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1. Einleitung.

Dämonologie! Welches Wort in heutiger Zeit einer intellektuellen und kulturellen Höhe! Mit dem mitleidigen Lächeln, das er für alles Transzendentale aufzubringen vermag, vernimmt es der moderne Wissenschaftler. Ja sogar im Lager der Okkultisten wird diesem Zweige der Geheimwissenschaft großes Mißtrauen und nicht selten direkte Abneigung entgegengebracht. Das ist kein Wunder. Wenn man die Literatur über diesen Stoff einer Prüfung unterzieht, kann man sich des Mißtrauens kaum erwehren. Auf der einen Seite werden unsinnige Vorschriften gegeben, deren praktische Durchführung in unseren modernen Verhältnissen unmöglich ist. Ferner sind diese Vorschriften so kompliziert und verworren, daß bei genauer Befolgung das Vollbewußtsein des Experimentators gleich Null ist und man sich nur allzuleicht in Spiegelfechtereien verwickeln kann und so das Opfer eigener mediumistischer Fähigkeiten wird. Auf der anderen Seite machen sich die »eingeweihten« Autoren, die in der Mehrzahl selbst noch nie Experimente durchführten, über die guten und einfältigen Leser in und zwischen den Zeilen in unzweideutigem Zynismus lustig. Diejenigen Werke, welche diesen Stoff mit mehr Einfachheit und Ehrlichkeit behandeln, lassen gerade die wichtigsten Kernpunkte unberücksichtigt und vergeuden ihre Energie mit Nebensächlichkeiten.

Aber wie man schon vor Jahrtausenden an einen Geisterverkehr, an eine Beschwörung von Dämonen und an faustische Verträge mit höllischen Mächten glaubte, so fehlt es auch in unserem aufgeklärten Zeitalter nicht an Menschen, welche diesem Glauben und diesen Überlieferungen eine unzweifelhafte Realität beimessen. Den Glauben an Dämonen und die Bestrebungen, mit feinstofflichen Wesen und Kräften in Verbindung zu treten, vermochte noch keine Zeit völlig auszurotten, und wenn dies einer Macht scheinbar gelang, so glomm der Funke unter der Asche fort. Es gab immer Menschen, welche die Geheimwissenschaft in gar zu kritischen Zeiten zu hüten wußten, so daß sie sich von Urzeiten bis in die heutigen Lage hinein erhalten hat und jetzt wieder, leider auch mit sehr verwerflichen Auswüchsen, in allen Volksschichten stark im Aufschwung begriffen ist. Mit Ausnahme der Dämonologie und des echten Rosenkreuzerwissens ist die heute noch so genannte Geheimwissenschaft schon längst keine solche mehr, denn über sie existiert eine übergroße Aufklärungsliteratur. Heute werden eben keine Manuskripte mehr von einer hochehrwürdigen Inquisition konfisziert und deren Verfasser mit Kreuz und Fahne auf den Scheiterhaufen geleitet.

