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Der Jettatore

1

Das war des Teufels!

Es war vorüber, und am Fenster stand ich, mir selber entnommen wie nie. Von San Giorgio Maggiore gegenüber schlug es Mitternacht. San Giorgio war nicht zu sehn; von ganz Venedig nichts verblieben als übler Gestank. Zudem ist Winter. Keine Fremden, kein Verdienst, es ist Nacht, der Venediger schläft. Auf San Giorgio ein rötliches Licht, und weiter rechtshin Lichter, vereinzelt: die Giudecca. Wann sah ich je nach Lichtern in der Nacht? Im Dunkel irgendwo glänzte die Wasserfläche des Markuskanals. Ein Gefühl unsäglicher Öde. Schwarz glänzte unter meinen Fenstern die Riva degli Schiavoni im Licht der wenigen Laternen; einen Augenblick stand schwarz, von jenseit beleuchtet, weit rechts der Schatten des Denkmals, dann erlosch mit einem Schlage dahinter der Lichtschein, und dort war nur noch dicke Nacht. Über die Riva kam ein Mann mit einer Stange, ging zur übernächsten Laterne und drehte sie aus. Seltsam zu sehn, wie ein Einsamer durch die Stadt geht und die Nacht austeilt mit einem Griff überall.

Meine Seele bekam einen Stoß. Die Seele, nicht das Herz. Jetzt erst fange ich an, es zu merken. Ich bin unerschrocken. Aber in uns ist Stoff aus Jenseits, das ist die Seele, die trafs. Das seelische Mark, es zog sich weich zusammen, so fühlt ich erst nichts; fühle jetzt erst – da es sich wieder ausdehnt –, daß der Stoß traf.

Ich pflege mir nichts zu verheimlichen. Woran dachte ich noch vor Minuten am Fenster?

In der Galerie des Dogenpalastes sind die neunte und zehnte Säule rot. Zwischen ihnen wurden die Todesurteile kundgemacht. Heute morgen, als wir über die Piazzetta gingen, sagte mirs die Annunziata und fügte, auf die Arkade darunter deutend, hinzu: Zwischen den beiden Säulen unter den roten dürfen Sie nicht hindurchgehn. – Warum? – Man tut es nicht. – Am Abend kam ich allein vorüber, die Piazzetta war leer, es regnete in Strömen. Da stellte ich mich zwischen jene Säulen, lehnte lange an der einen, und wenn ich mich nicht in völliger Behaglichkeit fühlte, so lags am Regen und der Albernheit meines Tuns, die ich spürte.

Eben aber dachte ich wieder daran. Warum?

Bei meinem Dämon! ich merke, daß ich zaudere, zu schreiben, was ich schreiben will.

Vor einer Viertelstunde kam ich ins Hotel zurück Im alten Palazzo Dandolo an der Riva. Li.. Der Pförtner war so verschlafen, daß er vergaß, mir voran die elektrische Treppenbeleuchtung zu entzünden. Wie ich meinen Korridor betrete, ist es finster. Ich taste mich fluchend vorwärts und nach links hinüber, hake mit dem Fuß in den Läufer, stolpere und falle gegen eine Tür. Entzünde ein Streichholz, und das erste, was ich emporblickend im Lichtschein sehe, ist die 11 über der Tür meines Schlafzimmers. Ich trete ein.

Links die Tür zum Wohnzimmer steht halb offen. Dorther, vom Fußboden, kommt rötlicher Feuerschein, schwach, aus dem Kohlenbecken, mit dem sich die fünf Gäste im Hotel statt der Heizung begnügen müssen. Eben will ich nach der Lichtkurbel tasten, als ich merke, daß jemand im andern Zimmer ist. Sehe es nicht, spüre es aber. Und dann, näher zur Tür tretend, sehe ich auch etwas, nämlich im großen Pfeilerspiegel, der Tür gegenüber, irgend etwas von einem sitzenden Menschen, der mir den Rücken zudreht. Ich sehe in der dunklen Höhle des Spiegels eine Stuhllehne, Kopf und Rücken eines sitzenden Menschen, tief im Schatten, vom Feuerschein kaum noch erreicht. Sitzt ganz still da. Ich mache noch einen Schritt weiter und sehe, daß ich es selber bin, der dort sitzt.

Mir durchschlug es die Seele. Was? War ich verrückt? Wann hätte ich mich je von hinten im Stuhl sitzen sehn, daß ich mich jetzt wiedererkennen konnte?

Mit einem Schritt bin ich im Zimmer, drehe mich nach rechts. Der Mensch sitzt wirklich, den Rücken zu mir her, schräg zum Fenster, die Arme untergeschlagen, den Kopf etwas gesenkt, scheint zu schlafen.

Und das bin ich! Bei meinem Dämon, ich sah mich selbst!

Ich räuspere mich laut. Mir ist nicht wohl zumut, ich glaube mich sitzen zu sehn wie meine eigene Leiche.

