Autorenseite

 << zurück weiter >> 

5. Kapitel

An jenem Sonntagmorgen, der den Insassen des Hauses Deseret Sqare 140 eine so tragische Störung brachte, hatte sich Herr Windham wie gewöhnlich aus seinem Zimmer des oberen Stockwerks in die unteren Räume begeben. Er war bereits, zum Kirchgang gerüstet, im schwarzen Gehrock und da seine strenge Ehehälfte noch nicht sichtbar geworden, begab er sich in die Bibliothek, in der Hoffnung, sein Mündel Evelyn zu treffen und einige Minuten ungestört mit ihr plaudern zu können. Leider sah er sich enttäuscht – das junge Mädchen war noch nicht da.

Verstimmt setzte er sich vor den Schreibtisch, als er ein Klopfen an der Haustüre vernahm.

»Wer kann um diese Stunde kommen?« dachte er verwundert. »Vielleicht bringt einer die angenehme Meldung, daß der Reverend Mauler heute verhindert ist, zu predigen. Doch nein, solches Glück blüht mir nicht. Wenn nur jemand ahnte, wie sehr ich mich nach einer Abwechslung sehne, wie unerträglich mir das monotone Leben ist, das ich jetzt führe! Ich wäre jedem dankbar, der mich unter irgend einem Vorwand für kurze Zeit von hier entführen würde.«

Es schien, als habe das Schicksal nur auf die Äußerung dieses Wunsches gewartet, um ihn zu erfüllen, denn im nächsten Augenblick trat der Diener ein, dem Bankier eine Karte präsentierend. »Ein Herr wünscht Sie zu sprechen,« meldete er. Windham nahm die Karte in Empfang, doch kaum hatte er den Namen gelesen, so wurde er totenbleich, faßte krampfhaft nach der Armlehne seines Sessels und murmelte bestürzt: »Lucifer!«

»Ja, derselbe, werter Freund!« erklang eine Stimme von der Tür her, in deren Rahmen ein großer, schwarzbärtiger Mann auftauchte. Er mochte fünfzig Jahre zählen, sah aber ungewöhnlich kräftig aus. Die funkelnden schwarzen Augen, die starkgebogene Nase und die langen weißen Zähne, die unter dem pechschwarzen Schnurrbart hervorblitzten, gaben ihm etwas Unheimliches, was durch die schwarze Kleidung noch erhöht wurde. In der ebenfalls schwarzen Krawatte steckte eine Nadel in Form eines Totenschädels mit zwei gekreuzten Knochen.

»Fühlen Sie sich nicht wohl, gnädiger Herr?« fragte Chipperfield besorgt, als er Windham so jäh erbleichen sah. »Soll ich Ihnen etwas Stärkendes holen?«

»Nein – nein!« wehrte der Bankier ab, indem er sich gewaltsam aufraffte. »Es ist schon vorbei. Sie können gehen?«

Der Diener gehorchte, und kaum hatte sich die Tür hinter ihm geschlossen, so wandte sich der Fremde zu Windham: »Mein Anblick scheint Ihnen nicht sehr angenehm zu sein,« sagte er mit sardonischem Lächeln, »und doch müßten Sie in der langen Zeit, die seit unserer letzten Begegnung vergangen ist, oft an mich gedacht haben.«

»Ich hoffte, Sie nie wiederzusehen,« stammelte Windham, dem das Sprechen schwer fiel, »ehrlich gestanden – ich hatte Sie ganz vergessen.«

»So?« entgegnete der Fremde ironisch. »Ja, das Leben bringt viele Enttäuschungen mit sich; ändert aber nichts an der Tatsache, daß ich hier vor Ihnen stehe.«

»Sie dürfen nicht hier bleiben,« gab Windham mit einem ängstlichen Blick nach der Türe zurück. »Ich glaubte, ich sei Sie endgültig losgeworden; wie es scheint, handelt es sich aber immer noch um den alten Punkt – Geld. Wie viel verlangen Sie? Schnell! Ich möchte, daß Sie sich so rasch als möglich wieder entfernen.«

»Diesmal irren Sie sich,« entgegnete der Mann, der sich Lucifer nannte. »Ich brauche kein Geld.«

»Nicht?« Windham sah ihn überrascht an. »Was denn? Pah, Sie machen nur leere Worte, um schließlich noch mehr zu fordern. Sagen Sie kurz und bündig, was Sie von mir wollen und dann gehen Sie!«

Der Fremde rührte sich nicht. »Ich habe Ihnen doch schon gesagt,« erklärte er gelassen, »daß ich kein Geld brauche.«

»Was wollen Sie denn haben?« stieß Windham ungeduldig hervor.

