Thomas Moore
Lalla Rukh
Thomas Moore

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Am nächsten Abend ward Lalla Rukh von ihren Frauen ersucht, die Erzählung ihres 41 wundersamen Traumes fortzusetzen; aber die bange Theilnahme für Hinda's und ihres Geliebten Schicksal hatte jegliche Spur davon aus ihrem Gemüthe verlöscht, zum großen Verdruß einer schönen Seherinn im Gefolge, welche ihre Geschicklichkeit im Deuten aller Ahnungen zu preisen pflegte, und es schon für ein böses Omen erklärte, daß die Prinzessinn eben am Morgen nach jenem Traume ein Seidenkleid getragen hatte, aus den Blüthen des trauervollen Baumes Nilika gefärbt.»Die Blüthen der trauernden Nyktanthes geben der Seide eine dauerhafte Farbe. — Remarks on the Husbandry of Bengal, p. 200. – Nilika ist einer der Indischen Nahmen dieser Blume. — Sir W. Jones. – Die Perser nennen sie Gul. — Carreri.

Fadladins Zorn war mehr als einmal vor einigen Stellen dieses heterodoxen Gedichtes losgebrochen; endlich aber schien es, als habe er nur noch Sinn für die deßhalb zu verhängende Strafe, und er nahm an diesem Abend seinen Sitz voll entsagender Geduld ein, während der Dichter also in seiner gefährlichen Erzählung fortfuhr:

               

Für thränlos Aug' und heitern Sinn
Wär' laub'ger Strand und Meergerinn,
Hell funkelnd zu des Berges Fuß,
Ein zaub'risch holder Freudengruß.
Es war ein Abend; düftevoll,
Wie oft er folgt auf Sturmgeroll,
Wenn nun es schweigt, und weit der West
Sein goldnes Luftschloß offen läßt, –
Wenn feuchte Strahlen bebend zücken
Vom Himmel, wie aus sanften Blicken
Bereu'nder, deren letzte Stunden
Licht streu'n auf früh're dunkle Wunden,
Und deren Thränen dankbar fallen,
Und mild in Himmelslichtern wallen! 42

Still war es rings. – Der Wind, der kaum
Durch Kermans Dattelhain noch wehte,
Und reich die Frücht' auf gras'gen Raum
Zum frischen Mahl des Wandrers säte,»Wo in den Gränzen von Kerman der Wind etwa Datteln von den Bäumen weht, liest man sie nicht auf, sondern überläßt sie den Bedürftigen oder den Reisenden.« — Ebn Haukel.
Regt matt nun, kaum die Fluthen wälzend,
Des grünen Meeres Schimmergang,
Als ob die Perlenminen, schmelzend,
In Wogen flößen hell entlang.
Die schönen Inseln, grün und reich
Im klaren Wiederscheine prangend,
Sehn lichten Peris-Inseln gleich,
Durch Zauber hoch in Lüften hangend,

Umsonst doch funkelt See und Land
Vor Hinda's Blick, als nun das Band
Vor ihren Augen ward entschlungen.
Bleich, wie aus Todes Dämmerungen
Erwachende, – wenn trüb' entglommen,
An's Grab die zwey GruftforscherDie zwey schrecklichen Engel, Monkir und Nakir, »Gruftforscher« genannt, im »Glaubensbekenntniß echter Muhamedaner,« herausgegeben durch Ockley, II. Theil. kommen, –
Will sie erbebend rings umher
Aus Blicken ihr Geschick erfragen,
Und sieht die Thürme grimm und schwer
Ob ihrem Haupte furchtbar ragen,
Als sprächen trotzend sie zum holden
Sonnlicht: »wagst Du's, uns zu vergolden?« 43
Umsonst, in Furcht und Hoffen bang,
Späht sie nach ihm, deß holder Klang
Ihr wie Musik zum Ohre drang, –
O Täuschungstraum! 'S ist wieder hin! –
Und ach, wie zagte nun ihr Sinn
Im Schrecken, das sie wild durchrann,
Als Stimmen tönten rauh und tief:
»Held Hafed kommt!« und, Mann auf Mann,
Die Schaar den Gräuelnahmen rief!
Er kommt, – sein Tritt hallt am Gestein, –
Wie hüb' sie wohl ihr Haupt, den Schein
Des Flammenauges zu ertragen,
Drob Yemens kühnste Söhne zagen?
Deß rother Strahl, wie Moslem spricht,
Glüht von so höllisch grimm'gem Licht,
Wie jene Flamme die zu Nacht ^
Alraunenblätter sichtbar macht!»Die Araber nennen die Mandragora, in Bezug auf deren nächtliches Schimmern: Teufelslicht.« — Richardson.
Wie soll sie nun die Stimm' ertragen,
Vor deren Ruf an Schlachtentagen
Geschwader floh'n, entsetzt und feig, –
Der Wüstenkarawane gleich,
Gelagert, wo ein Born entquillt,
Wenn nah der durst'ge Tiger brüllt!

Ganz othemlos, die Augen neigend,
Steht sie, dem zorn'gen Blitz sich beugend,
Der – meynt sie– nun vom Angesicht
Des Feind's auf sie herniederbricht, –
Sie bebt, als sie den Tritt der Menge
Vernimmt, die weicht von diesem Stand, 44
O Angst in kurzen Schweigens Enge! –
Bis Hafed faßt mit banger Hand
Die ihre flüsternd leisen Schalles:
»Hinda!« – 'S war Alles, was er sprach;
Doch war's genug. Der Schrey, der brach
Aus ihrer Brust, ergänzte Alles.
Kämpfend mit Schreck und Freud' und Traum,
Erhebt die Maid die Augen kaum
Als schon an Lieblings Brust sie lag!
Er ist's, er ist's, – der Mann voll Blut,
Der Schlimmst' aus Teufels Feuerbrut,
Hafed, der Dämon, schlachtbewehrt,
Deß Ruf entnervt, deß Blick verzehrt, –
Er ist ihr holder Gheber, – mild
Und strahlend noch das süße Bild,
Wie als zuerst er ihr sich wies,
Und träum'risch holdes Licht ihr ließ,
Daß sie vermeynte, süßbeklommen,
Ein Engel sey zu ihr gekommen!

