Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
Rathsstübel Plutonis
Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen

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112. Spes.

Daß Tugend und Frombkeit Reichthumb genug seyen / wil ich mit meiner Histori beweisen / die ich in einem Gottseligen Buch gelesen hab / und jetzt erzehlen wil; Alß die Statt Constantinopel noch von Christlichen Keysern beherrschet / und von lauter Christen bewohnet wurde / liesse ein so reicher / alß frommer Wittwer daselbsten seinem eintzigen / nach seinem Gottseligen Sinn wolerzogenen Sohn zu sich vor das Todtbeth kommen / sagende: Mein Sohn / wann du einwilligen wolltest / so wolte ich ein Testament machen / darinn ich dich alß ein getrewer Vatter zuversorgen bedacht bin: der Hoffnung / gleich wie du mir alle deine Lebzeit gehorsam gewesen bist / also werdest du auch solchem meinem letzten Willen nicht wiedersprechen / ob dich gleich beduncken möchte / ich handelte mit der Vermächtnuß meiner Verlassenschaft wider die H. Schrifft / die da außtrucklich befihlt / wer eines Vatters Erb seyn solle? oder wider die weltlichen Gesetze und Gewohnheit / oder auch wol gar wider die natürliche Vatter-Lieb und Treu! Der tugentliche gehorsamme Sohn antwortet / hertzliebster Herr Vatter / ewer zeitliches Vermögen ist ewer: ich / ewer unwürdiger Sohn bin auch ewer: und wolle mich mein GOtt behüten / daß ich mich demjenigen nicht wiedersetze / was ihme wegen deß einen und andern / wegen seines Sohns und wegen seines hinderlassenen Guts zuverordnen beliebt; alß der ich mich versichert halte / daß mein hertzgeliebter und hochgeehrter Herr Vatter nichts anders thun und handlen wird / alß was er weiß / daß es Gott angenehm und gefällig / mir aber an Leib und Seel nutzlich sey: Der Vatter erfrewte sich über seines Sohns Antwort / und sagte / GOtt segne dich mein Sohn! Jch verordne dir zu einem Pfleger und Vormünder Christum unsern Heyland / demselben befleisse dich zudienen / und ihn mit einem tugentlichen Leben zuverehren / ich hab vor dich gebetten / und werde auch noch nicht auffhören ihn vor dich zubitten / daß er dich nach seinem allergnädigsten Willen regieren / leiten und führen wolle / du darffst auch an seinem Schutz und Schirm / an seiner Hülff und Gnad / und an seiner Vorsorg und götlichen Segen gar nicht zweifflen / so lang du auff dem Weg der Tugend und Gottseligkeit verharren wirst: vors erste! Zum andern were mein Will / so fern du mir darein consentirest / daß mein Verlassenschafft gleich under die Armen außgetheilt werde: zwar nicht allein darumb / dieweil die Werck der Barmhertzigkeit GOtt gefallen / und wir dardurch üben was an sich selbst ein Göttliche Eigenschafft ist / sondern damit ich desto frölicher von hinnen scheiden möge / wann ich dich nicht mit so vielen Güttern beladen zuseyn hinderlasse / alß welche deine Jugent villeicht ins Verderben bringen möchten; Der Sohn bedanckte sich mit weinenden Augen umb die getrewe vätterliche Liebe und Vorsorg: theilet alsobald seines Vatters Gütter under die Bedürfftigen / und wurde nach seines Vatters Hintritt selbst so bedürftig / daß er von den edlen Jünglingen der Statt / die ehemahlen seine beste Cammerrahten gewesen / verlassen und verachtet wurde / welches er aber mit Gedult übertruge / seinem Vormünder desto fleissiger dienete / und auff seine Hülff und Versorgung hoffete; Eben damahls hatte Myrologus umb seine einige Tochter / die schönste Lympidam gleich so viel Freyer / alß etwann die keusche Penelope in Abwesenheit ihres Manns gehabt: dann er war eines grossen Ansehens / darneben reich / aufrichtig / fromm / von jedermann geliebt / und bey dem Keyser in grossen Gnaden / also daß er die Wahl hätte / einen Tochtermann auß den edelsten Jünglingen in Constantinopel zuerkiesen; warüber er dann offt mit seiner Gemahlin / der tugentreichen Hapsa zu Raht gieng / in dem beyde das reiffe Alter ihrer Tochter considerirten / und sich auch gern durch sie bey der Posterität verewigt zu sehen wünscheten / damit ihr grosses Gut nicht an frembde Erben gelange / ob sich gleich die Tochter lieber in ein Closter begeben wolte; Einsmahls conferirten