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20.

Die Liebe zwinget Weib und Mann,
kein Wunder liegt darin,
da sie den Himmel zwingen kann, –
warum nicht Menschensinn?

Reinmar von Zweier.

Unheimliche Ruhe lag über dem Kiosk; Dagmars Herz klopfte zum Zerspringen vor Aufregung, Scheu und Todesangst. Hastig trat sie in die Vorhalle, sie war öde und düster wie ein Grab, mit fahlem Aufzucken flackerte ein Blitz über die bunt eingelegten Wände und der purpurne Vorhang hob sich im Schatten der Pfeiler, wie die düstere Schwinge, welche das Unheil an der Schulter trägt. Die Angst trieb Dagmar mit hastigen Schritten weiter, schon hörte sie im Geiste die Wände und Säulen mit dumpfem Getöse bersten, um das blonde Männerhaupt in heimtückischem Sturze zu zermalmen, dessen wundersame Augen ihre ganze Seele in ein wogendes Meer der Liebe und Verzweiflung gewandelt.

Sie riß die Thüre auf und stürmte mit lautem Ruf des Entsetzens in das Arbeitszimmer: »Graf Desider.« hallte es höhnend an dem gewölbten Plafond wieder, und noch einmal wiederholt sie mit bleichen Lippen:

»Graf Desider!«

Da öffnet sich die Nebenthür, seine hohe, regungslose Gestalt steht auf der Schwelle.

»Fräulein von der Ropp, – Sie?!«

Mit weitgeöffneten Augen, aus welchen der Muth der Verzweiflung leuchtet, eilt sie ihm entgegen, umklammert seine Hand mit kalten, zitternden Fingern und zieht ihn ungestüm zur Thür.

»Kommen Sie! fliehen Sie, ehe es zu spät ist.«

Er hält ihre Hand fest und steht unbeweglich. »Fliehen? warum soll ich fliehen, Dagmar, ich verstehe Sie nicht?«

Ihr Blick fliegt voll namenlosen Grauens durch den öden Raum, auf dessen Parquetgetäfel noch unberührt die weißen Marmorsplitter liegen, abermals zuckt ein Blitz hernieder und taucht das zertrümmerte Steinbild in grelles Licht.

»Sehen Sie nicht, wie das Wetter näher kommt?« ruft sie schaudernd. »Um Gottes Barmherzigkeit willen, folgen Sie mir! retten Sie sich!«

»Sie fiebern, Baronesse!« sagt er voll milder Besorgniß, ihre bebenden Hände frei gebend, »Sie sind krank und aufgeregt! Setzen Sie sich nieder, beruhigen Sie sich, der Kiosk hat gute Blitzableiter und schon manches Wetter glücklich überstanden!«

Dagmar schüttelt energisch das Haupt, sie zwingt sich zur Ruhe: »Halten Sie mich nicht für irrsinnig. Graf, ich spreche in furchtbarer Gewißheit zu Ihnen. Droben die Blitze, die Gottes Hand schleudert, werden niemals das Haupt eines Gerechten treffen, aber jene furchtbaren Funken, die das Verbrechen unter ihnen in Nacht und Heimlichkeit entzündet, die verschlingen erbarmungslos ihr Opfer, ohne zu fragen: ist es des Todes schuldig!« Und mit einem Blick der Verzweiflung hebt Dagmar die gefalteten Hände. »Man will Sie verderben, Graf Desider!«

Er schüttelt mit ungläubigem und doch aufschreckendem Erstaunen das Haupt.

»Undenkbar, ich habe keine Feinde, Fräulein Dagmar!« sagte er mit leise zitternder Stimme, »erklären Sie sich!«

»Nun denn – so helfe mir Gott!« ruft sie außer sich, »ich schwöre es Ihnen, daß Ihr eigener Bruder, Graf Lothar von Echtersloh, unter dem Deckmantel jenes heranziehenden Wetters den Kiosk in die Luft sprengen will, um durch Ihren Tod den Folgen einer Wechselfälschung zu entgehen!«

»Herr mein Gott!« mit dumpfem Laut des Schmerzes schlägt Desider die Hände vor das bleiche Angesicht.