Aber da verdrießt es mich doch. Ich trete hinter ihn, sehe noch meinen Schatten vom Feuer hinter mir groß über ihn geworfen, und lege ihm die Hände – alle beide, warum? – auf die Schultern.

Ein magnetischer Schlag – und im Augenblick springt er auf, so groß wie ich; steht noch abgewandt wie schlaftrunken; wendet sich langsam um und –

Ich bins.

Ich starre in mein Gesicht. Groß und breit wie meiner der Rumpf, darüber das Gesicht, dunkelhäutig, gelblich, schwarzhaarig wie ich, steht er vor mir, und meine weit auseinanderstehenden Augen glühen mich an.

»Was wünschen Sie?« frage ich wütend.

»Was wünschen Sie selber?« fragt er. Beim Satan, nein, dies Italienisch kam nicht aus meiner Kehle gegurgelt! Die Stimme war heiser.

»Sie befinden sich in meinem Zimmer«, versetze ich.

»Oder Sie sich in meinem.«

»Dies sind Nummer elf und zwölf.«

»Ich habe Nummer dreizehn«, sagt er.

Ich verliere nun die Geduld, gehe zur Flurtür, öffne, aber da ist die Nacht. Und so war ich dann doch in Verwirrung, daß ich, anstatt Licht zu machen, zurücktrete, die Kohlenpfanne ergreife und im Flur nach der Zimmernummer leuchte.

»Zwölf!« sagte ich kalt, trete ins Zimmer zurück und zur Seite, um ihn vorüberzulassen.

Er antwortet nicht mehr, und so sehe ich mich an mir vorübergehn, mit einer mir unbekannten Bewegung in den Schultern freilich, halb verlegen, halb hohnvoll, und so ist auch das schiefe Lächeln des Mundes in dem gesenkten Gesicht.

An der Tür bleibt er stehn, wendet sich halb, verbeugt sich und sagt auf deutsch:

»Auf Wiedersehn!«

»Auf Wiedersehn«, grüße ich kalt. Die Tür fällt hinter ihm zu. – – – – – – – – – – –

War es der Teufel?

Da stand ich mit meinem Kohlenbecken in der Faust. In mir war eine Art Brausen, das ich nicht kannte. Vor allem aber Haß. Ich haßte den Menschen, der mir ähnlich sah – weshalb?

Warum fiel ich ihm nicht um den Hals, wie einem Freund, einem Bruder?

Aber jeder haßt wohl das Allzuähnliche, denn er findet sich immer entstellt.

Ich machte nun Licht und trat vor den Spiegel. Was für ein Gefühl? Ein Gefühl der Verwunderung, daß ich noch da war? Nein! sondern: daß ich noch ein Spiegelbild hatte. Sicher, ich wäre nicht erstaunt gewesen, hätte ich den Spiegel leer gefunden.

Und dann prüfte ich mein Gesicht. Prüfte es, als ob ich dachte, es müsse sich verändert haben.

Dergleichen also dachte ich; keinen Pulsschlag lang aber erwog ich, ich könnte mich geirrt haben, die Ähnlichkeit übertrieben haben bei der düstern Beleuchtung. Ich war meiner Augen gewiß, meiner selbst. Ich legte die Hand auf die Brust und fühlte den Gang meines Herzens, langsam, gleichmäßig, wie immer.

Genug für diese Nacht. Ich werde ihn wiedersehn. Ich werde erfahren, was das zu bedeuten hat.

Aber eben, wie ich schon die Feder hinlegen will, fällt mir doch noch etwas ein.

Glich er mir wirklich ganz? War er nicht – plumper als ich? Diese schräge Bewegung im Fortgehn – ich hätte sie nie gemacht. Er drückte sich ja an mir vorüber! Diese Haltung, dies Lächeln – ja, sehe ich denn nun erst sein Gesicht, wie es wirklich war?

Wieder stand ich vor dem Spiegel. Jawohl, seine Züge waren die meinen auf ein Haar, aber etwas war daran, das – machte sie gemein.

Er ist häßlicher als ich, das ists, was ich weiß. –

Zum zweitenmal! Und schon sind wir uns näher.

Den ganzen Tag – sowenig ich mich in meinem Vorhaben beirren ließ – sah ich äußerlich oder innerlich nach ihm aus, von seinem Dasein belästigt und brennend, an ihn zu geraten.

