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Brief X.

London, den 25. November 1710.

Ich will Ihnen etwas sagen, was verdammt albern ist. Ich hatte in meinem letzten am 23. vergessen zu sagen, wo ich gegessen hatte; und da ich es sonst stets getan habe, hielt ich es für eine grosse Unterlassung und wollte es zwischen die Zeilen schreiben; aber schliesslich trieb mich die Albernheit, ›Bah!‹ zu rufen, und ich liess es. Heute bin ich hingegangen, um den Zusammentritt des Parlaments zu sehn, aber ich sah nur ein grosses Gedränge; und Ford und ich besuchten die Gräber in Westminster und schlenderten so lange herum, dass ich gezwungen war, zum Essen in ein Speisehaus zu gehn. Bromley ist nemine contradicente zum Sprecher erwählt worden. Verstehn Sie die beiden lateinischen Worte? Und Pompejus, Oberst Hills Schwarzer, will sich zum Sprecher der Lakaien Die Lakaien, die vor dem Parlament ihrer Herren harrten, pflegten damals die parlamentarischen Formen nachzuahmen. wählen lassen. Ich bin gebeten worden, meinen Einfluss für ihn aufzubieten, und ich habe mit Patrick gesprochen, damit er ihm ein paar Stimmen verschafft. Wir sind jetzt alle voll Ungeduld auf die Rede der Königin; was sie über die Änderung des Ministeriums usw. sagen wird. Ich habe mich erkältet und weiss nicht wie; aber es ist so, und ich bin heiser. Ich weiss nicht, ob es besser wird oder schlimmer. Was geht das Sie an? Ich will Ihren Brief heute Abend noch nicht beantworten. Ich will Sie ein wenig länger in Ungewissheit halten: ich kann ihn nicht abschicken. Die Kuchen Ihrer Mutter sind sehr gut, und einen davon esse ich zum Frühstück, und jetzt will ich wie ein guter Junge schlafen gehn.

26. Ich habe mich grausam erkältet und heute den ganzen Tag in meinem Schlafrock im Zimmer bleiben müssen; gegessen habe ich für sechs Pence, und im übrigen habe ich gelesen und geschrieben und mich für jedermann verleugnen lassen. Dr. Raymond hat mehrmals nach mir gefragt, und ich wurde verleugnet; schliesslich aber, als ich müde war, liess ich ihn heraufkommen und fragte ihn ohne Umstände, wie Patrick mich verleugnet habe und ob er es verstehe. Auf diese Weise soll er sich daran gewöhnen, dass ich mich vor ihm verleugnen lasse; sonst wäre er für mich eine elende Plage und Hinderung; er hat zwei Stunden lang bei mir gesessen und einen Liter Bier getrunken, der mich fünf Pence gekostet hat; und er hat seine Pfeife geraucht; jetzt ist es nach elf, und er ist eben fort. Nun, mein achter ist jetzt bei Ihnen, junge Frauen, und Ihr siebenter steckt jetzt auch im Beutel eines Postjungen; und also gehn Sie zu Ihrer Truppe von Dechanten, Stoytes und Walls und verlieren Sie Ihr Geld; gehn Sie, Naseweise, und also gute Nacht und sein Sie glücklich, liebe Halunkinnen. Oh, aber Ihre Kiste ist von Sterne an Dr. Hawkshaw geschickt worden, und Sie werden sie mit Hawkshaw, Brille usw. usw. erhalten.