diese beyde Eheleuth hiervon auff ihrem Beth / weil sie eben dieses Anliegens wegen die gantze Nacht hindurch nicht schlaffen konten / und batten GOtt / daß er ihre Tochter mit einem fromen Ehegemahl versorgen wolte: machten auch nach gethanem Gebett diesen Schluß und theten diß Gelübt (doch mit dieser Protestation / daß sie GOtt nicht versuchen / sondern auff seine göttliche Providentz sich verlassend / ihr Versprechen halten wolten / umb dardurch sich der Freyer zubefreyen / und allem Unglück / das auß so vieler Mitbuhler Eyffersucht entstehen möchte vorzukommen) daß sie / wann sie morgen ihre tägliche Gewohnheit nach mit ihrer Tochter die Früh-Meß besuchten / dem jenigen Jüngling / auß denen die ihnen an ihrem Herkommen gleich weren / und neben ihnen vor allen andern am ehisten zur Kirchen käme / ihre Tochter vermählen wolten: So bald nun die liebe Sonne durch ihre Stralen den Lufft nur ein wenig am Morgen frühe erleuchtet / also daß man darauß abnehmen könte / daß sie sich selbsten im Aufgang am Firmament bald sehen lassen wurde / näherten sich Vatter / Mutter und Tochter der Kirchen / vor deren Thür sie den edlen und frommen Jüngling Proximum deß verstorbenen Modesti Sohn / der alle seine Verlassenschafft den Armen vermacht / stehen sehen / zuharren / biß der Kirchenwärter solche öffnet / umb sein Gebett und Andacht / eh die Kirch so gar vom Volck erfüllet wurde / desto besser und eynbrünstiger zuverrichten: weder Myrologus noch Hapsa oder Lympida kandten ihn / sahen aber wol an der Kleydung / daß er einer vom Adel war; dann Proximus trug sich / obwol nicht von kostbarem Stoff / jedoch der Mode nach wie es damahls bey den edlen Jünglingen ihr Stand und Herkommen erfordert: seine Physiognomia gefiele beyden Eheleuten im ersten Anblick / darumb eröffneten sie ihme auch desto ehender / daß er vom Himmel ihrer Tochter zum Ehegemahl beschert were / welches Glück er auch nicht ausschlug / sondern sich so gleich auff der Eltern Begehren und Zumuhten mit deren Tochter verlobte; Jch mag und kan eben nicht alle Umbständ dieser Histori weitläuffiger erzehlen / sondern schliesse hierauß / daß Gott die Tugend und Frombkeit nicht allein liebe / sondern auch zu meiner Zeit auff dieser Welt mit Reichthumb bekröne / ohne daß er solche auch ewiglich belohnet.

 
113. Simplicissimus.

Die Jungfer hat auch nicht Ursach / diese Geschicht weitläuffiger zu erzehlen / dann man ihre Meinung / und was sie villeicht hoffet / genugsam auß dem / was sie gesagt / verstanden: Jch habe diese schöne Histori erst neulich zu meiner Zeitvertreibung mit allen ihren Umbständen zu Papier gebracht / und werde sie villeicht der gantzen Welt durch den Edlen Truck gemein machen; Es ist aber so ein seltenes Exempel / das wenig Folg hat; zumahlen man siehet / daß GOtt die Seinige / die er hertzlich liebet / ehender umb ihres Besten willen mit Armuht belegt / alß mit Reichthumben überschwämmet: Wie dann Christus selbs auff dieser Erden uns zum Beyspiel gedienet / und so arm zuseyn beliebet / daß er nicht so viel eigens hatte / sein allerheiligstes Haubt dahin zulegen / und haben seine Jünger auß Hunger Kornähren außgeraufft / und geessen: Hingegen sehen wir / daß die Gottlose so kein Gewissen noch Achtung auff Ehr / und Tugend haben (ausser was sie vor der Welt nohtwendig müssen scheinen lassen) gemeinlich glücklich seynd / grosse zeitliche Reichthumb beydes zu prosperiren und zubesitzen: Wessentwegen dann von den meisten Theologis geschlossen wird / GOtt vergelte ihnen darmit ihre gute Werck / die sie etwann umb GOttes willen verrichtet / weil sie deß Himmels so hoch nicht / alß irrdische Güter verlangen / und also desselbigen nicht werth seyen. Jener fromme Jüngling zu Constantinopel dienete nicht GOtt deßwegen / daß er ihm anstatt seiner vätterlichen Reichtumb andere geben solte: GOtt aber ersetzte seinem Diener doppelt / was er umb seinetwillen den Armen so freygebig zukommen lassen; Meines Darvorhaltens thut der sehr thorecht / welcher GOtt darzu eintzig umb Verleyhung zeitlicher Güter bittet / und gleichsam alle seine Gebetter und Andacht dahin richtet: Dann GOtt gibt sie wem er wil / und dem jenigen entzeucht er