Ja!, Augenblicke gibt's im Leben, –
Und dies war einer, – wie durch Weben
Des Sturmgewölks ein Sonnenstrahl, –
Wie Rasenstellen, die erblühen
An Kraters schwarzem Feuerthal,
Lichtschmuck an Abgrunds Todesglühen!
Vergangnes, – Zukunft, – was für Noth
Ein trüb Geschick zu bringen droht,
Faßt in nur hell're Lichtesflammen
Die sel'ge Gegenwart zusammen!

Selbst er, der Jüngling, – trüblich fern
Von jedem einst'gen Hoffnungsstern, – 45
Sein Glück dahin, – sein Ruhm verkannt, –
Iran, sein liebes Vaterland,
Von Sklaven voll und Todesbetten,
Allwärts nur Gräber oder Ketten! –
Im eignen Herzen schon den Tod,
Nur harrend auf das letzte Werben
Der Freyheit, um in edler Noth
Schön, wie sie selbst, dahinzusterben, –
Selbst er, in Unglück so versunken,
Stets dunkler ob ihm die Gefahr,
Fühlt dieser Stunde Freudenfunken,
Aus Augen kündend mild und klar
Ihm holdes Glück, das allerbeste
Das Erde hegt für ihre Gäste: –
Den Trost: »Du bist treuwarm geliebt!«
O, wie der Augenblick ihm gibt
Das glüh'nde Vollgefühl der Freude,
Die sich erhebt aus tiefstem Leide!
Wie süß ihm Wonnetropfen quillt,
Der Elend's schäum'gem Kelch entschwillt,
Kühn eingeschlürft im freud'gen Dank,
Folgt herber Tod auch holdem Trank!

Sie auch, in diese Augen schauend,
Die tief ihr durch die Seele glüh'n,
Vergißt das Unheil, sie umgrauend:
Sie fühlt nur kaum Gefahr und Müh'n, –
Wie Unbeglückt' im schönen Traum
Getäuscht auflächeln, seufzend kaum.
Die Trümmer, wo sie sich getroffen
Auf Berges höchstem Felsensaum,
Sind nach des Meeres Fluth hin offen,
Wo auf beglänztem, leichtem Schaum 46
Manch Schifflein schön, den Tag hindurch
Versteckt in sichrer Hafenburg,
Nun vorschwebt, feuchter Segel Spiel
Dem Spätwind bietend, mild und kühl;
Wie Adler die nach Sturmes Streiten
Die Fittg' in milder Sonne spreiten.
Ob Tages Stern versunken war
Am fernen Hügelzug von Lar,
Schwebt Glorie doch auf Wolkenmassen,
Als hätte – für den Schmuck geweiht
Des West – der Lichtgeist im Erblassen
Diesmal sein sonnig funkelnd Kleid
Auf eil'ger Fahrt zurückgelassen.
O schöner Wohnplatz edler Minne!
Tief dort krystallnes Fluthgerinne,
Und hochher glüh'nde Himmelszinne; –
Zwey Herzen, rein im Lustgewimmel,
Schwell'n wie die Fluth, glüh'n wie der Himmel –
Doch ach, zu schnell entschwand der Traum,
Und Hinda's Bangen kehrt zurück; –
Die grimme Nacht, – sie weilt noch kaum, –
Matt brennt des Lichtes Scheideblick,
Und jedes ros'ge Farbenspiel
Des sanften Meers versank und fiel.
Rasch zu der Wolken dunklem Lauf
Wirft sie den Blick, – dann schreyt sie auf:
»Zu Nacht, – sprach er,« – und schau, sie naht; –
»Flieh, – liebst Du irgend, irgend mich!
Bald sucht sein Mörderheer den Pfad,
Und bluten, sterben seh' ich Dich. –
Sacht! – Hörtest Du nicht Menschentritte
Dort in des grausen Thales Mitte? –
Nun klimmt's her durch die Waldes Huth! – 47
Flieh, flieh, – ob Abend hold noch lacht, –
Dein Feind, voll Durst nach Deinem Blut, –
Den kenn' ich, – o, Der kommt vor Nacht!«

Von Todesängsten beynah blind,
Umfaßt sie den erstaunten Mann: –
Er seufzt; »ach, mir, verwildert Kind,
Verdankst Du diesen Schreckensbann!
Was blüht' auf meinen Unglückswegen,
War immer welkend bald erlegen, –
Mein Schicksal gleicht dem Hauch, entweht
Vom todten Meer; – was naht, vergeht!
Warum riß Schiff an Schiff zusammen
Uns heut' im Morgens Wetterflammen? –
Warum, als ich Dich süßen Preis
In meine Arme sah gesunken,
Nach Einem Blick schon liebeheiß
Von Deinen bleichen Reizen trunken,
Warum doch schwur ich – wild in's Grauen
Des Kampfes, Dir zum Schutz, versunken –
Nie Dich, o Sieg'rinn mehr zu schauen?
Und warum brach ich theuern Eid,
Dir nach jetzt, schwach in Lieb und Leid? –
Erschrick nicht! – Jenes ferne Sausen
Ist Stromeslaut, durch's Thal geschwellt.
Fürcht' nichts! Auf diesen Felsenklausen
Stehn hoch wir ob der schwirr'nden Welt, –
Ob ihrer Hoffnung auch! – 'S ist grausend, –
Wie Leichen, still in Gräbern hausend!
Ja, könnt' auch Höll' und Welt sich thürmen,
Um diesen heil'gen Berg zu stürmen, –
Du fürchte nichts. – Ich will Dich schirmen; –
Und jeder Stern, Gott nah, wird hier 48
Zur heilig ernsten Schildwach Dir. –
Zu Deinem Vater, eh der Schein
Des Morgens glüht,« –

