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Ostfrieslands topographischer Volkshumor

I. Harlerland.

Diese nordöstliche Landschaft des Regierungsbezirks Aurich umfaßte in alten Tagen die Herrschaften Esens, Stedesdorf und Wittmund, denen unter hannoverscher Regierung der Gau Östringen oder das Amt Friedeburg zugelegt wurde. Das Ländchen trägt seinen Namen von einer der Leden oder Leiden, d. h. einem der Wasserzüge, die vom Har oder dem Sumpfe des Hochmoors zum Meere abfließen. Es ist wahrscheinlich, daß die namengebende Harlede jenes Flüßchen ist, das im Amte Wittmund seinen Lauf hat, bei Herlitz (Herleeds) entspringt und zwischen Wangeroog und Spikeroog ausmündet. Einer Upsteder Herlede bei Burhafe, das später trockengelegte und kultivierte Abenser Meer, wird 1452 im Testament des Hedde Houwen Kankena erwähnt. Es gab anfänglich eben viele Harleden. – Die Harlerlander weichen in Sprache, Sitten und Gebräuchen von den westlichen Ostfriesen bedeutend ab.

Das Necken und Spotten wird hier trotz des offnen, leichten Sinnes unterm Volke nicht immer ganz harmlos betrieben, und bei dem geschlossenen Auftreten der Dorfschaften ist man nicht ganz sicher, daß bei Gelegenheit eine Reiberei ins Handgemenge umschlage. In früheren Jahren soll es, einem zuverlässigen Berichterstatter zufolge, dabei selbst zum »Blôtdelen« gekommen sein.

Im Harlerlande necken sich die verschiedenen Landstriche wie auch die Ortschaften untereinander, indem sie die Einrichtungen, Sitten, Gebräuche, Hantierungen, Ereignisse oder das Hervorkommen und Auftreten, wie auch die etwaigen Gebresten und Schäden aufs Korn nehmen. Da die Sprache fast eine einheitliche ist, so kommt diese nicht in Betracht, wenn man sich gegenseitig kitzelt.

Von den Norderländern, die ursprünglich mit den Harlerländern in einem Gauverbande standen, werden letztere Stußlanners, und Harlerland das Stußland, (Land der Klötze, Stubben oder Hölzer?) genannt. Über den sonderbaren Namen hat man bis heute keine Klarheit. Nach einigen soll er aus dem Jüdischen stammen, nach andern eine Entstellung aus Stutzland sein. Beides ist jedoch unwahrscheinlich.

In Ostfriesland neckt man die Harler mit ihrer »grünen« Sprechweise und treibt ihnen die auffallenderen Ausdrücke gern nach, z. B.:

 

harl. Hünnen ostfr. Hunne für Hunde,
" Müse " Musen " Mäuse,
" Hüse " Husen " Häuser,
" Böme " Bomen " Bäume

und andere mehr.

 

Man sagt auch den Leuten »üm de Oost« nach, daß sie viel und hoch spielen sollen und führt zum Beweise dafür die sprichwörtlichen Redensarten vom Spieleinsatz an:

Dree Kaart', dree Sack Weit' (Weizen);
oder: Dree Kaart', dree Ossen.

Unter sich utzen die Harler einander in folgenden Redensarten:

1. Aardorf (Kirchspiel und -Dorf, südwestl. von Wittmund):

Aardörp, naar Dörp; –
unfruchtbare, schlechte Gegend.
Dat 's de Aardörpers hör Not,
's Winters gien Botter un 's Sömmers gien Brot.

2. Abens (Dorf im Kirchspiel Burhafe, nordwestl. von Wittmund):

Abenser Deefe; – (vgl. unter Burhafe),
Diebe; Vers aus einem alten sogen. »Karspelleed«.

3. Akkum (Kirchspiel und -Dorf Westerakkum, westl. von Esens):

Wat is d'rn Wind in Westerbur,
Wat is d'rn Staat in Akkum; –

luxuriöser Aufwand an Schmuck und Kleidung. Ein Vorwurf, der von der benachbarten ärmem Geest ausgeht. In der Tat ist das Kirchspiel Akkum (A-heim) ein sehr wohlhabendes, das Kirchdorf ein stattliches zu nennen.

Akk'mer Buhskohlskoppen;

doppeldeutig auf die Akkumer selbst wie auf den dort seit Jahrhunderten eifrig und im Großen betriebenen Weißkohlbau. In Aurich weiß man, daß der Akkumer Kopfkohl »so sööt as 'n Nööt (Nuß)« ist. Es heißt darum eine Scherzfrage:

Wat is söter, as 'n Akk'mer Buhskohl?

Die Antwort lautet:

'n söte Akk'mer Därn (Mädchen).

4. Asel (Kirchspiel und -Dorf östl. von Wittmund):

AselerGanten;

Gänseriche; die nördlichen Nachbarn, s. Nr. 11. – Die sumpfige Gegend läßt starke Gänsezucht zu.

