Der Jesuit
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Erster Abschnitt. 1720.

Des Senators Familienleben. – Sein Kontor und dessen Diener. – James. – Fortunas Launen. – Der Geschäftsfreund aus Holland. – Das Gespräch unter den Kastanienbäumen. – Der verhängnisvolle Besuch.

Schön ist es, über eine Schwelle zu schreiten, jenseits welcher der Fleiß und die geschäftige Betriebsamkeit ihren Thron erbaut haben, sobald man sieht, daß all das ewige Treiben das Wohlsein des Lebens begründen soll, und nicht bloß einen glatten Gipsmarmor um die trockne, dürre Säule von Holz. Der Hausvater ist ein ehrwürdiger, geliebter Mann, wendet er seiner unermüdlichen Tätigkeit Zinsen dazu an, daß die Seinen sich fröhlich daheim finden in dem traulichen Hause; daß er selbst – der Schöpfer des Wohlstandes – behaglich ruhe in seinem Eigentume. Die heitere Wohnung wird ein Paradies für den Besitzer, ein Ort des Friedens den Freunden, den Bedrängten ein Asyl. Keucht aber im Erdgeschosse die besoldete Mühe im eisernen Dienstjoche, während im obern Stockwerke die Langeweile, die Verdrossenheit, auf einsamen Polstern, hinter kaltem Stein und vornehmen Goldwänden gähnt – dann, Wanderer, meide die stolze Pforte, wenn auch noch so einladend das »Salve« von ihrer Schwelle spricht. In dem Steinhaufen gebietet kein fühlendes Gemüt, und vor dem starren Reichtum floh die Zufriedenheit! – Wer im Jahre 1720 gelebt, und das Innere des Hauses gesehen hätte, welches der Senator Müssinger in der deutschen Reichs- und Handelsstadt, die der Aufzeichner dieser Begebenheiten meint, aber nicht nennt, dazumal bewohnte, müßte dem einleitenden Spruche Beifall geben. Das stattliche Gebäude war von Uranbeginn zum Denkmale des Hochmuts bestimmt gewesen. Ein Spekulant, der in den ersten Jahren des spanischen Erbfolgekriegs durch Lieferungen für die alliierten Heere ungeheure Summen gewonnen hatte, legte das Fundament zu dem palastähnlichen Hause. Die Vollendung desselben sollte er nicht sehen. Mancher Schurkereien überwiesen, sollte ihm, kurze Zeit nach der Schlacht bei Hochstädt, der Prozeß gemacht werden: er entging der Schande jedoch durch einen kühnen Pistolenschuß. Die leere, unausgebaute Prachtwohnung des verunglückten Lieferanten kaufte bald der vom Glücke begünstigte Senator Müssinger. Der unternehmende Handelsherr, der mit Ost- und Westindien verkehrte, fand sich zu enge in dem kleinen Vaterhause, zog über in das neue, große; und Fortuna, die bereitwillig in dem bescheidenen Spezereikrame des Kaufmanns Platz genommen hatte, siedelte mit in das neue, geräumige Kontor. Müssingers Firma war die erste auf dem Markte, und florierte weit und breit im Aus- wie im Inlande; trieb Jahr für Jahr die schönsten Blüten und Früchte. Die Mehrzahl seiner Mitbürger beneidete den glücklichen Senator: sie bewies aber durch diesen Neid – entweder ihre Unbekanntschaft mit Müssingers anderweitigen Verhältnissen, oder einen Gelddurst, der alles schnöde übersieht, was das Herz berührt, und nicht allein den Kurszettel im Gehirn. Trieb des Kaufmanns Geschäft auch Blüten, der Hausvater sammelte keine aus seinem Familienleben. Seine Frau, seit achtzehn Jahren mit ihm vermählt, hatte ihm viele Geldsäcke, keine Neigung zugebracht, und die Zeit nichts getan, die vom Berechnungsgeist der Väter verbundnen Ehegatten im Gemüte zu vereinen. Unfriede herrschte gerade nicht; der Friede aber, der da versöhnt und duldet und vergibt, wahrlich auch nicht. Der Senator, ein lebendiger Mann, an den Fünfzigen stehend, cholerischen Temperaments, dem beim geringsten Anlaß zu heiß unter der Stirn, die Halsbinde zu enge wurde, stellte das schneidendste Widerspiel seiner Ehefrau dar, die mit beleidigendem Uebermut, welcher seine Quelle in fehlerhafter Erziehung gefunden, eine Kälte und Trägheit vereinigte, wie sie sonst nur im höchsten Norden, oder im sengendsten Süden vorkommen mag. Frau Jakobine, im Ueberflusse aufgehätschelt, kannte nicht Sorge, nicht Mühe, nicht einmal das bequeme Streben einer vornehmen Hausfrau. Kam der Tag, so verlebte sie ihn, und er mußte ebenso prunkend einhertreten, wie seine Vorgänger; Geld in Hülle und Fülle für jedes, auch noch so eingebildete Bedürfnis spenden, reichen Schmaus für Lippe und Gaumen, und eine lange Plaudersitzung im Kreise der geschwätzigsten Muhmen. Währenddessen schaffte und plackte der Senator, bald wie der ärmste Knecht, bald wie der härteste Fron, im Bezirk seines Handelsgetriebes, und gönnte sich kaum, vor sprudelnder Tätigkeit und mutwillig gehäufter Arbeits- und Spekulationslast, die nötigen Ruhestunden. Doch feierte er diese wenigen nicht im Schoße der Seinen. Weder beim Frühstück, wo man den braunen westindischen Trank aus japanischen Gefäßen schlürfte, und dabei so steif saß, wie die blassen Figuren auf diesen Tassen, noch beim Mittagsmahl, wo die leckerste Kost entweder mit gieriger Hast, oder mit vitellischer Trägheit verschlungen wurde, war ihm froh zu Sinne. Bald verdrießlich keifend mit dem verdrießlich langweiligen Weibe, bald seine überseeischen Hoffnungen und Handelsoperationen nicht loslassend in stummer Grübelei, floh ihn die Heiterkeit innerhalb seiner Mauern; und auswärts, auf einem Klub, wo er wieder von nichts, als von Geschäften reden hörte, eine Pfeife Tabak rauchte, um sich zu betäuben, Karte spielte, um sich zu zerstreuen – verträumte er seine Abende. Nicht er, nicht sein Weib, das mit schnödem Geschwätze, oder abgeschmackter Frömmelei den verlangweilten Tag beschloß, ahnten die Quelle von Genuß und Freudigkeit, die ihnen in der Tochter, dem einzigen Sprößling dieser übelpassenden Ehe, aufgehen hätte können. Die Natur hatte in diesem lieblichen Geschöpfe die glücklichste Verschmelzung widerstrebender Gemütsrichtung zustande gebracht. Des Vaters Heftigkeit herrschte zwar vor, allein mäßigende Ruhe stellte bald das Gleichgewicht wieder her. Das Mädchen hatte seinen eigenen Kopf und Willen; es war ja das einzige Kind, und nicht beschränkt von den Eltern. Allein, der Leidenschaftlichkeit, dem heftigen Zorn sogar, folgte schnell die Besinnung, die Teilnahme, die zarte Reue, die gefühlvollste Vergeltung. Der Liebreiz des so wunderlich herangebildeten Mädchens war in diesen Versöhnungsmomenten so groß, daß Freundinnen und Gesinde gern den Sturm auflodernder Hitze ertrugen, um doppelt in der Milde zu schwelgen, die unmittelbar darauf das Engelherz der Zürnenden betätigte. Der Vater war nicht so; denn, tat ihm die jähe Härte manchmal selber weh, so verschloß er, seinem Stolze nichts zu vergeben, das Gefühl in sich. Die Mutter glich ebensowenig ihrem Kinde; sie liebte zwar niemanden auf der weiten Erde, aber sie haßte aus Gewohnheit; sie verachtete mit jener stumpfen Stetigkeit, an der sich, hat sie einmal ein Ziel des Widerwillens ersehen, vergebens Belehrung, Erfahrung und Pflichtgebot verschwendet. Justine, ein siebzehnjähriges Mädchen, früh entfaltet in Gestalt und Verstand, fühlte wohl dunkel und unbehaglich, daß sie zwischen den getrennten Eltern ihren eigenen Weg wandle. Die Jugend aber, jene herrliche Zeit, in welcher man sich nur selbst, wenn gleich oft allzuviel, vertraut, ungeduldig ins Freie, in die Zukunft blickt, sie setzt sich über das Peinliche in naher Umgebung hinweg; schafft sich ihre eigne Welt, und flieht die Mürrischen, um sich an Freundliche zu schließen. So kam es, daß Justine bald wie ein fremder Gast im Vaterhause wohnte, und größtenteils nur in dem Zirkel ihrer Jugendgefährtinnen lebte. Seit der Konfirmation war es jedoch ein bißchen anders mit Justinen geworden. Nie hatte sie noch ihren Vater so bewegt gesehen, als in dem Augenblicke, wo sie, von der heiligen Handlung kommend, in seinem Schreibstübchen vor ihm auf die Kniee sank, ihn bittend, seinen Segen mit dem des Himmels zu vereinen. Des Senators Stimme hatte gewankt, als er den Segen aussprach; ans Herz hatte er die Tochter gedrückt, und, wie mit einem leisen Vorwurf gegen sich selbst, hinzugesetzt: Glaube nur um Gottes willen, mein Kind, daß ich dich liebe, herzlich, wie es einem christlichen Vater zusteht. Aber ich muß an mich halten mit dieser Zuneigung, sonst bricht mir das Herz vollends, wenn du aus dem Hause gehst, nimmer wiederkehrst, und ich dann in ganz Europa keinen Menschen mehr weiß, der mir näher am Herzen liegt, als der kalte Tressenrock. Du bist alt genug, Justine, um zu wissen, daß eine Heirat die Bestimmung eines jeden Mädchens ist, folglich auch die deine. Du bist bereits verlobt: zu Neuyork in Amerika wohnt dein Bräutigam, der junge Kaufmann Birsher, und, wie mir sein Vater neulich schrieb, werden wohl nicht anderthalb Jahre vorübergehen, so kömmt der designierte Schwiegersohn selbst, um dich abzuholen. Dein Bestreben gehe also jetzt vornehmlich dahin, der englischen Sprache mächtig zu werden, zu welchem Endzweck ich für eine Lehrerin sorgen will.

