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Von der Franckfurter Juden und anderer Juden Sabbath-Feyer

Das Wort Sabbach, oder wie es die Juden aussprechen Schabbes, ist dem Ursprung nach ein Hebräisches Wort, שבת und שבתון heist Ruhe, Ablassung; weil Gott am siebenden Tag שָׁבַת geruhet hat, wird also der siebende Tag der Woche Sabbath genennet, so der Ruhe des Leibes und der Seelen von Gott bestimmet worden. Darnach ist auch das siebende Jahr bey den Juden ein Sabbath- oder Ruhe-Jahr gewesen, das ewige Leben selber wird wegen der süssen Himmelsruhe ein Sabbath genennet, ja die gantze Woche und alle Tage derselben heißen σάββατον, ein Sabbath.

Wegen der Einsetzung des Sabbaths halten die Juden dafür, daß selbiger erstlich den fünfften Tag nach ihrem Ausgang aus Egypten, da sie in Mara sich gelagert, kurtz vor Gebung des Gesetzes, und zwar denen Juden allein, seye eingesetzt worden, daß aber schon bei der Schöpfung des Sabbaths und dessen Heiligung gedacht werde, geschehe per πρόληψιν oder Vorher-Meldung, daß also nach ihrer Meinung vor solcher Zeit die Alt-Vätter keinen Sabbath (ohne den Abraham, den sie außnehmen) gefeyeret hätten ... Nachdem aber Gott die Juden aus der schweren Dienstbahrkeit und harten Arbeit Egyptens erlöset und sie in Freyheit und Ruhe gesetzet, hat er den alten Sabbath erneuert und dem Israelitischen Volck insonderheit dieses noch anbefohlen, daß sie sich am Sabbath aller leiblichen Arbeit sollen enthalten, auch ihre Knechte, Mägde und Viehe ruhen, wie dann Gott selber diese sonderbare Wohlthat und Ursach denen Israeliten fürhält: ›Am siebenden Tag ist der Sabbath des Herrn deines Gottes, da solt du kein Arbeit thun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Ochse, noch dein Esel, noch alle dein Vieh, noch der Frembdling, der in deinen Thoren ist, auff daß dein Knecht und deine Magd ruhe, gleich wie du, denn du solt gedencken, daß du auch Knecht in Egyptenland warest und der Herr dein Gott dich von dannen außgeführet hat, mit einer mächtigen Hand und außgerecktem Arm. Darum hat dir der Herr dein Gott gebotten, daß du den Sabbath-Tag halten solt; wer eine Arbeit am Sabbath thut, soll des Todes sterben‹.

... Da ich die Ehre hatte, des Königl. Dänischen Präsidenten zu Altona, Ihro Excellentz des Herrn von Jessen seel. Söhne in meiner Information zu haben, trug sichs zu, daß eines seiner Pferde vernagelt, er aber doch in hochwichtigen Köngl. Affairen sich nach Hamburg zu begeben gemüssiget ward, als ließ er einem Bekandten Portugiesischen Juden, Abenzur, um seine Pferde ansprechen, der sich aber höflich excusirte, weil es Sabbath konte er nicht willfahren, weil seine Pferde nach Gottes Gebot ruhen müsten, da sonsten dieselbige und all sein Vermögen seiner Excellentz zu Diensten stünden; wollte also lieber die Ungnade dieses grossen Ministri über sich nehmen, als Gottes Befehl, in Violirung seines Sabbaths übertreten. Ich bin versichert, so man dem ärmsten Lauß- und Bettel-Juden würde tausend Duplonen am Schabbes zu verdienen geben, er würde nimmermehr zu einem Werck oder Handel, solche zu gewinnen, sich bewegen lassen.

