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5.
Gebet, daß die anderen glücklich seien

Mein Gott, da doch die Welt so tut, wie du es ihr bestellt,
Da nach dem Markt die alten Pferde mit den schweren Knien
Und die gebeugten Ochsen sanft einträchtig ziehn,
Segne das freie Land und alle, die darinnen wohnen.
Du weißt, daß hingelagert bis zum blauen Horizont
Zwischen den schimmernden Gehölzen und dem Sturz der Bäche
Korn wächst und Mais und hochgewundne Reben.
All das ist wie ein großer Ozean von Güte ausgeschenkt,
Darein sich Mittagslicht und Himmelsklarheit senkt,
Und wie im freudig blanken Sonnenschein die Säfte steigen,
Regen die Blätter sich und singen an den Zweigen.
Mein Gott, da doch mein Herz, geschwellt wie eine Traube,
Ausbrechen will in Liebe und vor Schmerz zerbirst,
Wenn es dir gut scheint, laß es leiden, dieses Herz …
Doch gib, daß die unschuldigen Reben dort im Hügelgrün
In deiner Allmacht ihrer Reife sanft entgegenblühn.

Gib allen das Glück, das mir sich muß versagen,
Und daß die Liebenden, die sich gedämpfte Worte sagen,
Im Lärm der Wagen, Tiere und Verkäufe,
Hüfte an Hüfte ihre Küsse trinken.
Gib, daß die guten Bauernhunde in den Herbergswinkeln
Die Suppe schmackhaft finden und im Kühlen schlafen,
Und daß die Ziegen, die in langen Zügen schleppend schwanken,
Die ungereiften Beeren weiden samt den gläsern hellen Ranken.
Mein Gott, denk nicht an mich: ich bin bereit …
Doch – Dank! Denn sieh, ich höre unterm Himmel deiner Gütigkeit
Die Vögel, die im Käfig schon bestimmt, zum Sterben sich zu legen,
Aufsingen, o mein Gott, vor Freude wie Gewitterregen.


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