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Siwash

»Wenn ich ein Mann wäre – –«, sie beendete den Satz nicht, aber die verzehrende Verachtung, die in ihren schwarzen Augen leuchtete, traf die Männer im Zelte auch ohne Worte. Tommy, der englische Seemann, wand sich, aber der ritterliche alte Dick Humphries, Cornwall-Fischer und früherer amerikanischer Lachsgrossist, lächelte sie so wohlwollend an wie nur je. In seiner Ursprünglichkeit hatte sein Herz allzuviel Raum für Frauen, wenn sie einmal loslegten, oder wenn ihre Engherzigkeit sie hinderte, eine Sache von allen Seiten zu betrachten. Daher sagten sie nichts, diese beiden Männer, die vor drei Tagen die halberfrorene Frau in ihrem Zelt aufgenommen, sie erwärmt, ihr zu essen gegeben und ihr Eigentum den indianischen Lastträgern entrissen hatten. Letzteres hatte zahlreiche Dollars verschlungen, gar nicht zu reden von einer größeren Kraftanstrengung – Dick Humphries hatte am Lauf seiner Winchesterbüchse entlang geschielt, während Tommy das Geld nach eigenem Gutdünken unter ihnen verteilte. An und für sich war es eine Kleinigkeit gewesen, aber für eine Frau, die allein einen verzweifelten Kampf in dem ebenso verzweifelten Zustrom nach Klondike kämpfte, bedeutete es viel. Die Männer waren von den Dingen in Anspruch genommen, die durchaus getan werden mußten, und es gefiel ihnen auch nicht, daß alleinstehende Frauen hier im arktischen Winter ihr Glück versuchten.

»Wenn ich ein Mann wäre, wüßte ich schon, was ich täte!« wiederholte Molly, Molly mit den blitzenden Augen, und diese Worte waren ein Ausdruck für ihr Draufgängertum, das fünf in Amerika geborene Generationen in ihr aufgespeichert hatten.

In der Stille, die jetzt folgte, schob Tommy eine Pfanne mit Brot in den Yukonofen und legte mehr Holz auf. Sein Blut pochte unter seiner sonnenverbrannten Haut und verlieh ihr einen stark rötlichen Schimmer, und als er sich vorbeugte, war die Haut an seinem Halse ganz rot. Dick stach eine dreikantige Segelmachernadel durch einige zerrissene Tragriemen, und seine Gutmütigkeit ließ sich nicht im geringsten durch das weibliche Unwetter stören, das in dem sturmgepeitschten Zelt loszubrechen drohte.

»Und wenn Sie ein Mann wären?« fragte er, und seine Stimme bebte vor Wohlwollen. Die dreikantige Nadel saß in dem feuchten Leder fest, und einen Augenblick hielt er in seiner Arbeit inne. »Ich möchte, ich wäre ein Mann! Dann würde ich den Tragriemen auf den Rücken nehmen und fortwandern. Ich würde nicht hier im Lager liegen, wenn der Yukon täglich zufrieren könnte und ich noch nicht die Hälfte von der Ausrüstung über den Paß geschafft hätte. Und ihr – ihr seid Männer, und ihr laßt die Hände im Schoß ruhen und fürchtet euch vor ein bißchen Regen und Wind. Ich sage es euch gerade heraus: Yankees sind aus einem andern Stoff gemacht. Die würden nach Dawson ziehen, und wenn es durch Höllenflammen ginge. Aber ihr, ihr – ach, ich wünschte, ich wäre ein Mann.«

»Dann freue ich mich nur, daß Sie es nicht sind, mein Kind!« Dick Humphries legte eine Schlinge des Segelgarns um die Spitze der Nadel und zog sie mit einem Ruck und ein paar schnellen Drehungen heraus.

Ein mächtiger Windstoß erschütterte das Zelt, und Regen und Schnee schlugen einen wütenden Zapfenstreich auf dem dünnen Segelleinen. Der Rauch, der nicht hinaus konnte, wurde durch die Ofentür zurückgedrängt, und mit ihm verbreitete sich der scharfe Geruch von frischem Pech.

»Lieber Gott! Warum kann ein Frauenzimmer keine Vernunft annehmen?« Tommy hob den Kopf aus dem Dunst, der über dem Fußboden lagerte, und sah sie mit einem Paar Augen an, die von Rauch rotgebeizt waren und tränten.

»Warum kann ein Mann nicht seine Mannhaftigkeit zeigen?«

Tommy sprang mit einem Fluch auf, der eine weniger mutige Frau eingeschüchtert hätte, riß die festen Knoten auf und schlug den Zeltvorhang zurück.