27. Heute begegnete Herr Harley mir im Gnadengerichtshof und bat mich flüsternd, bei ihm zu speisen. Bei Tisch erzählte ich ihm, was diese Bischöfe vollbracht haben und in welcher Schwierigkeit ich bin. Er bat mich, mir keine Sorge zu machen; er würde dem Herzog von Ormond sagen, dass die Sache erledigt sei und dass er sich nicht mehr darum zu kümmern brauche. Ich bin also unbesorgt, und sie können sich aufhängen als die Bande unverschämter, undankbarer Schurken, die sie sind. Ich vermute, ich habe Ihnen in meinem letzten gesagt, dass sie dem Herzog von Ormond eine Adresse und Southwell einen Brief geschickt haben, in dem sie ihm befahlen, die Papiere von mir zu verlangen, nachdem die Geschichte schon vorüber war; aber sie hatten meinen Brief noch nicht, obwohl der Erzbischof nach dem, was ich ihm schrieb, wohl hätte erwarten können, dass die Sache erledigt würde. Nun, das ist zu Ende, und in Kürze wird die Königin ihnen Nachricht schicken, usw. Dann werden die Methoden festgelegt, und ich werde an die Heimkehr denken, obgleich ich infolge der Gemeinheit dieser Bischöfe Irland weniger liebe als früher.

28. Lord Halifax liess mich zum Essen einladen, und ich blieb bis sechs bei ihm; ich widersprach ihm in all seinem whiggistischen Gerede und habe ihn oft auf meine Seite herübergezogen. Ich weiss, er macht den neuen Leuten den Hof, obgleich er zum Schein noch wie ein Whig redet. Ich hatte heute einen Brief von dem Bischof von Clogher, aber ich habe ihm schon vor kurzem geschrieben, ich würde seinen Befehlen inbetreff des Herzogs von Ormond nachkommen. Er sagt, ich hätte ihn gebeten, den Londoner ›Shaver‹ zu lesen; und Sie hätten beide geschworen, es hiesse ›Shaver‹, nicht ›Shower‹. Das mehrfach genannte Gedicht über den Regenschauer. Sie lügen alle, und Sie sind Gelbschnäbel und können Prestos Handschrift nicht lesen. Der Bischof irrt sich absolut in seinen Vermutungen über meinen Anteil an den Tatlers. – Ich habe an andre, weit wichtigere Dinge zu denken; sonst habe ich wenig damit zu tun, dass die neuen Minister mich kennen, die mich ein wenig mehr schätzen als die irischen Bischöfe.

29. Und jetzt Ihr naseweiser, guter, kleiner Brief; lassen Sie sehn, was sagt er? Kommen Sie. Ich habe heute bei Ford gegessen und bin früh nach Hause gekommen. Er hat mich noch wieder zu einer Flasche Wein in seinem Zimmer verführt, bis zwölf; also gute Nacht. Ich kann Ihnen jetzt keine Antwort mehr schreiben, Sie Halunkinnen.