»Und nun kommen Sie! – kommen Sie, Graf! Der Boden schwankt unter unsern Füßen!«

Ihre Stimme ruft ihn wieder zu sich, langsam sinkt die Hand von dem ernsten, gramdurchfurchten Angesicht. »Wo wollen Sie mich hinretten, Dagmar?« ruft er voll bitteren Wehes, »hinaus in eine Welt voll Falschheit und Bruderhaß, in ein Leben voll ruheloser Wanderung und heimlichen Herzeleids, einsam, verlassen von Gott und der Welt, was soll der Verfehmte unter der bunten Menge! Gehen Sie, Dagmar, retten Sie Ihr liebes, junges Leben dem beseligenden Andenken, einem Unglücklichen die letzte Lebensstunde durch Ihre Barmherzigkeit versüßt zu haben! Haben Sie Dank für Ihr Kommen, Dagmar, Gott segne Sie dafür! Und wenn Sie mir das Sterben lieb machen wollen, dann sagen Sie mir zum Lebewohl, daß Sie die gestrige Stunde« er wies auf die Marmorsplitter – »vergessen und vergeben wollen!«

Er reichte ihr mit wehem Lächeln die Hand, Dagmar aber umklammerte sie mit leidenschaftlicher Erregung.

»Nein – Sie sollen – Sie dürfen nicht sterben, Graf, auf meinen Knieen beschwöre ich Sie, verlassen Sie den Kiosk!« Es war ein Schrei der Todesangst, welcher zu ihm aufgellte, zu seinen Füßen lag das liebreizende Weib und hob die gerungenen Hände zu ihm empor.

»Dagmar!« rang es sich von Desiders Lippen, schwindelnde Glut brauste durch seine Seele und ließ die starke Brust um Athem ringen. »Warum wollen Sie mich mit Zaubermacht an ein Leben ketten, welches mir ja doch für ewige Zeiten nur ein hoffnungsloses Grab ist? Ich liebe Sie, Dagmar, und werde nie von dieser unseligen Leidenschaft lassen können. Haben Sie darum zum ersten und letzten Male Erbarmen für mich, lassen Sie mich jetzt, in diesem Augenblicke sterben, wo das Leben mir den schönsten Scheidegruß gesandt!«

Dagmar richtete sich hoch und jäh entschlossen auf. Milde, wundersame Klarheit leuchtete ihr schönes Antlitz, veredelt in stolzem Todesmuth, in rührendster Innigkeit und Liebe strahlten die dunklen Augensterne zu ihm auf.

»Wohlan denn!« sagte sie ruhig, fast lächelnd, »wenn Du sterben willst, so nimm mich mit hinab in das Reich der Vergessenheit, Desider, denn ohne Dich ist kein Glück mehr für mich auf dieser Welt, ich liebe Dich – und liebe Dich so namenlos, daß selbst der Tod an Deiner Brust kein Schreckniß ist!«

Da erzitterte der starke Mann, er beugte die Knie vor ihrer holdseligen Gestalt und barg das Antlitz in den dunklen Kleiderfalten, Worte kannte er nicht für so viel blendende Glückseligkeit, und dann brauste ein Sturm durch seine Seele, flammend wie der Blitz am Himmel droben, voll donnernder Gewalt der Leidenschaft, welche ihn emporriß, um die Geliebte an die Brust zu schließen, um einen Kuß auf diese Lippen zu drücken, welche zweimal das Urtheil seines Lebens gesprochen: »häßlich über alle Begriffe,« und »treu bis in den Tod!«

Eine niegekannte Seligkeit brauste durch seine Sinne.

»Und nun, da ich das Leben alles Lebens errungen habe, soll ich von ihm scheiden? Nimmermehr, Dagmar! O, Du goldenes, sonniges Leben, wie bist Du mir so unendlich werth geworden! Draußen stürmt und tobt es, näher und näher zucken die verderbenden Blitze, folge mir, Geliebte, damit ich Dein geliebtes Haupt vor ihnen hüten kann!« Und Desider umschlingt ihre bebende Gestalt, um sie mit sich fort zur Thür zu ziehen.