5. Barkholt (Dorf im Kirchspiel Ochtersum, südw. von Esens):

Haid' is d' Barkholterseerst' Freid';

Als Haidenbewohner sollen die Barkholter ehedem Haidrasen (Plaggen, Placken) zur Feurung benutzt haben. Dem Glimmen des Rasentorfs geht das lustige Aufflackern des Haidestrauches voran.

Barkholter Schotthasen;

Barfüßler, Schott- oder Schörthasen sind Strümpfe ohne Föddel (Fußling) oder Socken (vgl. engl. short = kurz).

Barkholter Erdmanntjes;

doppeldeutig auf die Barkholter wie auf die in einem benachbarten Hügel (Barg) hausenden sagenhaften Erdmännchen oder Wichte. – Der Sage zufolge haben dieselben ihr »Manntje« oder den König in einem halben Holzschuh (Klump') von Hage in großem Aufzuge eingeholt.

6. Berdum (Kirchspiel und -Dorf, nördlich von Wittmund):

Ber'mer Släpers;

Schlittenkufen (ostfr. auch Slitters); der Sage zufolge sollen die Berdumer einst nach einem solennen »Dodenbeer« die Leiche anstatt auf einem Leichenwagen auf Schlittenkufen zum Kirchhofe transportiert haben. – Einer andern Lesart nach sei dieses wegen der grundlosen Kleiwege geschehen. – Die Pantomime des Schleppens oder Schleifens gilt den Berdumern als eine arge Beleidigung.

7. Burhafe (Kirchspiel und -Dorf, nordwestl. von Wittmund):

In dem unter Nr. 2 erwähnten Karspelleed heißt es:

Dun'mer dicke Deuters,
Nägenbarger Fleuters,
Warnsater Junkers,
Burhafer Prunkers,
Abenser Deef',
Upstäders loopt mit Zädels un Breef';

Prunkers, Leute, die vielen Aufwand machen, (vgl. auch Nr. 3), hochfahrende Leute.

Burhafer Foßkutt';

Der große Feldstein (Flint') am Kirchhofe daselbst, dessen Höhlung die genannte Form haben und die von dem in einen Fuchs verkappten Teufel herrühren soll, als er einen Karfreitagsjäger foppte.

8. Buttforde (Kirchspiel und -Dorf, nordwestl. von Wittmund):

Buttfoorster Filler;

Abdecker; eine Spitzmarke wie Nr. 6. – Der Sage nach soll ein Filz am Sonntage auf öffentlichem Wege ein krepiertes Stück Vieh (Luder) abgehäutet haben und so einer Berdumer Brautfahrt zum Ekel geworden sein.

9. Carolinensiel (Kirchspiel und -Dorf, nördlich von Wittmund):

C'rliner Klockendeef';

Glockendiebe; die Carolinensieler sollen einmal aus dem Esener Turm eine Glocke gestohlen haben und dieselbe, weil ihnen die Eigentümer auf der Fährte waren, nahe bei Carolinensiel in einen Kolk (Teich), Waal genannt, versenkt haben.

C'rliner Wind; (vgl. Nr. 3 und 7).

10. Dunum (Kirchspiel und -Dorf, südl. von Esens):

Das Karspelleed sagt davon (vgl. Nr. 7):

Dun'mer dicke Deuters;

Deut, die kleinste Münze, fig. das Geringste, dicke Deuters also die Pfennigreichen.

Dun'mers up busklären Schoh;

die Dunumer sollen dem früheren benachbarten Klostergute Schoo zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet gewesen sein; busklären Schoh = buschlederne, also hölzerne Schuhe, Holzschuhe.

11. Eggelingen (Kirchspiel und -Dorf, nordöstl. von Wittmund):

Eggeler Göse;

Gänse; die südlichen Nachbarn siehe Nr. 4.

Eggeler Kantsitters;

Randbewohner; wahrscheinlich weil Eggeln auf der Grenze (Kante) des Harler- und Wangerlandes liegt.

12. Eilande (die Inseln Spikeroog und Langeoog im Wattenmeer nördlich vor dem Harlerlande).

Die Eilanners werden von den Festlandern als dumm und einfältig verschrieen. Bei der früheren Abgeschlossenheit der Insulaner und ihrem enggezogenen Wohnkreise blieb namentlich der weiblichen Bevölkerung vieles fremd und unbekannt, was dem Festlander alltäglich war. Daher wurden (und werden) die Eilander, wenn sie zum Festlande (fast' Wall) herüberkamen, ihrer einfältig scheinenden Fragen und Äußerungen halber überall zur Zielscheibe des Spottes genommen.

