Weiß Ferdl
Die kreutzfidele Harfe
Weiß Ferdl

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Lustige Anekdoten.

Kleine lustige Anekdoten sind überall beliebt. Es ist nur schwer, neue gute Anekdoten zu bringen. Ich behaupte aus Erfahrung, es gibt keine neuen Anekdoten. Alles ist schon dagewesen, sagt Ben Akiba; bei den Anekdoten hat er sicher recht. Wer wie ich Anekdoten hamstert, kann am besten konstatieren, daß gerade die sogenannten »neuen« Witze die »allerältesten« sind, die nur ein aktuelles Mäntelchen umgehängt bekommen haben. Beim Durchlesen bestbekannter, angesehener Witzblätter, die ihren Stolz darein setzen, Gutes und Neues zu bringen, fand ich oft einen Witz, den ich vor vielen Jahren schon einmal in einer ähnlichen Fassung hörte und erzählte. – So geht es jedem, der Witze und Anekdoten erzählt, er wird öfters statt dem gehofften Beifall die vernichtende Kritik hören müssen: »Alt! – Uralt!« »Den hat der Adam der Eva erzählt!« Lassen Sie sich dadurch nicht einschüchtern, erzählen Sie einen anderen, einen älteren, und die verehrlichen Zuhörer werden quitschen vor Vergnügen und sagen: »Ausgezeichnet! Prima! Fabelhaft! Den hab ich noch nie gehört!« Als Fachmann möchte ich den Anekdotenerzählern noch einige Winke geben. Die Anekdote muß flüssig ohne Stocken erzählt werden, sie muß, um zu wirken, auswendig gelernt sein – wie irgendein anderer Vortrag oder eine Grabrede. Es macht sich schlecht, wenn z. B. kurz vor der Pointe der Erzähler stecken bleibt 92 und sagt: »Wie war jetzt das? – Es fällt mir momentan nicht mehr ein!« – Die Anekdote ist begraben und steht nie mehr auf. Dann noch etwas, verehrter Anekdotenkolporteur. Lasse dich durch Beifallsbezeugungen nicht hinreißen und erzähle stundenlang. Was zu lange dauert, ist nicht schön. Ist Dir eine recht gelungen, halten sich die Zuhörer die Bäuche, strampeln sie mit den Beinen – Schluß – Aufhören und auf den Lorbeeren ausruhen. – Auch dann soll man aufhören, wenn die Zuhörer häufig gähnen oder gar einer oder der andere sanft eingenickt ist. Das ist ein sicheres Zeichen, daß das Interesse an deinen Erzählungen nicht übermäßig groß ist. Hör auf und denk .ganz leise für dich: Die Leute haben kein Kunstverständnis!

 

Die böse Welt.

An einem warmen Sommerabend sitzt der Herr Pfarrer im schattigkühlen Wirtsgarten »zum goldenen Engel«. Am selben Tisch sitzt außer dem Englwirt der alte Pestlbauer, auch einer von denen, die ihre christlichen Pflichten recht nachlässig erfüllen. Der Herr Pfarrer beklagt sich, daß jetzt in der modernen Zeit die Leute nichts mehr glauben. Der Pestlbauer versichert, er sei kein solcher, er glaube alles, was der Herr Pfarrer sage. Der Herr Pfarrer bezweifelt dies, doch der Pestlbauer beteuert: »Herr Pfarrer, da wett' i glei a Maß Bier, daß i alles glaub, was sie sagen!« – »Gut,« sagt der Herr Pfarrer, »es gilt. Woll'n ma seh'n, ob du mir alles glaubst!« – Er fing an: »Es wird jetzt a paar Jahr her sein, da geh ich an der Donau spaziern. 93 Schwimmt da mitten auf der Donau ein großer schwerer Mühlstein daher!« – »Das glaub ich,« versichert der Pestlbauer. Der Herr Pfarrer fährt fort: »Ich setz mich auf den Mühlstein hinauf und schwimm dahin, immer weiter und weiter, bis auf Wien hinunter.« – »Das glaub ich!« – Hab mir Wien ang'schaut und am nächsten Tag bin ich dann mit mein' Mühlstein wieder heimgeschwommen!!!« – »Das glaub ich aufs Wort,« versichert der Pestlbauer. »Ja, ja, glauben,« meint der Herr Pfarrer, »du glaubst es mir halt, damit ich die Maß Bier zahl'n muß, du bist ganz ein feiner!« – »Na, Hochwürden,« beteuert der Pestlbauer, »Eahna glaub i all's, g'wiß wahr; aber jetzt vazähl Eahna i was, Herr Pfarra, dös glaub'ns nöt, da wett i glei zwoa Maß Bier!« – Der Herr Pfarrer, in der Hoffnung, das Verlorene zurückzugewinnen, geht auf die Wette ein, und der Pestlbauer fängt an: »Also, Herr Pfarrer, i hab an großen Misthaufen, den hab ich aufs Feld außi g'fahrn und hab mit dem großen Haufen a ganz a kloans Fleckerl dungt. Nacha hab i a oanzigs Hanfkörndl in den Bod'n einig'steckt. Durch den vielen Mist ist dös recht schnell g'wachs'n und a großer, großer Baum draus wor'n!« – »Das glaub i!« – »Der Baum is allweil höher und höher wor'n und is bis in Himmi naufg'wachs'n. Da bin ich nacha amal den Baum auffikraxelt und hab an der Himmelstür anklopft. Der heilige Petrus kimmt und fragt mi, was i will. Eini möcht i, sag i!« – »Dös glaub i!« – »Fragt mi der Petrus: ›Hast scho beicht?‹ Na! ›Nacha derf i di net einalass'n‹.« – »Das glaub ich,« lacht der Pfarrer. – »Ja mei,« sag i, »lieber Petrus, i wer doch wegen dem Beicht'n net no 94 amal auf d'Welt abikraxln müaß'n, is bei Enk koa Geistlinga drinn, daß mir der schnell Beicht hört?« – Da Petrus winkt an Engerl und sagt, es soll schnell an Geistlichen außa hol'n. Dös Engerl fliagt in Himmi eini, bleibt recht lang aus, endlich kimmt's daher ganz vazagt und sagt zum Petrus: »I hab den ganz'n Himmi abg'sucht und koan oanzig'n Geistlichen g'fund'n!« – Der Herr Pfarrer stand auf, zahlte die drei Maß Bier und sagte zum schelmisch lachenden Pestlbauer: »Naa, dös glaub i net!«

 

Er kennt ihn!

