Julius Stettenheim
Heitere Erinnerungen
Julius Stettenheim

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301 XXI.

Meinen Lieblingswunsch, eine humoristische Monatsschrift zu schaffen, die bisher gefehlt hatte, so daß es der humoristischen Litteratur an einem Mittelpunkt fehlte, sah ich im Mai 1885 der Erfüllung näher gerückt. Lange hatte mich der Plan beschäftigt, in den ich endlich ganz verliebt war und von dem ich mich trotz der Schwierigkeiten, die sich seiner Ausführung entgegenstellten, nicht trennen konnte. Ich glaubte, daß kein litterarisches Unternehmen »einem längst gefühlten Bedürfniß« so hervorragend nützlich abhelfen würde, wie die Schaffung eines Stelldicheins der deutschen Humoristen, deren Arbeiten in den Tages- und Wochenblättern zerstreut umherlagen und hier eigentlich mehr Lückenbüßer waren und halb zum Erbarmen Aufnahme gefunden hatten, während ich überzeugt war und dies auch heute noch bin, daß ihnen einer der vornehmsten Plätze gebührte, den sie besser ausfüllen würden, als z. B. die Romane und Novellen, deren Herstellung mit Dampfbetrieb zu einer wahren Landplage geworden ist und die nur noch den Geschmack der mit Leihbibliothekenfutter gemästeten Liebesgeschichtenfresser befriedigen. Ich sah und sehe auch heute noch den Humor in den Ecken der Zeitungen sich herumdrücken, nur geduldet, weil der Platz nicht zufällig für etwas »Besseres« gebraucht wird, halb fremd in dieser Umgebung, kaum beachtet, keinesfalls in diesem Gedränge von Tagesneuigkeiten und Theaterklatsch nach Gebühr behandelt. Das habe ich immer sehr bedauert, wie es Jeder bedauert haben wird, der den Humor liebt.

In Herrn W. Spemann in Stuttgart fand ich endlich einen Verleger, dem meine Idee, die ich ihm schriftlich vorgelegt hatte, sofort gefiel. Schon einige Tage später suchte er mich in Berlin auf, und alles war rasch besprochen. Es ist für den Schriftsteller ein Vergnügen, mit Spemann zu verhandeln. Er ist ein Mann mit weitschauendem Blick, er scheut kein Opfer, etwas von litterarischer Bedeutung ins Leben zu rufen und zu fördern, und ist ein großer Kenner dessen, was das Publikum als geistige Nahrung braucht und sucht. Obschon er sich hier vor ein Unternehmen gestellt sah, das seinen Verlag sehr stark und nicht minder seine Kasse in Anspruch nahm, so hatte er doch seine Freude daran, und er munterte mich auf, wo ich, vor die Front der Kostenziffern gestellt, etwas ängstlich wurde.

303 Weniger ermunternd waren die Stimmen, welche in der schriftstellerischen Welt laut wurden, als in derselben unser Circular eintraf, welches das Programm des »Humoristischen Deutschland« brachte und zur Mitarbeiterschaft einlud. Allerdings fanden Programm und Einladung auch bei vielen Kollegen die freundlichste Aufnahme, und bald mußte ich schon die Nächte zu Hilfe nehmen, wenigstens einen Theil der eintreffenden Manuskripte zu lesen. Aber zu meiner großen Ueberraschung und mehr noch zu meinem Leidwesen mußte ich mir sagen lassen, daß meiner Idee der eigentliche Baugrund fehlte, ja ich mußte, und zwar von hervorragenden Schriftstellern, das kühlste Wasser in meinen Wein schütten sehen, indem sie versicherten, Deutschland habe keinen Raum für eine humoristische Zeitschrift, weil der Humor nicht auf deutschem Boden gedeihe. Ich wollte von diesem Pessimismus nichts wissen, ich ließ mich nicht beirren und antwortete den kopfschüttelnden Herren mit der Parodie des berühmten Bismarck'schen Wortes: »Setzen wir das Humoristische Deutschland in den Sattel!« Später, dann freilich zu spät, sah ich ein, daß es leicht ist, etwas in den Sattel zu heben, aber schwer, es vorwärts zu bringen, wenn dafür der Boden nicht halbwegs geebnet ist.

