Ovid
Heilmittel der Liebe
Ovid

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Illa loquebatur; navem solvebat Ulixes:
    Irrita cum velis verba tulere noti.
Ardet et assuetas Circe decurrit ad artes;
    Nec tamen est illis attenuatus amor.
Ergo age, quisquis opem nostra tibi poscis ab arte,
    Deine veneficiis carminibusque fidem.
Si te causa potens domina retinebit in urbe,
    Accipe, consilium quod sit in urbe meum.
Optimus ille fuit vindex, laedentia pectus
    Vincula qui rupit dedoluitque semel.
Sed cui tantum animi est, illum mirabor et ipse,
    Et dicam: Monitis non eget iste meis.
Tu mihi, qui, quod amas, aegre dediscis amare,
    Nec potes et velles posse, docendus eris.
Saepe refer tecum sceleratae facta puellae
    Et pone ante oculos omnia damna tuos.
Illud et illud habet; nec ea contenta rapina,
    Sub titulum nostros misit avara lares.
Sic mihi iuravit, sic me iurata fefellit,
    Ante suas quoties passa iacere fores!
Diligit ipsa alios, a me fastidit amari.
    Institor, heu, noctes, quas mihi non dat, habet!
Haec tibi per totos inacescant omnia sensus:
    Haec refer, hinc odii semina quaere tui.
Atque utinam possis etiam facundus in illis
    Esse! Dole tantum, sponte disertus eris.
Haeserat in quadam nuper mea cura puella;
    Conveniens animo non erat illa meo.
Curabar propriis aeger Podalirius herbis,
    Et, fateor, medicus turpiter aeger eram.
Profuit assidue vitiis insistere amicae;
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    Also redete sie; das Fahrzeug löste Ulysses:V. 285. Das Fahrzeug löste; s. zu Verw. 8, 102.
    Eitel die Worte dahin trug mit den Segeln der Wind.V. 286. Für cum velis hat Put. nicht übel cum votis.
Circe glühet und greift zu ihren gewöhnlichen Künsten;
    Aber geschwächt doch nicht wurde die Liebe durch sie.
Darum wenn du verlangst von unserer Kunst, dir zu helfen,V. 289. Ergo age q. giebt nur Reg., die andern alle blos ergo quisquis.
    Traue auf Hexerei nicht und auf Zaubergesang.
Wenn ein mächtiger Grund in der herrschenden Stadt dich zurückhält,V. 291. In der herrschenden Stadt, in der Hauptstadt Rom. – Auch hier wieder hat nur Reg. domina erhalten, während die übrigen albern dominae geben.
    Höre, wohin mein Rath lautet für dich in der Stadt.
Freilich am Besten erlöst hat der sich, welcher die Fesseln,
    Die ihn rieben, gesprengt, aus sich auf einmal gehärmt.
Wer so viel Muth hat, den werd ich selber bewundern,V. 295. Für sed cui hat Heinsius aus zwei ungenannten Quellen si cui aufgenommen, zwar dem Sinne nach ganz gut, aber ohne Grund. Der Grund von sed liegt in dem Hauptbegriffe monitis non eget ille meis.
    Sagen: Für diesen bedarf unserer Lehren es nicht.
Dir thut Noth, dir, der du nur schwer zu lieben verlernest,V. 297. Ein Theil der Hdschrften tu modo für tu mihi.
    Und es nicht kannst und doch gern möchtest es können, mein Rath.
Überdenke dir oft das Thun des schändlichen MädchensV. 299. A. Lsrten verba oder dicta, in Sarr. regna ( eleganter mehercules. Heins.) puellae.
    Und vor Augen dir stell' allen gehabten Verlust.
Jenes hat sie und das; und mit diesem Raube begnügt nicht,V. 301 f. Est nach rapina, wie die Hdschrften sämmtlich zu haben scheinen, hat Heinsius, allerdings sehr passend, doch nicht nothwendig, entfernt. Unrichtig hat die Mehrzahl der Quellen sub titulo. Titulus heißt übrigens die Verkaufsankündigung, die auf einer Tafel an einem feilen Hause aushing; und sub titulum mittere sagte man nach der Analogie von sub hastam mittere.
    Hat habsüchtig mein Haus sie zum Verkaufe gebracht.
