Rudyard Kipling und Wolcott Balestier
Naulahka, das Staatsglück
Rudyard Kipling und Wolcott Balestier

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Elftes Kapitel.

Tarvin traf den Maharadscha, der seine morgendliche Dosis Opium noch nicht zu sich genommen hatte, im Zustand tiefster Niedergeschlagenheit. Ganz von seinem Vorhaben erfüllt, blickte der Mann aus Topaz den indischen Machthaber lauernd an und des Maharadscha erstes Wort gab ihm denn auch Gelegenheit zu der beabsichtigten Erklärung.

»Wozu sind Sie hierher gekommen?« fragte der Radscha.

»Nach Rhatore?« fragte Tarvin dagegen mit einem Lächeln, das die Unendlichkeit des Horizonts umfaßte.

»Jawohl, nach Rhatore,« brummte der mißgestimmte Herrscher. »Der Minister Sahib sagt, Sie gehörten zu keiner Regierung und seien nur gekommen, um über uns zu schreiben und Lügen zu sagen. Warum sind Sie gekommen?«

»Ich bin gekommen, um Ihren Fluß abzugraben. Es ist Gold darin,« versetzte Tarvin ruhig.

»Dann gehen Sie zur Regierung und reden mit der,« sagte der Maharadscha verdrießlich und abweisend.

»Soviel ich weiß, ist's Ihr Fluß,« sagte Tarvin mit ungetrübter Heiterkeit.

»Mein Fluß! Mein ist im ganzen Staat nichts! Tag und Nacht liegen die Kaufleute vor meiner Thür und wollen Geld haben. Der Vertreter Sahib läßt mich keine Abgaben erheben, wie meine Väter es thaten, Armee habe ich auch keine.«

»Das stimmt,« brummte Tarvin in sich hinein, »Mit der will ich eines schönen Morgens durchbrennen.«

»Und wenn ich eine hätte,« fuhr der Maharadscha fort, »so hätte ich niemand, gegen den ich kämpfen könnte. Ich bin ein alter Wolf, dem alle Zähne ausgezogen sind – gehen Sie!«

Dieses Gespräch fand in dem Marmorhof statt unmittelbar vor dem von Sitabhai bewohnten Flügel des Palasts. Der Maharadscha saß in einem zerbrochenen hölzernen Lehnstuhl, während das Stallpersonal eine ganze Reihe gesattelter und gezäumter Pferde vorführte in der Hoffnung, daß eins für den Morgenritt des Maharadscha gewählt würde. Die verbrauchte, stickige Luft des Palasts strich mit dem Morgenwind über die Marmorfliesen; erfrischend und heilsam war der Geruch nicht.

Tarvin, der nicht vom Pferd gestiegen war, legte sein rechtes Bein über den Widerrist des Ponys und wartete gelassen. Er kannte die Wirkung des Opiums auf den Maharadscha, und dort kam schon ein Diener mit einer kleinen Metallschale, die den aus Wasser und Opium gemischten Trank enthielt. Der Maharadscha schluckte gesichterschneidend das Gebräu, leckte die letzten braunen Tropfen vom Schnurrbart ab, sank in seinen Stuhl zurück und starrte mit leeren Augen in die Weite. Nach ein paar Minuten sprang er auf: ein stattlicher, fröhlicher Mann!

»Sind Sie da, Tarvin Sahib? Sie müssen da sein, sonst fühlte ich mich nicht so aufgelegt zum Lachen! Reiten Sie diesen Morgen?«

»Ich stehe zu Diensten.«

»Dann lassen wir den jungen Foxhallhengst herausführen, der wirft Sie unfehlbar ab!«

»Schön,« sagte Tarvin gleichmütig.

»Ich selbst werde meine persische Stute reiten. Brechen wir auf, ehe der Vertreter Sahib kommt,« entschied der Maharadscha.

Die Stallknechte eilten davon, um den Befehl auszuführen, da vernahm man von außen her ein Hornsignal und Räderknirschen.

Der Maharadscha Kunwar kam die Stufen herauf und trippelte auf den Vater zu, der ihn zärtlich in die Arme nahm und auf sein Knie setzte.

»Was führt dich her, Lalji?« fragte der Fürst.

»Lalji«, der Liebling, war des Knaben Kosename im ganzen Palast.

»Ich wollte mit meiner Leibwache exerzieren, aber Väterchen, ich bekomme für meine Soldaten nur schlechtes Sattelzeug aus dem Staatsarsenal! Jeysinghs Sattel ist mit Bindfaden gestickt, und Jeysingh ist doch gerade mein bester Soldat! Er erzählt mir auch so schöne Geschichten,« setzte der Maharadscha Kunwar hinzu, der mit dem Vater hindostanisch sprach, seinem englischen Freund aber herzlich zunickte.