Die Speise bereiten die Juden Freytags vorhero, müssen also mehrentheils, wo Christen ihnen nicht zur Hand gehen, mit kalter Küche vorlieb nehmen, allhier haben sie öffentliche Backöfen, vormahls ehe die Gasse verbrandt, warens zwey, hinter der Synagog, jetzo haben sie beten vier oder fünff überauß groß unb bequem auff ihren vorigen Juden-Bleich-Garten erbauet, darinnen sie nicht nur gegen Ostern ihre Mazzer-Kuchen backen, sondern auch alle Freytag ihre Töpffe und Pfannen, so mit Hebräischen Buchstaben gezeichnet hineinschieben, daß die Speise darin gahr werde und warm bleibe, welche sie den Sabbath herausnehmen.

 

Gleich wie, wann ein grosser Herr einem die Ehre will erzeigen und ihm in seinem Hause eine Visite geben, alles im Hauß, auch Herr und Frau selbst, beschäftiget sind mit zurüsten auff seine Ankunfft, alfo auch wird auff die Ankunfft des Sabbaths sehr embsig zugerüstet. Auch die allerfürnehmsten Juden achten für eine Schuldigkeit, am Freytag Nachmittag mit ihrer Hand-Arbeit den heran nahenden Schabbas selbsten zu beehren, und also wie in der Gemora Schabbas zu lesen, satzte sich der gewaltige Rabbi Avhu des Freytags auff einen Helffenbeinen Stul gegen das Feuer und bließ es auff; Rabbi Safta reinigte einen Kalbs-Kopf; Rabba saltzte die Fische; Raf Huna zündete die Lichter an; Raf Papa machte die Zocken in die Lampen; Raf Chisda las Kohl; Rabba und Raf Joseph hackten Holtz; Rabbi Syua legte kleine Spähne ins Feuer; Raf Nachman trug herzu, was man bedurffte. Wagenseil schreibt von den Weibern: ›Am Freytag kehren einige fürnehme unter den selbigen die Synagog auffs reinlichste auß, welches Ehren-Ampt das Jahr über zu verrichten, sie die Freyheit mit Geld erkauffen müssen. Sie zünden, wann der Schabbas gleich angehen soll, ihre grose messinge Lampen an und bereiten alles, was nothig, sie richten die Speisen zu, schaffen Wasser zur Hand, reinigen das Geschirr, decken den Tisch, und setzen schöne Geschirr darauff, wann es kalt, legen sie das Holtz in dem Ofen in Ordnung, daß es bald brenne. Ihre Verheißung davor ist diese: ›Ihr Frauen zündet an die Licht gar fein / Und auff die Zeit habt gut Achtung allein / Das werdet ihr geniesen gar geschwind / Wann ihr werdet gehen mit eim Kind / Wann ihr gute Küchlein thut Bachen / Werdet ihr in Kindes-Nöthen lachen‹.

So religiöß sonsten die Juden in vielen Kleinigkeiten sind, so frey und irrig sind sie wiederumb, daß sie die gröste Sabbath-Feyer nicht allein in den Gottesdienst, sondern auch in leiblicher Wöllust und Zärtlichkeit des Leibes setzen; sie schlaffen des Schabbes länger als sonsten und gehen so früh nicht zur Synagog, Ehleute bedienen sich der Liebe, halten daher auch Hochzeit auf selbigen. Dann muss jeder Jud, Gott dem Allmächtigen zu Ehren, dreymahl den Schabbes über, als Freytags Abends, Sonnabends Mittags und Abends Mahlzeit halten, dann es heisst, ein שבת ענג Sabbath der Wollust ...