Fast den ganzen Vormittag mit Gerhard Der Freund vom Herrn Baron, den er zu seinen Ausgrabungen in Mesopotamien begleitete. Li. in der Accademia. Nachmittags erst in der Privatsammlung des Marchese R., dann mit ihm und Gerhard bei Annunziata zum Tee; mittags bei Giacomuzzi. Von der Annunziata zum Umkleiden für die Oper ins Hotel zurück. Wieder herunterkommend, finde ich die Annunziata in der Halle unten. (Es scheint, sie kann schon keinen Augenblick ohne mich sein. Wollte mich in ihrer Gondel abholen; reizend! aber warum wartet sie nicht an der Anlegestelle? Bei Allah, wo befindet sich die Frau, die keine Kletten auf dem Kopf hat statt Haare!) Obgleich schon das Abenddunkel über Kanal und Riva steht, nur die Laternen etwas Licht verbreiten, und obgleich die ganze Riva zwischen uns liegt, ist er das erste, was ich sehe. Eine Gondel legt sich neben Annunziatens Gondel, er steigt aus, kommt die Stufen herauf und über die Riva uns entgegen. Wenn er geht, sieht es aus, als ob er meine Haltung nachahmt. Ich belaure, ohne die Augen von ihm abzuwenden, die Annunziata neben mir, ob sie die Ähnlichkeit nicht bemerkt, und sehe, daß ihre Augen an ihm haften. Er und ich, wir starren im Näherkommen uns ins Gesicht. Wir sind uns vorüber, und indem merke ich, wie Annunziata – Angst im Gesicht – an meiner Faust herumarbeitet und Zeige- und kleinen Finger herausbiegen will. Ich frage, was das bedeuten soll, und sie flüstert furchtsam: »Jettatore! Haben Sie ihn nicht gesehn? Den Großen, Schwarzen!«

Indem sind wir an der Treppe. Ihr Poppe streckt die Hand aus, um sie zu stützen, ich halte sie noch fest an der andern, lache und frage: »Warum Jettatore?« – »Die Augen, haben Sie nicht gesehn? Man kann es sehn an den Augen!« haucht sie, tritt, mich anblickend, anstatt vor sich nieder zu sehn, in die Gondel und – ratsch! sie tritt auf ihr Kleid, und aus dem Knie bricht, reizend zu sehn, durch den dünnen grauen Atlas des Kleidrocks ihre Kniescheibe, blutrot im seidenen Strumpf – welch eine Wunde! – Sie sinkt auf den Sitz und, statt zu schelten, seufzt sie auf. »Gott sei Dank, daß es nur das geworden ist!« sagt sie. – »Wie, der Jettatore ...?« So nennt der Italiener Menschen, denen er den »bösen Blick«, den Unglück bringenden Blick zuschreibt. Li.

Sie nickt seelenfroh, nimmt eine Spange aus dem Gürtel und reicht sie mir süß, damit ich die Wunde eigenhändig zuhefte. »Denken Sie«, sagt sie, »wenn ich den Fuß gebrochen hätte!« Freilich, da sie Tänzerin ist, wäre es nicht auszudenken.

Unterwegs aber nach einer Weile mußte ich doch fragen, ob ihr an dem Jettatore sonst nichts aufgefallen sei. Nein, was das sein solle? – Ähnlichkeit mit mir. – Sie biegt sich vor Lachen. Der Bär, der Popanz, das Scheusal? Und sie schwört, die graublauen Jettatoreaugen gesehen zu haben, trotz der Dunkelheit. Wo die meinen dagegen schwarz seien wie die Lichter von San Giorgio im Kanal. So fahren wir zärtlicher dahin. Ihre Schmeichelei zu vergelten, flüstre ich ihr Verse in ihr blondes Haar:

»Venedigs Sonne wird in deinem Haar
ein Gold bereiten, aller Alchemie
erlauchten Ausgang ...«

während ich ihr im stillen gelobe, den Venediger ihre Wunde am Knie bezahlen zu lassen.

Alsdann »Rigoletto« in der Fenice. Im ersten Zwischenakt stößt sie mich an und deutet mit den Augen ins Parkett hinunter. »Sieh nicht hin!« flüstert sie aufgeregt, »er steht unten!«

Schon sehe ich ihn. Er steht in der zweiten Parkettreihe allein, den Rücken zur Bühne, und sieht zu uns herauf. – Ich frage, ob er sie belästigt. – »Ja –, nein! was wollen Sie tun?« Sie will mich halten, ich verlasse die Loge.

Als ich die Treppe in den Wandelgang hinuntersteige, sehe ich ihn an der Wand lehnen, hell genug beleuchtet vom Kristallkandelaber über ihm. Und wieder sehe ich mich selber in ihm, aber gemein, pfui Satan, wie gemein!

Ich trete auf ihn zu, sage: »Die Dame in meiner Loge fühlt sich durch Ihr Anstarren belästigt. Was haben Sie zu erwidern?«

Er lächelt; vielmehr er grinst. Oh Teufel, ich grinse! Und in seinem weichlichen Venedigisch gurgelt er hervor: Nichts – als daß er mir zur Verfügung stehe. – Wir verbeugen uns, und ich gehe.

Wieder in der Loge – die Annunziata in tausend Ängsten – fällt mir ein, daß wir unsere Namen nicht wechselten, daß ich den seinen nicht weiß. Tut nichts, meine Freunde werden den neben mir wohnenden Herrn zu finden wissen.