»Haha! Du machst's wie alle!« rief der Maharadscha, »Immer wollt ihr etwas haben vom Staat! Was möchtest du denn eigentlich?«

Das Kind legte die winzigen Hände bittend zusammen und griff dann zutraulich in den ungeheuren Bart des Vaters, den dieser nach Radschputensitte über die Ohren gebürstet trug.

»Nur zehn neue Sättelchen,« bat der Knabe. »Sie sind ja da, ich habe sie in der Sattelkammer hängen sehen, aber der Stallmeister sagte, ich müsse erst den König fragen.«

Des Maharadscha Antlitz verdüsterte sich und er stieß einen für seine Anschauungen furchtbaren Fluch aus.

»Den König! Der König ist ein Sklave, ein Knecht,« grollte er, »der Knecht der Geschäftsträger Sahibs und dieses weibischen englischen Raj, aber bei Indur! des Königs Sohn wenigstens soll ein Königssohn sein! Was für ein Recht hatte Saroop Singh, dir etwas vorzuenthalten, was du begehrst, Prinz?«

»Ich sagte ihm auch,« versetzte der Maharadscha Kunmar, »das werde meinem Vater gar nicht gefallen. Aber weiter sagte ich nichts, denn ich war nicht sehr wohl, und du weißt ja« – das kleine Gesicht senkte sich, daß man nur noch den Turban sah –, »ich bin noch ein Kind. Kann ich die Sättel haben?«

Tarvin, der von dem Gespräch zwar kein Wort verstand, saß gemütlich auf seinem Pony und verständigte sich durch freundliche Blicke mit seinem großen und seinem kleinen Freund. In der Todesstille der Morgenfrühe war er hergekommen; der Hof hatte förmlich wiedergehallt vom Girren einer Taube auf dem hundertfünfzig Fuß hohen Turm, so still war es gewesen. Jetzt aber war das Leben im Palast erwacht, und auf allen vier Seiten rauschte und raschelte es hinter den grünen Fensterläden. Er unterschied sogar gedämpfte Atemzüge, das Knistern seidener Gewänder, das leise Knarren der Holzlatten an den Läden, die vorsichtig auseinandergeschoben wurden, um einen Durchblick zu gewinnen. Schwere Dünste von Moschus und Jasmin stiegen ihm in die Nase und erfüllten ihn mit Besorgnis, denn sie bewiesen ihm, daß Sitabhai mit ihren Frauen alles beobachtete und belauschte. Aber weder der Maharadscha, noch sein Sohn kümmerten sich im mindesten darum. Der Prinz war ganz erfüllt von dem englischen Unterricht, den ihm Frau Estes gab, und der König nahm fast ebenso großes Interesse daran als der Knabe. Damit auch Tarvin an der Unterhaltung teilnehmen könne, sprach das Kind jetzt englisch, sprach aber ganz langsam und deutlich, daß ihn der Vater leichter verstehe.

»Ich kann dir auch ein neues Gedicht sagen,« plauderte Lalji, »das ich erst gestern gelernt habe.«

»Kommt etwas von ihren Göttern darin vor?« fragte der Maharadscha argwöhnisch. »Bedenke immer, daß du ein Radschpute bist!«

»O nein, o nein! Davon steht gar nichts drin! Es ist nur englisch und ich hab's so schnell gelernt.«

»So sag mir's her, kleine Weisheit! Du wirst ein Schriftgelehrter werden und in einem langen schwarzen Talar auf die englische Universität gehen.«

»Unsre Flagge hat fünf Farben,« versetzte der Maharadscha Kunwar, wieder in die heimische Mundart verfallend, »wenn ich für sie gekämpft habe, will ich erst ein Engländer werden!«

»Ach mein Kind, man führt keine Krieger mehr ins Feld bei uns – jetzt sag nur deinen Vers!«

Das geheimnisvolle Raunen von Hunderten unsichtbarer Augen- und Ohrenzeugen wuchs immer mehr an. Tarvin mußte sich vorbeugen, um den Knaben zu verstehen, der von des Vaters Knie herabgeglitten war, die Hände hinter dem Rücken verschränkte und ohne jeden Ausdruck in einem Atem die Worte herleierte:

»Tiger, Tiger, glühend bunt
In dem Wald zur Nacht,
Welch unsterblich Wesen schuf
Deiner Farben Pracht?
Gab es dir die Furchtbarkeit
Mit des Herzens Schlag,
Oder warst du mild und sanft
An der Schöpfung Tag?«

»Es ist noch länger, aber das fällt mir nicht ein,« schloß er, »nur zuletzt heißt's, das weiß ich noch:

›Der so furchtbar dich gemacht,
Schuf er auch das Lamm?‹

Ich hab's sehr schnell gelernt.«

Und nun klatschte der Maharadscha Kunwar sich selbst mit den kleinen Händchen Beifall, in den Tarvin einstimmte.

