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Die grünen Augen.

I

Der Hirsch ist verwundet! ... Er ist verwundet! ... Kein Zweifel mehr! Man sieht seinen Schweiß in den Dorngesträuchen der Anhöhe, und beim Sprung über diese Mastixe ist er eingeknickt! ...

Unser junger Herr fängt dort an, wo andere aufhören! Seit vierzig Jahren, seitdem ich Jäger bin, sah ich keinen besseren Schuß! – – Aber um Gottes willen! Heiliger Saturio, Patron von Soria! Verrennt dem Wildpret den Weg dort bei den Steineichen, hetzt die Hunde, stoßt in die Hörner und stecht den Pferden die Sporen in die Weichen!

Seht ihr denn nicht, daß er zum Born zwischen den Erlen will?!

Wenn er früher dorthin kommt, eh' er fällt, dann ist er für uns verloren!« – –

Von Echo zu Echo flog der Hörnerschall und das Gebell der angehetzten Meute durch die Talgehänge des Moncayo. Die Stimmen der Pagen ertönten stets mit neuem Ungestüm, und ein wirrer Knäuel von Menschen, Rossen und Rüden jagte dem Ort zu, den Iñigo, der Oberst-Jägermeister der Markgrafen von Almenar als zumal geeignet bezeichnet hatte, um dem Edelwild den Weg zu verlegen.

Aber alles umsonst! Als der schnellste von den Windhunden, ganz außer Atem und mit schaumbedeckten Lefzen an die Steineichen gelangte, – war der Hirsch, wie ein Pfeil so leicht und mit einem einzigen Sprung hindurchgeflogen und verschwand im Erlen-Dickicht längs des Fußsteiges, der zum Quell führte.

»Halt! ... Bleibt alle stehn!« schrie hier Iñigo, »Gott wollte, daß er uns entgehe!« – –

Die Reiter hielten an, die Hörner verstummten und die Hunde ließen auf den Anruf der Pirschenden knurrend von der Fährte ab.

In diesem Augenblicke preschte an den Reitertrupp der Held des Tages, Fernando de Argensola, der Erstgeborene von Almenar heran.

»Was tust du?!« rief er dem Oberstjägermeister zu. Erstaunen malte sich in seinen Zügen und Zorn loderte ihm aus den Augen. »Was tust du! Unsinniger! Du siehst, daß das Wild, das erste, das durch meine Hand fällt, verwundet ist, und lässest es entfliehen, damit es in der Tiefe des Waldes verende! Glaubst du vielleicht, ich sei gekommen, Hirsche zu erlegen, – den Wölfen zum Fraß?!?«

»Herr,« murmelte Iñigo zwischen den Zähnen, »es ist unmöglich, diese Stelle zu überschreiten!«

»Unmöglich?! Und warum?!«

»Weil dieser Steig,« fuhr der Jäger fort, »weil dieser Steig zum Ellerborn führt, zu einem Quell, in dessen Gewässer ... ein böser Geist wohnt! Wer es wagt, sein Gebiet zu betreten, bezahlt seine Waghalsigkeit teuer! ... Der Hirsch hat bereits die Grenze überflogen; wie wollt Ihr ihn einholen, ohne irgend ein schreckliches Unheil auf Euer Haupt zu beschwören! Wir Jäger sind Könige des Moncayo, aber Könige, die Tribut zahlen. Das Wild, welches zu jenem geheimnisvollen Born entflieht, ist für uns verloren!« –

»Verloren?! ... Lieber will ich die Herrschaft meiner Väter verlieren, lieber will ich die Seele in Satans Hände verlieren, ehe ich zugebe, daß mir dieser Hirsch entrinne, der einzige, den mein Spieß erreicht hat, der Erstling meines Jagdglückes! ... Siehst du ihn?! ... Siehst du ihn?! ... Noch kann man ihn von hier aus zeitweilig gewahren! ... Die Läufe knicken ihm ein, sein Lauf wird immer langsamer. Laß mich! Laß den Zügel fahren, oder ich werfe dich in den Staub! ... Wer weiß, ob ich ihm Zeit lasse, zum Quell zu kommen?! Und wenn er dahin kommt, in die Hölle mit dem Quell samt seinem kristallenen Wasser und seinen Bewohnern! Vorwärts, Relempago! Vorwärts, mein Roß! Holst du ihn ein, so laß ich alle Demanten meines Juwelenkästchens in dein Goldgezäum einsetzen!« ...