Justine verließ den Vater mit sichtlichem Behagen. Ausgezeichnet vor all ihren Gespielinnen nach Amerika zu ziehen, in das junge Land, das sich europäische Imagination damals nur als ein Paradies, unerschöpflich in Genuß und Reichtum, vorstellte; ... als Frau, an der Seite eines jungen Krösus, dahin zu ziehen, das schmeichelte der jugendlichen Eitelkeit gar sehr. Des Vaters Erklärung hatte vollendet, was die Konfirmation begonnen; das Mädchen war rasch zur Jungfrau, zur Braut geworden. Justine zog sich nun auch wähliger von dem Haufen ihrer Freundinnen zurück, verkehrte nur mit den wenigen, die, gleich ihr, nicht fern vom Hochzeitsfeste zu stehen vermeinten, und beschäftigte sich mehr als sonst, in Einsamkeit und Stille, mit Arbeit und wißbegierigem Forschen. Mit der englischen Sprache allein wollte es bei dem fleißigen Mädchen nicht so fort. Die Zisch- und Gaumenlaute waren der Schülerin zuwider, und eine Lehrerin nach der andern wich dem Ungestüm Justinens, die auf jener Nachlässigkeit den eignen Fehler schob. Die Zahl der, mit dem englischen Idiom vertrauten Frauen war in jener Stadt nicht groß; daher hatte Justine bald die Reihe durchgemacht. Die männlichen Lehrer ließen keinen bessern Erfolg hoffen. Der eine derselben, ein grämlicher Alter, mit wunderlichen Launen, hatte schon nach der zweiten Lehrstunde all seine Autorität eingebüßt; den zweiten, einen allbekannten Wüstling, noch in rüstigen Jahren, trug der Vater billig Bedenken, bei der Tochter einzuführen. Der Zufall schlug sich ins Mittel. An einem Tage saurer Geschäfte hantierte und ordnete der Senator in eigner Person an dem Krahnhause der Stadt. Beträchtliche Warensendungen in Ballen und Kisten waren für ihn angekommen; nicht minder beträchtliche Ladungen wollte er dem dienstfertigen Flusse anvertrauen. Seine rüstigsten Handelsdiener, zwei junge und gewandte Leute aus guter Familie zur Seite, ging er am Ufer auf und nieder, befahl hier den ausladenden Bootsknechten, dort den herbeischaffenden Kärrnern, Ner eine Kommis, Berndt, revidierte, die Frachtbriefe und Geleitzettel in Händen; der andere, Nothhaft, machte Zeichen und Zahlen auf die Frachtstücke; um und um bewegten sich rührige, geschäftige Leute, und ein Treiben beseelte die vielen am Ufer, vom zentnerschleppenden Lastträger bis zu dem kleinen Buben herab, der die Teerpfanne hielt. Ein einziger lehnte unbeschäftigt, mit verschränkten Armen an dem Krahnengebäude. Der einzige mußte unter dem Getümmel dem Senator auffallen, als dieser gerade an ihm vorüberkam. Der eifrige Mann blieb unwillkürlich vor dem jungen Menschen stehen, dessen Kleidung, obgleich nicht allzuwohl erhalten, auf einen Lehrling oder Diener der Kaufmannsgilde schließen ließ. – »He, junger Mensch!« redete der Senator ihn an; »he! warum so müßig? Die Sonnenstrahlen machen nicht satt; wohl aber eine Schüssel, die man im Schweiße seines Angesichts verdient hat. Trägheit in der Jugend macht alte Spitalleute. Hat Er hier nichts weiter zu schaffen, so geh' Er wieder hinter Sein Pult, statt Maulaffen feil zu haben, und stehle Er Seinem Prinzipal nicht das Brot ab, das Er ißt!«

Nicht die Flamme, die der gerechte Tadel auf dem Angesichte des Gescholtenen entzündet, sondern die Röte eines unschuldig gekränkten Gefühls stieg auf die Stirne des Fremden, der in ausländisch betontem Deutsch nicht mit der Antwort säumte. – »Seht zuvor, mit wem Ihr sprecht, Herr!« sagte er etwas bitter, »niemand würde lieber arbeiten, denn ich, wenn mir nur jemand Arbeit gäbe.« – »Kann's hier daran fehlen?« fragte Müssinger verwundert. – »Ich bin ein Fremder.« – »Woher?« – »Ein Engländer. Mein Name ist James White. Mein Vater war Baronet und Tory. Sein Schicksal wollte, daß sein Wappen, die blutige Hand von Ulster, sich an ihm erwahre. Für den Prätendenten bewaffnete er seine Faust. Georgs Henker schlug sie ihm ab, und hierauf das Haupt. Vor fünfthalb Jahren floh meine Mutter mit mir nach Deutschland herüber. Seit einem Jahre hat sie hier ihr Grab gefunden. Sie starb, bevor der Mangel zu uns trat. Ihr Hinscheiden raffte aber alle Hilfsmittel weg. Die Armut trieb mich ins Werbhaus; die Barmherzigkeit eines alten Mannes, der mir wohl will, rettete mich vom Soldatenstande. Aber noch lebe ich von seinen Wohltaten, und ich schäme mich dessen.« – »Das ist recht; Wohltaten erzeigen, ist wacker, aber edler, sie nicht zu mißbrauchen. Versteht Ihr etwas vom Handel, junger Herr?« – »Nein; ich sollte Theologie studieren; verstehe Latein, Rhetorik, Philosophie, ein bißchen Spanisch, und aus dem Grunde meine Muttersprache.« – »So? Verdorbner Theolog also? Doch Protestant, will ich hoffen?«

Der junge Mann bückte sich schweigend.

»Könnt und wollt Ihr Unterricht im Englischen geben?« fragte Müssinger weiter. – »Ich kann's, und schäme mich dessen nicht.«

»Kommt mit. Versucht's mit meiner Tochter. Freie Station, wie meine Kontordiener, die Wohnung ausgenommen, und ein billiges Salär nach Euern Fähigkeiten verspreche ich Euch. Beliebt's?« – »Gern; doch muß ich's meinem Versorger melden.« – »Gut; wer ist der Mann?« – »Ein Doktor der Rechte, heißt Leupold, ist von Herkunft ein Fremder, lebt zu seinem Vergnügen seit anderthalb Jahren ungefähr in hiesiger Stadt, und beschäftigt sich ausschließlich mit seinen Studien.« – »Ein Bücherwurm und Rechtsverdreher also?« murmelte der Senator zwischen den Zähnen. »Bin nicht neugierig auf die Bekanntschaft. Mögt indessen sein Gutachten einholen, junger Herr. Er wird wohl nichts dagegen haben, denn ich bin der Senator Müssinger!«

Der stolze Kaufmann ging von dem unglücklichen jungen Baronet weg, und vergaß denselben im Gewühl seiner Geschäfte bald darauf. Der finstere und einsilbige Buchhalter trat ihm in der großen Schreibstube mit einem Paket Briefen entgegen, die er alsobald, wie gewohnt, erbrach und durchlas. Er begleitete jedoch diese alltägliche Verrichtung mit so vielen heftigen Bewegungen und schlecht unterdrückten Zornworten, daß die Kontorgehilfen aufmerksam wurden, und manchen neugierigen Blick durch die Gitterrahmen in das Kabinett des Prinzipals sandten. Endlich, nachdem der ganze Briefpack durchflogen, stürmte der Senator wie ein Pfeil vom Sessel auf, warf Schubladen und Schlösser zu, und tobte durch die Nebentür in das Innere des Hauses.