Das Kleeblatt blickte hinaus. Es war kein sehr erheiternder Anblick. Ein paar durchnäßte Zelte bildeten den traurigen Vordergrund, von dem die aufgeweichte Erde vom Regen reißend in eine Schlucht hinabgeschwemmt wurde. Hier und dort stand eine Bergkiefer, die in dem flachen Alluvialsand Wurzel gefaßt hatte und über die Erde kroch, ein Beweis, daß sie sich nahe der Baumgrenze befanden. Jenseits der Schlucht schimmerten die undeutlichen Umrisse eines Gletschers mattweiß durch den strömenden Regen. Und während sie noch in das Dunkel hinausblickten, begann die massige Fläche des Gletschers im Tal abzubröckeln, als wären unterirdische Kräfte am Werk, um an die Oberfläche zu gelangen. Sein heiseres Donnern übertönte das Heulen des Sturmes. Molly schauderte unwillkürlich zurück.

»Sehen Sie hin, mein Kind! Sperren Sie die Augen auf! Drei Meilen gegen den Sturm nach Crater Lake, über zwei Gletscher, an dem glatten Randfelsen entlang, bis zu den Knien in einem brüllenden Strom! Sehen Sie hin – sage ich, Frau Yankee! Sehen Sie hin! Da haben Sie ihre Herren Yankees!«

Tommy zeigte hitzig auf die sturmgepeitschten Zelte. »Yankees, alle wie einer! Sind sie unterwegs? Hat sich auch nur einer von ihnen sein Gepäck auf den Rücken geschnallt? Und Sie wollen uns Männer lehren, was wir tun sollen? Sehen Sie hin, sage ich!«

Wieder stürzte ein mächtiges Stück des Gletschers krachend und polternd nieder. Der Wind peitschte herein und blies das Zelt auf, bis es wie eine riesige Blase an seinen Pflöcken schwankte.

Der Rauch umwirbelte sie, und Schnee und Regen stachen wie Nadeln. Tommy zog hastig den Zeltvorhang zu und machte sich wieder an seine Tränen verursachende Arbeit am Ofen. Dick Humphries warf die reparierten Tragriemen in eine Ecke und zündete sich seine Pfeife an. Selbst Molly war für den Augenblick überzeugt.

»Meine Kleider!« jammerte sie – im Augenblick hatte der weibliche Instinkt bei ihr die Übermacht bekommen. »Sie liegen oben auf den andern Sachen im Depot und werden vollkommen verdorben! – Ich sage euch, vollkommen verdorben!«

»Nun, nun«, sagte Dick beschwichtigend, als die letzte Klage verstummt war. »Machen Sie sich nichts daraus, Kind. Ich bin alt genug, um Ihr Onkel zu sein; ich habe eine Tochter, die älter ist als Sie, und wenn wir nach Dawson kommen, werde ich Sie mit allen möglichen Narreteien ausstatten – und wenn es mich meinen letzten Dollar kosten sollte!«

»Wenn wir nach Dawson kommen!« Wieder war ein verächtlicher Klang in ihrer Stimme. »Ehe ihr so weit seid, liegt ihr alle verfault am Wege. Ihr ertrinkt noch in einer Pfütze, ihr – ihr – Engländer!«

Sie stieß die letzten Worte mit großer Kraft aus, als wäre es das Schmachvollste, das sie sich denken konnte. Wenn das die beiden Männer nicht aufrüttelte, was war dann dazu imstande? Tommys Hals brannte wieder rot, aber er schwieg. In Dicks Augen trat ein weicher Ausdruck. Er war vor Tommy im Vorteil, denn er hatte einmal eine weiße Frau gehabt.

Das Blut von fünf in Amerika geborenen Generationen ist unter Umständen ein unerfreuliches Erbteil, und zu solchen Umständen kann man es rechnen, wenn man mit ähnlichen Verwandten unter einem Dach leben soll. Diese Männer waren Briten. Zu Wasser und zu Lande waren die Vorfahren dieser Frau und ihre Nachkommenschaft ihnen im Wege gewesen. Zu Wasser und zu Lande würden sie es weiter sein. Die Tradition der Rasse dieser Frau forderte laut, sich geltend machen zu dürfen. Sie gehörte zwar der Gegenwart an, aber in ihr wallte die ganze mächtige Vergangenheit. Es war nicht nur Molly Travis in Gummistiefeln, Regenmantel und mit Tragriemen – die Geister von zehntausend Vorfahren strafften ihr die Riemen, ließen sie die Lippen zusammenpressen und verliehen ihren Augen einen Ausdruck fester Entschlossenheit. Sie, Molly Travis, wollte diese Engländer beschämen; zahllose Schatten standen für die Überlegenheit ihrer gemeinsamen Rasse ein.

Die Männer legten ihr kein Hindernis in den Weg. Einmal schlug Dick ihr vor, seinen Ölmantel zu nehmen, da ihr Regenmantel in einem solchen Sturm wie Papier war. Aber sie schnaufte nur verächtlich und betonte ihre Selbständigkeit mit einer solchen Stärke, daß er sich an seine Pfeife hielt, bis sie den Zelteingang von außen zugebunden hatte und sich auf der überschwemmten Schlittenspur vorwärts zu arbeiten begann.