Der Schwarzbärtige trat einen Schritt näher. »Sie! Sie will ich haben!« kam es fast zischend zwischen seinen Zähnen hervor.

Ein kalter Schauer überrann den Bankier, dennoch raffte er seinen ganzen Mut zusammen. »Sie sind von Sinnen!« rief er mit zornbebender Stimme. »Ich nenne das einen ganz unverschämten Erpressungsversuch und hätte große Lust, Sie den Händen der Polizei zu übergeben.«

»Nur nicht so hitzig!« warnte Lucifer mit erhobenem Finger. »Wenn Sie so laut sprechen, wird Frau Windham Sie hören, und das dürfte Ihnen schwerlich angenehm sein.«

Der Bankier zuckte zusammen. »Gehen Sie doch!« drängte er. »Sie werden das größte Unheil anrichten.«

»Das ist leicht zu vermeiden, wenn Sie mir folgen,« entgegnete der andere kaltblütig. »Sie sind jetzt nicht mehr frei und müssen mir gehorchen.«

Windham raffte sich zu einem heftigen Widerstand auf. »Sie lassen mir keine andere Wahl, als die Polizei zu rufen,« sagte er, sich erhebend und die Hand nach der Klingel ausstreckend.

Blitzschnell kam ihm Lucifer zuvor, indem er ihn an der Schulter faßte und zurückdrängte, wobei er ihm einige Worte zuraunte.

Die Wirkung war eine erschreckende. Der Bankier wurde aschfahl, stotterte ein paar unzusammenhängende Worte und sank wie gebrochen in einen Sessel.

Lucifer betrachtete ihn mit triumphierender Miene. »Hier gibt's kein Entrinnen,« sagte er boshaft. »Sie müssen sich meinem Willen beugen. Tun Sie's nicht, werden morgen Schritte gegen Sie unternommen, die für Sie den völligen Ruin bedeuten. Übrigens habe ich jetzt keine Lust, länger zu warten. Sind Sie bereit?«

Windham fuhr sich mit der Hand über die in Schweiß gebadete Stirn. »Muß ich wirklich mitgehen?« fragte er stöhnend.

»Ich sehe keinen Ausweg,« entgegnete Lucifer ungeduldig. »Verlieren Sie also keine Zeit, denn Sie wissen recht gut, was die Welt sagen würde, wenn sie die Geschichte erführe. Nehmen Sie sich zusammen und gehen Sie jetzt ruhig mit. Kehre ich ohne Sie zurück, dürfte mein nächster Besuch üble Folgen für Sie haben.«

Halb unschlüssig, halb verzweifelt blickte der Bankier vor sich hin. »Ich muß doch eine Erklärung für mein Fortgehen zurücklassen,« sagte er endlich in zögerndem Ton. »Was würde Frau Windham denken, wenn ich in solcher Weise verschwände?«

Lucifer lachte cynisch auf. »Fragen Sie lieber, was › sie‹ sagen würde, wenn Sie hier blieben. Doch nun rasch – entschließen Sie sich!«

Windham biß die Zähne aufeinander. »Ich gehe mit!« erklärte er resigniert. »Nur ein paar Zeilen müssen Sie mich noch schreiben lassen.«

»Meinetwegen!« willigte der Fremde ein. Er griff nach seinem Hut und wartete, bis Windham den für die Seinigen so rätselhaften Brief geschrieben hatte.

»So und nun noch eins!« bemerkte Lucifer. »Es wäre besser, Sie nähmen etwas Geld mit.«

Der Bankier, der sich jetzt in sein Schicksal gefügt zu haben schien, nahm eine Geldkassette aus dem Schreibtisch und öffnete sie mit einem kleinen kunstvollen Schlüssel, den er stets bei sich trug. Gierig griff Lucifer nach den Banknoten.