»Der himmlische Vater erbarme sich!« seufzte Berndt mit andächtigem Blicke und Händefalten, denn er gehörte zur philadelphischen Gesellschaft, »was wird es heute wieder in dem Hause geben?« – Der andre Diener, Nothhaft, ein ziemlich lockrer Geselle, lachte indessen wie ein Schelm vor sich hin, und summte die Worte eines damals beliebten Liedes:

»Nach dem Brunnen geht der Krug
Oft genug;
Und am End' bekömmt er doch
Welch ein Loch!«

»St!« zischte der Buchhalter, hinter dem Hauptbuche aufstehend, zu dem Vorlauten hinüber, und Berndt stieß ihn mit dem Ellbogen in die Rippen. Der arge Mensch fuhr aber kichernd, wiewohl noch leiser, fort:

»Christ! sitz steif, denn der Protest
Setzt dich fest;
Und dann heißt's mit Schand und Spott,
Bankerott!«

»Will Er wohl schweigen?« schalt der Buchhalter auffahrend. »Was sollen diese Schelmenverse in einer ehrsamen Handelsstube? Pfui des leichtfertigen Dieners, der seine eigne saubere Firma gern für eine schmutzige ausgeben möchte. Noch einen solchen Ausdruck, und Er ist um Dienst und Lohn, und für ein schlecht Testimonium will ich dann schon sorgen. Ueberhaupt mag Er sich's gesagt sein lassen, daß ich hinfüro Seinen Lebenswandel, von dem mir zu Ohren gekommen ist, nicht also dulden werde. Alle Abende spielt und bankettiert Er, und am Sonntag kömmt Er nicht aus der Kaffeeschenke, der Billardstecken nicht aus Seiner Hand. Wo das beste Rostocker Bier zu finden ist, das weiß Er auf ein Haar; aber man fragt Ihn vergebens, wie die spanischen Dublonen stehen. Sein Nebengehilfe ist allzustill; Er ist allzutoll. Ein Kartäuser wird ein schlechter Kaufmann; ein Bruder Liederlich aber noch ein schlechterer. Gott steh' Ihm im Kommerz bei, wenn Er es einmal zum eignen Herrn bringt.« – »Das wird er auch;« versetzte Nothhaft trocken, ohne sich zu erzürnen. »Der Kaufmann muß wagen und wetten, und dazu bin ich gemacht, wie unser Herr, der sich aus der Safranbude zum ersten Kaufmann allhier verstiegen hat. Sorgen Sie nicht für mich, Herr Buchhalter. Der Herr Senator kennt mich besser, als daß er mich um eines zwecklosen Liedleins willen, oder weil ich den Sonntag Nachmittag beim Billard zubringe, fortschicken sollte.«

Der Buchhalter schwieg verdrießlich; teils, weil ihn des Dieners Verstockung empörte, teils, weil der Senator wieder in sein Kabinett zurück kam, und ihn eilends zu sich hinein beschied. Hierauf wurde die Türe geschlossen, die Schieber vor die Gitter gestoßen, und die beiden Kontoristen waren von den Vorgesetzten geschieden, wie die Lehrlinge, die im Vorzimmer schafften und bosselten, von ihnen selbst geschieden waren. »Sie sitzen im geheimen Rat!« flüsterte Nothhaft seinem Nachbar zu; »der Perückennarr, der Buchhalter, mag aber schwatzen und difteln wie er will. Unsere Kontanti stehen schlecht, abscheulich schlecht. Ich habe schon neulich einmal einen Blick in des Herrn Korrespondenzlade geworfen, die zufällig offen stand ...« – »O pfui! Du neugieriger Saaldiener!« fiel Berndt ein. Nothhaft sprach aber flüsternd weiter: »Du Hans! was kann ich denn für mein scharfes Auge? Genug; wir sollen zahlen und zahlen, und wollen und wollen nicht; weil wir nicht können. Unsere Aktien in Indien stehen schlecht. Mit der vermaledeiten Bodmerei haben wir, wie es scheint, unsinnig viel Geld verschleudert und verloren. Assekuranten unserer eigenen Schiffe sind bankrott geworden; viel Unglück auf einmal! und dann das Leben in diesem Hause! ein wahres Heididelbum!« – »Jawohl,« bekräftigte Berndt seufzend, »ein heidnisches Skandalum. Herz, was begehrst du? Keine Wirtschaft, keine Gottesfurcht! Wir müssen nach dem Gemüse gleich vom Tische aufstehen, und Braten, Gänselebern und indianische Vogelnester kommen hinterdrein. Also, lieber Freund und Kollege! wir beginnen zu wanken? Danke für gegebenes Aviso. Ich will gleich auf anderweitige Versorgung denken.« – »Unter der Hand, Bester,« setzte Nothhaft bei, »nicht vor der Zeit gebrochen. Hübsch alles abgewartet; für einen klugen Diener gibt's in Bankrottchen gute Ernten.« – »Der Eintritt des Unheils möge noch ferne bleiben, bis mir eine andere Schwelle gesegnet ist!« betete Berndt mit zerknirschter Miene: »das Schlampampen ohne Kondition ist mir und dem lieben Gott zuwider, und kostet nur Geld, statt einzubringen.« – »Betbruder und Scharrer!« schalt Nothhaft. »Jammre nicht. Der Geist Gottes wird ja nicht ermangeln, dir alles im voraus zu entdecken. Ich bin zwar nur ein Weltkind, habe keine Anwartschaft auf das tausendjährige Reich, aber im Herzen bin ich froh, wenn die Umstände mich zwingen, ein Haus zu verlassen, in dem mich nur der gute Lohn zurück hält, 's ist eine Galeere, dies Kontor.« – »Bete und arbeite! sagt die Heilige Schrift,« sprach Berndt hierauf demütig, »ich weiß mich einer Zeit zu erinnern, in welcher dir gar wohl in dieser Schreibstube war, und noch wohler an dem Tische des Prinzipals. Du hattest damals noch große Dinge im Kopfe, und scheutest dich nicht, deine sündhaften Augen auf die Jungfer zu werfen. Aber seit sie dir den Spaß verdorben ...« – »Pfui, Berndt, mich daran zu erinnern,« entgegnete Nothhaft; »die hochmütige Person! wie sie sich spreizte in ihrem Stolz! Und mein Vater ist doch ebensogut in seinem Städtchen ein Ratsherr, als der Ihrige hier! und mein Vater hat vielleicht mehr Geld, als ihr Vater besaß, da er noch die Rosinen pfundweis, und das Baumöl pro Kännchen verkaufte. Ich hätte sie geheiratet. Parbleu! Das hätte ich getan; aber sie trug die Nase verzweifelt hoch! Stand ich in der Kirche und stierte hinauf zum Betstübchen, so zog sie gewiß das Fenster vor, oder versteckte sich hinters Gesangbuch. Zweimal paßte ich's ab, und präsentierte ihr, an Kirchendieners Statt, den Predigttext und die Nummer des Lieds. Immer erhielt ich ein frostiges: Inkommodier' Er sich nicht, Mosje! zum Dank. So schlag der Donner hinein!«

Berndt hielt bei der Verwünschung beide Ohren zu. Nothhaft fuhr indessen schadenfroh fort: »Na, Gott gesegn' ihr die baldige Abkühlung! Hochmut kommt vor dem Fall. Prosit, Justinchen. Die Puppe hat dem Papa und der Mama gesagt: mein Gesicht sei ihr fatal, und darum mußte ich am Tische den Platz verändern, damit sie sich nicht an meinem vis-a-vis den Appetit verderbe. Geliebt es Gott, wollen wir bald den Spieß umkehren. Wo sie weint, will ich lachen.«

Berndt stieß ihn abermals in die Seite, denn Senator und Buchhalter kamen aus dem Kabinett, mit entschlossenen Gesichtern, und ein Lehrling wurde gleich hinweg gesandt, Nilpferde für den Geschäftsführer zu bestellen; Eilpferde nach Amsterdam. Der Prinzipal händigte dem dienstfertigen und erprobten Diener noch ein wohlverschlossenes Portefeuille ein, nahm von ihm Abschied, und ging, da die Mittagsglocke im Hause läutete, mit seinem Kontoristen zu Tische.

Die gewöhnlichen Bürgergerichte waren verzehrt, die Gehilfen durch einen Wink von der bisher schweigsamen Tafel entlassen und eine kostbare Gallertschüssel, aus welcher der Duft des Zimts und herrlichen Bordeauxweins stieg, wurde, nebst den Platten des Nachtisches, aufgesetzt. Die Frau Senatorin wendete sich leckerhaft vergnügt zu der reizenden Speise; Justine schnitzte kichernd ein Eichhörnchen aus einem Mandelkerne; der Hausherr sah trüb vor sich hin, klopfte mit dem Messer an die silbernen Gefäße und brach endlich das Stillschweigen mit einer Einleitung, auf die er lange studiert haben mochte.

»Was meint ihr wohl,« begann er mit erzwungenem Scherze, »was meint ihr, wenn auf einmal all dieses Silber und Porzellan zur Decke hinausflöge, und eitel irdene Teller auf dem Tische zurückblieben mit notdürftiger Kost?« Die Senatorin zuckte verächtlich die Achseln ob dem mißlungenen Spaße. Justine lief lachend: »'s wär' ein hübscher Hexenstreich. Papa würde alsdann tief in den Geldkasten greifen müssen, um dem Schaden abzuhelfen.«

»Und wenn nun auch diese Geldliste leer geworden wäre?« fragte Müssinger weiter.

»Narretei!« versetzte die Frau, ruhig essend, »was sollen diese Fragen?«

»Euch vorbereiten auf eine unangenehme Möglichkeit,« brach Müssinger los, »es steht noch auf der Schwebe, ob wir reiche Leute bleiben, oder Bettler werden sollen.«

»Ist denn heute der erste April,« fragte die Frau, »daß der Herr Senator uns mit ähnlichen Kindereien behelligt?« – Justine merkte aber, in des Vaters Augen sehend, den Ernst, wie die Ungeduld, die in ihm arbeitete.