Ich wollte, es wäre übermorgen früh. Eher werde ich ihn nicht treffen können. Es wird hierzuland Sitte sein, zu fechten, in einem Fall wie dem unsern. Um so besser! Um so enger werden wir zusammengeraten!

 

Ein Hundsfott, ein – nichts als ein gemeiner, niederträchtiger Jettatore von der läppischsten Sorte ist die Kanaille. Bei meinem Dämon! ich schimpfe selten und ungern, am seltensten schriftlich, doch was bleibt einem übrig?

Alles ging wie üblich. Gerhard und Marchese R. suchten ihn auf. Verabredung für den nächsten Morgen bei Hellwerden auf den Schießplätzen des Lidos, zum Gefecht mit dem italienischen Degen.

Beim Verlassen der Gondel am Lidostrand weicht sie zurück, ich trete mit dem rechten Fuß in das Wasser. Einerlei! Wir kommen auf den Schießplatz, er ist schon da, Sekundanten, Ärzte, alles. Wir legen die Röcke ab, erhalten Waffen, treten an, ich gleite auf der holprigen Grasnarbe aus mit meinem nassen Fuß, breche ins Knie, zerre mir auf die unbegreiflichste Weise die Sehne am Fuß. Will trotzdem fechten, merke nach den ersten zwei Gängen: unmöglich! Ich muß den Kampf für den Tag aufgeben.

Nun schon der zweite zähneklappernde Abend im eiskalten Zimmer auf dem Sofa. Noch zwei soll es dauern, bis ich heil bin, drei volle Tage zusammen mit der Annunziata, die nicht von mir weicht. Und wenn sie ein Engel wäre, ich hielte es nicht aus über den vierten.

 

Jettatore bis zum Rasendwerden! –

Leibhaft aber durch die letzten Erlebnisse erscheint mir nun wieder Gerhards Freund, der kleine Graf Wrangel (von den vielen schwedisch-estnisch-baltischen Wrangels) mit seinen italienischen Mordgeschichten, die er G. und mir noch am Abend vor unsrer Abreise erzählte und deren eigentlicher Reiz freilich für uns darin bestand, daß ihre Blutrünstigkeit von dem korkenhaft runden und blonden, behaglichen und rotwangigen Grafen im breitesten Ostpreußisch aufgetischt wurde. Da G. ihm gesagt hatte, ich sei im Begriff, auszuziehen wie das Märchenknäblein: ums Fürchten zu lernen, so hatte er unsern Entschluß, eine Zeit in Italien zu verbringen, sehr gelobt, und zum Zeichen dessen, was ich würde erleben können, erzählte er unter tausend Dingen die folgenden, an die ich mich erinnre.

Er, Wrangel, hatte zwei ostpreußische Kusinen, betagte Mädchen, die über keinen Vorzug verfügten außer einer Haarfarbe von einem gewissen grünlichen Blond, das in Italien die höchste Bewunderung erregen soll, dergestalt daß, als die beiden nach Italien kamen, sie kaum angelangt auch schon jede einen Mann hatten; die ältere einen schon bejahrten und wackligen Grafen, die jüngere einen Zigarrenkistenfabrikanten. Die den Grafen bekam, erlebte folgendes:

Er hatte zu seinem Reichtum und Alter eine zahlreiche Verwandtschaft, die auf das Erbe bereits mit Sicherheit rechnete und deshalb verstimmt war, als Kinder kamen, sechs. Infolgedessen wurden diese Kinder sämtlich umgebracht, immer zwei und zwei und vermittels vergifteter Schokolade. Als vier tot waren und eine ostpreußische Verwandte der Mutter, mit der sie darüber sprach, sich entsetzte und fragte, warum sie die Mörder nicht ans Gericht liefere, so war sie schon dermaßen Italienerin geworden, daß sie erwiderte: derlei sei dortzuland in ihren Kreisen ganz ausgeschlossen; es würde einen Familienskandal geben, das sei unmöglich; man könne sich rächen, aber sonst sei nichts erlaubt. – Als alle Kinder tot waren, wurde denn auch die Rache vollzogen. Der Graf lud die mörderischen Verwandten, mit denen er und seine Frau in unverändert verwandtschaftlichem Umgang geblieben waren, in sein Schloß am Trasimenischen See, setzte ihnen dort ein reichliches Mahl vor, von dem er selber jedoch kaum einen Bissen genoß, und fuhr danach mit ihnen in einem großen Kahn auf dem See spazieren. Der Kahn schlug um, die schwer gesättigte Verwandtschaft ersoff ausnahmslos, während der leicht gebliebene Graf sich geschickt durch Schwimmen in Sicherheit brachte. Auf einem Balkon stand die Gräfin, übersah das Ganze und freute sich furchtbar. Ihre Kinder freilich bekam sie nicht wieder.

