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Fünftes Capitel.
Ibn Batuta (1328-1354)

Ibn Batuta. – Der Nil. – Gyza. Tyrus, Tiberias, der Libanon, Balbek, Damaskus, Mesched, Bassorah Bagdad, Tebriz, Medina, Mekka. – Yemen. – Abyssinien. – Das Land der Berber. – Zanguebar. – Ormuz – Syrien. – Anatolien. – Kleinasien. – Astrachan. – Konstantinopel. – Turkestan. – Herat. – Der Indus. – Delhi. – Malabar. – Die Malediven. – Ceylon. – Coromandel. – Bengalen. – Die Nikobaren. – Sumatra. – China. – Afrika. – Der Niger. – Timbuktu.

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Marco Polo hatte sein Vaterland seit fünfundzwanzig Jahren wieder gesehen, als ein Laienbruder des Franziskanerordens zwischen 1313-1330 ganz Asien vom Schwarzen Meere aus bis zu den äußersten Punkten von China durchwanderte, wobei er über Trebizonde, den Berg Ararat, Babel und durch die Insel Java kam. Sein Bericht ist aber so verwirrt und seine Leichtgläubigkeit so offenbar, daß man seinen Angaben keinerlei Gewicht beilegen kann. Dasselbe gilt von den fabelhaften Reisen Johannes von Mandeville, von dem Couley sagt, er habe »ein Werk veröffentlicht, so voll von Lügen, daß es wahrscheinlich unter allen bekannten Sprachen kein ähnliches wieder giebt«.

Der erste würdige Nachfolger des venetianischen Reisenden ist ein Araber, der für Egypten, Arabien, Anatolien, die Tartarei, Indien, China, Bengalen und Sudan dasselbe leistete wie Marco Polo für einen beträchtlichen Theil Centralasiens. Dieser ebenso geistvolle als unternehmende Mann verdient unbedingt einen Platz unter den kühnsten Forschern.

Er war ein Gottesgelehrter und hieß eigentlich Abd Allah El Lawati, erwarb seinen Ruhm aber unter dem Beinamen Ibn Batuta. Im Jahre 1324, d. i. im siebenhundertundfünfundzwanzigsten Jahre der Hedschira, entschloß er sich zu einer Pilgerfahrt nach Mekka und begab sich von Tanger, seiner Vaterstadt aus, nach Alexandrien und von da nach Kairo. Während seines Aufenthaltes in Egypten studirte er eingehend den Lauf des Nils, vorzüglich an seinen Mündungen; dann versuchte er längs des Stromes hinaufzugehen; durch die damals an den Grenzen Nubiens herrschenden Unruhen aber zurückgehalten, mußte er wieder flußabwärts reisen und segelte nach Kleinasien.

Nach einem Besuche Gaga's, der Gräber Abraham's, Isaak's und Jakob's, des stark befestigten und von drei Seiten so gut wie unangreifbaren Tyrus, der in Ruinen liegenden Stadt Tiberias, deren weitberühmte Bäder vollständig zerstört waren, erregten Ibn Batuta's Aufmerksamkeit die Wunder des Libanon, des Sammelplatzes aller Einsiedler jener Zeit, welche wohlweislich einen der schönsten Punkte der Erde erwählt hatten, um daselbst ihre Tage zu beschließen. Weiter zog er über Balbek und berührte im Jahre 1345 auch Damaskus, wo die Pest unerhörte Verheerungen anrichtete. Nach den Angaben unseres Reisenden verschlang die entsetzliche Geißel damals bis »80.000« Menschen täglich, und ohne Zweifel wäre Damaskus gänzlich entvölkert worden ohne das Eingreifen des Himmels, der endlich dem Flehen des Volkes nachgab, das sich in der heiligen Moschee versammelt hatte, in welcher man den kostbaren Stein mit dem Fußeindruck Mosis bewahrt.

Von Damaskus aus begab sich der arabische Geistliche nach der Stadt Mesched, in der er das Grab Ali's besuchte. Dieses Grab zieht eine große Menge gelähmter Pilger an, welche in dessen Nähe nur eine Nacht über betend zu verbringen haben, um von ihren Gebrechen zu genesen. Batuta scheint in die Wahrhaftigkeit dieses Wunders, das im ganzen Orient unter dem Namen der »Nacht der Wiederherstellung« bekannt ist, keinerlei Zweifel zu setzen.