Zwei Freunde, die den Abend vorher beisammen waren, treffen sich. »Du,« sagt der eine, »mir ist gestern Abend noch etwas passiert. Wie ich heimkomm – meine Frau ist bei der Schwiegermutter, das hab ich dir ja erzählt, sonst hätt' ich nicht so lange ausbleiben dürfen –, also wie ich heimkomm, ins Schlafzimmer eintrete, denk dir nur, so eine Frechheit – liegt mein neues Dienstmädl, die Anni – du hast sie ja schon gesehen, ein ganz netter Kerl –, liegt die Person im Bett von meiner Frau! Unerhört, was? Sag ich: »Anna, machen Sie sofort, daß Sie in ihr Zimmer kommen!« – Sie geht nicht, bleibt ruhig liegen. Sag ich noch einmal: »Anna, machen Sie sofort, daß Sie in ihr Zimmer kommen!« – Sie lacht ganz frech und bleibt liegen. Mir blieb nichts andres übrig, ich hab die ganze Nacht auf der Chaiselonge schlafen müssen. Sag einmal, was hättest jetzt du an meiner Stelle getan? »Ich,« antwortete sein Freund, »ich hätt' genau so gelogen wie du jetzt!« 95

 

So weit kommt's noch.

Geh ich da neulich spazieren durch den Englischen Garten bis nunter zum Aumeister und zurück übern Schwabinger Friedhof. Da in der Ungererstraße begegnet mir ein Mann, im schwarzen Gehrock, ganz kasig im Gesicht und zwei brennende Kerzen in der Hand. Alles bleibt stehen. Die Leut sag'n: »Was hat denn der?« – »Will der ganz allein eine Prozession machen?« Wie ich näher hinkam, sehe ich zu meinem Schrecken, daß das ein Bekannter von mir ist. »Ja, um Gottes willen,« sage ich zu ihm, »was ist denn mit dir? Am hellichten Tag laufst mit a paar Kerz'n rum, was hast denn, bist überg'schnappt?« Er sprach mit Grabesstimme: »Laß mich in Ruh, – ich bin eine Leiche, ich werd' jetzt begraben – 6. Klasse, da wird man nicht mehr g'fahr'n oder trag'n, da muß man selber geh'n!« (Wie ich später erfahr'n hab, ist er um a paar Minuten z'spät kommen. Da aber die Totengräber amerikanische Arbeitszeit haben und punkt 4 Uhr aufhören, hat er nochmals heimgehen und am nächsten Tag wieder kommen müssen. Was der arme Kerl Kerzen verbrennt hat! R. I. P.)

 

Die sprechende Katze.

Ein biederer Schwabe hat in der Zeitung von dem sprechenden Hund gelesen und das läßt ihm keine Ruh. Er kalkuliert, wenn ein Hund reden kann, dann muß das eine Katz auch fertig bringen. Er holt sein Kätzle und fängt gleich mit der Dressur an. »Hascht koin Hunga,« fragt er sei Kätzle. Die schaut ihn ganz verwundert an und hüllt 96 sich aber zu seinem größten Bedauern in tiefes Schweigen. Aber der Schwab läßt seinen Mut nicht sinken, er setzt sei Kätzle auf'n Tisch und fragt weiter: »Hascht koin Hunga, he? – Hascht wirkli koin Hunga? – Sag mersch, hascht denn gar koin Hunga?« Aber 's Kätzle gibt keinen Ton von sich. Endlich wird's ihm zu dumm. Er packt sei Kätzle, wirft's ins Eck hinein und sagt: »Du kascht mi gern haba.« Da schreit's Kätzle: »Mi-au!«

 

Stark muß der Mann sein.

Die Mutter fand im Wäscheschrank ihres 17jährigen Sohnes einen Liebesbrief. Entsetzt eilt sie zum Vater und zeigt ihm den Brief. Der nimmt die Sache nicht so tragisch, lacht und meint: »Jugendeseleien, haben wir auch gemacht.« Die Mutter ist aber nicht so schnell beruhigt. Mittags, als die ganze Familie beisammen, sagt sie zum Siebzehnjährigen: »Du machst ja schon nette Geschichten, solche Briefe finde ich bei dir?« Der arme Junge wird feuerrot und stammelt: »Weißt, Mama, ich kann nichts dafür, das Mädl läuft mir immer nach, ich will nichts von ihr, aber sie läßt mir keine Ruah!« – Da sagt sein 12jähriger Bruder: »Mach's doch wie ich, ich hab der Meinigen a paar Ohrfeig'n geben, jetzt hab ich meine Ruh!«

 

Sonderbare Wirkung.

In einem Café muß der Pikkolo in der Früh die Zeitungen einmachen und dabei grinst er immer so schadenfroh 97 in sich hinein. Der Ober hat das bemerkt und fragt ihn, warum er immer so dumm lacht. »Oh,« sagt der Pikkolo, »wegen nichts, ich lach bloß für mich!« Den ganzen Vormittag schmunzelt der Pikkolo. Der Ober hat ihn noch a paarmal zur Red' gestellt, aber nichts rausgebracht aus ihm. Mittags kommt der Prinzipal und dem fällt auch bald das seelenvergnügte Gesicht vom Pikkolo auf und frägt ihn ebenfalls um den Grund. Der Pikkolo gibt ihm keine Antwort. »Da gehst jetzt her,« sagt der Prinzipal, »und sagst mir augenblicklich, warum du allweil so grinst, sonst nehm ich dich bei den Ohr'n.« Zögernd kommt der Pikkolo näher und sagt dann: »Wissen's, Herr Chef, ich hab unserer Büffetdame heut Nacht a Juckpulver ins Bett nei'g'schütt – und heut – kratzt sich der Ober allweil!«

 

Das Gebet.

Die kleine Elsbeth hat ein Lotterielos geschenkt bekommen. »Da mußt du den lieben Gott fleißig bitten, daß er dir damit gewinnen läßt,« sagt die Mama. Am Abend dieses Tages findet sie ihr hoffnungsvolles Töchterchen in ein Gebetbuch vertieft. »Mama, ich hab schon was gefunden, was für mich paßt.« »So, ja was denn, Elsbeth?« »Hier steht: Gebet für Kinderlose

 

Die Hose.

Großmutter, Mutter und Kind stehen am Isartalbahnhof und woll'n nach Pullach. Die Mutter verlangt zwei 98 Billetts nach Pullach. »Und was is denn mit dem Buam,« fragt der Beamte. »Ja, kost't denn der a scho was,« sagt die Mutter. »Natürlich,« sagt der Beamte, »der braucht a halbes Billett, er hat ja schon a kurze Hos'n an.« »Mei,« sagt d' Mutter, »wann's auf dös ankummat, brauchat i a bloß a halb's Billett.« »Und i,« meint die Großmutter, »brauchat gar koan' s

 

Das vernünftige Echo.