»Glaubst du, daß sie es fertigbringt?« Dick sprach in einem gleichgültigen Ton, der seinem Gesichtsausdruck entschieden widersprach.

»Fertigbringt? Wenn sie den mächtigen Druck aushält, bis sie das Depot erreicht, wird ihr so kalt und elend zumute sein, daß sie ganz verrückt wird. Ob sie es fertigbringt? Ihr Verstand wird gelähmt sein. Du kennst es doch selbst – du hast dich doch bei Kap Horn gegen den Wind angearbeitet. Du weißt, was es heißt, beim schlimmsten Wetter oben auf einer Topsegelnock zu liegen, Regen und Schnee zu trotzen und mit dem gefrorenen Segel zu hantieren, bis man am liebsten loslassen und heulen möchte wie ein kleines Kind. Kleider? Sie wird ein Bündel Röcke nicht mehr von einer Probepfanne oder einem Teekessel unterscheiden können.«

»Findest du es denn falsch, daß wir sie gehen ließen?«

»Nicht die Bohne! So wahr mir Gott helfe, Dick – sie würde uns dieses Zelt ja für den Rest der Reise zur Hölle machen, hätten wir es nicht getan. Sie will eben ein bißchen zu hoch hinaus. Das wird sie jetzt ein bißchen ducken.«

»Ja«, räumte Dick ein. »Molly ist zu ehrgeizig. Aber ein tüchtiges Mädel ist sie doch. Es ist blödsinnig von ihr, eine solche Reise zu machen, aber deshalb ist sie doch zehnmal mehr wert als diese ›Heb-mich-auf-und-trag-mich-Weiber‹. Sie ist von der Rasse, die dich und mich hervorgebracht hat, Tommy, und wir dürfen nicht zu hart über sie urteilen. Es gehören richtige Weiber dazu, um Männer in die Welt zu setzen. Man kann nicht Männlichkeit an den Brüsten eines Wesens einsaugen, dessen einziges Anrecht auf den Namen Weib in seinen Röcken besteht. Es gehört eine Katze, nicht eine Kuh dazu, einen Tiger groß zu ziehen.«

»Und wenn sie unvernünftig sind, müssen wir uns also darein finden, was?«

»Eben. Man kann sich leicht mit einem scharfen Messer den Finger abschneiden. Aber das ist doch kein Grund, die Schneide mit einer Handspake zu zerhacken.«

»Na ja, da du es sagst, muß es ja wohl stimmen. Aber in bezug auf Weiber möchte ich doch um etwas weniger scharfe Kanten bitten.«

»Was weißt du davon?« fragte Dick.

»Ach, nicht gar so wenig!« Tommy streckte die Hand nach einem Paar von Mollys nassen Strümpfen aus und breitete sie über seinen Knien aus, damit sie trockneten.

Dick musterte ihn mit einem ärgerlichen Blick, steckte dann die Hand in ihr Ränzel und setzte sich mit verschiedenen nassen Kleidungsstücken vor das Feuer, wo er sie gleichfalls in der Wärme ausbreitete.

»Mir war übrigens, als sagtest du, du seiest nicht verheiratet gewesen?« bemerkte er.

»So, sagte ich das? Nun, das war ich auch nicht – das heißt – doch, das war ich, weiß Gott! Und dazu noch mit einer so guten Frau, wie sie je einem Mann das Essen gekocht hat.«

»Schob sie ab?« Dick machte eine Bewegung ins Weite, wie um die Unendlichkeit zu symbolisieren.

»Ja. – Wochenbett«, fügte er nach einer kurzen Pause hinzu.

Die Bohnen prasselten unter dem Deckel, und er schob den Topf an eine weniger heiße Stelle auf dem Herd. Dann untersuchte er das Brot, prüfte es mit einem Holzscheit und wickelte es in ein feuchtes Tuch. Dick bezwang seine Neugier, wie es unter Männern seines Schlages üblich war, und wartete schweigend.

»Eine ganz andere Frau als Molly. Siwash.«

Dick nickte verständnisvoll.

»Nicht so stolz und eigensinnig, aber von der Art, die durch dick und dünn geht. Sie konnte ihre Paddel wie die besten schwingen und hungern ohne zu klagen – wie Bob. Sie konnte nach vorn gehen, wenn der Steeven mehr unter als über Wasser war, und Segel bergen wie ein Mann. Wir waren einmal in der Gegend von Teslin, um Gold zu suchen, und kamen am Surprise Lake und Little Yellow-Head vorbei. Der Proviant ging zu Ende, und wir aßen die Hunde. Die Hunde gingen zu Ende, und wir aßen das Geschirr, die Mokassins und die Pelze. Nie eine Klage – nie ein ›Heb-mich-auf-und-trag-mich‹. Ehe wir loszogen, hatte sie gesagt: ›Achte auf den Proviant!‹ Als es aber zu spät war, bekam ich nie ein ›Ich sagte ja‹ zu hören. ›Mach' dir nichts draus, Tommy‹, sagte sie Tag für Tag, und dabei war sie so schwach, daß sie kaum einen Schneeschuh heben konnte, und ihre Füße waren das reine blutige Fleisch. ›Mach' dir nichts draus. Ich will lieber Hunger leiden und deine Frau sein, als täglich einen Potlach halten und Häuptling Georges Klooch sein.‹ George war Häuptling der Chilcoots, und er war ganz wild nach ihr.