Mesched verlassend, begab sich der unermüdliche Ibn Batuta, getrieben von seinem unzähmbaren Wunsche, immer mehr zu sehen, nach Bassorah, drang tief bis in das Königthum Ispahan hinein und durchwanderte die Provinz Schiraz, wo er den berühmten Zauberer Magd Addin zu sprechen suchte. Von Schiraz ging er nach Bagdad und Tebriz, dann nach Medina, um am Grabe des Propheten zu beten, und endlich nach Mekka, wo er sich drei Monate Ruhe gönnte.

Bekanntlich ziehen von dieser heiligen Stadt fortwährend Handelskarawanen aus nach allen Seiten der umgebenden Länder. In Gesellschaft einiger solcher unternehmenden Kaufleute besuchte Ibn Batuta alle Städte von Yemen. Er dehnte seinen Ausflug bis Aden, am südlichen Ende des Rothen Meeres, aus und schiffte sich dort nach Zeita, einem der Häfen Abyssiniens ein. Jetzt betrat er also wieder afrikanischen Boden. Im Lande der Berber studirte er die Sitten und Gebräuche dieser schmutzigen, widerlichen Volksstämme, welche nur von Fischen und Kameelfleisch leben. Dennoch begegnete Ibn Batuta in der Stadt Makdasbu einem gewissen Luxus, um nicht zu sagen, einem wohlthuenden Comfort, an den er sich immer gern erinnert. Die Bewohner der genannten Stadt waren alle sehr wohlbeleibt; Jedermann »aß hier so viel, wie sonst ein ganzes Kloster«; dabei waren die ausgesuchtesten Leckereien, wie in Milch gekochtes Wegebreit, eingemachte Citronen, die Schoten von frischem Pfeffer und grüner Ingwer sehr beliebt.

Nachdem er sich von dem Lande der Berber, vorzüglich von dessen Küstenstrichen ziemlich eingehende Kenntniß verschafft, beschloß Ibn Batuta nach Zanguebar zu reisen, überschritt also das Rothe Meer und begab sich längs der arabischen Küste bis nach Zafar, eine Stadt am Indischen Meere. Die Vegetation dieser Gegend war wirklich prächtig; Betel, Cocospalmen und Weihrauchbäume bildeten hier die herrlichsten Wälder; der von seinem unruhigen Geiste stets weiter getriebene arabische Reisende aber ging nun nach Ormuz am Persischen Golfe. Er durchstreifte einige persische Provinzen. Wir begegnen ihm ein zweites Mal in Mekka, im Jahre 1332 wieder. Er kehrte also drei Jahre nach seiner ersten Anwesenheit in die heilige Stadt zurück.

Hiermit tritt indeß nur eine Pause, ein kurzer Ruhepunkt in dem Leben des reiselustigen Ibn Batuta ein, denn nochmals vertauscht er Afrika gegen Asien und dringt mitten in unbekannte Gegenden Oberegyptens ein, von wo aus er nach Kairo zurückkommt. Dann wendet er sich nach Syrien, geht nach Jerusalem und Tripolis und gelangt bis zu den Turkomanen von Anatolien, wo ihm die »Gesellschaft der jüngeren Brüder« einen höchst gastfreundlichen Empfang bereitet.

Nach Anatolien verbreitet sich der arabische Reisebericht über Kleinasien. Ibn Batuta kam hier bis Erzerum, wo man ihm einen Meteorstein von sechshundert Pfund Gewicht zeigte. Dann segelte er über das Schwarze Meer, besuchte die Krim, Kafa und Bulgar, eine Stadt, welche schon in hinlänglich hoher Breite liegt, um einen bedeutenden Unterschied in der Länge der Tage und Nächte wahrnehmen zu lassen, und erreichte endlich Astrachan, an der Mündung der Wolga, wo der Khan der Tartaren den Winter über residirte.

Prinzessin Bailon, die Gemalin dieses Fürsten, Tochter des Kaisers in Konstantinopel, traf eben Anstalt, ihren Vater einen Besuch abzustatten. Damit bot sich für Ibn Batuta eine günstige Gelegenheit, die europäische Türkei kennen zu lernen. Er erwirkte sich die Erlaubniß, die Prinzessin begleiten zu dürfen, welche unter Bedeckung von fünftausend Mann reiste und eine tragbare Moschee mit sich führte, die an jedem Haltepunkt aufgestellt wurde. Der Prinzessin bereitete man in Konstantinopel einen ungewöhnlich prächtigen Empfang und läutete die Glocken dabei so stark, »daß der ganze Horizont davon erzitterte«.