Man erzählt sich von den Eilandern:

a)
Ein Insulaner kommt mit seinem Sohne (lange Beenert, der Beinlange) nach Funnens. Letzterer ist von den Wundern des Festlandes, die er zum erstenmal erblickt, völlig übermannt. Er deutet hastig auf ein bockhüpfendes Kalb und fragt mit ungeheucheltem Verwundern:

Vader, wat 's dat för 'n grate Piepvägel?

b)
Eine Insulanerin schlägt beim Anblick einer sausenden Windmühle die Hände zusammen und bricht in die Worte aus:

Härenk (Herrgott), wat 'n grate Haspel! Sie
hatte die Mühle für eine Garnwinde gehalten.

c)
Eine andere hört den Kuckuck rufen, da stößt sie in der eigentümlichen Betonung der Eilander die hastige Frage aus:

Watt segg de K(i)äll (Kerl)?

d)
J. Cadovius-Müller, Pastor zu Stedesdorf († 1725), erzählt in seinem friesischen Idiotikon: Ein Wrangerooger ging in der Dämmerung auf die Strandsuche und meinte, einen Wiem mit Fleisch erbeutet zu haben: als er aber das Fleisch abnehmen wollte, sieh, da war es ein Galgen mit einem Diebe daran; da sprach er:

Näi, sülk Fleesk habb wi hier sülfst genoog! d. h.
Nein, solches Fleisch haben wir hier selber genug!

e)
Derselbe führt von der Einfalt noch folgendes Histörchen an: Ein Eilander kam in eine Kirche und sah auf einem Gemälde, welches die Schöpfung darstellte, auch eine Katze stehen; verwunderte sich und sagte:

Gung hier di Muushunn' ook in di Tzierk? d. h.
Gehen hier die Maushunde (Katzen) auch in die
Kirche?

f)
Die Dreizahl füllt er mit dieser Erzählung: Ein anderer Eilander Kerl kam in eine Kirche und sah den Gekreuzigten hängen, segnete sich und sprach:

Du liafe
Mann, is hier so 'n bös Volk, dat se di habben dode
slajn un in di Tzierk uphongi? d. h. Du lieber Mann,
ist hier so ein böses Volk, daß sie Dich haben totgeschlagen
und in der Kirche aufgehängt?

Es heißt darum auch im allgemeinen von den Eilandern, sie seien söven Sträk' güntkant d' Minskheit junk worden; also keine Menschen wie die andern, sondern eine besondere Art von Geschöpfen, die nur annähernd der Menschheit gleichen, da sie sieben Kompaß-Striche jenseit der Menschheit geboren werden.

Diese Ausnahmestellung wird denn auch in folgendem Stoßseufzer der Insulanerinnen bestätigt: 't geit der narns maller her as in d' Welt un up't Eiland, wonach das Eiland außerhalb der Welt liegt; desgleichen in einem [Stoßseufzer], andern:

Haaskemö, mien leefe Kind! wat is't 'n Eilandsleven!

Der Gang der Eiländer liefert Stoff zu dem Spottbilde:

Achternanner an as d' Eilanners un d' Göse.

Will man den Eilander härter treffen, so heißt es:

Schipp up Strand! Schipp up Strand!

Es soll nämlich eine Strandung erfolgt sein, während die Insulaner dem Gottesdienste beiwohnten, der bei diesem Rufe durch sofortiges Ausschwärmen aller Andächtigen sein plötzliches Ende fand. – Eine zweite hierauf bezügliche Anekdote läßt einen in den Himmel unversehens hineingeratenen Eilander, der dort durch seine Seemannsmanieren und lästerlichen Redensarten allgemeinen Aufstand erregte und des verlegenen Petrus Aufforderung zum Verlassen des Saales mit derben Flüchen beantwortete, auf diesen Alarmruf spornstreichs davoneilen.

13. Esens (Stadt, nordöstlich von Aurich):

Hottentotten;

so nennt man in Wittmund die Esenser, doch kann diese Benennung wohl nicht sehr alt sein.

Baar van Esens;

Der Bär im Wappen der Stadt, ursprünglich das sogen. redende Wappen der Attena von Berum, deren letzte Sprossen Herren von Esens waren. Die Sage weiß, daß der Bär auf folgende Art ins Wappen gelangte: Als einst der kriegslustige Junker Balthasar von Esens († 1539) in seiner Feste belagert wurde, war darin die Not sehr hoch gestiegen. Nun hielt der Junker sich einen Bären, der im Kriegslärm seinem Zwinger entwich und die Turmstiege hinankletterte. Oben richtete er sich an der Brüstung empor und zeigte sich solchergestalt den Belagerern, die da meinten, wenn Esens noch solche schwarze Bestien ernähren könne, so müsse es mit dem Aushungern weit hin sein, und darauf abzogen.

Üm half dartein Ür (Uhr) is Ketellapper to Esens
ut gahn;

ein dort eingezogener Zigeuner entsprang auf unbekannte Weise; figürlich wendet man diese Redensart auch auf einen durchgebrannten Insolventen an.