Es war eine herrliche Zeit. Ich war selber ein tüchtiger Kerl, als ich ins Land kam. War von einem Walfänger, dem ›Polarstern‹, in Unalaska durchgebrannt und arbeitete mich auf einem Otternjäger nach Sitka hinunter. Und da traf ich Jack, den Glücklichen – kennst du ihn?«

»Er bewahrte meine Habseligkeiten am Columbia für mich auf«, antwortete Dick. »Ein bißchen wild war er wohl, aber er hatte irgendwo in seinem Herzen eine Schwäche für Whisky und Weiber.«

»Sehr richtig. Ich reiste mit ihm einige Jahre als Händler – in Decken und ähnlichem Zeugs. Dann kriegte ich selbst ein Boot, und um ihm keine Konkurrenz zu machen, ging ich nach Juneau. Dort traf ich Killisnoo – der Einfachheit halber nannte ich sie Tilly. Ich lernte sie auf einem Ball am Strande kennen. Häuptling George hatte gerade seine Geschäfte mit den Sticks jenseits der Pässe abgeschlossen und kam mit der Hälfte des Stammes von Dyea herunter. Es waren eine Menge Siwashs auf dem Ball, und ich war der einzige Weiße. Keiner kannte mich, außer ein paar jungen Leuten, die ich bei Sitka getroffen hatte, aber Jack erzählte mir von den meisten von ihnen.

Sie sprachen alle Chinook, und keiner von ihnen ahnte, daß ich das besser radebrechen konnte als die meisten. Vor allem waren da zwei Mädels, die aus Haines Mission am Lynn-Kanal weggelaufen waren. Ein paar recht hübsche Dinger, und ich dachte erst daran, mit ihnen anzubändeln; aber sie waren frisch wie eben gefangene Dorsche. Sie hatten zuviel Kanten, weißt du. Da ich fremd war, machten sie sich über mich lustig, denn sie wußten ja nicht, daß ich jedes Wort, das sie sagten, verstand.

Ich ließ mir nichts merken, sondern tanzte mit Tilly, und je mehr wir tanzten, desto besser gefielen wir einander. ›Ist nach einer Frau aus‹, sagt eines von den jungen Mädchen, und das andere rümpft die Nase und antwortet: ›Da hat er nicht viel Aussichten; Mädchen wollen ausgewachsene Männer haben.‹ Und die Indianermänner und -weiber, die umherstanden, grinsten und kicherten und ließen die Worte weitergehen. ›Ein recht netter Junge‹, sagt die erste. Ich leugne nicht, daß mein Gesicht noch ziemlich glatt und jung war, aber ich hatte schon lange auf gleichem Fuße mit andern Männern verkehrt, und ich ärgerte mich. ›Er tanzt mit Häuptling Georges Mädel‹, zwitschert die andere. ›Gleich wird George ihm eines mit seiner Paddel versetzen und ihn nach Hause schicken.‹ Bis jetzt hatte Häuptling George ziemlich finster dreingeschaut, jetzt aber lachte er und schlug sich auf die Knie. Er war ein großer, kräftiger Bursche und hätte sich nicht gescheut, die Paddel zu gebrauchen.

›Wer sind die beiden Mädels?‹ fragte ich Tilly, während wir in einem schnellen Reel mitten über den Tanzplatz wirbelten. Und sobald sie mir ihre Namen genannt hatte, erinnerte ich mich alles dessen, was ich von Jack, dem Glücklichen, über sie gehört hatte. Ich kannte ihren ganzen Stammbaum – ja, und noch einiges, was er mir erzählt hatte, und was nicht einmal ihr eigener Stamm wußte. Aber ich hielt den Mund und machte Tilly den Hof, während sie alle zusammen ungehörige Bemerkungen machten und johlten. ›Wart' nur, Tommy‹, sagte ich bei mir. ›Wart' nur!‹

Und so wartete ich denn, bis der Ball beinahe zu Ende war. Als wir aufhörten, dachten alle, daß es jetzt Spektakel gäbe, aber ich marschierte so ungeniert wie nur was mitten durch sie hindurch. Die jungen Mädchen von der Mission hatten ein mächtig loses Mundwerk, und obwohl ich wütend war, mußte ich doch die Zähne zusammenbeißen, um nicht zu grinsen. Dann wandte ich mich plötzlich zu ihnen.

›Seid ihr nun fertig?‹ fragte ich.

