Fritz Reuter
Dörchläuchting
Fritz Reuter

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Kapittel 4.

Kägebein les't wedder sin Gedichten vör. – Wat de Konrekter dortau seggt. – Wat de Rathskellermeister Kunst von de Kunzerten höllt, un woans hei duwwelte Pacht gewen will. – Wo Dokter Hempel den Lin'nwewer singt, Kägebein dicht't, und de Konrekter sick argert. – Wo Zephiren ehre Gesundheit up Hofrath Altmannen sine West tau sitten kümmt.–Hofrath Fischer höllt 'ne Red', de hellschen vernünftig is un mit en Strid utlöppt. – Kunst sleiht mit en Stock de ird'nen Pipen intwei, de Konrekter geiht in vullen Zorn af un will in de heilige Nacht den Lin'nwewer up de Vigelin spelen, wotau hei äwer nich kümmt, indem hei tau Bedd bröcht ward.

As de Herr Konrekter üm Kopmann Buttermannen sinen Hus' nah den Mark herup bögte, kek hei so in den Vörbigahn nah den tweiten Stock herup un säd tau sick: »Wat de Prinzeß Christel woll wedder äwer Sommer hirher trecken ward? – Hm, hm! – Dor föllt mi in, sei möt noch en Cicero de offciis von mi hewwen. 'T is doch en markwürdig Frugenstimmer, geiht in ehre Stuw in 'ne buckledderne Hos', in Kanonen un 'ne korte Husorenjack, rokt 'ne korte Pip un drinkt Portwin dortau, un dorbi les't sei den Cicero un wat noch mihr is, versteiht ok, wat sei les't, denn dumm is sei den Deuwel.« – Mit dese halwluden Gedanken kamm hei bi sinen Swager Kunsten in de Rathskellerstuw 'rinne, prallte äwer binah wedder nah de Del t'rügg, denn in de Stuw satt sin Fründ Kägebein wedder in vuller Arbeit, hadd sin Manuskript 'rute halt un las sine Gedichten vör:

»Einst ging 'ne Henn' mit mütterlichen Sorgen,
Für sich und ihre jungen Küchen
Sich Maden und Gewürm zu süchen.«