                                    »Des Morgens? – Nein«
So schrie die Maid; – »Nie wird Dir funkeln
Des Morgens Licht! – Tod, Tod im Dunkeln
Der Nacht durchheult bald jeden Thurm,
Fliehn wir nicht gleich, gleich jetzt den Sturm!
Du bist berückt! – Ein Wicht, bekannt
Mit Thales labyrinth'scher Wand, –
Gewiß! – Wahr ists! Beym stern'gen Land! –
Hat meinem Vater Dich verrathen. –
Im Lächeln, das vor grimm'gen Thaten
Ihn überblitzt, sah ich ihn nahn
Heut' früh, mir kündend seinen Plan,
Froh, als ob schon vor seinen Füßen
Er säh' Dein letztes Herzblut fließen!
Mein Gott, wie wenig träumt' ich da,
Hafed sey meines Lebens Klarheit! –
Flieh! – Schick zum Thal! – Der Feind ist nah, –
Bey meinem ew'gen Heil: 's ist Wahrheit –

O, kälter als der eis'ge Wind,
Dem sonnig muntre Quellen froren,
Ist edler Brust das Wort: »wir sind
Durch falschen Freundes List verloren!« –
Tief fühlt' er dies Erstarr'n, und stand,
Erstaunt, bewegungslos, gebannt,
Als raste seines Blutes Wallen, –
Gleich dem, den Zauberspruch umschwillt, 49
Gleich einem stummen Marmorbild
In Ischmonie's schweigsamen Hallen!In Betreff der versteinerten Stadt Ischmonies in Ober-Aegypten, wo man noch bis auf den heutigen Tag mancherley Bildsäulen von Männern, Frauen u. s. w. antreffen soll, s. Percys view of the Levant.

Jedoch dies bange Staunen schwand.
Sein Geist, auf's neu' Er selbst, erstand,
Und strahlt' aus seinen Blicken weit
In aller Pracht beglückt'rer Zeit!
Nie kam begeistrungsvollre Stunde
Auf diesen edlen Heldensinn; –
Er schaut zum hohen Wolkenrunde
Fest, heiter, herrlich, glänzend hin,
Als leuchte Schicksals ernste Kunde
Aus seinem Augenstern dahin!
Sie kommt, die Stunde heil'gen Ruhms,
Die Stunde frommen Martyrthums:
Und war sein Leben rasch verzehrt,
Wie Blitz, der Sturmgewölk durchfährt,
Doch soll sein Todesaugenblick
Noch Glorienspuren hinterlassen,
Nach denen Tapf're künft'ger Zeiten,
Gleich ihm verfolgt von Mißgeschick,
Stolz trauernd schaun, frisch Muth erfassen,
Und, ohn' in Nächten zu erblassen,
Dem Unterdrücker Tod bereiten!
Der Fels, dies hohe Denkmahl, soll
Der künft'gen Welt von ihm noch künden,
Und Bard' und Held begeistrungsvoll
Sich heimlich hier als Pilger finden,
Um muth'gen Söhnen hier zu melden 50
Wie Hafed fiel mit seinen Helden,
Wo Irans Tempelpracht verging, –
Zu schwören, während aus und ein
Ihr Othem weht, nie zu verzeih'n
Dem Fluchgeschlecht, daß Kett' und Bande
Rechtlos Iran besteckt mit Schande,
Die Blut, nur Blut abwäscht vom Lande!

Solch kühner Bilder Zug umlaubt
Jetzt wie mit Kronen Hafed's Haupt;
Kein Heil'ger schaute mehr entzückt
Wohl nach der Martyrkrone Funkeln,
Als er zum Scheiterhaufen blickt,
Der dort hervorragt aus dem Dunkeln,
Halb flimmernd in des Altars Strahl,
Als vorbestimmtes Grabesmahl! –
Von sein und der Genossen Händen
Vielfach gethürmt aus duft'gem Holz,
Steht er an Heiligthumes Wänden,
Wie schon im Voraus darauf stolz,
Die Wen'gen, treu noch im Erliegen,
In strahlend hellen Tod zu wiegen; –
Die Wen'gen, liebend Flammenbetten,
Wenn nur von Band und Schmach sie retten,
Wie jenes Bette, gluthumweht,
Wo einst als Kind lag ihr Prophet,
Und all die Flammen, die dort sprühten,
Durch Himmels Huld als Rosen blühten!»Die Ghebern sagen, daß als Abraham, ihr großer Prophet, auf Nimrods Befehl ins Feuer geworfen ward, die Flamme sich augenblicklich in ein Rosenbett umwandelte, wo das Kind anmuthig ruhte.« — Tavernier.»Von ihrem andern Propheten Zoroaster, findet sich in Dion Prusaeus, Orat. 36 eine Sage, wie die Liebe für Weisheit und Tugend ihn zum einsamen Leben auf einem Berge leitete, und er diesen eines Tages ganz in Flammen fand, strahlend von himmlischem Feuer, aus welchem er unbeschädigt hervorging, und gewisse Opfer an Gott einsetzte, der, wie er verkündigte, ihm dort erschienen sey.« — S. Patrick on Exodus, III. 2. 51