Daß die Juden am Sabbach alles, was zur Leibs- und Gemüths-Ergetzung gereichen kan, Gott und dem Sabbath zu Ehren, geniesen, ist ein מצוה grosses verdienstliches Werck; es wird im Sepher Hajirah ihnen also fürgeschrieben:

Gegen den Schabbas solst seyn bereit / Und solst lassen all dein Arbeit. Selbst zum Schabbas rüst ist gar recht / Ob du schon hast viel Mägd und Knecht / Gegen all Gebott ist der Schabbas gleich / Sep wohlgemuth und gedenck du seyst reich / reine Kleider trag und schön Gewant / Dann der Schabbas ist ein Braut genant / Gegen den Schabbas kauff ein das Best / Und alle sein Gebott halt fest / Hungrig gegen den Schabas solst seyn / hab Fleisch und Fisch und guten Wein. Dein Bett solst du recht thun schlichten / dein Tisch auch sein ordentlich richten. Dein Haupt solst du sauber zwagen / und keinerley bey dir tragen. Dein Messer solst du recht thun schleiften I Und die Speise recht angreiffen / Schneid ab deine Nägel, wirff sie ins Feuer / Wein zum Seegen soll dir nicht seyn zu theuer. Dein Händ und Füß solen seyn gar rein / dann diß Gebott ist gewiß nicht klein. Auch solst du haben guten Muth / Brauch alles, was dem Leib sanfft thut. Und solst gantz frisch und frölich seyn / als wären geschehen all Wercke dein. Thu hinweg allen Kummer und Leyd / Tisch und Bänck sollen seyn bereit. Weiß und schön thu ihn außschmücken / den Braten vom Feuer solst rücken. All Trinck-Geschirr sauber schwencken / an keinen Schaden nicht gedencken. Kauff das Best, als du kanst finden / freu dich mit deim Weib und Kinden. Mit gerichten Tisch drey Mahlzeit mach / rede nichts dann, nur ein lustig Sach.

Gott zu Ehren muss der Jud den besten Wein oder Tranck, als er haben und bezahlen kan, und die niedlichste Speisen, so zu bekommen, einkauffen, und es lieber die gantze Woche mit Hungerleiden erspahren auf den Schabbes ... Sonsten sind die Juden am Sabbath recht guter Dinge, gehen spazieren, singen und hüpfen ... Sonderlich müssen sie sich um gute Fische bekümmern. Die Juden halten durchgehends viel von Fischen, welche ihnen zu essen erlaubt sind; die armen Juden begnügen sich mit Häringen und geringen Fischen, die reiche aber sparen da keine Kosten. Allein, wann die Zeiten, wie ohnedem unser Mayn der fischreichsten Wasser keines ist, und wegen der Papisten, sonderlich zur Fasten-Zeit, die Fische rar sind und theuer, oder die Fischer mit dem Preiß zu hoch hinaus wollen, so machen der Juden Vorsteher die Verordnung, daß nicht alle Juden auff den Freytag dürffen Fisch kauffen, sondern diesen Freytag die eine Seite der Gasse, den andern Freytag die auf der anderen Seite wohnende Juden, zu Zeiten auch nur der vierdte Theil der Juden, damit man sie wegen der vielen Käuffer, mit dem Preiß der Fische nicht zu hoch steigere. Unter anderen Sabbats-Tractamenten essen die Juden an allen Orten am Sabbath eine Pastete, einen Fladen oder Kuchen, welches geschicht zum Gedächtniß des Manna, denn sie sprechen, es sey zum ersten in der Wüsten ein Reiff gefallen, darnach das Manna drauff, und wieder auff das Manna ein Reiff, alfo sey auch diese Pastete gemacht, nemlich unten ein dünner Teig, in der Mitten die Fülle (das sie drein thun) und oben ein Teiglein, das soll also dem Manna gleich seyn.

Die Juden glauben alle festiglich, daß sie bey angehendem Sabbath noch eine Seele bekommen, und also den Sabbath zwey Seelen haben, die Schabbes-Seele aber gehet mit dem Ausgang des Sabbaths wieder von ihnen.

