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Nach längerer Abwesenheit bin ich vor nun zwei Monaten in meine Heimatstadt zurückgekehrt. Der Auftrag einer großen deutschen Zeitschrift hatte mich in mehrere Länder geführt, die reichlich weit von unserm Vaterland abliegen. Dieser Auftrag war so ehrenvoll, daß ich ihn nicht gut ablehnen konnte, obwohl mir durch die Vorgänge, die ich in der nachfolgenden Geschichte erzählen will, der Abschied schwer fiel.

Auch ich gehörte zu dem Kreis, dessen Mittelpunkt unbestritten die schöne Rita war. Auch ich – offen gestehe ich dies ein – war einer derjenigen, die von der Polizei und von Dr. Staps verdächtigt wurden, möglicherweise Rita Kattners Mörder zu sein.

Bis zum Tag meiner Abreise habe ich also meine Kenntnisse von den Vorgängen aus eigener Anschauung. Die Geschehnisse im zweiten Teil, die sich während meiner Abwesenheit zutrugen, kenne ich aus den Berichten meines guten Bekannten, des Dr. Staps, genannt der kleine Professor, und seiner Sekretärin sowie einiger Personen, die unmittelbar in das Drama verwickelt waren.

In einem Kriminalroman wird der Mord meist an den Anfang gestellt. Gewiß, ich könnte meine Erzählung auch so aufbauen, es würde möglicherweise die Spannung erhöhen. Aber ich will ja keinen Kriminalroman schreiben, ich will nur erzählen, was sich zugetragen hat, und darum halte ich es für richtiger, meine Beobachtungen über alle die, die mit Rita Kattner in Berührung gekommen sind, der Reihe nach darzulegen. Dieses Charakterbild ist wichtig für die Beurteilung durch die Polizei und durch Staps.

Christ. Ernst.

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