Und Roß und Reiter flogen wie der Wind dahin.

Iñigo folgte ihnen mit seinem Blick, bis sie im Gesträuch verschwanden; dann wandte er sich zu seiner Umgebung; alle standen regungslos und bestürzt. ...

Endlich rief der Oberst-Jägermeister:

»Ihr Herren, ihr habt es gesehen! Ich war bereit, unter den Hufen seines Rosses zu sterben, um ihn zurückzuhalten. Meine Pflicht habe ich getan! Gegen den Teufel hilft die Entschlossenheit nicht! Bis hierher darf der Jäger mit seinem Schießzeug; weiter zu dringen, mag der Geistliche mit seinem Weihwedel versuchen!«

 

II

»Euer Antlitz ist bleich. – Ihr seid so nachdenklich und traurig ... was ist Euch widerfahren? ... Seit jenem Tage, den ich in Ewigkeit für unheilvoll halten werde, an dem Ihr hinter dem verwundeten Wild herjagend, zum Ellerborne gekommen seid, ist es, wie wenn Euch eine böse Hexe mit ihrem Zauber umgarnt halten würde ...

Ihr geht nicht mehr in die Berge, begleitet von lärmendem Gefolge, der Schall Eurer Jagdhörner erweckt kein Echo mehr! Ganz allein mit den Gesichten, die Euch verfolgen, nehmt Ihr alle Morgen Eure Armbrust, um Euch ins Waldesdickicht zu vertiefen und dort zu bleiben, bis die Sonne untergeht. Und sobald die Nacht niederdunkelt und Ihr blaß und ermüdet in die Veste zurückkehrt, suche ich vergebens in Eurer Weidtasche nach der erjagten Beute.

Was fesselt Euch für so lange Zeit fern von denen, die Euch lieben? ...«

Während Iñigo sprach, hieb Fernando, in Gedanken versunken und ohne zu wissen, was er tue, mit seinem Hirschfänger Späne vom Ebenholzsessel ab.

Nach einem langen Schweigen, das bloß durch das Rascheln der auf den gebohnten Fußboden fallenden Späne unterbrochen wurde, sagte der junge Mann, indem er sich zu seinem Diener jählings umwendete, als ob er kein einziges seiner Worte gehört hätte:

»Iñigo! Du bist schon hübsch alt, ... du kennst alle Schlupfwinkel des Moncayo, ... oh du, der du hinter dem Wild herjagend, seine Felsklüfte durchstöbert hast, und mehr als einmal auf Streifereien im verschlungenen Dickicht seinen Gipfel erklommen hast, oh sage mir: trafst du jemals ein Weib, das zwischen seinen Felsgesteinen haust?« –

»Ein Weib!« rief der Jäger mit Staunen und sah ihn unverwandten Blickes an.

»Ja!« sagte der Jüngling, »es ist seltsam, was mir zugestoßen ist, sehr seltsam ... ich habe geglaubt, dies Geheimnis ewig bewahren zu können, aber es ist unmöglich; das Herz überschäumt davon und mein Antlitz verrät es. Nun denn, höre, ich will es dir verraten. ...

Du wirst mir helfen, das Geheimnis zu entschleiern, welches jenes Wesen umwebt, das, wie es scheint, nur für mich allein vorhanden ist, weil es niemand kennt, niemand es gesehen hat und niemand mich darüber aufzuklären vermag! ...«

Der Jägermeister rückte, ohne ein Wort zu sprechen, seinen Schemel bis ganz an den Sessel seines Herrn heran, von dem er auch nicht einen Augenblick seine erschrockenen Augen ließ.