Ein Ehemann, der stark unter dem Pantoffel steht, geht, nachdem er eben zu Haus wieder eine Niederlage erlitten hat, im Walde, der ein sehr schönes Echo hat, spazieren. Er schimpft in seiner Verzweiflung immer ganz laut vor sich hin, plötzlich ruft er in seiner Erregung ganz laut: »Wie komm ich zu meinem Hausrecht?« – Da rief das Echo zurück: »Haus's–recht!«

 

Unnötige Sorge.

Isidor Hammelbein kommt ins Caféhaus und macht a recht verdrießliches Gesicht. Seine Freunde fragen ihn, warum er so niedergeschlagen sei. »Hab mich soeben mit meiner Frau gezankt,« sagt Hammelbein, »wir haben doch heute eine neue Wohnung gemietet und nu will mei' Sarah das Schlafzimmer hinten hinaus, weil es da ruhiger ist, und ich möchte das Schlafzimmer vorn heraus, weil da in der Früh die Sonne so schön hereinscheint. Deswegen haben wir nu gestritten.« Seine Freunde trösten ihn und sagen, 99 die Sache wird schon gut werden und bald hat der Isidor seinen Kummer vergessen. Einige Tage später kommt der Hammelbein in bester Laune wieder ins Caféhaus. Da fragt ihn sein Freund der Mandelbaum: »Nu, habt ihr euch schon geeinigt wegen dem Schlafzimmer?« »Aber ja,« sagt Hammelbein, »wir haben es so gemacht, meine Frau schläft hinten hinaus und ich vorne heraus.« »Nu,« meint der Mandlbaum »das is doch ach nix, was machst denn, wenn du mit deiner Sarah reden willst?« »Das haben wir schon ausgemacht« erwidert Hammelbein«, das is ganz einfach, wenn ich haben will, daß die Sarah zu mir kommt, brauch ich bloß zu pfeifen.« »Nu« meint der Mandelbaum wieder, »das ist aber doch umständlich mit der Pfeiferei, emol hört sie dich nicht – –.« »Da hab nur ka Sorg,« sagt der Hammelbein, »die Sarah kommt zur rechten Zeit und fragt: Isidor, haste gepfiffen?«

 

Wenn Sie schon so gescheit sind.

Ein Fremder spricht in der Hans Sachsstraße einen jüdisch aussehenden Herrn folgendermaßen an: »Herr Kohn, können Sie mir sagen, wo die Fraunhoferbrücke ist?« – »Woher wissen Sie, daß ich Kohn heiße,« fragt der Jud. »Ja, wissen Sie,« sagt der Fremde, »ich hab halt so geraten!« – »So,« meint der Kohn, »nun raten Sie auch, wo die Fraunhoferbrücke ist!«

 

Nur nicht kleinlich sein.

Ein junges Ehepaar ist auf der Hochzeitsreise. Am ersten Tag, wie sie im Hotel abgestiegen sind, sagt er zu ihr: »Liebes 100 Kind, ich hab dir ein Geständnis zu machen; du mußt mir aber versprechen, daß du mir später nie einen Vorwurf machst, dann erzähl ich dir alles.« »Ich mach dir keinen Vorwurf, also red.« »Weißt,« sagt er, »ich hab als junger Mensch amol a Dummheit gemacht, ich hab nämlich a Kind.« Drauf sagt sie: »Was du da für ein Getue machst, ich hab zwoa und red koa Wort

 

Das mißverstandene Flüstern.

Der Mesner hat sich erkältet und ist stockheiser geworden. Er geht in den Pfarrhof und will dem Herrn Pfarrer melden, daß er heute keinen Kirchendienst machen kann. Er läutet an, die Pfarrerköchin macht ihm auf und unter der Tür fragt er sie, weil er eben heiser ist, im Flüsterton: »Ist der Herr Pfarrer zu Haus?« »Na, na,« sagt die Köchin freudig, »gengas nur 'rein!«

 

Unschuldig.

Ein älterer Herr, der noch ein sehr junges Weiberl gefreit hatte, ist glücklicher Vater geworden. Die Bescherung ist gerade vorbei und sein junges Weib liegt im Bett und stöhnt und ächzt vor Schmerzen. Das rührt den guten Gemahl, der am Bett sitzt, dermaßen, daß er zu weinen anfängt. Da tröstet ihn sein junges Weiberl mit folgenden Worten: »Geh, Karl, hör doch zu weinen auf, schau, du kannst ja nix dafür!«

 

Der höfliche Mandlbaum-

Ein Lebemann hat dem Julius Mandlbaum einen Wechsel ausgestellt und ihn nicht rechtzeitig eingelöst. 101 Mandlbaum will seinen Schuldner an seine Pflicht erinnern, ohne ihn zu beleidigen und schreibt folgenden Mahnbrief:

Sehr verehrter Herr Baron!

Wer hat mir versprochen, den Wechsel am 1. Mai einzulösen? – Sie, Herr Baron! – Wer hat mir dann versprochen, den Wechsel am 1. Juni einzulösen? – Sie, Herr Baron!« – Wer hat am 1. Juni den Wechsel wieder nicht eingelöst? – Sie, Herr Baron! – Wer hat also zweimal sein Wort gebrochen? – Sie, Herr Baron! – Wer ist also ein ganz gemeiner Schuft?

Ihr ergebenster Mandlbaum.

 

Der verräterische Donauschill.

Kohn sitzt in einem Speiserestaurant und hat sich einen Donauschill bestellt. Der Fisch steht schon einige Zeit vor ihm auf dem Tisch, er ißt aber nicht davon, sondern murmelt unverständlich in den Teller hinein. Die Gäste in seiner Nähe beobachten ihn und lachen, auch der Wirt wird aufmerksam, geht zu ihm hin und frägt, was er denn mit dem Fisch da vorhabe. – »Ich,« sagt der Kohn, »ich hab mich ä bißchen mit dem Fisch unterhalten!« – »So, so,« meint der Wirt belustigt, »na was spricht er denn?« –»Ja,« sagt Kohn, »zuerst hab ich 'n gefragt, wie's ihm geht. Sagt er, na mir geht's gut, ich schwimm da in der Butter, kann mich wirklich nicht beklagen. Dann hab ich ihn gefragt, wo er herkommt. Sagt er, ich komm von der Donau. Ah, sag ich, von der Donau, na, was gibt's neues an der Donau. Sagt er drauf, tut mir leid, Herr Kohn, das kann ich ihnen nicht sagen, ich bin schon 14 Tag bei dem Wirt da!« 102

 

Der gefährliche Motorradfahrer.

Sami Levy wird auf der Straße von einem Motorrad gestreift und zu Boden geschleudert. Der Motorradfahrer fährt unbekümmert weiter und ruft fortwährend: »Obacht! Obacht!«Da schreit ihm der am Boden liegende Levy nach: »Na, was is, kommen Sie noch amol retour?«

 

Oh, oh, oh!

