Ernst von Wolzogen
Die Erbschleicherinnen, Band 1
Ernst von Wolzogen

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Zur Einführung in den Roman.

Zwei echte Münchener Madeln, und noch dazu aus einer Künstlerfamilie, in das Haus eines Berliner Geheimrats, und noch dazu eines Professors des Kirchenrechtes verschlagen – das kann schon an sich keinen guten Klang geben. Wenn aber der gute schwache Onkel Geheimrat noch dazu mit einer etwas steifen Dame aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiete verheiratet ist, dann muß es Funken stieben. Wolzogen, der lieber lacht als weint, hat dieser gefährlich explosiven Mischung unvereinbarer Elemente im allgemeinen die lustige Seite abgewonnen und führt seine Heldinnen und Helden fast alle zum glücklichen Ziele, zur erfolgreichen Künstlerschaft die eine, zur glücklichen Hochzeit mit dem geliebten Manne die andere. Nur eine muß fort von der fröhlichen Tafel des Lebens, Milka, die radikale Russin, die gleich der armen Semele in allzu heißen Flammen vergeht. Ihre düstere, im besten Sinne tragische Gestalt bildet in scharfem Kontrast die dunkle Folie, von der sich das Licht-Elflein Lizzi um so holder und lieblicher abhebt.

Kein zeitgenössischer Autor hat einen schärferen Blick für das unfreiwillig Komische seiner geliebten Mitmenschen, und keiner weiß seine Menagerie seltsam-drolliger Käuze so wirkungsvoll und bei aller Drastik doch so harmlos-fröhlich vorzuführen. Man merkt's allen diesen scharf gezeichneten Gestalten an, daß ihr Schöpfer selbst ein ungewöhnlich begabter Schauspieler ist, der sie am lebenden Modell studiert hat: Sprache und Bewegung, Tracht und Haltung, und wenn der flotte Strich nicht selten einmal über die Natur hinaus ein wenig in die Karikatur hinüber abweicht, so läßt man sich's lachend gefallen.


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