Du hättest sie sehen sollen, als sie mich Chinook reden hörten. – Und dann brach ich los. Ich erzählte ihnen alles, was ich von ihnen und ihren Vorfahren wußte; von ihren Vätern und Müttern, ihren Schwestern und Brüdern, von all und jedem! Jeden Streich, den sie begangen, jede Klemme, in die sie geraten, jede Schande, die sie betroffen. Und ich drosch auf sie los, ohne Furcht und Barmherzigkeit. Alle scharten sich um uns. Noch nie hatten sie einen weißen Mann in ihrem Kauderwelsch schwatzen hören, wie ich es tat. Alle grinsten außer den beiden Mädels von der Mission. Selbst Häuptling George vergaß seine Paddel, oder ich imponierte ihm zu sehr, als daß er sie gebraucht hätte.

Die Mädels aber riefen: ›Ach, nein, Tommy‹, und die Tränen liefen ihnen über die Backen. ›Ach, hör' jetzt auf. Wir wollen auch brav sein – bestimmt, Tommy, bestimmt!‹ Aber ich kannte sie, wie gesagt, gut, und ich traf all ihre Schwächen. Ja, und ich hörte nicht auf, ehe sie auf den Knien vor mir lagen und mich baten und bettelten, daß ich schweigen möchte. Da sah ich zu Häuptling George hinüber, aber er wußte nicht, ob er mich verprügeln sollte oder nicht, und so ging er denn mit einem hohlen Lachen darüber hinweg.

So war die Geschichte. Als ich mich abends von Tilly trennte, sagte ich ihr, in einer oder zwei Wochen würde ich kommen und mich freuen, wenn ich sie wiedersehen könnte. Diese Art ist nicht dickfellig, wenn es gilt, Sympathie und Antipathie zu zeigen, und als die ehrliche Haut, die sie war, fürchtete sie sich nicht, ihre Freude sehen zu lassen. Und ich wunderte mich nicht, daß Häuptling George ganz wild nach ihr war.

Für mich eine Kleinigkeit. Vom ersten Augenblick an nahm ich ihm den Wind aus den Segeln. Ich hätte sie am liebsten gleich in mein Boot und mit nach Wrangel genommen, bis alles vorüber gewesen – dann hätte er sich die Finger wischen können. Aber so leicht sollte ich sie doch nicht bekommen. Sie wohnte bei einem Onkel oder so was – Vormund muß man ihn wohl nennen –, und er war offenbar dabei, an galoppierender Schwindsucht oder einer andern Lungensache zu krepieren. Es ging ihm bald besser und bald schlechter, und sie wollte ihn nicht verlassen, ehe es vorbei war. Bevor ich weg mußte, ging ich in sein Zelt, um mir ein Urteil zu bilden, wie lange es noch dauern würde, aber der alte Schuft hatte sie Häuptling George versprochen, und sobald er mich erblickte, kriegte er vor Wut einen Blutsturz.

›Komm und hol' mich, Tommy‹, sagte sie, als wir uns am Ufer Lebewohl sagten. ›Ja,‹ antwortete ich, ›sobald du mir Bescheid schickst.‹ Und ich küßte sie wie ein Mann und Verliebter, und sie zitterte wie Espenlaub, ja, und ich war so außer mir, daß ich dem Onkel am liebsten hinüber geholfen hätte. Und so reiste ich denn nach Wrangel, bei St. Mary vorbei, ganz bis nach Queen Charlotte, handelte mit Whisky und benutzte das Schiff zu allen möglichen Dingen. Der Winter war gekommen, klar und kalt, und als die Botschaft eintraf, war ich wieder in Juneau. ›Komm!‹ sagt der Kerl, der sie mir bringt. Killisnoo sagt: ›Komm sofort!‹ ›Was ist passiert?‹ frage ich. ›Häuptling George‹, sagt er. ›Potlach. Killisnoo wird Klooch.‹

Ja, es war schneidend kalt. Ein Nordsturm heulte; das Salzwasser gefror, sobald es auf Deck tropfte, während der alte Kahn und ich uns die hundert Meilen bis Dyea gegen den Sturm anarbeiteten. Bei der Abfahrt hatte ich einen Mann von der Douglas-Insel als Besatzung. Auf halbem Wege aber wurde er vom Bug des Bootes über Bord gespült. Ich ging über Stag und kreuzte den Kurs zurück, konnte aber keine Spur mehr von ihm entdecken.«

»Er hatte wahrscheinlich vor Kälte Krämpfe gekriegt,« unterbrach Dick die Erzählung, während er einen von Mollys Röcken zum Trocknen aufhing, »und da ging er wie Blei unter.«

»Das dachte ich mir auch. So mußte ich denn die Reise allein machen, und ich war halbtot, als ich im Dunkel der Nacht Dyea erreichte. Mit Hilfe der Strömung setzte ich das Boot in Lee des Flusses aufs Trockene. Ich konnte nicht einen Zoll breit weiterkommen, denn das Süßwasser war bis auf den Grund gefroren. Falle und Taljen waren in Eis eingekapselt, so daß ich weder Großsegel noch Klüver zu bergen wagte. Zu allererst zog ich mir eine Whiskyflasche von der Ladung zu Gemüte – und dann stürzte ich, alles klar zur Abfahrt stehen und liegen lassend, in eine Decke gewickelt nach dem Lager. Dort war ein mächtiges Fest im Gange –, das war nicht zu verkennen. Die Chilcats waren mit Kind und Kegel, Hunden und Kanus gekommen, gar nicht zu reden von den Leuten aus Dog Ear, Little Salmons und den Missionen. Gut fünfhundert Menschen waren versammelt, um Tillys Hochzeit zu feiern, und auf Meilen gab es nicht einen weißen Mann.

