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Italienische Novellen. Erster Band
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Giovanni Sabadino degli Arienti

Um 1450 – 1510

Der Herzog von Mailand

Der Graf Francesco, Sohn Sforzas von Codignola, war, wie ihr wißt, ein Fürst, bei dem weder Natur noch Glück es an irgend etwas hatten fehlen lassen. Wir sprechen nicht davon, wie erlaucht, prachtliebend, freigebig, gütig und gnädig er war: denn in allen diesen Eigenschaften übertraf er nicht allein alle Männer der Gegenwart, sondern tat es auch allen alten Römern und Griechen gleich. Aber das wollen wir erwähnen, daß er im Waffenhandwerk, in das er all seinen Ruhm und seine Ehre setzte, nicht minder mannhaft, klug und hochherzig war als Sertorius, Marcellus, Lucullus, Cäsar und Pompejus, oder wer sonst noch mehr den Mund der Fama in den Büchern der Geschichte in Bewegung setzt. Daß dies wahr sei, beweist die Tat, da er nicht nur alle andern kriegerischen Herzöge, an denen Italien so fruchtbar war, wie ihr wißt, bekriegte und glorreich überwand, sondern auch durch diese seine Tapferkeit sich zum Herrn der Lombardei emporschwang. Dessenungeachtet, obwohl alle diese Eigenschaften in gehäuftem Maße bei ihm vorhanden waren, wie ihr sicherlich in eurem Leben schon tausendmal gehört habt, und obwohl er siegreiche Heere bändigte und zu Boden schlug, konnte er doch nicht vermeiden, von der Gewalt des jungen Schützen gefangen zu werden, und wurde an dem Siegeswagen seiner Gottheit unter der übrigen zahlreichen Schar im Triumph geführt ob der preiswürdigen Schönheit einer edeln Jungfrau aus unserer Stadt, deren Namen und Geschlecht ich mit Stillschweigen übergehen will, um nicht Veranlassung zu geben, daß ihr ehrsamer Ruf befleckt werde. Für dieses Mädchen entbrannte er dermaßen, daß er Tag und Nacht an nichts anderes als an sie dachte und nichts, was er sah, ihm so gefiel, ja daß er am Ende vor Gram gestorben wäre, wenn er nicht mit ihr der Minne Lust hätte genießen sollen; und ihre Eltern mußten, da es nun einmal sein ganz besonderer Wunsch war, und um den Fürsten nicht dem Tod und der Verzweiflung preiszugeben, sie ihm überlassen.

Nun kam aber die Sache, ich weiß nicht auf welche Art, der durchlauchtigen Herzogin zu Ohren, einer Frau, die in ihrem Geschlecht ebenso erhaben war wie ihr Gatte unter den Männern. Sie war daher sehr wachsam, um die Ausführung dieser Liebespläne zu verhindern und nicht solche Unlust und Hintergehung von seiten eines Mannes zu erfahren, den sie ausschließlich liebte. Als nun eines Abends das Mädchen auf das Schloß der Stadt geführt wurde, hatte die vorsichtige Herzogin darauf wohl acht und war schon durch ihre ausgestellten Kundschafter von der Sache unterrichtet. Während also das Mädchen auf einem ganz geheimen Weg hereingebracht werden sollte, wurde sie mit ihren Begleitern festgehalten und alle in ihr Zimmer vor sie geführt, die dann mit Worten, die zu solcher Veranlassung schicklich schienen, ihr auf so eindringliche Weise ihr Vergehen vorstellte, daß nicht minder Scham als Furcht sie alle erfaßte; doch entschuldigten sich die Unterhändler, da sie es nicht getan hätten, um ihrer Durchlaucht etwas zuleide zu tun noch auch aus Begierde nach Ehre oder aus Gewinnsucht, sondern einzig und allein, um den gemessenen Befehlen des Herrn Herzogs zu gehorchen, der sich in Liebe zu dem Mädchen verzehre. Die durchlauchtige Herzogin schickte sie aus dem Zimmer und befahl ihnen bei Strafe ihrer Ungnade, nicht ohne ihre Erlaubnis wegzugehen, bis sie ihnen ihren Willen anders kundgebe; dem Mädchen aber befahl sie mit scharfen, drohenden Worten, sich unverzüglich zu entkleiden. Sie zitterte nicht anders als ein Blatt im Winde, benetzte immerfort ihr schönes Gesicht mit Tränen der Scham und entkleidete sich so aus Angst vor einer Züchtigung oder Marter. Die Herzogin zog sich auch ihre reichen Gewänder ab und legte die des beängstigten Mädchens an, hängte einen Schleier über den Kopf bis über die Augen herab, rief sodann, als sie schon die Tracht des Mädchens anhatte, eine ihr treu ergebene Kammerfrau zu sich und sagte zu ihr: »Mache, daß du mich, ohne mich weiter zu nennen, ohne Licht aus diesem Zimmer führst, daß man die Verwechslung nicht merkt! Dann sage zu denen, die draußen warten, wie im Auftrag von mir: ›Die gnädige Frau befiehlt, ihr sollt das Mädchen zum Herzog bringen, wie er es haben will, in aller Stille und ohne Zögerung.‹«

