Ovid
Heilmittel der Liebe
Ovid

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Confer Amyclaeis medicatum vellus aenis
    Murice cum Tyrio, turpius illud erit.
Vos quoque formosis vestras conferte puellas:
    Incipiet dominae quemque pudere suae.
Utraque formosae Paridi potuere videri;
    Sed sibi collatam vicit utramque Venus.
Nec solam faciem, mores quoque confer et artes;
    Tantum iudicio ne tuus obsit amor.
Exiguum est, quod deinde canam; sed profuit illud
    Exiguum multis, in quibus ipse fui.
Scripta cave relegas blandae servata puellae:
    Constantes animos scripta relecta movent.
Omnia pone feros – pones invitus – in ignes
    Et dic: Ardoris sit rogus iste mei.
Thestias absentem succendit stipite natum;
    Tu timide flammae perfida verba dabis?
Si potes, et ceras remove: quid imagine muta
    Carperis? Hoc periit Laodamia modo.
Et loca multa nocent. Fugito loca conscia vestri
    Concubitus; causas illa doloris habent.
Hic fuit, hic cubuit; thalamo dormivimus isto;
    Hic mihi lasciva gaudia nocte dedit.
Admonitu refricatur amor, vulnusque novatum
    Scinditur: infirmis causa pusilla nocet.
Ut paene extinctum cinerem si sulfure tangas,
    Vivet, et e minimo maximus ignis erit:
Sic, nisi vitaris, quicquid renovabit amorem,
    Flamma redardescet, quae modo nulla fuit.
Argolides cuperent fugisse Capharea puppes
    Teque, senex luctus ignibus ulte tuos.
Praeterita cautus Niseide navita gaudet:
    Tu loca, quae nimium grata fuere, cave.
Haec tibi sint Syrtes, haec Acroceraunia vita;
    Hic vomit et potat dira Charybdis aquas.
Sunt, quae non possunt aliquo cogente iuberi,
    Saepe tamen casu facta iuvare solent.
Perdat opes Phaedra; parces, Neptune, nepoti,
   


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    Stellst du zusammen die Flocke, gefärbt in den Kesseln Amycläs,V. 707 ff. Ein gutes Mittel, sich von der Liebe zu einem Weibe zu heilen, ist, zwischen ihr und anderen schöneren und gebildeteren Vergleiche anzustellen. Der Zusammenhang selbst lehrt, daß die Purpurfärberei von Amyclä in Laconica, womit wohl die Laconische überhaupt gemeint ist, weit weniger schön war, als die von Tyrus, was wohl weniger in der Beschaffenheit des Stoffes, als in dem Verfahren der Färber lag. Dem Tyrischen oder Phönizischen Purpur kam kein anderer gleich.
    Mit dem Phönizischen Roth; häßlicher jene erscheint.
Ihr auch stellt in Vergleich mit den schöneren Frauen die euren:
    Bald wird Jeder von euch schämen der seinigen sich.
Beide Göttinnen konnten voll Reiz dem Paris erscheinen,V. 711 f. S. zu Verw. 13, 574. – Wenig beglaubigte Lsrt vincis, in einigen Hdschrften und alten Ausgaben tibi collatam vincis.
    Beide sie überwand Venus bei seinem Vergleich.
Und nicht blos die Gestalt, vergleiche auch Wesen und Bildung;V. 713 f. Ganz sinnwidrig will Heinsius angeblich mit den besseren artem für artes, dann mit Sarr. wieder einmal suus für tuus lesen. Für obsit findet sich auch obstet.
    Deiner Entscheidung nur sei nimmer die Liebe im Weg.
Etwas Geringes noch hab' ich zu singen; doch Vielen bereits hat,
    Und darunter mir selbst, dieses Geringe genützt.
Lies nicht wieder die Schriften, bewahrt von dem schmeichelnden Weibe;
    Wiedergelesene Schrift ändert beständigen Sinn.