»Verstanden hab' ich's nicht,« gestand der Vater auf hindostanisch, »aber es ist sehr nützlich, gut englisch zu lernen. Dein Freund hier spricht englisch, wie ich's nie hörte.«

»Ja,« stimmte der Prinz bei, »und er spricht auch mit dem Gesicht und den Händen, alles lebt, daß ich lachen muß, eh' ich noch weiß warum. Aber der Oberst Nolan Sahib spricht wie ein Büffel, mit geschlossenem Mund, und ich merke nie, ob er verdrießlich ist oder vergnügt. Sage mir, Vater, was thut Tarvin Sahib hier?«

»Jetzt reiten wir zusammen aus,« erwiderte der König. »Wenn ich heimkomme, gebe ich dir vielleicht Antwort auf deine Frage. Was sagen die Männer, die um dich sind, über ihn?«

»Sie sagen, er sei ein Mann von reinem Herzen, und, Vater, er ist immer gut gegen mich.«

»Hat er mit dir über mich gesprochen?«

»Nie so, daß ich's verstehen konnte, aber er ist gewiß ein guter Mann – sieh, jetzt lacht er!«

Tarvin, der bei Nennung seines Namens die Ohren gespitzt hatte, setzte sich jetzt im Sattel zurecht und faßte die Zügel, um dem König anzudeuten, daß es Zeit zum Aufbruch sei.

Jetzt führten die Stallknechte ein lang gestrecktes, stumpfschwänziges englisches Vollblut und eine mausfarbige Stute mit trockenen Gliedern vor. Der Maharadscha erhob sich.

»Geh' zu Saroop Singh, Prinz, und laß dir die Sättel geben,« sagte er zu dem Knaben.

»Was treibst du denn heute, kleiner Mann?« fragte Tarvin.

»Erst werde ich mir neue Ausrüstung besorgen, und dann will ich im Hof mit dem Sohn des Ministers spielen.«

Wie das Zischen einer verborgenen Schlange tönte es hinter den verhüllten Fenstern; offenbar war dort jemand, der des Kindes Antwort verstanden hatte.

»Siehst du Fräulein Käte heute?«

»Nein, heute nicht. Ich gehe nicht zu Frau Estes zur Stunde, ich habe Feiertag.«

Der König trat nahe an Tarvin heran und fragte ihn leise: »Muß er die Doktordame wirklich jeden Tag sehen? All meine Leute belügen mich in der Hoffnung, meine Gunst zu gewinnen, sogar der Oberst Nolan sagt mir, er halte das Kind für sehr kräftig. Sagen Sie mir die Wahrheit – es ist mein erstgeborener Sohn.«

»Nein, kräftig ist er nicht,« versetzte Tarvin ruhig, »und es wäre vielleicht gut, wenn Fräulein Sheriff ihn diesen Morgen zu sehen bekäme. Jedenfalls thun Sie besser, zu ängstlich zu sein, als zu unbesorgt.«

»Ich weiß nicht, was Sie meinen,« sagte der Maharadscha, »aber geh' du nur ins Missionshaus, mein Sohn.«

»Ich will aber lieber hier spielen,« entgegnete der Prinz widerspenstig.

»Du weißt gar nicht, was Fräulein Sheriff für Spiele für dich hat,« sagte Tarvin überredend.

»Was hat sie denn?« fragte Lalji rasch.

»Du hast eine eigene Kutsche und zehn Begleiter, fahr hin, dann wirst du's sehen.«

Tarvin zog einen Briefumschlag aus der Brusttasche, dessen amerikanische Zwei-Centmarke er mit einer gewissen Zärtlichkeit ansah. Darauf schrieb er in Eile die Worte: »Behalte den kleinen Burschen heute um Dich. Es liegt irgend eine Teufelei in der Luft. Ersinne irgend etwas, womit Du ihn beschäftigst, spiele mit ihm und halte ihn fern vom Palast. Deinen Brief erhalten. Ganz einverstanden.«

Er rief den Knaben zu sich und übergab ihm den Zettel.

»Bring' diese Botschaft dem Fräulein und sag' ihr, ich schicke dich. Du wirst es pünktlich besorgen, hörst du, kleiner Mann?«

»Mein Sohn ist keine Ordonnanz,« bemerkte der König von oben herab.

»Ihr Sohn ist nicht gesund,« erwiderte Tarvin leise, »wenn ich auch der Erste bin, der Ihnen die Wahrheit zu sagen wagt. – Sachte, sachte, das Tier hat ein weiches Maul!«

Diese Mahnung galt den Stallknechten, die den jungen Foxhallhengst kaum halten konnten.

»Der wirft Sie sicher ab,« rief der Maharadscha Kunwar in hellem Entzücken. »Der hat noch jeden Reiter abgeworfen!«

In diesem Augenblick klappte ein Fensterladen dreimal in der Stille des Hofes.

Einer von den Reitknechten trat vorsichtig an die rechte Seite des Pferdes, Tarvin setzte den Fuß in den Steigbügel, um aufzuspringen, aber der Sattel drehte sich vollständig unter ihm. Gleichzeitig gab man den Kopf des Pferdes frei, und Tarvin hatte gerade noch Zeit, den Fuß aus dem Steigbügel zu ziehen, als das Pferd einen gewaltigen Satz machte.