14. Etzel (Kirchspiel und -Dorf, südöstlich von Wittmund; gespr. Eetsel, ursprünglich wohl sächsisch Ekel, die

Ansiedlung im Eichenholz an der E oder A, die früher als
nicht unbedeutendes, noch 1608 schiffbares Gewässer hier vorbei
zur Jade führte:

Eets'ler Timptoorn;
hoher, spitzzulaufender Turm; ein solcher soll hier vor Zeiten den Schiffern auf der Jade als Wahrzeichen gedient haben; zurzeit ist gar keiner vorhanden.

Eets'ler Seerover;

Seeräuber; – die Jade und Made waren vor Jahrhunderten Nebenarme des Weserdeltas und vorzügliche Schlupfwinkel für Piraten, die bei den Häuptlingen gute Aufnahme fanden. Ob gerade Etzel sich an der Piraterie beteiligt habe, ist historisch bisher nicht nachgewiesen (siehe Nr. 19).

15. Friedeburg (urspr. Dorf Endel, nach dem frühern Schloß und Festung von 1359-1763, südl. von Wittmund):

Frä'börger Neestadt:

Neustadt; scherzhaft für die im früheren Schloßbezirk aufgeführten Bauten; eine Anspielung auf die benachbarte Neustadt beim Schlosse Gödens.

Ruse, muse!

Ruse, muse,
Malk (Elk) seh to sinem Huse!

d. h. wenn's drunter und drüber geht, sehe Jeder zu seinem Hause. – Als Graf Gerhard von Oldenburg im Jahre 1463 die Grenzfeste Friedeburg verräterischerweise durch einen Handstreich in seine Gewalt bringen wollte, sang er beim fröhlichen Zechgelage diese Worte als Losung für seine des Überfalls gewärtigen Mannen, worauf der Burgherr Cirk Kankena seine bis dahin versteckt gehaltene, wohlgerüstete Burgmannschaft mit blanker Waffe vortreten ließ und des also überlisteten Grafen Anschlag vereitelnd ihm spottend zurief: Gnädige Herr van Oldenburg, weset tofrede und sehet to juwen eegen Huseren, dat mine is all wall vorwaret!

16. Funnix (Kirchspiel und -Dorf, nördlich von Wittmund; – gespr. Funnens, Funks; ursprünglich wohl Fünen, Fünese, wie das benachbarte wangerländische Funnens eine Nese, Nase, Vorsprung des Landes zur See):

Funkser Weislabbers:

Molkentrinker; Anspielung auf Sünigheit = Sparsamkeit.

17. Geest (Gaste, Gerstenland; Sandboden im Gegensatz zum lehmigen Klei- oder Marschboden):

Licht Land, lose Lü;
Sware Klei, grave Ossen;

d. h. leichter Boden gibt kluge Leute, während der schwere ergiebigere Klei stolzes, grobes Volk großzieht.

18. Holtriem (der früher stark beholzt gewesene Sandstrich oder die Gaste westlich und südwestlich von Esens, im Gegensatz zum Kleistrich Seeriem nördlich und nordöstlich von der Stadt):

Holtriemer Knüppels;

die mannhaften, derben Bewohner des Holtriems von Holtgaste bis Westerholt tragen diesen doppeldeutigen Namen wegen ihrer zum strammen Dreinhauen früher stets bereitgehaltenen Knüttel, die auf Ausgängen mittelst eines oben durchgezogenen Lederriemens fest ans Handgelenk verbunden wurden. Figürlich sind dann die Holtriemer selber solche Prügler.

Holtriemer Stüverkrieg;

eine historische Fehde wegen Steuererhöhung. – Daß die Holtriemer ihre Knittel nicht nur auf Märkten, Schützenfesten und bei andern Gelegenheiten wacker zu handhaben wußten, ist in der Lokalgeschichte Harrellands genugsam bezeugt. Als ehemalige Krieger der Herren von Esens haben sie sich bis in die Gegenwart hinein einen kriegerischen Geist bewahrt.

Nach Wiarda's Ostfr. Geschichte, Bd. X, Abt. 2, Seite 530 ff., fand der Stüverkrieg im Jahre 1809 folgenderweise statt: Unter damaliger holländischer Oberherrschaft verursachten die neuen ungewohnten und lästigen Abgaben, sowie die Grobheit und das stolze, oft auch ungerechte Benehmen der fremdländischen Steuereinnehmer und Kommisen viele Exzesse und tumultuarische Bewegungen (so in Dunum, Westerakkum, Dornum, Rauderfehn usw.), am schlimmsten in Esens. Hier wurden zehn Steuerbeamten die Häuser demoliert. Wie ein Bauer, als Haupträdelsführer, arretiert und ins Gefängnis geworfen war, zogen am folgenden Tage, den 1. März, ungefähr 100 Bauern in Esens ein. Diese stürmten erst das Haus des Oberamtmanns, darauf das Amthaus, erbrachen das Gefängnis, befreiten den Arrestanten und führten ihn im Triumphe mit sich nach Barkholt, seiner Heimat. Als am 3. März ein Militärkommando nebst Gerichtsdienern nach Barkholt marschierte, um den Bauer wieder aufzuholen, rotteten sich ungefähr 400 Bauern zusammen und leisteten Widerstand. Indessen wurde der ungeregelte Haufen bald zerstreut und bis Ochtersum verfolgt, wobei man 24 Bauern ergriff und gefangen nach Esens führte. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe wurden vier Brigaden Gendarmen nach Esens verlegt, die Gewehre der Holtriemer eingezogen und eine Untersuchung angestellt. Letztere verlief im Sande und trat damit die Ruhe wieder ein.