Die treue Kammerfrau war nicht wenig erstaunt und wußte nicht, was das heißen solle, trat aber aus dem Gemach, ihre Gebieterin an der Hand führend, und übergab sie statt des Mädchens jenen Leuten mit den ihr aufgegebenen Worten. Diesen schwanden damit die verschiedenen Besorgnisse, welche die Drohungen der klugen Herzogin in ihnen erweckt hatten, und sie führten sie an das herzogliche Gemach des Fürsten, pochten dort an die Tür, und als diese aufging, hießen sie sie hineingehen und entfernten sich. Die weise Herzogin tat etwas fremd und stand wie verschämt mit gesenktem Haupt und mit zur Erde gehefteten Blicken da, trat dann etwa drei Schritte vor, ohne ein Wort zu sprechen, und fiel an der linken Seite des Herrn auf die Knie, welcher seine zwei Lieblingskämmerer hinausschickte, dann heiter auf sie zuging und in der, Meinung, es sei seine Geliebte, also sprach: »Schönes Mädchen, wie mein Leben Teure, sei mir tausend- und abertausendmal willkommen!«

So stand er ein Weilchen vor ihr, berührte sodann mit der rechten Hand das schöne Mädchen und mit der linken ihren glänzenden Nacken und konnte sich nicht ersättigen, indem er dem Liebesgott dankte, ihre Purpurlippen zu küssen. Darauf suchte er, da er glühte und die Kunst wohl verstand, ihr mit den Fingern durch den Ausschnitt der Gewänder am Hals die elfenbeinerne Brust zu berühren, und sprach dazu immer Worte, die das Eis in Flammen setzen mußten. Als er endlich die andern ersehnten Teile berühren wollte, schien es der weisen Herzogin, sie dürfe ihren teuern Gemahl nicht weiter gehen lassen; sie zog also den weißen Schleier hinweg, der ihre schönen Augen verhüllte, und sagte ganz sanft folgende Worte zu ihm: »Ei, mein Gebieter, wo ist Eure Tugend, wo Euer Verstand? Ist das die eheliche Treue, die Ihr mir schuldig seid, die ich Euch ohne Maß liebe? Ist das die Gattenpflicht, die Ihr beobachten müßt, nachdem Ihr von mir so viele würdige Söhne erhalten, die der Glanz nicht nur Italiens, sondern der ganzen Welt sind? Ist dies das gute Beispiel und der Ruf, den Ihr hinterlassen sollt? In der Tat, ich habe mich sehr in Euch getäuscht. Wer hätte je gedacht, daß ein großes Herz wie das Eure, das nie Mühsal gescheut noch Furcht gekannt, sich von einem gemeinen Mädchen fangen lasse! Weh mir Armen, daß ich sehen mußte, was ich nie geglaubt habe! Ist dies der Lohn der Treue, die ich gegen Euch gehegt und gegen Euch zu hegen gedenke, solange ich lebe? Ach, das war nicht nur ein Schlag des Geschicks, es ist der Untergang all meiner Hoffnung!«

