Sven Elvestad
Der kleine Blaue
Sven Elvestad

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V.

Das Korpus delikti

Als der Polizeichef die Sache noch einmal in allen Einzelheiten überdacht hatte, wurde es ihm ganz klar, daß der arretierte Kommissionsagent nicht der Mörder Jaervens sein konnte. Er begab sich zu ihm in die Zelle und erklärte, daß neue Umstände an den Tag gekommen seien, aus denen seine Unschuld hervorzugehen scheine.

Während Asbjörn Krag zuhörte, gab nun der junge Mann eine längere Erklärung, wo er sich am Elften aufgehalten hatte. Er sagte Dinge, die er das vorige Mal in Gegenwart des Onkels weder mitteilen konnte noch wollte.

Als er zu Ende gesprochen hatte, sagte Krag:

»Das stimmt alles.«

»Woher können Sie das wissen?« fragte der Polizeichef.

»Weil ich es schon früher untersucht habe. Ich war eine Zeitlang auch geneigt, den Agenten Bruun zu verdächtigen, aber ich bin wieder davon abgekommen.«

Der Polizeichef hatte nun nichts anderes zu tun, als den Kommissionsagenten freizugeben. Der Konsul wurde davon benachrichtigt.

Als dies erledigt war, sagte der Chef:

»Jetzt stehen wir also auf grundlosem Boden.«

»Kann schon sein.«

»Wie wollen Sie nun den Schuldigen fassen?«

»Vorerst ist etwas anderes wichtiger.«

»Und das wäre?«

»Zu beweisen, daß der Mord am Elften und nicht am Zwölften verübt worden ist. Glauben Sie, irgendeine Jury in Norwegen würde es auf die Indizien hin, die wir jetzt haben, wagen, jemanden zu verurteilen?«

»Da haben Sie recht.«

»Vorläufig ist es von Wichtigkeit, daß niemand ahnt, daß wir uns auf der richtigen Fährte befinden. Der Mörder hat das Ganze so verblüffend klar und raffiniert ausgeklügelt, und es ist ihm so gut gelungen, daß er sich ganz sicher fühlt. Lassen wir ihn in diesem Glauben!«

»Wissen Sie, wer der Mörder ist?«

»Nein, aber ich ahne es.«

»Sie wissen sicherlich mehr, als Sie verraten wollen?«

»So ist es immer bei mir,« sagte Asbjörn Krag liebenswürdig.

»Was wollen Sie jetzt tun?«

Er sah, daß der Detektiv sich bereit machte, das Kontor zu verlassen.

»Ich gehe auf die Suche,« sagte der Detektiv.

»Auf die Suche? Nach wem?«

»Nach einer roten Perücke.«

»Einer roten Perücke?«

»Gewiß, der Ermordete hatte doch rotes Haar.«

»Aha, ich verstehe.«

Damit ging Krag.

Vor dem Bahnhof fand er eine Droschke und fuhr darin in die Stadt.

Vor einem Friseurgeschäft blieb er stehen und trat ein. Der Friseur kannte ihn nicht.

Krag bat ihn, ihm einige Perücken zu zeigen, die er für einen Kostümball benützen konnte, und der Friseur legte einen großen Stoß vor ihn hin.

Aber nichts davon schien dem Geschmack des Detektivs zu entsprechen.

Er erging sich des langen und breiten, wie sie ausschauen sollte. Sie müßte vor allem rot sein usw., von einer ganz bestimmten roten Farbe.

»Ich habe nämlich einen guten Freund,« sagte Krag, »der hat mir erzählt, daß er kürzlich bei Ihnen gewesen ist und sich eine rote Perücke gekauft hat. Gerade eine solche würde ich brauchen. Es handelt sich nämlich um einen kleinen Faschingsscherz. Erinnern Sie sich nicht an den Herrn?«

Der Friseur durchforschte sein Gedächtnis, aber er konnte sich absolut nicht erinnern. Die längste Zeit war niemand dagewesen, der eine rote Perücke gekauft hatte. Es war ja auch ein seltener Artikel.

Krag durchsuchte noch einmal das ganze Perückenlager; aber da er keine fand, die ihn zufriedenstellte, bat er den Friseur um Entschuldigung und ging.

Er fuhr einige Straßen weiter und blieb vor dem nächsten Friseur und Perückenmacher stehen.

