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Die Antworten der Zeit.

Der moderne Mensch fühlt sich über sich selbst und über einen Sinn seines Lebens vornehmlich deshalb unsicher, weil nicht nur verschiedene Lebensgestaltungen zu ihm sprechen und wirken, sondern weil ein klaffender Riß das Ganze seines Daseins zerspaltet. Eine ältere und eine neue Art stehen hier unversöhnlich gegeneinander, sie widersprechen sich nicht nur an einzelnen Punkten, sie suchen den Standort des Lebens an grundverschiedener Stelle und entzweien sich daher auch bei der Frage nach seinem Sinn und Wert bis zu völligem Gegensatz. Die ältere Art, wie sie durch die Religion und durch einen immanenten Idealismus vertreten wird, macht eine unsichtbare, eine nur dem Auge des Geistes gegenwärtige Welt zur Hauptwelt des Menschen und stellt das unmittelbare Dasein in das Licht wie den Dienst dieser Welt. Was dieses unabhängig von jener Beziehung aus eignem Vermögen zu sein glaubt, das wird hier zu etwas Gleichgültigem oder gar Bösem. Umgekehrt möchte eine neue Denkweise das Leben ganz und gar innerhalb des unmittelbaren Daseins halten und mit seinen Mitteln gestalten, hier allein scheint es echte Freuden und Leiden zu geben; wenn irgend, so muß das Leben hier in ein Ganzes zusammengehen und einen Sinn erweisen. Was diesen Rahmen überschreitet, das kann nur ein Wahngebilde sein, welches das Leben ins Irre verlockt. Beides dringt auf uns mit mächtigen Wirkungen ein und zerteilt unser Leben: unsere Ideale und Wertschätzungen folgen überwiegend der älteren, unsere Interessen und Arbeiten der jüngeren Denkweise. Wofür sollen wir uns letzthin entscheiden, wo einen lebenswerten Gehalt unseres Daseins suchen?


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