Nachdem dieser seine Gedanken gesammelt hatte, fuhr er also fort:

»Von jenem Tage ab, an dem ich trotz deiner Unglücksprophezeiung zum Quell zwischen den Erlen vordrang und dessen Bett überspringend, den Hirsch, den Euer Aberglaube hatte entrinnen lassen, zurückholte, – von jenem Tage ab ist meine Seele voll von Sehnsucht nach Einsamkeit. ...

Du kennst jenen Ort nicht. Sieh ... aus dem Innern eines Felsens springt heimlich der Quell hervor und rinnt, Tropfen um Tropfen, an den grünen, sich schaukelnden Blättern der Pflanzen hernieder, die am Rande seiner Wiege wachsen.

Die einzelnen Tropfen, die im Hinunterfallen wie goldene Punkte glänzen und wie Töne einer Laute klingen, vereinigen sich auf dem Rasenteppich und fließen murmelnd über den Sand gleich summenden Bienen, wenn sie über Blumenkelchen kreisen, werden dann allgemach zum Bache und kämpfen auf ihrem Pfade siegreich mit den sich entgegenstellenden Hindernissen, mengen sich ineinander, und hüpfen und fliegen und laufen, ... jetzt unter Lachen ... jetzt unter Seufzen – bis sie in den See versinken.

In den See fallen sie mit unbeschreiblichem Gebrause.

Klagen, Worte, Namen, Lieder, ich weiß selbst nicht, was ich alles in diesem Brausen hörte, als ich mich einsam und fieberisch erregt auf den Felsblock setzte, zu dessen Fuß die Wasser dieses geheimnisvollen Stromes herniederstürzen, um in einer grundlosen Tiefe, auf deren unbewegter Oberfläche das Abendlüftchen kaum Wellen schlägt, sich zu vereinigen.

Alles ist dort erhaben! Die Einsamkeit mit ihren tausenderlei unbestimmten Tönen lebt alldort und berauscht die Seele mit unsäglicher, mysteriöser Schwermut.

Es ist, als ob aus den Silberblättern der Erlen, aus den Rissen der Felsen, aus den Wellen des Wassers unsichtbare Weltgeister zu uns redeten, im unsterblichen Geiste des Menschen den Bruder erkennend. ...

Wenn du mich beim Morgendämmern mit dem Bogen in der Hand den Berg hinanschreiten sahst, da war es niemals die Jagd, um deren willen ich in sein Gestrüpp hineindrang, nein. ... Ich ging hin, um am Rande des Bornes zu sitzen, um in seinen Wellen zu suchen ... ich weiß nicht, was ... eine Torheit!

An jenem Tage, an dem ich mit meinem ›Blitz‹ sein Bett übersetzte, war es mir, als sähe ich auf dem Grunde etwas Ungewöhnliches schimmern ... etwas Außergewöhnliches ... die Augen eines Weibes!

Vielleicht war es ein Sonnenstrahl, der versinkend über den Schaum dahinhuschte. ... Vielleicht eine von jenen Blumen, die sich zwischen dem Gesteine am Boden wiegen und deren Kelche Smaragden gleichen – ich weiß es nicht! ...

Mir schien es, als ob ich einen Augenstern sähe, der in meiner Brust eine flammende, unbefriedigbare, niemals sich verwirklichende Sehnsucht entzündete: ein Geschöpf mit Augen zu finden, wie es jene waren!

Es zu finden, ging ich Tag für Tag an jenen Ort.

Endlich, ... eines Abends, ... ich glaubte, es sei nur das Spiel eines Traumes, ... aber nein, ... es war Wahrheit. ...

Ich habe schon oft mit ihr gesprochen, so, wie ich jetzt mit dir spreche. ...

Eines Abends gewahrte ich an meinem Platze, in ein langes Gewand gekleidet, das bis hinunter zum Wasser wallte, und auf dessen Spiegel flutete, ein Weib sitzen, schön über alle Maßen. ... Ihr langes Haar war wie Gold ... ihre Brauen flimmerten wie Sonnenstäubchen, – und zwischen den Wimpern blitzten unruhig zwei Augen, die ich schon einmal gesehen hatte, ... fürwahr! Denn die Augen dieses Weibes waren ... die Augen, die mir so fest im Sinn hafteten! ... Augen von unmöglicher Farbe, ... Augen, ... Augen ....«

»Grüne Augen!« – rief Iñigo, mit dem Ton des tiefsten Entsetzens, sich mit einem Ruck aus seinem Sessel emporrichtend ...