Auch der Empfang des Theologen seitens der Prinzen des Landes entsprach vollkommen dem Ruhme seines Namens. Er fand Gelegenheit, die Stadt sehr genau kennen zu lernen, und verweilte daselbst sechsunddreißig Tage lang.

Man wird zugeben, daß sich Ibn Batuta in jener Zeit mit ihren schwierigen und theilweise sogar gefährlichen Communicationsmitteln zwischen den verschiedenen Ländern als kühner Reisender erwiesen hat, indem er Egypten, Arabien, die asiatische Türkei und die Provinzen am Kaukasus durchwanderte. Nach solchen Anstrengungen verdiente er gewiß eine längere Ruhe. Sein Ruhm reichte weit und hätte einem minder ehrgeizigen Geiste sicherlich genügt. Er war ohne Zweifel der berühmteste Reisende des 14. Jahrhunderts; noch immer aber zog ihn seine unbezwingliche Leidenschaft hinaus, so daß sich der Kreis seiner Forschungen noch beträchtlich erweiterte.

Von Konstantinopel aus wandte sich Ibn Batuta von Neuem nach Astrachan, dann zog er durch die unwirthbaren Wüsten des heutigen Turkestan nach der Stadt Chorasm, die ihm sehr groß und volkreich erschien, und weiter nach dem von den Heerhaufen Gengis Khans halb zerstörten Bukhara. Bald nachher finden wir ihn in Samarkand, einer sehr frommen und gottesfürchtigen Stadt, welche dem Reisenden besonders gefällt, ferner in Balk, das er nur erreichen konnte, indem er es wagte, durch die Wüste von Khoracam zu ziehen. Die genannte Stadt lag freilich vollständig in Trümmern und Ruinen. Die Armeen der Barbaren waren hier vorübergezogen. Ibn Batuta konnte daselbst also nicht verweilen. Er beabsichtigte nach Westen, nach der Grenze von Afghanistan zurückzukehren. Vor ihm breitete sich das Bergland Kusistan aus. Er zögerte keinen Augenblick, sich des schwierigen, durch dasselbe führenden Weges zu bedienen und erreichte auch nach glücklicher und geduldiger Ueberwindung unendlicher Hindernisse die wichtige Stadt Herat. Das war der äußerste Punkt im Westen, an dem Ibn Batuta Halt machte. Er beschloß nun, wiederum den Weg nach dem Oriente einzuschlagen und bis zum Ende Asiens, an die Küste des Pacifischen Oceans vorzudringen. Gelang ihm auch das, so übertraf er bezüglich des Umfanges seiner Forschungsreisen den berühmten Marco Polo noch beiweitem.

Er brach also aus und kam durch Kabul und längs der Grenzen Afghanistans zunächst an die Ufer des Sindhi, des heutigen Indus, den er bis zu seiner Mündung hinab verfolgte. Von der Stadt Lahori aus begab er sich nach Delhi, jener großen und schönen Stadt, welche ihre Bewohner damals aber verlassen hatten, um dem Wüthen des Sultans Mahomed zu entgehen.

Dieser zu Zeiten auch edeldenkende und gutmüthige Tyrann empfing den arabischen Reisenden sehr gnädig und kargte ihm gegenüber nicht mit Gunstbezeugungen, indem er ihn in Delhi zum Richter ernannte und sowohl mit Ländereien als mit Baareinkünften reichlich ausstattete. Nicht lange aber sollte dieses Verhältniß währen. Ibn Batuta, verdächtigt, an einer Verschwörung theilgenommen zu haben, glaubte seinen Platz verlassen zu müssen und wurde sogar Fakir, um dem Zorne des Kaisers zu entfliehen. Mahomed beliebte es aber gerade, ihm zu verzeihen und so ernannte er ihn zu seinem Gesandten in China.

Noch einmal lächelte das Glück also unserem muthigen Geistlichen, der ausnahmsweise unter den günstigsten Bedingungen für sein Wohlbefinden und seine persönliche Sicherheit nach jenen entlegenen Gebieten gelangen sollte. Es wurden ihm außerdem reiche Geschenke für den Kaiser von China überliefert und ihm eine Bedeckung von zweitausend Reitern mitgegeben.