So hat sie mir geschworen, mich so mit dem Schwure betrogen;
    Hat vor ihrer Thür liegen mich lassen wie oft!V. 304. S. Liebeserg. I, 9, 7 n. A. – Aus einem einzigen seiner Codices hatte Heinsius suam forem aufgenommen, das von Baumgarten-Crusius erst in der späteren Ausgabe wieder beseitigt worden ist.
Andere liebt sie, von mir verschmäht sie sich lieben zu lassen.
    Ha, der Krämer – er hat Nächte, die mir sie versagt.V. 306. Krämer, d. h. Trödler, Hausirer, gehörten nebst dem Schiffsvolke zur verachteten Classe. Vergl. Horaz Od. III, 6, 30 f. Epod. 17, 20.
Dieses Alles verbittere dich in jedem Gefühle;
    Daran denk', hieraus sauge die Keime zum Haß.V. 308. Könntest du dir die Sache, das Thun der Treulosen, recht eindringlich, gleichsam wie ein beredter Sachwalter, vorstellen.
Und o könntest du doch bei solcher Betrachtung beredt sein!
    Schmerz' es dich nur, so wirst sein du von selber beredt.
Jüngst war hängen mein Herz an einem Mädchen geblieben;
    Meiner Erwartung jedoch konnte entsprechen sie nicht.
Da heilt, krank, Podalirius sich mit den eigenen Kräutern;V. 313 f. Podalirius, mit dem sich der Dichter hier vergleicht, s. zu Liebesk. II, 735. Und gar schmählich = obgleich ich &c.
    Und gar schmählich erkrankt war, ich gesteh' es, der Arzt.
Immer hat es genützt, auf den Fehlern der Freundin zu fußen,V. 315. Cod. Reg. hat assiduae, und das soll nach Heinsius eleganter sein!
    Idque mihi factum saepe salubre fuit.
Quam mala sunt nostrae, dicebam, crura puellae!
    Nec tamen, ut vere confiteamur, erant.
Brachia quam non sunt nostrae formosa puellae!
    Et tamen, ut vere confiteamur, erant.
Quam brevis est! nec erat. Quam multum poscit amantem!
    Hinc odio venit maxima causa meo.
Et mala sunt vicina bonis: errore sub illo
    Pro vitio virtus crimina saepe tulit.
Qua potes, in peius dotes reflecte puellae,
    Iudiciumque brevi limite falle tuum.
Turgida, si plena est; si fusca est, nigra vocetur;
    In gracili macies crimen habere potest.
Et poterit dici petulans, quae rustica non est;
    Et poterit dici rustica, si qua proba est.
Quin etiam, quacumque caret tua femina dote,
    Hanc moveat, blandis usque precare sonis.
Exige quod cantet, si qua est sine voce puella;
    Fac saltet, nescit si qua movere manum.
Barbara sermone est, fac tecum multa loquatur;
    Non didicit chordas tangere, posce lyram.
Durius incedit, face inambulet; omne papillae
    Pectus habent tumidae, fascia nulla tegat.
Si male dentata est, narra, quod rideat illa;
    Mollibus est oculis, quod fleat illa, refer.
Proderit et subito, cum se non finxerit ulli,
    Ad dominant celeres mane tulisse gradus.
Auferimur cultu: gemmis auroque teguntur
    Omnia; pars minima est ipsa puella sui.
Saepe, ubi sit, quod ames, inter tam multa requiras:
    Decipit hac oculos aegide dives Amor.
Improvisus ades, deprendes tutus inermem;
    Infelix vitiis excidet illa suis.
Nec tamen huic nimium praecepto credere tutum est:
    Fallit enim multos forma sine arte decens.
   



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        Und so oft ich's gethan, ist mir's gewesen zum Heil.
Ah, wie häßlich doch sind, so sagt' ich, die Beine des Mädchens!
    Und doch waren sie's nicht, will ich die Wahrheit gestehn.
Ah, wie unschön sind, fuhr fort ich, die Arme des Mädchens!V. 319 f. fehlen in einigen Hdschrften und alten Ausgaben. Der Ausfall ist aus dem gleichlautenden Schlusse von V. 320 mit V. 318 leicht zu erklären. Übrigens haben nur Put. und Argent. et tamen, die übrigen sinnwidrig nec tamen; man müßte denn non formosa als einen Begriff denken.