Ihre Schwester, die den Fabrikanten bekommen hatte, erlebte weiter nichts Besondres, als daß ihr Mann eines Tages sein Vermögen verlor. Seine und ihre beiden Kinder, Bruder und Schwester, bereits erwachsen, mußten sich nun ihren Lebensunterhalt selber verdienen, und dies tat der Sohn, indem er seine Fertigkeit als Florettfechter ausnützte, Unterricht erteilte und bald solch ein Meister wurde, daß er den Neid sämtlicher Fechtlehrer der Stadt erregte. Die Folge war das Arrangement einer hamletischen Szene: ein scharf geschliffener unter den stumpfen Degen bei einem Preisfechten machte ihm den Garaus; er wurde verscheidend in eben das Sterbezimmer gebracht, das nachmals allen durchreisenden Engländern und Amerikanern als große Sehenswürdigkeit gezeigt wird.

Seine Schwester, ein schönes Mädchen, bildete ihre Singstimme aus, wurde Sängerin und erregte bald die heftige Begehrlichkeit eines Mannes von wirkungsvoller Schönheit, wie man sich die Abruzzenräuber denkt. Er wollte etwas von ihr, und da sie es ihm nicht geben mochte, seiner Leidenschaft aber sich nicht entziehen konnte, so brachte sie es zuwege, daß er sie heiratete. Denn, dachte sie, wenn ich erst seine Frau bin, so wird er mich in Ruhe lassen und andere Frauen verfolgen. Hierin aber sollte sie sich geirrt haben. Zwar verfolgte er andere Frauen, ließ deshalb aber sie nicht in Ruhe, setzte ihr durch Eifersucht zu und sperrte sie zuletzt in seinem uralten und halb verfallenen Schloß ein, worin es nur ein paar alte Stühle gab. Dort hat der Erzähler der Geschichte sie einmal besuchen wollen, doch wurde ihm dringend abgeraten, es sei denn, er trage ein Panzerhemd oder verkleide sich als Frau. Der Verkehr der Ehegatten hatte nämlich inzwischen die Form angenommen, daß sie scharf geladene Revolver mit sich führten, aus denen sie während ihrer Eifersuchtsszenen – denn auch die Gattin war eifersüchtig, wenn auch nur aus Ranküne – immerfort Schüsse aufeinander haarscharf an ihren Köpfen vorbei feuerten. – Einmal sang im Theater der nahen Stadt eine kleine Banda, und als nun eines Abends der Ehegatte unter der Vorspiegelung einer Wahlversammlung zur Stadt fuhr, so stellte seine Frau aus der Zeitung fest, daß die Primadonna sich unpäßlich gemeldet hatte, und fuhr sofort mit einer besonders großen Pistole hinter dem Gatten her. Nun weiß ich nicht, ob auch in andern italienischen Städten, aber in dieser jedenfalls hatten die alten Maronenweiber die Gewohnheit, außen an den Stadttoren zu sitzen, so daß ihnen niemand, der das Tor passierte, entging. Also fuhr die Verfolgerin bei allen Maronenverkäuferinnen umher, bis sie diejenige fand, die den Wagen des Mannes mit ihm und der Sängerin gesehen hatte, folgte ihnen, überraschte sie auch in einem Restaurant, wie sie grade ihre Makkaroni aßen, und zwang ihren Mann durch Abfeuerung einiger scharfer Schüsse an seinem Kopf vorbei – da er eben seine Pistole nicht bei sich hatte –, Makkaroni, Sängerin und alles im Stich zu lassen.

All dies, sagte der vergnügte Wrangel, sind Lejänden und jar nicht wahr! Aber sie könnten sehr jut wahr sein! – Sicher wahr dagegen sei die Geschichte, wie diese beiden um ihr Vermögen kamen. Sie hatten nämlich außer dem alten Schloß ein kleines Vermögen, das aus Wertpapieren bestand und in einer offenen Kassette ohne Schlüssel auf dem Marmorkamin in der guten Stube aufbewahrt wurde. Als nun eines Tages zwei kümmerliche alte Freundinnen zu Besuch kamen und, da die Gatten eben bei Tische waren und ihre Makkaroni aßen, in der Stube mit dem Marmorkamin warteten, so entdeckten sie, im Zimmer herumschnüffelnd, alsbald die Kassette und das Vermögen, nahmen es heraus und gingen still wieder weg. Sie fuhren stracks nach Perugia und kauften sich dort ein Haus. Einige Zeit später wurde das Verschwinden des Vermögens entdeckt, der Mann bezichtigte sofort die Frau des Diebstahls, sie bezichtigte ihn, sie bezichtigten beide die gesamte Dienerschaft, es gab einen Prozeß, währenddessen die wahren Diebe ausfindig gemacht wurden. Immerhin erhielt das Ehepaar das Haus in Perugia zugesprochen. »Aber, du lieber Gott«, sagte Wrangel, »was machen sie nun mit einem Haus in Perugia?«

Beim Jupiter! ich weiß aber nicht, weshalb er sagte, das wären alles Legenden, denn siehe da, was begegnete mir? Vorgestern morgen treffen wir wieder zusammen. Im fünften Gang schlug ich zum erstenmal Finte und stieß ihm – alle Teufel, ich stieß ihm die Degenspitze haargenau und auf solche Weise in einen Hosenknopf, daß die dünne Klinge, bis zum Halbkreis im Nachstoß gebogen, springt, und – die abschnellende Hälfte durchschlägt mir an der rechten Hand den kleinen Finger bis auf den Knochen.