Niemand nahm Notiz von mir, wie ich, Kopf und Gesicht unter der Decke verborgen, durch Scharen von Hunden und Kindern watete, bis ich in der vordersten Reihe stand. Die ganze Vorstellung fand auf einem weiten, freien Platz unter den Bäumen statt, wo große Feuer brannten. Die Erde war von den Mokassins fest wie Portland-Zement getrampelt. Dicht vor mir stand Tilly mit vielen Perlen und roten Tüchern geschmückt und neben ihr Häuptling George mit seinen ersten Würdenträgern. Dem Schamanen halfen die großen Medizinmänner der andern Stämme, und es lief mir kalt den Rücken hinunter, als ich die Teufelskünste sah, die sie machten. Ich ertappte mich über dem Wunsch, daß die Leute aus Liverpool mich sehen möchten, und ich dachte an die gelbhaarige Gussie, deren Bruder ich nach meiner ersten Seereise versohlt hatte – nur, weil er nicht wollte, daß ein Seemann seiner Schwester den Hof machte. Und mit Gussies Bild vor meinem inneren Blick sah ich Tilly an. Eine komische Welt, dachte ich, wo ein Mann Wege wandert, von der seine Mutter sich nichts träumen ließ, als er an ihrer Brust lag.

Also schön. Als der Lärm seinen Höhepunkt erreicht hatte, die Walroßtrommeln dröhnten und die Priester sangen, sagte ich: ›Bist du bereit?‹ Wahrhaftig! Nicht ein Zucken, nicht ein Blick auf mich, nicht eine Muskelregung. ›Ich wußte es‹, antwortete sie so langsam und sicher wie ein rinnender Bach im Frühling. ›Wo?‹ ›Auf dem hohen Hang am Rande des Eises,‹ flüsterte ich zurück, ›lauf, wenn ich es sage.‹

Hab' ich dir erzählt, daß eine unglaubliche Menge Eskimohunde da waren? Na ja, sie waren da – unglaublich viele! Hier und dort und überall waren sie – in Wirklichkeit nichts als gezähmte Wölfe. Wenn die Rasse sich zu verwässern beginnt, läßt man sie sich im Walde mit den wilden Wölfen paaren, und sie kämpfen wie die Teufel. Gerade an der Zehenspitze meines Mokassins lag einer und bei der Ferse ein anderer. Ich packte den Schwanz des einen mit einem schnellen Griff und brach ihn zwischen meinen Händen. Und als er die Zähne zusammenschlug – wie er glaubte über meiner Hand –, packte ich den andern im Nacken und schmiß ihn ihm in den Rachen. ›Jetzt!‹ rief ich Tilly zu.

Du weißt, wie kampflustig sie sind. Im Nu befanden sich Hunderte von ihnen in einem wilden Gemenge, sie lagen über- und untereinander, Frauen und Kinder flüchteten nach allen Seiten, und das Lager war wie von Sinnen. Tilly war fortgeschlüpft, und ich folgte ihr. Als ich aber einen Blick auf den Schwarm zurückwarf, flüsterte der Teufel mir was ins Ohr. Ich warf die Decke ab und ging zurück.

Die Hunde waren jetzt auseinander gejagt, und es begann wieder Ruhe zu herrschen. Niemand war, wo er sein sollte, so daß keiner Tillys Verschwinden bemerkt hatte. ›Hallo!‹ sagte ich und ergriff Häuptling Georges Hand. ›Möge der Rauch deines Potlachs zum Himmel steigen, und mögen dir die Sticks zum Frühling viele Felle bringen.‹

Gott strafe mich, Dick, aber er war ganz begeistert, als er mich sah – jetzt, da er den Sieg errungen hatte und Hochzeit mit Tilly hielt. Hier hatte er eine Möglichkeit, sich mir gegenüber zu brüsten. Das Gerücht, daß ich ganz wild nach ihr war, hatte sich schon im Lager verbreitet, und meine Anwesenheit machte ihn sehr stolz. Alle erkannten mich, als sie mich ohne Decke sahen, und begannen zu kichern und zu grinsen. Es war großartig, und ich machte es noch schöner, indem ich den Dummen spielte.

›Was gibt es hier für ein Hallo?‹ fragte ich. ›Wer hält hier Hochzeit?‹

›Häuptling George‹, sagte der Schamane und verbeugte sich tief vor ihm.