Er legt die Hand auf das Schloß, er rüttelt mit Gewalt an der schweren Thür, umsonst, sie ist von außen verschlossen. Ein leiser Schrei klingt von Dagmars Lippen: »Wir sind verloren, Desider, eingeschlossen, gefangen in unserm Grab!«

»Gott wird uns helfen!« entgegnete Graf Echtersloh hastig, mit blitzendem Auge, er zieht das junge Weib ungestüm mit sich fort zur Seitenthür, auch sie ist verschlossen. »Nun denn, zu Hilfe Du Irrgeist von Casgamala!« ruft er jäh entschlossen, hebt Dagmar mit starken Armen empor an seine Brust, stürmt mit ihr in das kleine Schlafkabinet zur Seite und reißt eine graue Steinplatte aus den knirschenden Fugen, eine dunkle Oeffnung zeigt sich, feuchte, steinerne Stufen, welche in die Tiefe führen. Schaudernd schlingt Dagmar die Arme um seinen Hals und schließt scheu die Augen, fest und angstvoll schmiegt sie sich an ihn und Desider küßt ihren lockigen Scheitel und redet ihr Muth ein. »Noch wenige Stufen, wenige Schritte in dem Kreuzgang vorwärts und wir sind gerettet, Geliebte!« sagte er, hastig weiter eilend; dumpf hallen seine Schritte wieder, und schwere, modrige Kellerluft streift die erhitzten Stirnen. Endlich steht er still, er athmet tief auf.

»Die Gefahr ist vorüber, Dagmar, bis hierher reicht die Macht des Sprengstoffes nicht!« sagt er, sie voll leidenschaftlicher Zärtlichkeit an sich schließend, »jetzt will ich für Licht sorgen, damit Du dieses unterirdische Reich schauen kannst!« Und er läßt sie sanft aus den Armen gleiten, führt sie an der Hand einen Schritt zur Seite und entzündet ein Streichholz.

Ein leiser Schrei der Ueberraschung entschlüpft den Lippen der jungen Baronesse, um sie her stehen in langen Reihen viel ernste, weiße Marmorgestalten und wie Desider jetzt zu einer kleinen, wunderlichen Laterne greift und einen unscheinbaren Faden in derselben entzündet, da schlägt Dagmar in jähem Entsetzen die Hände vor das erbleichende Antlitz. »Der Irrgeist von Casgamala!« ruft sie zurücktaumelnd, geblendet von dem übermächtigen Lichtglanz, welcher ihr aus dem Glase entgegen quillt.

»Ja, Dagmar, hier steht der Irrgeist vor Dir!« lächelt Desider, »nun schau Dir den unheimlichen Gesellen an, dessen unschuldige Lampe, Dank moderner Wissenschaft, bei den nächtlichen Arbeiten in den Steinbrüchen geleuchtet, um die abergläubischen Gemüther der ganzen Umgegend durch harmlosen Spuk fern zu halten! Fürchtest Du Dich noch immer vor der gespenstigen Flamme, nun, da Du weißt, wessen Hand sie führt?«

Mit glückstrahlendem Lächeln schmiegt sich Dagmar an seine hohe Gestalt. »Der Irrgeist von Casgamala hat dieses Feuer nicht umsonst geschürt, es hat mir zuerst Herz und Seele in zaubermächtige Glut versetzt!« Und sie schaut sich voll ernsten, feierlichen Entzückens in dem niederen Gewölbe um, aus dessen Dunkel die weißen Figuren wie feuriger Schnee tauchen, es sind sämmtlich Mädchengestalten, Rosen in der Hand oder an der Brust, spottende, lachende, übermüthige Gesichter, gleich reizend und sich ähnlich – Dagmar von der Ropp.

Da neigt die lebenswarme Schwester am Arm des Majoratsherrn das bleiche, schmerzgeläuterte Antlitz vor diesen stummen Zeugen jahrelangen Herzeleids, und Desider sieht, wie helle Tropfen an den Wimpern glänzen, eine stumme, aber tiefinnige Buße dieses stolzen Weiberherzens.