Er fuhr heftiger fort: »Deine Frage ist Kinderei, Jakobine. Ein Kaufmann scherzt nicht dergestalt mit seiner Bilanz. Wahr ist's. Mir droht Unglück. Eng mit mir verbundene Häuser sind gebrochen, Kaper haben meine Schiffe genommen, der letzte Sturm, von dem die Berichte meldeten, hat Kauffahrer vernichtet, auf welche ich bedeutende Kapitalien à grosse Aventure herlieh. Der Ultimo bringt eine Fracht von schweren holländischen Wechseln. Ich bin zugrunde gerichtet, wenn es meinem Buchhalter nicht gelingt, meinen Hauptkreditor in Amsterdam zu besänftigen und zur Prolongation zu bewegen.«

»Armer Vater!« versetzte Justine mitleidig. Die Mutter zog jedoch die Stirne in Falten. »Unbesonnener Vater!« predigte sie; »Räuber an Weib und Kind! Mußt du dein Hab und Gut auf die Spitze stellen, und an ein paar elende Schiffe hängen? Pfui, du bist ein Verschwender, den man ins Irrenhaus stecken sollte, wenn nur damit geholfen wäre. Doch ist dein Vorgeben gewiß nur ein schlechter Scherz, sonst wollte ich anders mit dir reden. Sprächst du wahr, so müßte mein Vermögen heraus bei Heller und Pfennig, samt Zinsen und Zubehör. Ich würde mich nicht hinsetzen, dir zuliebe, und Grütze speisen, wie eine Taglöhnersfrau. Ich bin ein gutes Leben gewöhnt, und hätte hundert Männer haben können, die reicher und schöner waren als du. Darum fordere ich auch, daß du mich haltest, wie bisher, oder das Eingebrachte herausgibst; sonst müßte ich klagen,«

Des Senators Gesicht überlief Leichenblässe, und er bückte sich scheinbar nach der entfallenen Serviette, um seine Verlegenheit und seinen Grimm zu verbergen. Dann sagte er gezwungen gleichgültig: »Recht, Jakobine. Deine Liebe ist mir wieder recht klar geworden. Leider kann sie sich nicht so triftig vor dem Gerichte ausweisen, indem wirklich mein Vorgeben nur Scherz war, um deine Gesinnung auf den denkbaren Fall hin zu prüfen.«

»Schäme dich,« eiferte, nun erst zornrot werdend, die Senatorin, »ich dachte es gleich. Mir den Appetit in dem Grade zu verderben! Mir also die Galle zu reizen! Ich bin ohnehin die unglücklichste Frau in der Welt, wenn ich nicht meine Seelenruhe und Bequemlichkeit habe! Gottvergessener, frevelhafter Mann! – Justine, den Extrakt!«

Justine, bereits angewiesen, wie bei ähnlichen Gelegenheiten zu verfahren, stand schon mit der stärkenden Essenz vor der Mutter. Der Senator fuhr heftig vom Stuhle auf, summte das Marlboroughlied durch die Zähne, und zog die Halsbinde weiter. Mit einem Male erblickte er, seitwärts unter der Türe, den jungen Mann, den er am Morgen zum Sprachlehrer angeworben. Der Eintretende war ein erwünschter Ableiter und Besänftiger. Der Senator liebte es durchaus nicht, vor einem andern als den Hausgenossen, seinen Jähzorn zu zeigen, und hielt plötzlich an sich. »Sieh da, mein junger Freund,« redete er den Jüngling an, »Ihr kommt gerade recht. Wie es scheint, hat Euer Pflegevater eingewilligt?«

»Er erlaubte mir, in dem ungewohnten Dienste mich zu versuchen«,antwortete James bescheiden und ruhig. Die Senatorin hatte bei seinem Eintritt die begonnene Ohnmacht vergessen. Nicht minder neugierig und überrascht sah Justine nach dem jungen, fremden Manne, der in seiner einfachen, fast dürftigen Kleidung, furchtloser vor ihrem Vater stand, als sie es bisher an irgend einem Aermern und Jüngern wahrgenommen.

»Ein junger Engländer,« sagte Müssinger, ihn den Frauen vorstellend, »der Justinen in seiner Sprache unterrichten soll. Ich empfehle der Jungfer Fleiß, und dem Lehrer den besten Eifer. Geht hin, junger Herr, und empfehlt Euch der Frau Senatorin und Eurer Schülerin. Dann mögt Ihr gleich den Unterricht beginnen, und zeigen, was Ihr wißt und könnt.«

James ging frei und ungezwungen auf die Mutter zu, faßte, indem er sich verneigte, ihre beiden Hände, und schüttelte sie, näherte sich dann Justinen, tat dasselbe, und wollte ihr zierlich die Wange küssen. Errötend und heftig bog sich das Mädchen zurück, und stieß ihn von sich. Die Mutter rümpfte die Nase, der Vater lächelte. »Ei,« sprach er, »junger Herr, wir sind hierzulande nicht in Eurer Heimat, wo solcher Brauch üblich ist. Hier küßt man den Frauen die Hand und den Jungfrauen die Fingerspitze.«

Mit einiger Verlegenheit sich entschuldigend, aber mit vielem Anstande, tat nun James, was ihm geheißen war, und versöhnte somit die Mutter; Justine jedoch nur halb, die in dem ungewohnten Wesen des neuen Lehrers etwas fand, das ihr mißfiel, von dem sie sich indessen keine klare Rechenschaft geben konnte. Mit übel verhehltem Widerwillen führte sie den Jüngling an ihren Arbeitstisch, zeigte ihm die Bücher, die bisher ihr Leitfaden gewesen waren, und berichtete von ihren bisherigen schwachen Fortschritten. James meinte, nach flüchtiger Einsicht und flüchtigem Hören, die Jungfer sei bei weitem nicht so mehr im Wissen zurück: als sie wohl meine; desto mehr hingegen im guten Willen, Justinens Gesicht verfinsterte sich wieder merklich, und schweigend setzte sie sich, als der Vater den Befehl wiederholt hatte, den Unterricht alsobald anzufangen. Auf die Stuhllehne seiner Frau gelehnt, folgte nun der Senator dem Beginnen des jungen Engländers, und sah bald, daß derselbe seiner Sache vollkommen gewiß sei. Zugleich gefiel ihm die zutrauliche, freundliche Weise, mit welcher er der stummen Schülerin die Vorzüge der Sprache auseinander setzte; er hoffte von dieser, aus dem Alltagsgeleise weichenden Art, den besten Erfolg, und entfernte sich endlich unter aufmunterndem Lobe. Die Lehrstunde ging fort unter der Aufsicht der Mutter, die aber bald, der Gewohnheit nachgehend, dem Schlummer in die Arme sank.

Justine hatte, wenig auf die Reden ihres Lehrers horchend, mit unverwandtem Auge die Mutter beobachtet, und wie es schien, den Moment der Siesta erwartet, denn im Augenblicke, als Jakobinens Augen zufielen, nahm sie dem in seinen Vortrag versunkenen James das Buch aus der Hand, klappte es schnell zu, und sagte, kurz abfertigend: »Lassen wir's jetzt gut sein, Monsieur. Ich habe keine Lust, und damit genug. Weil mein Vater es will, und Euch vielleicht an einem Verdienste in unserem Hause etwas gelegen sein möchte, will ich wohl mich anstellen, als sei mir die Sache ernst. Spart Euch jedoch alle ernstliche Mühe, denn ich kann Eure Sprache nicht leiden, folglich nicht sprechen. Adieu bis morgen, Monsieur.«

James sah die gar offenherzige Schülerin überrascht an, biß sich gekränkt in die Lippen und erwiderte: »Wahrlich, Mademoiselle, aus Ihrem Munde hätte ich ein lieblicheres Wort erwartet. Mein Vater war ein Edelmann, und hat mir den Grundsatz eingeprägt, nirgends lästig zu sein, wo ich nicht nützen kann. Ich werde gehen; erlauben Sie jedoch, daß ich das Erwachen Ihrer Mutter abwarte, um mich in der Form von ihr zu beurlauben. Bis dahin dulden Sie meine Gegenwart.«

»Ich wollte Euch nicht beleidigen, mein Herr,« antwortete hierauf Justine etwas beschämt: »Vergebt, wenn ich die Worte vielleicht schlecht gewählt. Ich bin oft vorlaut mit Reden, die mich nachher reuen. Eure Person wäre mir nicht so unangenehm, aber Eure Sprache pfeift und zischt so viel, sie ist so rauh, daß ...«

»Wundern muß ich mich,« fiel James schnell versöhnt ein, »daß Ihr Herr Vater, Ihnen und Ihrem Wunsche gegenüber, mit Gewalt auf dieser Sprache besteht. Unlust lernt und fördert nicht, aber die Zeit ist verloren.«

»Hm!« lächelte Justine, die Augen auf das Schreibbuch geheftet, »ich soll nach Neuyork verheiratet werden, und der Vater glaubt ...«

»Nach Neuyork in Nordamerika?« fragte James staunend. Justine nickte schweigend, und machte Buchstaben auf das vor ihr liegende Blatt.