»Man kann's geschickter angreifen, wenn man jemand umbringen will,« sagte Tarvin laut und kaltblütig. »Führen Sie ihn mir her.«

Als der Hengst vor ihm stand, gurtete er ihn eigenhändig, wie das Tier noch nie gegurtet worden war, seit es ein Gebiß trug, dann schwang er sich in den Sattel, während der König schon durch den Thorbogen sprengte. Der Gaul stieg ein paarmal, stemmte dann die Vorderbeine bocksteif gegen den Boden und schlug nach hinten aus. Tarvin, der sich gleich nach Cowboyart zurechtgesetzt hatte, sagte vollkommen ruhig zu dem Knaben, der jeder Bewegung mit Spannung folgte: »Mach' dich auf den Weg, Maharadscha! Vertrödle deine Zeit nicht hier, ich will sehen, daß du zu Fräulein Käte gehst!«

Das Kind gehorchte, wenn es ihm auch sauer geschah, sich von dem Anblick des bäumenden Pferds loszureißen. Jetzt wandte der Hengst alle Kunstkniffe an, seinen Reiter loszuwerden, er weigerte sich rundweg, den Hof zu verlassen, obwohl ihm Tarvin erst hinter dem Sattel und dann zwischen den entrüstet gestellten Ohren faßliche Befehle erteilte. An Stallknechte gewöhnt, die beim ersten Anzeichen von Widerstand aus dem Sattel glitten, wurde der Hengst über ein solches Benehmen rasend. Jählings rannte er durch den Thorbogen, drehte sich auf der Hinterhand vollständig herum und jagte der Stute des Maharadscha nach. Sobald man auf freiem Feld und Sandboden war, hielt er die Gelegenheit für günstig, seine Schnellkraft zu entfalten, aber auch Tarvin ersah seinen Vorteil. Der Maharadscha, der in seiner Jugend für den schneidigsten Reiter gegolten hatte in einem Volksstamm, der vielleicht im Reiten der erste der Welt ist, drehte sich im Sattel und verfolgte den Kampf zwischen Mann und Roß mit höchster Spannung.

»Sie reiten wie ein Radschpute,« rief er dem vorüberfliegenden Tarwin zu. »Lassen Sie ihn in geradem Lauf rennen, bis er genug hat.«

»Nicht eh' er weiß, wer Herr und Meister ist,« rief Tarvin zurück, indem er den Gaul herumwarf, daß ihm die Knochen krachten.

»Shabasch! Shabasch! Bravo! Bravo!« rief der Maharadscha, als der Hengst der Faust des Reiters gehorchte. »Tarvin Sahib, sie sollen meine regulären Reiter kommandieren!«

»Lieber zehn Millionen irreguläre Teufel!« rief Tarvin höchst unverbindlich. »Zurück, du Luder! Zurück!«

Unter dem Druck des Zaums legte sich der Kopf des Pferds tief auf die mit Schaumflocken bedeckte Brust, aber eh' es ganz nachgab, bohrte es wieder die Vorderbeine in den Sand und bockte gerade so heimtückisch, wie eines von Tarvins eigenen Steppenpferden daheim im Westen.

»Beine strecken und Brust heraus,« murmelte Tarvin vergnügt vor sich hin, während der Gaul munter weiterbockte. Jetzt war der Reiter in seinem Element und fühlte sich ganz nach Topaz versetzt.

»Maro! Maro!« rief der König. »Jetzt hauen, aber scharf!«

»Ach nein, den Spaß kann man ihm schon gönnen,« bemerkte Tarvin heiter. »Ich hab's ganz gern.«

Als der Hengst müde wurde, mußte er richtig zehn Schritte rückwärts machen.

»So, jetzt kann's weiter gehen,« sagte Tarvin, an des Maharadscha Seite in Trab fallend. »Ihr Fluß ist voll Gold,« bemerkte er nach kurzem Schweigen, als ob er ein eben abgebrochenes Gespräch fortsetzte.

»Als ich noch jung war, pflegten wir hier im Frühling den Eber mit dem Schwert zu jagen. Damals waren noch keine Engländer hier. Da drüben bei den Felsblöcken habe ich mir einmal das Schlüsselbein gebrochen.«

»Voll Gold, Maharadscha Sahib. Wie meinen Sie, daß man's heben könnte?«

Tarvin kannte des Königs Neigung, Gespräche abzulenken, war aber nicht gesonnen, nachzugeben.