Leise küßt er die weinenden Augen und ihm däucht, der lichte, weitgeöffnete Himmel wölbe sich über seinem Haupt, Glocken läuten, und Vögel jubeln durch die flimmernde Luft, und seine blinden Augen öffnen sich und schauen zum ersten Mal das Glück auf dieser Welt.

Und er führt Dagmar weiter und weiter durch das nächtliche Gewölbe und erzählt ihr, daß durch diesen Gang einst der junge Mönch das Evangelium zur Gräfin Casgamala in den Kiosk getragen, daß diese Treppen und Stufen empor zu dem alten Kloster führen und unter dem marmornen Mönchsbild münden, aus welchem ihr in jener verhängnißvollen Ballnacht diese Flamme hier entgegenglühte, zu ihrem und zu seinem Heile! Und Dagmar lauscht mit glänzenden Augen und berichtet von dem Kampf zwischen Liebe und Haß, welcher seit jener Nacht ihr Herz durchtobte, von den Qualen der letzten Tage, von Lothars Verdacht und von ihrer thörichten Sorge um sein Geheimniß. Und Desider erkennt, wie ungerecht er jenes zarte Herz verdammt, wie jähzornig und nutzlos er das marmorne Haupt der Geliebten zerschmettert.

Und so steigen sie Arm in Arm die modernden Stufen empor, die Blendlaterne glüht vor ihnen her und die grauen Mauern lauschen schlaftrunken den süßen Worten ewiger Liebe, welche wie ein Märchenhauch an ihnen vorüberziehen. Ueber ihnen aber tobt Sturm und Wetter und ballt seine verderbenden Wolken über dem herrenlosen Kiosk.

Zu gleicher Zeit hallten flüchtige Schritte durch den sturmgepeitschten Wald; den Weg, welcher zu der Klosterruine emporführt, eilte eine Männergestalt empor, wie ein schlanker, dunkler Schatten zwischen Felsen und Buschwerk durchgleitend, keuchend, rastlos und ungestüm. Der Blitz zischt durch die Wolken und taucht den seltsamen Wanderer in gespenstiges Licht, Graf Lothar schließt unwillkürlich die Augen und prallt zurück, seine Hand klammert sich an das niederhängende Strauchwerk und der Regen trieft von dem dunkellockigen unbedeckten Haupt über Gesicht und Schultern, Lothar beachtet es nicht. Wie von Furien gehetzt stürmt er vorwärts, der Klosterruine entgegen. Sein Antlitz ist fahl und gezerrt, unstätes Leben flackert aus den dunklen Augen, oft schrickt er zusammen und wendet scheu das Haupt, um hinab in das Thal zu lauschen, und abermals strebt er mit fiebernden Pulsen vorwärts. Endlich steht er droben; Sturm und Wetter tobt um die grauen Ruinen, in dem Wald krachen die Aeste zur Erde, braust das geschwellte Bergwasser über zerrissenes Gestein, Lothar aber eilt achtlos durch Klostergang und Grabsteine, hin zu jenem bröckelnden Fensterbogen, welcher seine moosigen Mauern über der schroff abfallenden Untiefe erhebt, aus deren waldigen Wipfeln die Kuppel des Kiosk taucht, wenn Blitz und Donner das Gewölk zerreißen. Es ist der einzige Platz in der Ruine, von welchem der Kiosk zu überblicken ist, und der junge Graf, welcher neulich erst vor der Gebrechlichkeit dieses Gemäuers gewarnt, schwingt sich mit starrem Blick, fieberndster Spannung auf das Gestein, neigt lauschend den Kopf und schaut hinab.

