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II

Im wilden Tann.

Der Frühling steigt mit jedem Tage
Schon höher an den Bergen auf,
Kein Widerstand und keine Plage
Hemmt ihn in seinem Siegeslauf.
Schon hat er's sich im Waldesschweigen
So wohnlich und bequem gemacht,
Daß von den dunkeln Tannenzweigen
Es hellgrün ihm entgegen lacht.
Aus regelrechten Quirlen schießen
Die jungen Triebe schlank empor,
Und aus dem saftgefüllten Sprießen
Lugt Lenzlust überall hervor.
Sie jubelt in des Vogels Sange,
Der sich auf schwankem Reise wiegt,
Und lebt, befreit von Winters Zwange,
In Allem, was da kriecht und fliegt.
Auch in des Jünglings Augen spiegelt
Sich ihrer Wonnen Zaubersinn,
Der Klausner nur, so scheint's, verriegelt
Sein altes Herz der Schmeichlerin.
Er sondert sich von dem Genossen,
Zu dem er auch seit jener Nacht
All dessen, was sie ihm erschlossen,
Mit keiner Silbe noch gedacht.
Doch wenn er sich in Schweigen hüllet,
Ist's nur des jungen Freundes Loos,
Das all sein Denken ihm erfüllet,
Wie's bergen mag der Zukunft Schoß,
Wie der die That, die er begangen
Auf Dürrenstein, wohl sühnen soll,
Daß er Vergebung mög' erlangen
Von Gott und Menschen reuevoll.
Mehr quält er sich noch mit Gefahren,
Mit denen Heinrichs Herz umstellt;
Wie soll er retten und bewahren
Ihn vor den Sünden dieser Welt?
Das Fleisch ertödten, jeden Nerven
Durchschneiden, der noch zuckt und bebt,
Und abgestumpft zu Boden werfen,
Was noch im Reiz der Sinne lebt?
Doch ist mit Fasten und Kasteien
Zu beugen dieser stolze Muth?
Und kann sein Machtspruch benedeien
Zeitlebens ein rebellisch Blut?
Schwer kämpft er, eh' er sich entscheidet,
Er kennt den markigen Gehalt
Des Jünglings, und sein Auge weidet
Sich an der blühenden Gestalt,
Doch das sind ja des Teufels Thüren,
Schönheit und Kraft am jungen Leib,
Die lockend zur Versuchung führen,
Die Schlange aber ist das Weib.
»Soll ich ihn warnen,« spricht der Alte
So vor sich hin, »indem ich frei
Mein eignes Leben ihm entfalte,
Damit er lernt, was Sünde sei?
Ein Weib hat mich verführt, verrathen,
Betrogen mich um Lieb' und Huld,
Ein Weib war Ursach meiner Thaten
Und trieb in Unheil mich und Schuld.
Doch still! was mir das Herz zerrissen,
Begraben ist's vor langer Fahrt;
Heinrich, Gott segne Dein Nichtwissen
Vom Weibe und von Weibes Art!
Schon will ihm nicht mehr aus dem Sinne
Das Bild der Schlafenden entfliehn,
Naht diesem erst einmal die Minne,
Hetzt sie durchs ganze Leben ihn.
Er darf sie niemals kennen lernen,
Nicht hören darf er, was sie ist, –
So sei's! ihn aus der Welt entfernen,
Heißt hüten ihn vor ihrer List.«
Er kniete zum Gebete nieder,
Und als er sich danach erhob,
Da hatt' er seine Ruhe wieder,
Vor der des Zweifels Macht zerstob.