Wann nun der Sabath fast des Freytags Abends will angehen, so gehen Männer und Weiber zuvor in die Synagoge, als dann treten ihrer vier auff den Almemor oder viereckigten erhabenen Ort, nemlich ein Chassan oder Vorsänger und drey andere, deren einer den Baß darunter singet, haben ein Lied, das sie קבלת שבת Kabboles Schabbes, die Empfangung oder Bewillkommnung des Sabbaths nennen, darin sie den Schabbes als eine Braut bewillkommen,fangt an לכה דודי לקראת כלה Komm mein Freund der Braut entgegen etc., welches sie überauß lang ziehen, und in einer recht lustigen Melodie singen, daß es gar wohl anzuhören ist ...

Kommen sie dann aus der Schulen, machen die Weiber die Schabbes-Lampen zurecht und zünden die selbige an, die Männer ziehen unterdessen ihre gute Kleider an und rüsten sich zur Schul zu gehen; die Lampen sind von Messing, haben vier sechs auch acht Schnautzen und Dochte. Die Weiber aber müssen solche anzünden, weil das Weib durch den Sündenfall verursachet, daß die Sonne so hell nicht mehr scheinet, so muß sie nun dem Schabbes wider ein Licht geben, dan auch weil die Weiber mehr zu Hauß als die Männer, und dahero die Anzündung der Lampen besser beobachten können. Auch die ärmste Juden müssen solche Schabbes-Lampen haben, und lieber hungern, daß sie nur etwas zum Oehl kauffen ersparen mögen; ist auch jedes Oehl darzu tüchtig. Des R. Chanina Tochter war bey eingetretenen Sabbath einsten gar traurig, und da sie der Vatter nach der Ursach fragte, sprach sie: ich habe unversehens an statt des Oehls den Essig-Krug genommen und Essig an die Lampe geschüttet. Da habe sie der Vatter getröstet: Meine Tochter, der so dem Oehl die Krafft zu brennen gegeben, kan verschaffen, daß auch der Essig brenne; und sol die Lampe von Essig den ganzen Schabbes über sehr hell gebrennet haben.

Am Sonnabend oder Sabbath wird das Sepher Thorah oder Gesetz-Buch mit grosser Solennität aus der Oren oder Schranck gelanget und gelesen, wie auch auf ihre Festtagen und in der Woche alle Montag und Donnerstag, weil sie glauben, Moses sey an einem Donnerstag hinauff zu Gott auff den Berg Horeb gestiegen, die Gesetz-Tafeln zu empfangen, und auff einen Montag mit selbigen wieder zurück herunter kommen. Am Montag und Donnerstag werden nur drey beruffen im Gesetze öffentlich zu lesen, der erste bedeutet die zehn Gebot, der andere die Propheten, der dritte den Talmud; der erste muss ein Cohen oder Priester seyn, der zweyte Levi, der dritte ein gemeiner Israelit, aber am Schabbes, da alles viel feyerlicher hergehet, müssen sieben lesen, wegen der sieben Tage der Wochen. Die Parascha oder Sabbath-Text aus Mose ist dahero in sieben sectiones oder Theile gerichtet. Wann der Sabbath nun zu Ende gehet, so geschiehet die Hasboleh oder Absonderung des Sabbaths von der Woche oder gemeinen Tagen, da sie Gott für die Sabbaths-Feyer dancken. Es gehet aber also zu, es wird ein überauß groses Wachs-Licht angezündet und ein Gefäß oder Büchsgen, gemeiniglich von Silber, mit köstlichen Gewürtzen angefüllet, und ein Becher mit Wein (oder auch Bier, wo der Wein theuer ist), den nimmt der Hauß-Vater in seinem Hauß, oder der Rabbi in der Schul, in seine Hand, segnet ihn und schüttet ein wenig auff die Erde, rüchet am Gewürtze und last auch andere daran rüchen, beschauet seine Nägel genau, trinckt ein wenig Wein und läßt andere auch aus dem Becher trincken; sobald dieses geschehen, darff man arbeiten. Und da die Juden bey deß Sabbaths Antritt zum Gruß einander einen guten Schabbes gewünschet, so wünschen sie beym Ausgang einander eine gute Woche.


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