Es ist tiefe Dämmerung, das Unwetter hat die Nacht noch schneller heraufkommen lassen, und wie der Sturm durch die Ruine pfeift, wie es raschelt, kracht und tost und die aufgeschreckten Nachtvögel mit heiserem Schrei über seinem Haupte schwirren, da fühlt Lothar kalte Schauer über seinen Rücken rieseln. Das böse Gewissen, die jäh auftauchende Erinnerung an sein Erlebniß mit Dagmar in dem Gemäuer hier droben, seine überreizte Phantasie, welche bereits das blutige Haupt Desiders schaut, treiben ihm kalte Tropfen auf die Stirn und der gläserne Blick fliegt in namenlosem Grauen über die dunklen Grabsteine, welche dicht neben ihm aus den Trümmern ragen.

Er hört im Geiste den gellenden Angstschrei Dagmars, der Verräterin, deren Stimme er durch die Kioskthür erlauscht hatte, er sieht das verstörte Gesicht des Bruders, wenn er die Gefangenschaft entdecken und voll Todesqualen in seinem schrecklichen Gefängniß ausharren muß – vielleicht retten sie sich? – Unmöglich! durch die Fenster gelingt keine Flucht, denn das Wasser hat sich manneshoch um das Gebäude gestaut und jene Seitenpforte, der einzige hochgelegene Ausweg ist schwerbolig und gut verriegelt, sie sind verloren; und er, seine Ehre, sein Vermögen ist gerettet! Lothar duckt sich mit verzerrtem Gesicht in den Fensterbogen, er will lachen, aber es gelingt ihm nicht, wenige Sekunden noch, der Thurm drunten berstet in Millionen Trümmern auseinander, und der Majoratsherr von Casgamala steigt triumphirend herab, um sein Erbe anzutreten.

Und wie nun, wenn es eine Vergeltung giebt? Wie nun, wenn jener unheimliche Spuk dennoch durch diese Mauern huscht, um seine grauenhafte Flamme dem Brudermörder vergeltend durch das Herz zu glühen? Bleiches Entsetzen faßt den schönen Mann; er fühlt seine Zähne in wahnwitzigem Grauen zusammenschlagen, und wie er mit stierem Blick das Haupt nach der gespenstischen Steinplatte wendet, aus welcher in jener Ballnacht der Irrgeist emporgestiegen, da sieht er plötzlich, wie der Stein sich regt und hebt, wie er aus seinen Fugen strebt – wie –

Ein furchtbarer Aufschrei gellt durch die momentane Stille des Wetters, die Arme zur schaudernden Abwehr erhoben, das verstörte Gesicht mit dem zerzausten Haar gegen das nasse Gemäuer drückend, scheint Lothar jäh erblindet unter dem Blitz einer auftauchenden Flamme, und wie er die stieren Augen gewaltsam zum Schauen zwingt, da däucht es ihm, als stiege eine hohe, fahle Gestalt aus dem Grabe, das regungslose Auge auf ihn gerichtet.

»Der Irrgeist von Casgamala!« ringt es sich halb erstickt vor Grauen von seinen Lippen, mit ungestümer Bewegung will er zurückweichen, wirft sich mit voller Wucht gegen das morsche Gestein und stürzt unter dumpfem Krachen und Poltern, begraben unter ihm in die nächtige Tiefe hinab.

In demselben Augenblick zuckt ein Blitz, rollt ein Wetterschlag über Casgamala, gedämpfter Knall tönt von dem Kiosk empor, grelle, züngelnde Flammen lohen aus der Kuppel, und roth durchglühte Dampfwolken wirbeln auf. Desider und Dagmar aber sind auf die Kniee gesunken, ein kleiner, welker Epheukranz knistert in den Händen des Majoratsherrn, und ihn voll schaudernder Demuth an dem alten Mönchsbild niederlegend flüstert Desider: »Der Kampf ist geendet, einer von uns Beiden mußte weichen, und Gott selber hat gerichtet.«

Dann schloß er das bebende Weib in die Arme und eilte mit ihr von der Unheilsstätte in sein väterliches Schloß hernieder, um dem Verunglückten, falls es möglich, noch Hilfe zu bringen.

Aus dem Kiosk aber schlugen die vernichtenden Flammen und verzehrten mit der alten Herrlichkeit auch das Weh und Herzeleid, welches als unheilvolles Erbe der Ahnfrau mit den spanischen Mauern verwachsen war.


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