»Nach Neuyork?« wiederholte James, und schlug mit verschränkten Armen die Blicke zur Decke auf; »so weit vom Vaterhause? Da müssen Sie freilich englisch lernen.«

»Nicht doch,« versetzte Justine lächelnd, aber bestimmt, »mein zukünftiger Mann mag deutsch lernen, und die Freunde meinethalben französisch, um sich mit mir zu unterhalten. Das Englisch für die Domestiken lernt sich dort an Ort und Stelle.«

»Sie irren sich im ersten Punkte,« behauptete James, »man würde es zu Neuyork für eine Schande halten, eine andere Sprache in Gesellschaft zu reden, als die englische Kolonistenmuttersprache. Im Innern finden Sie wohl noch das holländische Idiom, aber ...«

»Sieh doch,« unterbrach ihn Justine, durch den Widerspruch gereizt, »Ihr redet ja so entschieden, als ob Ihr mit eigenen Ohren gehört hättet, was Ihr behauptet.«

»Das hab ich auch,« bekräftigte James mit aufgeheiterten Zügen, »den größten Teil der Knabenzeit verlebte ich auf Amerikas Kontinente, zu Neuyork, mitunter auch weiter im Lande.« »Wie?« fragte Justine, plötzlich zutraulicher und milder, »ach, erzählt mir doch von dieser meiner zweiten Heimat. Man hat mir schon so viel Schönes davon vorgesagt, daß ich begierig bin. Wir wollen fein zusammenrücken, und recht leise sprechen, und recht leise horchen, daß die Mutter nicht so frühe erwache. Seht, ich bin ganz Ohr,«

Sie hatte sich bei diesen Worten mit beiden Armen auf den Rand des Tisches gelehnt, und sah mit gespannter Aufmerksamkeit und so vorwitzigen Augen dem Lehrer ins Gesicht, daß er seine Blicke auf die Manschetten seiner Hände richten mußte, um nur den Faden des Gesprächs festhalten zu können.

»Mein Vater,« hob er auf wiederholte Aufforderung an, »hatte zurzeit ein Kommando in der Zitadelle zu Neuyork; mein Onkel einen entlegenen Wachtposten gegen das Gebiet der Indianerstämme zu. Gelegenheit gab es für mich, den achtjährigen Knaben, genug, somit das Leben in der amerikanischen Stadt wie auf dem Lande kennen zu lernen. Innerhalb der ersten fand ich wenig Freude. Das Sein darinnen war steif und einförmig, keine Heiterkeit, aber viel Frömmelei und militärischer Druck. Am Werkeltage schafft die sich selbst übertreibende Mühe, denn reich zu werden ist das Ziel, wonach alle streben. Dazwischen tönt die Trommel und das Kommandowort der Besatzung. Am Sonntage ist der Sabbat strenger geheiligt, als in England selbst. Die Lust hüllt sich in Sack und Asche, und einförmige Glockenschläge langweilen den Städter, bis er, von der Last des Feiertags ermüdet, das Bette sucht.«

»O weh!« seufzte Justine, »das ist ein traurig Bild. Da lebt sich's ja in unserer dunkeln Stadt noch besser und schöner. Doch macht das Landleben vielleicht wieder alles gut, und Herr Birsher wird mir wohl den Gefallen erzeigen, es der Stadt vorzuziehen,«

»Wenn ich vom freien Lande Amerikas reden soll,« erwiderte James, »so bemeistert sich meiner eine heilige Wehmut, denn mir gefiel es sehr, obgleich eine frohe Jungfrau, wie Sie, nicht leicht dieses Gefallen teilen möchte. Um Neuyork, in nächster Nähe, finden Sie kein städtisch Landhaus: kümmerliche, flache Gärten nur, ohne Schatten, ohne Obdach, denn die Soldatenherrschaft duldet im Umkreise von Stadt und Zitadelle nicht Busch, nicht Haus. Setzt man jedoch übers Wasser, und dringt ins Innere vor, so geht für ein mutig Herz und ein kühnes Auge die Wonne an. Der angebauten Fluren sind nur wenige, von sklavisch pflügenden Kolonisten besorgt, allein ringsum dehnen sich Forste, in deren Saum sich nur bis jetzt die Axt verirrte, Urwälder mit himmelhohen Bäumen und zahlreichem Wilde. Welch ein herrlich Schauspiel, auf solcher Waldstraße hinzureiten, unterm dichten Laubdach, durch welches nie der Sonne Strahlen dringen! Welch ewiges Schweigen weit umher! so geeignet, das Gemüt zu erheben! Stundenlang bin ich oft im Grase gelegen, und habe auf das Hacken des Hähers, auf das Fuchsgebell gehorcht; lauschend unter den tausendjährigen Säulen der Natur. Doch fördert man endlich gern den Weg, weil die Dämmerung naht, das wilde Getier in seinen Lagern aufsteht, und vielleicht der Weg noch lange sich streckt, bis zu dem einsamen Blockhause, in dem der müde Wanderer das Nachtlager finden soll. Man erreicht des Waldes Ende, und sieh, ein neues Schauspiel fesselt den entzückten Blick. Einer der Riesenströme, die Amerika durchschneiden, hemmt den Weg. Das Auge trägt kaum bis an das jenseitige Ufer, und stolz schaukeln sich die Wogen des gewaltigen Flusses dahin. Da zeigt sich ein schwarzer Punkt in dem Geschäume der Wellen. Die Reisenden verdoppeln den Ruf ›Hü-o!‹ denn der schwarze Fleck ist die Fähre, die wild und gebieterisch durch die Strömung dringt, und uns über das rote Gold, das die Abendsonne auf den Wasserrücken legt, zum ersehnten Gestade schafft. Nun geht's über Heide und feuchten Grund hinweg, dem Walde zu, der blau und ungewiß aus der Ferne sieht. Rechts starren Felsen, und aus ihren Schluchten donnern die Gießbäche und Wasserfälle der Wildnis meilenweit zu uns herüber. Links dehnt sich die Fläche, schlecht bebaut, aber üppig wuchernd mit dem, was die Natur auf sie gepflanzt, an mastigen Futterkräutern und prachtvollem Unkraut. Scharen von kreischenden Vögeln schwirren über die Ebene, den Felsen zu, denn die sinkende Sonne scheucht ein Gewitter auf, das eilig daherkömmt, eiliger, als jener nackte, rothäutige Indianer, der, von seinem Hunde begleitet, Flinte und Tasche auf der Schulter, gestreckten Laufs von der Jagd zurückkehrt, und von den Gestirnen, wie von den Felsenspitzen den Weg zu seines Stammes Wohnplatz erfragt. Mit der Schnelligkeit des Rosses jagt der Sohn der Wildnis durch den weiten Raum, einem Nebelbilde gleich, das auf Sumpf und Moor zur Nachtzeit der Luftzug hin und her treibt. Ihn kümmert keine Straße, kein Pfad, keine Brücke, keine Fähre, denn die Welt ist sein Haus, der Himmel sein Zelt, und frische Sinne stellt er als Wacht und Läufer aus. Geradeaus geht er, wie das flüchtige Wild, das er verfolgt. Nicht um den Hügel herum, über ihn hinweg eilt sein Fuß. Er ruft nicht dem Kahn oder dem Floß; schnell wie ein Fisch schießt er durch Strom und Gewässer. Wir haben ihn aus den Augen verloren, ehe fünf Minuten vergehen. Er sieht uns jedoch durch Dämmerung und Gewitterduft noch auf eine halbe Stunde weit, und lacht der unbehilflichen Eile, mit welcher wir dem Walde zulaufen, um uns vor dem Regen zu schützen, der in großen Tropfen fällt; vor dem Orkan, der mächtig daher braust. Nun ist der Forst nicht mehr schweigend: nun redet er mit Millionen Zungen, und dieses Rauschen, dieses Wehen, das Krachen und Fallen der Neste und Kronen macht den Menschen stumm. Bären und Wölfe fliehen über den Weg, ganze Strecken lang neben dem Reisenden her, und an Zwietracht und Kampf denkt im Sturme keiner von beiden. Der Donner, der Blitzstrahl machen nun die schönen Schrecknisse voll, die uns erschüttern und erheben, aber diese Himmelslampen leuchten auch zur Hütte, die uns gastlich aufnimmt, und auf deren Mooslager wir in behaglicher Ruhe das Hochgewitter verschlummern.«

James endete hier, Atem schöpfend, die pittoreske Schilderung eines Ganges durch Heide und Forst der Neuen Welt, zu welcher ihn die zauberische Macht wohltuender Erinnerung wider Willen hingerissen hatte, und erhob beinahe schüchtern den Blick zu Justinen, in deren Antlitz er Unzufriedenheit mit seinem langen und abschweifenden Berichte zu entdecken fürchtete. Wie freudig war er jedoch überrascht, in Justinens glänzenden Augen die aufmerksamste Teilnahme leuchten zu sehen. Das Mädchen nickte ihm beifällig zu, legte zutraulich ihre Hand auf die seinige, und sagte: »Ei, wie gut erzählt Ihr doch, mein guter Herr! Ich habe just gesehen, was Ihr beschrieben habt. Doch hab ich auch an dem Gemälde genug. Die Herrlichkeiten, deren Schönheit ich wohl ahne, sind im Grunde doch nicht für ein schwaches Weib, das im bequemen Stübchen oder auf dem hübsch geordneten Landgut wohl dann und wann gern hören oder lesen mag, wie es in der Wildnis aussieht, ohne darum die Lust zu verspüren, selbst sie zu beschauen. Diese Wälder... diese Heiden und Ströme... und vollends diese einsamen Blockhäuser, Tagereisen weit von jeder Nachbarschaft entfernt...! mich schaudert!«

»Gerade in diesen Hütten ist patriarchalische Glückseligkeit zu Hause,« erinnerte James mit Wärme, »noch entsinne ich mich der Einwohner von einigen solchen Wohnungen. Glückliche Familien, zufrieden in ihrer Abgeschiedenheit, im Kreise ihres stillen Eigentums. Das innigste Band verknüpft hier die Gatten, die Kinder, die Enkel: das Band der Liebe; und Liebe fordert ja nur den kleinsten Raum; ein Winkelchen nur, in dem die glücklichen Leute so viel Platz finden, sich in die Arme zu nehmen und zu sagen: ich bin dir gut, auf ewig, bis zum Tode gut!« So sehr auch die vorige Rede des Lehrers Justine in Anspruch genommen hatte, so wenig schien das Mädchen Geschmack an der folgenden zu finden. Verwundert hatte sie den jungen Mann betrachtet, beängstigt fast die Gelegenheit gesucht, seine Worte zu unterbrechen, und endlich ungeduldig das schwere Wörterbuch vom Tisch gestoßen, daß ob dem Geräusche die Frau Senatorin erschreckt aus dem Schlummer fuhr.