»Was verstehe ich davon!« warf der König hin. »Fragen Sie den Vertreter Sahib!«

»Aber, Maharadscha Sahib, wer beherrscht diesen Staat, Sie oder der Oberst?«

»Sie wissen es. Sie haben genug gesehen,« erwiderte der König und setzte, nach Norden und nach Süden deutend, hinzu: »Hier eine Eisenbahnlinie, dort eine Eisenbahnlinie, ich bin wie eine Ziege zwischen zwei Wölfen.«

»Aber das Land zwischen den beiden Linien ist jedenfalls Ihr Eigentum, womit Sie schalten können nach Belieben.«

Sie waren jetzt zwei oder drei Meilen vom Weichbild der Stadt entfernt und ritten längs dem Ametfluß dahin; die Pferde versanken bis über die Fesseln in dem weichen Sand. Der König blickte über die schlangenartigen Windungen des trägen, schimmernden Wassers nach den weißen mit Buchen bewachsenen Erdwellen der Wüste und der aus weiter Ferne herüberschimmernden Linie von Granithügeln, wo der Amet entsprang. Es war kein Anblick, der eines Herrschers Herz erfreuen konnte.

»Ja, ich bin der Herr dieses Landes,« sagte er, »aber der vierte Teil meiner Einkünfte bleibt in den Taschen derer, die sie einziehen, ein Viertel verweigern mir die schwarzgesichtigen Kamelzüchter des Sandmeers, und ich darf nicht gegen sie zu Feld ziehen, ein Viertel erhalte ich vielleicht, aber die Leute, die mir das letzte schuldig wären, wissen nicht, wohin sie es schicken sollen – jawohl, das nennt man einen reichen König!«

»Unter allen Umständen müßte der Fluß Ihr Einkommen verdreifachen.«

Der Maharadscha sah Tarvin aufmerksam an.

»Und was würde die englische Regierung dazu sagen?« fragte er.

»Ich weiß nicht recht, was die englische Regierung damit zu schaffen hätte! Sie können Orangengärten anlegen, wo es Ihnen beliebt, und Kanäle in weitem Bogen herumführen,« – in Seiner Majestät eingesunkenen Augen leuchtete ein Verständnis auf – »den Fluß auszubeuten, wäre eine viel einfachere Sache. Sie haben es doch schon mit Goldwaschen versucht, nicht?«

»Es wurde etwas Gold aus dem Fluß gewaschen, doch nur einen Sommer hindurch. Meine Gefängnisse waren damals so überfüllt, daß ein Aufruhr der Sträflinge zu fürchten war. Zu sehen war aber nichts außer diesen schwarzen Hunden, die im Sand wühlten. Das war in dem Jahr, wo ich mit einem Schimmelpony den Punahbecher gewann.«

Tarvin schlug schallend auf den Schenkel – was fruchtete es, mit diesem schlaffen Mann über Geschäfte zu reden, der alles, was ihm das Opium an Seele übrig gelassen hatte, für eine Kurzweil hingab. Er wußte aber auch diese Neigung zu benützen.

»Ja, viel zu sehen ist allerdings nicht beim Goldwaschen,« bemerkte er. »Man müßte oben an der Gungrastraße einen kleinen Damm machen, das wäre interessanter.«

»In der Nähe der Hügel?«

»Ja.«

»Niemand hat je den Amet eingedämmt,« sagte der König. »Er steigt aus dem Grund und versinkt in den Grund und zur Regenzeit ist er so breit wie der Indus.«

»Wir wollen aber vor der Regenzeit das ganze Flußbett bloßlegen – auf einer Strecke von zwanzig Meilen,« sagte Tarvin, scharf beobachtend, welchen Eindruck dieser Gedanke auf den König mache.

»Kein Mann hat je dem Amet ein neues Bett gegraben,« war die teilnahmlose Antwort.

»Weil kein Mann es je versuchte. Geben Sie mir die nötigen Arbeitskräfte, und ich lenke den Amet, wohin ich will.«

»Und wohin kommt das Wasser?« fragte der König.

»Es soll einen andern Weg gehen, gerade wie der Kanal einen andern Weg gehen mußte, um den Orangengarten nicht zu berühren.«

»Ach! Damals sprach der Oberst noch mit mir, als ob ich ein Kind wäre!«

»Sie wissen auch, daß er ein Recht dazu hatte, Maharadscha Sahib,« sagte Tarvin kaltblütig.

Diese Vermessenheit war so groß, daß der König einen Augenblick wie erstarrt war. Er wußte ja, daß die Geheimnisse seines häuslichen Lebens Gemeingut aller Klatschmäuler der Stadt waren; denn dreihundert Weibern den Mund zu schließen, geht über Fürstenmacht; aber daß man ihm selbst gegenüber so unverhohlen darauf anspielte, wie dieser verwegene Fremdling, der ein Engländer war und doch keiner, darauf war er nicht vorbereitet.

»In diesem Fall wird der Oberst nichts gegen Ihre Absicht einwenden,« fuhr Tarvin fort, »und überdies kommt sie Ihrem Volk zu gute.«

»Das auch sein Volk ist,« bemerkte der König.

Die Wirkung des Opiums ließ allmählich nach, und des Königs Haupt sank schlaff auf die Brust herab.