»Wenig genug für einen so reichen Mann,« brummte er unzufrieden. »Ah, ist das nicht Ihr Checkbuch? Könnte uns von Nutzen sein.« Er schob alles in seine Brusttasche, warf den Kassettendeckel so heftig zu, daß der Schlüssel zur Erde fiel und drängte dann zum Weggehen.

Seufzend griff Windham nach Hut und Schirm, und da niemand im Hausflur war, so gelangten sie unbemerkt auf die Straße. Hier blieb Windham stehen, indem er einen bedauernden Blick zurückwarf.

»Na, nur nicht sentimental werden!« höhnte sein Begleiter. »Nach allem, was ich erfahren, haben Sie grad' nicht den Himmel auf Erden. Wüßte nicht, wem Sie nachseufzen wollten!«

»Sie vergessen Evelyn Burton,« murmelte Windham.

»Hu, wie zartsinnig Sie geworden sind!« höhnte Lucifer. »Hätte das nicht für möglich gehalten nach den Erlebnissen der früheren Zeit.«

»O, Sie wissen ganz genau,« unterbrach ihn Windham heftig, »daß ich bis heute keine Ahnung von dem Schrecklichen hatte, wodurch ich jetzt in Ihre Hände gefallen bin.«

»Pah, das sind leere Worte!« spottete Lucifer. »Dachten wahrscheinlich, in Ihrer jetzigen Lebensstellung wären Sie ganz sicher und nun spielen Sie den Unschuldigen.«

Windham würdigte ihn keiner Antwort, sondern schritt schweigend neben ihm her, bis sie nach längerem Wandern durch verschiedene Straßen zu dem Milchladen gelangten, in dessen Hofraum Lucifer den gemieteten Wagen eingestellt hatte. Er befahl dem Bankier, einzusteigen und nachdem er sich rasch durch einen großen Mantel unkenntlich gemacht hatte, schwang er sich auf den Bock.

In ziemlich raschem Tempo rollte das Gefährt der inneren Stadt zu, der City Londons, die, während der Woche ein Ameisenhaufen, am Sonntag völlig ausgestorben erscheint. Wie vertraut war Windham diese Gegend, in der er fast täglich verkehrte, aber jetzt, als unfreiwillig Entführter, hatte er keinen Blick für seine Umgebung. All' seine Gedanken konzentrierten sich auf zwei Punkte: Wann würde die Fahrt enden und was würde er am Ziel derselben finden? Mit verzweifelter Hartnäckigkeit stellte er sich immer von neuem diese Fragen, auf die er doch keine Antwort wußte. Seltsamerweise dachte er nicht einen Augenblick darüber nach, was seine Frau zu dem Ereignis sagen werde, nur die Erinnerung an Evelyn Burton schien ihn zu bedrücken, denn er murmelte mehrmals vor sich hin: »Arme kleine Evelyn, was wird sie ohne mich anfangen?«

Der Mann auf dem Kutschersitz hatte anfangs wiederholt in das Innere des Wagens gespäht, um seinen Gefangenen zu beobachten, da dieser jedoch unbeweglich, die Hände auf den Knieen, mit resignierter Miene dasaß, so nickte er zufrieden vor sich hin und überließ ihn sich selbst.

Immer weiter ging es, die City verlassend, nach dem schmutzigen Eastend von London und nach einer Weile bog der Wagen in eine Seitengasse, die in ein Labyrinth von engen Gassen führte. Für das verwöhnte Auge Windhams boten dieselben einen trostlosen, abstoßenden Anblick.

Düstere, baufällige Häuser mit zerbrochenen Fenstern ohne Vorhänge, aus den Angeln gehobene Torflügel, schmutzige, mit allerlei Unrat angefüllte Höfe, wurmstichige Treppen, auf denen zollhoher Staub lag, rauchgeschwärzte Mauern und zerbröckelndes Gesims. Nirgends ein Blümchen, ein Strauch, der den Eindruck des Elends, der Verkommenheit gemildert hätte. Haufen von übelriechenden Austernschalen bedeckten den Straßenrand, hie und da unterbrochen von schlammigen Pfützen, die schmutzigen, verwahrlost aussehenden Kindern als Tummelplatz dienten.