»Die Lehrstunde ist zu Ende, bester Monsieur,« sagte Justine mit steifer Verbeugung zu James, »vergeßt jedoch nicht, daß ich Euch morgen vormittag ganz bestimmt erwarte. Ich habe plötzlich viele Lust bekommen, Eure Sprache zu erlernen, und hoffe, daß Euer Beistand mir von vielem Nutzen sein werde.«

James, obgleich nicht wissend, ob er seinen Ohren, nach allem dem, was vorgegangen war, zu trauen habe, versprach feierlichst, wiederzukehren, küßte der Senatorin mit aller Förmlichkeit die fleischige Hand, bückte sich still vor der gleichgültig nickenden Justine, und empfahl sich, wie ein Mann von Bildung und Welt.

»Warum blieb er nicht zum Abendbrot?« war des Vaters erste Frage, als er zu den Frauen herauf kam, »ich habe ihm freie Kost versprochen, damit er sich häufig einfinde, und Justine durch die Konversation die Fortschritte mache, die ihr Fleiß nicht erringt. Ich hätte gern heut mit dem Menschen geplaudert, denn im Klub schwatzen sie auch nur von Briefen, Prozenten, Sicht und Manko, und mir brummt vor Arbeiten der Kopf. Mit dem pietistischen Berndt ist nichts anzufangen, und Nothhaft jubiliert gewiß wieder in der Schenke. Die Frau Senatorin erwartet ihre Basen, Justinchen treibt Kindereien, oder liest in Arminius und Thusnelda. Mit dem Engländer hätte ich ein vernünftig Wort reden können.«

»O, ich bitte dich,« erwiderte die Frau, indem sie vornehm vom Stuhle aufrauschte, »binde den fremden Menschen nicht so sehr ans Haus. Die Unschicklichkeit von heute werde ich ihm nie vergessen. Es taugt nicht, wenn man einen Adligen in eine Bürgerfamilie verpflanzt. Solch hungriges Geziefer ohne Geld und Mittel bewahrt doch immer sein Vornehmtun und seinen Stolz, dem alles zu schlecht ist, was ihn umgibt.«

»Du vergißt, Frau,« antwortete der Senator, »daß du selbst in diesem Augenblicke den unerträglichsten Hochmut auskramst. Ich kann das an einem Weibe vollends nicht leiden, weil nur der Mann ihm die Würde und den Rang im Staate verleiht. Schweig darum!« »Wenn's mir beliebt,« setzte die Senatorin phlegmatisch bei, »deine Matrosen- und Lastträgerweisheit beleidigt mich nicht, und ich gebe darum meinen Stolz nicht auf. Mir gehört er, einem hergelaufenen Burschen gegenüber, der kein Verdienst hat, als daß sein Vater Baronet war, und ein gehenkter, fürchte ich obendrein, weil du vom Prätendenten ein Wort fallen ließest. Wer an meinem Tische ißt, und von meinem Gelde lebt, ist unter mir, und damit gut.«

Der Senator fühlte seine Geduld zu Ende gehen, und entfernte sich schnell, die Türe hinter sich zuwerfend.

»Der Mann ereifert sich um des Kaisers Bart,« sagte die Mutter spöttisch und eiskalt, indem sie die Seidenzupfkästchen, mit welchem sie sich in der Abendgesellschaft zu beschäftigen pflegte, hervorholte, »es verlohnt sich auch der Mühe, für einen Menschen Partei zu nehmen, den ich morgen aus dem Hause jage, wenn mir's beifällt,«

»Ich will nur von ihm Englisch lernen!« erwiderte kurz und herrisch Justine, und drehte sich auf dem Absätze gegen das Fenster um.

»Oho, mein Püppchen!« sagte die Mama lächelnd, und wollte dem Mädchen scherzend auf die Wangen klopfen. Die Tochter entzog sich ihr jedoch ziemlich ungestüm, und entgegnete scharf und bestimmt: »ich will, daß man meinen Lehrer mit Freundlichkeit behandle; sonst werde ich Gleiches mit Gleichem vergelten.« – Die Mutter wußte nun, woran sie war, und gab, wie schon unzähligemal, um nicht einen guten Aliierten gegen den kampflustigen Eheherrn zu verlieren, auch diesmal nach; ging, ohne die eigensinnige Tochter zu schelten, in ihr Kränzchen, und ließ dem jungen James in ihrem Hause freien Paß. Sie begnügte sich, ihm ihre Abneigung dadurch zu beweisen, daß sie ihm kein Wort gönnte; nicht bei Tische, nicht während der Lehrstunden, die sie sorgsam bewachte. Am Vormittage lernte Justine fleißig, und schien die eifrigste Schülerin. In den Nachmittagsstunden jedoch wurde der Schlummer der Mutter benützt. Justine gab das Signal zum Schweigen, und alsdann das des Erzählens, und Nordamerika war einige Tage hindurch die Achse, um die sich James' Berichte und Erklärungen drehen mußten. Endlich sagte einst Justine, da der Engländer wieder von dem beliebten Thema anheben wollte: »Stille, genug! ich kenne das dortige Leben, wie meinen Arbeitssack, und muß gestehen, es gefällt mir nicht. Herr Birsher wird sich entschließen müssen, sich mit mir in einem andern Lande anzusiedeln, wo es lebendigere, fröhlichere Leute gibt, und einen mildern Himmelsstrich, und viele Freude, und viel Gesang. Wenn ich aus Kälte, Reif und Nebel im Winter nicht scheiden soll, bleibe ich lieber in der Heimat, und zur traurigen Hausunke will ich mich in meiner Jugend nicht machen lassen. Wißt Ihr, guter Herr, was ich will und verlange? Ein Dasein voll Vergnügen. Ich bin ja reich, des Vaters und der Mutter einzige Erbin, und Herr Birsher ist, wie es heißt, ein kleiner König an Ueberfluß. Warum soll ich mich nicht der Welt freuen, weil ich alles dazu besitze? Ferner will ich einen ewig heitern Himmel über mir, blau und sonnefunkelnd; Myrten, Lorbeer und Rosen auf meinen Wegen...; ach! wenn ich Euch beschreiben könnte, wie mir manchmal im Traum das Land erscheint, in dem ich leben möchte...!« »Die Myrte winkt Ihnen schon,« antwortete James mit leichtem Seufzer, »das Land, von dem Sie sprachen und träumten, ist auch wirklich. Ziehen Sie südwärts in dem schönen jungen Weltteil Amerika, so finden Sie es. Die Mittagsländer bieten die üppigste Reichtumsfülle. Der Schöpfer hat über sie das Horn des Ueberflusses ausgeschüttet. Ueber ihren Triften und Höhen hängt der ewig leuchtende Himmel; in ihren Fluren wächst die ungeheure Palme neben dem Heer von duftenden Kräutern, die in der Luft auf Meilen in die Runde Wohlgeruch verbreiten. Der Mensch kämpft dort nicht dem Boden sein Leben ab; spielend gewinnt er ein fröhliches Dasein. In jenen lustigen Wäldern tummelt sich der bunten Vögel glänzendes Gefieder; stattliche Herden, und der kräftigen Wildrosse flüchtige Geschwader beleben die Landschaft, die an jedem Morgen in neuem tausendfältigen Reiz aufgeht, und in der dunkelsten Nacht nichts von ihrem Reiz verliert. Dort bewegt sich ein leidenschaftlich lebendiges Volk. Die Zimbeln rufen zum Tanz; die duftenden Büsche, vom Glühwurm erleuchtet, hallen den Jubel wider, und die Gitarre murmelt wie eine liebe Geisterstimme unter dem Fenster der angebeteten Dame.«

»Das klingt ja schön!« flüsterte Justine froh bewegt, »o sagt, gehört das schöne Land auch Euerm Könige?«

»Mein König,« versetzte schmerzhaft der Jüngling, »besitzt kein Land, als seine himmlische Heimat, die ihm kein Usurpator rauben kann. Der Krone England gehören jedoch jene Länder auch nicht. Dort herrscht Spanien und der Papst.«

»Gott steh uns bei!« rief unwillkürlich Justine aus. Da sie jedoch bemerkte, daß James sie fragend ansah, fühlte sie Beschämung, und setzte bei: »Bin ich nicht ein närrisches Kind, und werdet Ihr mich nicht auslachen, daß ich vor dem Papst erschrecke?«

»Ich weiß ja,« entgegnete James ruhig, »daß in England, so wie hie und da auf deutschem Boden die Amme schon dem Säugling den Namen des Papsttums neben der Verdammnis nennt. Mich wundert das eingesogene Vorurteil nicht, ob es mich gleich schmerzt, es in einer Seele, so schöner Anlagen und Keime voll, wie die Ihrige, zu entdecken. Lassen Sie unserm Parlamente seine Barbarei gegen Irland, dem fanatischen Calvin seine Scheiterhaufen: dem Weibe sei Duldung ein bekannter, wohlaufgenommener Gast.«