Auch hier wurde seine Wißbegierde nicht befriedigt. Das Geschäft hatte seit einem Jahre keine rote Perücke verkauft.

Aber Krag ließ den Mut nicht sinken. Er fuhr durch die ganze Stadt, von einem Friseur zum anderen. Er war nicht umsonst als der ausdauerndste Detektiv von drei Königreichen bekannt.

Mehrere Stunden vergingen damit. Es wurde immer dunkler.

Krag begann schon zu fürchten, daß er seine Tätigkeit für diesen Tag einstellen mußte. Aber plötzlich kommt ihm ein Gedanke. Er bittet den Kutscher, so rasch, als das Pferd nur laufen kann, in den östlichen Stadtteil zu fahren.

Es geht im hurtigen Trab nach Oslo. Hier bleibt der Wagen stehen. Krag steigt aus, bezahlt den Kutscher und trägt ihm auf, zurückzufahren.

Der Detektiv geht die Häuserreihe entlang. Vor einem kleinen zweistöckigen Haus macht er halt. Im Hofe ist ein Tabakladen und daneben eine Barbierstube. Der Detektiv tritt in den Tabakladen, wo es nach alten, schlechten Zigarren stinkt. Eine Oellampe hängt am Plafond und raucht. Ein schmaler Holzsessel steht vor dem Ladentisch.

Der Detektiv wartet ein Weilchen. Endlich öffnet sich eine Tür, die in die Barbierstube führt, und ein alter Mann, in Schürze und einer einstmals weißen Mütze zeigt sich. Das Haar hängt ihm in Strähnen über die Ohren. Er hat keine Manschetten, und der Kragen ist nichts weniger als tadellos. Er muß offenbar sehr schwache Augen haben, denn er trägt Brillen mit starken, dicken Gläsern.

Der Detektiv nimmt ruhig auf dem Sessel Platz.

»Na,« sagt er gemütlich, »wie geht das Geschäft?«

Der Mann, der den Detektiv offenbar nicht erkennt, antwortet:

»Danke, nicht glänzend. Was die Barbierstube betrifft, so hat sie jetzt eine arge Konkurrenz in dem eleganten Salon dort oben an der Ecke. Und Zigarren wollen die Leute nicht mehr rauchen. Ach nein, es geht nicht glänzend.«

»Aber Sie sind doch gewiß noch ebenso geschickt darin, die Leute zu maskieren, alter Johnson!«

Der Mann zuckte zusammen.

»Ach nein,« sagte er, »damit habe ich aufgehört. Das hat sich nicht gelohnt.«

»Aber Ihre berühmten Perücken finden doch noch immer Absatz, nicht wahr?«

»Sehr selten,« erwiderte der Mann ausweichend.

Plötzlich fragte Krag:

»Es war doch kürzlich jemand hier, der eine rote Perücke gekauft hat?«

»Nein,« erwiderte der Alte nach kurzem Nachdenken.

Da beugte sich der Detektiv zu ihm vor:

»Sie erinnern sich wohl nicht genau, mein lieber, alter Johnson?«

Der Barbier sah den Detektiv durch seine Brillengläser starr an.

»Herr Jesus, sind Sie es?« sagte er; »bin ich erschrocken!«

»Na, endlich erkennen Sie mich; ich brauche Sie doch nicht erst an damals zu erinnern, wo ich Ihnen mit diesen amerikanischen Geldscheinen so glänzend geholfen habe? Wo wären Sie heute, Johnson, wenn Asbjörn Krag sich damals nicht ins Mittel gelegt hätte.«

»Pst!«

»Gut. Also, wie lange ist es her, seit Sie die rote Perücke verkauft haben?«

»Ich pflege meine Kunden nicht zu verraten.«

»Ich will es aber wissen.«

Der Detektiv erhob sich, und der alte Barbier hinter dem Ladentisch wurde noch unruhiger.

»Es wird jetzt so ungefähr drei Wochen her sein,« sagte er.

Der Detektiv bemeisterte seine Spannung und fragte ganz ruhig:

»Wie heißt der junge Mann, der die Perücke gekauft hat?«

»Es war kein junger Mann.«

»So war es wohl ein alter?«

»Nein, es war eine Dame.«

»Eine Dame!« Krag überlegte einige Minuten, er war überrascht.