Die Maid erspäht achtsam indessen,
Was seine Flammenblick' ermessen.
Was sucht er hoch in Himmelsräumen?
Was mag er sinnen jetzt? Was träumen?
Ach, weßhalb, daß er staunend weilt,
Da die Gefahr stets näher eilt?
»Hafed, mein holder Herr und Freund!«
So ruft sie knieend aus, und weint, –
»Wenn Deinen Geist nur halb durchglühte
Was liebend oft Dein Mund mir schwur,
Fleh' kniend ich, die nimmer kniete
Sonst, als vor ihrem Schöpfer nur, –
Fleuch! Jetzt, wenn Du mich liebst! o fleuch,
Jetzt, – eh losbricht ihr Klingenstreich!
O eil! – Das Schiff, das her mich trug,
Führ' uns durch's dunkle Fluthrevier!
Gleichviel, wohin es lenkt den Flug,
Wenn Du nur lebst, und ich bey Dir!
Wohin es geh', – an Deiner Hand,
Dein Blick so lieblich vor mir lächelnd, –
Durch Bös und Gut, auf Meer und Land
Bleibt rings die Welt uns liebefächelnd!
Laß fern auf ruh'gem Strand uns wohnen,
Wo Fluch nicht darf die Treue lohnen; –
Wo so zu lieben inniglich
Ein irrend Kind des Lichts wie Dich,
Nicht Sünde heißt, – und, wär' es Sünde, –
Wo unser Flehn vereint und linde
Zuletzt uns doch der Schuld entbinde!
Für mich sollst Allah Du versühnen,
Für Dich will fremdem Gott ich dienen!«

Wild sprach sie dies verworrne Wort, – 52
Senkt dann ihr Haupt beschämt und schweigend,
Und seufzt, als schwänd' ihr Leben fort
Mit jedem Hauch, der Brust entsteigend.
Und er jung, glüh'nd, – o staunet nicht,
Wenn für den Augenblick Stolz, Ruhm,
Sein Eid, sein Flammenheiligthum,
Selbst Iran ihm zusammenbricht
Vor ihr, die er zu seinen Füßen
Stumm sieht in Todesangst zerfließen.
Nein, schmäht ihn nicht, wenn Hoffnungsstrahl
Süßdämmernd manch ein Zukunft-Thal
Vor ihm entschloß, und Tag' und Nächte
Ihm zeigt' im heitern Liebesrechte,
Nah' dieser holden Schönheit Blühn,
Die zündend strahlt aus eig'nem Glüh'n!
Wie er nach ihr sich nieder bog,
Und zwey, drey Thränen fühlte rinnen,
Ahnt' er, welch' eine Wolk' umzog
Bedrohlich all sein Thun und Sinnen.
Er starrt, er wischt die Thränen fort, –
Unwürdig Licht in solchem Port, –
Wie man am Morgen ernster Schlacht
Vom Schwerte streift den Thau der Nacht,
Der's trüb wohl, doch nicht stumpf gemacht.

Doch ob sich selbst bezwang der Held,
Mild bleibt sein Herz und warmgeschwellt, –
So zart belebt in Blick und Ton,
Daß die Geliebt' im halben Licht
Der Hoffnung meynt, sein Herz sey schon
Wie ihres weich; und wie zum Lohn
Liebkost sie ihm, derweil er spricht:
»Ja – gäb' es eine schönre Sphäre, 53
Wo Lieb' und Treu' willkommen wäre, –
Ja, gibt es solch ein Ruheland
Für Liebende, stets treu geblieben, –
O tröste Dich! – Am seel'gen Strand
Vereint uns bald ein ew'ges Lieben!«

Kaum mocht' in eigner Brust sie finden,
Ob Glück, ob Tod die Worte künden,
Als schon zum Wall der Jüngling flog;
Dort hängt ein mächt'ges Meerhorn»Die Muschel, Siiankos geheißen, in Indien, Afrika und dem Mittelmeer wohlbekannt, braucht man noch immer in manchen Gegenden als Trompete zum Lärmblasen oder Signal-Ertheilen. Sie gibt einen tiefen und hohlen Klang.« — Pennan. hoch,
Draus stark er den Signalklang ruft,
Wie Sturmgeist donnert durch die Luft. –
Und seine Helden, allzumal
Todtreu ihm, kannten das Signal,
Das den Moment verkünden sollte,
Wenn Hoffnung nicht mehr leuchten wollte,
Nicht mehr der blut'ge Würfel rollte.
Längst schon hin auf dem Moderthurm
Das Meerhorn, um durch See und Sturm
Dereinst der Freyheit tapfern Söhnen
Den strengen Scheidegruß zu tönen.

Sie kamen, – seine Helden kamen
Langsam heran, berühmte Nahmen,
Und wen'ge Trümmer hinterher
Von jenem freud'gen Kampfesheer,
Stolz schreitend Kermans Ebn' entlang
Nach mohr'schem Zel und Paukentanzen, 54
Sieg ahnend, wenn die Sonne blank
Spielt' auf den mächtig hohen Lanzen; –
Und wenn die Hengste windschnell flogen,
Das wehnde Stierhaar nachgezogen,»Der zierlichste Schmuck ihrer Rasse besteht aus sechs weitfliegenden Quasten von langen weißen Haaren, dem Schweif der wilden Stiere, die man in einigen Gegenden Indiens antrifft, entnommen. — Thevenot.
Schien jedes Kampfroß sturmgeschnellt,
Ein Halbgott jeder Führerheld!
Wie trüb verwandelt nun! – Wie bleich
Die Angesichter, schrammenreich,
Geschaart am Gluthaltar zusammen!
Und wie sah der so trüblich drein,
Als stumm sie an den heil'gen Flammen
Erweckten ihrer Fackeln Schein! –
Stumm blieb's. Dem ganzen Kriegerchor
Schrieb längst der Jüngling Alles vor,
Und jedes Führerangesicht
Zeigt, muthig denkt' er seiner Pflicht.

