William Shakespeare
Leben und Tod des Königs Johann
William Shakespeare

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Dritte Scene.

Pandolph zu den Vorigen.

Ludwig.Wie, hier eilet, däucht mich, ein Engel auf uns zu; sehet, der heilige Legat kommt, uns Verhaltungs-Befehle vom Himmel zu bringen, und unsern Unternehmungen durch seinen Beyfall das Sigel des Rechts aufzudrüken.

Pandolph.Heil dir, edler Prinz von Frankreich; das nächste ist dieses: König Johann hat sich mit Rom ausgesöhnt; windet also diese dräuenden Fahnen auf, und zähmet den grimmigen Geist des wilden Kriegs, damit er, gleich einem Löwen der im Hause zahm aufgezogen worden, freundlich zu den Füssen des Friedens lige, und ausser durch sein Ansehen ferner keinen Schaden thue.

Ludwig.Mit Euer Gnaden Erlaubniß, ich werde nicht zurük gehen. Ich bin nicht gebohren, um mir befehlen zu lassen, und irgend eines Souverains in der Welt Diener und Werkzeug zu seyn. Euer Athem blies zuerst die todte Kohle des Kriegs zwischen mir und diesem gezüchtigten Königreich an, und legte Materie zu, dieses Feuer zu nähren; allein nun ist es schon zu heftig, um von eben dem schwachen Winde, der es anfachte, wieder ausgeblasen zu werden. Ihr lehrtet mich meine Befügnisse und Ansprüche an dieses Land kennen, ihr allein legtet diese Unternehmung in mein Herz; und izt kommt ihr, und sagt mir, Johann habe Frieden mit Rom gemacht! Was geht mich sein Friede an? Kraft des Rechts so ich durch meine Vermählung erhalten, spreche ich, da Arthur todt ist, dieses Land als mein Eigenthum an; und nun da es halb erobert ist, soll ich zurük gehen, weil Johann seinen Frieden mit Rom gemacht hat? Bin ich Roms Sclave? Was für Subsidien hat Rom zu dieser Unternehmung hergegeben, was für Volk, oder was für Kriegs-Vorrath? Bin ichs nicht allein, der die Last derselben trägt? Wer anders als ich, und diejenigen die meinen gerechten Anspruch unterstüzen, schwizt in diesem Geschäft und führt diesen Krieg? Hab ich nicht diese Insulaner mir zujauchzen gehört, vive le Roi! wie ich gegen ihre Städte angezogen bin? Hab' ich hier nicht die besten Carten, um dieses Spiel zu gewinnen, das um eine Crone gespielt wird? Und nun soll ich es aufgeben, da ich den Saz schon in Händen habe? Nein, bey meiner Seele, das will ich nicht thun.

Pandolph.Ihr seht nur auf das Aeusserliche dieses Geschäfts.

Ludwig.Aeusserlich oder innerlich, ich will nicht wieder heimgehen, bis ich mein Vorhaben auf eine so glorreiche Art ausgeführt haben werde, als ich zu hoffen von euch selbst aufgemuntert worden bin – – (Man hört eine Trompete.) Was für eine muntre Trompete fordert uns hier auf?


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