Er tut ritterlich und versichert, es sei nicht seine Gewohnheit, mit einem Verletzten zu fechten. Nach außen wie Eis, ich kochte vor Wut.

»Da meine Tage«, versetzte ich, »bemessen sind in dieser Stadt, werden Sie, hoffe ich, die Güte haben, morgen früh an dieser Stelle meinen Schuß zu erwarten.« – Er ist bereit.

Der Tag, die Nacht vergehn mir im Fieber.

Und wir treffen zum drittenmal zusammen. Gerhard reicht mir die Pistole, ich sehe ihn vorwärts gehn, gehe selber, sein Schuß knallt, ich drücke, der meine geht nicht aus dem Lauf, ich sehe hin, merke, woran es liegt, Gerhard hat den Lauf nicht fest geschlossen, der Satan saß in seiner Hand, ich drücke ihn fest mit der Linken, halte dabei die Rechte zu fest geschlossen, der Schuß kracht heraus, der Marchese schreit auf, er hat die Kugel im Fuß.

Da bin ich denn doch am Bersten. Trete auf ihn zu, sage:

»Ich habe nun genug. Länger auf Ihre Narrenstreiche zu lauern, paßt mir nicht. Ich stelle es Ihnen frei, auf mich zu schießen, wann und wo es Ihnen gefällt. Ich selber werde meine Waffe immer und überall bereit haben.« –

Er verneigt sich und schweigt.

Schon am Abend trafen wir uns wieder; besser: in der Nacht. Es war Mondschein, hell genug. Ich fahre mit Annunziata nach ihrem Hause. Unterm Rialto, uns entgegen, schießt eine Gondel hervor. Drinnen erhebt sich jemand, es ist er. Ich stehe auf, habe den Revolver in der Hand, sehe ihn die Hand heben, ich warte, er schießt, unser Poppe schreit auf, läßt das Ruder fallen und liegt im Kanal. Die Gondel schnellt hinten hoch, ich, schon im Schuß, taumle vornüber – was hilfts, daß ich alle Patronen nach der Stelle verfeure, wo ich ihn im Vorbeifahren zu sehn glaube –, getroffen habe ich jedenfalls nicht, und dann muß ich in den stinkenden Kanal, den schreienden Poppe herauszuholen.

Man möchte toll werden. Länger kann ich Gerhard nicht warten lassen – so möge ihn der Teufel zu sich nehmen und sehn, wo er ihn mir wieder in den Weg treibt. Ich reise ab.

Es ist, als wäre er aus dem Gestank der Lagune geboren.

Trotzdem habe ich heut seinen Diener in Dienst genommen.

Heute morgen, wie ich beim Frühstück sitze, klopft es, auf mein »Herein!« kommt etwas ganz Kleines in die Tür, in einem langen Mantel fast bis auf die Füße, verneigt sich ungemein tief und ist einigermaßen in Verwirrung, denn er nimmt erst jetzt seinen grotesken steifen Hut ab. Und was für ein Gesicht! Gelb und völlig mongolisch, ohne Kinn, ohne Stirn, aber mit was für Backenknochen! – und darin zwei Augen, so rund und so braun wie Haselnüsse. Tieraugen, die richtigen, denen mans ansieht: wem sie gehören, der ist zur Hälfte gemacht aus Furcht.

Er verneigt sich dann noch mehrere Male, fängt endlich in fließendem und natürlichem Deutsch an zu reden und bittet mich, ihn in Dienst zu nehmen. Ich frage, wieso er auf den Einfall kommt. (Bin auf Reisen und brauche keinen Diener.) Er lächelt höchst verlegen. Ob ich mich seiner nicht erinnerte? Im Zuge von Verona ... Richtig, ich erinnere mich: im Gang des Zuges sah ich ihn mehrmals, seine runden Augen fielen mir auf, das ganze Männlein gefiel mir. Und er lächelt und dienert: »Herr Baron waren mir gleich sympathisch.« – Also frage ich nach Namen, Fertigkeiten, Zeugnissen. Er heißt Li, sein Vater war Chinese, die Zeugnisse sind vortrefflich, er soll hundert Dinge können und spricht alle Sprachen. Aber das letzte Zeugnis ist drei Monate alt, von einem Franzosen in Wien ausgestellt. So frage ich nach seinem letzten Herrn, er deutet mit dem Finger: der Herr nebenan. Und mit Erlaubnis: so übel es einem Bediensteten anstehe, schlecht von seinem Herrn zu reden, er habe ihn verlassen müssen; er habe Mißgeschick gehabt, ja, es habe ihn verfolgt, und im Hotel heiße es – geheimnisvoll –, der Herr sei ein berüchtigter Jettatore ...