Wirf in die wildesten Flammen – du wirst dich sträuben – sie alle,V. 719. Pones vor invitus beglaubigen nach Burmann die beiden besten Codices, Reg. und Put., gegen quamvis der übrigen; weshalb wir uns wundern, Letzteres noch bei Baumgarten-Crusius zu finden.
    Sprich: Das sei das Grab meiner erstorbenen Glut.
Thestius' Tochter verbrannte den Sohn abwesend im Scheite;V. 721. S. Verw. 8, 451 ff., besonders auch 511 ff.
    Du wirst Worte des Trugs zögern der Flamme zu weihn?
Kannst du, entfern' auch das Wachs: was hast du an stummem GebildeV. 723. Das Wachs, das wächserne Bild der Geliebten, wie sich gleich ergiebt. Die Römer hatten nämlich von Personen, deren Gegenwart sie sich versinnlichen oder deren Andenken sie nach ihrem Tode sich erhalten wollten, Wachsmasken, die auch wohl ganzen bekleideten Figuren angefügt wurden und so die Personen, wie in unseren Wachscabinetten, möglichst treu darstellten. Vergl. Liebeserg. I, 8, 65 n. A. Den Grund der Beziehung auf Laodamia s. ebend. zu II, 18, 38.
    Denn für Genuß? So fand Laodamia den Tod.
Orte auch schaden gar oft. Flieh' Orte, die eueres BeischlafsV. 725. Passender als multa wäre saepe, wie die alte Ausgabe des Gryphius, man weiß nicht ob und mit welcher Autorität, wirklich hat. Wir haben uns im Deutschen so zu sagen erlaubt.
    Zeugen gewesen; den Schmerz pflegen sie nur zu erneun.V. 726. Illa geben alle Hdschrften außer einer Leidener und der Kambridger, welche mille, wie oben V. 572, haben, das bis jetzt mit Unrecht in den Ausgaben steht.
Hier war, hier lag sie; in dem Bett dort schliefen wir beide;
    Hier in üppiger Nacht hat sie Genuß mir gewährt.
Aufgefrischt durch Erinnerung wird die Liebe; die WundeV. 729. Refricatur hat nur Reg., die andern theils renovatur, von dem folgenden novatum veranlaßt und dadurch widerlegt, theils revocatur, ziemlich matt und zu dem Bilde, das nach dem folgenden Ausdrucke dem Dichter vorschwebte, nicht passend, daher jedenfalls Erklärung. Für novatum giebt der zweite Reg. nicht übel coactum.
    Blutet erneut; es bringt Schwachen Geringes Verderb.V. 730. Alte Ausgaben lesen et firmis, das man zu erklären hätte und den schon festen; gewiß nicht passend. Ebenso unpassend findet sich in einigen Hdschrften und Ausgaben culpa für causa.
Wie, wenn Schwefel man bringt an fast erloschene Asche,
    Leben sie kriegt und hoch lodert zur Flamme empor:
So, vermeidest du nicht, was immer die Liebe erneuert,V. 733. A. L. wieder revocabit.
    Wieder entbrennet die Glut, welche noch eben nicht war.V. 734. Redardescet abermals blos Reg. wenigstens der Schreibart nach, dem Laute und der Sache nach aber auch Put. und Farn., nämlich retardescet. Die meisten andern Codices haben recandescet, gleich gut und mehrmals in den Met. gebraucht; einige recalescet oder recalescit, einer recrudescet.
Argolis' Schiffe wohl wünschten geflohn zu haben CapháreusV. 735 f. Argolis' Schiffe, die Griechischen; s. zu Verw. 12, 70. Auf der Rückkehr aus Troja gerieth die Griechische Flotte bei Nacht in die gefährlichen Klippen am Vorgebirge Capháreus. Da erblickte man Licht und nahm die Richtung nach demselben. Anstatt aber der Gefahr zu entgehen, gerieth man nur noch tiefer hinein und litt kläglichen Schiffbruch. Dieses Licht hatte nämlich der alte Nauplius eben in der Absicht angezündet, die Griechen ins Verderben zu stürzen, um Rache für seinen Sohn zu nehmen. S. zu Verw. 14, 472 nebst 13, 34. – A. Lsrt Argolicae.