Während verschiedene Wissensgebiete des Okkultismus Verbesserungen und Vereinfachungen erfuhren, ist die Dämonologie (ausgenommen in einigen esoterischen Geheimlogen) noch auf dem Standpunkt der grauen Vorzeit stehengeblieben. Sie ist heute noch ein völlig dunkles Gebiet, weil sich jeder scheut, diesen Stoff öffentlich anzuschneiden. Es fehlt zwar nicht an Forschern, welche auf dem Gebiete der Dämonologie vielseitig experimentieren und dabei erstaunliche Resultate zu Tage fördern, aber diese Resultate gelangen nur selten an die Öffentlichkeit, da es für jeden, der für die Realität solcher Phänomene öffentlich eintritt und sie als tatsächliche Erlebnisse bekennt, ein großes Wagnis ist. Die materialistische Aufklärung, welche übersinnliche Kräfte nicht anerkennen will, ist schnell bei der Hand, jeden, der sich über ihren Erkenntniskreis hinauswagt, als Dummkopf oder Betrüger zu stempeln. Je einfacher und natürlicher solch ein Forscher seine Erfahrungen und Erlebnisse darstellt, umso mehr wird er verdächtigt und angegriffen, und dies nicht nur von materialistisch eingestellten Skeptikern, bei denen ihr Vorgehen einem blinden Vorurteil gegen alles übersinnliche, aber im Grunde genommen einer ehrlichen Überzeugung entspringt, sondern in noch größerem Maße von sogenannten »Auch- und Geschäftsokkultisten«, die ein Feind alles Einfachen und Klaren sind. Im eigenen Lager wird das Ansehen des Okkultismus am meisten untergraben. Die genannte Spezialität, welche auf allen okkulten Wissensgebieten stets nur auf der Oberfläche dahinschreitet, mystifiziert sich gegenseitig mit Unverstandenem, und es gelingt ihr meist, diese Oberflächlichkeiten und den unsinnigsten Mystizismus an den Mann zu bringen und obendrein noch Anerkennungen zu ernten. Dem naiven Neuling und Suchenden kann der Geschäftsokkultismus alles vorsetzen, und die Gewinne sind um so größer, je komplizierter ein im Grunde genommen ganz einfaches Problem ausgearbeitet und je mehr das Natürlichste in geheimnisvollem, schwerverständlichem Mystizismus präsentiert wird. Diese Pseudo-, Schablonen- und Geschäftsokkultisten sind der Krankheitsbazillus der okkulten Bewegung. Aber wie alle Krankheitsbazillen nur im Morast und Dunkel ihr Leben fristen können, so werden auch die Schädlinge des Okkultismus verschwinden, wenn mehr und mehr berufene Forscher an die Lösung aller dunklen Probleme Herangehen. Dazu brauchen wir bestes Tatsachenmaterial, welches jeder kritischen Prüfung auch seitens der offiziellen Wissenschaft standhält.

Man erinnere sich nur an die Anfänge der Popularisierung des Hypnotismus. Auf der einen Seite wurde von geschäftstüchtigen Elementen der Aber- und Wunderglaube genährt und die Unwissenheit der großen Masse gründlich ausgemünzt. Auf der andern Seite aber bemühten sich unausgesetzt redliche Forscher trotz der Ignorierung und der vielen Angriffe der offiziellen Wissenschaft um die Klärung und Vereinfachung dieses heißumstrittenen Problems. Die vielen Aussprachen und Veröffentlichungen zahlreicher experimenteller Ergebnisse veranlaßten zuletzt doch die wissenschaftlichen Kreise zur Untersuchung des Hypnotismus. So kam es, daß der Hokuspokus eines gewissen Interessentenkreises in sich zusammenfiel. Die Schale früherer Irrtümer und des Aberglaubens hat sich nun vom Kern dieser nunmehrigen Wissenschaft gelöst.

So muß auch schließlich das bisher umgangene Problem der Dämonologie untersucht und gelöst werden. Nur die experimentelle Forscherarbeit vieler Pioniere, die Veröffentlichung und der Austausch aller Erfahrungen bringen uns nach und nach die Erkenntnis, inwieweit die Phänomene wirklich übersinnliche Wesen oder autohypnotische Einbildungsprodukte sind. Nach dem bis jetzt zur Verfügung stehenden Material können die Erscheinungen sowohl das Resultat äußerst komplizierter Wachsuggistionsgebilde sowie unbewußt mediumistische Abspaltungen des eigenen Astralleibes, als auch wirkliche, außerhalb uns befindliche Astralkräfte sein. Aus den bisherigen Kenntnissen über die Dämonologie wird noch mancher Irrtum in Theorie und Praxis ausgeschaltet werden, und auch die zur Verwendung gelangenden Hilfsmittel werden noch auf astrologisch-kabbalistischer Grundlage vereinfacht und verbessert werden. Alle in den zugänglichen Experimentalanleitungen genannten Hilfsmittel und Formeln erweisen sich in der Praxis vielfach als Ballast oder nur unvollkommenes Stückwerk.