30. Heute habe ich Besuche gemacht, was ich lange verabsäumt hatte; ich habe mit Frau Barton allein gegessen und dann bis acht im Kaffeehaus gefaulenzt; bis elf habe ich schliesslich noch gearbeitet, und jetzt will ich Ihren Brief beantworten, Sie Naseweise! Nun, lassen Sie mich noch einmal sehn. Meine Wachskerze ist fast ausgebrannt, aber ich will beginnen. Nun, sein Sie doch nicht so langweilig, Herr Presto; was können Sie auf MD's Brief erwidern? Beeilen Sie sich, hören Sie doch mit der Vorrede auf! – Nun, ich sage, dass ich mich freue, wenn Sie so oft ausgehn; Ihre Mutter meint, der Mangel an Bewegung schade Ihnen, und das meine auch ich. (Sie war heute Abend hier, aber ich war nicht zu Hause, das nebenbei.) Sie werden mich doch nicht täuschen, Stella, wenn Sie sagen, Sie befänden sich besser, als Sie es seit drei Wochen getan hätten. Denn gestern sagte mir Dr. Raymond, Smyth, vom Blind Quay, hätte Herrn Leigh gesagt, Sie wären sehr krank gewesen, als er abreiste, und kurz, er hätte so gesprochen, dass der arme Leigh fast geweint hätte und dass ich hätte von Sinnen kommen können; Ihr Brief freilich ist vom 11. dieses datiert, und Smyth habe ich vor über vierzehn Tagen in der Altstadt gesehn, als ich ihm im Wagen vorbeifuhr. Bitte, bitte, schreiben Sie nicht mehr, Stella, bis es Ihnen mit Ihren Augen wieder mächtig, mächtig, mächtig, mächtig, mächtig wohl geht und Sie sicher sind, dass es Ihnen nicht mehr schaden kann. Oder kommen Sie, ich will Ihnen etwas sagen; Sie, Frau Stella, sollen Ihren Anteil in fünf oder sechs Sitzungen schreiben, täglich eine Sitzung; und dann kommt Dingley hintereinander weg, und schliesslich Stella am Schluss noch einen kleinen Brocken, damit wir sehn, dass sie noch an Presto denkt; und dann wird mit etwas Hübschem und Artigem geschlossen; wie zum Beispiel mit einem: Ihre demütige, blütige oder usw. O Himmel, Patrick schreibt, ich käme nicht vor dem Frühjahr? Der Unverschämte! Er kennt meine Geheimnisse? Nein, wie der Herr Oberbürgermeister sagte, nein, wenn ich dächte, dass mein Hemd wüsste, usw. Wahrhaftig, ich will so bald kommen wie es nur irgend angängig ist, dass ich komme; aber die Wahrheit zu sagen, so bin ich gegenwärtig mit dem gegenwärtigen Ministerium ein wenig in einige gewisse Dinge verwickelt (was ich Ihnen als Geheimnis sage); sobald ich nur meine Hände frei machen kann, will ich nicht länger bleiben; denn ich hoffe, die Geschichte mit den Erstlingen wird bald in aller Form erledigt sein. Doch die Wahrheit zu sagen, so hat das gegenwärtige Ministerium eine schwierige Aufgabe, und es braucht mich, usw. Vielleicht wird es genau so dankbar sein wie die andern; aber nach meinem besten Urteilsvermögen verfolgt es das wahre Interesse der Allgemeinheit: und deshalb trage ich mit Freuden bei, was in meiner Macht steht. Um Gotteswillen, kein Wort davon an irgendeine lebende Seele. – Ihr Kanzler, gnädige Frau? O, ich kann Ihnen sagen, der ist seit vierzehn Tagen tot. Wahrhaftig, ich konnte kaum unsre Kindersprache vermeiden, als ich Ihnen von einem scheusslichen toten Kanzler zu berichten hatte; Sie können es am Durchgestrichnen sehn. Pflügen? Die Pest möge sie pflügen: sie werden mich zu nichte pflügen! Aber haben Sie Ihr Geld, die beiden Zehnpfundnoten? Wie konnte er wagen, die zweiten so bald zu bezahlen? Bitte, sein Sie haushälterisch. – Ach ja, und Joe; nun, ich habe kürzlich einen Brief von Joe erhalten, in dem er mich bat, ein wenig für Ihre arme Stadt zu sorgen, die, wie er sagt, ihre Privilegien verlieren soll. Ich habe Dr. Raymond gebeten, darauf zu erwidern: Die Stadt habe sich so schlecht gegen