Der Stüverkrieg lebt noch heute im Munde des Volkes, welches sich davon erzählt: Der Bär von Esens (damaliger Kommisenkommandeur de Baer daselbst) hatte befohlen, daß jeder Holtriemer einen Stüver (holländisch-ostfriesische Münze) mehr an »Koppschatt« (Kopfsteuer) zahlen solle. Ein Barkholter alter Bauer verweigerte die Zahlung und wurde deshalb arretiert. Auf diese Nachricht rotteten sich die Holtriemer zusammen und zogen zur Nacht auf Esens los. Ein Zimmermann, Remmer aus Schwindörp, schlug mit der Axt die Türen des Amtshauses ein, worauf der Alte befreit und mitgenommen wurde. Nun ging der Sturm in der Stadt los und alle Häuser der »Blankknopen« (Steuerbeamte) wurden gestürmt. Der Esenser Oberamtmann legte sich ins offne Fenster und rief: »Kinder, Kinder, bedenkt, was ihr tut!« – Ein Bauer legte darauf das Gewehr an, schrie: »Dar, wullt ook een?« und schoß ihm an der Nase vorbei, worauf das Fenster niederlassen und flüchten eins war. – Als bald hernach ein Regiment Soldaten den Holtriem betrat, war alles ins Hochmoor hinein geflüchtet, in Ochtersum fanden sie nur eine alte 90jährige Frau noch vor. Als der Soldatenzug bei Barkholt vorübergeht, liegen zwei Bauernbursche hinterm Busche und feuern, worauf das Militär sich eiligst zurückzieht. Als das die andern Bauern sehen, kommen sie heran, und nun schießen sie auf das Militär ein, welches ganz bis nach Esens retiriert. Hätten übrigens die Soldaten irgend in einem Hause etwas zerstört oder geraubt gehabt, so wäre ihnen blutige Rache angetan worden. – Andere Einzelheiten finden sich an verschiedenen Orten im Gedächtnis.

19. Horsten (Kirchspiel und -Dorf, südöstlich von Wittmund):

Ga na Hörsten un lehr't Bäden;

Beten lernen; weiteres ist unbekannt geblieben.

Hörster Seerover;

Seeräuber (siehe Nr. 14), Etzel ist Nachbardorf. Nach Reershemius Ostfr. Prediger-Denkmal (1796), Seite 357 und dem Nachtrage dazu (1823), Seite 163, klagten die Emder Kaufleute um 1599, daß die ihnen von dem Seeräuber Thomas geraubten Güter durch die Horster Bauern und den Pastoren, Rippe Strömer, verborgen gehalten würden.

Horster Ührwark;

die Sage weiß, daß ein weitbekannter Horster Dorfprophet, der auf der ostfriesisch-oldenburgischen Grenze im »Wachthuus« wohnte, einst Horsten den Untergang im Feuer prophezeite, wobei die Turmuhr nächtens zwölf schlagen werde. Um nun diesem grausen Schicksal vorzubeugen, beschloß man, das Uhrwerk abzunehmen, damit es nicht schlagen könne, und so ist es noch heute.

Wachthuser;

der vormals lebende Horster Seher im Wachthause auf der Grenze, dessen Prophezeiungen allbekannt waren (und sind).

20. Jade (Fluß und Meerbusen, östl. von Friedeburg):

Ick wull, dat du in'e Ja dreefst;

in der Jade triebest; als Verwünschung; ähnlich: – dat du up 'n Blocksbarg weerst; – dat du up'e Spitz' van d' Maienhofer Toren sattst; dat du wast, war de Päper waßt; – dat du up 'n Kattrepel stunnst; u. a. m.

21. Isums (Dorf im Kirchspiel Leerhafe, südlich von Wittmund):

Is'mer Blaffers;

Köter, Beller; fig. Großmaul, Lautsprecher.

22. Klei (Marschboden im Gegensatz zum Sandboden oder der Geest, Gaste):

Sware Klei, grave Ossen;

vgl. Nr. 17; schwerer Boden zeugt massige Ochsen.