»Kennen Sie sie?«

»Nein, ich habe sie nie gesehen.«

»Ein Wort von mir – und ich kann Sie noch heute ins Gefängnis bringen, Johnson.«

»Ich schwöre. Ich kenne sie nicht. Es war eine feine Dame.«

»Jung?«

»Nein, nicht so ganz jung.«

»Wie sah sie aus?«

»Wie Damen in den dreißiger Jahren auszusehen pflegen. Schlank, dunkel, mit großen, schönen Augen. Sie hatte eine weiße Federboa um den Hals und stahlblaue Handschuhe in den Händen. Sie hat die Perücke gekauft. Ich habe zwanzig Kronen dafür bekommen.«

»Und sie hat keine Adresse angegeben?«

»Nein.«

»Gut. Ich komme morgen zu Ihnen, um mir nähere Aufklärungen zu verschaffen. Aber Sie müssen meinen Besuch streng geheimhalten.«

»Kein Wort wird über meine Lippen kommen.«

»Adieu!«

Der Detektiv ging. Beim nächsten Standplatz nahm er eine Droschke zum Polizeigebäude zurück. Eine Viertelstunde später fuhr er Müllerstraße Nummer 19 vor.

Es war nun ganz dunkel geworden.

Als er aus dem Wagen ausstieg, erwartete ihn der Polizeichef auf der Vortreppe des Gebäudes. Er hatte einen Regenmantel an, denn ein Platzregen ging nieder, und die Straßen waren ganz aufgeweicht und schmutzig.

Der Polizeichef war sehr ernst.

»Gut, daß Sie kommen,« sagte er.

»Ist etwas Neues los?«

»Ja. Man hat Jaervens Leiche gefunden!«

Ein leichter Schauer schüttelte den Detektiv.

»Wo?« fragte er.

»Oben in einer der Ziegeleien. Wir wollen gleich hinfahren!«

Krag stieg wieder in den Wagen, diesmal in Gesellschaft des Polizeichefs.

Unterwegs wurden nicht viele Worte zwischen den beiden gewechselt.

Krag fragte:

»Die Leiche ist doch unberührt?«

»Ja,« erwiderte der Polizeichefs, »die ganze Ziegelei ist abgesperrt.«

In einer Stunde waren sie vor dem Ziegelwerk angelangt, das ein gutes Stück vor der Stadt lag.

Von einem der anwesenden Polizisten wurden sie in eines der Trockenhäuser der Ziegelei geleitet.

In einer Ecke neben einem hohen Ziegelhaufen lag ein Bündel.

Das war die Leiche des Wucherers Jaerven.

Der Detektiv sah sich einen Augenblick um.

»Hier ist er nicht getötet worden,« sagte er in entschiedenem Ton.

Er ging zur Leiche hin. Nun war er ganz ruhig.

Der Polizeichef trat ebenfalls näher.

»Wir sind auf der richtigen Spur,« sagte Asbjörn Krag, »sehen Sie, daß Jaervens Hut und sein grüner Rock fort sind?«

Der Detektiv entfernte ein Tuch, das über das Gesicht des Toten gebreitet war.

Der Polizeichef wich zurück, unwillkürlich.

Der ganze vordere Teil des Kopfes war durch einen fürchterlichen Schlag zertrümmert – vermutlich mit einer Axt. Das rote Haar des Ermordeten war gräßlich mit Blut verklebt.

»Er hat etwas in seiner linken Hand.«

»Ich sehe,« gab Krag zurück und entfernte einen Gegenstand, den der Wucherer vermutlich in den letzten Augenblicken seines Lebens krampfhaft umklammert hatte.

Der Detektiv hielt den Gegenstand gegen das Licht der Blendlaterne.

Es war ein stahlblauer Damenhandschuh.

Krag ersuchte, noch mehr Laternen zu bringen.

Einer der anwesenden Polizisten lief in das Kontor der Ziegelei und holte drei große Paraffinlaternen. Als sie angezündet waren, wurde es in dem Trockenraum sehr hell.

Krag begann sofort den Boden zu untersuchen, der aus hartgestampftem Lehm bestand. Er kroch auf allen vieren herum, das Gesicht dicht an die Erde gedrückt, und in dieser Stellung war er einem Spürhund nicht unähnlich.