Das Erscheinen eines Wagens in diesem verrufenen Stadtviertel hatte anfangs ein gewisses Aufsehen erregt. Schlampige, ungekämmte Weiber traten an die Haustüren, gefolgt von halbbetrunkenen Raufbolden, deren den Stempel aller Laster tragende Gesichter einen beutegierigen Ausdruck annahmen, als sie das Fuhrwerk erblickten. Doch schon im nächsten Augenblick wandten sie sich enttäuscht und gleichgültig ab, indem sie mit unterdrücktem Fluch murmelten: »'s ist nur Jim!«

Von einer Schar johlender, kreischender Buben begleitet, lenkte der Führer des Wagens sein Pferd einem umzäunten Grundstück zu, das sich bis zur Themse hinabzog. Hier hielt er an und mit dem Peitschenstiel an das Hoftor pochend, rief er mit lauter Stimme: »Heda, Anak, mach auf!«

Schwere, schlürfende Schritte wurden vernehmbar, ein kräftiges Zurückschieben der Riegel und das Tor flog auf, um den Wagen einzulassen.

»So, jetzt schließ' es wieder und hilf dem Herrn beim Aussteigen!« befahl Lucifer dem Manne, den er mit »Anak« angerufen hatte.

Die Erscheinung des Menschen war eine derartige, daß Windham bei seinem Anblick erschrocken zurückfuhr. Ein baumlanger Riese von mehr als sechs Fuß Höhe mit einer Mähne brennendroten Haares, unter der ein völlig blutleeres, ausdrucksloses Gesicht gespenstisch hervorschaute. Dazu eine aufgestülpte Nase und ein breiter Mund mit gelben, spitzen Zähnen.

Das merkwürdigste an diesem seltsamen Burschen war jedoch die Stimme, die so dünn und schrill klang wie eine zerborstene Scholle. Seine Kleidung paßte zu seinem Äußeren: eine spitze Mütze, weit in den Nacken geschoben, eine schmutzige rote Bluse, graue Beinkleider und hohe Kanonenstiefel, die einem gewöhnlichen Mann bis zu den Hüften gereicht hätten.

»Sie sehen,« wandte sich Lucifer, der inzwischen seinen Kutschersitz verlassen hatte, zu Windham, »ich liebe Licht und Luft. Enge Gassen und Wohnungen sind mir verhaßt. Dieses Grundstück gehört mir und gefällt mir besser als die prunkvollen Paläste der Cityfürsten.«

Wenn dies aufrichtig gemeint war, so mußte Herr Lucifer ein sehr genügsamer Mensch sein, denn einen unwirtlicheren Ort konnte man sich nicht leicht vorstellen.

Inmitten eines verwahrlosten Hofes stand ein altersgraues Haus, das wohl einst der Sommersitz eines ehrsamen Londoner Bürgers gewesen sein mochte.

Aber alles machte den Eindruck des Verfalls, der Zerstörung. Die Fenster waren zum größten Teil mit Jalousien geschlossen, sodaß man glauben konnte, das Gebäude sei unbewohnt. An der Rückseite des Hofes erblickte man einige niedere Schuppen, die jedoch allesamt gleich reparaturbedürftig aussahen.

»Immerhin müssen Sie entschuldigen,« bemerkte Lucifer weiter, »wenn mein bescheidenes Heim nicht mit Ihrer Villa am Deseret Square oder Ihrem Landhaus in Darlington konkurrieren kann. Schließlich,« fügte er boshaft hinzu, »ist's aber doch noch ein angenehmerer Aufenthalt als eine Gefängniszelle, eh – –?«

Der Bankier zuckte unter dieser Anspielung jäh zusammen, beherrschte sich jedoch und fragte mit erzwungener Ruhe: »Nun habe ich Ihnen den Willen getan und bin hier. Wo ist das, was Sie mir zeigen wollten?«

»Geduld, lieber Freund, Geduld!« wehrte der Mann spöttisch ab. »Sie haben's ein wenig zu eilig. Erst muß ich den geborgten Wagen wieder abliefern, dann sprechen wir weiter. In etwa zwei Stunden kann ich zurück sein; inzwischen lasse ich Sie in der Obhut meines braven Anak – –«

»Ich will aber nicht hierbleiben,« unterbrach ihn Windham unwillig. »Sie haben kein Recht, mich gefangen zu halten. Wo ist – –«