Wilhelm Raabe schrieb mir: ». . . Aber leider muß ich Ihnen gestehen, daß ich an den Erfolg Ihres 304 Unternehmens, so zu sagen an die Berechtigung eines »Humoristischen Deutschlands« nicht recht glauben kann. Wir armen Narren fallen da immer von Neuem auf die alte Redensart von dem Beruf des deutschen Volks zum Humor hinein! Ich für mein Theil habe während meiner Zeit nur sehr wenig von dieser Auserwählung unserer Nation vor anderen in die Erfahrung bekommen; und in diesem laufenden Jahr, in welchem der Verleger die Auflage meines »Däumlings« zu einer Mark das Exemplar losschlägt, weil er es für einen Thaler nicht los geworden ist, tanze ich nicht mit, um diesem Volke »Spaß« zu machen.

»Etwas Gleiches habe ich zur Antwort geschrieben, als vor wenigen Jahren (damals wurde eben mein »Abu Telfan« Ihrem auserwählten humoristischen Deutschland billigst mit einem neuen bunten Umschlag zur»Reiselektüre« angeboten) der Herr Kollege Lohmeyer seinen Schalk gründete und – habe Recht behalten.

»Hochverehrtester Herr, ich wollte wahrlich, es wäre anders, aber es ist nicht anders, und ändern werden wir es für's Erste nicht!«

Theodor Storm wiegelte in anderem Ton ab, indem er mir u. a. schrieb: ». . . Und dann – eine ausschließlich dem Humor gewidmete Zeitschrift trägt nach meiner Ueberzeugung die Vernichtung a priori 305 in sich, so viel Humor ist in ganz Deutschland nicht zu haben.«

Gustav Freytag sagte ähnlich: »Ob unsere treuen Deutschen soviel Humor aufbringen können, um Bände in einer regelmäßigen Folge damit zu füllen, scheint mir unsicher.«

Gottfried Keller entmuthigte mit folgenden Zeilen: ». . . Ich hege fast die Befürchtung, daß eine Zahl von sog. Humoristen, welche von dem allgemeinen Verkehr ausscheiden und in geschlossener Kolonne unter dem Zeichen der bekannten lachenden Thräne einhermarschiren, leicht etwa den Eindruck einer Schaar betrübter Lohgerber hervorrufen könnte, weil das Professionelle resp. Zünftige allen Dingen ihre gute Natur raubt.«

Reuleaux schien über das ganze Unternehmen derart außer sich, daß wenig fehlte, von ihm ein dem Wort »Billig und schlecht« ähnliches zu hören. Er schrieb mir: »Ist es aber richtig, ein »Humoristisches Deutschland« herauszugeben? Ist es richtig, für Humor allein ein Lieferungswerk zu haben? Der Humor besteht doch nicht für sich, er ist nur Kitt, nur Bindemittel, das Schlüpfrige, Feuchte, welches die rauhen Ecken des Geschehenden nicht aufeinander stoßen läßt. Aber Humortröpfchen an Humortröpfchen wirkt nicht, er hat nichts zu verbinden, nichts zu trennen. Er ist der Nähfaden ohne Tuch, der Mörtel ohne Stein, 306 der Nagel ohne Brett, was eine sich auf den Humor konzentrirende Zeitschrift liefern will . . .«

Stellten diese und ähnliche Warnungen aus der Feder unserer Meister meinen Entschluß auf eine harte Probe, so bildete der Protest Anderer gegen die Zumuthung, mir Humoristisches zu liefern, ebenfalls keine sonderlich lebhafte Aufmunterung.