    Und sie waren doch schön, will ich die Wahrheit gestehn.
Ah, wie klein! Und sie war es doch nicht. Wie ist sie begehrlich!V. 321. Im Gegentheil geben die Hdschrften hier et erat, während wieder Put. und zwei andere allein richtig nec erat erhalten haben.
    Dies der gewichtigste Grund, daß sie mir wurde verhaßt.V. 322. Für hinc lesen die meisten Hdschrften haec, womit blos auf den letzten vorhergehenden Punct gewiesen sein würde.
Schlimmes auch liegt dem Guten zunächst; und durch die VerwechslungV. 323. Illo, auf die eben durch die Nachbarschaft bedingte Verwechselung hinweisend, glaubten wir im Deutschen durch den Artikel hinreichend ausgedrückt.
    Trug als Fehler schon oft Tadel die Tugend davon.V. 324. Man verbinde: Die Tugend trug als Fehler, d. h. als ob sie ein Fehler wäre oder zum Fehler gestempelt, &c.
Kehre zum Schlimmren, wie immer du kannst, die Gaben des Mädchens,V. 325. Heinsius bezeugt, daß Reg., Put. und mehrere andere qua potes lesen, und gleichwohl giebt er quam, wahrscheinlich nur um in einer Menge anderer Stellen, die er anführt, ebenfalls qua in quam zu ändern. Reflecte in den Teubnerschen Ausgaben ist jedenfalls Druckfehler, der aus einer in die andere übergegangen ist.
    Täusche dein Urtheil selbst; schmal ist die Grenze ja nur.
Dick, wenn voll sie ist; wenn braun, magst schwarz du sie nennen;
    Bei der Schmächtigen kann Dürre man rechnen zur Schuld.
Die nicht bäuerisch ist, die kannst leichtfertig du nennen;
    Bäurisch werde genannt Eine, die ehrlich und brav.
Liege der Schönen sogar, an welchem Talent es ihr mangelt,V. 331. Minder bezeugte Lsrt tua dote puella.
    Immer mit schmeichelndem Mund dies zu bethätigen an.V. 332. Einige wenige Hdschrften geben moveas, Reg. und Linc. moneas, alte Ausgaben maneat.
Fordre zu singen sie auf, ist Eine mit Stimme begabt nicht;V. 333. Für quod cantet haben Reg. und Put. ut cantet, das mit einigen andern guten Quellen in uti c. verbessert vielleicht das Ursprüngliche ist.
    Laß sie tanzen, versteht nicht sie zu schwingen den Arm.V. 334. S. zu Liebeserg. II, 4, 29 und vergl. Liebesk. III. 350. – Manum giebt nur Reg. und als Variante Put. und Linc., die andern alle aus Unkenntniß des Alterthums pedem.
Ist in der Rede sie roh, so lasse sie viel mit dir sprechen;
    Kann sie die Lyra nicht, bitte zu spielen darauf.
Gehet sie schwer, laß wandeln sie viel. Wenn strotzende WarzenV. 337 f. Wenn strotzende &c.; s. zu Liebesk. III, 274. – Inambulet bezeugen Reg. und Exc. Jur.; die gem. Lsrt ist ut ambulet. In den folgenden Worten haben wir den Text beibehalten, wie ihn Heinsius nach alten Ausgaben mit Cod. Sarr. und vier anderen gegeben hat, während die gemeine Lsrt omne papillae pectus habent, vitium fascia nulla tegat uns eher das Ursprüngliche zu enthalten scheint.
    Ganz einnehmen die Brust, decke sie keinerlei Band.
Hat sie übele Zähne, erzähl' ihr, worüber sie lache;V. 339. Illi, das seit Heinsius in den Ausgaben steht, beruht allerdings auf der Autorität des Cod. Reg., die aber in einer übrigens fast gleichgültigen Sache gegen die einmüthigen Zeugnisse aller übrigen Hdschrften nicht maßgebend sein kann. Auch ipsa in vielen zeugt für illa; und unser Dichter liebt bekanntlich dergleichen fast wörtliche Wiederholungen, wie hier in quod rideat illa und quod fleat illa vorliegt.