Und Heinrich? ach! der Frohe ahnte
Nichts von des Alten Noth und Schmerz,
Kein Vorwurf, keine Frage mahnte
Ihn ans Geschehene, das Herz
War ihm so leicht, seit er erzählte,
Seit er dem Greis Vertrau'n geschenkt,
Als wäre Alles, was ihn quälte,
Nun in des Freundes Brust versenkt.
Der, wußt' er, würde für ihn sorgen
Zu Nutz und Frommen ihm allein,
An gestern nicht und nicht an morgen
Dacht' er, das Heute nur war sein.
Die Sehnsucht selbst nach seinen Lieben,
Die wie der Athem in der Brust
Ihm wachend, schlafend war geblieben,
Vergaß er fast vor neuer Lust.
So hatte er in seinem Leben
Den Frühling nimmer noch gesehn,
Von Burg und Mauern sonst umgeben,
Mußt' er ihn erst zu suchen gehn.
Beim Schmied hielt ihn, so lang es tagte,
Arbeit in Werkstatt und Gemach,
Im Waidhof, wenn er Tags auch jagte,
Schlief er doch unter Dach und Fach.
Hier aber war er ungebunden,
Frei wie der Vogel in der Luft,
Leicht nur die Pflicht, die er gefunden,
Sein Haus nur eine Felsenkluft.
Hier hielt mit hohem Mauerkranze
Kein Bollwerk ihn vom Walde fern,
Hier blinkte ihm mit stillem Glanze
Der Abend- und der Morgenstern,
Hier athmete er mit Entzücken
Und öffnete die Arme weit,
Den Lenz ans volle Herz zu drücken
Mit aller seiner Herrlichkeit.
Der Wind, der ihm die Stirne küßte,
Das junge Grün an Strauch und Kraut,
Der Ruf des Vogels, der ihn grüßte,
Sie alle waren ihm vertraut.
Des Großen Werden und Erscheinen
Betrachtet' er sich fern und nah
Und hatte doch am winzig Kleinen
Auch seine Freude, wo er's sah.
Was oben durch die Wipfel brauste,
Was durch Gestrüpp und Röhricht schnob,
Was unten tief im Moose hauste,
Was leise Blatt und Blüthe wob,
Was sich nur regte und bewegte,
Ob lautlos, ob mit lust'gem Schall,
Er fühlte, wie sich's um ihn legte
Und ihn umrankte überall.
Und aus ihm selber drang's von innen
Entgegen jeder Lebensspur
Wie Knospenschwelln, mit allen Sinnen
Verwuchs er ganz mit der Natur,
Als würden jetzt mit einem Male
Ihm erst die Augen aufgethan,
Als säh' er in des Tages Strahle
Sich ungezählte Wesen nahn.
Für ihn stieg aus des Morgens Thoren
Die Sonne auf mit neuem Licht,
Doch daß er selber neu geboren
In diesem Lenz, das wußt' er nicht.
Doch fühlt' er in sich wall'n und wogen,
Was mächtig nach Gestaltung rang,
Als sollte dem gespannten Bogen
Der Pfeil entschwirrn mit hellem Klang.
Die Jugendkraft, die gern im Ringen
Die Welt aus ihren Angeln hebt
Und mit des Genius Feuerschwingen
In Sturmesdrang gen Himmel strebt,
Die hoffnungsvoll sich selbst vertrauet,
Zu jedem Kampfe sich vermißt,
Sich Schlösser in die Lüfte bauet
Und alles Leid um sich vergißt,
Die gährte auch in Heinrichs Freuden,
Er däuchte sich so überreich,
Als hätt' er Schätze zu vergeuden
Verschwendrisch an Millionen gleich.
Wie aber? wie? wie sollt' er's sagen,
Was ihm durch alle Adern fuhr?
Nie sollt' er seines Herzens Schlagen
Mittheilen aller Kreatur?
Nur etwas schaffen, etwas bilden
Mocht' er aus dem, was in ihm schäumt,
Mit vollen Segeln zu Gefilden
Hinschweben, die kein Wahn sich träumt,
Aufjauchzen, daß im Sternenreigen
Sein Ruf vernehmbar durch die Zeit,
Ach! Alles, Alles, nur nicht schweigen!
»O gieb mir Worte, Ewigkeit!
Schlag' dies Gefäß in tausend Scherben,
Eh' es die eigne Brust zersprengt,
Laß – laß mich dichten oder sterben,
Dein stummer Flammenkuß versengt!«
So rief er aus, und im Gemüthe
Bewältigt von des Aufruhrs Streit,
Warf er sich hin auf Gras und Blüthe
Und weinte vor Glückseligkeit. –
Da kam der Lenz vorbei gezogen
Voll Glanz und Pracht durchs eigne Haus
Und schüttete ins heiße Wogen
Der Jünglingsbrust sein Füllhorn aus
Und spendete ihm jeden Segen,
Der nur in seiner Macht Geleit,
Des Keims geheimnißvolles Regen,
Des Triebs Unwiderstehlichkeit,
Der Knospe wunderbar Entfalten,
Des Duftes Reiz, der Farben Schein,
Den Muth zum Schaffen und Gestalten,
Die Kraft zum Werden, Lust am Sein.
Da leuchtete die Stirn des Knaben,
Sein Auge glänzte sonnenklar,
Nun trug im Busen er die Gaben,
Daraus sich eine Welt gebar.
Nun sog er niegefühlte Wonnen
Aus all' dem Lächeln, all' dem Blühn,
Und trank am frischen Lebensbronnen
Mit ungestillten Durstes Glühn.
Auf rosenüberstreuten Bahnen
Lag vor ihm, was die Zukunft spann, –-
O Frühlingswunder, Dichterahnen,
Wie gingt ihr auf im wilden Tann!