Das Mädchen sah den Lehrer mit großen Augen an; äußerte jedoch alsdann: »Wahr, mein Herr; sehr wahr. Ohnehin kann ich nur urteilen, wie der Blinde von der Farbe. Ich habe noch nie einen Katholiken gekannt, noch nie den römischen Gottesdienst gesehen.«

»Dann sahen Sie das Schönste nicht, was jemals der menschliche Geist ersann, seine Anbetung des Allerhöchsten glänzend und würdig an den Tag zu legen,« rief James, wie begeistert, »das geheimnisvollste, und doch zu den Sinnen ernst und schmeichelnd sprechende Schauspiel! O! wer rühmte sich wohl, je gewußt zu haben, was Gebet ist, der nicht dem römischen Kultus einmal beigewohnt? Diesem erhabenen Opfer, das ein so heiliges Band um alle Gemüter webt! Das ist der Tempeldienst für fühlende Menschen, für Seelen, die sich begeistert an die Flügel der Gottheit hängen wollen; der Dienst, den der heitere Süden gebar, und das Land, in dem der Herr sichtbar wandelte. In unserm traurigen Norden, wo das Herz kalt und unfruchtbar ist, wie der harte Boden, wo der Alltagsverstand grübelt, statt zu glauben, ist alles anders, und in der eisigen Form versteinert endlich auch der Geist.«

»Ich wundre mich, daß ein englischer Protestant der feindlichen Kirche so glänzend Gerechtigkeit widerfahren lassen mag,« versetzte Justine, als James schwieg, »unsre Prediger schildern sie ganz anders. Indessen ist etwas Wahres an Euern Empfindungen und Meinungen. Das fühle ich wohl. Aufrichtig gesagt: die Perücke unsers Pfarrers hat mir nie besser, nie schlechter gefallen als seine Predigt, und die schnarrenden und schluchzenden Stimmen meiner Kirchennachbarinnen machen allezeit das Lied zu einem possierlichen, nicht ehrwürdigen Ohrenschmaus. Wir haben indessen schon allzulang von Babylon gesprochen, mein guter Monsieur, und die Mutter nimmt sich eben vor, zu erwachen.«

Die Unterredung, die einen so wunderlichen Umschwung genommen hatte, fand ihr Ende, aber in Justinens Ohren setzte sie sich leise fort, und das Mädchen konnte sich nicht erwehren, dann und wann Betrachtungen über den Gegenstand anzustellen. Wohl hatte sie hin und wieder von den geweihten Flammen, den prächtigen Gewändern einer Messe gehört; von der herrlichen Musik, den duftenden Weihrauchwolken, den Blumengefäßen und heitern Panieren ...; allein, teils war immer in ihrem Kreise nur mißbilligend und verdammend von diesen Dingen die Rede gewesen, teils waren diese angedeuteten Bilder zu verworren, um sich in einem Rahmen vor der Seele zusammenfügen zu können. Durch James' feurige Rede waren die seltsamen Vorstellungen wieder erwacht. Hielt sie mit ihnen die finstre Johanniskirche zusammen, mit dem schmucklosen Altar, der einfachen gotischen Kanzel, und dem zufällig eintönigen näselnden Vortrag des Predigers, so mußten letztere verlieren. Ihr lebhaftes, fröhliches Gemüt haschte nach dem fröhlichern Eindruck, und, sann sie oberflächlich über den Kern der unfreundlichen Schale nach, so waren eben jene geschmacklosen Kanzelreden, und das geistlose Plappergebet, das ihre Mutter alle Abende ableierte, nicht geeignet, sie in dem unbedingten Vertrauen zu ihrer Lehre zu stärken.

In dem Geschäftslokale des Hauses ging indessen alles einen gedrängten, unheimlichen, leisen Gang. Von Mäklern und Unterläufern wurde es nicht leer. Aufgebrachte, drohende Gläubiger und Bürgen gingen oft aus dem Hause; lauernde Juden, Leute die sonst nimmer in des Senators Schreibstube gesehen worden, gingen häufig hinein, und einer gab dem andern die Türe in die Hand. Warenvorräte wurden schnell losgeschlagen, um Spottpreise weggegeben; kleinere Schuldposten an des Senators Firma mit Härte und Ungebühr von Nothhaft eingetrieben. Dürftige Geldlasten kamen ein, schwerere Ladungen gingen hinaus. Der Neid hatte auf den glücklichen Müssinger ein offnes Auge gehabt. Der Unglückliche wurde von tausend Augen belauert. Ein dumpfes Gerücht kam auf der Börse aus: der Senator stehe schlecht, sein Haus würde fallen. Viele Geschäftsfreunde zogen sich plötzlich aus allen Verhältnissen mit ihm; andere, die nicht so schnell sich losmachen konnten, führten drohende Reden in der Blume; die wenigsten warnten den Senator; keiner bot ihm die Freundeshand. Müssinger hatte Mühe und Plage, unter diesen beunruhigenden Vorzeichen sein unbefangenes Gesicht zu bewahren, und das vornehme Uebersehen, das er sich angewöhnt hatte. Indessen wünschte sein Herz ungeduldig den Buchhalter herbei, und viele Augen warteten auf dessen Rückkehr. Es hieß, von Amsterdam aus werde die Entwicklung kommen; ob nun der erfrischende Ostwind, oder der niederwerfende Sturm.

Endlich kam in der Nacht der Buchhalter wieder an; mit Eilpferden, wie er verreist war. Der Senator wurde geweckt, und stieg zu dem Harrenden in das Kabinett hinunter. Bei stiller Lampe und fest verriegelter Türe wurde die Unterhandlung gepflogen, bis das Morgenrot zu den Oeffnungen der Fensterladen hereinsah, und die Gassen belebt wurden. Da trat der Senator allein aus seinem Hause, und schlug den Weg zum Kaufhause ein. Sein Anzug war in einer Unordnung, wie er ihn noch nie auf der Straße gezeigt hatte; unverändert so, wie er ihn um die Mitternachtsstunde umgeworfen hatte; die Schuhe niedergetreten, die Strümpfe hängend, die Halsbinde locker, und das Haar zerrüttet. Doch war sein Schritt so hastig, daß er wie im Fluge an den Leuten vorbeischoß, die mit Lebensmitteln zur Stadt kamen. Am Krahnenhause war alles noch still und einsam. Einzelne Schiffer lungerten am Gestade, oder wälzten sich auf dem Verdeck ihrer Fahrzeuge. Der Senator hielt sich nicht bei den Grüßenden auf, sondern lief immer stromabwärts, bis er die letzten Gebäude und Schuppen der Kais und der Stadt hinter sich hatte, und zu der Kastanienallee gelangte, welche, auf eine Viertelmeile sich erstreckend, neben dem Flusse hinlief, zum Spaziergange der Städter dienend. Steinbänke waren zwischen den Bäumen angebracht, und eine mäßig hohe Brustwehr von Eisengitter schloß den Platz gegen den Strom zu, der reißend und tief unter der Balustrade vorüber tobte. Dieser Ort war, der Kühlung wegen, im hohen Sommer stark besucht; jedoch meistens nur in den Abendstunden; denn die Aurora verträumen die Müßigen gerne, und ihren Genuß im Freien verschmähen die Arbeitsamen. So kam es denn, daß auch am heutigen Tage nur ein einziger Mann auf der Promenade saß, halb von einem mächtigen Stamme verdeckt, dessen Farbe von dem grauen Oberrocke des Mannes wenig abstach. Eine Druckschrift lag auf den Knieen des Einsamen, allein die Aufmerksamkeit, die er auf dieselbe verwendete, hinderte ihn nicht, den Senator zu gewahren, der herbeieilte, ohne etwas vor sich zu sehen, als das Ziel seiner Wünsche; der, einige Schritte von dem Lesenden entfernt, schnell wie der Blitz den Stock wegwarf, mit einem Satze auf dem Geländer saß, und sich im folgenden Moment in den Fluß gestürzt haben würde, hätte ihn nicht der herzugekommene Fremde kräftig bei den Schultern gefaßt, und ihn zurückgezogen.

Der Versuch eines feigen Selbstmords duldet keine Zeugen. Der Mann, der, einem großen Zwecke zu genügen, das Leben wegwirft, wird in seiner Begeisterung den Arm zurückstoßen, der ihn hindern will. Der Schwärmer, der Wahnsinnige, der gegen sich den Dolch zückt, wird auf kurze Zeit die Raserei eines Tieres gegen denjenigen wenden, der ihm die Waffe entreißt; der Schwächling aber, oder der Mensch, der einem falschen Ehrgefühl, seinem Hochmut, sich zum Opfer schlachten will, verliert alle Herzhaftigkeit, sieht er sich ertappt; denn er ging auf einen Frevel aus. Ohnmächtig läßt er den Vorsatz fahren, und die bitterste Beschämung vergilt den kurzen Rausch eines erzwungenen Heroismus.