Doch Zeit verrinnt, – Nacht schmückt den Himmel
Mit Edelsteinen; – Du Gewimmel
Von Himmelsaugen schaust hier bald,
Was Dir den stern'gen Schein macht kalt!
In Hoffnung schwebend wunderbar,
Sah jetzt die Maid der Helden Schaar
Die Sänfte schweigend ihr bereiten,
Hinstell'n sie vor den bangen Fuß; –
Der Jüngling schweigend ihr zur Seiten,
Hebt sie hinein mit zartem Gruß, 55
Drückt ihre Hand – mit solchem Drücken,
Wie Hand zum letztenmal es gibt,
Wenn Herz nach Trennungsaugenblicken
Nicht Leben mehr, nicht Freude liebt!
Und doch weckt ihr dies stumme Grüßen
Noch Hoffnung; – ach, wie falsch die kam,
Sie meynt, es sey ein Ueberfließen
Von Lust, seit den Entschluß er nahm
Zur Flucht; – sey Gluth, – sey Lieb-Ergießen –
Sey Alles – nur nicht Trennungsgram. –

»Schnell!« ruft sie; – »schnell! Nachtschatten nahn!
Vor Nacht muß uns die Bark' empfahn!
Und dann im Morgenlicht, – o Glück!
Mit Dir auf sonn'ger Tiefe fern,
Denk an dies Schrecken ich zurück; –
Entschwund'ner Angst ja denkt man gern;
Und Du,« – doch ha! – er starrt und schweigt.
Gott! Soll ohn' ihn, allein, sie fort?
Sie hat nun schon die Stell' erreicht,
Wo jüngst noch erst sein holdes Wort
Ihr tröstend in die Seele fiel,
Wie Klang des Engels Israfil,»Der Engel Israfil hat die klangreichste Stimme von allen Geschöpfen Gottes.« — Sala.
Wenn jedes Blatt an Edens Zweigen
Süß bebt vor seiner Töne Reigen; –
Doch nun – o nun, – er ist entschwunden; –
»Hafed! Mein Hafed! – muß es seyn,
Daß Tod Du wählst in nächt'gen Stunden,
So laß mit Dir dem Tod mich weihn, 56
Und Deinen Nahmen segn' ich lind,
Bis mir der letzte Hauch entrinnt.
O laß uns nah' seyn Mund und Wangen,
Wenn sie verblüh'n im letzten Bangen!
Laß unsre Scheidehauch' uns erben,
Und tausend Tode will ich sterben!
O Ihr, forteilend mit Gewalt,
O Einen Augenblick nur: Halt!
Ein Augenblick ist ja nicht viel, –
Vielleicht noch kommt Er, den ich bat:
Hafed! Mein Hafed!« – All den Pfad
Entlang im jammernden Gefühl, –
Ein Steinherz bräch' so holdem Gram –
Rief: »Hafed!« sie, – kein Hafed kam.
Nein – armes Paar – sahst Dich zuletzt!
Warum sankt da nicht Beyd' Ihr nieder?
Der Traum ist aus, – das Ziel gesetzt, –
Ihr seht Euch nie auf Erden wieder!

O Armer, der sie rufen hört,
Wie er am Hang des Felsen stand,
Mit Fieberaugen, wild verstört,
Nachspäh'nd der Fackeln Glimmerbrand,
Der ihm bergab mit Trauerstrahl
Sein ganzes Glück hienieden stahl!
Gleich den Seefahrern hoffnungslos,
Die einen theuern Leib versenkten,
In mondbestrahlten Meeres Schooß,
Dann fürder ihren Fluthweg lenkten,
Und stets auf dem Verdeck noch stehn,
Und trauernd lang' zurück noch sehn,
Im Mondlicht suchend, wo die Welle
Spielt ob freudloser Grabesstelle! 57
Doch sieh: – er starrt, – was traf sein Ohr?
Ein wilder Ruf! – Vom Thal empor,
Vom Land her dringt's, und tönt die Enge
Des Schlundes durch, als ob die Menge
Von Graungestalten im Reviere, –
Kobold und Diw' und Höllenthiere, –
Bräch' aus in Einen brüll'nden Laut, –
So war der Klang, so grimm, so laut!
Er ruft, »da sind die Moslems! – da!«
Und aus dem kühnen Auge sah
Sein stolzer Geist; – »nun, Heldenseelen,
Im Sterndom dort, von Blut und Fehlen
Befreyt, nun jauchzt! – Zu Euch empor
Schwebt bald ein gluthverwandter Chor!«
Er sprach's – und leicht, wie Bräut'gam eilt
Zur Braut, klimmt auf er zum Altar,
Wo noch der Kreis der Helden weilt,
Gezückt ihr Schwert die edle Schaar
Zugleich, durch Einen Herzensdrang
Als jener Dämonsruf erklang.
Und horch, – nochmal – stets näher schallt
Sein Wiederhall im Abgrundswald; –
O wer, die Helden dort erblickend,
Fest ihre Hand den Schwertgriff drückend,
Zum Feldherrn jeder Blick gewandt
Voll Gluth, – wer sieht nicht, daß, entbrannt
Von zorn'ger Schaam, sie's kaum ertragen
So nahen Feind noch nicht zu schlagen?

Er kommt, und theilt dies muth'ge Werben.
»Was? Unser Arm lenkt noch das Schwert, –
Und – soll'n wir zahm und einsam sterben?
Kein Opfer unser Nachtgefährt? 58
Kein Moslemherz, darin begraben,
Die Klinge würd'ge Ruh mag haben?
Nein. – Iran's sonn'gem Wolkengott
Wär' ruhmlos Opfer Zorn und Spott! –
Nein; – mög' all' Erdenglück zerstieben, –
Schwert, Athem, Rach' ist ausgeblieben.
Des Thales dunstges Grau'ngeflecht
Besiegeln wir mit unsrem Stahl,
Daß Zwingherrn schaudern, wenn ihr Knecht
Erzählt vom blutgen Ghebernthal.
Folgt tapfre Herzen! – Zuflucht geben
Mag dies Gerüst vor Kett' und Leben;
Doch schöner stirbt der Held, deß Hand
Sich Moslems häuft zur Grabeswand!«