Dem Klausner blieb in Heinrichs Wesen
Die Wandlung nicht verborgen zwar,
Doch war's dem Freund nicht abzulesen,
Was mit ihm vorgegangen war.
Die wechselvollen Launen nährten
Beim Alten endlich den Verdacht,
Daß in der Seele des Gefährten
Entschlüsse reiften über Nacht.
Bald überfiel ihn träumrisch Sinnen,
Darin sein Geist sich ganz verlor,
Bald brach ein ruhelos Beginnen
Von ungefähr aus ihm hervor.
Es war das flatternde Gebaren
Des Vogels, der von dannen strebt,
Auf Wandrung über Meer zu fahren,
Wenn Sehnsucht schon die Schwingen hebt.
Da schien es hohe Zeit dem Greise
Für seinen tief durchdachten Plan,
Und er begann in seiner Weise
Das Werk, wie's däucht' ihm wohlgethan.
»Mein Sohn,« sprach er bei guter Stunde,
»Merk auf! es gilt ein ernstes Wort:
Seit ich von Deinem Leben Kunde,
Sinn' ich darüber fort und fort.
Du gehst hier auf des Flüchtlings Füßen
Mit des Gewissens schwerer Last,
Sprich, wie gedenkest Du zu büßen
Den Mord, den Du begangen hast?«
»Wie? büßen? und das nennst Du morden?«
Rief Heinrich, »ich erschlug den Knecht,
Sonst wär' ich selbst erschlagen worden,
Ich war in meinem guten Recht.«

»Vielleicht vor menschlichen Gesetzen,
Vom Himmel bist Du drum verflucht,
Und bist auch des Verfolgers Netzen
Noch nicht entronnen, der Dich sucht.
Und als aus seinem Boot den Fergen
Du warfst, – war's Nothwehr, wie man spricht?
Daß er sich schwimmend konnte bergen,
War Gottes Wille, Deiner nicht.
Vom Waidhof noch bist Du entwichen,
Weil Dir die Häscher auf der Spur,
Und war' die Schuld auch hier gestrichen,
Denkst Du an irdisch Walten nur?
Als Friedensbrecher eingedrungen
Seid in die Burg ihr zu Verrath,
Und Du erschlugst den, der gezwungen
Als Feind Dir gegenüber trat.
Das, meinst Du, hätt'st Du nicht zu sühnen?
Lang zwar ist unsers Herrn Geduld,
Doch, frag' ich, willst Du Dich erkühnen,
Ihm einst zu nahn mit solcher Schuld?
Daß Dir jetzt Reu' im Herzen lodert,
Das reicht nicht hin, weit mehr thut noth,
Gehorsam, Unterwerfung fordert
Der Kirche heiliges Gebot.
Erniedrigung im tiefsten Staube,
Zerknirschung, Knabe, will sie sehn,
Ein Büßerthum verlangt der Glaube,
Sonst hoffe nie, vor Gott zu stehn.
Als Sünder werden wir geboren,
Im Mutterleib schon in uns steckt
Der Teufel, und wir sind verloren,
Wenn uns die Gnade nicht erweckt.
Drum, willst Du zur Erlösung kommen,
Mußt Du, der aus des Tages Schein
Ein Menschenleben Du genommen,
Dein eignes ganz dem Himmel weihn.
Der sünd'gen Welt mußt Du entsagen,
Ins Kloster schließen Dich fortan,
Das Kreuz zu küssen und zu tragen
Als demuthsvoller Gottesmann.«