»Dann werde ich morgen mit der Arbeit beginnen,« erklärte Tarvin. »Dabei gibt's viel zu sehen! Ich muß die geeignetste Stelle aussuchen für den Damm – ich nehme an, daß Sie mir ein paar Hundert Sträflinge zur Verfügung stellen können.«

»Sind Sie deshalb hierher gekommen,« fragte der König, »um meinen Fluß abzulenken und meinen ganzen Staat auf den Kopf zu stellen?«

»Weil Ihnen das Lachen gut bekommt, Maharadscha Sahib, deshalb bin ich hier. Sie wissen's ja so gut wie ich. Ich will jede Nacht Pachisi mit Ihnen spielen, bis Ihnen die Augen zufallen, und dann hab' ich noch ein Talent, das in diesem Erdteil selten vorkommt – ich kann die Wahrheit reden.«

»Haben Sie mir die Wahrheit gesagt über den Maharadscha Kunwar? Ist er wirklich krank?«

»Krank nicht, aber schwächlich. Dem kann indes Fräulein Sheriff vollständig abhelfen, verlassen Sie sich darauf!«

»Ist das die reine Wahrheit? Bedenken Sie, daß er nach mir den Thron besteigen soll!«

»Wenn ich Fräulein Sheriff recht kenne, wird er ihn auch besteigen. Nur keine unnötigen Sorgen, Maharadscha Sahib!«

»Sie und Fräulein Sheriff sind sehr gut Freund miteinander? Sie kommen aus dem nämlichen Land?«

»Ja, aus derselben Stadt.«

»Erzählen Sie mir von dieser Stadt.«

Tarvin, der sich darum nie vergebens bitten ließ, fing arglos zu erzählen an. Er erzählte des langen und breiten mit der Wahrscheinlichkeit, die er seinen Berichten zu verleihen wußte, und die Liebe zu Topaz und die Bewunderung seiner Stadt riß ihn derart hin, daß er nicht mehr bedachte, wie wenig der König den mit westamerikanischer Mundfertigkeit hervorgesprudelten Worten folgen konnte. Mitten in seiner Rhapsodie unterbrach ihn aber der Maharadscha mit der Frage: »Warum sind Sie aber nicht dort geblieben, wenn die Stadt so herrlich ist?«

»Weil ich Sie sehen wollte,« versetzte Tarvin, rasch gefaßt. »Weil ich drüben von Ihnen gehört habe, Maharadscha Sahib.«

»So ist es doch wahr, was meine Dichter singen, daß mein Ruhm ertönt an allen vier Enden der Welt? Ich will Bussant Naos Mund mit Gold füllen, wenn dem so ist.«

»Darauf können Sie Ihr Leben wetten, Maharadscha Sahib. Ist es Ihnen aber lieber, wenn ich wieder gehe? Sie brauchen nur ein Wort zu sprechen!«

Tarvin that, als ob er sein Pferd herumwerfen wollte. Der Maharadscha versank für eine Weile in tiefes Nachdenken, dann begann er zu sprechen, langsam und besonders deutlich, daß Tarvin jedes Wort wohl erfassen möge.

»Ich hasse alle Engländer,« sagte er. »Ihre Art ist nicht meine Art; sie machen uns nichts als Scherereien, wenn hier und da ein Mann totgeschlagen wird. Auch Tarvin Sahibs Art ist nicht meine Art, aber er macht mir viel weniger Scherereien und er ist der Freund der Doktordame.«

»Auch der Freund des Maharadscha Kunwar, dächte ich,« sagte Tarvin.

»Sind Sie ihm ein wahrer Freund?« fragte der Fürst, ihm scharf in die Augen sehend.

»Und ob! Den Mann möchte ich sehen, der es wagen wollte, Hand an den Kleinen zu legen! Er würde verschwinden, Herr, weggefegt werden von der Erde, nicht mehr sein! Ganz Gokral Sitarun würde ich mit ihm auftrocknen!«

»Ich sah, wie Sie eine Rupie im Fluge treffen, bitte, lassen Sie mich das noch einmal sehen.«

Ohne einen Augenblick an die Nerven des jungen Hengstes zu denken, nahm Tarvin seinen Revolver, warf eine Münze in die Luft und feuerte. Das Geldstück, dieses Mal ein frisches, fiel, genau in der Mitte durchschossen, zur Erde; das Pferd aber machte tolle Sätze, und auch die Stute des Maharadscha tänzelte aufgeregt. Zu gleicher Zeit ertönte von hinten her dröhnender Hufschlag. Das Gefolge, das bisher seinen vorgeschriebenen Abstand von einer Viertelmeile ehrfürchtig innegehalten hatte, jagte mit eingelegten Lanzen in Carriere heran. Der König lachte verächtlich.