Seine Untersuchung des Bodens nahm etwa eine Viertelstunde in Anspruch.

Dann begann er die Leiche zu untersuchen. Der tote Wucherer trug noch seine Uhr, die auf elf stehengeblieben war. Sein Portefeuille lag unberührt in der Tasche und in einem der Fächer lagen ein Hundertkronenschein und einige Fünfkronennoten. Ein Raubmord war also ausgeschlossen.

Der Polizeichef stand die ganze Zeit regungslos da und beobachtete mit gespanntem Interesse den Detektiv bei seinen Untersuchungen.

Als Asbjörn Krag fertig war, fragte er:

»Haben Sie etwas gefunden?«

Der Detektiv nickte.

»Sind Sie jetzt fertig?«

»Ja.«

»Können wir die Leiche fortschaffen?«

»Ja.«

Die zwei Polizeileute verließen den unheimlichen Ort. In der Nähe wartete der Wagen; sie stiegen ein und rollten der Stadt zu, die unter ihnen lag und mit ihren tausend kleinen Lichtpünktchen funkelte.

Unterwegs fragte der Polizeichef:

»Ist die Sache verwickelter geworden?«

»Nein, sie ist einfacher geworden.«

»Aber dieser Damenhandschuh! Wie erklären Sie sich den? Eine Dame kann doch den Wucherer nicht totgeschlagen haben?«

»Nein, es war ein Mann. Obendrein ein kräftiger Mann.«

Der Detektiv antwortete kurz. Er war offenbar intensiv mit seinen Gedanken beschäftigt.

Nach einiger Zeit fragte der Polizeichef:

»Es sind also ihrer zwei gewesen?«

»Ja,« erwiderte Asbjörn Krag, »es sieht so aus.«

»Eine Dame und ein Mann?«

»Wahrscheinlich.«

»Ahnen Sie, wer es sein kann?«

»Absolut nicht.«

»Aber das ist ja furchtbar. Wenn es nicht der Kommissionsagent ist, so muß es doch ein anderer von Jaervens Schuldnern gewesen sein. War da nicht ein Leutnant, der auch ein Papier hatte, das ungefähr am Elften fällig war?«

»Ja, aber der ist es nicht.«

»Wie können Sie das wissen?«

»Weil ich es untersucht habe,« erwiderte der Detektiv etwas spitz.

»Aber der ›kleine Blaue‹, den der Wucherer an diesem Abend mitbringen sollte, das muß doch ein Wechsel sein.«

»Ich war im Anfang geneigt, es zu glauben. Jetzt glaube ich es nicht mehr. Der mystische ›kleine Blaue‹ kann kein Wechsel sein.«

»Warum nicht?«

»Es ist unwahrscheinlich. Das Verbrechen ist von Leuten begangen worden, in deren Macht es stand, sich einige wenige Tausende in kurzer Frist zu verschaffen. Bedenken Sie doch, was sie bei diesem Mord riskiert haben.«

»Aber wie sollen wir ihnen auf die Spur kommen?«

Krag wies plötzlich den Weg hinunter.

»Sehen Sie das Licht dort unten?« fragte er.

»Jawohl. Es ist das Licht aus einem kleinen Häuschen.«

»Ganz richtig. Bleiben wir dort stehen, dann kommen wir vielleicht der Spur näher.«

Sie ließen den Wagen halten und stiegen aus.

In dem Häuschen fanden sie einen alten Mann in Hemdärmeln, der an einem Tisch saß und las. Er war nicht wenig erstaunt, als er die Uniform des Polizeichefs erblickte.

»Wir möchten gerne einige Auskünfte von Ihnen haben,« sagte Krag; »es handelt sich um ein Verbrechen, das begangen worden ist.«

Der Mann bat die Herren, Platz zu nehmen.

Krag fuhr fort:

»Ihr Häuschen liegt recht isoliert hier am Wege. Fahren oft Wagen vorbei?«

»Ach ja,« erwiderte der Mann, »es fahren schon viele vorbei. Namentlich tagsüber.«

»Aber wohl meist Lastwagen?«

»Kommt es nicht vor, daß der eine oder andere Herrschaftswagen vorbeifährt?«

»Ach nein, das passiert in dieser Gegend selten,« erwiderte der Mann mit einem Lächeln, »es sind fast immer die Wagen von der Ziegelei.«

»Aber an einem Abend, vor etwa vierzehn Tagen, ist doch ein Herrschaftswagen hier vorbeigefahren,« sagte der Detektiv. »Können Sie sich nicht daran erinnern? Ein junger Kutscher hat ihn kutschiert.«

»Ja,« erwiderte der Mann, sichtlich nicht begreifend, was das mit dem Verbrechen zu tun haben konnte; »aber es saß auch eine Dame im Wagen.«

Der Polizeichef zuckte zusammen.