Der Jüngling saß da wie vernichtet
Und schwieg und seufzte schreckensbleich,
Der Alte stand hoch aufgerichtet
Vor ihm und sprach vom Himmelreich.
Es überkam ihn Rednergabe,
Prophetengeist und Schwärmergluth,
Kaum hört' ihn der bestürzte Knabe,
Geknickt war all sein Jugendmuth.
Es sprach der Greis vom Gotteslohne
Für Jeden, der in Christo stirbt,
Und von des ew'gen Lebens Krone,
Die sich der Gläubige erwirbt,
Von der Vergebung aller Sünden,
Wenn erst des Fleisches Lust erlag,
Von schrecklichen Gerichts Verkünden
Am großen Auferstehungstag.
Er sprach auch von dem sel'gen Frieden
Des Klosters, fern von allem Streit,
Und wie kein schöner Loos hienieden
Für Menschen anderswo bereit.
Nie in der Brüderschaft vertraulich
Dem Schwachen Jeder stehe bei,
Und wie erbaulich und beschaulich
Es in der stillen Zelle sei.
Wie andachtweckend da zur Hore
Ruf' wohlgestimmter Glocken Klang,
Wie feierlich im vollen Chore
Ertöne frommer Mönchsgesang.
Er wußt' es preislich auszumalen,
Flocht in den Eifer Trost und Scherz,
Es wandelten wie auf Sandalen
Die Worte in des Jünglings Herz.
Und als der Klausner nun geendet
Und Antwort heischend vor ihm stand
Und »Willst Du?« frug, zu ihm gewendet,
Schlug Heinrich in des Werbers Hand.
»Das segne Gott!« rief da der Alte,
Umschlang den Jüngling freudenvoll,
Und über seiner Wange Falte
Ihm eine helle Thräne quoll.
»Nun halt' bereit Dich in drei Tagen,
Die Scheidestunde komme bald,
Dann will ich Weg und Steg Dir sagen
Zu Kloster Adamunt im Wald.
Abt Irimbert war mir im Leben
Der beste Freund, dem will ich Dich
Und Deine Seele übergeben,
Er wird Dich leiten väterlich.
Dem würd'gen Abte aber künde,
Was Dich beschwert; spricht der Dich frei,
Dann denke, daß Dir alle Sünde
Um Christi willn vergeben sei.« –

Wo seid ihr nun, ihr stolzen Träume,
Die ihr ein Königreich verhießt
Und wie die schlanken Tannenbäume
Geraden Wegs zum Himmel wiest?
Wart ihr nur Bilder im Geschiebe
Der Wolken, die ein Hauch zerreißt?
Starbt ihr wie junge Maientriebe,
Wenn Nachtfrost sie zu Tode beißt?
Ach! was statt eurer mußt' erküren,
Der euch hier träumte im Geheg,
Sollt' auch in einen Himmel führen,
Nur andrer Himmel! andrer Weg!
Der war es nicht, den er sich malte,
Umkränzt von goldner Sterne Reihn,
Die Glorie, die ihm lockend strahlte,
War nicht des Dulders Heil'genschein.
Aus diesen süßen Frühlingsschauern,
Aus Sonnenglanz und Blumenduft
Sollt' er in düstre Klostermauern,
In Grabgewölb und Moderluft.
Und statt die Harfe froh zu schlagen,
Die Welt als Ritter zu durchziehn,
Sollt' er des Kreuzes Jammer tragen,
Auf Kirchenplatten betend knien.
Dagegen sträubt sich jeder Tropfen
In seinem Blute und Gebein;
Wollt ihr den Bergquell hier verstopfen,
So sprengt er drüben das Gestein.