mich benommen, habe den Rat, den ich ihr gab, so wenig beachtet, und solche Zwietracht innerhalb ihrer Mauern gezeigt, dass ich fest entschlossen sei, mich nie mehr um sie zu kümmern; soweit ich aber Joe persönlich gefällig sein kann, soll es geschehn, Bitte, wenn Sie Joe sehn, so sagen Sie ihm das, damit Raymond keinen Schnitzer macht oder es ganz vergisst. Die arme Frau Wesley – wozu diese Entschuldigungen wegen ihres Aufenthalts im Ausland? Weshalb sollten Sie überhaupt zu Hause sein, wenn Stella nicht ganz wohl ist? – Hier kommt also Frau Stella noch einmal wieder mit ihren zwei Eiern, usw. Mein Schauer bei Ihnen bewundert? Ei, der Bischof von Clogher sagt, er hat schon etwas Ähnliches von mir gesehn, was besser ist als der Schauer. Ich vermute, er meint den ›Morgen‹; aber der ist nicht halb so gut. Ich möchte Ihr Urteil über die Dinge, nicht das Ihres Landes. Wie gefällt er MD? Und würdigen Sie ihn ganz? usw. Ich freue mich, dass Dechant Bolton die zwanzig Pfund bezahlt hat. Weshalb sollte ich den Bischof von Clogher nicht ausschelten, wenn er an den Erzbischof von Cashel schreibt, ohne mir den Brief erst zu schicken? Das hat keinen ... zu bedeuten; denn er hat keinen Einfluss bei Hofe. Unsinn – sie sind alle Gelbschnäbel; ich werde Ihnen in allem Ernst den Kopf einschlagen, junge Frauen, wenn Sie so hässlich über Frau Barton scherzen. Unglückliches Schlümpchen, was für ein Wort steht da? Wahrhaftig, gestern, als ich bei ihr war, dachte ich immerfort, ob sie sie brechen könnte oder nicht, und das hat mir die ganze Phantasie verdorben. Frau Walls, gewinnt Stella wirklich, wie sie behauptet? Nein, wahrhaftig, Doktor, sie verliert immer, und wenn sie so gewagt spielt, wie kann sie da gewinnen? Nun sehen Sie, sind Sie nicht eine unverschämte Lügenbrut? Bitte, öffnen Sie Domviles Brief; was bedeutet es, wenn Sie Lust haben? Ja, wahrhaftig, Sie schreiben flott, wenn Sie die Augen geschlossen halten; alles war gut bis auf das W. Passen Sie auf, wie schön ich es kann: ›Frau Stella, Ihr ergebener Diener‹. O, man darf ja auch nachsehn, ob man schief schreibt, und dann fortfahren. Ich will Ihnen sagen, was Sie tun können; Sie können mit halbgeschlossenen Augen schreiben als wollten Sie einschlafen: das habe ich jetzt zwei oder drei Zeilen lang getan; man kann nur gerade genug sehn, um nicht schief zu schreiben. – Nun, Frau Dingley, ich denke, ich bat Sie, Herrn Walls zu sagen, ich würde seinem Freund, falls sich Gelegenheit bieten sollte, so weit ich kann, gern dienen; aber ich hoffe, die Gelegenheit wird nicht kommen. Immerhin erwarte ich, dass Sie ein neues Parlament bekommen; ob Sie aber ein bessres erhalten oder nicht, das ist mir gleich. Sie irren sich in all Ihren Vermutungen über die Tatlers. Ich habe ihm ein oder zwei Winke gegeben, und Sie haben mich über den Schilling Die Autobiographie eines Schillings; Tatler No. 249, von Addison. reden hören. Wahrhaftig, diese Antwortbriefe sind sehr lang: Sie nehmen mir fast den Raum für eine Woche des Tagebuchs; und ich will Ihnen etwas sagen; ich habe heute Kerle mit Kreuzen St. Andreastag. gesehn, und ich fragte mich, was wohl los sein möchte; aber in diesem Augenblick fällt mir ein, dass der kleine Presto Geburtstag hat; und seit drei Tagen war ich entschlossen, daran zu denken, wenn er käme, aber ich konnte nicht. Bitte, trinken Sie heute bei Tisch auf mein Wohl, ja, ihr Halunken? Gefällt Ihnen Sidi Hameds Rute? Verstehen Sie es ganz? Nun, endlich bin ich mit Ihrem Brief fertig, und nun will ich mich schlafen legen und von schönen Mädchen träumen, und ich hoffe, es werden lauter lustige Mädchen sein.