Sie wollte noch anderes beifügen; der Herzog aber hatte die Täuschung bemerkt und sah, daß alles offenbar geworden war, was er für geheim gehalten hatte, da er seine von ihm mehr als sein eigenes Leben geliebte Gemahlin in den Gewändern des geliebten Mädchens erblickte; da überlief erst sein männliches Antlitz eine Röte, dann machte sich aus seinem ritterlichen Herzen ein heißer Seufzer Luft, und er unterbrach sie mit den Worten: »Gnädige Frau, ich bitte Euch, verzeiht mir! Ich schwöre Euch bei meiner Seelen Seligkeit, was ich getan, geschah nicht, um Euch zu beschimpfen, da ich Euch mehr als alles in der Welt liebhabe, sondern bloß, weil ich der Gewalt der Liebe nicht widerstehen konnte, die kein Gesetz achtet und jeden Sterblichen bindet, wenn es ihr gefällt, sei er auch noch so stolz und mutvoll. Und ich habe es diesmal zu meinem schweren Schaden und Strafe erfahren; da ich nicht mit strengem Zügel meine Sinnlichkeit zu lenken und die Liebesglut zurückzudrängen vermochte, habe ich mich so weit verleiten lassen, und ich bin so sehr gefangen, daß, wenn Ihr mir jetzt den Genuß des geliebten Mädchens versagt, ich klar einsehe, daß Ihr mich bald werdet grausam und jämmerlich umkommen sehen.«

Da faßte die Herzogin Mitleid mit dem Liebesleiden ihres Gemahls, und sie sagte: »Wenn es mir auch schwerer ankommt als irgend etwas auf dieser Welt, Euch hierin nachzugeben, mein einziger Gebieter, so glüht doch mein Herz so sehr von dem Verlangen, Euch immer und überall Euern Wunsch zu erfüllen, und überdies ist mir Euer Leben viel teurer als das meinige, und darum bin ich zufrieden, daß Ihr vollständig Eure Wünsche erreicht.«

Mit diesen Worten ging sie hinweg und kehrte zu dem Mädchen zurück, das ihre anfängliche Angst noch nicht verlassen hatte. Sie ließ sie ihre eigenen Kleider wieder anziehen, und als sie so geschmückt und aufgeputzt war, nahm sie sie an der Hand und sagte: »Komm mit mir, mein Kind, fürchte dich nicht!«

So brachte sie sie zu ihrem Gemahl mit den Worten: »Hier, mein teurer Gebieter, ist das Mädchen, das Ihr so sehnlich wünscht. Ich bin es zufrieden, daß Ihr die Lust und den Liebesgenuß mit ihr habt, die Euch gefällt; denn ich will weder Euern Tod noch Eure Betrübnis, sondern Euer Leben und Eure Freude, und dies wird auch mir auf immer zur ununterbrochenen Wonne gereichen.«

Nach diesen Worten kehrte sie sich um, verließ das Zimmer und schloß die Tür. Der Fürst erkannte aus diesem Benehmen das vortreffliche Gemüt seiner Gemahlin und ihre liebreiche Gesinnung gegen ihn, ebenso aber seinen ungeheuern Fehler. Indem er daher als ein sehr kluger und verständiger Fürst die Hoheit dieser Tugend in Erwägung zog, mäßigte er mit dem rechten Zügel die Glut seiner Gedanken. Er rief deshalb sogleich die Herzogin herein und sprach zu ihr folgendermaßen: »Gnädige Frau, Eure kluge und gegen mein ungerechtes Begehren so nachsichtsvolle Rede in Verbindung mit Eurer unglaublichen Tugend haben mir den Geist und all mein Sinnen und Trachten mit so festem Liebesband an Euch gefesselt, daß dasselbe nie mehr durch die Hand einer andern Frau wird gelöst werden können. Gott verhüte demnach, daß ich die eheliche Treue, deren Krone Ihr so würdig traget, je verletze! Ich bitte jedoch demütig um Vergebung jedes von mir begangenen Fehltritts.«