Der Senator lag mit geschlossenen Augen und hochatmender Brust in den Armen des unbekannten Helfers, und ließ sich von ihm, ohne das mindeste Widerstreben zu äußern, nach der nächsten Bank geleiten. Hier hielt er sich an den Baum, und schlug beide Hände vors Gesicht. Nach einem kurzen Stillschweigen sagte der andre mit sanfter und wohlklingender Stimme: »Sie wollten ein voreilig Werk tun, lieber Mann, aber Gott hat anderes mit Ihnen im Sinne. Beruhigen Sie sich daher; vergessen Sie, daß der Teufel Sie in Versuchung führte, und gehen Sie wieder mutvoll an die Geschäfte, die Ihnen obliegen.«

Der Senator zuckte zusammen, schlug die Augen wild auf, und erwiderte dem Manne, in dessen ernstem Gesichte ein erfreuliches Mitgefühl zu lesen war, mit gepreßter Stimme: »Warum haben Sie mich zurückgehalten, Herr? Jetzt wäre alles vorbei, und meine Ehre nicht doppelt verloren, wie es geschehen wird, wenn man in der Stadt erfährt, was ich versucht habe.«

»Bekümmert Sie das allein?« fragte der Nachbar tröstend, »beruhigen Sie sich, wiederhole ich Ihnen. Ich bin ein verschwiegener Mann, verpflichtet zur Bewahrung der Geheimnisse, die man mir anvertraut, und werde niemals Ihren Frieden oder den Ihrer Familie durch eine Unbescheidenheit stören.«

Der Senator sah sich scheu um. »Wahr ist's,« sagte er hierauf, »wir sind die einzigen Anwesenden an diesem Orte. Wenn Sie daher schweigen wollten ... Kennen Sie mich?«

»Ich könnte es verneinen, um Sie zu täuschen,« erwiderte der andere, »allein ich hasse den unschuldigsten Winkelzug. Sie sind mir bekannt, Herr Senator; aber wie gesagt, schon mein Stand schützt Sie vor einer möglichen Indiskretion.

»Darf ich fragen ...?« sagte Müssinger, ihm gespannt ins Auge blickend.

»Ich nenne mich Leupold, bin Doktor beider Rechte, und habe seit manchen Jahren als Sachwalter bei verschiedenen Gerichten fungiert. Ich verstehe mich aufs Schweigen; um so mehr, als es hier den Ruf eines Mannes gilt, dessen Haus mein guter Pflegesohn zu besuchen berufen worden ist.«

»Ich entsinne mich,« entgegnete der Senator, nicht unangenehm überrascht, den neuen Bekannten durch ein gewisses Band des Vertrauens an sich gefesselt zu sehen, »wären andre Umstände vorhanden, ich würde mich Ihrer Bekanntschaft freuen, Herr Doktor. Vergeben Sie mir daher, wenn ich nicht bin, wie ich sein sollte.«

»Solche Revolutionen gehen nicht leicht ab. Gehen Sie nach Hause, Herr Senator. Ein niederschlagendes Pulver und Ruhe werden Ihre Besonnenheit am besten wieder herstellen.«

»Nach Hause? Wo denken Sie hin? Nach Hause, wo ich der Schande entgegen sehe? Sie haben mich verhindert, im Flusse mein Ende zu suchen. Lassen Sie mich wenigstens so weit fliehen, als mich meine Füße tragen. Ich bin ein zugrunde gerichteter Mann. Ich kann den Spott der Feinde und die Vorwürfe der Meinen nicht ertragen. Ich will fort, über See!«

Er stand rasch auf, um in dem verstörten Zustande, in dem er sich befand, in die Welt zu laufen. Der Doktor hielt ihn zurück. »Bedenken Sie, was Sie tun!« sagte er, »ich kenne nicht Ihr Leid, nicht Ihre Verhältnisse. Aber die Lage Ihrer Angehörigen wird zehnfach schlimmer, wenn Sie diesen Schritt tun, und Ihnen folgt die Schande zehnfach. Ich habe viel erfahren in der Welt. Das Schicksal hat uns auf eine so seltene Weise zusammengeführt, daß ich mir fast die Freiheit nehmen möchte, mir ein Recht auf Ihr Vertrauen anzumaßen. Daher ...«

»Ist es denn der Mühe wert, Ihnen ein Geheimnis aus dem zu machen, was binnen drei Tagen die ganze Stadt wissen wird, wissen muß? Herr! mein Geschäft bricht zusammen. Der Ultimo kommt heran, ich kann nicht zahlen. Ein unbarmherziger Gläubiger, der jede Verlängerung ausschlug, kommt übermorgen selbst hier an, um mich zu verderben. Kaum vermochte mein Agent mir davon früher Kunde zu bringen. Ich kann ihn nicht befriedigen, nicht den sechsten Teil seiner Wechselforderung schaffen. Alle Quellen sind erschöpft; meine Bücher weisen eine geldleere Wüste auf. Der Senat stößt den Bankrottier aus, und meine Familie ins Elend. Da, da wissen Sie alles, was ein Kaufmann sonst nur im letzten Augenblick gesteht. Ermessen Sie meine Lage, und posaunen Sie dieselbe aus, oder schweigen Sie. Mir ist alles gleichviel. Lassen Sie mich aber fort –«

»Wollen Sie ins Verderben rennen, und auf Glück, auf Gott, und Ihre eigne Männlichkeit nicht vertrauen – gehen Sie hin!« sprach mit abstoßendem Tone der Doktor, und wendete sich mißmutig von dem Verzagenden. Dieser kurze Bescheid brachte indessen den Senator wieder zu sich. Wir sind häufig in mißlichen Lagen, wie die Kinder, klagen und jammern immer mehr je größere Mitklage wir erwecken, und schweigen plötzlich gefaßt, wenn unser »Zeter« keinen Eindruck mehr macht. Der Senator sah sich betroffen nach seinem neuen Freunde um. Sein Fuß wurzelte. Er legte seine Hand auf des grauen Mannes Schulter, und fragte nach geraumem Schweigen: »Was sagten Sie da? Wem soll ich vertrauen? Gott? Guter Herr, ich bin kein Pietist, und nicht von heute. Lassen wir das. Dem Glück? Ich habe mich lange dabei wohl befunden, allein, wenn eine Stütze bricht, halten auch die andern nicht lange mehr. Meiner Männlichkeit? Wie meinen Sie das?« »Der Wille des Menschen vermag viel,« antwortete der Doktor, »in ihm liegt der Beistand des Höchsten; er regiert das Glück; glauben Sie mir das. Das Leben ist nun einmal ein Kampf, diese Welt der Fechtplatz. Wer sich am rüstigsten durchschlägt, gelangt sicher zum Ziel. Uebelverstandenes Ehrgefühl, schlecht ausgelegte Moral sogar, kann den besten Kämpfer entwaffnen, und zum Spott seiner Gegner machen. Man behaupte die Bahn, in welche man geworfen ist, und träume sich nicht in eine andere. Man zittre nicht vor der Gefahr, man trete ihr auf den Nacken.«

»Ich verstehe Sie nicht,« äußerte der Senator, und ließ sich horchend neben den Doktor nieder, »ich bin fünfzig Jahre alt geworden, und wenn ich gleich schon ähnliches, wie Sie mir da predigen, gefühlt habe, gesagt hat mir es noch niemand.«

»Sie haben nur die Handelswelt kennen gelernt,« versetzte achselzuckend der Doktor. »Ein Beispiel wird Sie jedoch überzeugen. Sehen Sie hier einen Traktat über die Seeschlacht bei la Hogue, wo Admiral Russel die französische Flotte vernichtet hat. Diese Schlacht war eine der außerordentlichsten Begebenheiten der Zeit, und herbeigeführt und gewonnen unter den widerstrebendsten Konjunkturen. Nicht Wind, nicht Wetter, nicht das eiserne Joch der Verantwortlichkeit achtend, wurde geschlagen, wurde gesiegt. Aus dem gefürchteten Verderben trat glänzend der Sieg hervor. So viel vermag der Wille und die dadurch aufgeregte Kraft des Menschen. Und – merken Sie sich das genau: im bürgerlichen Leben, wie im Schlachtandrang gilt der Satz: Hilf dir selbst, und Gott ist mit dir. Stoße den vom Brett, der dich hinunterstoßen will, oder ergib dich verzagt in das verdiente Geschick.« – »Ich staune über Ihre Reden, gelehrter Herr,« sagte der Senator, obschon aufgerichteter als zuvor, »wie aber soll ich sie in praxi anwenden? Dunkel bleiben mir Ihre Worte, oder machen mich zittern, sollte ich sie verstehen.« Der Doktor lächelte. »Träumen Sie ja nicht von Gespenstern,« erwiderte er halb im Scherze, »ich schreibe nur sanfte Mittel vor, Sie führen ja nicht das Bajonett, nicht den Kommandostab. Nur so viel in kurzem: Geben Sie nicht feig alles verloren. Von Stunde zu Stunde wechselt das Glück seine Häuser, und schüttet vielleicht in den nächsten den goldenen Regen durch Ihren Schornstein. Verlarven Sie nicht. Spricht das Unglück von Ihrer Stirne, so finden Sie keinen Freund mehr, während der Schein der Zuversicht Ihnen vielleicht in der letzten Minute den tätigsten wirbt. Waffnen Sie sich wider den Gegner, der sich naht; nicht mit Messer und trotziger Schmähung, sondern mit dem glatten, überredenden Worte, und der vielversprechenden Stirne. Freundlichkeit bezwingt den festesten Vorsatz. Jeder Mensch hat den verwundbaren Fleck. Jeder Mensch ist eitel. Suchen Sie die Ferse des Achilles. Schmeicheln Sie seiner Eitelkeit. Der günstige Augenblick einmal benützt, und die Wechsel werden prolongiert, die Frist ist gewonnen, mit ihr die Hoffnung, und in der Hoffnung liegen ja alle unsere Reiche. Was möglich ist, kann auch wahr werden, und das Mißgeschick macht immer wieder der Fortuna Platz. Hören Sie nie auf, auf sich zu zählen, und auf meine Verschwiegenheit.«


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