23. Langeoog (Insel im Wattenmeer, nördl. von Esens):

Beim »Gangspill« sangen früher die Matrosen:

Wangeroog du Schone,
Spikeroog du Krone,
Langoog dat is 'n Botterfatt,
Balterm is 'n Sandstatt,
Nördernee dat Roverland,
Juist is dat Toverland,
Börkmers melkt de Köj'
Un schiet't hör Brand;
Röttemoog dat Eierland,
Münkenoog dat Beierland;
De Amelander Schalken
Hefft stahlen dree Balken
's Avens in de Maneschien,
D' Galge schall hör Wapen sien;
Terschelleng steit 'n hoge Toorn.
't Vlieland heff sien Nam' verloorn,
Tessel liggt in't Seegatt,
De Lü van d' Heller seggt datt.

Wenn's dem Vorsänger beliebte, so ließ er dieser oder jener Insel mehr Wert oder Unwert zukommen, namentlich wenn er selber von einer durch Spott betroffenen Insel herkam. So hieß es bei Baltrumer Schiffern:

Wangeroog hett 'n hoge Toren,
Spikeroog hatt sien Nam' verloren,
Langoog is noch watt,
Balterm is 'n klene Statt,
Nördernee frett sick half satt,
Up de Juist
Bünt alle Köje güüst,
Un kaam wi hen na Börken,
Dar stäkt se uns mit Förken.

Noch andre Abweichungen sind zu finden bei Kern und Willms, Ostfriesland. Land und Leute im Sprichwort (1869), Seite 14 und 15, sowie im Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, V. Jahrg. (1880), Nr. 6, Seite 70-71, wo Jahrg. VI (1881), Nr. 1, Seite 2-4, auch eine Besprechung des Inselreims zu finden ist.

Wenn es oben heißt, daß Langeoog ein »Butterfaß« sei, so kann dies nur Bezug haben auf die verhältnismäßig großen Weidegründe dieses Eilandes.

Dat is in't grote Sloop verlaarn:

d. h. das ist im großen Durchriß der Dünen verloren gegangen; wobei unbestimmt bleibt, was denn dieses Verlorne sei, ob Haus, Schiff, Land oder Leben?

Up 'n Backschöttel van't Langoog na't
Spikeroog to langen;

nämlich das Brot; die Sage, und zwar schon um 1650 von Ulrich von Werdum verbucht, will, daß die Inseln in alter Zeit einander so nahe gelegen haben sollen, daß man sich das Brot auf einer Backschaufel über die Priel' oder das trennende Gewässer habe zureichen können. Dasselbe wird auch von Nordernei und Baltrum erzählt. Zur Zeit des römischen Militärbeamten Plinius († 79 n. Chr.), der die Küste aus eigener Anschauung kannte, gab es zwischen Ems und Weser erst drei Eilande, Borkum, Osterende (jetzt Nordernei), und Akkania (die zwischen den Festlandsorten Akkum bei Dornum und in der Herrlichkeit Kniphausen an der Jade der Küste parallel laufende lange ungeteilte Nehrung).

24. Marienkamp (ehemaliges Kloster, nördlich von Esens):

Dat spöökt, as to 'n Marienkamp;

Spuk; – von den meisten Klöstern wird etwas Spukhaftes erzählt.

25. Moor (Torfboden im Gegensatz zu Geest und Klei):

Die Bewohner heißen:

Moorhahntjes, Moorhahnkes;

Moorhähnchen; fig. aufsässige, leicht gereizte Leute; – früher gab es in den Mooren Ostfrieslands viele Moorhühner oder Birkwild ( Tetrao tetrix), so daß noch vor 60 Jahren die Torfgräber deren Eier zu ihren Pfannkuchen verbrauchten. Die Hahnentange zu Westrhauderfehn hat ihren Namen von diesem Vogel. In Herquet's Miscellen findet man einige Angaben über den Abschuß des Moorhahns, Seite 228. Zurzeit (1870) kommt der Vogel nur noch vereinzelt im Moor bei Friedeburg und Hasselt vor. Nach 1870 mehrt er sich.

'n Kerl mit 'n Bookweiten-Jikkert;

ein Mann mit einer buchweizenen Jacke; die Kleidung der ärmlicheren Moorkolonisten ist von so grobem Draht, daß dieselbe körnig erscheint und bei ihrer bräunlichen Färbung Ähnlichkeit mit dem Buchweizen gewinnt.

'n Bookweiten-Schubbert;

ein Buchweizen-Pfannkuchen; die Kost der Moorbewohner bei günstiger Buchweizenernte, eine zwar schwer verdauliche, aber auch kräftige Kost, »de bi 'n Mann steit«; fig. der Moormann selber.

26. Negenbargen (Dorf im Kirchspiel Burhafe, westlich von Wittmund):

Nägenbarger Fleuters (siehe Nr. 7);

Flötenspieler, Pfeifer; der früher armselige Ort soll seine Bewohner kaum das zum Leben erforderliche tägliche Brot haben gewinnen lassen, so daß man öfters anstatt mit einem kräftigen Abendbrot sich mit einem Mundvoll »Fleuten« abspeisen mußte.