sie / von denen er weiß / daß sie ihnen nicht nutzlich seyn; Jedermann weiß auß uns / daß man nicht GOtt und dem Mammon zugleich dienen kan: wil aber einer übereyn und mit Gewalt reich werden / so fällt er in die Strick des Teufels / alß dessen Knecht er zuseyn begehrt / und alßdann verhengt GOtt / daß ein solcher Geitzhalß / wonicht gar einen guldenen Wagen? doch wenigst ein Rad darvon bekomme / damit aber demnach seine Begierden nicht ersättiget werden (massen ich im letzten Theil meiner Lebensbeschreibung an einem Engelländischen Avaro ein Exempel vorgestellt) bis er endlich darüber stirbt / und besorglich auch an der vorlängst verstorbenen Seelen verdirbt; Mein erster Satz war / welchem Ernst sey reich zuwerden / der müsse das Gewissen nicht genaw beobachten: solches sage ich noch / sprich aber mit nichten / daß es recht und billich: viel weniger daß es GOtt angenehm sey; dieweil dann nun der Kriegsgewalt sich nicht an die Gerechtigkeit binden läßt / so weit / daß man ungestrafft rauben: und sich zueignen mag / was man offentlich vom Feind und auch so taliter qualiter heimlich vom Freund ablangen und erschnappen kan; so wil ich solche Geitzhälse / die mit aller Gewalt (es sey gleich per fas aut nefas) reich zuwerden / bey sich selbst beschlossen / mit Monsigneur Secundato auch in den Krieg gewiesen haben: seynd sie daselbsten nicht so glücklich ihren Geltdurst mit Erorberungen deß einen und andern zulöschen? so kan ihnen doch wiederfahren / daß sie desto ehender ihrer Marter abkommen; Jch wolte sagen / daß sie ihrer unerträglichen und hitzigen Gelt-Begierde durch Eysen / oder Bley (weil doch Gold und Silber nicht kommen wil) samt ihrem gepeinigten Leben desto ehender entladen werden: Daß man aber im Krieg reich und groß werden könne / wil ich mit einem etwas ältern / alß deß Monsigneur Secundati Exempel erweisen / welches ich auß deß Ritters Petri Mexiæ verteutschten Wunderwelt genommen / lautet beyläuffig von Wort zu Wort also: Der Tugent-berühmte und tapffere Venetianische Feldherr / und Vatter deß Francisci Sfortiæ, (dessen Söhn und Nachkommene bis auff unsere Zeit Hertzogen zu Meyland gewesen) war auß einem Dorff gebürtig / Catignola genandt / Attenduli eines armen Bauren Sohn / der sich deß Weingarten-Baus mit dem Karst zuhacken härtiglich ernähren müßte: Dieser junge Attendulus / den etliche auch Jaccomuzzus nennen / war von Natur ein starcker behertzter Mann / und zu den Waffen geneigt; verliesse derowegen auß hohem Geist und tapfferem Gemüht seines Vatters schwere Arbeit und saure Nahrung folgender Gestalt: Alß er einsmahls zu Sommers-Zeit in der grosten Hitz mit dem Karst gantz traurig hinauß auff das Feld gieng / vorhabens in dem Weinberge zuhacken / und etliche neu-geworbene Soldaten vorüber gehen sahe / die ihre Degen trugen / und sich lustig erzeigten: bekahm er etwas Lusts zum Krieg / verblieb doch im Zweiffel / ob er mitziehen / oder länger hacken wolte? Jn diesen Gedancken kam er zu einem Nußbaum unfern vom Weinberg / bey welchem er still stuhnde / und bey sich selbs sagte: Wolan! Jch wil an diesem Ort eine Prob nemmen / und meinen Karst auff diesen Baum werffen / bleibt er droben hangen / so wil ich mit in den Krieg ziehen / fallt er aber wider herunder / so soll mirs ein Zeichen seyn / daß ich ellender Tropff noch länger hacken soll / damit warff er den Karst auff den Baum / und alß derselbige fest droben behangen verblieb / liesse er ihn auch hangen wie er wolte / gieng heim / mondirte sich so gut er könte / und zog mit andern / die durch sein Dorff passirten / in den Krieg; Anfänglich war er ein gemeiner Soldat / wurd darnach ein Rottmeister / folgends ein Feldweibel / worauff er nicht lenger zufuß dienen wolte / sondern einen Reuter abgab / da er jelenger jemehr bis zum Generalat befürdert wurde: Und demnach er sehr starck von Leib und Gliedmassen gewesen / nandten ihn die Jtalianer Sfortia; Seinen Sohn Franciscum richtet er dermassen ab / daß er in allen Kriegs exercitiis den Vatter weit übertraff: daher er dann auch deß Hertzogen Philippi von Meyland Tochtermann / und folgends desselben Lands Hertzog worden ist. Herr Collybius nun wirds an euch sein.