    Hat sie empfindsamen Blick, gieb ihr zu weinen Behelf.
Nützlich auch wird es sein, wann noch sie geputzt sich für Keinen,
    Zu der Gebieterin früh plötzlich zu richten den Schritt.
Männer besticht der Putz. Von Gold und Juwelen bedeckt ist
    Alles; der kleinste Theil ist von dem Weibe sie selbst.V. 344. Für omnia geben einige Hdschrften crimina, das zwar an sich, aber nicht in Verbindung mit dem folgenden Satze zulässig wäre.
Oft wohl fragst du, wo sei, was unter so Vielem du liebest.V. 345 f. Oft weiß der Mann nicht, wo unter dem vielen Schmucke das Liebenswürdige steckt, ob sie wirklich Reize hat; denn mit dem Schmucke, mit welchem sie sich wie mit einem Schilde deckt, betrügt eine bemittelte Schöne ( Amor, der reiche) das Auge des Mannes.
    Amor mit diesem Schild täuschet, der reiche, den Blick.
Unvermuthet erscheine; da triffst du, gesichert, sie wehrlos.V. 347. Gesichert, ohne Gefahr von ihren Reizen eingenommen zu werden. Wehrlos, ohne den schützenden Schild.
    Ihrer Gebrechen bewußt, wird sie in Elend vergehn.V. 348. Andere Lsrt ipse für illa, wo der Satz auf den Mann ginge und vitium als Irrthum zu fassen wäre. Es ist aber höchst unwahrscheinlich, daß der Verfasser so plötzlich aus der zweiten Person in die dritte übergegangen wäre.
Aber zuviel doch nicht ist diesem Rathe zu trauen;V. 349 f. Diesem Rathe, durch eine solche Überraschung sich zu heilen. Durch natürlichen Reiz &c. Manche ist von Natur schön, nicht durch Kunst, und der Überraschende sieht sich also in seiner Voraussetzung, geheilt zu werden, betrogen. – Die gem. Lsrt multas wissen wir nicht zu erklären; multos beruht auf Reg.
    Durch natürlichen Reiz sieht sich auch Mancher getäuscht.
Tum quoque, cum positis sua collinet ora venenis,
    Ad dominae vultus, nec pudor obstet, eas.
Pyxidas invenies et rerum mille colores,
    Et fluere in tepidos oesypa lapsa sinus.
Illa tuas redolent, Phineu, medicamina mensas:
    Non semel hine stomacho nausea facta meo.
Nunc tibi, quae medio veneris praestemus in usu,
    Eloquar: ex omni parte fugandus amor.
Multa quidem ex illis pudor est mihi dicere; sed tu
    Ingenio verbis concipe plura meis.
Nuper enim nostros quidam carpsere libellos,
    Quorum censura musa proterva mea est.
Dummodo sic placeam, dum toto canter in orbe:
    Quod volet, impugnet unus et alter opus.
Ingenium magni detrectat livor Homeri:
    Quisquis es, ex illo, Zoile, nomen habes.
Et tua sacrilegae laniarunt carmina linguae,
    Pertulit huc victos quo duce Troia deos.
Summa petit livor; perflant altissima venti;
    Summa petunt dextra fulmina missa Iovis.
At tu, quicumque es, quem nostra licentia laedit,
    Si sapis, ad numeros exige quidque suos.
Fortia Maeonio gaudent pede bella referri:
    Deliciis illic quis locus esse potest?
Grande sonant tragici: tragicos decet ira cothurnos;
    Usibus e mediis soccus habendus erit.
Liber in adversos hostes stringatur iambus,
    Seu celer, extremum seu trahat ille pedem.
Blanda pharetratos elegeia cantet Amores;
    Et levis arbitrio ludat amica suo.
Callimachi numeris non est dicendus Achilles;
    Cydippe non est oris, Homere, tui.
Quis ferat Andromaches peragentem Thaida partes?
    Peccat, in Andromache Thaida si quis agat.
Thais in arte mea: lascivia libera nostra est.
    Nil mihi cum vitta; Thais in arte mea est.
   



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    Auch wann auf sie gestellt die Salben und sich das Gesicht schminkt,V. 351 ff. Vergl. Liebesk. III, 209 ff. – Gem. Lsrt compositis sua cum linet. Dann haben einige Hdschrften effluere für et fluere, Reg. defluet.