Die gnädige Frau kehrt vom Landaufenthalt zurück und bemerkt, daß ihre Köchin in anderen Umständen ist. Sehr entrüstet sagt sie zu ihr: »Aber Anna, schämen Sie sich nicht!« »Warum,« meint diese ganz frech, »Sie sind doch auch in der Hoffnung!« »Ja, bei mir ist doch das ganz anders, ich bin es doch von meinem lieben Mann!« »Na ja,« sagt die Anna, »von dem bin's i ja a!«

 

Ein scharfer Beobachter.

Die Lehrerin sagt zum kleinen Pepperl: »Nenn mir einmal einen sichtbaren Gegenstand!« Nach kurzem Besinnen gab Pepperl zur Antwort: »Meine Hose!« »Sehr richtig,« sprach die Lehrerin, »und jetzt nenn mir einen unsichtbaren Gegenstand.« Drauf gab Pepperl zur Antwort: »Ihre Hose!«

 

O die Post!

Der Herr Obermaier aus Tittmoning fährt nach München zum Oktoberfest, um die Freuden der Großstadt zu genießen. 103 Seine Frau, die ihren Gatten sehr gut kannte, sandte ihm am zweiten Tag seiner Abwesenheit folgendes Telegramm: »Lieber Alois, vergeß nicht, daß du verheiratet bist!« Darauf antwortete er ebenfalls per Draht: »Telegramm leider zu spät erhalten!«

 

Gewählt ausgedrückt.

Der kleine Pepperl kommt von der Schule und fragt seine Mutter: »Du, Mama, was heißt denn das, wir haben heute in der biblischen Geschichte gelesen – und sie gebar ihm einen Sohn?« Die Mutter sagte drauf: »Das heißt soviel als – sie schenkte ihm einen Sohn!« – Bald drauf war dem Pepperl sein Namenstag und da frug ihn sein Onkel, was er alles bekommen hätte. »Vom Papa,« sprach Pepperl, »Bleisoldaten, von der Mama ein Bilderbuch und die Großmama gebar mir einen Kanarienvogel!«

 

Was wollen Sie denn?

Ein Filmschauspieler war bei einer Gerichtsverhandlung als Zeuge vorgeladen und verlangt 3000 Mk. Zeugengeld. Der Richter frägt ihn: »3000 Mk. verlangen Sie für eine halbe Stunde? Ja, sagen Sie einmal, was verdienen Sie in Ihrem Beruf?« Der Schauspieler: »Ich verdiene im Monat 40 000 Mk., ich spiel doch erste Rollen!« –»Waas?« frägt der Richter, »40 000 Mk. in einem Monat, das verdient ja nicht einmal unser Reichspräsident!« – »Geb ich zu,« meint der Schauspieler, »der spielt auch keine Rolle!« 104

 

Nicht gut möglich.

Ein Professor steigt mit einem Ballon auf, hat seinen Regenschirm beim Einsteigen zurückgelassen. Als nach einigen Stunden der Ballon auf freiem Felde landet, sucht der Herr Professor vergebens seinen Regenschirm. Er denkt angestrengt nach, wo er ihn wohl vergessen hat, endlich deutet er nach oben und meint: »Ob ich ihn nicht etwa da oben wo hab stehen lassen!«

 

Himmlische und Irdisches!

Ein Tiroler Bauer geht am Sonntag in der Früah mit seinem Buab'n in die Kirche. Vorm Wirtshaus sagt der Vater: »Bua, wart a wenk, i muaß ma an Enzian kauf'n beim Wirt, mir ischt net guat. Bleib da steh und paß ma auf dei neu's Gwandl auf.« – Der Vater geht zum Wirt, der Bua kommt mit a paar andere Buab'n ins Rankeln und fallt mit dem schöna neua Gwand in a Lack'n nei. Als da Vater dös siacht, schimpft er: »Du Drecksack, jetzt gehscht ma hoam und putzt di ab, so gehscht ma net in d' Kirch!« Voll Wut geht der Vater in d' Kirch nei, kniet si in Beichtstuhl nei und macht's Kreuz: »Im Namen des Vaters und des heiligen Geistes. Amen!« – Da sagt der Pfarrer im Beichtstuhl: »Was ist's nacha mit'm Gott Sohn?« – »Der ischt in Drecklack'n neig'fall'n!«

 

Es ist nicht das gleiche, wenn zwei dasselbe tun.

Drei Weinbergbesitzer, der erste hat Rhein-, der zweite Mosel-, der dritte Aarweine, sitzen beisammen und beraten, 105 welche Namen sie ihren Weinen geben sollen. Sie sind sich einig, daß ein schöner, glücklicher Name sehr viel beiträgt, um die Weinmarke bekannt und beliebt zu machen. Endlich kommt dem mit seinem Rheinwein ein guter Gedanke. »Halt, ich hab's, ich nenn' den meinen ›Rheinschwärmer‹!« – »Großartig, ausgezeichnet!« – »Dann nenn' ich den meinen ›Moselschwärmer‹, du hast doch nichts dagegen?« – »Und ich, ich nenn' den meinen dann ›Aar – – –, nein, das geht nicht!«

 

Ob's wahr ist, weiß ich nicht.

In Amerika, im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, sollen einige so fortschrittliche Damen mit dem Flugzeug in den Himmel hinaufgeflogen sein und beim lieben Gott um eine Audienz nachgesucht haben. Sie wurden vorgelassen. »Lieber, allmächtiger Gott,« begann die Referentin, »solange die Welt steht, haben wir armen, schwachen Frauen die Kinder bringen müssen. Allgütiger, könntest Du nun die Sache nicht so einrichten, daß jetzt die Männer die Kinder kriegen, die sind doch viel kräftiger wie wir?« – Der liebe Gott, der doch allwissend ist, wußte gleich, wie er die Sache geschickt anfangen mußte. Er sprach: »Meine lieben Frauen, dies ist nicht so leicht, wie ihr denkt. Wenn ich euren Wunsch erfülle, würdet ihr statt euren jetzigen weichen und geschmeidigen Wuchs den plumpen Körperbau des Mannes bekommen, und das wollt ihr doch sicher nicht?« – Die Deputation schüttelte energisch ihre hübschen Köpfe. – »Lieber, gerechter Gott,« fing die Rednerin wieder an, 106 »gut, wir wollen wie bisher die Kinder bringen – aber – die Schmerzen soll der Mann aushalten – bitte, richte es so ein!« – »Das ist eine sehr gute Idee,« sprach der liebe Gott, »merkwürdig, daß ich da nicht selbst daraufgekommen bin. Jawohl, so machen wir es. Ihr liebe Frauen bringt die Kinder wie bisher, und der – Vater – soll die Schmerzen aushalten. Abgemacht!« – Er gab den Damen seinen Segen und etwas Benzin, sonst hätte es nicht mehr ganz gereicht bis zur Erde. – Bald darauf wurde eine der Frauen, die »oben« waren, glückliche Mutter. Sie freute sich unbändig, daß die Sache so schmerzlos verlaufen, und sagte voll Schadenfreude zum Dienstmädchen, es solle einmal nachsehen, wie es ihrem Gatten geht, der wird sich nicht recht wohl fühlen. – Das Dienstmädchen kommt zurück und meldet: »Dem gnädigen Herrn fehlt nichts, aber gnädige Frau, das ist sonderbar, unser Zimmerherr windet sich vor Schmerzen

 

Ein unschuldig' Gemüt.