Rasch geht's den klipp'gen Fels hernieder,
Furchtbar geschwellt so Herz als Glieder
Von mehr, als ird'scher Kraft. – Der Feind,
Den qualm'ger Fackeln Strahl bescheint,
Zieht froh durch finstern Schlundes Krümme,
Wie durch Golkonda'sS. Hoole's Bemerkungen über die Geschichte des Sindbad. Thalesstreif
Die Schlange kreucht in ihrem Grimme
Langsam mit tödlich blankem Schweif.
Der Gheber braucht nicht Fackelglanz;
Er kennt des Thals Geheimniß ganz.
Oft sah im Hin- und Wiederstreichen
Er schon der Thiere blutigen Tanz.
Selbst Tiger aus den Hölen schau'n
Ihn ruhig an als ihres Gleichen:
Bandlos, wie sie, der Welt ein Grau'n! 59
Ein dunkel steiler Hohlwegpfad
Dehnt sich, von wo der Moslem naht.
Erwünschter Ort, den Feind zu fassen,
Daß Viel vor Wenigen erblassen!
Des heut'gen Morgens Wolkenguß
Macht brusttief diesen Paß zum Fluß,
Und rechts und links steht rauh Gestein,
Gehäuft in riesig hohe Reihn,
Als Wächter unwillkommner Gäste
Vor junger Freyheit Bergesveste.
Hier steht ob nächt'gem Klippenschlund
Der Rest von Irans Rachebund,
Und hüthet todesstill den Gang,
Lauscht nach der Moslems Heeresklang
So regungslos, daß Gei'r und Aar
Nah hinstreicht, wie um todte Schaar. –

Sie kommen – ihr Geräusch im Wasser
Wird Zeichen für die blut'gen Hasser.
Nun, Ghebern, gilt's, wenn Schneid' und Spitze
Noch Euerm Schwert nicht ward geraubt!
Weh Euch Ihr Moslems an der Spitze!
Ein Säbelhieb grüßt jedes Haupt,
Und wie sie taumelnd niedersinken,
Und blut'ge Well'n die Leichen trinken,
Drängt überhin zum Todesmahl
Sich neuer Opfer rasche Zahl,
Bis kaum in Hafeds Schaar sich fand
Ein Arm, für rüstig noch zu achten;
Denn regungslos an blut'ger Hand
Hing schon der Säbel, matt vom Schlachten.
Nie traf ein Willkomm so voll Weh
Ein Drängerheer, – und nimmer je 60
Ward Kämpfern für Gesetz und Heerd
Ein grimm'ger Opferfest gewährt!

Den tiefen, dunkeln Pfad entlang, –
Durch den rothdustrer Schimmer drang
Von halbverloschner Fackeln Gluth,
Zerstückt, wildlodernd aus dem Blut, –
Wie wogts von Grausen hin und wieder! –
Kopf, – Turban, – zuckendblut'ge Glieder, –
Manch Schwert, das, wie's entfiel der Hand,
Gleich starr im Pfuhl des Mordes stand; –
Elende, watend matt zum Strand,
Halb brennend, halb von Fluth umrungen,
Erliegend zwischen Well' und Brand; –
Manch Andrer, ängstlich fest umschlungen
Vom Sterbenden, sinkt wundlos nieder
In blut'gen Todschaum seiner Brüder!

Jedoch umsonst, daß Tausend fallen,
Da andre Tausend fürderwallen!
Wie zahllos hin nach nächt'gen Feuern
Den Flug die Nordinsecten steuern
Zum Tod in Brand und Dampfesschleyern,
So dringen sie zum gräßlichrothen
Kampfplatze, bis aus Moslemstodten
Ein Damm sie hinträgt sonder Weichen
Hoch über Sterbenden und Leichen –
Graunvolle Brück'; – an's grimme Ziel. –
Nun, Ghebern, welch ein Los nun fiel
Euch Unbeglückten? Bleibt ein Hoffen
Euch, deren flammend Grabesmahl
Den Feind anglüht mit rauch'gem Strahl,
Zu seiner Schmach ihm zeigend offen, 61
Wie Wen'ger Schwert ihn hat getroffen?
Von wüster Obmacht umgerannt,
Stirbt Mancher, wo zuerst er stand;
Doch Andre gehn im herbern Streite
Noch kühn an ihres Hafed Seite,
Der langsam, stets die Stirn gezeigt
Dem Feinde, zu den Thürmen weicht,
Dem Löwen gleich, – hinweggerissen
Durch Jordans überschwellnde Fluth
Aus seinen Hölenfinsternissen,»In diesem Dickicht pflegen an den Ufern des Jordan unterschiedliche Gattungen wilder Thiere zu hausen. Die Ueberschwemmungen des Stromes, wodurch sie bisweilen aus ihren Schlupfwinkeln fortgespült werden, gaben Anlaß zu dem Gleichnisse des Jeremias: »Er wird aufstehn, wie ein Löwe vor den Fluthen des Jordan.« — Maundrell's Aleppo.
Lang' streitend mit des Stromes Wuth, –
Ficht er im zaudernd stolzen Schritt,
Und Feind und Schicksal zaudern mit.

Doch welche plötzliche Verschwindung?
Hafed ist fort! – Kein Lichtesschein!
Strombett' und labyrinth'sche Windung
Verstreu'n der Moslems wirre Reih'n.
Den Fackelträgern flucht die Menge,
Die fern noch zögern vom Gedränge,
Und möchte wie der Bluthund spüren,
Da Nacht und Klippe falsch sie führen!
Vergebens Wünschen! – Das Gewirr
Tost weiter stets, doch mehr stets irr,
Bis, blind vom fernen Lichtesschimmer, 62
Schon taumeln selbst die kühnsten Klimmer,
Verstört und grimm und sonder Halt
In Schwindels drehender Gewalt,
Hinstürzend, daß der Abgrund schallt. –
Manch Andrer schwebt am Felsenhang,
Gespießt auf Klippen, lebend bang,
Des Raubgeflügels Mahl, und brüllt,
Bis Echoschrey die Tiefe füllt.