    Hindre die Schaam dich nicht, tritt vor die Augen ihr hin.
Büchsen wirst du da finden und tausend Dinge und Farben,
    Sehen, wie Ösyp da fließt in den Busen hinein.
Diese Mittel, sie riechen nach deinen Gerichten, o Phineus.V. 355. S. zu Verw. 7, 2.
    Nicht einmal nur ist übel mir worden davon.
Jetzt kund thun, was mitten im Werk der Liebe wir leisten,V. 357. Was wir leisten, durch unsere Gegenmittel nämlich. – Praestemus haben wir auf die Autorität der Hdschrften hergestellt für praestentur, das Heinsius aus einer einzigen Quelle, einem Cod. Farn., aufgebracht hat. Der Dichter meint seine Vorschriften für den angegebenen Fall; daher ist auch die Lsrt des Put. und einiger anderer Hdschrften medios in usus zu erklären, und ist auch der Indicativ praestamus, den derselbe Put. und Jur. haben, nicht gerade unrichtig, indem sich quae praestamus unsere Leistungen, die Wirksamkeit meiner Mittel, erklären läßt.
    Will ich, auf jeglichem Punct schlagen die Lieb' aus dem Feld.
Vieles von dem zwar schäm' ich zu sagen mich; denken im Geiste
    Mußt du dir mehr, als hier meine Belehrung dir sagt.
Denn jüngst haben Gewisse gescholten auf unsere Schriften;
    Ihre Kritik erklärt meine Gedichte für frech.
Wenn ich gefalle nur so und rings man mich singet auf Erden,V. 363. Man mich singet, d. h. meine Gedichte liest.
    Mag welch Werk er nur will Mancher begeifern und schmähn.V. 364. Welch Werk, selbstverständlich von den meinigen. – Unter der Menge von Lsarten quod volet, qui v., quo v., quum v., quam libet, quo libet, qua valet, kann nur die erste die echte sein, weil sie allein die richtige ist. Opus kann nicht nackt stehen. Auch wird quod volet von den beiden vorzüglichsten Quellen, Reg., und Put., bezeugt. Sodann muß es bei volet auch impugnet heißen, wie auch die meisten haben, während die übrigen impugnent geben, wahrscheinlich um den für fehlerhaft gehaltenen Vers zu berichtigen. S. jedoch zu Verw. 1, 660.
Setzt der Neid nicht herab den Geist des großen Homerus?V. 365 f. Ein gewisser Zóilus hatte die Gedichte Homers auf eine heftige und beißende Weise getadelt. Daher nannte man jeden derartigen Tadler von Schriftwerken einen Zóilus. Zu den Worten wer du auch seist hat man zu ergänzen der du dergleichen thust.
    Wer du auch seist, du hast Zóïlus' Namen davon.
Deine Gesänge auch haben zerfleischt unsaubere Zungen,V. 367 f. Virgilius und seine Äneíde ist gemeint. Der du gebracht, in deinem Gedichte darstellst, daß und wie sie hieher gekommen. Auf der Flucht, als sie, die Götter nämlich, aus Ilium oder Troja nach Bezwingung der Stadt flohen. S. zu Verw. 3, 538.
    Der auf der Flucht du hieher Iliums Götter gebracht.
Hohes ist Ziel des Neids; die Höhen durchsausen die Stürme;
    Jupiters Händen entsandt, fährt nach den Höhen der Blitz.
Du jedoch, wer du auch seist, den unsere Freiheit beleidigt,
    Richte, so weise du bist, Jedes nach seinem Gesetz.V. 372. Prüfe, beurtheile den Inhalt jeder Dichtung nach ihrem Versmaße. Inhalt und Form (Sprache und Maß) einer Dichtung bedingen einander.
Tapferer Kampf will werden erzählt in Mäonischem Fuße;V. 373. In Mäonischem Fuße, in Homerischem (s. zu Liebeserg. I. 15, 9), d. h. epischem Versmaße, im daktylischen Hexameter. S. unsere Einleitung zu den Verw. XXV.
    Was für Raum kann da sein für ein zärtlich Gefühl?