Fernando sah ihn verwundert an, weil er das ausgesprochen, was er selbst gerade sagen wollte, und frug halb ängstlich, halb freudig:

»Du kennst sie? –«

»Oh nein!« – erwiderte der Jäger. ... »Und Gott schütze mich, daß ich sie kennen lerne! Aber meine Eltern haben, indem sie mir verboten, dorthin zu gehen, wohl zu tausendmalen erzählt, daß der Geist, Kobold, Dämon oder das Weib, das in seinen Wassern haust, Augen von dieser Farbe besäße. Ich beschwöre Euch bei Allem, was Euch das Teuerste auf dieser Erde, kehrt nicht wieder zum Ellerborn! ... Heute oder morgen wird Euch seine Rache erreichen und sterbend werdet Ihr die Schuld büßen, daß Ihr seine Wogen getrübt habt!«

»Bei dem, was mir das Teuerste ist?! ...« flüsterte der Jüngling mit traurigem Lächeln.

»Ja, ...« fuhr der Greis fort; »bei Euren Eltern, bei Euren Verwandten, bei den Tränen Jener, die Euch der Himmel zur Gemahlin bestimmte, bei den Tränen Eures Dieners, der Euch auf seinen Knieen gewiegt hat ...«

»Weißt du denn, was mir das Teuerste auf dieser Welt ist?! – Weißt du, wofür ich die Liebe meines Vaters, die Küsse Jener, die mir das Leben geschenkt hat und alle zärtliche Gunst, mit der mich sämtliche Frauen auf der weiten Welt überschütten könnten, hingäbe?!

Um einen Blick ... Um einen einzigen Blick aus diesen Augen! ... Wie könnte ich aufhören, sie zu suchen?! ...«

Fernando sagte dies mit einer solchen Betonung, daß die Träne, die in Iñigos Wimpern zitterte, leise über dessen Wange glitt und er mit dumpfer Stimme sprach:

»Geschehe denn der Wille des Himmels!«

 

III

»Wer bist du? ... Wo ist deine Heimat? ... Wo wohnst du? ...

Ich komme tagtäglich, um dich zu suchen und sehe niemals weder den Zelter, der dich hierher trägt, noch die Diener, die deine Sänfte begleiten. ...

Zerreiße doch endlich einmal diesen geheimnisvollen Schleier, in den du dich einhüllst wie in tiefe Nacht ...

Ich liebe dich und ob du von edler Geburt bist oder nicht, ich werde dein sein, ewig dein! ...«

Die Sonne war schon hinter dem Scheitel des Berges hinabgegangen. Die Schatten fielen groß auf seine Abhänge und der Wind seufzte in den Erlenbüschen des Quells, und der Nebel sich langsam über den Spiegel des Sees erhebend begann die Säume der Felsen zu umspinnen. ...

Auf einem dieser Felsen, der nahe daran zu sein schien, in den Wasserschlund hinabzustürzen, auf dessen Oberfläche sich in den zittrigen Kreisen die Gestalt des Erstgeborenen der Almenar spiegelte, kniete dieser zu den Füßen seiner seltsamen Geliebten, umsonst sich bemühend, das Geheimnis ihres Daseins zu lüften.

Sie war schön, schön und weiß wie eine Statue aus Alabaster.

Eine ihrer Flechten fiel ihr über die Schultern und glitt zwischen den Falten ihres Schleiers nieder, wie ein Sonnenstrahl, der durch die Wolken bricht, und aus den goldenen Wimpern leuchteten Augen wie zwei in Goldgeschmeide gefaßte Smaragde.

Sobald der Jüngling zu reden aufhörte, bewegten sich ihre Lippen, als ob sie sprechen wollte, aber nur ein Seufzer, wie das Rauschen der leichten Welle, die der Wind ins Binsengesträuch treibt, ertönte. ...