»Der Weg ist offen, Wölfe traben
Frei durch den Wald, was hält denn mich?
Vorwärts! und wer den Hirsch will haben
Mit Haut und Haar, der fang' ihn sich!
Halt! – wieder fliehn und immer fliehen?
Gehetzt, vertrieben fort und fort? –
Zu spät, ein ander Loos zu ziehen,
Mich bindet Handschlag ja und Wort.
So sei es denn! und keine Klage
Sollst du vernehmen, Waldesgrün,
Was ich hier schweigend mit mir trage,
Kann anderswo in Funken sprühn.«

Die Stunde nahte schon zum Scheiden,
Und als sie wirklich nun heran,
Da ward es schwer ums Herz den Beiden,
Und Heinrich sprach zum alten Mann:

»Wer wird nun hüten Dich und hegen
In Deiner tiefen Einsamkeit?
Dir Deinen kleinen Garten pflegen,
Zum Feuer tragen Scheit auf Scheit?
Wer wird Dir einen Vogel schießen,
Dir Wurzeln sammeln, Beer' und Pilz?
Wer wird Dir einen Rehbock spießen,
Dein Lager fülln mit Moos und Filz?«

»Der auf dem Feld die Lilien kleidet,
Die Vögel unterm Himmel nährt,
Und der es ungezählt nicht leidet,
Daß mir ein Haar vom Haupte fährt,«
Sprach da der Greis, »Du sollst nicht sorgen!
Nimm diesen Ranft von Haferbrot,
Er schützt vor Hunger Dich bis morgen,
Und wandre, wie ich Dir gebot,
Bis Dir die Enns zu Füßen lieget,
Geh' neben ihr stromauf die Trifft,
Und wenn sie scharf gen Abend bieget,
Kommst bald Du zu Sanct Blasti Stift.
Dort trachte in der Männer Kreise,
Daß Jeder Dich als Bruder liebt,
Und dann vergiß, daß leid'ger Weise
Es in der Welt auch Weiber giebt.
Nun geh und habe Gott im Herzen
Und stets vor Augen, liebes Kind!
Vergänglich sind so Lust wie Schmerzen,
Wir sind nur Staub und Spreu im Wind.«

»O laß Dir danken – « es erstickte
Der Laut, Heinrich vollbracht' es nicht,
Mit thränenvollen Augen blickte
Er seinem Freund ins Angesicht.
Der sprach: »Abt Irimbert mir grüße
Zu Adamunt und füge bei,
Daß ich hier herzensfreudig büße
In meiner trauten Siedelei.«

»Wenn ich nur,« lächelt jener, »wüßte,
Von wem ich grüßen soll den Abt,
Da ich doch billig wissen müßte,
Wen ich zum Vater hier gehabt.«

»Von Einem, sag' nur, den er kennet,
Von einem Greise müd' und welk,
Der, so wie Du, sich Heinrich nennet,
Ich heiße, Sohn, Heinrich von Melk.«

»Heinrich von Melk bist Du, der Sänger
Der einst zu Roß als Ritter saß,
Von dem einst bang und immer bänger
Ich das Gedicht vom Tode las?«

»Ich bin's, Heinrich von Ofterdingen!
Und mit dem Rathe magst Du ziehn:
Laß Deinen Namen nicht erklingen,
Dem Abt allein vertraue ihn.«

»So will ich einen andern führen,«
Sprach schnell der Jüngling, »und der soll,
So oft er wird mein Ohr berühren,
An Dich mich mahnen, Dankes voll.
Hier hat mich Winterssturm umbrauset,
Hier war's, wo mich der Lenz umspann.
Mit Dir hab' ich im Tann gehauset, –
Tannhäuser nenn' ich mich fortan!«

Und Heinrich ging; bis zum Gelände
Gab ihm der Alte das Geleit,
Sie drückten sich noch mal die Hände
Und schieden, stumm vor Traurigkeit.
Doch einmal klang als letztes Grüßen
Des Alten Ruf noch bang und hohl,
Als Heinrich schon auf flinken Füßen,
Ihm fern: »Tannhäuser, fahre wohl!«


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