Tragiker tönen erhaben, und Zorn ziemt tragischem Hochschuh;V. 375 f. Wie der Hochschuh den tragischen Schauspielern eigen war (s. zu Liebeserg. I, 15, 15), so die niedrige Sohle den komischen Darstellern. Unter jenem sind hier die höheren zusammengesetzten Versmaße zu verstehen, die vorzugsweise in den Chören der Tragödie angewendet wurden, während im gewöhnlichen Dialoge der iambische Vers herrschte, worauf der Dichter hier keine Rücksicht nimmt. Mit dieser, der niedrigen Sohle, sind die einfachen Versmaße der Komödie, trochäische, iambische, und anapästische, gemeint. Zorn, Leidenschaft, das Element der Tragödie; das gewöhnliche Thun, Thun und Treiben des gewöhnlichen Lebens. – Für tragicos geben Reg. und Francf. tumidos. Nicht selten finden sich, wo ein Wort zweimal steht, Abweichungen, absichtliche oder unabsichtliche, in den Hdschrften. Usibus e mediis hat nur Reg., die übrigen versibus e mediis, Put. versibus e modicis.
    Niedriger Sohle Bereich ist das gewöhnliche Thun.
Frei werd' auf den Feind genüber gezückt der Jambus,V. 377 f. Der Jambus oder iambische Vers ward ursprünglich und vorzugsweise zu Spottgedichten verwendet, daher hier frei, d. h. rücksichtslos, auf den Feind oder Gegner wie ein Schwert gezückt. Außer dem gewöhnlichen (sechsfüßigen) iambischen Verse (dem eilenden) gab es aber auch einen hinkenden, dessen letzter Fuß ein umgekehrter Jambus oder ein Trochäus (– ^) war, wo der Schluß daher schleppend und höchst auffällig war. Man höre z. B.:
    Unsittlich ist das Wort, das du gesprochen hast.
und: Unsittlich nicht ist dieses Wort, nur anstößig.

    Eile er oder schlepp' er den alläußersten Fuß.
Zärtliche Elegie, du sing' den beköcherten Amor;V. 379 f. S. zu Liebeserg. I, 1, 1. – Reg. cantat, dann laudat; in anderen plaudat, audat, laudet.
    Und die Freundin der Lust buhle nach ihrem Geschmack.
In des Callimachus Maß ist nicht zu besingen Achilles;V. 381 f. In des Callimachus Maß; eben im elegischen. S. übrigens zu Liebeserg. I. 15, 13. Cydippe s. zu Liebesk. I, 457. – Cod. Voss. tractandus, Erklärung durch das eigentliche Wort.
    Deinem Munde, Homer, eignet Cydippe sich nicht.
Wer ertrüg's, daß Thais die Rolle Andromaches spielte?V. 383 f. Thais, Repräsentantin der Buhlerinnen (s. zu Liebesk. III, 604), nach einer Komödie Menanders; Andromache, der ehrbaren Frauen, nach einer Tragödie des Euripides.
    Fehl geht, wer Thais dar in Andromache stellt.
Thais ist unsere Kunst; frei waltet unsere Keckheit;V. 385. Für nostra Voss. nobis.
    Nichts gehn Binden mich an; Thais ist unsere Kunst.V. 386. Über die Binde ( vitta) s. zu Liebesk. I, 31. – Mehrere Quellen haben nil mihi cum nupta est, Erklärung.
Si mea materiae respondet musa iocosae,
    Vicimus, et falsi criminis acta rea est.
Rumpere, livor edax: iam magnum nomen habemus;
    Maius erit: tantum, quo pede coepit, eat.
Sed nimium properas; vivam modo, plura dolebis;
    Et capiunt animi carmina multa mei.
Nam iuvat et studium famae mihi crescit honore:
    Principio clivi noster anhelat equus.
Tantum se nobis elegi debere fatentur,
    Quantum Virgilio nobile debet opus.
Hactenus invidiae respondimus. Attrahe lora
    Fortius et gyro curre, poeta, tuo.
Ergo ubi concubitus et opus iuvenile petetur,
    Et prope promissae tempora noctis erunt:
Gaudia ne dominae, pleno si pectore sumes,
    Te capiant, ineas quamlibet ante velim.