»Sie denken, Sie hätten auf mich geschossen,« sagte er, »und wenn ich nicht Einhalt gebiete, so sind Sie ein toter Mann. Was soll ich thun?«

Tarvin streckte den Unterkiefer vor, wie es in gewissen Stimmungen sein Brauch war, warf das Pferd herum und sah, die waffenlosen Hände auf dem Sattelknopf gefaltet, den Reitern entgegen, ohne den König einer Antwort zu würdigen. Der Trupp stob in unregelmäßigem Haufen heran, jeder Reiter mit eingelegter Lanze vorne über den Sattelknopf geduckt, der Anführer der Truppe ein langes, breites Radschputenschwert schwingend. Tarvin fühlte mehr, als er sah, wie die schlanken, vergifteten Lanzenspitzen auf die Brust des Hengstes zusammenliefen. Der König ritt etliche fünfzig Schritt seitwärts und beobachtete, wie er ganz allein in der flachen Ebene dem Angriff entgegensah. In dem kurzen Augenblick, wo ihn wirklich der Tod angrinste, überlegte Tarvin, daß ihm doch so ziemlich jeder andre Kunde lieber wäre als ein indischer Maharadscha.

Plötzlich rief der König ein Wort, und die Lanzenköpfe senkten sich, als ob sie abgehauen worden wären. Der Trupp teilte sich und wirbelte zu beiden Seiten an Tarvin vorüber, wobei sich jeder Mühe gab, wenigstens des weißen Mannes Stiefel kräftig zu streifen. Dieser starrte vor sich hin, ohne den Kopf zu drehen; der König, der herangeritten war, brummte beifällig vor sich hin.

»Würden Sie das für den Maharadscha Kunwar auch gethan haben?« fragte er, sein Pferd wendend, so daß er wieder an Tarvins Seite war.

»Nein,« sagte dieser gelassen. »Da hätte ich lang vorher zu schießen angefangen.«

»Was? Fünfzig Mann würden Sie der Reihe nach erschossen haben?«

»Nein, aber den Anführer.«

Der König schüttelte sich vor Lachen und hielt eine Hand in die Höhe. Auf dieses Zeichen ritt der Hauptmann der Leibwache heran.

»Oho, Pertab Singh-Ji, er sagt, er würde dich erschossen haben,« teilte ihm der König mit und setzte, zu Tarvin gewendet, lächelnd hinzu: »Er ist nämlich mein Vetter.«

Der wohlbeleibte Radschpute verzog den Mund grinsend von einem Ohr zum andern, entgegnete aber zu Tarvins höchster Ueberraschung in tadellosem Englisch: »Bei ungeschulten Truppen wäre es das Richtige, die würden mit dem Fall des Führers ausreißen, wir sind aber nach englischem Muster gedrillt, wie ich auch meinen Rang und Auftrag unmittelbar von der Königin erhalten habe. In der deutschen Armee ist der Dienst . . .«

Tarvin riß förmlich Mund und Nase auf.

»Doch, Sie sind ja nicht Fachmann in militärischen Dingen,« unterbrach sich Pertab Singh-Ji mit verbindlichem Lächeln. »Ich will nur bemerken, daß ich Ihren Schuß hörte und wohl sah, um was es sich handelte. Wir haben aber den Befehl, sofort einzuschreiten, wenn in der Nähe Seiner Hoheit ein Schuß abgegeben wird; darum bitte ich, den Ansturm zu entschuldigen.«

Mit soldatischem Gruß zog er sich zu seinen Leuten zurück. Die Sonne brannte jetzt schon sehr unangenehm, und der König und Tarvin ritten in gemäßigter Gangart heimwärts.

»Wieviele Sträflinge können Sie mir zur Verfügung stellen?« fragte Tarvin nach einer Weile.

»So viele Sie haben wollen, die Gefängnisse sind gepfropft voll,« versetzte der König, mit Begeisterung darauf eingehend. »Bei Gott, Sahib, einen Mann wie Sie habe ich nie gesehen, ich würde Ihnen geben, was Sie haben wollen.«

Tarvin nahm den Hut ab und trocknete sich unter Lachen die feuchte Stirne.

»Ich nehme Sie beim Wort, und was ich fordere, soll Sie nicht einmal etwas kosten!«

Der Maharadscha brummte zweifelhaft vor sich hin. Die Leute verlangten in der Regel gerade das von ihm, was er nicht hergeben mochte.

»Diese Rede klingt mir fremd, Tarvin Sahib!« bemerkte er.

»Und ist doch richtig. Ich wünsche nichts, als das Naulahka sehen zu dürfen. Alle Staatsdiamanten und goldenen Karossen habe ich gesehen, nur das Naulahka nicht.«

Der Maharadscha trabte etliche hundert Schritte schweigend einher.

»Weiß man auch davon in dem Lande, wo Sie herkommen?« fragte er dann.

»Selbstverständlich! Jeder Amerikaner weiß, daß es das Großartigste in ganz Indien ist. Das steht in allen Reisehandbüchern,« log Tarvin unverfroren.

»Steht in den Büchern auch, wo es ist? Die Englischen sind ja so weise!«

Der Maharadscha blickte gerade vor sich hin und lächelte leise.

