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Der Pfau

Ein Pfau hat die Göttin Iuno ganz inständig gefragt / sie möchte doch sein unterthänigste Bitt erhören: wie sie nun gefragt / was dann sein Begehren seye? Und was er so stark verlange? Um das bitte ich / sagt der Pfau / daß ich neben meinen schönen Spiegelfedern / auch könnte ein schönes Gesang / gleichwie die Nachtigall / haben / damit ich sowohl mit Gang und Gesang könnte den Leuten gefallen. Die Göttin Iuno machte hierüber gar kein freundliches Gesicht / und gab ihme zu verstehen sein uvnerschämtes Begehren / ja / er Pfau / solle mit dem Pracht und Glanz seiner Federn zufrieden seyn / und nicht gar zu viel begehren / dann ihr Brauch seye nicht / daß sie einem alles pflege zu geben / sondern einem dieß / dem andern etwas anders. Dieses ist zwar ein Gedicht / unterdessen aber ist es eine allbekannte Warheit / daß der vorsichtigste Gott durch seine grundlose Weißheit alles dergestalten eingerichtet / daß er keinem Menschen alle Gaben mitgetheilt / sondern einem dieses spendiret / dem andern was anders.


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