    Sammt dem Greis, der da rächte mit Feuer den Schmerz.
Hat er die Scylla umschifft vorsichtig, so freut sich der Schiffer.V. 737. Die Scylla; s. zu Verw. 7, 63. – Es unterliegt keinem Zweifel, daß Niseide, nicht, wie die Mehrzahl der Hdschrften hat, Ripheide zu lesen und die Scylla in der Meerenge von Sicilien gemeint ist. So vermengt unser Dichter die beiden Scylla auch Am. III, 12, 21 f., obgleich er selbst sie in den Metamorphosen aus einander hält und die Geschichte einer jeden besonders erzählt, der einen im Anfange des 8., der andern am Schlusse des 13. und Anfange des 14. Buches. So vermengt sie Virgil in der 6. Ekloge. Und so ist es ganz gewöhnlich, daß die Dichter, man muß annehmen, mit Bewußtsein und Absicht, zwei mythische Personen gleichen Namens (vergl. Met. 7, 456) oder verschiedene Mythen derselben Person, besonders in Bezug auf ihre Abstammung (vergl. ebend. 9. 1) vermengen.
    Du hast Stätten zu fliehn, die nur zu hoch dich beglückt.
Syrten seien sie dir, sie Acroceraunien; flieh' sie;V. 739 f. Syrten; s. zu Verw. 8, 120. Die Acroceraunien (eigentlich Donnerberge), der Schifffahrt gefährliches Gebirge an der Küste von Eipirus. Hier speit &c.; s. zu der oben cit. Stelle Verw. 7, 63. – Hic vomit et potat haben wir mit Burmann als die am meisten bezeugte Lsrt gegeben, während die von Heinsius aufgenommene hic vomit epotas lautet. Daß unser Dichter Ep. Pont. IV, 10, 28
Ter licet epotum ter vomat illa fretum

sagt, kann nicht als Beweis gelten, daß er hier auch so gesagt habe. Parallelen sind überhaupt sehr vorsichtig zu benutzen. Denn während mitunter nach den übereinstimmenden Zeugnissen der Quellen dieselbe Sache an verschiedenen Stellen auf dieselbe Weise und zum Theil oder ganz mit denselben Worten ausgedrückt ist (vergl. Am. III, 12, 1 f. mit Ar. I, 33 1 f. und Ar. I, 76 mit 416. Ar. III, 366 mit Trist. II, 482), giebt es der Natur der Sache nach ungleich mehr Stellen, wo der Ausdruck für dieselbe Sache verschieden ist und nur Reminiscenzen in manchen Hdschrften Gleichheit veranlaßt haben; was nicht erst durch besondere Beispiele nachgewiesen zu werden braucht.


    Hier speit aus, schluckt ein gräßlich Charybdis die Fluth.
Dinge giebt es, die nicht mit Gewalt befehlen sich lassen;V. 741 f. Es giebt auch zufällige Mittel gegen die Liebe, die sich aber nicht anbefehlen lassen und keineswegs wünschenswerth sind. So die Armuth. Niemand wird sich auf den Rath eines Anderen, wer es auch sei (des Arztes), mit Gewalt arm machen. – Völlig unnöthig und unbegründet ist daher der von Burmann hier vermuthete Calchas. Da nämlich eine Leidener Hdschrft verdorben calcante für cogente giebt, so vermuthet er darin einen Eigennamen, und zwar Calchante, mit der Erklärung, es gäbe Manches, was kein Seher, wie Calchas gewesen, rathen könne, sondern der Zufall gebe; so daß der Zufall den bestimmten Aussprüchen irgend eines Sehers entgegengesetzt werde; und Ovid empfehle seine Vorschriften oft als Orakel. Sinngemäßer wenigstens wäre dafür inculcante, was Heinsius vermuthete. Es ist aber gar Nichts zu vermuthen. Cogere steht mit Rücksicht auf die Vorschriften des Arztes, die für den Patienten zwingend sind. Übrigens hat Heinsius possint, die Hdschrften aber possunt.