Kurz und gut, ich nahm ihn. Weiß selber nicht, warum. Glaube, ich bildete mir ein, in ihm ein Unterpfand zu bekommen, daß sein Herr und ich uns wieder treffen. Oder: daß eine Verbindung zwischen mir und dem Jettatore sein muß.

Und nun bin ich begierig, zu erfahren, ob er mir durch alle Städte Italiens und bis nach Mesopotamien nachkommen wird.

 

2

In den Ruinen von Babylon geschrieben. Li.

Kam er mir nach? Kam er mir nicht nach?

Was Europa anbelangt, so glaube ich, ihn in jeder italienischen Stadt gesehen zu haben, Florenz und Ravenna, Pisa, Bologna und so weiter bis Messina – doch immer nur von weitem. Niemals war genau zu erkennen, ob er es wirklich war, dessen Rücken, dessen Kopf, dessen Haltung im Gedränge von fern, dessen Gesicht in einem Hauseingang oder sonst irgendwo auftauchte. Nachgegangen bin ich ihm nie. Wenn es ihm Vergnügen machte, mich zu umkreisen – meinethalben!

Aber nein, das dachte ich damals! Seit ich das Schiff in Messina betrat, bis zu diesem Augenblick, sah ich ihn nicht mehr, aber seitdem ist er um mich bei Tage und bei Nacht. Es ist dahin gekommen, daß ich in die Wüste reiten muß, um mich allein zu fühlen. In den Ruinen kann ich keinen Schritt tun, ohne zu argwöhnen, er tauche irgendwo auf, hinter einer Säule, über Trümmern, in einem der Labyrinthe von ausgehobenen Gängen, unter der Erde in einem Stollen, und des Nachts wache ich auf und muß mich zwingen, nicht vor das Zelt hinauszutreten und nachzusehn, ob er nicht draußen steht. Und mich ekelts vorm Spiegel, am Morgen, wenn ich ihn zum Rasieren aufstelle, mich ekelts vor meinem eigenen Gesicht. Ich fürchte, ich muß es dazu kommen lassen, daß Li mich rasiert.

Wenn es wahr ist, wie es den Anschein hat, daß er an Europa haftet, so wollte ich, ich wäre erst wieder dort. Und noch immer weiß ich nicht im geringsten, was es ist, das mich dermaßen peinigt. Was geht er mich an?

Und doch ist da eine wütende Pein. Oder liegt's an der Sonne? Bei Allah! ich habe Sehnsucht nach meinem kalten, nordischen Himmel.

 

Das war wohl so etwas wie die Hölle.

Fast drei Wochen am Fieber gelegen. Noch so schwach, daß ich kaum die Feder bewegen kann. Genieße die afrikanische Sonne wie ein Trunkener.

Drei Wochen im Delirium, und er, immer er! Ich jage hinter ihm her, durch die Labyrinthe und Katakomben, falle meilentief über Treppen, wate jahrelang durch glühenden Sand hinter ihm, liege gefesselt auf turmhohen Säulen, und er über mir, überall.

Nun bin ich ruhig, obwohl sehr matt. Seit ich weiß, daß ich ihn lebendig und wirklich wieder treffen werde, bin ich ruhiger. Sobald ich gesund bin, werde ich reisen.

 

3

Geschrieben in A., der Vaterstadt vom Herrn Baron. Li.

Da finde der Satan noch Worte, nicht ich!

Die Denkungsart dieses Menschen ist von einer ungeheuerlichen Niedertracht. Heute mittag sitze ich mit meinem Vater beim Essen, da tritt er – den ich länger als ein Jahr nicht mir gegenüber sah! – hinter dem Diener ein, steht da, schweigt und verlangt seinen Schuß.