Der D-Zug hält einige Minuten in Regensburg. Ein Münchener macht einen ihm gegenüber sitzenden Berliner aufmerksam, daß es hier die berühmten Regensburger Würstchen gibt. Der Berliner, neugierig gemacht, ruft einem jungen Burschen, der am Perron steht: »Komm mal her, Junge, hier hast du hundert Mark, hol mir mal fix ein Paar Regensburger Würstchen, die kosten fünfzig Mark, kannst für dich auch ein Paar mitnehmen, aber Dalli!« – Der Junge geht, bleibt aber ziemlich lange aus. Endlich 107 – der Zugführer hat schon abgepfiffen – erscheint er auf der Bildfläche, fest kauend. Der Berliner winkt schon aufgeregt. Dieser gibt ihm aber fünfzig Mark zurück. Auf die Frage, wo die Würstchen sind, deutet er auf seinen Mund und sagt: »Es hat bloß mehr oa Paar geb'n!«

 

Der untreue Gatte.

In einem kleinen schwäbischen Städtchen kommt eine Bäuerin zum Rechtsanwalt und sagt, sie möcht geschieden werden. »Ja, liebe Frau,« meint der Rechtsanwalt, »so leicht geht das nicht, da müssen Sie schon einen triftigen Grund angeben können. Hat Sie vielleicht Ihr Mann geschlagen?« – »Noi, g'schlaga hat er mi ita!« – »So! Oder kann er Sie nicht ernähren, haben Sie Nahrungssorgen?« – »Noi, noi, z'essa haba ma gnua!« – »Ist Ihnen etwa Ihr Mann untreu geworden?« – »Jaa, Herr Dokta, jetzt habt's ös auf's erschtemol darata – dös lescht Kind, das i bracht hab – das is net von ihm!«

 

Nur nicht drängeln.

Die Arche Noahs stand ladebereit da, die Tiere kamen paarweise anmarschiert. Der Zufall wollte es, daß unmittelbar nach dem Elefantenpaar das Flohpärchen zu marschieren kam. Als sie schon auf der Brücke waren, setzte bereits der Regen ein. Die Flöhe, die bekanntlich wasserscheu sind, drängten dabei etwas hastig vor und traten einen Elefanten hinten hinauf. Da drehte sich der Elefant 108 ärgerlich um und schnaubte die beiden an: »Nur nicht so drucken, ihr zwei werdet schon noch Platz kriegen da drinn!«

 

Sehr glaubhaft.

Ein altes Jüngferchen hat große Angst vor Einbrechern. Verläßt sie ihre Wohnung, so heftet sie an das Türschild immer einen Zettel mit der Aufschrift: »Ich komme gleich wieder!« – Einmal aber, als sie nach Hause kam, war die Wohnung aufgebrochen und alles Brauchbare gestohlen. Unter ihrem Zettel stand von fremder Hand geschrieben: »Wir kommen nicht mehr!«

 

So ein Pech.

Zwei alte Kriegskameraden treffen sich. »Wie geht's dir denn mit deinem Fuß?« – »Schlecht, sehr schlecht, ich hab furchtbares Pech damit. Nachdem ich schon alles probiert, ging ich neulich zu einer Gesundbeterin. Der linke Fuß ist durch die Verwundung um 3 Zentimeter kürzer. Ich gab dieser braven Frau hundert Mark, sie fängt an zu beten, das Bein wächst und wächst, jetzt ist es schon länger wie das andere – und ich hab die Adreß von der guten Frau vergessen!«

 

Der grantige Provisor.

In eine Apotheke kommen drei Buben hineingestürmt. Mißmutig fragt der Provisor den ersten: »Was willst denn?« – »Um a Zehnerl an Bärensaft!« – Der Provisor schaut 109 noch wilder, der Bärensaft ist ausgerechnet in der obersten Schublade. Er holt die Leiter aus der Ecke, steigt hinaus, holt den Bärensaft, zwickt ein Stück ab, wiegt es, tut noch etwas drauf, es war zu viel, zwickt nochmal etwas ab, endlich ist es recht. Er steigt hinauf, schiebt die Schublade hinein, kommt runter, stellt die Leiter in die Ecke und gibt dem Jungen den Bärensaft. »Was willst du,« fragt er den zweiten. »I möcht a um a Zehnerl an Bärensaft!« – »Hättest du das nicht gleich sagen können, dummer Bub. Willst du auch um a Zehnerl an Bärensaft,« fragt er den dritten. »Naa!« Er holt die Leiter wieder, und die umständliche Prozedur wiederholt sich. Nachdem der zweite auch seinen Bärensaft hat, fragt er den dritten: »Was kriegst du?«– »Um a Fünferl an Bärensaft!«

 

Unrentabel.

Einem Herrn fällt ein Bettler auf, eine Tafel mit der Aufschrift »Taubstumm« umgehängt. Er schenkt ihm etwas und fragt: »Sie kommen mir so bekannt vor, sind Sie nicht vor einem halben Jahr am Sendlingertor gestanden mit einer Tafel ›Ich bin blind‹?« – »Ja, ja, das stimmt,« antwortet der Taubstumme, »aber dös G'schäft hab ich aufgeben, da zahlt ma heutzutag drauf bei dem vielen falschen Geld!«

 

Er hat's gut gemeint.

Die Familie war einige Wochen im Sommeraufenthalt. Eben zurückgekehrt, ist die Tante auf Besuch und nimmt 110 den kleinen Fritzl in Beschlag. Fritzl muß erzählen, was er alles gesehen. »Da gibt's große, ganze hohe Berg, und Bäum wachsen drauf, und nacha gibt's viel Küah und Kalb'n und dö hab'n alle a Glock'n umg'hängt.« – »Das muß aber schön sein, was hast denn noch alles g'sehn, Fritzl?« – »A See is a drinn, soo groß und ganz tief, da kann ma mit'n Schifferl fahr'n, und Fischerl san drinn soo viel!« –»Ah, ah, ah, das muß aber schön g'wes'n sein. Was hast denn noch alles g'sehn, Fritzl, erzähl mir doch!« – »Einmal hab ich auch g'sehn, wie der Papa zu der Mama ins Bett gestiegen is – – –« Der Papa wirft ihm einen grimmig-drohenden Blick zu. Fritzl merkt, daß er eine Dummheit gesagt hat, er will sich verbessern und meint: »Genau weiß ich's nicht mehr, Tante, es kann auch ein fremder Herr gewesen sein!«

 

Beharrlichkeit führt zum Ziel.