    Doch zufällig geschehn, pflegen zu nützen sie oft.
Phädra verarme, so wird Neptunus schonen des Enkels,V. 743 f. S. Verw. 15, 497 ff. Wenn der Dichter hier den Hippolytus zu einem Enkel Neptuns macht, so folgt er einem andern Mythos, als welchem er Verw. 7, 404 ff. gefolgt ist, oder er nimmt als ausgemacht an, was Pittheus, der Vater der Äthra, der Mutter des Theseus, vorgab, nämlich, daß eben Neptunus der Vater des Theseus sei. In der Eigenschaft als Sohn soll nun auch Theseus, von der verbrecherischen Neigung seines Sohnes Hyppolytus zu seiner Stiefmutter Phädra durch Letztere überzeugt, den Neptun um Bestrafung desselben angegangen haben. Inwiefern aber der Reichthum bei Phädra die Veranlassung ihrer Leidenschaft für ibren Stiefsohn gewesen sei, erklärt der Verfasser nachher V. 746. Vergl. übrigens unsere Bemerkung zu Liebesk. II, 699. – Auch hier, wie Ar. 1, 511, finden wir keine Abweichung der Quellen in der Form Phaedra bemerkt und folglich keine Berechtigung für die von Baumgarten-Crusius beliebte Form Phaedre.
    Nec faciet pavidos taurus avitus equos.
Gnosida fecisses inopem, sapienter amasset.
    Divitiis alitur luxuriosus amor.
Cur nemo est, Hecalen, nulla est, quae ceperit Iron?
    Nempe quod alter egens, altera pauper erat.
Non habet, unde suum paupertas pascat amorem.
    Non tamen hoc tanti est, pauper ut esse velis.
At tibi sit tanti, non indulgere theatris,
    Dum bene de vacuo pectore cedat amor.
Enervant animos citharae lotosque lyraeque
    Et vox, et numeris brachia mota suis.
Illic assidue ficti saltantur amantes;
    Quid caveas, actor, quid iuvet, arte docet.
Eloquar invitus: teneros ne tange poetas.
    Submoveo dotes impius ipse meas.
Callimachum fugito: non est inimicus Amori;
    Et cum Callimacho tu quoque, Coe, noces.
Me certe Sappho meliorem fecit amicae;
    Nec rigidos mores Teia musa dedit.
Carmina quis potuit tuto legisse Tibulli,
    Vel tua, cuius opus Cynthia sola fuit?
Quis potuit lecto durus discedere Gallo?
    Et mea nescio quid carmina dulce sonant.
Quod nisi dux operis vatem frustratur Apollo,
    Aemulus est nostri maxima causa mali.
At tu rivalem noli tibi fingere quemquam,
    Inque suo solam crede iacere toro.
Acrius Hermionen ideo dilexit Orestes,
    Esse quod alterius coeperat illa viri.
Quid, Menelae, doles? Ibas sine coniuge Creten,
    Et poteras nupta lentus abesse tua.
Ut Paris hanc rapuit, nunc demum uxore carere
    Non potes: alterius crevit amore tuus.
Hoc et in abducta Briseide flebat Achilles,
    Illam Plisthenio gaudia ferre toro.
Nec frustra flebat: mini credite, fecit Atrides,
   
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        Und Großvaters Stier machen die Rosse nicht scheu.
War die Gnoserin arm, so hätte sie weise geliebet.V. 745. Die Gnoserin, ohne Zweifel Pasiphae, Phädras Mutter. S. Liebesk. I. 289 ff.
    Durch den Reichthum wird üppige Liebe genährt.