Den 1. Dezember, morgens. Ich wollte, Smyth würde gehängt. Ich habe die melancholischsten Dinge von der armen Stella geträumt und mich die ganze Nacht gegrämt und geträumt. – Bah, es ist töricht: ich will aufstehn und mich zerstreuen; und Gott behüte und schütze Sie in seiner unendlichen Gnade. Der Brief des Bischofs von Clogher ist vom 21. November datiert. Er sagt, Sie dächten daran, mit ihm nach Clogher zu gehn. Das freut mich von Herzen, und ich wollte, Sie ritten dorthin, und Dingley führe in der Kutsche. Ich habe seit meinem ersten Schwindelanfall keinen wieder gehabt, obgleich mein Kopf bisweilen nicht ganz in Ordnung ist. – Abends. Ich habe heute Morgen Herrn Pratt besucht, der mit dem armen, kranken Lord Shelburn herübergekommen ist; ich musste mit ihnen essen, und bin wie ein Pinsel bis acht Uhr bei ihnen geblieben, indem ich ihnen beim Ombre zusah; dann bin ich nach Hause gegangen. Lord Shelburns Schwindelanfälle haben sich in eine Kolik verwandelt, und er sieht elend aus.

2. Steele, der Halunke, hat das Unverschämteste von der Welt getan: er hatte in einem Tatler davon gesprochen, dass wir in der Unterhaltung das Wort Grossbritannien benutzen sollten, und nicht England; wie zum Beispiel: die schönsten Frauen von Grossbritannien usw. Daraufhin schickten Rowe, Prior und ich ihm einen Brief, in dem wir das lächerlich machten. Heute hat er den Brief abgedruckt und ihn mit den Initialen unsrer Namen gezeichnet: J. S., M. P. und N. R. Congreve sagte mir heute, er habe es gleich gemerkt. Congreve und ich und Sir Charles Wager haben heute bei Delaval, dem portugiesischen Gesandten, gegessen; ich blieb bis acht und ging dann nach Hause, und jetzt schreibe ich an Sie, bevor ich Geschäfte erledige; denn Patrick, der Hund, ist nicht zu Hause, und es brennt kein Feuer, und ich bin nicht in meiner Tracht. Der Henker soll ihn holen! – Ich habe zufällig einen Blick auf den obern Rand dieser Seite geworfen und sehe, dass ich mich bei den Wörtern elend verschreibe; also müssen Sie ausser gegen die schlechte Schrift auch noch dagegen kämpfen. Wahrhaftig, ich kann weder noch will ich wieder durchlesen, was ich geschrieben habe, (Die Pest auf diesen Gelbschnabel!) Nun, ich will Sie verlassen, bis ich im Bett liege, und dann will ich noch ein oder zwei Worte sagen.– Also, es ist jetzt fast zwölf, und ich habe bis jetzt gearbeitet und zwar bei einem Feuer (ich nehme meine Kohlen in halben Scheffeln ein, ich versichere Sie), und jetzt bin ich ins Bett gestiegen. Nun, was haben Sie Presto zu sagen, nachdem er nun im Bett liegt? Kommen Sie, lassen Sie Ihre Reden hören. Nein, das ist eine Lüge, ich bin noch nicht schläfrig. Wir wollen uns noch ein wenig aufsetzen und plaudern. Also, wo sind Sie heute gewesen, da Sie erst gerade in dieser Minute in einem Wagen nach Hause kommen? Wieviel haben Sie verloren, Stella? Bezahlen Sie den Kutscher, Stella. Nein, bei Gott, ich nicht, da würde er murren. – Welche neue Bekanntschaft haben Sie geschlossen? Kommen Sie, lassen Sie uns hören. Delaval hat mir versprechen müssen, mir aus Portugal ein wenig brasilianischen Tabaks für Sie zu schicken, Madame Dingley. Ich hoffe, Sie werden Ihre Schokolade und Ihre Brille haben, ehe dies Sie erreicht.

3. Bah, jeden Abend muss ich an diese lieben, ungezogenen Bälge schreiben, ob ich will oder nicht, und wieviel ich auch zu tun habe und wie spät ich auch nach Hause komme und wie schläfrig ich auch sei; aber es ist ein alter Spruch und ein wahrer:

Seid ihr Grafen, seid ihr grosse Herrn –
An naseweise Mädchen schreibt ihr alle gern.

