William Shakespeare
Leben und Tod des Königs Johann
William Shakespeare

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Vierte Scene.

Faulconbridge zu den Vorigen.

Faulconbridge.Vergönnet mir, nach dem Gebrauch gesitteter Völker, ein ruhiges Gehör: ich bin von dem König abgeschikt, um von euch, mein heiliger Lord von Meiland, zu vernehmen, wie ihr ihm euer Wort gehalten habet; und nachdem eure Antwort beschaffen seyn wird, wird es die Erklärung seyn, zu der meine Zunge bevollmächtiget ist.

Pandolph.Der Dauphin will sich durch meine Vorstellungen nicht bewegen lassen, und sagt rund heraus, er wolle die Waffen nicht niederlegen.

Faulconbridge.Bey allem dem Blut, das jemals von männlicher Wuth gekocht hat, der Jüngling sagt recht. Höret izt unsern Engländischen König: Denn so spricht seine Majestät durch mich; er ist vorbereitet, und die Ursache davon ist, weil er es seyn soll. Auf diesen poßierlichen Affenzug, auf diese geharnischte Mummerey, und unbesonnenes Spiegelgefecht, auf dieses läppische Kriegsheer von sauersehenden Knaben, lächelt der König herab; und ist in guter Verfassung, diesen Zwergen-Krieg, diese Pygmäen-Waffen aus dem Umfang seines Gebiets hinaus zu peitschen. Sollte diese Hand, welche Stärke genug hatte, euch vor euern Hausthüren zu prügeln, und zu machen, daß ihr, gleich Wasserkübeln, euch in gemaurte Brunnen täuchen, unter die Schindeln eurer Ställe klettern, wie Pfänder in Kästen und Kuffern eingeschlossen ligen, und euch zu euern Schweinen verkriechen mußtet; daß ihr euere Sicherheit in Kellern und Gefängnissen suchtet, und schon schaudertet und vor Angst zittertet, wenn ihr nur einen Englischen Hahn krähen hörtet, in der Einbildung, es sey die Stimme eines bewaffneten Engländers; diese siegreiche Hand sollte hier entkräftet hangen, nachdem sie euch in euern Kammern gezüchtiget hat? Nein; wißt, der dapfre Monarch ist in Waffen, und schwebt gleich einem Adler über seinen Horst, um jeden Unfall, der sich seinem Neste nähert, wegzuscheuchen. Und ihr ausgeartete, ihr undankbare Rebellen, ihr blutigen Neronen, die den Leib ihrer theuren Mutter England aufreissen, erröthet vor Schaam; denn eure eignen Frauen und blaß-wangichte Töchter, kommen, gleich Amazonen, hinter Trummeln hertrippelnd, vertauschen ihre Fingerhüte um eiserne Handschuhe, ihre Nadeln um Lanzen, und ihre sanftmüthigen Herzen um Grimm und Blutdurst – –

Ludwig.Hier mache deiner Pralerey ein Ende, und kehr im Frieden heim; wir gestehen dir zu, daß du besser schimpfen kanst als wir; gehab dich wohl; wir schäzen unsre Zeit zu hoch, sie mit einem solchen Plauderer zu verderben.

Pandolph.Laßt mich izt auch reden – –

Faulconbridge.Nein, ich will reden.

Ludwig.Ich will keinen von beyden anhören, rührt die Trummeln, und laßt die Zunge des Kriegs für unsre Sache reden.

Faulconbridge.In der That, eure Trummeln wenn sie geschlagen werden, werden schreyen, und so werdet ihr thun, wenn ihr geschlagen seyd; weke nur ein Echo mit dem Geschrey deiner Trummel auf, und du wirst sogleich eine andre hören, die bey der Hand ist, so laut zurükzuschallen als die deinige; schlage noch eine, und wieder eine andre, soll, so laut als die deinige, in die Ohren des Firmaments rasseln, und dem holen Gebrüll des Donners Troz bieten. Denn, ohne sich auf diesen hinkenden Legaten zu verlassen, den er mehr zum Scherz als aus Noth gebraucht hat, ist der tapfre König Johann in der Nähe, und ein Tod mit nakten Rippen sizt auf seiner Stirne; dessen Amt an diesem Tage ist, die Franzosen bey tausenden aufzufressen.

Ludwig.Rührt die Trummeln, um diese Gefahr aufzusuchen.

Faulconbridge.Du sollt sie finden, Dauphin, zweifle nicht.

(Sie gehen ab.)


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