Warum verliebte in Keinen sich Hécale, Iros in Keine?V. 747. Hecale, eine arme Frau, welche den Theseus aufnahm und bewirthete und welcher zu Ehren dieser dem Jupiter den Beinamen Hecalesios gab und das Hecalesische Fest anordnete. Irus (Griechisch Eiros) ein übel berüchtigter Bettler in Homers Odyssee, dessen Name zum Gattungsnamen geworden ist. Daß übrigens beide Personen sich nie verliebt hätten, ist nicht etwa besonders bekannt, sondern ebenfalls nach der Bemerkung zu Liebesk. II, 699 zu beurtheilen.
    Nun, weil Hécale arm, Iros ein Bettelmann war.
Nichts, womit die Liebe sie nährt, besitzet die Armuth.
    Aber darum nicht arm darfst du dir wünschen zu sein.
Aber du darfst ergeben nicht sein dem Besuch der Theater,
    Bis die Liebe entweicht aus der erleichterten Brust.
Denn es entkräften den Geist dir Cither und Pfeife und LeierV. 753 f. Dinge, die man eben in den Theatern sieht und hört. Der Arm &c.; s. zu Liebeserg. II, 4, 29 u. vgl. oben V. 334. – Lotosque hat Heinsius nach lutosque des Reg. gegeben, und so sollen auch Exc. Scal. und die Hdschr. des Salmasius haben. Die meisten geben cantusque, viele citharaeque iocique.
    Und der Gesang und der Arm, der sich im Tacte bewegt.
Dort fortwährend getanzt erdichtete Liebende sieht man;V. 755f. Getanzt, durch Geberden dargestellt. Vergl. Liebesk. I, 501. Was du zu lassen, zu thun, nämlich als Liebhaber, um Liebe zu gewinnen und zu erhalten. Du bekommst da gleichsam ausgelernt. – So lesen und verstehen wir den Pentameter. Der Text ist nämlich mehrfach verdorben. Die meisten Hdschrften geben auctor, quod und iuvat, Reg. qua iuvet, wonach Heinsius
Quas caveas actor, qua iuvet ante docet,

indem er caveas von den in der caves, dem Schauplatze, sitzenden Zuschauern versteht. Dagegen bemerkt Burmann mit Recht, daß der Verfasser dann caves in der Einzahl hätte setzen müssen. Aber er sehe auch nicht, wie caveas von cavere hier passend sein könne; denn wenn der Schauspieler lehre, was zu meiden sei, so sei er eben nicht zu meiden. Allein wenn ein Liebender sieht und weiß, wovor er sich hüten muß, wenn er die Neigung des Mädchens gewinnen oder nicht verlieren will, so folgt daraus keineswegs, daß er nun auch wisse, wie er sich von seiner Liebe heilen könne, indem er blos das zu thun brauche, was der Geliebten mißfällig sei. Der Verfasser schreibt nach seiner ausdrücklichen Erklärung in der Einleitung nicht für diejenigen, welche Liebe gewinnen, sondern für diejenigen, die sich, weil sie keine gewinnen können, heilen wollen. Burmanns Vorschlag ist übrigens:

Qua capias, actor, quod iuvat, arte docet.

    Was du zu lassen, zu thun, lehret der Spieler durch Kunst.
Ungern sprech' ich es aus: rühr' an nicht zärtliche Dichter.V. 757. Ein anderer Punct, vor dem gewarnt wird.
    Treulos mache ich selbst meinen Talenten den Krieg.
Fliehen Callímachus sollst du; ein Feind nicht ist er Cupidos.V. 759 f. Callimachus; f. zu Liebeserg. I, 15, 13. Der Coer; s. zu Liebesk. III, 329.
    Und Callímachus gleich schadest, o Coer, auch du.
Besser hat Sappho gemacht mich wenigstens gegen die Freundin;V. 761 f. Besser, geneigter, verliebter. Sappho; s. zu Liebeserg. II, 18, 26 und Liebesk. III, 331. Teos' Muse, Anakreon; s. ebend. zu V. 330.
    Teos' Muse auch lehrt Strenge der Sitten uns nicht.
