte sich für den Unglücklichen, den man statt ins Zuchthaus in eine Nervenheilanstalt hätte schicken sollen. Die beiden Jahre der Gefangenschaft waren furchtbar für Wilde. Keinerlei Erleichterung von den harten, grausamen Gefängnisregeln wurde ihm gewährt. Er war eine Nummer wie die anderen, C 3,3, lief umher in grauer Sträflingstracht und mit kurzgeschorenem Haar und mußte täglich an teerigen Tauen sich die Finger wund reißen, sein Quantum Werg zupfen, die Tretmühle treten und den Fußboden, die Türen, die Tische und Bänke waschen. Achtzehn Monate lang wurde ihm keine Lektüre gestattet als die Bibel und die faden Traktätlein der Gefängnisbibliothek; dann erst gestattete man ihm, sich Bücher kommen zu lassen und dann auch zu schreiben. Zwei Petitionen um frühere Entlassung, die eine von einer Reihe bedeutender Leute unterzeichnet, wurden abgeschlagen. Er verbrachte die erste Zeit seiner Haft im Gefängnis von Pentonville, von wo er erst nach Wandsworth, dann am 13. November 1895 nach dem Zuchthause zu Reading gebracht wurde. Auf dem Wege dorthin erkannten ihn trotz seiner Sträflingskleidung die Reisenden auf einem Umsteigebahnhofe. »Die Männer und Knaben«, so erzählte er später Frank Harris, »gingen in endlosen Scharen an mir vorüber, und einer nach dem andern beehrte mich mit einer gemeinen Stichelei und mit Spott und Hohn. Sie stellten sich vor mich hin, Frank, sie beschimpften mich und spuckten auf die Erde – es war eine namenlose Qual.« Wildes Verhalten in der Hölle des Gefängnisses, die er natürlich viel tiefer empfand als seine unglücklichen Mitgefangenen, war bewundernswert. Wir haben dafür zunächst das Zeugnis seiner Aufzeichnungen, die nach seinem Tode unter dem Titel De Profundis (»Aus der Tiefe«) von seinem Freunde Robert Roß – wir kommen darauf noch zurück – herausgegeben worden sind. Er erkennt seine Schuld an und nimmt die allzu harte Strafe als Schickung, als Leiden hin, sucht sich damit abzufinden und das Leiden in seine Lebensauffassung aufzunehmen. Derselbe, der früher seinen Kritikern mit herausforderndem Hohn entgegengetreten war, ist jetzt den Ärmsten der Armen gegenüber, die seine Genossen sind, ganz Menschenfreundlichkeit und Milde; es ist, als ob die ursprüngliche Güte seiner Natur, wie sie sich auch in den Märchen zeigt, durch alle Künstlichkeit und Affektation zum Durchbruch gekommen wäre. Wildes erster Biograph, Robert Harborough Sherard, veröffentlicht die Aufzeichnungen eines Aufsehers im Zuchthaus zu Reading, die mit Rührung und Begeisterung von dem Gefangenen Wilde sprechen. Schon im Gefängnisse selbst nahm er sich vor, für eine Milderung des barbarischen Gefängnissystems einzutreten, und seine erste Tat nach seiner Entlassung, die am 19. Mai 1897 erfolgte, war ein offener Brief an die Londoner Zeitung Daily Chronicle , in dem er für einen Gefängniswärter eintrat, der entlassen worden war, weil er gegen das Reglement einem hungrigen Kinde ein paar Keks gegeben hatte. Er knüpfte daran Betrachtungen über die Grausamkeit in der Behandlung von Kindern und wies auf den Fall eines halbwitzigen, blöden Gefangenen hin, den das Gefängnisreglement um den Rest seines Verstandes zu bringen drohe. Und ein zweiter Brief über Gefängnisreform, der die ganze Frage aufrollt, erschien am 24. März 1898 in derselben Zeitung. In demselben Jahre nahm das Parlament ein neues Gefängnisgesetz an, das die meisten von Wildes Vorschlägen berücksichtigte. So wurde Wilde in gewissem Sinne ein Wohltäter der Armen, unter denen er die schwersten Jahre seines Lebens zugebracht hatte. Während der Gefängniszeit, im Frühjahr 1896, verlor Wilde seine Mutter. Seine Frau, die ihn schon einmal, am 21. September 1895, im Gefängnis besucht hatte, brachte ihm die Nachricht, die ihn tief erschütterte. Frau Wilde selbst starb ein Jahr nach der Entlassung ihres Mannes. Eine Wiedervereinigung der Gatten, auf die Wilde gehofft hatte, wurde von der Familie hintertrieben. Auch seine Kinder sah Wilde nicht wieder. Am Tage nach seiner Entlassung verließ er England und ging nach Frankreich. Er verließ sein Vaterland als ein gebrochener Mann.

Über Wildes Vergehen, seine Schuld und seine Strafe, ist viel Widersprechendes geschrieben worden, von Freunden wie von Feinden. Daß der Dichter, wie einige seiner Apologeten, unter anderen Hedwig Lachmann in ihrem sympathischen Buche, behaupten, wegen seiner perversen Instinkte nicht in Zwiespalt mit sich gelegen habe, ist sicherlich falsch. Dorian Gray beweist, wie wir vorher sahen, das Gegenteil. Aber das Schandmal des Verbrechers, die Zuchthauszelle und die Sträflingskleidung, hatte er gewiß nicht verdient. Die Leidenschaft, der er unterlag, war, wie bekannt ist, im alten Griechenland eine weitverbreitete Volkssitte und galt ebensowenig als unmoralisch oder doch nicht als strafbar wie heute das außereheliche Geschlechtsleben der Männer mit seinen häßlichen und widerwärtigen Auswüchsen; und daß sie bis auf unsere Zeit nicht gerade selten ist und sich oft mit sehr hohen geistigen und sittlichen Gaben vereinigt findet, kann wohl kaum bestritten werden. Die Begleiterscheinungen Wildes, namentlich die Tatsache, daß er sich niederer und gemeiner Werkzeuge bediente, um ihr zu frönen, daß er mit Erpressern und verkommenen Subjekten zu tun hatte, fallen zum Teil nicht ihm, sondern den Umständen zur Last, sind eine Folge des strengen Verbots, nicht notwendig eines niederen Charakters. Die Verehrer des Bacchus oder Gambrinus, deren Kultus in unzähligen deutschen Trinkliedern von Lessing und Goethe bis zu Scheffel gefeiert wird, greifen in den amerikanischen Staaten, in denen das Alkoholverbot herrscht, heute auch zu schiefen Mitteln, zu List und Betrug, um ihren Durst zu löschen.

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