»Nein, das steht nicht darin, aber es heißt, der Maharadscha von Gokral Sitarun wisse es, und ich möchte es sehen!«

»Sie müssen wissen, Tarvin Sahib,« sagte der Fürst wie aus tiefen Gedanken heraus, »daß unsre Naulahka nicht ein, sondern das Staatskleinod ist, ein Heiligtum – Staatsglück bedeutet ja sein Name. Selbst ich habe es nicht in Verwahrung und kann nicht befehlen, daß es Ihnen gezeigt wird.«

Das war eine bittere Enttäuschung für Tarvin!

»Aber wenn ich Ihnen sage, wo es ist,« fuhr der König fort, »so können Sie auf Ihre eigene Gefahr hingehen, die Regierung hat da nichts drein zu reden. Ich habe gesehen, daß Sie keine Gefahr scheuen, und ich habe einen dankbaren Sinn. Vielleicht, daß die Priester es Ihnen zeigen, vielleicht auch nicht. Möglich, daß Sie die Priester überhaupt nicht antreffen – ach, ich vergaß ja! In dem Tempel, woran ich dachte, ist es gar nicht. Nein, nein, es muß im Gye-Mukh sein – das heißt Kuhmaul. Aber dort sind keine Priester und niemand geht hin. Jawohl, jawohl, im Kuhmaul ist's; ich dachte erst, es wäre in der Stadt,« setzte der Maharadscha hinzu. Es klang, als ob von einem verlorenen Hufeisen oder einem verlegten Turban die Rede wäre.

»Versteht sich, im Kuhmaul,« wiederholte Tarvin, gerade wie wenn er durch seine Reisehandbücher auch über das »Kuhmaul« ganz genau unterrichtet wäre.

Mit erneuter Lebendigkeit fuhr der König fort: »Bei Gott, nur ein sehr tapferer Mann wird zum Gye-Mukh gehen, nur ein so tapferer wie Sie, Tarvin Sahib« – er sah seinen Gefährten mit schlauem Blinzeln von der Seite an –. »Pertab Singh-Ji zum Beispiel, der ginge nicht, nicht um die Welt, nicht mit der ganzen Truppe, der Sie heute standgehalten haben.«

»Warten Sie mit Ihren Lobeserhebungen, bis ich sie verdient habe, Maharadscha Sahib,« sagte Tarvin. »Warten Sie, bis der Fluß abgeleitet ist.«

Dann versank er in Schweigen; diese letzten Mitteilungen lagen ihm ein wenig schwer im Magen.

»Nein, Ihre Stadt, die wird ungefähr sein wie diese?« bemerkte der Maharadscha, nach dem vor ihnen aufsteigenden Rhatore deutend.

Tarvin hatte bis auf einen gewissen Grad seine anfängliche Verachtung für Rhatore und Gokral Sitarun überwunden. Es lag in seiner Natur, den Ort, wo er lebte, und die Menschen, mit denen er lebte, gütig zu beurteilen, und diese Anlage machte sich auch in Indien geltend.

»Topaz wird in kurzem größeren Umfang haben als Rhatore,« erwiderte er.

»Und wenn Sie dort sind, was ist dann Ihre Würde?« fragte der Maharadscha.

Ohne zu antworten, zog Tarvin Frau Mutries Telegramm aus der Tasche und reichte es dem König. Wo es seine Wahl galt, war ihm auch die Teilnahme eines opiumsaugenden Radschputen nicht gleichgültig.

»Was bedeutet das?« fragte der König so verständnislos, daß Tarvin verzweifelt mit den Händen herumfuchtelte.

Er erklärte nun seine Beziehungen zum Staatswesen, wobei die Legislatur von Colorado zu einem amerikanischen Parlament anwuchs. Wenn der König ihm durchaus seinen vollen Titel geben wolle, bekenne er sich zum »Ehrenwerten« Nikolas Tarvin.

»Das ist so etwas wie die Mitglieder des Provinzialrats, die von Zeit zu Zeit hierher kommen?« meinte der Maharadscha, an die grauköpfigen Herren denkend, die in bestimmten Zeiträumen bei ihm erschienen, mit einer Machtvollkommenheit ausgerüstet, die der des Vizekönigs nur wenig nachgab.

»Aber Sie werden doch dem ›gesetzgebenden Körper‹ keine Briefe schreiben über meine Regierungsweise?« fragte er argwöhnisch, denn ihm fielen überaus neugierige Abgesandte des britischen Parlaments ein, die wie Mehlsäcke zu Pferd saßen und ihm ohne Unterlaß Regierungsweisheit predigten, wenn er viel lieber zu Bett gegangen wäre. »Und vor allem sind Sie doch,« setzte er langsam hinzu, als man sich jetzt dem Palast näherte, »ein wahrer Freund des Maharadscha Kunwar? Und Ihre Freundin, die Doktordame, wird ihn gesund machen?«

»Zu dem Zweck sind wir ja alle beide hier!« versicherte Tarvin, einer plötzlichen Eingebung gehorchend.


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