Und diese letzten Rachezeichen,
Die je zu Hafeds Ohr noch reichen,
Vernahm er, wo am Schwindelstein
Er matt lag, athemlos, allein,
Bey seiner blutumrauchten Klinge,
Als sey nun Alles aus und leer,
Als ob nach blut'gem Taggedinge
Sein Iran selbst zufrieden wär.
Ein einzig Bild nur findet Raum
In seiner Seele wildem Traum
Von Blut und Elend, –sie, ach sie,
Planet des Herzens, der noch funkelt
Im trüben Geist, wo Gram und Müh
Jedwedes andre Licht verdunkelt; –
Und nimmer mocht' ihr Angedenken
Ihm je so holden Zauber schenken.
Es war als sey jedwedes Bangen,
Ihr Lieben störend, ab und todt,
Und jeder Erdendunst vergangen,
Der ihm sein holdes Licht bedroht –
Als ob den sonst schon reinen Glanz
Ein ew'ges Licht noch schöner mahlte,
Und er sie schaut im Siegeskranz,
Der auf ihn selbst vom Himmel strahlte! 63

Da sprach es dicht bey ihm, – die Stimme
Kam von dem Ein'gen, der dem Grimme
Rachblut'ger Nacht entgangen war;
Ein Freund und Held aus seiner Schaar:
»Fließt hier denn unser Todesblut?
Rings Feinde! Nah die Altargluth!«
Da fühlt er neu die Kraft erstanden,
Und ruft: »Was? Auch noch jetzt nicht los, –
Auch jetzt nicht los von Moslemsbanden?« –
Das bräch' dem letzten Todesstoß
Die eis'ge Kraft. Zum kühnen Lauf
Springt er, ganz Blut, vom Boden auf,
Und faßt den Waffenbruder fest,
Den mehr, als ihn, die Kraft verläßt,
Und führt ihn steil hinan den Pfad,
Wo schrittweis mehr dem Tod man naht.
Hilf ihnen, Gott, zu dem sie rufen! –
Sie klimmen, – bluten auf den Stufen, –
Roth sind die Klippen – Tropfen schwanken
Roth von des Felsens wilden Ranken, –
Dein Schwert auch, Hafed, treulos doch
Zuletzt, brach Dir als Stütze noch, –
Rasch! – Feindruf – o nun rasch den Lauf –
Feindruf dringt näher schon herauf! –
Ein Schwung noch! – Himmel, es gelang!
Sie stehn auf Felsens Gipfelhang,
Sie fassen schon die Tempelwand,
Und Hafed sieht des Feuers Helle, –
Da sinkt sein Freund ihm von der Hand,
Todt auf des Heiligthumes Schwelle.
»O tapfrer Geist, zu schnell entflohn!
Und kann ich nicht den Leib entraffen,
Wird er der Räuberfersen Hohn, 64
Und Ziel für jedes Feiglings Waffen!
Nein, nein, bey jenes Altars Licht!«
So ruft er, hebend das Gewicht
Des Todten, mehr als menschlich ringend,
Und hin zur heil'gen Flamm' ihn schwingend.
Mit halb schon mattgekämpfter Hand
Legt er den Leib auf den Altar;
Dann schwingt er den geweihten Brand
Zum Holzstoß, und der leuchtet klar,
Blitzähnlich über Omans Fluth. –
»Nun Freyheitsgott, in Deine Gluth!«
Stolzlächelnd ruft's der Jüngling aus,
Und schwingt sich aus zum Flammenhaus,
Durch letzten Schwung zum Tod' entführt,
Eh Gluth den edlen Leib berührt!
Was will der Schrey auf Omans Wellen?
Von jener Barke drang er auf,
Schnell sichtbar in der Gluth Erhellen, –
Nun wieder fort im nächt'gen Lauf. –
Es ist das Boot, – warum sein Flug
So träg? – das Moslems Tochter trug,
Der treuen Sorgfalt anvertraut
Von einem Häuflein grauer Helden,
Dem nicht des edlen Führers Laut
Sein Todesopfer wollte melden;
Er hoffte, daß, wenn Hinda frey
Vor ihres Vaters Augen träte,
Ihr Anblick schon ein Zauber sey
Der für die treuen Ghebern bäte. –
Mit Hafed's Schickung unbekannt,
Und hüthend stolz ihr schönes Pfand,
Durchzieh'n sie kaum die zorn'gen Wellen,
Die wild um jene Höhlen schwellen, 65
Als wohlbekannten Mordruf's Klang
Empor vom fernen Thale drang; –
Und jedes Ruder, regungslos,
Hängt tröpfelnd an der Barke Seiten,
Und frey läßt in der Fluthen Stoß
Man schaukelnd hin und her sie gleiten,
Derweil sich jedes Angesicht
Stumm auf zum Schicksalsfelsen wandte,
Wo noch des Altars Dämmerlicht
In Einsamkeit und Frieden brannte.

O Hinda, nicht die glüh'ndste Kunde
Der Phantasie erreicht den Schmerz,
Der Dir in schweigend banger Stunde
Mit Todesängsten drang an's Herz!
Wer's fühlte, der mag Kunde geben, –
Doch, fühlt' er's je – wie könnt' er leben?
Nicht war es nur der herbe Stand,
Wenn schwer uns preßt der Schickung Hand,
Wenn, ob auch längst das Aergste kam,
Doch nicht die Furcht noch von uns weicht,
Ob Hoffnung sterbend Abschied nahm,
Ihr Spuk noch irr das Herz durchschleicht;
Nein – sey auch Alles, Alles hin,
Wohl dennoch lebt der kranke Sinn,
Wie Ding', im kalten Stein gefunden,
Lebendig, ringsher todtumwunden.
Doch das noch gäb' ein dumpfes Ruh'n,
Ein Starr'n; – ihr würd' es gütlich thun,
Verglichen mit dem heißen Jammer,
Haupt ihr durchzieh'nd und Herzenskammer, –
Der Schreckenslähmung, stummbedacht,
Die hauchlos Alles nimmt in Acht, – 66
Dem bangen Klopfen, Aechzen, Stechen,
Nichts hilft dem Herzen, als – Zerbrechen!

