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Treue Liebe.

Der Liebende.

(Unter einem Baume.)

Vöglein kehrt aus Süden wieder,
Hell ertönen seine Lieder,
Wenn von Zweig zu Zweig es springt; –
Vöglein meine Liebe singt.

Horch! mein holdes Liebchen kennt es!
Tausend Mal den Namen nennt es!
Freudig hoff ich jetzt aufs Neu',
Denn ich weiß, sie blieb mir treu.

Das Vögelchen.

Armer, Du hast falsch verstanden!
Ich kehr' nach den heim'schen Landen,
D'raus mich Winterfrost vertrieb;
Am Altar stand heut Dein Lieb.

Der Liebende.

Von der Holden bringt es Kunde,
O, der seel'gen schönen Stunde!
Immer hat sie mein gedacht,
Schaute mich im Traum der Nacht.

Das Vögelchen.

Braut und Bräut'gam, Hochzeitsgäste
Sah ich schmausen froh beim Feste;
Von der Treue sprach man dort,
Doch von Dir kein Sterbenswort.

Der Liebende.

Gott! Du gabst sie mir, Dir weih' ich
Meinen Dank, Dich benedei' ich.
Mein im Zeitenwechsel blieb
Sie, des Herzens erste Lieb'!

Vöglein! hebe froh die Schwingen,
Meine Grüße ihr zu bringen.
Wenn Dein Lied von Treue schallt,
Dann versteht sie Dich alsbald!


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