Äwer up de Städ snappte hei af, as hei den Konrekter 'rinne kamen sach un, obschonst en beten rod un verlegen, namm hei doch 'ne wat vörnehme Min' an un säd, up en annermal wull hei wider lesen. – »»Bi dit' christlich Vörnemen erholl Sei de leiw' Gott,«« säd de Konrekter un tred nu vull in de Stuw. »»Küchen, seggt hei, sich Maden un Gewürm zu süchen, seggt hei?«« – »Na, is Sei dat noch nich gaud naug?« frog de Hofrath Altmann, de in 'ne sihr feine Kledasch' mit güllen Tressen achter den Disch satt un nochmal so'n staatschen Horbüdel sick anknöpt hadd, as den Konrekter sine Achtersid upwisen kunn, »hett uns' taukünftige Hofpoet – denn dat ward hei, ick heww in Strelitz all so'n Vägelken singen hürt – nich dat Mäglichste mäglich makt un de hochdütsche un de pladdütsche Sprak, so tau seggen, mit dat Wurd ›Küchen‹ in en gewissermaßenes Konzert bröcht?« – »»Dauhn S' mi den Gefallen,«« rep hir de Kellerwirt Kunst, en lütten rodgesichtigen Mann, de de Gewohnheit hadd, de ganze Welt von unnen up antauseihn, un as en Parpendikel in de Stuwenklock, de Dumen in de Westenlöcker hakt, in sin Gaststuw up un dal tau lopen, »»dorvon swigen S' still; mit de Kunzerten, dat's ok wedder so 'ne verdreihte Mod', de dorup 'rute kümmt, dat de Lüd', de süs noch en Glas Win vertehrten, sick nu mit Frugenslüd' in en Saal hensetten, de Ogen verkihren, mit den Kopp hen un her wiwaken, mit de Beinen den Takt dortau pedden un den annern Dag as de Dreihörgeln up de Strat herümmer lopen un allerlei französche Melodien vör sick henbrummen.«« – »Dor hest Du ditmal Recht, Kunst,« säd de Konrekter, »wi hewwen so vele schöne dütsche Melodien, dat wi de französchen Kunzerten gor nich bruken.« – »»Dormit stimm ick nich äwerein,«« säd de Herr Rath Fischer. »»Herr Rathskellermeister, wat hewwen Sei sick äwerall üm Kunzerten tau kümmern? – Hir schenken S' mi leiwerst mal en frisch Glas in, bet de Punsch kümmt, un denn sorgen S' för 'ne warm Stuw, denn hir is 't verflucht kolt.«« – »Dat's Ehr Sak, Herr Rath. Meinen Sei, ick kann so'ne olle grote Schündel von Stuw warmkrigen? Ick heww so oft all bi den wohllöblichen Magistrat vorstellig makt, dat hei mi hir 'ne Wand trecken laten un ut de ein Stuw twei maken laten sall; äwer is dat woll tau krigen? Ick heww mi jo sogor all dortau anbaden, dat ick denn de duwwelte Pacht betahlen will.« – »»Dat is aller Ihren wirth,«« säd de Herr Rath, »»un ick ward dat up de Nächst mal in de Sitzung taum Vördrag bringen.«« – »Ja, denn möten Sei dat woll wohrnemen, wenn de Kämmerer nich dorbi is, denn de is mi woll hauptsächlich dorin tauwedder.« – »»Herr Hofrath,«« säd Kägebein, »»oh, auf ein Wort,«« un gung mit den Hofrath in ein Eck. – »»Also Sie meinen, daß mir der Titel ›Hofpoet‹ nicht entgehen kann?«« – »Ick glöw gewiß, dat Sei't warden, un wat ick dortau dauhn kann – Sei weiten, ick heww 'ne fründschaftliche Stellung bi Dörchläuchten . . . .«– »»Ach, Sie können Alles.«« – »Ja, Rand äwer ok.« – »»Swager, oh up ein Wurd,«« säd de Konrekter tau Kunsten un ledd't em in 'ne anner Eck. – »»Du seggst, Du willst de duwwelte Pacht betahlen, Du giwwst jo gor kein Pacht.«« – »Holl Din Mul, dat weit ick, un de einzigste, de dat uter uns beiden noch weit, dat is de Kämmerer, denn de annern Herrn bekümmern sick en Quark dorüm, un wenn ick sei dortau krig, dat sei min Gebott annemen, süh, denn is't noch All so, as't west is.« – »»Hüren Sei mal, Kägebein,«« säd de Hofrath un rew sick vör den Kopp, »»duwwelt höllt beter, un dreiduwwelt dreimal. Wenn Sei mi ok hewwen un Randten un Sei hewwen de Prinzeß Christel nich up Ehre Sid, denn is't doch noch so wat. – In Ehre Städ würd ick ehr ok so'n Band Gedichte dediziren, denn wenn Dörchläuchten ok nicks up Frugenslüd' giwwt, in so'ne Angelegenheiten fröggt hei doch ümmer vör Allen sin Christel-Swester üm Rath.«« – »Ich habe noch ein großes Heldengedicht liegen,« flüsterte Kägebein, »die auf den Backofen geschobene Schöne, oder der Sprung durch den Schlehdorn.« – »»Dat is schön, dat dediziren S' ehr, denn hett dat mit den Hofpoeten kein Noth.«« – »Mine Herrn,« rep de Dokter Hempel von den Disch her, »nu kamen S' äwer ok her, de Punsch is hir; Sei känen sick en annermal dat Hexen lihren.« –