Nach diesen Worten schwieg er, und darauf wurde nach einigen liebevollen Gesprächen über diese Sache das Mädchen schön gekleidet und beschenkt ihren Eltern zurückgestellt. So löste sich die Verwicklung auf edle Weise, die Gesinnung des Fürsten war gebessert, und er lebte nach diesem Vorfall in Lust und Freude mit seiner Gemahlin und in gutem Vernehmen mit dem geliebten Mädchen, die aus dieser Veranlassung reich verheiratet wurde.

Bei Sonnenlicht kann man besser sehen

Es ist noch nicht viele Jahre her, daß ein mit mir verwandter Jüngling namens Fabio, der Sohn des Herrn Enrico di Mezivillani, der in jenen Zeiten, wie man hört, ein außerordentlich geachteter und sehr tapferer Ritter war, sich in eine schöne junge Frau verliebte, die Lukrezia hieß, die Gattin eines Mailänder Kaufmanns, eines Mannes, der mehr alt als jung zu nennen war und aus Sancta Lucia nach Bologna zu wohnen kam; er hieß Ambrosino da Bertano. Durch seine großen Bemühungen und sein Drängen hatte Fabio ihre Liebe gewonnen und befand sich oft mit ihr nach Belieben zusammen, und besonders dann, wenn der Mann fort war oder früh in seinen Geschäften ausging, was oft vorkam, oder wenn er sich damit beschäftigte, Verzeichnisse seiner Waren aufzustellen, die nicht klein waren, besonders im Winter. Nun geschah es, daß Ambrosino eines Morgens früher als gewöhnlich aufstand, sein Haus verließ, um die Messe in der Sancta Lucia-Kirche zu hören, die an der Straße dicht bei seinem Hause lag, um dann einige seiner Angelegenheiten zu besorgen und nach unserm Hafen Macagnano hinunterzustürzen, damit er seine Waren nach Venedig befördere. Mein Verwandter, der immer auf der Lauer lag, trat plötzlich, sobald er Bescheid wußte, in das Haus ein, zu dessen Tür er den Schlüssel besaß, ging die Treppe hinauf und in das Zimmer hinein, wo sich Ambrosinos Frau befand. Nachdem er das Zimmer verschlossen und verriegelt hatte, zog er sich aus und legte sich neben die geliebte Frau, die sich ihm nach gewohnter Weise in die Arme warf, und sie ergaben sich der Liebeslust.

Es dauerte ungefähr eine Stunde, bis Ambrosino nach Hause kam, um einige schriftliche Arbeiten wegen der nach Venedig gesandten Ware vorzunehmen. Er öffnete die Haustür; dann kam er vor die Zimmertür und steckte, wie er gewohnt war zu tun, den Schlüssel in das Schloß, um zu öffnen. Das merkte Fabio, und da er eine List fürchtete und auch etwas Angst um sein Leben hatte, sprang er aus dem Bett und lief nackt, ein Messer in der Hand, nach der Tür, die Ambrosino gerade geöffnet hatte, und so stand er ihm gegenüber. Ambrosino erschrak sehr, wie er Fabio nackt, ein Messer in der Hand, auf ihn zukommen sah, und es fehlte nicht viel, so wäre er lang hingeschlagen.