Dermaßen gemein, dermaßen ekelhaft niedrig war er, daß er von mir glauben konnte, ich würde erschrecken, in Ruhe gewiegt durch so lange Zeit seines Nichtvorhandenseins, im Frieden des Hauses, in Gegenwart eines zärtlichen Vaters! Also lade ich ihn ein, zischend vor Wut, mir zu folgen, entschuldige mich bei meinem Vater, führe ihn über die Veranda in den Garten hinunter und bitte ihn, am Treppenfuß stehenzubleiben. Ich selber gehe an der Sonnenuhr vorbei über den Rasenplatz zwanzig Schritte. Es ist warmer Frühling, alles angenehm im Grünwerden. Ich sehe, er hat seine Waffe, hebe die meine, winke ihm, vorwärts zu gehen, und gehe zugleich. Was klemmt sich mir zwischen die Beine? Mein eigener gelber Angorakater, mit eingezogenem Schweif, wie vor Angst. Ich trete nach ihm, stolpere dabei, und da liege ich auch auf dem Rasen, aber – mir gleich! ich werfe mich herum und schieße – während seine Kugeln um mich herumpfeifen – schieße alle Patronen, die ich habe, gegen ihn ab. Und da endlich, endlich, habe ich meinen Triumph! Er wankt, taumelt und fällt breit vornüber auf die Erde. Jetzt erst merke ich, daß ich an vier, fünf Stellen, an der Hand, am Fuß, an der Hüfte, wie Feuer brenne – lauter Streifschüsse –, aber obgleich ich nicht aufstehn kann, schleppt meine Wut mich hin bis zu ihm, und ich packe ihn am Hals, drehe seinen Kopf, der auf dem Gesicht liegt, herum und bohre mich mit beiden Augen, ihn schüttelnd am Nacken vor rasendem Grimm, in die seinen und knirsche nur so:

»Stirb, Hund! stirb, oder ich erwürge dich obendrein!«

Seine Augen fielen zu.

 

Bestie von einem Dämon! Alle meine Kugeln saßen ihr mitten in der Brust, und heute, drei Wochen später, steht sie wieder auf ihren bloß zwei Beinen.

Ich gebe den Kampf auf. Mag er schießen, wenns ihm gefällt; ich werde erwidern, aber ich greife nicht mehr an.

Überdies hatte ich meinen Frieden. Seine Fiebererscheinungen hörten auf mit dem Betreten Europas; ich sah ihn nicht mehr und vergaß ihn fast. Nur wenn mich irgend einmal ein schlechter Geruch mit Erinnerung der Lagune überspülte, erschien mir wohl ihre Ausgeburt, der Venediger, aber ich glaubte dann, Deutschland wäre für ihn zu reinlich. Und dann habe ich nun etwas gesehn. Als ich über ihm lag, sein Gesicht unter mir hatte, so nahe wie noch nie, da – in jenem Augenblick blendete mir der Haß das geistige Auge, aber schon Stunden danach ging es mir wieder auf, und seitdem habe ich in unablässiger Betrachtung erkannt, was ich sah.

Daß er aus Gemeinem gemacht ist, aus einem höllischen Sumpf gestiegen, wie man den triefenden Büffel steigen sieht aus seinem Morast. Daß er eine satanische Unzucht treibt mit meinem Gesicht. Ein Jettatore der tölpelhaftesten Art, der mit Hosenknöpfen, Verstauchungen und Katzen arbeitet. Und wäre es nur das! Aber ich weiß, was er treibt und was ihn treibt. Mit seinen zwei Händen tut er all das Unflätige, Scheußliche und Mördrische, was ich als Schauspiel dann und wann sah, ohne es zu verstehn, noch zu fühlen – tut es aus einer viehischen Lust.

Auch mich zog es zu grausamen Dingen, nicht aber um mich daran zu weiden, sondern weil ich spürte, daß etwas darin sein muß, was ich nicht kenne, was ich aber einmal kennen will und muß. Ich mache mir nichts daraus, ich habe dergleichen nie gesucht, es kam immer von selber zu mir. Er aber lechzt danach, er lauert ihm auf, er watet dann hinein bis zum Leib und schmatzt den Absud. Er nährt sich vom Grauen und wird schlotternd satt, heute und morgen und übermorgen, während ich ewig Hunger leide nach etwas, das er gar nicht kennt.

Grausen der Seele. Ihm ist wohl, klappert sein elendes Gebein. Er hat Angst, sogar vor mir hat er immer Angst gehabt, das las ich in seinen brechenden Augen, seinem verzerrten Mund vor Angst des Sterbens.

Er ist so schmutzig, wie ich klar bin. Von allen feinsten Schaudern der Seele ahnt er nichts. Er stieg aus dem Modder der Lagune, während ich darüber hinglitt, mit der Annunziata in einem schwarzen Schiff.

Also was geht er mich an? Er ist nicht meinesgleichen. Er hat meine Kugeln im Leib, das genügt. Mag er kommen oder gehen, ich fürchte ihn nicht.

Ich bin klar. In meinem Wesen ist keine Falte, hinter die ich nicht geblickt, kein Winkel, in den ich nicht geblasen, kein Loch, durch das ich nicht den Finger gebohrt hätte. Im Tumult der bunten Romantik meiner Lebenszufälle stehe ich doch selber hellenisch genug wie ein Marmor. Ich erzog mir mein Leben zur festen Form, zur wissenden Erscheinung im Chaos der Drangsale, kalt und eisklar; frei.

Du aber, Jettatore, bist der dumpfe Unwissende, der heiße Neger, der seinen Götzen peitscht, das Untier, gebläht von Fraß – und freilich, daß du meine Züge herumträgst in deiner faulen Welt, das ist schwer zu erdulden.


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