Kürzlich traf ich einen Freund. Wohin so eilig? – In'n Kino, ich geh schon 5 Tag nacheinander in denselben, da geben's jetzt einen herrlichen Film. – Besonders eine Szene ist drinn, – großartig! – Na, was ist denn das für eine Szene? – Also weißt, da ist ein Bahndamm und hinter dem Bahndamm ist ein kleiner See, dann kommt ein Weib, – ein herrliches Weib, nimmt den Hut ab, löst ihr Haar, ach Gott, hat das Weib Haare, dann knöpft sie die Bluse auf, läßt den Rock fallen und grad im schönsten Moment – fährt ein Zug vorbei und man sieht nichts mehr! – So, und deshalb rennst du jeden Tag in'n Kino, auf 111 was wart'st denn da? – Na, der Zug muß doch einmal Verspätung haben!

 

Trau – schau – wem??

Ein Bauer kommt nach München, läßt sich bei einem Friseur rasieren. Während dem Einseifen und Rasieren will sich der Friseur mit ihm unterhalten. Er frägt ihn um alles mögliche: »Auch einmal wieder in die Stadt herein g'fahr'n und den Vetter b'sucht?« – »Der wird g'lacht hab'n, wie's kommen sind mit'n Schmalz und mit die Eier? Was kost' jetzt bei Ihnen draußen das Pfund Schweinerne?« Der Bauer gibt ihm aber gar keine Antwort. Als er fertig war, öffnet ihm der Friseur die Tür und sagt: »Ein ander mal die Ehr!« Da lacht der Bauer verschmitzt und sagt: »Gell, habt's mi net dro kriagt, hätt's gern hab'n woll'n, daß i was red, gell?« – »Sie hätten doch auch ruhig reden dürfen,« meint der Friseur. – »Na, na,« sagt der Bauer, und deutet auf das Telephonkästchen, »dort steht's scho, jedes Gespräch zehn Mark

 

Mischwurst!

In der Auslage eines Feinkostgeschäftes liegt auf einem Teller schön schräg appetitlich angeschnitten eine Wurst mit einem Porzellantäferl »Mischwurst, das Pfund 800 M.« – Ein Herr betritt den Laden und fragt die Verkäuferin: »Fräulein, Sie haben da in der Auslage eine Mischwurst ausgestellt. Was ist denn da alles hineingemischt?« – »Da sind verschiedene Fleischsorten hineingemischt!« – »Aha! 112 So so! Fräulein, kann man das erfahren, was da für Fleischsorten hineingemischt sind?« – »Gewiß. Das ist Hühnerfleisch (ein bewunderndes »Ah« von seiten des Fragenden) und Pferdefleisch!« – »Mhm! Hühnerfleisch und Pferdefleisch, das paßt gut zusammen. Jetzt nur noch eine Frage, mein Fräulein, in welchem Verhältnis sind denn die beiden Fleischsorten gemischt?« – »Ganz gerecht! Immer ein Huhn und ein Pferd!«

 

»Der Locken Fülle.«

Zwei gute alte Freunde unterhalten sich über ihre Frauen. Der eine sagt: »Meine Frau hat ein wunderbares Haar, wenn sie ihr Haar offen hat, reicht es ihr bis zum Knie!« – »Das ist noch nichts,« rief der andere, »meine Frau erst – ha – wenn wir morgens im Speisezimmer frühstücken, liegt ihr Zopf noch hint' am Nachtkastl!«

 

Ein Unverbesserlicher.

Zwei Bekannte treffen sich; der eine, ein junger Ehemann, sagt freudig: »Du darfst mir gratulieren, heute Morgen hat mir meine Frau einen strammen Jungen geschenkt!« – »Ah, gratuliere, wer ist denn der Vater?« – »Erlaub mal, so eine Frage. Ich sag, daß mir meine Frau einen Jungen geschenkt hat – und du – – –« »Entschuldige vielmals,« unterbricht ihn sein Freund, »ich hab glaubt, du weißt es!« 113

 

Der aufrichtige Apotheker.

Eine alte Jungfer kommt in eine Apotheke und verlangt etwas für ihre kranke Katz. Der Apotheker deutet mit dem Kopf an ein an der Wand stehendes Regal und sagt: »Da nehmen Sie sich, was Sie woll'n!« – »Ja, mein lieber Herr, ich weiß doch nicht, was ich da nehmen darf, was da gut ist für meine arme, kranke Katz?« – Darauf der Apotheker: »Das ist ganz egal, was sie da nehmen, das ist alles für die Katz!«

 

Der eifrige Schutzmann,

Herr Huber geht im Hofgarten spazieren, hinter ihm trippelt ein kleines Hündchen. Ein Schutzmann tritt auf ihn zu und sagt: »Hunde müssen im Hofgarten an der Leine geführt werden!!!« – »Sooo? Danke!« Herr Huber geht weiter. Der Hund hinter ihm drein. Der Schutzmann eilt auf einem andern Weg nach und donnert: »Hunde müssen an der Leine geführt werden!!!« – »Das haben Sie mir schon einmal gesagt, danke bestens!« Herr Huber setzt seinen Weg ruhig fort, der Hund auch. – Der Schutzmann mit großen Schritten hinterdrein: »Jetzt sag ich es Ihnen zum letztenmal, Hunde müssen an der Leine geführt werden!« – »Das hätten Sie mir nicht mehr zu sagen brauchen, ich weiß es schon!« – »Na also. Warum nehmen Sie dann Ihren Hund nicht an die Leine?« – »Meinen Hund? – Ich hab ja gar keinen, – der g'hört nicht mir!« – »Ach was,« meint der Schutzmann, »der muß doch Ihnen gehören, der lauft Ihnen doch immer nach!« – »Ja, wegen 114 dem Nachlaufen,« sagt der Herr Huber, »das beweist gar nichts – Sie laufen mir ja a nach und g'hör'n net mein!«

 

Mizzi, die Erfahrene.

