Karl Kraus
Glossen bis 1924
Karl Kraus

 << zurück weiter >> 

Für Amateure

Kerr, den als den Vertreter deutschen Geistes nach England nun auch Amerika und Spanien zu sehen bekommen (als ob der Aufreizung nicht schon genug wäre), über Brandes:

... Im überströmenden Ruhm.
Im sanft mordenden Endglück.
Ecco.
Brandes begreift; und liebt.
Er schuf hier sein größtes Buch. Ein Wunderwerk.
(Ich nehm's mit – und ich will bei Genf eine Seite feierlich darin lesen.)

Gehst denn nicht! ... Und wo der überall hinkommt! Aber was sind Worte. Man sollte nur noch mit dem Photographen arbeiten. Kerr, bei Genf irgendwo ausgestreckt, eine Seite, aber nur eine, feierlich in Brandes lesend. In Brandes! Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Meiner Seel, ich fahr' ihm nach und nehm' ihn auf. Ein Mmmausi! Pschsch, nicht stören! Jetzt –!Hat ihn schon. Ecco.

Und das lesen Tausende in Berlin, wo es gedruckt, und überall, wo es ernsthaft nachgedruckt wird, ohne in ein Gelächter auszubrechen wie Donnerhall, daß den Franzosen bange wird. Still, Mama liest Goethe. Aber das ist eine Kirmes gegen die Andacht, wenn Kerr Brandes liest.

So ein verflixtes Komma!

... zahlreiche Advokaten, Schriftsteller aus Bankkreisen, weiters noch die Bankiers ...


 << zurück weiter >>