Ibn Batuta machte seine Rechnung freilich ohne die Insurgenten, welche in den benachbarten Gegenden umherschwärmten. Zwischen seinen Begleitmannschaften und den Hindus kam es zu einem Gefecht. Ibn Batuta wurde dabei von seinen Leuten getrennt, gefangen genommen, beraubt, gefesselt und weggeschleppt. Wohin – das wußte er nicht. Trotzdem verlor er weder Muth noch Hoffnung und es gelang ihm auch wirklich, den Händen der Räuber zu entwischen. Sieben Tage lang irrte er umher, bis er endlich einen Neger traf, der ihn nach Delhi und in den Palast des Kaisers zurückbrachte.

Mahomed rüstete sofort eine neue Expedition aus und bestätigte den Reisenden in seiner Eigenschaft als Gesandten zum zweiten Male. Jetzt glückte der Escorte der Zug durch das insurgirte Land über Kanoge, Merwa, Gevalior und Barum bis nach Malabar. Bald darauf gelangte Ibn Batuta nach Calicut, dem späteren Hauptort der Provinz Malabar und wichtigen Hafenplatze, in dem er drei Monate auf günstigen Wind warten mußte, um in See gehen zu können. Er benutzte diesen unfreiwilligen Aufenthalt zum Studium der chinesischen Handelsmarine, welche diese Stadt viel besuchte, und spricht mit Bewunderung von den Tjonken, wirklich schwimmenden Gärten, in denen man Ingwer und Küchengewächse zog, als eine Art unabhängiger Ansiedlungen, deren manche reiche Leute eine große Menge besaßen.

Die günstige Jahreszeit kam heran. Ibn Batuta wählte sich für die Reise eine kleine, bequeme Tjonke aus, auf welche er seine Schätze und sein Gepäck unterbrachte. Dreizehn andere Tjonken enthielten die vom Herrscher von Delhi für den Kaiser von China bestimmten Geschenke. Da erhob sich Nachts ein schrecklicher Sturm, der alle Fahrzeuge versenkte. Zum Glück war Ibn Batuta auf dem Lande zurückgeblieben, um noch dem Gebete in der Moschee beizuwohnen. Seine Frömmigkeit ward ihm zur Rettung. Aber er hatte Alles verloren; nichts war ihm übrig geblieben, als »der Teppich, auf dem er seine Andacht zu verrichten pflegte«. Nach diesem zweiten Unfalle wagte er es nicht mehr, dem Beherrscher von Delhi wieder unter die Augen zu treten. Freilich hätte solches Mißgeschick auch einen minder ungeduldigen Fürsten erzürnen können.

Ibn Batuta's Entschluß war schnell gefaßt; er gab den Dienst des Kaisers auf und verzichtete auf die Vortheile seiner Stellung als Gesandter; dann schiffte er sich nach den Malediven ein, die damals von einer Frau regiert wurden und lebhaften Handel mit Cocosfasern (eine Art Hanf) trieben. Auch hier übertrug man dem arabischen Theologen die Würde eines Richters; er heiratete drei Frauen, erregte aber den Unmuth des Veziers, der ihn wegen der hohen, ihm zu Theil gewordenen Auszeichnungen beneidete, und mußte in Folge dessen fliehen. Er hoffte die Coromandelküste zu erreichen; die Winde verschlugen sein Schiff aber nach der Insel Ceylon. Ibn Batuta wurde daselbst von dem Könige mit aller Achtung aufgenommen und erhielt sogar die Erlaubniß, den heiligen Berg von Serendis, d. i. den Pic Adam, zu besteigen. Er wollte hier den wunderbaren Eindruck auf der Bergspitze sehen, den die Hindus den Fußabdruck Buddha's, die Mohamedaner aber den Fußabdruck Adam's nennen. Er sagt in seinem Berichte darüber, daß dieser Eindruck elf Handbreiten lang sei, womit er weit unter der Schätzung eines Geschichtsschreibers des 9. Jahrhunderts zurückbleibt, der ihm nicht weniger als neunundsiebzig Armlängen giebt. Der Letzterwähnte fügt auch noch hinzu, daß, während der eine Fuß unseres Stammvaters auf dem Berge ruhte, der andere im indischen Ocean gestanden habe. Ibn Batuta spricht auch von großen bärtigen Affen, »welche einen großen Theil der Bevölkerung der Insel ausmachen«, die eine monarchische Regierung besitzt, mit einem kynocephalischen, mit Baumblättern gekrönten Könige an der Spitze. Man weiß jedoch, was von allen diesen, durch die Leichtgläubigkeit der Hindus aufgekommenen und verbreiteten Fabeln zu halten ist.