Quamlibet invenias, in qua tibi prima voluptas
    Desinat: a prima proxima segnis erit.
Sustentata venus gratissima. Frigore soles,
    Sole iuvant umbrae; grata fit unda siti.
Et pudet et dicam: venerem quoque iunge figura,
    Qua minime iungi quamque decere putes.
Nec labor efficere est; rarae tibi vera fatentur,
    Et nihil est, quod se dedecuisse putent.
Tunc etiam iubeo totas aperire fenestras,
    Turpiaque admisso membra notare die.
At simul ad metas venit finita voluptas,
    Lassaque cum tota corpora mente iacent;
Dum piget, et nullam malis tetigisse puellam,
    Tacturusque tibi non videare diu:
Tunc animo signa, quodcumque in corpore mendum est,
    Luminaque in vitiis illius usque tene.
Forsitan haec aliquis – nam sunt quoque – parva vocabit;
    Sed, quae non prosunt singula, multa iuvant.
Parva necat morsu spatiosum vipera taurum;
A cane non magno saepe tenetur aper.
   


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    Ist dem schäkernden Stoff nur meine Muse entsprechend,
    Hab' ich gewonnen, und falsch hat man beschuldigt sie dann.
Berste, gefräßiger Neid! Schon großen Namen besitz' ich.
    Größer noch wird er hinfort; wachs' er nur, wie er begann.
Aber du eilst zu sehr; und bleib' ich am Leben nur, wirst duV. 391. Du, Neid oder Neidischer.
    Mehr noch dich ärgern; es faßt viele Gedichte mein Geist.V. 392. Es faßt, trägt in sich. – Capiunt, das allein Richtige, hat nur Reg., die andern capient. Dann ist die gemeine Lsrt anni, häusige Verwechslung. Endlich geben viele plura für multa, eine auch magna.
Denn es erfreut mich und wächst mir das Streben nach Ruhm mit der Ehre,V. 393. Honore ist ohne Zweifel die richtige, weil die passendste Lsrt, die auch Baumgarten-Crusius in der späteren Ausgabe hergestellt hat für das bis dahin herrschende amore. Freilich haben die besten Hdschrften, wie Reg. und Put., nicht honore, sondern honori, das jedoch schwerlich einen passenden Sinn giebt.
    Noch keucht unser Roß erst am Beginne des Bergs.V. 394. Ich bin noch am Anfange auf dem Wege des Ruhmes, der nicht ohne Anstrengung ist. – Reg. und drei andere lesen vester equus, auf den Neid oder die Neidischen bezogen; kaum zulässig, obgleich von Heinsius für besser erklärt.
Uns bekennt das elegische Lied so viel zu verdanken,
    Als der erhabne Gesang seinem Virgile verdankt.V. 396. S. oben zu V. 367.
So weit haben dem Neid erwiedert wir. Ziehe die ZügelV. 397. Hier begann in alten Ausgaben das zweite Buch; wie unpassend, sieht man leicht ein, da sich das hactenus blos auf die letzte Partie des Vorhergegangenen, nicht auf alles bezieht.V. 397 f. Ziehe die Zügel &c., halte dich enger an deinen Gegenstand und verfolge deinen Weg. – Put. und zwei andere fortiter.
    Schärfer, o Dichter, nun an, fahre im eigenen Kreis,
Wann mit dem Beischlas denn und dem Manneswerke du umgehst,V. 399. Heinsius verlangt petentur, da concubitus der Plural sei, und Cod. Francf. hat wirklich petuntur. Allein es ist weder so ausgemacht, daß concubitus der Plural ist (s. unsern Ind. z. Verw. unter Us), noch müßte, wenn es der Plural wäre, darum nothwendig das Verb im Plural stehen, da der Singular opus dazwischen tritt.
    Und nun nahe die Zeit ist der versprochenen Nacht;
Magst du, damit des Weibes Genuß, wenn voll du ihn hättest,V. 401 f. Damit der Genuß &c., damit du nicht wider Willen zum Mitgenusse hingerissen werdest. – Gem. Lsrt corpore.
    Nicht dich ergreife, vorher einer Beliebigen nahn,
Was du für eine nur findest, bei der dein erstes VergnügenV. 403. Für tua zwei ungenannte Hdschrften tibi, das Heinsius für richtiger erklärt.