Wer hat ohne Gefahr Tibullus' Gedichte gelesen,V. 763 f. Tibull; s. zu Liebeserg. I. 15, 28 und vergl. Liebesk. III, 334. Die Deinen, darin &c., des Propertius; s. ebend. zu 333. Cynthia, die in seinen Gedichten gefeierte Geliebte.
    Oder die deinen, darin Cynthia lebte allein?
Wer kann harten Gemüths vom Lesen sich trennen des Gallus?V. 765. Gallus; s. zu Liebeserg. I, 15, 29.
    Etwas Liebliches wohnt meinen Gedichten auch bei.V. 766. Für das am meisten beglaubigte dulce sonant giebt ein Theil der Hdschrften tale sonant, einige lene sonant, einige dulce canunt.
Wenn der Führer des Werks, Apoll, nicht täuschet den Dichter,V. 767. Abermals ohne allen Übergang ein neuer Punct.
    Steigert zumeist ein Rival unseres Übels Gewalt.
Stelle daher dir vor nie irgend einen Rivalen;
    Glaube du nur, sie lieg' immer allein in dem Bett.
Heißere Liebe empfand Orest für Hermíone darum,V. 771 f. Hermione, Tochter des Menelaus und der Helena, ward während der Abwesenheit der Ältern von dem Großvater Tyndarus dem Orestes zur Gattin gegeben. Inzwischen hatte sie ihr Vater Achills Sohne Pyrrhus zugesagt und gab sie nach der Rückkehr von Troja demselben auch ungeachtet ihres Widerstrebens. In der neuen Ehe läßt unser Dichter sie einen Brief an den ersten Gatten schreiben, welcher in der Sammlung seiner Heroenbriefe (s. zu Liebeserg. II, 18, 21) der achte ist. Orest machte den Nebenbuhler im Apollotempel zu Delphi vor dem Altare nieder und setzte sich in den Besitz seiner Gattin.
    Weil ein anderer Mann sie zu besitzen begann.
Was, Meneláus, betrübt dich? du gingst von der Gattin nach Creta,
    Konntest von deinem Weib bleiben in Ruhe entfernt.V. 774. A. Lsrt laetus für lentus, gewöhnliche Variante für Letzteres, wenn es in dem Sinne, wie hier, steht.
Wie sie Paris geraubt, da erst nicht kannst du die GattinV. 775. Nunc demum, wie Reg. mit noch zwei anderen und Ed. pr. geben, rechtfertigt sich hier durch das Präsens potes. Die übrigen haben nämlich tum demum.
    Missen; des Anderen Glut fachte die deinige an.
Dies beklagte Achill, da Brises' Tochter entführt war,V. 777 f. S. zu Verw. 13, 443. Plisthenischem Bett, dem Bette Agamemnons, dessen Vater zwar nach den Einen Atreus, nach den Andern aber dessen Bruder Plisthenes war, nach dessen frühem Tode jener die Bruderssöhne Agamemnon und Menelaus erzogen hätte. – Toro geben nur Reg. und ein Vat., die übrigen weit weniger bezeichnend viro.
    Daß sie Liebesgenuß brächte Plisthenischem Bett.
Und nicht klagt' er umsonst. Glaubt mir, es that der Atride,
    Quod si non faceret, turpiter esset iners.
Certe ego fecissem, nec sum sapientior illo.
    Invidiae fructus maximus ille fuit.
Nam sibi quod numquam tactam Briseida iurat
    Per sceptrum, sceptrum non putat esse deos.
Di faciant, dominae possis transire relictae
    Limina, proposito sufficiantque pedes.
Et poteris, modo velle tene. Nunc fortiter ire,
    Nunc opus est celeri subdere calcar equo.
Illo Lotophagos, illo Sirenas in antro
    Esse puta: remis adiice vela tuis.
Hunc quoque, quo quondam nimium rivale dolebas,
    Vellem desineres hostis habere loco.
At certe, quamvis odio remanente, saluta.
    Oscula cum poteris iam dare, sanus eris.
Ecce, cibos etiam, medicinae fungar ut omni
    Munere, quos fugias, quosve sequare, dabo!