Ich war heute bei Hofe und sah Raymond unter den Beefsteakessern, die dablieben, um die Königin zu sehn; ich gab ihm also einen bessern Platz, machte zwei oder drei Dutzend Verbeugungen und ging in die Kirche und dann wieder zu Hofe, um mir ein Mittagessen zu suchen; es gelang mir auch bei Sir John Stanley; und dann besuchten wir Lord Mountjoy, den wir erst eben verlassen haben, und es ist fast elf Uhr nachts, junge Frauen, und mich dünkt, dieser Brief geht schon ziemlich nah an den untern Rand heran; und es ist erst acht Tage her, seit ich ihn datierte, und glauben Sie nicht, dass ich noch auf der andern Seite schreibe, danke schön! Wahrhaftig, und wenn ich Sie an Briefe auf Bogen von der Breite dieses Zimmers gewöhnte, so würden Sie sie immer von mir erwarten. Oh, wahrhaftig, ich kenne Sie ganz genau; aber ein alter Spruch usw.:

Zwei Seiten im Brief sind frei zu lassen,
Und eine in der Gassen.

Mir scheint, das ist ein alberner, alter Spruch, und so will ich nun schlafen gehn, und Sie tun das auch!

4. Ich habe heute bei Frau Vanhomrigh gegessen, bin dann nach Hause gegangen und habe bis zum Abend gesonnen. Keinerlei Abenteuer heute.

5. Ich ging also in den Gnadengerichtshof (hier ist der Teufel los und lauter Regen nebenbei), um mir ein Mittagessen zu holen, und Henley zwang mich, mit ihm und einem Oberst Brag in einer Schenke zu essen; hat mich Geld gekostet, bei Gott! Congreve sollte da sein, kam aber nicht. Ich ging dann mit Henley ins Kaffeehaus, wo Lord Salisbury sehr begierig schien, mit mir zu plaudern; und während er sich in meine Gunst hineinzuschlängeln suchte, fragte der Hund Henley mich ganz laut, ob ich Lord Somers aufsuchen wollte, wie ich versprochen hätte (was eine Lüge war); und all das, um den armen Lord Salisbury zu ärgern, der ein extremer Tory ist. Er spielte noch zwei oder drei ähnliche Streiche, und ich war gezwungen, My Lord zu verlassen; ich bin früh nach Hause gegangen, habe seither geschrieben und will jetzt zu Bett gehn. Neulich sah ich Jack Temple im Gnadengerichtshof; es war das erstemal, dass ich ihn sah; wir sprachen zwei oder drei gleichgültige Worte mit einander und trennten uns dann. Ist es wahr, dass Ihr Archivar und Bürgermeister und die fanatischen Ratsherrn vor ein oder zwei Monaten bei einem feierlichen Festmahl das Wohl Herrn Harleys, Lord Rochesters und andrer Torys getrunken haben? Lassen Sie es mich wissen; es wurde hier zuversichtlich behauptet. – Die Halunken! Es nützt nichts, Tom.

6. Ich möchte wissen, wann dieser Brief abgehn soll; hören Sie, junge Frauen, sagen Sie's mir! Nächsten Samstag gewiss, eher aber nicht; dann ist er gerade vierzehn Tage lang; Zeit genug für unartige Mädchen, und lang genug für zwei Briefe, potztausend! Congreve und Delaval haben Sir Godfrey Kneller endlich überredet, mich zu bitten, dass er mich umsonst malen darf; aber ich weiss nicht, wann ich sitzen soll. – Es ist so ungeheuerlich regnerisches Wetter, dass nichts zu machen ist. Staatssekretär St. John schickte mir heute morgen Bescheid, dass mein heutiges Mittagessen bei ihm auf morgen verschoben worden sei; so blieb ich denn friedlich bei meinem Nachbar Ford sitzen, ass mit ihm und kam um sechs nach Hause; und jetzt liege ich wie immer im Bett; und nun wird es Zeit, dass ich einen neuen Brief von MD erhalte; aber ich möchte ihn nicht bekommen, bevor dieser abgeht; denn das wäre ja, als bekäme ich zwei Briefe für einen. Ist es nicht wunderlich, dass der Dechant mir nicht ein einziges Mal geschrieben hat? Und ich finde, auch der Erzbischof verhält sich sehr schweigsam auf den Brief, in dem ich ihm berichtete, dass die Sache erledigt wäre. Ich glaube, er weiss nicht, was er schreiben oder sagen soll; und ich habe seither zweimal an ihn geschrieben, und beide Male gründlich! Nun, gehn Sie zu Bett, Burschen; ich tu's auch. Aber haben Sie heute verloren? Drei Schilling; o pfui, o pfui!