Die Mizzi hat einen neuen etwas schüchternen Liebhaber erobert und macht mit ihm den ersten Ausflug. Sie kommen durch einen Wald. Die Mizzi kennt den Wald von früheren (!) Ausflügen her und flüstert mit gut gespielter Ängstlichkeit: »Du, Max, jetzt kommen wir durch den dichten Wald, aber gell Schatzi, du tust mir nichts?« – »Sei unbesorgt, Mizzi, so etwas tu ich nicht!« – Als sie mitten im Wald waren, fing Mizzi wieder an: »Ach Gott, Max, jetzt sind wir mitten im Wald, jetzt wenn du mir etwas tun würdest und ich tät schreien, kein Mensch würde das hören!« – »Nein, nein, Mizzi, nur keine Angst, von mir hast du nichts zu fürchten!« – Sie gingen weiter, der Wald lichtete sich schon etwas. Da meinte Mizzi: »Max wenn du mir etwas tun willst, dann ist es höchste Zeit, der Wald hört gleich auf!«

 

Das Lügenmaul.

Zwei Handwerksburschen tippeln auf der Landstraße. Der Ältere erklärt: »Da vorn in den ersten Bauernhof gehen wir hinein, da kriegen wir etwas zu essen, der Bauer liebt Unterhaltung, wenn wir da ein paar lustige Geschichten erzähl'n, geht's uns gut, aber das sag ich dir, du darfst nicht so unverschämt lügen, der Bauer ist nicht so dumm, der 115 merkt das gleich.« Darauf der Jüngere: »Weißt, ich merk das gar nicht mehr, wenn ich lüg, das kommt bei mir heraus, ohne daß ich es will. Paß auf, machen wir es so: Wenn ich zu stark aufschneid', dann trittst du mich auf'n Fuß, dann werd' ich die Sache schon wieder guat machen.« – Sie sprachen beim Bauern vor, der lud sie richtig ein, sich niederzusetzen, ließ ihnen eine Suppe hinstellen und unterhielt sich mit ihnen. Unter anderem frug er sie, wie ihnen die neue Kirche gefiele. Da wurde der Jüngere warm: »Die Kirche ist wunderschön, aber da sollt ihr einmal die Kirche von Neukirchen sehn – so eine Kirche sieht man nicht leicht, denen ihre Kirche ist mindestens 600 Meter lang und – – – (Sein Kamerad tritt ihm kräftig auf den Fuß.) Er stockt ein wenig und fährt dann fort: »Ja also, die Kirche ist 600 Meter lang und breit wird's ungefähr a 20 Meter sein!« – »Das is aber a g'spaßige Kircha,« meint der Bauer, »wenn die 600 Meter lang und bloß 20 Meter broat is?« – »Ja,« sagt der Handwerksbursch, »die wär schon breiter word'n, wenn mich der nicht naufgetreten hätt'!«

 

Reden ist Silber – Schweigen ist Gold.

Der Herr Prinzipal sagt zu einem jungen Manne, den er eben eingestellt: »Ich bin kein Freund vom vielen Reden, hier ist Ihr Platz. Ich bin nebenan. Wenn ich Sie benötige, pfeife ich nur, verstanden!« – »Ist mir sehr angenehm,« sprach der junge Mann, »auch ich rede nicht gern. Wenn Sie gepfiffen haben, brauchen Sie nur zu mir hersehen. 116 Nicke ich mit dem Kopf, dann komm ich, mach ich es so (schüttelt den Kopf) – dann komm ich nicht!«

 

Die Mißgeburt.

Ein Baumeister leitet in einem Dorf den Bau einer Kirche. Er wohnt in der Stadt und fährt fast jeden Tag zu der Baustelle. Als er wieder einmal am Bahnhof ist, fällt ihm ein, daß er den Zettel zu Haus liegen ließ, auf welchem verschiedene Notizen über das Kirchenfenster standen. Er sandte einen Dienstmann zu seiner Frau mit dem Auftrag, seine Frau soll alles das, was auf dem Zettel steht, an seine Adresse an die Baustelle telegraphieren. Als er an der Baustelle ankam, fand er den Palier, der ganz verstört auf ihn zuging und mit bewegten Worten sein Beileid aussprach. »Was haben Sie denn, was ist denn passiert?« Der Palier reichte ihm das Telegramm und sprach: »Da lesen Sie selber, was Sie für eine Mißgeburt kriegt haben!« – In dem Telegramm stand folgendes: »Ein Kindlein ward uns geboren, 2 m lang, ½ m breit, grün und blau in Blei eingefaßt.«

 

Er weiß sich zu helfen.

Der Seligsohn hat sich taufen lassen. An einem Freitag kommt wegen einer wohltätigen Sache der Herr Pfarrer zu ihm und sieht auf dem Tisch eine gebratene Gans. Der Herr Pfarrer macht ihm einen Vorwurf, weil er heute Fleisch ißt. »Herr Pfarrer,« sagt Seligsohn, »das is ka 117 Gans, das is a Fisch!« – »Aber Seligsohn, wollen Sie mich anlügen, das ist doch eine Gans!« – »Herr Pfarrer, das war eine Gans. Wissen Sie noch, wie Sie mich getauft haben, da haben Sie mich mit Weihwasser angesprengt und haben gesagt: »Du warst a Jud, du bist a Christ. Du warst a Jud, du bist a Christ. Du warst a Jud, du bist a Christ!« Seh'n Sie, so hab ich's da auch gemacht. Ich hab die Gans mit Weihwasser angesprengt und hab gesagt: »Du warst a Gans, du bist a Fisch. Du warst a Gans, du bist a Fisch. Du warst a Gans, du bist a Fisch.«

 

Die Spanferkl-Partie.

Der Herr Pfarrer hat den Herrn Kooperator und Herrn Lehrer zu einer Spanferklpartie eingeladen. Das Spanferkl stand knusperig gebraten auf dem Tisch, da sprach der Pfarrer zu den beiden: »Jeder darf sich jetzt etwas runterschneiden, er muß aber vorher einen biblischen Spruch sagen, der sich auf die Handlung bezieht.« Der Herr Pfarrer ging selbst mit gutem Beispiel voran: »Und Petrus hieb dem Malchus ein Ohr ab.« Er schnitt dem Spanferkl ein Ohr ab und fing zu essen an. Dann kam der Herr Kooperator. Der sprach salbungsvoll: »Und Johannes wurde enthauptet!« Schnitt dem Spanferkl den Kopf ab. – Zum Schluß kam der Herr Lehrer. Er nahm sein Taschentuch heraus, breitete es auf den Tisch aus, legte das Spanferkl darauf und sprach: »Und man nahm den Leichnam, wickelte ihn in ein Tuch und trug ihn nach Haus« und ging damit heim. 118

 

Anschauungsunterricht.

An einem schwülen Sommerabend saß ein Münchener mit seinem zwölfjährigen Sohn in einem kühlen Wirtsgarten. Gesprochen wurde nicht viel, es war zu heiß und der Vater hatte einen schrecklichen Durst. Plötzlich überrascht der Sprößling seinen Erzeuger mit folgender Frage: »Vatta, an was kennt ma denn dös, wenn ma b'suffa is?« – »Das is ganz leicht,« belehrte ihn der Vater, »paß auf, Schorschl. Da drüb'n an den Tisch, da sitz'n zwoa Herrn, wenn ma dö zwoa für viere anschaugt, nacha is ma b'suffa!« »Ja Vatta, aber da drüb'n sitzt bloß oana!«

 

Der fade Englische Garten.