As sei nu All wedder seten, frog de Hofrath Altmann: »»Dokter, seggen S' mal, is dat wohr, dat den ollen Schauster Grabow'n sin tweite Sähn verrückt worden is?«« – »Ja, dat is wohr; en markwürdigen Fall.« – »»Ja,«« säd de Rath Fischer, »»un dat is so slimm, dat wi gistern all Bendsnidern von Magistrats wegen as Wach henschickt hewwen. – Oh, hei het't all mal so hatt, dat schint so turenwis' bi den jungen Mann tau kamen.«« – »Wovon mag hei dat woll hewwen?« frog de Konrekter. – »»Je, wer weit't,«« säd de Dokter, » »sin oll Mutter meint jo, hei hett sick 'ne Leiw tau 'ne vörnehme Dam tau Gemäud treckt.«« – »Dorvon ward Keiner verrückt,« säd Kunst. – »»Ja,«« säd de Hofrath, »»Sei warden't woll nich warden, Sei känen lachen, Sei hewwen 'ne hübsche Fru un weiten vel, wo trübselig so'n ollen Junggesellen oder Wittmann tau Maud' is. – Nich wohr, Konrekter?«« – »Mit Ehr Trübsal is't woll nich wid her,« säd de Konrekter so'n beten äwer de Schuller weg, »dreimal hewwen S' nu all frigt, un ick wedd 'ne Bowl Punsch, äwer'n Johr hewwen S' de virte Fru.« – »»Dat künn wol Rath warden, wenn sick't so paßte,«« säd de Hofrath. – »Watt seggt denn äwer Dörchläuchten?« frog de Rath Fischer. – »»Ih, wat!«« säd de Hofrath, »»lat em seggen, wat hei will; ick ward mi in so'ne Angelegenheit vel üm Dörchläuchten kümmern. – Dörchläuchten brukt mi mihr, as ick em bruk.«« – »Ja,« säd de Konrekter, »Sei meinen wegen de Gröschens. Äwer as Sei sick dat letzte Mal verfrigt hadden, dunn wohrt dat doch 'ne lange Tid, bet Sei sick wedder an em 'ranner slängelt hadden. – »»Na, Konrekter, 't kümmt eigentlich ganz äwereins herut: mi brukt Dörchläuchten wegen de Gröschens un Sei wegen sine Angst vör dat Gewitter. Missen kann hei uns Beid' nich, un dorüm känen Sei ok ümmer wedder frigen. – Sei willen 'ne Bowl Punsch wedden, dat ick äwer't Johr de virte Fru heww; ick wedd ok 'ne Bowl, dat Sei äwer'n Johr de tweite hewwen.«« – »Dat's Recht,« föll Kunst in, »Kinnings, vertehrt wat! De Wirt will ok lewen. Des', de up den Disch steiht, schriw ick nu vörlöpig up den Hofrath sin Reknung, un de tweit up minen Swager sin.« – »»Holt!«« rep de Konrekter, »»nimm Di nicks vör, denn sleiht Di nicks fehl, un wat nah kümmt, bitt de Wulf; schriw s' ok man glik up den Hofrath sine Reknung, betahlen möt hei s' doch.«« – »Ehr Wurd is 'ne Brügg, wo 'ck nich äwergahn müggt,« was den Hofrath sine Antwort. – »»Na, hett de Konrekter denn all so'n fründlichen Gegenstand, wo hei 'n lütten Kiker up hett?«« frog de Rath Fischer. – »Ih woll,« lachte de Hofrath, »wenn hei ut sin Finster kickt, denn kickt hei ümmer in dat Finster von sinen Schatz.« – »»Haha!«« lachte Kägebein, bi den de Punsch all en beten wirken ded, indem dat hei en Dichter was,

»»So will sein Geist zu Synceren,
Um wiederum ihr Bild zu sehn.««

»Kägebein,« rep de Konrekter un höll sick de Uhren tau, »nu laten S' sin, wie weiten, Sei känen. – Äwer,« wennte hei sick an den Hofrath, »Sei meinen doch nich, dat ick en Og' up de olle, gele, französche Perßohn heww, de gradäwer von mi tautreckt is?« – »»Gele, französche Perßohn?«« föll hir Dokter Hempel in, »»de is so wenig ut Frankrik, as Sei un ick. Ut Förstenbarg is sei, ehr Vader was de oll Stüerinnemer Soltmann, un de oll Mann hett ehr as sine einzigste Dochter ut tweite Eh' en schönen Geldbüdel hinnerlaten. Sei is lange Johren Kammerfru bi de Prinzeß Christel west, as de in Förstenbarg residirte, un is denn ok mit ehr dortaumalen nah Paris west, un dor hett sei denn dat beten Französch upsnappt.«« – »Un gel?« frog de Hofrath, »sei is as 'ne witte Duw, blot dat sei in't Gesicht en por Sommersprutten hett; äwer dat is jo doch en richtiges Teiken, dat sei en feinen Teint hett.« – »»Teint?«« frog de Konrekter, »»dat sall woll wedder en beten wat Vörnehmeres sin för Hut? Dat hewwen Sei woll wedder bi Dörchläuchten sine ollen, utrangirten Hofdamen upsnappt?«« – »Hoho?« föll hir de Rath Fischer in, »hei will uns schappiren, hei will de Red' up wat Anners bringen. – Holt, hir! Wo is't mit de gele, französche Fru Nachborin?« – »»Swager, Swager!«« rep Kunst un höll mit sinen Parpendikel-Gang för'n Ogenblick in, »»wat möt ick an Di erlewen, ick möt woll mal eins bi Di revidiren, Du kümmst mi woll ganz up Afweg'?«« – Hir föll Kägebein in un kek dorbi an den Bähn, as stünnen sin Gedichten baben anschrewen:

»Sein Tun, das geht auf lauter Frevel,
Betrug und List ist seine Kunst,
Sein Rühm'n ist lauter Dunst und Nebel,
Bei Damen steht er nicht in Gunst.«

»»Hüren S' mal, Kägebein,«« säd de Konrekter, drunk sin Glas ut un lachte so'n beten vör sick hen, »»ick heww hüt nu all naug von Ehre Gedichten profentirt, un ick möt mi dat so gaud as jeder Anner gefallen laten; wenn Sei mi äwer sülwst mit Ehre Leyer ansingen willen, denn verklag ick Sei. Hir, Rath Fischer un Dokter Hempel sind mine Tügen, dat ick Sei warnt heww.««– Äwer dat is vel tau vel von einen Dichter verlangt, de grad' in den Swung is; Kägebein was dor nu midden in, un hei sung förfötsch wider:

»Bei Damen bist Du nicht gelitten,
Sie nehmen Dich nicht in den Schutz,
Sie mögen stehen, liegen, sitzen
Im Negligee, im Galaputz.
Doch viele Lieb' will ich Dir wünschen,
Heut Abend aber mit Dir pünschen.«

»»Hett Recht, hett Recht,«« rep Hofrath Altmann, »»pünschen – dat willen wi! un de Hofpoet Kägebein sall tauirst hoch lewen!«« – »Ja, Konrekter,« rep Rath Fischer, »un Sei möten tauirst mit em anstöten.« – »»Will ick ok,«« säd de Herr Konrekter un stödd mit den Dichter an, »»Sei sälen noch lang' lewen, äwer't Dichten angewen!«« – »Hahaha!« rep de Hofrath, »nu fängt de ok an! Wider, Konrekter, wider! Wi Brambörger warden uns doch nich von so'n Strelitzer in de Dichtkunst vörbijagen laten?« – »»Sei sünd so'n ollen heimlichen Uphitzer, Hofrath, un dat lihren Sei bi unsern Dörchläuchten sinen Hofkram, denn dor . . . .«« un hadd hei hir wider red't, hadd hei wohrschinlich 'ne Majestäts-Beleidigung seggt, hei würd äwer tau sinen groten Glücken tau rechter Tid unnerbraken. De Dokter Hempel hadd nämlich wil den ganzen Diskurs ümmer stiw in sin Glas 'rinner seihn, un wenn hei sach, dat dat vull was, denn hadd hei't utdrunken, un wenn hei sach, dat dat leddig was, denn hadd hei't vull schenkt, un so was hei denn nu allmählich in den Gesundheitstaustand kamen, wo sine Natur dat Singen verlangte; hei kek also stiw in sin Glas herin, drunk't in mäglichste Rauh un Besinnung ut, un stimmte mit einem fürchterlichen Baß an:

»Die Leineweber haben eine saubere Zunft . . . .« –

»»Nahwer,«« rep de Rath Fischer dortüschen, »»sünd Sei denn all wedder so wid, sünd Sei all wedder bi de Linnenwewers ankamen?«« – »Korl,« rep Kunst den Jungen tau, »bring' de anner Bowl herin, wi sünd bi de Linnenwewers,« un dorbi swenkte hei den Stock von den Hofrath Altmann äwer sinen Kopp, denn hei hadd de Gewohnheit, up sine Parpendikel-Gäng' ümmer en frischen Stock von sine Gäst spaziren gahn tau laten. – Dokter Hempel let sick äwer dörch all dit Wesen in sinen Gesang nich stüren, hei sung:

»Die Leineweber haben eine saubere Zunft,
        Harum, ditscharum –
Mittfasten halten sie Zusammenkunft,
        Harum, ditscharum –
        Aschegraue, dunkelblaue,
        Mir ein Viertel, Dir ein Viertel,
        Fein oder grob, Geld gibt's doch,
        Aschegraue, dunkelblaue – –«

Rums! Rums! föll nu de ganze Gesellschaft mit ehre Beinen as Chorus in.