 
114. Collybius.

Wann einem jeden seine Kappe gefallt / so kan man wol erachten / daß ich dem Kauffhandel nicht abstehen werde / durch welchen viel zu grossem Reichthumb kommen: worzu dann meinem ersten Satz nach ein guter Verstand / ein treffliche Dexteritet / und über diß eine Bekantschafft und vertrauliche Correspondentz mit außländischen Kauffleuten gehörig; daß aber solcher Handel vor allen andern Handthierungen / Geschäfften und Ständen am aller bequemlichsten seye / Gelt und Gut zugewinnen / und sich groß in der Welt zumachen / bezeugen nicht nur ein oder zwey / sondern unzahlbar tausend Exempel! Aber wer die Kunst nicht weiß / der mache den Kram zu: jener Kauffmann von Genua pflegte zusagen: Wer sich vorm Teuffel förchtet / wird nimmer Reich: Nun dem sey wie ihm wolle / eines jeden Gewissen wird auch einen jeden überzeugen / wessen er sich verhalten soll: ich sage nur / daß sich der Kauffhandel am allerbesten schickt zur Kunst reich zuwerden. Zeilerus meldet in seinem neu-verkürtzten Reißbuch deß Teutschlands Anno 1662. getruckt Pag. 433. daß Johannes Fugger (von welchem das ansehenliche Geschlecht der Herrn Gragen Fugger herstammet) auß dem Dorff Graben gebürtig / gewesen sey / etc. so durch Heuraht das Burgerrecht zu Augspurg bekommen / und neben seinem Handwerck / so er etlich wenig Jahr getrieben / mit Garn gehandelt habe / wardurch er reich und groß worden: man sehe sich umb / so wird man gewahr werden / daß under allen Privat-Personen die Kauff- und Handelsleuth am allerreichsten seyen? so daß auch die Ost-Jndiansche Compagney in Holland (auß deren Mitgliedern denen Gewindhabern sich einige mit etlichen Thonen Golds nicht außkauffen liessen) sich nicht scheuet / nicht nur mit etlichen nackenden Jndianischen Königen und ihren Unterthanen Krieg zuführen / sondern auch den Monarchen in Persia / den grossen Mogul in Jndia / und den gewaltigen Keyser in Zailon zugleich und zu einer Zeit mit Waffen anzuwenden? ich wil aber so weit nicht hinauß / noch rühmen / daß sie die meiste Parschafft besitzen / also daß sie auch gewaltigen Königen grosse Summen Gelts zulehnen pflegen: noch was sie weiters vermögen und thun könten / anregen: sondern allein meine einfaltige Histori erzehlen / die verhält sich also: Noch bey Menschen Gedencken / oder ja eine gar geringe Zeit zuvor wohnete ein verwittibte Krämerin in dem Chur-Cölnischen Stätlein Attendorn / die ihren Sohn in Holland schickte zu serviren und zubegreiffen / wie er ins künfftig seinen Handel nutzlich führen und prosperiren könte. Dieser insinuirte sich dergestalt bey einigen Kauffherrn / und stellte sein Sach so wol an / daß er alle Jahr seiner Mutter auß dem / was er erwarbe / viel von allerhand in seinem Heimath verkäuffliche Wahren heimschicken / und dannoch so viel in Handen behalten könte / seinen Bey- oder Nebenhandel fortzusetzen: neben andern Wahren schickte er einsmahl eine Platte von klarem Gold / so schwartz angestrichen gewesen nach Hauß seiner Mutter / unberichtet was er ihr vor ein Schatz zugesandt: dieselbe setzte sie unter einen Banck in ihren Kramladen / allwo sie stehen bliebe / bis ein Glockengiesser ins Land kam / bey welchem die Attendorner eine Glock giessen / und das Metall darzu von der Burgerschaft erbettlen zulassen beschlossen: Die so das Ertz samleten / bekahmen allerhand zerbrochene ehrene Bött oder Häfen / massen die irdine daselbst nicht gebräuchlich / und alß sie vor dieser Wittib Thür kamen / gab sie ihnen ihres Sohns Gold / weil sie es nicht kandte / und sonst kein zerbrochen Geschier hatte / der Glockengiesser / so