7. Nein, ich will diesen Brief heute noch nicht abschicken, nicht vor Samstag, nein! Und ich fürchte so sehr, dass bis dahin noch einer von MD kommt; wenn einer kommt, so werde ich nur sagen, dass ich einen Brief erhalten habe, weiter nichts. Ich habe heute bei Staatssekretär St. John gegessen; Lord Anglesea, Sir Thomas Hanmer, Prior, Freind usw. waren da und veranstalteten dann nach neun in Priors Hause ein Gelage; sie haben kalte Pasteten gegessen; ich hasse den blossen Gedanken daran, und ich mag sie nicht und bin satt und will zu Bett gehn, und es ist spät, und also gute Nacht.

8. Heute habe ich mit Prior bei Herrn Harley gegessen; aber Herr St. John kam nicht, obwohl er es versprochen hatte; er schalt mich aus, weil ich ihn nicht öfter besuchte. Hier ist eine verdammte Schmähbroschüre gegen Lord Wharton Von Swift selber; vielleicht die einzige Schrift Swifts, aus der reiner Hass spricht und in der er nicht zu Worte kommen lässt, was er selbst an Wharton anerkannte. erschienen; sie zeichnet erst den Charakter und gibt dann einige seiner Handlungen an: der Charakter ist ganz gut getroffen, aber die Tatsachen sind mittelmässig. Sie ist mehreren Herren dutzendweise in die Wohnung geschickt worden; ich selber hatte auch ein oder zwei Exemplare, aber niemand kennt Verfasser oder Drucker. Wir haben furchtbare Angst vor der Pest; man sagt, sie sei in Newcastle. Ich habe Herrn Harley um Gotteswillen gebeten, einige Vorsichtsmassregeln zu treffen, sonst sind wir alle verloren. Man hat Befehl erteilt, dass alle Schiffe aus dem Baltischen Meer in Quarantaine zu hegen haben, ehe sie durch dürfen; aber man ist nachlässig darin. Sie entsinnen sich, ich habe seit zwei Jahren Angst gehabt.

9. 0 wahrhaftig, Sie sind eine naseweise Halunkin. Ich habe Ihren sechsten Brief erhalten, gerade, ehe dieser abgehn soll; aber ich werde kein Wort daraus beantworten, nur, dass ich seit meinem ersten Anfall nicht wieder schwindlig geworden bin; aber ich bin genau vierzehn Tage erkältet gewesen und huste noch immer morgens und abends; aber es wird vergehn. Es ist jedoch so abscheuliches Wetter, dass niemand zu Fuss gehn kann. Man sagt hier, dass drei von Ihren Zollkommissionären fallen werden: Ogle, South und St. Quintain, und dass Dick Stuart und Ludlow zwei von den neuen sein werden. Ich lege ein paar gute Worte für einen dritten ein, für den armen Lord Abercorn; aber das ist ein Geheimnis; ich meine, dass ich für ihn rede, ist ein Geheimnis; aber ich glaube, infolge seiner eignen Schuld und seines Unglücks ist es zu spät. Ich habe heute mit ihm gegessen. Es tut mir von Herzen leid, dass Sie nicht nach Clogher gehn, wirklich; und nun beschütze Gott, der Allmächtige, die armen, lieben, lieben, lieben liebsten MD. Leben Sie wohl bis heute abend. Ich will heute abend meinen elften beginnen; so schreibe ich immer an die kleinen MD.


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