Otto Erich Hartleben
Gedichte
Otto Erich Hartleben

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Das Tor

            Aus schwarzem Marmor fügten sie vornacht das Tor
und eines seltnen Stolzes Inschrift gruben sie
auf seine Stirn. Es drängten die Jahrhunderte
an diesen Pfosten sich vorbei, das Haus zerfiel,
das Tor bestand – heut öffnet es die Flügel weit.

Auf diesen alten Schwellen lag manch träger Staub –
heut aber sollen braundurchwobne Purpurdecken
die grauen Quadern tauchen in den Strom der Seide
und einer Herrin wunderzarte Füße sollen
die großen Wandelsteine scheu auftretend segnen . . .

Es träumt der Herbst sein reiches Fest. Es herrscht am See
der weißen Chrysanthemen spätgeborne Pracht
und jener dunkelroten Blätter Überfluß,
der wie ein Mantel auf den morschen Mauern liegt –
Wo die Zypressen dort im Abendlichte glühn,
erscheint ihr Grün von Fäden dunklen Golds durchwirkt . . .

Die reinen Stufen schreit ich Fragender hinab.

 


 


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