nach Arnsperg verreisset war / und sich dort auffhielte / bis er auch einige Glocken daselbsten verfertiget / hatte einen Gesellen zu Attendorn hinderlassen / mit Befelch / die Form zu der daselbstigen Glocken zuverfertigen / und alle Anstalt bis auff den Guß selbst zumachen / mit dem Guß aber innzuhalten bis zu seiner Ankunfft: er thäte was er geheissen worden / alß aber der Meister nicht kam / und er auch selbst gern eine Prob thun wolte / umb zusehen was er könte / fuhr er mit dem Guß fort / und verfertigte den Attendornern ein von Gestalt und Klang so angenehme und gefällige Glocken / daß sie ihm solche bey seinem Abschied (dann er wolte von Attendorn zu seinem Herrn oder Meister nach Arnsperg gehen / ihme die Zeitung von seiner glücklichen Verrichtung zubringen) so lang nachleuten wolten / alß er sie hören könte: Uber das folgten ihm etliche nach / die ihn mit Kandten in den Händen begleiteten / und ihm mit dem Trunck zusprachen: Alß er nun in solcher Ehr und Frölichkeit bis auf die steinerne Brucke / die sich zwischen dem Fürstenbergischen Schloß Schnellenberg und Attendorn befindet / gelangte / begegnet ihm sein Meister / welcher anders nichts thät / alß daß er zu seinem Gesellen sagte: Was hast du gethan / du Bestia? ihm die Pistol an Kopf setzte / und damit eine Kugel dardurch jagte / darvon er alsobald das Leben auffgab: Zu dessen Geleitsleuten aber sagte er / der Kerl hat die Glocken gegossen wie ein anderer s. h. Schelm: er were urbietig solche wieder umbzugiessen / und der Statt weit ein ander Werck zumachen: Ritte darauf in die Statt / und wiederholte was er auff der Brucke gesagt hatte / alß ob er den Handel gar wol ausgerichtet: aber er wurde wegen deß begangenen Mords angepackt / und endlich ernstlichen gefragt / warumb er sein Gesellen todt geschossen / mit welchem sie doch wie auch mit seiner Arbeit und Glocken wol zufrieden gewesen: endlich bekante er / welcher Gestalten er an dem Klang abgenommen / daß eine zimliche Quantität Gold bey der Glocken were / so er nicht darzu hette kommen lassen / sondern weggezwackt haben wolte / dafern seyn Gesell mit dem Guß bis zu seiner Ankunfft / wie er ihm dann anbefohlen / gewartet hätte / von wessentwegen er ihm den Rest dann auch gegeben. Hierauff wurde ihm der Kopff weggeschlagen / dem Gesellen aber auff der Brucken / wo er sein End genommen / ein eysern Creutz zu ewigem Gedechtnuß auffgerichtet / welches auch noch ohn Zweiffel dort stehen wird. Underdessen könte Niemand ersinnen / woher das Gold zu der Glocken kommen seyn müßte / bis der Wittib Sohn mit Freuden und grossem Reichtumb beladen nach Hauß gelangte / und vergeblich betraurete / daß sein Gold Zween / einen schuldig und einen unschuldig umb das Leben gebracht: prætendiert er sein Gold gleichwol nicht wiederumb / nicht allein weil ihne GOtt anderwerts reichlich gesegnet / sondern auch / weil es einmahl zu dessen Ehren gewidmet war: Es hat aber längst hernach das Wetter in den Kirchthurn geschlagen / und wie sonst alles verbrannt war bis auff das Gemäur / also auch alle Glocken zerschmeltzet: Nach welchem Unfahl in der Aschen Metal funden worden / welches am Gehalt den Goldgülden gleich gewesen / worauß derselbig Kirchthurn wieder umb etwas repariert und mit Bley gedecket worden / allermassen ich ihn also dort gesehen / und mir diese Histori von alten Leuthen also erzehlen lassen. Und dieses soll seyn die Histori / die ich auß Befelch Herrn Secundati der anwesenden Compagney zuerzehlen schuldig gewesen. Jetzt Altvatter / was sagt ihr?


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