»»Korl,«« rep Kunst den Jungen tau, »»lop nah mine Fru, sei sall uns en por Päpernät un Appeln schicken.«« –

»Die Leineweber haben sich ein Haus gebaut,
        Harum, ditscharum –
Von Buttermilch und Sauerkraut,
        Harum, ditscharum –«

fing Dokter Hempel wider. – »»Ne, Dokter,«« föll hir de Rath Fischer in, »»nu is't naug. Wenn wi den ganzen Lin'nwewer durcharbeiten willen, denn künn uns morgen früh de Sünn in den Punschpott 'rinne schinen. – Will'n leiwerst mal Rundgesang singen.«« – »Korl,« rep Kunst, »lop mal in mine Stuw un hal mi mal dat grote Deckelglas tau den Rundgesang her.« – Kägebein kek wedder an den Bähn, äwer wat unrauhig was hei all worden. – »»Gott in den hogen Himmel!«« flusterte de Konrekter den Dokter Hempel tau, »»nu dicht't hei all wedder.«« –

»Die Leineweber schlachten alle Jahr zwei Schwein'«

stimmte Dokter Hempel wedder an. – »»Ruhig!«« rep Hofrath Altmann, »»hir is Kunsten sin grot Glas, nu geiht't los! –

»Rund-, Rund-, Rund-Gesang . . . .«

»Korl,« rep Kunst dormang, »hal minen Swager Konrekter minen Lehnstaul ut dat Kontur, hei möt as Präses sin; un unner den einen korten Bein legg en Stück Dackstein. – Wegen't Wackeln,« säd hei tau sinen Swager. – »»Na nu äwer ok!«« rep Hofrath Altmann, un alle föllen in:

»»Rund-, Rund-, Rund-Gesang und Rebensaft
Lieben wir ja alle;
Darum trinkt mit Mut und Kraft
Schäumende Pokale!
Bruder, Deine Schönste heißt?«« – –

Un alle Ogen wend'ten sick up Kägebeinen, de nu mit so'n nolens-volens-Ruck tau Höchten fohrte, un ut den sin Gesicht Dichterfüer, sachtmäudige Leiw un blauddöstige Ridderlichkeit herute strahlte, as wenn em ut dat ein Og' de Sünn, ut dat anner de Man schinte, un up de Näs' dortüschen noch taum Äwerfluß Pickfackeln anstickt wiren. Mit de ein Hand höll hei sick wegen de Säkerheit an de Lehn von den Konrekter sinen Staul wiß, mit de anner deklamirte hei:

»Punsch und Bischof müßt Ihr nicht vergessen,
Alles nach der Etikett abmessen,
Auch aufs Wohlsein Eurer Schönen trinken,
Mit den Herzen freundlich ihr zuwinken;
Also trink ich hier auf der Zephire Namen
Und – und – und . . . .« –

»»Un wi annern alltausamen,«« föll de Konrekter in. – »Und aufs Wohlsein aller Damen,« rep Kägebein, so dull hei kunn, un smet up den Konrekter en Blick, as hadd hei em grad' dorbi bedrapen, dat hei em de schönsten Lurbeerbläder ut sinen Kranz plückt hadd. – »»Up Zephire un Zemire drink ich nich,«« brummte de Dokter Hempel in den deipsten Baß, »»dat sünd Hun'nnamen. – Min Swigermutter hett einen, de heit Zemire, un min Nahwersch, Bäcker Schultsch, hett einen, de heit Zephire. –

Die Leineweber machen eine zarte Musik . . . .«« –

Äwer hirmit kamm hei schön an. Kägebein hadd de rechte Hand von den Konrekter sine Lehn loslaten, de em Säkerheit gaww, hadd den Pokal tau faten kregen un wull eben in vullen Swung up Zephire drinken, as em de snöden Würd' von den Dokter unner de Näs' hollen würden. Dat was grad', as wenn em midden in'n Vers en Snurrer in de Dör kamm, as wenn em un sine Zephire in den schönsten Manschin en Glas koll Water äwer den Kopp gaten un em in de vulle Utäuwung von Ridderlichkeit in den Arm follen würd. – Na, wenn Einen so in den vullsten Swung in den Arm follen ward, un hei hett denn en vull Glas in de Hand, denn schülpert dat äwer, un so denn ok hir; all Zephiren ehren Punsch un de ganze Gesundheit satt up einen Mal up den Hofrath Altmannen sine sanftene Tressen-West, de den Deuwel nah Zephiren fragte. – »Prrrr!« prust'te de Herr Hofrath, denn sin Gesicht hadd dorbi ok en lütten Kuß von Zephiren afkregen, »plagt Sei de Deuwel?« – »»Korl, hal en Wischdauk!«« rep de Rathskellermeister, »»un dauh den Herrn Hofrath Rendlichkeit an!«« – Kägebein stunn 'ne Tid lang ganz verdutzt un verstummt dor; dörch sin Verfiren kamm hei würklich en beten tau Besinnung, un hei säd ganz vernünftig: »»Herr Hofrath, Herr Hofrath, ick kunn dor nich vör. Dat de Dokter Hempel Zephire för en Hun'nnamen estimiren ded, is mi in't Ellbagengelenk schaten;« äwer as hei nu Korlen dorwischen seihn ded, brok de Dichtkunst wedder bi em dorch, un hei deklamirte:

»Das ist 'ne stimme üble Weise;
Doch sieh! der Sklave eilt ans Bad
Und trocknet knieend sanft und leise
Vom Punsch den Herrn Hofrat ab.«

Un dorbi wend'te hei sick nu an den Dokter Hempel, de upstahn was un bi dat Finster in de Eck stunn, un rep mit forsche Stimm, indem dat hei up Korlen sin Stück Arbeit wis'te:

»Und hab ich dieses mir betrachtet,
Dein Reden ist nicht echter Weis',
Du hast Zephiren mir verachtet,
Dafür geziemt Dich Besenreis.« –

Taum Glücken hürte Dokter Hempel nicks von de Utsichten, de em de Dichter makte; sei hadden em ümmer sinen Leiwlingsgesang afsneden, un de Lin'nwewer hadd sick bi em verset't, hei nützte also de Tid, üm em los tau warden, hei sung also mit forschen Baß den Lin'nwewer in de Eck herinne. – »»Ad locus!«« rep Kunst, »»sub praeclusione, dat heit, wer sick nich dal set't, giwwt 'ne Bowl Punsch.«« – »So setten S' sick doch dal!« rep de Konrekter un treckte den Dichter an de Rockslippen up sinen Staul, »Sei begeiten mi wohrhaftig ok noch.« – Äwer dese babylonische Sprakverbisterung sull noch nich uphüren, denn wenn ok de Punsch den Fehler an sick hett, dat hei de meisten vernünftigen Lüd' en beten dreihköppig makt, so hett hei doch ok dat Gaude an sick, dat hei weck Lüd, de för gewöhnlich nich mit all tau vel Verstand plagt sünd, mit einem Mal hellisch verstännig makt. Tau dese Ort hürte de Rath Fischer. Hei stunn also up un höll 'ne Red', as de Konrekter nahsten säd: de verstännigste, de hei äwerall seindag' holten hadd. Hei fung dormit an tau versäkern, dat hei för sine Perßohn ganz nüchtern wir – dorgegen hadd Keiner wat intauwennen, blot de Konrekter brummte so vör sick hen: »is hei ümmer« – dorup säd hei un kek dorbi Kägebeinen an: Einer ut de Gesellschaft wir stark andrunken, müßt hei äwer ok, denn wo süllen süs sine schönen Gedanken herkamen – hir wull Kägebein protestiren un 'ne Gegenred' hollen, de Konrekter törnte em äwer in so wid, dat hei blot mit en korten Vers tau Rum kamm:

»Nun, so laßt's Euch wohl bekommen,
Eßt und trinkt mit froher Lust!
Lebt in segensvollen Wonnen,
Immer blühe Eure Brust!« –

»»Sihr schön!«« säd de Konrekter und wend'te sick an den Rath Fischer: »»so, nu man wider!«« – Rath Fischer snow sick hir de Näs' ut, üm wedder in en verstännigen Ton tau kamen un säd: »Hofrath Altmann künn ganz ruhig sin, sovel, as hei wüßte, gew de Punsch keine Placken. – »Känen S' denn nich seihn?« frog de Hofrath dortüschen. – Na, un wenn de Punsch ok placken ded, säd de Redner wider, so schad'te em dat ok nich, denn dese West hadd de Hofrath von Dörchläuchting taum Present kregen, un Dörchläuchting hadd noch gar tau vele Sanft-Westen. Sei wiren hir äwrigens tausamen kamen, üm sick in Rauh un Freden tau verlustiren, un wenn Dokter Hempel dat ok mit den Lin'nwewer en beten äwerdriwen ded, so hadd dat sinen gauden Grund dorin, dat Dokter Hempeln sin Grotvader, as hei man hürt hadd, en Lin'nwewer west wir, un hei müßte den Dokter Hempel dat hoch anreken, dat hei sinen ollen Grotvader so tau Ihren bröchte. – Dat wir en dummen Snack, rep de Dokter dortüschen, sin Grotvader wir kein Lin'nwewer west, sin Grotvader hadd 'ne Staatsanstellung hatt, hei wir Durschriwer in Woldegk west, grad' tau de Tid, as Rath Fischern sin Grotvader dor Polizeideiner west wir. – »Min Grotvader . . . .« fung Hofrath Altmann an, – »»was en Breiwdräger bi de Post,«« rep Kunst dormang; »»Korl! – Ne, lat man! ick heww nicks; wull blot man seihn, wat Du up den Posten wirst.«« – »Min Grotvader . . . .« fung nu ok Kägebein an, – »»was en Tüffelmaker,«« bröllte de Konrekter dormang. »»Pfui! Schämt Jug wat! Dorin wat tau säuken, dat – ein Grotvader vörnehmer west is as de anner. Wi süllen alltausamen Gott danken, dat uns' Ollen ihrliche, brave Lüd' west sünd, de uns so wid bröcht hewwen, dat wi dat worden sünd, wat wi nu sünd.«« – »Hest Recht, Swager!« rep Kunst, »denn min Grotvader . . . .« – »»Dorvon hewwen wi nu naug! Nu also:

Rund-, Rund-, Rund-Gesang
Und Rebensaft . . . .««

»Korl! schenk de Gläser vull!« rep Kunst, gung in de Eck un halte sick en nigen Stock, stellte sick hen un slog äwer den Kopp von de Gesellschaft den Takt tau dat Lid. – »Bruder, Deine Schöne heißt?« frog Kägebein den Konrekter. – »»Ick heww kein,«« was de korte Antwurt von den ollen Herrn. – »'Rut dormit! 'Rut dormit! Hei möt ein hewwen!« repen sin Zechkameraden; äwer Kägebein wüßte Rath, hei stimmte an: »»Nihila, die soll leben! Nihila, die soll leben!«« – Kunst was wil sin Lewenstid eigentlich up en Krückstock anlihrt, in desen Ogenblick hadd hei einen Stock mit en Knop in de Hand, un de flog em nu bi sin forsches Taktslagen weg, flog den Hofrath Altmann un den Dokter Hempel ehre irdenen Pipen intwei un fohrte up den Konrekter los. – »Korl!« rep Kunst, »frische Pipen för de beiden Herrn!« – »»Swager,«« rep de Konrekter, »»wo kannst Du minen Stock so schändlich hensmiten, de golden Knop kriggt jo Bulen.«« – »Dat is Din Stock?« dormit ret de Rathskellermeister em den Stock ut de Hän'n, »dat is jo minen Swigervader sinen Stock.« – »»Ja, un minen Swigervader sinen Stock is dat ok.«« – »Min Swigervader hett mi den Stock up den Dodenbedd vermakt.« – »»Un mi ok,«« rep de Konrekter un ret em den Stock ut de Hand 'rute, »»un, Swager, mark Di dat: beatus possessor.«« – ›› Beati possidentes,« säd Rath Fischer vör sick hen. – »»Un desen Stock . . . .«« rep de Rathskellermeister. – »Un desen Stock,« rep de Konrekter, »hett mi uns' Swigervader up sinen Dodenbedd vermakt, hei säd dorbi: en Mann as ick in Amt un Würden müßt en Ruhrstock mit en golden Knop hewwen« – »»Korl!«« rep de Rathskellermeister, »»rit em den Stock weg! äwer betahlen möt hei irst. – Wat Vadder, wat Fründ! wer nich betahlt, bliw mi von den Wagen!«« – »Betahlt heww ick,« rep de Konrekter un knöpte sick de Hosentaschen tau, sprung up, smet sick sine Schanilg' äwer un gung in den mäglichsten Glanz ut de Dör. – »»Sei hewwen Recht,«« rep de Rath Fischer un lep achter em her. – »Bravo!« rep de Hofrath Altmann un folgte, »wenn de Rathskellermeister mit en Ruhrstock un en golden Knop herümmer gahn wull, dat wir jo grad', as wenn en Swinskopp mit 'ne Zitron in'n Mul up den Disch stellt würd. « – As de Konrekter unner den Swibbagen von dat Rathhus kamm, wo Kunst tau de Fier von desen Abend 'ne Stalllücht mit 'ne Thranlamp 'rinne hängt hadd, fohrte en Windstot up em los; hei acht'te äwer nich dorup, mit de ein Hand höll hei sine Schanilg' wiß, de nich tauknöpt was un as en terreten Segel achter em her weihte, in de anner höll hei sinen Stock vör sick hen un rep: »minen Stock!« – »»Wo? – Sei seihn jo ut as de fleigen Merkur up de holländschen Tobackspacketen,«« säd de Hofrath. – »Mit en caduceus.« lachte de Rath Fischer. – »»Minen Stock!«« rep de Konrekter un acht'te nich up de Witzen, bögte in sine Strat 'rinner, gung in sin Hus un rep up de Del: »»Minen Stock!«« – »Mein Gott,« rep Dürten, as sei em entgegen gung, »wat is los? – Mein Gott, wat fehlt Sei? Kamen S' irst in de Stuw herin.