27. Nöttens (Hof im Kirchspiel Leerhafe, südlich von Wittmund):

Gah na Nöttens un lehr't Gösewaren;

d. h. Geh' nach Nöttens und lerne das Gänsehüten; (vgl. Nr. 4 und 11 als Nachbarschaft.)

28. Roggenstede (Kirchdorf, westlich von Esens):

Liek to, liek an, as d' Düfel na Roggstä;

d. h. grade aus, wie der Teufel nach Roggenstede.

Zu Roggstä muß es in alten Tagen nicht geheuer gewesen sein, da sie einmal in der Kirchtür längere Zeit den Teufel mit Hörnern, Schweif und Klauen stehen sahen. Die Roggsteder sagen freilich, dies sei zu Westerholt geschehen. – Das Sprichwort erinnert auffallend an den überall bekannten Reisespruch der Hexen:

Liek ut, liek an,
Nargens an,
Na 'n Blocksbarg!

Daß in dieser isolierten Gegend der »Biglowe« sehr stark vertreten war, ist aus der großen Anzahl uns daher mitgeteilter Hexen- und Spukgeschichten, Erzählungen von Erdmanntjes, Waalrüters, Wärwölfen, Gangers und Vorspuk zu erkennen.

29. Spikeroog (Insel im Wattenmeer, nordöstlich von Esens):

Im Inselreim Nr. 23 heißt es

Spikeroog du Krone;

die Krone der Eilande; andererseits:

Spikeroog hett sien Nam' verloren;

was allerdings der Fall ist, da es in vorchristlicher Zeit mit Langeoog und Wangeroog zusammen das Eiland Akkania ausmachte. Von Baltrum (Baltring noch um 1590) lebt noch im Volksmunde ein älterer Name Beermeroog, d. h. das Eiland nördlich von Berum, worüber näheres mitgeteilt ist in der Zeitschrift: Am Urds-Brunnen (Redaktion H. Carstens in Dahrenwurth bei Lunden, Prov. Schleswig-Holstein), 1. Bd., Heft 6 Seite 12-14. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch das später aus dem Nehrungsverbande ausgeschiedene Spikeroog einen von einem Festlandsorte entlehnten Namen getragen habe, der mit der Niederlassung der Dänen in Friesland (Rüstringen und Wangerland) verändert wurde. Denn nach einer von Lehrer Willms-Schott während seiner Amtszeit auf Spikeroog niedergeschriebenen Inseltradition sollen die Dänen auf der Insel Spiker oder Speicher, entweder Zoll-, Zins- oder Vorratshäuser errichtet haben, wovon man den Namen ableitete. An die Dänenzeit erinnert auf dem gegenüberliegenden Festlande noch ein und der andere Ortsname (Funnens, die Holme, Tetens, Quarens, Kippens u. a. m.), wie man in Norden die Teelach auf unberechtigte Weise dahin ableitet.

Sandbackeree;

scherzhaft für die ganze Insel.

30. Stedesdorf (Kirchspiel u. -Dorf, östl. von Esens):

De is van Sted'sdörp, hett twee
Paar Strümp an;

zwei Paar Strümpfe, wird auf Eitelkeit gedeutet, doch ist dies wenig wahrscheinlich; eher könnte man an Gamaschen (Socken) über den Strümpfen denken.

31. Thunum (Kirchspiel und -Dorf, nordöstlich von Esens):

Thun'merBockhexen;

der Sage nach sollen die Thunumer einst ihre Katzen für Hexen angesehen haben, die ihr Unwesen auf dem Bocke oder First der Häuser trieben; das Wort ist eine Spitzmarke wie Nr. 6 und 8

32. Uppum (Dorf im Kirchspiel Fulkum, westlich von Esens):

't geit all na Uppum;

Wortspiel: es geht alles auf; wird alles verzehrt.

33. Upstede (Kolonie im Kirchspiel Burhafe, westlich von Wittmund):

Upstäders loopt mit Zädels un Breefe;

vgl. Nr. 7; sind Kollektanten, Bettelleute mit Flebben oder selbstangefertigten Ausweispapieren.

34. Utgaste (Dorf im Kirchspiel Esens, westlich von Esens):

Uhtgast, holt fast;

halt fest; augenscheinlich dem Reimbedürfnis entsprungen.

35. Wallum (Dorf im Kirchspiel Werdum, nordöstlich von Esens):

't geit in, as't Bäden to Wallum;

Wortspiel: es geht ein oder hört auf, wie das Beten in Wallum aufhörte; und: es kommt hinein oder kommt dahin, wie das Beten nach Wallum kam. Ursprung unbekannt, im Jeverlande heißt es von Minsen ebenso.

