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8. Das Ungemach ist zu Ende.

Am Himmel leuchteten schon die Sterne, als die Thür knarrte und Rzepowa leise in ihre Hütte trat. Sie blieb wie angewurzelt stehen, denn sie hatte geglaubt, daß Rzepa wie immer in der Schenke schlafen werde. Dabei saß Rzepa auf der Kiste an die Wand gelehnt, die Fäuste geballt und düster zur Erde blickend. Auf dem Herde glimmten die Kohlen.

»Wo kommst Du her?« fragte Rzepa zornig.

Sie antwortete nicht, sondern fiel ihm weinend und schluchzend zu den Füßen und sagte: »Lorenz! Lorenz! für Dich, nur für Dich habe ich mich der Schande preisgegeben. Er hat mich bethört, betrogen und fortgejagt. Lorenz! Lorenz! Habe Du wenigstens Mitleid mit mir, mein Herz! Lorenz! Lorenz!«

Hinter der Kiste zog Rzepa eine Axt hervor:

»Nein,« sagte er mit ruhiger Stimme, »Dein Ende ist nahe. Verabschiede Dich von dieser Welt, Du siehst sie nie wieder, Du Arme, Du wirst nicht mehr in der Hütte sitzen, sondern am Kirchhof liegen … Du …«

In Angst und Schrecken blickte sie ihn jetzt an. »Du willst mich wohl ermorden?«

»Verliere keine Zeit, Marysko!« sagte er, »bekreuze Dich, dann ist alles vorbei: Du wirst es gar nicht fühlen.«

»Lorenz, sprichst Du wahr …?«

»Lege Dein Haupt auf die Kiste …«

»Lorenz!«

»Lege Dein Haupt auf die Kiste!« rief er jetzt mit Schaum vor dem Munde.

»O! Um Gottes willen! Rettung! Zu Hilfe! Ret…«

Es fiel ein dumpfer Schlag, darauf wurde ein Stöhnen und das Aufschlagen des Kopfes auf der Erde hörbar; ein zweiter Schlag folgte, ein schwächeres Stöhnen, jetzt folgen mehrere Schläge aufeinander. Auf den Boden ergießt sich ein Blutstrom, die Kohlen auf dem Herde glimmen nicht mehr. Ein Schauer durchrieselt den Körper der Rzepowa, dann streckt er sich und bleibt tot liegen.

Bald darauf erleuchtete ein Flammenmeer die Finsternis, die herrschaftlichen Gebäude brannten lichterloh.


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