Vielseitige aufmerksame Praxis wird mit der Zeit auf den rechten Weg führen, von wo man mit Verständnis altes überliefertes Material richtig beurteilen und in das wahre psychologische Licht stellen kann. Zur Erforschung der Dämonologie in all ihren Phasen muß stets der praktische Versuch den Kernpunkt bilden, sonst theorisiert man über persönlich unbekannte Dinge und läuft dem Mystifizismus ins Garn. Das Ziel eines jeden Forschers muß es sein, sich durch eigene Versuche von der Tatsächlichkeit übersinnlicher Phänomene zu überzeugen. Aus den Folgerungen eigener Versuche lernt man am besten die gesetzmäßigen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung auch hier kennen, und hat es dann in der Hand, mit guten oder schlechten Kräften in Verbindung zu kommen. Würde überhaupt jeder Okkultist dieser Norm folgen, dann hätten wir gesündere Ansichten und Urteile über den ganzen Okkultismus schon im eigenen Lager, und der Aberglaube wäre nicht so kraß vertreten, wie dies in Unkenntnis der Zusammenhänge von Ursache und Wirkung vielfach der Fall ist. Die Realität des Hypnotismus kann heute kein Gebildeter mehr in Frage stellen, ohne sich eine große Blöße zu geben. Wie lange wird es wohl dauern, bis es mit der Dämonologie so weit ist?

Ein großer Stein des Anstoßes, über den mancher Forscher nicht leicht hinwegkommt, ist das Verhalten der heutigen Kirche gegen die Dämonologie. Einesteils findet die Existenz niederer und höherer geistiger Wesen bei ihr Würdigung und Pflege. Andernteils verhält sich die Kirche, dem herrschenden materialistischen Zeitgeist entsprechend, den übersinnlichen Phänomenen gegenüber ablehnend. Es wird des öfteren mit Recht geklagt, daß selbst katholische Priester eher geneigt sind, einen bei besonderen Anlässen Hilfesuchenden lächerlich zu machen, als ihm mit der Magie des Gebetes u. a. beizustehen. Namentlich die katholische Kirche besitzt reichhaltiges Material über alle Arten von Dämonentum aus allen Zeiten. Zum Kampf gegen dämonische Einflüsse benutzte sie das Benedictionale, in welchem zu diesem Zwecke religiöse Beschwörungsformeln angegeben sind.

In Bezug auf geistige Kräfte bietet die Dämonologie jeder Faustnatur die Erfüllung großer und größter Wünsche. Dagegen dürften von denjenigen, welche nur nach Reichtum und Wohlleben streben, die wenigsten auf ihre Rechnung kommen. Ob man durch Verhandlungen und Verträge mit Dämonen alle gewünschten irdischen Güter erreichen kann, soll dahingestellt bleiben. Sicher aber ist, daß solche Verhandlungen und Verträge, falls sie astral oder wirklich abgeschlossen werden, für den leichtsinnigen Egoisten eine Gefahrenquelle bergen, von der er sich keinen Begriff machen kann. Die Kräfte, welche er auf diese Art anzieht, werden ihn wider seinen Willen beherrschen und in ein grausames seelisches Chaos schleudern, wo Wahnsinn und Tod lauert.

Überhaupt sollten nur solche Personen auf diesem Gebiete experimentieren, welche körperlich und geistig im Vollbesitze ihrer Kräfte sind. Diejenigen aber, welche sich berufen fühlen, das hier herrschende Dunkel zu lichten, mögen an die Arbeit gehen, denn hier stehen Probleme auf dem Spiel, deren endgültige Lösung Vielen ein längst ersehntes Bedürfnis ist.

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