Still ist die Fluth; – des Himmels Sterne
Zieh'n her um's Boot im Wiederschein; –
Wohl Nächte gab es, wo so gerne
Sie, jetzt in wilder Seelenpein,
Ganz stillvergnügt und einsam saß,
Und, andre Freude nicht begehrend,
Das Sternenspiel im Wasser maß, –
Zufrieden, ja beglückt im Weben
Der Jugend, welche lind verklärend
Das Herz erfüllt mit heiterm Leben;
Sie, selbst ein Stern voll sel'gem Licht,
Braucht ja entlehnte Schimmer nicht.
Wie anders nun! – Doch horch! – Das war
Erneuter Mordruf! – Tapfre Schaar,
Umsonst drängt Ihr Euch kühn zum Rand
Der Bark', – umsonst hält jede Hand
Die Sichelklinge halb gezogen; –
'S ist aus! – die Schwerter rosten nun; –
Er, auf deß Wink sie sieghaft flogen,
Sinkt eben jetzt zum ew'gen Ruh'n!
Ja, schaut nur auf zur Thurmesrunde!
Fragt staunend Euch nur, was doch meynt
Schlachtruf in dieser stillen Stunde! –
Sie weiß es, sie, die halb versteint,
Bleich, sinnenlos, von Graus erfaßt,
Die Stirn lehnt an thaukalten Mast,
Sie weiß: – er, mehr als eignes Leben
Ihr lieb, ihr holder Abgott fast,
Verhaucht vor Mördern jetzt sein Leben. 67

Doch sieh, – was schwebt am Felsenkranz?
Gilt's ein Signal? – 'S ist Fackelglanz!
Was will sein einsamliches Glimmen?
Jedwedes Auge starrt im Nu
Empor zum Altar, – Hinda, Du
Mit Augen, die schon halb verschwimmen!
Ein Augenblick, – und lodernd flog
Die Todesgluth zum Himmel hoch,
Und hat ein Trauerlicht versandt,
Auf Fels und Wellen nachtumschattet!
Und Hafed, als Erscheinung, stand
Verklärt vor Altars Flammenfluth,
Hoch, schaurig, wie der Geist der Gluth,
Im eignen Element bestattet! –
»'S ist Er!« – so ruft sie bebend aus, –
Doch eh sie schweigt, sinkt er zurück;
Hoch fliegt der Grabesflammen Braus,
Und hin ist ihr und Persiens Glück!

Ein Schrey, der bang' noch los sich ringt, –
Dann, wie um nach der Gluth zu fassen,
Von der nicht mehr die Augen lassen,
Fliegt in das Meer sie, und versinkt: –
Tief, tief, – wo nicht mehr Angst und Schmerz
Berühren darf ihr schuldlos Herz!


»Fahr' wohl denn! Fahr wohl Du, Arabia's Tochter!« –
So sang eine Peri im Fluthengerinn.
»Der grünliche Golfo des Oman, nie flocht er
In Schalen je Perlen, so rein wie Dein Sinn! 68

Wie Blumen des Meeres, die letzt Dich umtauchen,
War lieblich und leicht Dein noch kindliches Herz:
Da traf Dich, wie Saitenspiel südliches Hauchen»Dieser Wind (der Samun,) löset die Saiten der Zithern dergestalt, daß man, so lange er anhält, sie nicht zu stimmen vermag.« — Stephens Persia.,
Verstimmend, verstörend ein liebender Schmerz.

Doch singen, wenn Gegenwart längst schon hieß: weiland,
Verliebte von ihr durch Arabia's Luft,
Von ihr, die nun schlummert am perlenden Eiland,
Wo Seestern»Zu den großen Merkwürdigkeiten des Persischen Meerbusens gehört der von den Engländern sogenannte Sternfisch. Er ist kreisförmig, und durch sein Funkeln bey Nacht sieht er aus, wie ein Vollmond, den Strahlen umgeben.« — Mirza Abu Taleb. umschimmert die wogende Gruft.

Und stets, wenn die fröhliche DattelzeitEine Beschreibung aller Ergötzungen der Dattelzeit, – ihrer Arbeiten, Tänze und des Heimkehrens mit gesammelten Früchten aus den Palmenhainen gibt Kempfer. Amoenitat. Exot. funkelt,
Und Alter und Jugend zum Palmenhain zieht,
Wird lächelndes Auge von Thränen umdunkelt,
Wenn Abends im Heimgang Dich preiset das Lied.

Das dörfliche Mädchen, mit blumigen Flocken
Hell schmückend ihr Haar für den festlichen Ort, – 69
Gedenket sie Dein, so vergißt sie der Locken,
Und wendet stilltrauernd vom Spiegel sich fort.

Nicht Iran vergißt Dich, Du Heldengeliebte! –
Zwar hemmt ihr die Thränen tyrannische Wacht,
Doch Hafed und Dich hält die Schweigendbetrübte
Umbalsamt in Herzens geheiligter Nacht.

Fahr wohl; – und Dein Kissen sey zierlich umzogen
Mit jeglichem Schmuck, den im Meere man traf;
Mit Blumen der Klippen, mit Gemmen der Wogen
Durchsänftigen wir Dir und durchleuchten den Schlaf.

Der lieblichste Ambra soll rings Dich umstrahlen,
Der weinenden Vögeln des Meeres entfloßEinige Naturforscher haben gemeynt, der Ambra sey ein Gerinn von Thränen der Vögel. — S. Trevour, Chambers.,
Und Muscheln, in deren mondleuchtenden Schalen
Uns Ocean-Peris der Schlummer umschloß.

Wir tauchen nach Gärten voll schöner Korallen,
Und pflanzen die rosigsten Dir um das Haupt,
Und lassen das stäubende Gold Dich umwallen,
Aus Kaspia's funkelndem Sande geraubt.»In der Bay Kieselarke, sonst auch die goldene Bay genannt, leuchtet der Sand, wie Feuer.« — Struy. 70

Fahr wohl! – Und bis schwindet der göttliche Segen
Des Mitleids aus tapfrem und zärtlichem Muth,
Beweint man den Held, auf dem Felsen erlegen,
Beweint man das Mägdlein, das schläft in der Fluth.



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