Hieronymus Lorm: »Verlangen Sie wirklich, daß ich Ihnen – Scherz bei Seite! – Humor sende, so müßten Sie mir diejenige meiner Schriften bezeichnen, die Sie zu dem Verlangen anregen konnte.«

Paul Heyse: »Es würde mir eine Freude sein, bei einem von Ihnen geleiteten Unternehmen mitzuwirken, doch habe ich leider wenig Aussicht dazu. Humoresken im eigentlichen Sinne habe ich nie verfaßt.«

Eduard von Hartmann: »Für Ihre freundliche Einladung besten Dank! So sehr ich den Humor liebe, und so oft auch bei meinen Arbeiten Gedanken abfallen mögen, die der humoristischen Verwerthung sich darbieten, so fürchte ich doch, daß es mir nicht gegeben ist, die künstlerische Form für dieselben zu finden.«

Wilhelm Jensen: »Meine humoristische Ader ist leider nicht sehr flüssiger Natur, so daß sie schwer zur Betheiligung an Ihrem neuen Unternehmen gelangen wird.«

307 Paul Schlenther: »Wundern Sie sich nicht, daß ich erst jetzt auf Ihre freundliche Einladung, ein tributpflichtiger Mitbürger des Humoristischen Deutschland zu werden, ein Lebenszeichen von mir gebe. Ich habe mehrere Male bei Sr. Majestät dem Sultan Humor angeklopft, aber denken Sie sich, der Schuft hat mir bisher nicht den kleinsten Bettelgroschen hingeworfen.«

Wilhelm Scherer: »Ich soll Ihnen was Humoristisches schreiben? Ja, wie soll ich denn das anfangen? Ich bin mir des Humors so wenig bewußt wie der Meisterschaft, die Sie mir allzu freigebig beilegen. Wenn die Adresse nicht von Ihrer eigenen Hand geschrieben wäre, so würde ich denken, der Brief sei für einen Anderen bestimmt. Ich kann so wenig was Humoristisches schreiben, wie ich Kopf stehen kann. Ich bin aber nicht unempfänglich für die Liebenswürdigkeit Ihrer Voraussetzung, daß ich das auch könnte, was doch so Wenige können. Seien Sie herzlichst dafür bedankt, daß Sie zu gut von mir denken.«

Klaus Groth: »Ich fürchte, Sie irren sich über meinen Humor, so weit er gedruckt werden kann, sonst geht's noch mit selbigem. Aber ich möchte gerade Ihnen nicht gern mit einer trockenen Verneigung antworten. Sagen wir also mit Clas 308 Claßen sin Clas: Wann't kumt, so kumt't, un wenn't nich kumt, so is das wul nix west.«

Spielhagen: »Wie kommt Saul unter die Propheten? wie ich zu der Ehre, von Ihnen zu humoristischen Beiträgen aufgefordert zu werden? Ich habe freilich mein bischen Humor, wie jeder ordentliche Mensch; aber es reicht gerade aus, um an den betreffenden Stellen das nöthige Salz auf meine dichterischen Gerichte zu streuen. So taxire ich mich wenigstens.«

Anzengruber: »Ihre Zeilen, welche mich auffordern, humoristisch sein zu sollen, treffen mich in »schärfster« Uebersiedelung und in keineswegs über den Dingen in heiterer Stimmung schwebender Laune, ich habe wohl in einem Auge die erforderliche Thräne, aber sie rührt nicht von Weh-, De-, Schwer- oder irgend einem anderen Muthe her, sondern von dem Staube, der aus den Möbeln, vornehmlich den gepolsterten, dringt. Das Lachen aus dem anderen Auge wäre zu versteckt, auch falls es vorhanden, denn ich halte ein Tuch vor.«

Fanny Lewald-Stahr: »Jedes Ding hat seine Zeit, und für mich ist es nicht mehr recht thunlich, mich mit einer Zusage bei neuen litterarischen Unternehmungen zu betheiligen.«

Gregorovius: »Ich erwidere darauf, daß ich nicht im Stande bin, mich an Ihrem projektirten 309 Unternehmen, »Das humoristische Deutschland« zu betheiligen, da in dem ganzen Charakter meiner litterarischen Thätigkeit nichts liegt, was eine solche Betheiligung möglich machen könnte.«

Rudolf Baumbach: »Ob ich dem neuen Unternehmen dienstbar sein kann, erscheint mir fraglich, denn der Humor tröpfelt in der letzten Zeit recht spärlich bei mir.«