»Du antwortest mir nicht?!« rief Fernando, als er seine Hoffnung getäuscht sah. »Willst du, daß ich dem Glauben schenke, was sie mir von dir erzählt haben? Oh! Nein! ... Sprich zu mir! ... Ich will wissen, ob du mich liebst. ... Ich will wissen, ob ich dich lieben darf. ... Ich will wissen ... ob du ein Weib bist! ...

– Oder ein Dämon! ... Und wenn dem so wäre? ...«

Der Jüngling besann sich eine Weile, kalter Schweiß überlief seine Glieder, seine Augensterne verbreiterten sich, als er sie durchdringend auf die Augen des Weibes heftete, und berauscht von deren phosphorischem Glanze, halb wahnsinnig rief er in der Aufwallung seiner leidenschaftlichen Liebe:

»Und wenn du ein Dämon wärest ... ich werde dich lieben. ... Ich werde dich lieben ... weit über dieses Leben hinaus, wenn es überhaupt etwas hinter diesem Leben gibt! ...«

»Fernando,« sprach hier das schöne Weib mit einer Stimme, die wie Musik klang, – »Fernando, ich liebe dich mehr, als du mich liebst; ich, der ich ein reiner Geist bin, steige zu dir, dem Sterblichen, nieder. ... Ich bin kein Weib, wie jene, welche auf Erden leben! Ich bin ein Weib, deiner würdig, der du edler bist, als die übrigen Menschen. ...

Ich wohne auf dem Grunde dieser Wasser, körperlos wie sie, flüchtig und durchsichtig, ich rede mit ihrem Gebrause und flute mit ihren Wellen. ...

Ich bestrafe nicht den, der sich erkühnt, den Quell zu beunruhigen, in dem ich weile; nein, ... ich belohne ihn eher mit meiner Liebe als einen, der über gemeinen Aberglauben erhaben ist, wie einen Geliebten, der meine Liebe versteht, die wunderbare, ... geheimnisvolle ...«

Indes sie so sprach, näherte sich der Jüngling, ganz versunken in ihre Schönheit und wie von einer unbekannten Macht angezogen, immer mehr und mehr dem Rande der Felsen.

Und das Weib mit den grünen Augen sprach also weiter:

»Siehst du. ... Siehst du den strahlendhellen Grund des Sees? Siehst du die breiten, grünen Blumenblätter, die sich dort schaukeln? ... Sie bieten uns ein Lager aus Korallen und Smaragden ... und ich biete ... ich biete dir eine namenlose Seligkeit ... jene Seligkeit, von der du in deinen schwärmerischen Stunden geträumt hast und die dir niemand auf Erden gewähren kann. ...

Komm! ... Der Dunst des Wassers bebt über unseren Häuptern wie ein kostbarer Baldachin, ... die Wellen rufen uns mit ihrem süßen Gelispel ... schon beginnt der abendliche Zephyr in den Erlen die Hymnen der Liebe. ... Komm! ... Komm! ...«

Die Nacht hatte schon ihre Schatten ausgebreitet, der Mond funkelte auf dem Wasserspiegel, der Nebel kreiste im Wehn des Windes, und die grünen Augen glänzten im Dunkel wie Irrlichter, die über der Oberfläche des Moores dahintanzen. ...

»Komm ... komm! ...«

Die Worte summten Fernando im Ohr, wie eine Beschwörungsformel. ...

»Komm! ...«

Und das geheimnisvolle Weib lockte ihn zum Rande des Abgrunds, dort schwebte sie in die Höhe und schien ihm einen Kuß zu senden ... einen Kuß ...!

Fernando tat einen Schritt näher, ... und noch einen ... und zwei schlanke, geschmeidige Arme schlangen sich fest um seinen Hals, ... auf seinen brennenden Lippen fühlte er eine kalte Berührung, einen eisigen Kuß. ... Er taumelte ... wankte ... die Erde wich unter seinen Füßen und er fiel mit dumpf-dröhnendem Getöse in die Fluten. ...

Das Wasser spritzte in funkelnden Tropfen auf und schloß sich über ihm, und silberne Kreise weiteten und weiteten sich, bis sie an den Ufern zerrannen. ...


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