Schnell und geistesgegenwärtig dachte Fabio mehr an die Rettung der Frau, als er von dem Gatten für sich selbst fürchtete, und sagte: »Ambrosino, fürchtet Euch nicht, denn heute will ich Euch die beste Mitteilung machen, die Ihr je in Eurem Leben bekommen habt. Seit langer Zeit liebe ich Eure Frau mehr als meine Seele; aber niemals habe ich ihre Gunst gewinnen können, und das Glück, mit ihr Zusammensein zu können, ist mir nicht früher begegnet als eben jetzt. Jetzt bin ich schon lange Zeit bei ihr und habe den größten Kampf gekämpft und sie gebeten, wenn ihr mein Leben wert wäre und wenn meine lange heiße Liebe irgendeinen Lohn und Dank verdiente, mir ihre ersehnte Zuneigung zu schenken, – aber sie hat sich immer geweigert. Meine Versprechungen, Bitten oder Drohungen haben mir nichts genutzt; es gibt gewiß keinen noch so mächtigen Schloßherren, in einer sehr starken und uneinnehmbaren Burg eingeschlossen, der sich solchem Angriff nicht ergeben hätte. Daher scheint es mir, mehr als jeder andere könntet Ihr zufrieden leben und Euch rühmen, die verständigste und keuschste Frau zu besitzen, die jemals auf Erden weilte. Für dies mein schweres Vergehen nun, das ich Euch gegenüber aus übergroßer Liebe begangen habe, bitte ich Euch, mir Verzeihung zu gewähren, ohne daß Ihr in Zukunft irgend etwas von mir zu befürchten habt; und wenn Ihr mir nicht verzeihen wollt, nehmt dieses Messer und gebt mir diejenige Strafe, die meine jugendliche Verwegenheit und Leidenschaft verdient haben!«

Wie Ambrosino diese Worte hörte, atmete er erleichtert auf, und seinen lebhaften Zorn besänftigend, näherte er sich, ohne noch ein Wort zu sagen, dem Bett seiner Frau; voll Furcht und Scham, stellte sie sich, als sei sie empört über den Besuch ihres Liebhabers, schlang ihre Arme um den Hals ihres Mannes und sagte zu ihm, Tränen in den Augen: »O mein lieber Gatte, in welcher Angst und üblen Lage habe ich mich befunden, seit du aufgestanden bist! Verwünscht seien die Stunde und der Ort, wo ich in diese Welt gekommen bin! Denn sicher, hätte ich ein Messer gehabt, so hätte ich mich getötet, um solcher Pein zu entgehen, zu deiner und zu meiner Ehre; denn diese anmaßenden und schurkischen Jünglinge dieser Erde wollen den armen anständigen Frauen Gewalt antun und ihnen ihre Keuschheit rauben.«

Bei diesem falschen Schmerzausbruch seiner Frau seufzte Ambrosino und sagte, indem er kaum seine Tränen zurückhalten konnte: »0 meine liebe Lukrezia, tröste dich, denn ich sehe sehr wohl, wie du mich liebst. Daher werde ich dir für deine Ausdauer in der Tugend und die Unerschütterlichkeit deines Sinnes ein schönes grünes Kleid mit gestickten Blumen und seidenen Fransen machen lassen.«

Dann wandte er sich an Fabio, der noch immer beschäftigt war, sich wieder anzuziehen, und sagte: »Junger Mann, mach solche Sachen nicht wieder: denn nicht immer wirst du solche Männer finden wie mich, und geh' in Gottes Namen!«

Fabio ging fort und ließ den Mann und die Frau im Zimmer; diese unterhielten sich weiter über die Anmaßung des jungen Mannes, die sie für tollkühn hielten, bis die Frau merkte, daß ihr Mann die Sache nicht weiter verfolgte und stolz auf ihre standhafte Treue war; da erinnerte sie ihn an das Kleid, das er ihr versprochen hatte. Dies bekam sie in wenigen Tagen, und es war noch viel schöner, als er ihr versprochen hatte; denn zu noch größerer Zierde hatte er ihr auf einen Ärmel ein Bild mit Strahlen aus Perlen sticken lassen, die aus einer Sonne herauskamen, worunter in griechischen Buchstaben zu lesen war: »Bei Sonnenlicht kann man besser sehen.«

Und Fabio, der ein vorsichtigeres Mittel gefunden hatte, kam oft mit Lukrezia zusammen und freute sich über das schöne Kleid, und sie sangen zusammen mit großer Anmut: »Bei Sonnenlicht kann man besser sehen«.


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