Ich könnte diese Reihe kopfschüttelnder Autographen noch durch viele nicht minder werthvolle verlängern, indeß mag sie als Beweis dafür genügen, daß mein Unternehmen nicht gerade mit allgemeinem Hurrah, auf das mein Ohr vorbereitet gewesen war, begrüßt wurde. Meinen Muth konnten diese Warnungszeichen allerdings nicht verringern, im Gegentheil beschlich mich etwas wie Trotz, und ich sagte: Nun gerade! Ich war wie Jemand, der gutes Wetter angekündigt hatte und, als plötzlich der Himmel sich drohend verfinstert, ohne Schirm spazieren geht. Daß ich dies zu bereuen gezwungen sein und mir das bekannte Wort des erkälteten Knaben: »Das geschieht meinem Vater recht, warum kauft er mir keine baumwollenen Handschuhe!« wenig helfen würde, fiel mir nicht ein. Ich sah auch nicht, daß ich wie ein Gastgeber vor einer langen Tafel in seinem Speisesalon dastand, dem ein Diener in der letzten Stunde ein Packetchen Absagebriefe bringt. So freundlich 310 und höflich Absagen verfaßt zu sein pflegen, sie stören doch bedenklich. Daß sie mich indeß nicht störten und daß mir vor dem Humoristischen Deutschland nicht bange wurde, wird nur der begreifen, der sich irgend einer Idee mit ganzer Seele zugewendet hat.

Ich war in Stuttgart, um das erste Heft in Scene zu setzen, und auch die Lust Spemann's an dem Beginnenden ließ keinerlei Bedenken aufkommen. Wir gingen frisch an's Werk, – frischer als das Publikum. Das erste Heft schon brachte Arbeiten hervorragender Schriftsteller, und die folgenden elf Hefte des ersten Jahrgangs boten eine Fülle von Novellen, Schilderungen, Gedichten und anderen heiteren Werkchen, wie sie noch in keiner humoristischen Sammlung vereinigt worden waren. Als wir aber die Häupter unserer lieben Abonnenten zählten, da fehlte manch theures Haupt, und das Abonnement ist doch nun einmal die Hauptsache. Wir guckten enttäuscht in die Abonnentenliste, wie der Theaterdirektor durch das Loch im Vorhang in den Zuschauerraum, wo er mehr Inhaber von Freibillets als Unbekannte sieht, bei deren Anblick er mit weniger Sorge an die Deckung seines großen Etats denken könnte. Unser Auditorium war halbleer, oder, wenn dies besser klingt, halbvoll.

Da rief der tapfere Verleger die Illustration herbei. Fast hätte ich gesagt: Die Feuerwehr. Ich 311 war Gegner dieses Rettungsversuches und warnte vor ihm, da die Illustration den Etat mit einer bedeutenden Summe belasten und das Unternehmen im Fortschreiten hindern mußte. Das Illustriren ist allmälig zu einem großen Unfug geworden, von dessen Schädlichkeit man sich kaum eine Vorstellung macht. Das Publikum gafft schon jetzt mehr, als es liest. Es giebt heute eine große Anzahl Bilderbücher, die sich als litterarische Erzeugnisse anbieten, aber für die Litteratur viel weniger Nutzen haben, als für die Xylographen und den Buntdruck. Jedenfalls beschäftigen sie mehr Zeichner und Holzschneider als Schriftsteller, und wir sind auf dem besten Wege, den Text ganz von der Illustration verdrängt zu sehen, neben der er nur erscheinen wird, um sie dem verehrten Zuschauerkreis, in den sich der Leserkreis verwandelt, zu erläutern. Schon heute ist namentlich das Familienblatt unter den verschiedensten Titeln nichts als eine Einnahmequelle für Zeichner, Holzschneider und verwandte Künstler, neben denen die Schriftsteller sich mit dem Geringen begnügen müssen, das der Etat des Blattes für sie übrig läßt. Die Bilder eines Blattes sind ein Bild des Elends, das in den Taschen vieler Schriftsteller herrscht.

Mein armes »Humoristisches Deutschland« hätte davon ein Liedchen zu singen gewußt, wenn ihm die Lust zum Singen nicht längst vergangen gewesen wäre. 312 Nach einem Jahre schon war dem Verleger auch die Lust vergangen, noch mehr Geldopfer zu bringen, und ich war obdachlos.