»Ganz richtig,« sagte der Detektiv, »es saß auch eine Dame darin. Sind Sie vielleicht mit ihnen ins Gespräch gekommen?«

»Ja. Der Wagen blieb hier draußen stehen, und eine Männerstimme rief nach mir. Als ich herauskam, sah ich deutlich, daß zwei im Wagen saßen, aber es war zu dunkel, um zu sehen, wie sie angezogen waren. Es kam mir vor, daß der Mann einen Vollbart hatte.«

»Was für ein Wagen war es denn?«

»Ein kleines Korbwägelchen.«

»Und was wollte der Herr von Ihnen?«

»Er wollte den Weg zur Villa Sand wissen. Den sagte ich ihm.«

»Die Villa Sand,« sagte der Detektiv, »ist das nicht die, die dort oben links von der Ziegelei liegt?«

»Ja, das habe ich ihm auch gesagt. Aber da fragte der Herr: Nicht wahr, das ist ja diese Ziegelei, wo der Betrieb jetzt stillsteht? Ich antwortete: ja. Dann wollte er noch wissen, ob überhaupt Leute in der Ziegelei oben seien.«

»Und es sind keine da?«

»Nein, das habe ich ihm auch gesagt. Dann fuhr er wieder weiter.«

»Finden Sie es nicht merkwürdig, daß er Sie so genau nach der Ziegelei ausfragte, wenn er doch in die Villa Sand wollte?«

»Ja,« sagte der Mann, »das finde ich schon; aber ich dachte damals nicht weiter daran.«

»Kam der Wagen bald zurück?«

»Ja, vielleicht nach einer halben Stunde. Aber da ging ich nicht hinaus. Ich hörte ihn nur von hier.«

»Sie können den Tag, an dem dies geschah, nicht näher angeben?«

»Nein. Ich glaube, es wird so etwa vierzehn Tage her sein. Nicht so lange vielleicht.«

»Danke, mehr wünschen wir nicht zu wissen.«

Die beiden Polizeileute gingen, und der Mann begleitete sie hinaus.

Im selben Augenblick kam ein anderer Wagen von oben herabgerollt. Auf dem Bock saß ein Polizist in Uniform, in dem Wagen lag ein unbestimmbares Bündel.

»Was ist denn das?« fragte der Mann verwundert.

»Das ist der Ermordete,« erwiderte Krag.

Der Mann zuckte zusammen.

»Ist er hier in der Nähe getötet worden?«

»Nein, aber die Leiche wurde dort oben in der Ziegelei gefunden.«

»Und der Mörder?«

»Das war der Herr, der an jenem Abend hier vorbeifuhr. Da hatte er die Leiche im Wagen.«

Der Mann starrte ihn in dumpfer Verblüffung an.

Der Polizeichef und der Detektiv bestiegen den Wagen und fuhren in die Stadt.

Unten im Polizeigebäude hatten sie eine letzte Konferenz.

Der Polizeichef fragte, ob vorläufig noch etwas in der Sache zu tun sei.

»Nein, heute abend nicht,« erwiderte Krag, »aber morgen früh, sobald der Tag anbricht, gehe ich wieder an die Arbeit.«

»Es handelt sich also darum, das Paar im Wagen zu finden?«

»Ja, und das wird nicht schwer sein.«

»Sie glauben?«

»Der Mann fühlt sich sicher. Er hat einen großen Trumpf in der Hand. Oder er glaubt, ihn zu haben. Infolgedessen würde er sich gar nicht bedenken, direkt zur Polizei zu kommen und zu sagen: ›Meine Herren, ich war es, der an jenem Abend die Straße zur Ziegelei hinauffuhr.‹«

»Ich verstehe nicht recht,« sagte der Polizeichef.

»Das ist auch nicht notwendig,« erwiderte der Detektiv lächelnd.


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