« – »»Un Kunst will mi minen Stock nemen!«« – »Wat? Kunst will Sei Ehren Stock nemen?« – »»Kunst will mi minen Stock nemen!«« – »Wo? Kunst is jo woll ganz ungesund in sinen Kopp? – Kamen S', Herr Konrekter, Sei hewwen sick argert, drinken S' en Glas Water un gahn S' tau Bedd. – Morgen is 't beter.« – »»Kunst . . . . – Holt! – Anna Maria Dorothea Holzen, älteste Tochter des Böttchermeister Holz hieselbst, ick glöw, Du büst en grundihrlich Mäten, Di gew ick desen minen Stock en Verwohrsam. Du steihst mi dorför in!«« – »Gewen S' her, Herr Konrekter; ick slut em in min Lad', un Gott gnad' den, de . . . .« – »»Kunst kann en Äwerfall maken, wenn ick in de Schaul bün.«« – »Je, ick will em bi Äwerfallen!« rep Dürten un makte mit den Stock so'n por Manöwers in de Luft. – »Äwer nu gahn S' tau Bedd.« – »»Rath Fischer seggt ok: Beati possidentes, seggt hei.«« – »Ick verstah't nich,« säd Dürten, »äwer't möt recht wat Dämlichs sin, wenn't Rath Fischer seggt hett, denn sörre dat hei minen ollen Vader den Goren verköfft hett . . . .« – »»Rath Fischer? – Dokter Hempel? Dokter Hempel is en Lin'nwewer. – ›Die Leineweber haben eine saubere Zunft‹,«« sung hei un halte sick sine Vigelin von den Nagel un wull nu in de heilige Nacht von den 24sten up den 25sten Dezember den Lin'nwewer upspelen; äwer Dürten Holzen was fixer, sei ret em den Fidelbagen ut de Hand: »Na, dit wir 'ne Anstalt! – Ick smer Sei, der Deuwel hal! den Fidelbagen mit en Talglicht in. – Wo? – Sei sälen morgen as Kanter in de Kirch singen un wullen hir in de Nacht den Lin'nwewer anstimmen? – Wat säden de Lüd'? Wat säden de Nahwers? – Wat würd de oll Gel gradäwer woll seggen? – Ne, Sei gahn tau Bedd, un den Fidelbagen un den Stock nem ick mit, un wenn Sei tau Bedd gahn sünd, denn kam ick wedder un mak dat Licht ut, dat kein Schaden geschüht;« dormit gung sei, un hei gung tau Bedd. – Nah en beten, as sei em vernemlich un utdrücklich snorken hürte, gung sei 'rinner, halte dat Licht un säd vör sick hen: »Hüt is't woll en beten scharp hergahn, denn so is hei süs gor nich; äwer hei is dat nich gewennt un kann nicks verdragen, un denn hett hei sick äwer Kunsten argert. – Na, dat schad't em nich, dat is em gaud; hei lihrt doch en Unnerscheid kennen. – Morgen hett hei Koppweihdag' un bliwwt tau Hus, un dat is ok gaud; ick kann denn mit Stining un Halsbandten tau Is' gahn un en beten Obacht gewen, denn't is nich gaud, wenn en por junge Lüd' so allein tausamen sünd.« –

Nah en beten was Allens düster in den Konrekter sinen Hus'; wenn äwer Einer hadd in den Düstern seihn kunnt un hadd in Dürten Holzen ehr Slapkamer 'rinne seihn, denn hadd hei gewohr worden, dat sei sachten inslapen was, de Hän'n in enanner folgt. – Blot unschüllige Kinnerhän'n un flitige Arbeitshän'n, de rein sünd von unrecht Gaud un unrecht Dauhn, dragen dat Abendgebett in den stillen, seligen Drom heräwer. –


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