Daunius an Libycis bulbus tibi missus ab oris,
    An veniat Megaris, noxius omnis erit.
Nec minus erucas aptum vitare salaces,
    Et quicquid veneri corpora nostra parat.
Utilius sumas acuentes lumina rutas,
    Et quicquid veneri corpora nostra negat.
Quid tibi praecipiam de Bacchi munere, quaeris?
    Spe brevius monitis expediere meis.
Vina parant animum veneri, nisi plurima sumas,
    Et stupeant multo corda sepulta mero.
Nutritur vento, vento restinguitur ignis.
    Lenis alit flammam, grandior aura necat.
Aut nulla ebrietas, aut tanta sit, ut tibi curas
    Eripiat; si qua est inter utramque, nocet.
Hoc opus exegi. Fessae date serta carinae:
    Contigimus portum, quo mihi cursus erat.
Postmodo reddetis sacro pia vota poetae,
    Carmine sanati femina virque meo.
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        Was, wenn nicht er es that, schimpflicher Schlaffheit ihn zieh.
Ich wohl hätt' es gethan, und ich bin nicht klüger, als er war.V. 781. Ich bin nicht klüger, da er also mindestens ebenso klug war, hat er es auch gewiß gethan.
    Das war Folge des Neids, welchen er hegte, zumeist.V. 782. Daß er es that, war vorzüglich eine Wirkung der Eifersucht auf Achilles, den sie, wie er wußte, liebte.
Denn daß nie er berührt die Briseide zu habenV. 783 f. Die Briseïde; s. zu Verw. 1, 668. Als die Griechen, seitdem Achilleus in Folge des von Agamemnon erlittenen Unrechts sich aller Theilnahme am Kampfe enthielt, stets und überall den Kürzeren gegen die Troer zogen und in immer größere Noth geriethen, entschloß sich Agamemnon endlich, den Zürnenden zu versöhnen. Außer vielen anderen reichen Geschenken, die er ihm verheißen ließ, erbot er sich, die entrissene Briseïde ihm zurück zu geben, indem er schwur, sie nicht berührt zu haben. Homer Il. 9, 130 ff.
    Schwor bei dem Scepter, er hält Scepter für Götter ja nicht.
Gebe der Himmel dir, daß vorübergehn der verlaßnen
    Herrin Schwelle du kannst und es vermöge der Fuß.
Können wirst du es, wolle es nur. Jetzt muthig zu eilen,
    Jetzt dem hurtigen Roß gilt es zu geben den Sporn.
Glaube, daß Lotosesser in dieser Höhl' und SirenenV. 789. Auf der Rückfahrt von Troja wurde Odysseus auch an die Nordküste von Afrika verschlagen. Er schickte einige seiner Leute auf Kundschaft aus. Diese kamen zu den Lotophagen oder Lotosessern, einer Völkerschaft, welche sich von der Frucht des Lotosbaumes nährte. Sie aßen von der Frucht und wurden von der Süßigkeit und dem Wohlgeschmacke derselben so gleichsam berauscht, daß sie die Rückkehr vergaßen. Die Lotosesser sind also ebenso wie die Sirenen (s. zu Verw. 5, 561 und vergl. Liebesk. III, 311) Repräsentanten fesselnden Zaubers. In dieser Höhle, in dem Hause der Schönen, so bezeichnet, um bei dem Liebhaber eine unheimliche und schauerliche Vorstellung davon zu erregen.
    Hausen, und füge noch rasch Segel dem Ruder hinzu.V. 790. Für tuis will Heinsius abermals ohne allen hdschr. Anhalt suis lesen.
Auch den Nebenbuhler, der sonst so schwer dich geärgert,
    Wünscht' ich, hörtest du auf noch zu betrachten als Feind.