Die Mutter ruft dem kleinen Micherl: »Komm rauf, wasch dich und zieh dich an, dann gehn wir ein wenig spazieren in den Englischen Garten!« – »I mag net, mir spiel'n Fangamandeln!« – »Du kommst jetzt rauf und ziehst dich an, wir geh'n in den Englischen Garten!«– Der Micherl mault nach: »I mag net, allweil in den faden Englischen Garten!« – Da wird die Mutter wütend: »Du ziehst dich sofort an, wir gehen in den Englischen Garten; sei froh, daß er da is, wenn der Englische Garten net da wär, wärst du auch nicht– du Lausbub!«

 

Der Verfasser des Hamlet.

Bei der Prüfung einer Klasse der Volksschule macht sich der Schulinspektor den Spaß und frägt einen Schüler: »Wer hat Hamlet geschrieben?« Im weinerlichen Ton 119 antwortet dieser: »I hab's net g'schrieb'n!« – Am Abend sitzen die Herren der Prüfung sowie die beiden Lehrer, der Bürgermeister und noch einige Herren der Gemeinde im Nebenzimmer der »Post«. Der Herr Schulinspektor erzählte eben von der köstlichen Antwort auf seine Frage, wer Hamlet geschrieben hat. Ein schallendes Gelächter. Darauf ließ sich der Herr Bürgermeister vernehmen: »Herr Inspektor, i trau ma mein Kopf z'wett'n, er hat's doch g'schrieb'n, der Lausbua!«

 

Der aufrichtige Freund.

Ein junger Ehemann trifft einen Schulfreund, den er jahrelang nicht mehr gesehen hat, lädt ihn zu sich zu einer Tasse Tee ein, um ihm auch seine Gattin zu zeigen. Die Vorstellung ist vorüber, die Frau hat in der Küche zu tun und die beiden Freunde sind allein. »Nun, wie gefällt dir meine Frau?« – »Gefallen? Wenn ich aufrichtig sein darf, mir gefällt sie nicht, der häßliche Mund, der lange Hals – also nehm' mir's nicht übel – aber früher hattest du einen besseren Geschmack!« – »Sie ist keine Schönheit, das weiß ich,« sagte der Ehemann, »aber sie hat innere Vorzüge!« – »Aha. So so. Du, da geb ich dir einen guten Rat, – laß wenden!«

 

Reinfall.

Ein Ehemann kommt spät und angetrunken nach Haus. Vor dem Schlafzimmer zieht er die Stiefel aus und schleicht sich auf den Zehenspitzen ohne Licht zu machen vorsichtig 120 hinein. Unglückseligerweise steht mitten im Schlafzimmer die Wiege, er stößt an die Wiege, läßt die Stiefel fallen, die Gattin wacht durch das Gepolter auf und frägt schlaftrunken: »Was ist denn los?« – Er hat aber die Geistesgegenwart, hält sich an der schwankenden Wiege fest, schaukelt dieselbe und sagt: »Du bist eine schöne Mutter, unser armes kleines Kindchen weint schon über eine Stunde – sei ruhig, Kindchen, dein Papa ist bei dir – du kümmerst dich gar nicht und läßt das Kind schreien, wie leicht kann der arme Wurm eine Lungenentzündung kriegen – sei nur ruhig, Mäuschen, wenn sich auch deine Mama um dich nicht kümmert, dafür bin ich dein Papa – –« Da unterbricht ihn seine Frau: »Hör auf, du Erzschwindler – das Kind liegt schon zwei Stunden bei mir im Bett!«

 

Tonerl übertreibt.

Das Lieschen war mit ihrem kleinen Bruder Tonerl bei der Großmutter. Heimgekehrt, erzählt Tonerl, was er auf der Straße alles gesehen hat: »Mama, ich hab was geseh'n!« – »So, na was denn?« – »Zwei Esel, einer der war ganz klein, so klein wie die Liesl. Der andre aber, der war groß, der war so groß wie der Papa!« Darauf die Mutter: »Das glaub ich nicht, so 'nen großen Esel wie der Papa gibts ja gar nicht!«

 

Heinrich, der Starke!

»Du, Heinrich, sag mir einmal, ist das bei dir auch so wie bei mir, ich hab zu Haus gar nichts zu sagen, meine 121 Frau regiert das ganze Haus – ich bin der Herr Niemand!« – »Ja, lieber Freund,« sprach Heinrich mitleidig wohlwollend, »da bist du selbst schuld. So etwas muß man von Anfang an energisch bekämpfen. Bei mir ist alles eingeteilt. Meine Frau hat die Kasse, regiert die Kinder, befiehlt über die Dienstboten, und ich – bestimme über die Goldfisch und den Kanarienvogel!!«

 

Auszug aus einem Kassabuch.

(Die hier angeführten geschäftsmäßig trockenen Eintragungen erzählen einen kleinen Roman.)

24.  April:  Inserat (Stenotypistin gesucht. Angebote unter »Anspruchslos«)  M  220
1. Mai: Gehalt Schweiger " 12 000
6. " Neue Schreibmaschine " 240 000
8. " Besserer Kontorstuhl für Fräulein Schweiger " 15 000
10. " Blumen für Frl. Schweigers Tisch " 200
15. " Pralinés für Frl. Schweiger " 320
18. " Blumen für meine Frau " 18
20. " Kinokarten für Frl. Schweiger " 240
22. " Geschäftsbluse für Frl. Schweiger " 5 000
24. " Autotour mit Frl. Schweiger " 18 000
26. " Brillantring für meine Frau " 320 000
26. " Kleiderstoff für meine Schwiegermutter " 60 000
27. " Inserat (Stenotypistin gesucht. Angebote unter »Reiferes Alter und gesetzt«) " 220

 

Wen geht's an?

Ein Gutsbesitzer in einer entlegenen Gegend, Junggeselle, erhält unverhofft ein Telegramm, daß ihn seine Braut besucht. Er fährt gleich selbst zur Bahn. Die beiden Jucker, die schon einen Tag im Stall gestanden, werden eingespannt. Sie sind sehr übermütig, lassen sich nur mit Mühe einspannen. Als er die Zügel in die Hand nimmt, stürmen sie schon hinaus, hätten bald das Hoftor mitgenommen. Da wird er wild, nimmt die Peitsche, haut ihnen ein paar kräftige hinauf und schimpft: »Ihr Racker, ihr verfluchten, warum seid ihr denn gar so narrisch? Habt ihr das Telegramm kriegt oder ich??« 123



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