36. Warnsath (Dorf und früherer Häuptlingssitz im Kirchspiel Burhafe, westlich von Wittmund):

Warnsater Junkers;

vgl. Nr. 7; als Häuptlinge von Burhafe sind um 1450 die Kankena bekannt, nach 1700 lebte zu Warnsath eine adlige Familie von Winsheim.

37. Werdum (Kirchspiel und -Dorf, nordöstlich von Esens):

Wer'mer Wurstbidders;

nicht Wurstbeißer oder Bieter auf Wurst, wie einst erklärt wurde, sondern Bittende um Wurst. Da abweichend von den andern Gemeinden sich zu Werdum die Sitte erhalten hatte, daß die Dorforgane, Küster und Kalkant, Nachtwächter oder Horenblaser und Totengräber oder Kuhlengraver zu Neujahr nach Würsten gratulierten, so wurden sie damit zum Gespötte der Umgegend.

Wer'mer Schinken;

die Sage weiß, daß auf der Burg zu Werdum bei einer Belagerung durch die Mansfelder um 1622 große Not herrschte. Um die Belagerer zu täuschen, steckte man den letzten Schinken auf eine lange Stange und schob ihn als Zeichen der üppigen Verproviantierung hoch zum Schornstein hinaus, wobei man lustig sang und jubelte, als feiere man da drinnen ein großes Bankett. Der Mansfelder zog darauf ganz enttäuscht ab; der Schinken aber ward zum währenden Gedächtnis bis heute aufbewahrt (vgl. Nr. 13).

38. Werdumer alte Grode (der See abgewonnener Anwachs im Kirchspiel Werdum, nordöstl. von Esens):

Kummerhusen un Kalversträäk;

einzelne Häuser der Grode; mit Anspielung auf Kummer und Kälber benannt.

39. Westerbur (Kirchspiel und -Dorf, westlich von Esens):

Wat is der 'n Wind in Westerbur:

vgl. Nr. 3; Wind für Windbeutelei.

Westerbursk' Engels;

auf ihre Mädchen und die dickbackigen Engelsköpfe bezogen, welch letztere man auf Reihen von Grabsteinen des Kirchhofes daselbst findet. Auffallenderweise sind diese Steine wie ihre Dickbacken alle von gleichem Kaliber und müssen einem Steinkünstler entsprungen sein, der auch noch einige weitere Kirchhöfe in der Runde vereinzelt mit diesem Schmuck versah.

Westerburer Stärens;

hiermit sind die weißen Klexe an dem dunkelgrünen Kirchenhimmel der Westerburer Kirche gemeint, welche die Sterne am Firmamente vorzustellen verpflichtet sind.

40. Westerholt Kirchspiel und -Dorf, südwestlich von Esens):

Elennen Kark';

die elende Kirche oder die Kirche der Elenden; jedoch trifft beides nicht zu. Eine andere Erklärung will, daß der Satz des Ostfriesländischen Prediger-Denkmals des Pastors Reershemius vom Jahre 1765: »Hier haben den Elenden gepredigt« – die Ursache dieses Neckwortes sei. Unter dem »Elenden« wäre hiernach der leidende Heiland zu verstehen. Im Prediger-Denkmal von 1796 fehlt dieser einleitende Satz ganz, während doch bei andern Gemeinden das Predigtamt mit einer bezüglichen Redensart vorgestellt wird. Bei Arle z. B. heißt es: »Folgende haben Zions Brüche allhier zu heilen gesuchet«; bei Dunum: »Hier sind Friedensboten gewesen«; bei Westerakkum: »Hier haben an Gottes Tempel gearbeitet« usw. Der erwähnte Satz steht hier S. 359 unter Marx.

41. Wittmund (Kirchspiel und -Flecken, südöstlich von Esens):

Wittmund is gien Mutt of Bigge;
ist weder Sau noch Ferkel, weder Stadt noch Dorf.

Wittmundis 'n flörigen Flecken,
To 'n Stadt will dat nicht recken;

obgleich es als Flecken blüht, ist es zu einer Stadt nicht groß genug.

Wittmunder Galpsacken;

Schreihälse. Wenn ehemals das Wittmunder ehrsame Schustergewerk mit seiner Ware im Rückensack den Auricher Markt aufsuchte, so führte der Weg vor Anlage der Poststraße über Middels, wo man just zur Kirchzeit eintraf. Weil der Markt erst am Spätnachmittage eingeläutet wurde, fand sich hier die Zeit, um am Gottesdienste teilnehmen zu können. Dabei sollen die Wittmunder für die kleine Kirche übermäßig stark mitgesungen oder gegalpt haben, so daß man sie als unwillkommene Sonntagsgäste begrüßte. Ein Pastor zu Middels soll sogar seinem Unmute über dies Schreien in folgenden Worten Luft gemacht haben: »Gesegnet seid ihr Osterlooger, gesegnet seid ihr Westerlooger, aber verflucht seien die Wittmunder Galpsacken.«

Im nächsten Bande die Krummhörner usw.


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