›Ich glaubte, er hätte zwei Kloochs.‹

›Ihn nehmen mehr – drei‹, mit einer neuen Verbeugung.

›Oh!‹ Und ich wandte mich ab, als ob es mich nicht interessierte.

Aber das war nicht die Absicht, und alle begannen zu rufen: ›Killisnoo! Killisnoo!‹

›Killisnoo? Was heißt das?‹ fragte ich.

›Killisnoo, Häuptling Georges Klooch‹, schnatterten sie. ›Killisnoo, Klooch.‹

Ich sprang auf und sah den Häuptling George an.

Er nickte und brüstete sich.

›Sie wird nie deine Klooch!‹ sagte ich feierlich. ›Nie deine Kloch‹, wiederholte ich, und sein Gesicht wurde ganz düster, und er griff nach seinem Jagdmesser.

›Sieh‹, sagte ich und stellte mich in Positur. ›Große Medizin, habt ihr meinen Rauch gesehen?‹ Ich zog die Fausthandschuhe ab, krempelte mir die Ärmel auf und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum.

›Killisnoo!‹ rief ich. ›Killisnoo! Killisnoo!‹

Ich machte Medizin, und sie begannen bange zu werden. Alle Blicke ruhten auf mir, und keiner hatte Zeit, daran zu denken, daß Tilly nicht da war. Dann rief ich wieder Killisnoo – dreimal – und wartete, und dann noch dreimal. Und das alles, um sie irrezuführen und unruhig zu machen. Häuptling George konnte nicht erraten, was ich vorhatte, und wollte dem Unsinn ein Ende machen, aber die Schamanen sagten, er solle warten, dann würden sie schon mit mir abrechnen – oder so was Ähnliches. Übrigens war er ein abergläubisches Biest, und ich rede mir ein, daß er sich vor dem Zauber des weißen Mannes ein bißchen fürchtete.

Dann rief ich ›Killisnoo‹ – ein langgezogenes, leises Geheul, wie Wolfsgeheul, bis die Frauen am ganzen Körper zitterten und die Männer recht bedenklich aussahen.

›Seht!‹ ich sprang vor und zeigte auf eine Schar von Indianerinnen – du weißt, Frauen sind leichter zu narren als Männer. ›Seht!‹ und ich hob den Finger, als folgte ich dem Fluge eines Vogels. Immer höher hob ich ihn gerade über meinem Kopfe und tat, als folgte ich ihm mit den Augen, bis er am Himmel verschwand.

›Killisnoo!‹ rief ich und sah Häuptling George an, während ich wieder in die Luft zeigte. ›Killisnoo!‹ Bei Gott, Dick, sie fielen drauf herein. Mindestens die Hälfte von ihnen sah Tilly in der Luft verschwinden. Sie hatten meinen Whisky bei Juneau getrunken und noch merkwürdigere Visionen gehabt, wie ich mir denken kann. Warum sollte ich das nicht tun, ich, der ich böse Geister in Flaschen verkorkt verkaufte? Einige von den Weibern schrien, und alle standen in Gruppen zusammen und tuschelten. Ich kreuzte die Arme über der Brust und warf den Kopf zurück, und sie zogen sich vor mir zurück. Jetzt war der Zeitpunkt zum Gehen gekommen.

›Ergreift ihn!‹ rief Häuptling George.

So drei, vier Stück gingen auf mich los, aber ich drehte mich herum, machte ein paar Armbewegungen, als wollte ich sie Tilly nachschicken, und zeigte in den Himmel. Mich anrühren? Nicht für alle Schätze der Welt. Häuptling George hielt ihnen eine lange Rede, aber sie trauten sich nicht von der Stelle. Da machte er selbst Miene, mich zu greifen, aber ich wiederholte meine Kunststücke, und sein Mut schwand zusehends.

›Laßt eure Schamanen Wunder tun, wie ich sie heute getan habe‹, sagte ich: ›Laßt sie Killisnoo vom Himmel herunterrufen, wo ich sie hingeschickt habe.‹ Aber die Priester kannten ihre Grenzen.

›Mögen eure Kloochs euch Söhne gebären, so zahlreich wie die Brut des Lachses‹, sagte ich, indem ich mich zum Gehen anschickte. ›Und mögen eure Totems lange im Lande bleiben, und möge der Rauch von euren Feuern beständig gen Himmel steigen.‹

Wenn die Kerle mich aber gesehen hätten, wie ich wie ein Wild nach dem Boot schoß, sobald ich ihnen aus den Augen war, so würden sie geglaubt haben, daß ich ein Opfer meiner eigenen Zauberkünste geworden wäre. Tilly hatte sich warm gehalten, indem sie das Eis aufhieb, und alles war bereit, abzustoßen. Du lieber Gott, wie wir dahinschossen, den heulenden Wind auf den Fersen, während die halbgefrorenen Spritzer immer wieder über uns hinwegschlugen. Alle Luken waren verschalt, ich selbst stand am Ruder, und Tilly hieb das Eis auf, und so fuhren wir die halbe Nacht, bis ich das Boot bei Porcupine auf den Strand auflaufen ließ und wir zitternd in unsern nassen Decken am Strande lagen; Tilly aber trocknete die Streichhölzer an ihrer Brust.

