Fritz Reuter
Läuschen un Rimels, Neue Folge
Fritz Reuter

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30. Dat sünd up Stunn's sihr slichte Tiden

»Ne, Vadder, ne! Wo ist dat mäglich!«
Seggt Schauster Draht, »is dat woll recht?
Ne, wat de Düwel vör Schauh verdröggt!
De Sak, de ward komfuser däglich.
Heww ick dat nich all ümmer seggt?
Dor finn de Düwel sick taurecht!
Doch dat kümmt all man von de Iserbahn
Un von dat ruge Wesen in de Welt.
Dor sitt ick nu, mak Stäweln un – kein Geld.
Dor kann de Düwel bi bestahn!
Ne! Hür mal blot, wo mi dat gahn!
Gollreider schickt sin'n Wilhelm nah mi hen
Un lett mi Order seggen, wenn
Dat jichtens Minschen mäglich wesen künn.
Denn süll ick nah em ruppe kamen.
Na, Vadder, kannst di denken – ick ok swinn
Dat olle Schortfell afgenamen,
Den nigen Rock an, in de Tasch dat Mat,
Gah ruppe nah de Babenstrat.
Man fixing rup nah Nummer ein!
Ick also rup! Wen krig ick dor tau seihn?
En Herrn, segg'ck di, nobel, fein!
En lütten Snurrbort, schöngedrelltes Hor,
Un ein Geruch! Na, Vadder, dat is wohr!
De schönste Snuwtoback is minentwegen
En puren, reinen Dreck dorgegen.
Hir geiht't, segg ick tau mi, hir geiht dat, Draht!
Wenn't hir nich geiht, denn hal't de Düwel;
Hir makst du endlich mal en Fat!
›Mein lieber Meister, ein paar neue Stiewel!‹
Ick also ut de Tasch dat Mat.
›Ganz woll, Herr Gnaden, ja, ganz recht!‹
Mak sülwst ok noch den Stäwelknecht
Un mät em so'n Por Stäwel an,
As ein s' nich schöner malen kann.
›Doch‹, seggt hei, ›morgen früh um neun,
Dann muß die Arbeit fertig sein.‹
›Ja woll‹, segg ick, ›dat kann gescheihn!‹
Ick gah. Un, Vadder, ick hadd noch en Por,
De hadd ick Reutern mal verpaßt,
Ick glöw, vergangen Frühjohr was't,
De stimmten justement up't Hor,
De künn de gned'ge Herr jo nu verdragen,
Denn hadd'ck mit eine Klapp twei Fleigen slagen.
Den annern Dag tau richt'ge Tid
Bün ick denn wedder bi den gned'gen Herrn,
Un hei probiert sei an un tüht
Un ward dorin herümmer pedd'n.
›Ihr' Arbeit‹, seggt hei, ›mag ick liden
Und bin auch sehr damit zufrieden,
Indes der linke sitzt mich doch verdwas
Hier über'n Spann en bitschen gar zu knas,
Den nehmen Sie doch noch mal mit nach Haus
Un blöcken ihn en bitschen aus;
Doch heute nachmittag um vier,
Denn sünd Sie mit dem Stiewel hier.‹
Na, lachen müßt ick, Vadder, as hei't säd,
Denn grad up dese itzig Städ'
Hadd ick den ollen Stäwel blöckt,
Bet hei de Tung tau'm Hals rut reckt.
Dat was jo dat entfamte Flag,
Woran dat just bi Reutern lag.
Na, ick würd doch nich dämlich sin
Un würd dat olle Ding fikatzen;
So as de Sak mit den dor stünn,
So künn hei mi am En'n noch platzen.
Na, nahmidaggs Klock vir, dunn gah ick hen,
Un as ick ruppe kam, dunn seih ick denn
Oll Vadder Hükern, de steiht an de Stubendör
Un hett en rechten Stäwel unner'n Arm.
›Ih‹, segg ick, ›Vadder, wo kümmst du denn her?‹
›Na‹, seggt hei, ›mak man keinen Larm,
Ick glöw, de gned'ge Herr, de ward noch slapen.‹
›Ih‹, segg ick, ›dit möt sick doch narschen drapen:
Du deihst hir an de Dör rüm klinken
Un willst nah'n gned'gen Herrn herin,
Du hest en rechten Stäwel, ick en linken,
Dit kän'n am En'n hir Schosen sin!
Vertell mi blot einmal, wat heit denn dat mit di?‹
Na, hei vertellt, un just as't mi
Mit minen linken wir't em mit den rechten gahn.
›Hir‹, segg ick, ›möt de Düwel rinne slahn!
Hei mag nu waken oder slapen,
Hir möt wi rin!‹ un rit de Dören apen –
Je, ja, je, ja! De Herr was fleuten gahn,
Un wi twei Dämelkläs', wi stünn'n dor
Mit uns' tausambröcht Stäwel-Por.
›Ih, Vadder‹, seggt hei, ›Vadder Draht,
Du weißt jo süs noch ümmer Rat.‹
›Ih, Vadder‹, segg ick, ›Vadder Hüker,
Du hest doch süs so'n finen Rüker!‹
Hei höll den rechten Stewel mi nu hen,
Ick höll den linken em dorgegen.
›Am besten‹, säd ick, ›Vadder, wir dat, wenn
Wi üm de beiden uns verdrögen.‹
Wi also run, den Wörpelbäker ran!
Oll Vadder Hüker, de smitt an,
Smitt sößteihn; ick smit nägen gegen,
Min linke Stäwel löppt nu achter'n rechten her,
Na, tröst ick mi denn nu, na, minentwegen!
De Tiden sünd wohrhaftig swer!
So'n gned'ge Herrn, de mag ick liden!
Ja, Vadder, 't sünd doch slichte Tiden.«


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