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Falsches Vertrauen

Es ist einstens ein Spanier mit gantz langsamen und gravitätischen Schritten über ein Eyß gegangen / es war aber das Eyß an ein oder andere Ort schon ziemlich zerspalten / dahero er unversehens durch das Eyß in das Wasser geplumpfft / und ihm fasst die Hirn-Schalen zerschnitten / wie man mit grosser Müh endlich aus dem Eyß gezogen / schickte man augenblicklich umb einen Barbierer / der wendete den möglichsten Fleiß an / und suchte ob nicht etwann dem Hirn ein Schaden geschehen / da er nun lang gesucht / stehet ungefähr ein Narr auf der Seiten / Herrle! Herrle! sagt er / was suchst so lang? Der Barbierer antwortete: das Hirn / ey bey Leib nicht! versetzte der Narr / der Gimpl hat ja kein Hirn / dann wann er ein Hirn gehabt hätte / so wurde er vorhero geschaut haben / ob das Eyß gantz ist oder nicht; dieses sag ich auch / derselbe hat kein Hirn der der Welt zu viel traut und auf sie baut.


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