Eltern hängen an schwachen, kranken Kindern mit größerer Zärtlichkeit, und diese selbe war es, die mich veranlaßte, die Hoffnung nicht aufzugeben, für mein schwaches, krankes Humoristisches doch noch eine Heilung zu finden. Zuvörderst gerieth ich in eine Heilanstalt, in der zwar genügende Geldmittel vorhanden waren, aber Muth und Lust fehlten, sie zur Kur herzugeben: in die Breslauer Verlagshandlung Schottlaender. Ich verlebte eine trübe Zeit, in der meine Verpflichtung, völlig umsonst zu arbeiten, nicht das Trübste war. Dies mag nur angedeutet werden, denn in ein Buch, das heitere Erinnerungen wecken soll, würde es als ein trauriges Kapitel nicht passen. Schottlaender zwängte das »Humoristische Deutschland« in das Prokrustesbette seiner kaufmännisch weisen Sparsamkeit, es wurde überall gewaltsam gekürzt, und bald sah mein armes Unternehmen sehr heruntergekommen aus, bleich und abgezehrt, daß meine Freunde kaum noch wagten, sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Jedes Heft war ein weiterer Schritt zur Erlösung von schweren Leiden. Und doch gab ich die Hoffnung auf eine Rettung nicht auf. Der Verleger S. Fischer versuchte sie. Aber auch er hatte nicht den Muth, oder 313 konnte ihn nicht haben, eine Operation vorzunehmen, die Illustration zu amputiren. Im Gegentheil versprach er sich von der besonderen Pflege des Uebels die rasche Heilung. Aber er konnte das Versprechen, das er sich gegeben, nicht halten. Nach noch zwei sorgenvollen Jahren ging das mit so viel Hoffnungen und Sorgfalt in die Welt gesetzte Geschöpf seinem Ende entgegen. Einem schlimmen Ende! Es ist in den Händen eines vierten Verlegers, welcher das litterarische Colportagegeschäft betreibt, ein kümmerliches Anekdotenheft geworden, das ich nicht mehr erkannt habe, als ich es vor längerer Zeit einmal sah, und das ich zu meiner aufrichtigen Freude seitdem nicht wieder zu Gesicht bekam. Möge ihm diese meine Freude leicht sein!

Das ist Alles, wird der Leser sagen, nur keine heitere Erinnerung. Und mit vollem Recht. Dennoch habe ich in der Zeit, während welcher ich mir einbildete, das Publikum für mein Unternehmen erwärmen und mit dessen Unterstützung das schaffen zu können, was ich als die Verwirklichung einer Lieblingsidee bezeichnet habe, viel Heiteres eingeheimst. Schon das Traurige, was mir in unüberwindbaren Manuskripten als Humor zuging, bildet eine kolossale Portion heiteren Materials. Ich verdankte ihm häufig die Wohlthat schnellen Einschlafens, wenn ich mich durch etliche Seiten eines mir von dem Verfasser als 314 besonders originell heiter an's Herz gelegten Schriftstücks wand, welches in mir die Vermuthung weckte, daß der Autor ein höchst unglücklicher Mensch sein müsse, welchem es eine Erleichterung bot, wenn er seine ganze Trübsal in Schriftzügen ausblies. Solche Humoristen schienen auch anzunehmen, daß schon der Titel der Humoresken mich hoffen ließ, daß endlich einmal ein unvergleichbarer Meister des Humors erschienen sei, und daß ich mich daher sofort beeilt hatte, von den Massen des Zuströmenden gerade dieses Manuskript prüfend zu lesen. Denn es ist mir geschehen, daß ich schon drei Tage nach dessen Eintreffen ein Telegramm mit bezahlter Rückantwort empfing, welches lautete: »Bin zur Ueberraschung noch ohne Bescheid. Bitte umgehend, sonst zu anderer Verwendung zurück.« Wie froh war ich, solche so ungemein ernst stimmende Humoreske dann mit der Angabe, daß ich augenblicklich nicht im Stande sei, sie zu lesen, wieder aus dem Hause schaffen zu können!


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