Wenigstens grüße ihn doch, wenngleich der Haß noch zurückbleibt.V. 793. Ob ein Gruß beim Begegnen auf der Straße, oder die übliche Morgenbegrüßung im Hause ( salutatio vorzugsweise), zu welcher sich nicht blos die Clienten (s. zu Verw. 1, 170 ff. sowie zu 12, 53), sondern auch Andere, an Rang und Ansehen Gleichstehende einfanden, um ihre Achtung und Ergebenheit zu bezeigen, gemeint sei, läßt sich nicht bestimmen. – Andere minder bezeugte und minder passende Lsrt aut certe.
    Kannst du ihm Küsse sogar geben, so bist du geheilt.V. 794. »Nicht nur bei der salutatio, sondern bei jedem Begegnen auf der Straße war man einer Menge von Küssen ausgesetzt, nicht nur von Bekannteren, sondern von Jedem, der seine Ergebenheit bezeigen wollte; und darunter mochte oft mancher nicht eben saubere Mund sein.« Becker Gallus I. 76.
Siehe, die Speisen auch selbst, um ganz als Arzt dir zu rathen,
    Gebe ich, die du zu fliehn, die zu genießen du hast!
Zwiebel, ob's Daunische sei, ob her sie dir Libyen sendet,V. 797. S. zu Liebesk. II, 421. Libyen, Afrika. Natürlicherweise ist Alles, was dort als Mittel die Begierden zu reizen empfohlen wird, hier zu vermeiden. Doch faßt sich der Dichter hier kürzer.
    Oder ob Megaras Strand, schädlich ist jegliche Art.
Minder nicht passend auch ist's, wollüstigen Senf zu vermeiden,
    Und was Alles noch sonst reizet zum Liebesgenuß.
Nützlicher ist es, die Raute, die schärft das Auge, zu nehmen,V. 801. Die Eigenschaft der Raute, das Augenlicht zu schärfen, wird hier blos beiläufig erwähnt. Dieser Eigenschaft wegen wurde sie übrigens nach Plinius von Malern, Bildhauern, Stechern &c. gebraucht.
    Und was Alles noch sonst weigert den Liebesgenuß.
Was von Bacchus' Geschenk ich dir sage, begehrst du zu wissen?
    Kürzer, als vor du dir stellst, wird dich belehren mein Rath.V. 804. Expediere, wie Heinsius für das hdschrftliche experiere (eine Vat. Hdschrft excipiare, die Kopenhagener erudiere, gute Glosse) vermuthet und gegeben hat, ist wohl zweifellos und monitus meos, wie mehrere haben, nur eine Folge von experiere, während die meisten nebst der Urausgabe monitis meis geben. Umgekehrt war oben V. 440 experienda in expedienda verdorben.
Wein bereitet den Geist zur Wollust, wenn du nicht viel trinkst,
    Nicht in starkem Genuß starret begraben das Herz.V. 806. A. L. ut stupeant.
Wind facht an das Feuer und Wind kanns wieder verlöschen;V. 807 f. Gleich gut hat ein Theil der Quellen ignem ventus alit. Im Pentameter schwanken dieselben zwischen flammam und flammas, wie fast immer in diesem Falle.
    Sanftere Luft belebt, stärkere tödtet die Glut.
Gar nicht, oder so stark betrinke dich, daß du die Liebe
    Ganz vergessest; es ist schädlich die Mitte im Trunk.V. 810. Die Mitte, die Mittelstraße. – Utramque, obgleich nur von vier (ungenannten) Hdschrften bezeugt, scheint doch den Vorzug vor utrumque der übrigen zu verdienen.
Dies Werk hätt' ich vollbracht! Bekränzt das ermüdete Schifflein;V. 811. Bekränzt &c.; s. Liebeserg. III, 11, 29 n. A.
    Ist doch der Hafen, wohin ich es gesteuert, erreicht.
Fromme Gelübde dereinst dem begeisterten Sänger bezahlenV. 813. Gelübde bezahlen; s. zu Verw. 8, 152. – Kaum Erwähnung verdient die Lesart reddatis, die auch wenig bezeugt ist.
    Werdet ihr, Mann und Weib, welche geheilet mein Lied.

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