Ja, ich glaube schon, daß ich von Weibern mitreden kann. Sieben Jahre, Dick, lebten wir als Mann und Frau und teilten gute und böse Tage miteinander. Und dann starb sie mitten im Herz des Winters, starb im Wochenbett auf der Chilcat Station. Bis zuletzt hielt sie meine Hand in der ihren, und die Tür war innen vereist, und dickes Eis bedeckte die Fensterblase. Draußen das einsame Wolfsgeheul und die Stille, drinnen der Tod und die Stille. Du hast nie die Stille gehört, Dick, und bete zu Gott, daß du sie nie hören mögest, wenn du Seite an Seite mit dem Tode sitzest. Sie hören? Ja, bis dein Atem wie eine Sirene klingt und das Herz hämmert, wie die Brandung gegen die Küste hämmert.

Siwash, Dick, aber ein Weib. Weiß, Dick, weiß durch und durch. Kurz vor ihrem Ende sagte sie: ›Bewahr' mein Federbett auf, Tommy, hörst du – bewahr' es auf!‹ Dann schlug sie die schmerzerfüllten Augen auf. ›Ich bin dir eine gute Frau gewesen, Tommy – und deshalb sollst du mir versprechen – versprechen –‹, es war, als könnte sie die Worte nicht herausbringen, ›daß du, wenn du heiratest, nur eine weiße Frau nimmst. Keine Siwash wieder, Tommy. Es gibt viele weiße Frauen nach Juneau zu. Die Deinen nennen dich den Squaw-Mann, Frauen deiner eigenen Rasse wenden sich auf der Straße von dir ab, und du gehst nicht wie die andern Männer in ihre Hütten. Warum? Deine Frau ist Siwash. Ist es nicht so? Und das ist nicht gut. Das ist es, weshalb ich sterbe. Versprich es mir. Küss' mich zum Zeichen, daß du es mir versprichst.‹

Ich küßte sie, und sie flüsterte, schon halb bewußtlos: ›Es ist gut.‹ Und zuletzt, als der Tod so nahe war, daß ich das Ohr an ihre Lippen legen mußte, sagte sie mit einer letzten Anstrengung: ›Denk' an mein Federbett, Tommy.‹ Dann starb sie, im Wochenbett, auf der Chilcat Station.«

Das Zelt legte sich auf die Seite und wurde vom Sturm fast zusammengepreßt. Dick stopfte sich wieder die Pfeife, während Tommy den Tee machte und ihn dann beiseite stellte, damit er bereit wäre, wenn Molly zurückkam.

Und Molly mit den blitzenden Augen und dem Yankee-Blut? Geblendet, stolpernd, auf Händen und Knien kriechend, außerstande, in dem heftigen Sturm zu atmen, arbeitete sie sich heim zum Zelte. Auf dem Rücken trug sie ein großes Bündel, an dem der Wind aus aller Macht rüttelte und zerrte. Sie zupfte kraftlos an dem zusammengebundenen Zelteingang, aber Tommy und Dick waren es, die die Knoten für sie lösten. Dann nahm sie sich zu einer letzten Kraftanstrengung zusammen, taumelte herein und sank ermattet zu Boden.

Tommy schnallte die Riemen auf und befreite sie von ihrem Gepäck. Als er es aufhob, erklang ein Klirren von Töpfen und Pfannen. Dick, der gerade dabei war, etwas Whisky aus einem Kruge einzuschenken, ließ sich einen Augenblick Zeit, um Tommy zuzublinzeln. Tommy blinzelte wieder. Seine Lippen spitzten sich zu dem einen Wort »Kleider«, aber Dick schüttelte vorwurfsvoll den Kopf.

»Hören Sie, Kind«, sagte er, als sie den Whisky getrunken hatte und ein wenig zu sich gekommen war. »Hier ist etwas trockenes Zeug. Ziehen Sie es an. Wir müssen hinaus, um das Zelt mit einigen Extrapflöcken festzumachen. Wenn Sie fertig sind, rufen Sie uns, dann kommen wir zum Mittagessen. Sie brauchen nur zu rufen.«

»Gott strafe mich, wenn ihr das nicht für diesmal die scharfen Kanten abgeschliffen hat«, flüsterte Tommy, als sie beide hinter das Zelt krochen.

»Aber die scharfen Kanten sind ja gerade das Gute an ihr«, antwortete Dick, indem er sich duckte, um einer mächtigen Regensalve zu entgehen, die mit Wucht eine Ecke des Zeltes peitschte. »Die scharfen Kanten, die du und ich haben, Tommy, und die scharfen Kanten, die unsere Mütter vor uns hatten.«


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