William Shakespeare
Leben und Tod des Königs Johann
William Shakespeare

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Sechste Scene.

Hubert zu den Vorigen.

Hubert.Milords, ich suche euch allenthalben mit feurigster Eile; Arthur lebt, und der König sendet nach euch.

Salisbury.O, er ist kühn und erröthet nicht zu todt; hinweg, du verabscheuter Lasterbube, aus meinem Gesicht!

Hubert.Ich bin kein Lasterbube.

Salisbury.Muß ich dem Gesez zuvorkommen?

(Er zieht seinen Degen.)

Faulconbridge.Euer Schwerdt ist glänzend, Sir, stekt es wieder ein.

Salisbury.Nicht eher, bis ich ihm eines Mörders Haut zur Scheide gemacht habe.

Hubert.Zurük, Lord Salisbury; zurük, sag ich; beym Himmel, mein Degen ist so scharf als der eurige; ich möchte nicht, Lord, daß ihr euch selbst vergässet, oder die Gefahr meiner abgenöthigten Gegenwehr reiztet; oder ich möchte, von eurer Wuth aufgefodert, euern Werth, euern Adel und eure Grösse vergessen.

Bigot.Hinweg, Misthaufe, unterstehst du dich einem Edelmann zu trozen?

Hubert.Nicht für mein Leben; aber meine Unschuld untersteh ich mich gegen einen Kayser zu vertheidigen.

Salisbury.Du bist ein Mörder.

Hubert.Zwingt mich nicht es zu werden; izt, bin ich noch keiner; Wessen Zunge falsch redet, redt nicht wahr, und wer nicht wahr redt, lügt.

Pembroke.Haut ihn in Stüken.

Faulconbridge.Halte Frieden, sag ich.

Salisbury.Auf die Seite, Faulconbridge, oder ich will dir die Haut abziehen.

Faulconbridge.Du würdest leichter dem Teufel die Haut abziehen, Salisbury. Wenn du dich erkühnst mich nur sauer anzusehen, nur deinen Fuß vorzusezen, oder ein unanständiges Wort gegen mich auszustossen, so schlag ich dich tod nieder. Steke deinen Degen bey Zeiten ein, oder ich will dich und deinen Bratspieß so zusammenpleuen, daß du denken sollst, der Teufel aus der Hölle sey über dich gekommen.

Bigot.Was willt du thun, ruhmvoller Faulconbridge? Einem Bösewicht beystehen, einem Mörder?

Hubert.Lord Bigot, ich bin keiner.

Bigot.Wer ermordete diesen Prinzen?

Hubert.Es ist noch keine Stunde seit ich ihn gesund verlassen habe; ich ehrt' ihn, ich liebt' ihn, und ich will mein lebenlang den Verlust seines süssen Lebens beweinen.

Salisbury.Trauet nicht diesem heuchelnden Wasser in seinen Augen; ein Bösewicht kan auch weinen, und eine lange Uebung macht, daß seine erzwungene Zähren Ströme des Mitleidens und der Unschuld scheinen. Folget mir alle, deren Seelen den unreinen Geruch eines Schlachthauses verabscheuen; ich erstike in den Ausdünstungen dieser Schandthat.

Bigot.Hinweg nach Edmondsbury, zu dem Dauphin.

Pembrok.Saget dem König, dort könn' er uns erfragen.

(Die Lords gehen ab.)


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