Von Ceylon aus setzte der Reisende unter schweren Stürmen nach der Coromandelküste über und erreichte, indem er den untersten Theil der Ostindischen Halbinsel durchwanderte, die entgegengesetzte Küste, wo er sich von neuem einschiffte. Auf offenem Meere wurde aber das von ihm benutzte Fahrzeug von Seeräubern weggenommen und geplündert, so daß Ibn Batuta gänzlich beraubt, fast nackt und zum äußersten erschöpft in Calicut anlangte. Kein Unglück aber vermochte seinen Muth zu brechen. Er gehörte zu jener Art der großen Reisenden, die das Mißgeschick nur stählt. Sobald die Freigebigkeit reicher Kaufleute ihn in den Stand gesetzt hatte, den Wanderstab zu ergreifen, ging er von Neuem nach den Malediven unter Segel und begab sich dann nach Bengalen, dessen natürliche Reichthümer seine Bewunderung erregten, schiffte sich darauf nach Sumatra ein, rastete nach fünfzigtägiger Fahrt unter abscheulichem Wetter auf einer Insel der Nikobaren-Gruppe im Golfe von Bengalen und erreichte endlich nach weiteren fünfzehn Tagen Sumatra, dessen König ihn mit großer Auszeichnung empfing, wie er es übrigens allen Mohamedanern gegenüber zu thun pflegte. Ibn Batuta aber zählte nicht zu den gewöhnlichen Menschen; er gefiel auch dem Herrscher der Insel so ausnehmend, daß dieser ihm die Mitte! gewährte, nach China zurückzukehren.

Eine Tjonke trug den Reisenden über das »Stille Meer«, und zwölf Tage nach der Abreise von Sumatra legte er glücklich im Hafen von Kailuka, der Hauptstadt eines sehr räthselhaften Landes an, dessen wohlgestaltete und muthige Bewohner sich im Kriegshandwerk auszeichneten. Von Kailuka aus kam Ibn Batuta nach den chinesischen Provinzen und besuchte zuerst die prächtige Stadt Zaitem, wahrscheinlich das Tsuenchen der Chinesen, das ein wenig nördlich von Nanking liegt. Er durchstreifte verschiedene Gegenden des großen Reiches, studirte die vielen Sitten der Völkerschaften, deren Reichthümer, Industrie und Civilisation sein Erstaunen erregten, gelangte aber nicht bis zur großen Mauer, welche er »Gog's und Magog's Hinderniß« nannte. Während dieser Kreuz- und Querzüge durch das unermeßliche Land verweilte er auch in der Stadt Chensi, welche selbst wieder sechs befestigte Städte umfaßt. Sein Glücksstern fügte es auch so, daß er dem Begräbniß eines Khans beizuwohnen Gelegenheit fand, mit dessen Leiche vier Sklaven, sechs seiner Favoritinnen und vier Pferde gleichzeitig eingescharrt wurden.

Inzwischen brachen in Zaitem Unruhen aus und nöthigten Ibn Batuta, diese Stadt zu verlassen. Der arabische Reisende schiffte sich also nach Sumatra ein und kehrte, während er Calicut und Ormuz berührte, im Jahre 1348 nach Mekka zurück, nachdem er durch ganz Persien und Syrien gezogen war.

Noch hatte die Stunde der Ruhe für diesen unermüdlichen Forscher nicht geschlagen. Im folgenden Jahre sah er Tanger, seine Vaterstadt wieder. Dann begab er sich nach Abstattung eines Besuches in Spanien nach Marokko, drang nach Sudan hinein, durchwanderte die vom Niger bewässerten Länder, zog durch die große Wüste und gelangte bis Timbuktu – eine Reise, welche allein hingereicht hätte, einen minder ehrgeizigen Reisenden berühmt zu machen.

Das sollte seine letzte Expedition sein. Im Jahre 1353, neunundzwanzig Jahre nach seiner ersten Abreise von Tanger, kehrte er nach Marokko zurück und ließ sich in Fez nieder. Ibn Batuta verdient den Ruhm des unerschrockendsten Reisenden des 14. Jahrhunderts und die Nachwelt handelt nicht mehr als gerecht, wenn sie seinen Namen dem Marco Polo's, des berühmten Venetianers, an die Seite stellt.


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