    Ende; das folgende wird matt nach dem ersten dir sein.V. 404. Ein Reg. decidat oder accidat.
Lange verhaltner Genuß ist der köstlichste. Sonne bei Kälte,V. 405 f. Sarr. und mehrere andere haben frigora sole (andere fehlerhaft frigora soles), was Heinsius für passender erklärt, Burmann mit Recht unberücksichtigt läßt.
    Schatten bei Sonne erfreut; köstlich ist Wasser bei Durst.
Schäm' ich mich auch, ich sag's: genieße die Lust auch in Stellung,V. 407 f. Venerem quoque iunge figura geben Reg. mit zwei anderen und als Variante Put.. Die gem. Lsrt ist veneris oder veneri q. i. figuram. Dann sollen die besseren quaque decere haben, was Heinsius mit potest für putes ( Reg. und viele andere putas) gegeben hat; in welchem Sinne, ist räthselhaft. Put. und Jur. lesen quam minime i. quamque d. putes.
    Welche du für den Genuß ziemend bei Jeder nicht hältst.
Auch macht Mühe es nicht; nur selten gestehn sie die Wahrheit;V. 409. Die Wahrheit gestehn sie dir selten, daß sie nämlich an irgend einem Theile oder überhaupt unschön oder gar häßlich sind. Ehe sie dies gestehen, geben sie sich lieber in jeder verlangten Stellung Preis. – Wir finden diesen Sinn ganz passend. Anders Heinsius, der keinen in den Worten fand und mit dem andern Reg. (der erste hat rara est ibi vera) sibi gab, das denn auch alle folgenden Herausgeber ohne Weiteres beibehalten haben. Rarae wird übrigens von Put. und einigen alten Ausgaben bezeugt gegen die gem. Lsrt raro.
    Und Nichts giebt's, was nicht ziemend sie glaubten für sich.
Dann auch rathe ich dir das ganze Fenster zu öffnen
    Und auf den häßlichen Theil fallen zu lassen den Tag.
Aber sobald, beendigt, zum Ziel der Kitzel gekommen,V. 413. Für finita findet sich in einigen Hdschrften properata, vielleicht aus Ar. II. 727.
    Und mit dem Geiste zumal lieget ermattet der Leib;
Wann du voll Ueberdruß nun lieber Keine berühretV. 415. Malis bezeugen Reg., Put. nebst zwei anderen gegen malles aller übrigen. Uns scheint es jedoch mehr als zweifelhaft, ob malis hier richtig und nicht etwa durch das folgende videare veranlaßt ist. Denn wenn er berührt hat, so muß der Wunsch nicht berührt zu haben in der Form der Unmöglichkeit ausgedrückt sein: während du lieber keine berührt zu haben wünschtest = gewünscht hättest. Dies vermuthlich bedenkend, meint Heinsius, der Dichte habe vielleicht ( forte, wie Heinsius sowohl als Burmann stets für fortasse sagen) ut, nicht et geschrieben; eine ganz unbegründete Vermuthung.
    Hättest und Keine sobald wieder berühren wohl magst:V. 416. Andere schwach bezeugte Lsrt facturus, die auch in alte Ausgaben übergegangen ist. –
Dann einpräge dir wohl jedwedes Gebrechen des Leibes,V. 417. Obgleich quodcumque mendum von den besten Quellen, Reg. und Put. nebst noch einigen andern bezeugt ist, so liest Heinsius, der das Einfache und Gewöhnliche nun einmal nicht passiren läßt, doch quodcumque mendi. Mußte einmal Partitivconstruction sein, so hätte er mit mehreren Hdschrften quodcumque mendae, wie jetzt in den Ausgaben steht, lesen können; aber da hätte er ja nicht ändern können! Die gemeine Lsrt ist übrigens quaecumque menda; von mendi aber nirgends eine Spur.
    Und auf die Fehler nun halt' immer gerichtet den Blick.
Dies hält Mancher vielleicht für Kleinigkeiten – sie sind's auch –;
    Doch was einzeln nicht nützt, hilft durch die Menge gewiß.
Tödtet die kleine Viper denn nicht den gewaltigen Ochsen?
Hunde, gerade nicht groß, halten den Eber gefaßt.

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