»Die Person, für die ich handle?« ergänzte Lucifer. »Ja, augenblicklich können Sie die noch nicht sehen. Bis zu meiner Rückkehr wird Anak für Sie sorgen; ich rate Ihnen aber, ihn ja nicht verdrießlich zu machen. Er ist ein wahrer Athlet, hat in früheren Zeiten eiserne Stangen mitten durchgebrochen und erstaunliche Kraftproben geleistet. Ein Streit mit ihm könnte Ihnen schlecht bekommen. So, Anak,« wandte er sich zu dem gleichgültig danebenstehenden Riesen, »mach mir das Tor auf, führe dann den Herrn ins Wohnzimmer und leiste ihm Gesellschaft. Vor allem sei nicht so unhöflich, ihn auch nur eine Minute allein zu lassen.«

»So muß ich mich als Ihren Gefangenen betrachten?« fragte Windham mit unterdrücktem Zorn.

»Allerdings,« lautete die gelassene Antwort, »es sei denn, Sie zögen vor, den Gerichten überliefert zu werden. Sehen Sie, mein Bester, ich habe nicht den geringsten Grund, Teilnahme für Sie zu empfinden, und wenn's nach mir ginge, schliefen Sie heute in einer Zelle. Also verhalten Sie sich ruhig: Hier bin ich Herr und dulde keinen Widerspruch.«

Damit schwang er sich auf den Kutschersitz des Wagens und fuhr davon, während der Riese Windham aufforderte, ihm ins Haus zu folgen.

Notgedrungen fügte sich der Bankier und nach wenigen Minuten befand er sich in einem geräumigen Zimmer zu ebener Erde, das vor Zeiten als Empfangssalon gedient haben mochte, jetzt aber einen ungastlichen Anblick bot, denn die Wände waren kahl und es fehlte jegliches Mobiliar, nur ein plumper Küchentisch mit einigen zerbrochenen Tellern und zwei Holzbechern stand in der Mitte des Zimmers; außerdem drei Holzstühle und in einem Winkel zwei mit schmutzigen Leinentüchern bedeckte Schlafbänke. Über dem Kamin, in welchem trotz des warmen Welters ein mächtiges Feuer brannte, hing eine Flinte und ein Säbel. Auffallend war ein dichtverhängtes Fenster, das sich in der Wand zwischen dem Zimmer und dem Nebenraum befand.

»Setzen Sie sich!« befahl Anak dem Bankier, auf einen Stuhl deutend. Er selbst streckte sich neben dem Kamin am Boden aus, zog eine Pfeife hervor, die er mit schlechtem Tabak stopfte und begann schweigend zu rauchen.

Windham wartete ein paar Minuten, dann versuchte er ein Gespräch mit seinem Wärter anzuknüpfen, den er durch die Aussicht auf eine gute Belohnung zu bestechen hoffte.

»Sie wissen vielleicht nicht,« redete er ihn an, »daß ich ein Mann bin, der für einen geleisteten Dienst – – –«

»Sparen Sie Ihre Worte!« unterbrach ihn der Riese barsch. »Ich gehorche nur meinem Herrn und laß mir von niemand etwas einreden. Wenn Sie sich langweilen –« er richtete sich halb auf und deutete auf den Tisch – »da steht Branntwein und 'ne Zeitung liegt daneben. Hat doch keinen Zweck, mit mir zu reden.«

Windham ließ sich durch diese schroffe Zurückweisung nicht abschrecken; noch zweimal versuchte er, den Riesen gefügig zu machen, jedoch mit demselben Mißerfolg. Anak rauchte stumpfsinnig weiter, obgleich er seinen Gefangenen nicht aus den Augen ließ.

Volle vier Stunden – für Windham eine Marterzeit – dauerte es, bis Lucifer wiedererschien.

»Bist ein braver Kerl!« lobte er den Riesen, als er ins Zimmer trat. »Nun nimm Deine Flasche und geh', ich habe etwas mit diesem Herrn zu besprechen.«

»Schwerfällig erhob sich Anak, nickte mit dem Kopf und im Vorübergehen die Branntweinflasche ergreifend, schlenderte er in den Hof hinaus.


 << zurück weiter >>