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Nachwort

Der Titel dieses Buches bezeichnet die Parapsychologie ausdrücklich als Wissenschaft, und, in der Tat, sähe der Verfasser dieses Werkes sie nicht als Wissenschaft an, so hätte er sein Buch gar nicht geschrieben. Denn mit vagen Glaubenslehren hat er nichts zu tun.

Alle Wissenschaft nun ist rational; nicht zwar in dem Sinne, daß sie glaubte oder glauben dürfte, aus der »reinen Vernunft« empirische Wahrheiten hervorzaubern zu können, wohl aber derart, daß sie sich zutrauen darf, mit Hilfe jenes Instrumentes, welches Vernunft oder Verstand heißt, inmitten dessen, was »gegeben« ist, Typen der Ordnung, also das, was man gemeinhin Gesetze nennt, zu erfassen.

In diesem Sinne ist die Parapsychologie ganz ebenso rational wie etwa die Chemie. Daß sie neue, auf den ersten Blick seltsam anmutende Gesetze findet, liegt eben am »Gegebenen«. Dieses ist nun einmal in gewissen Bezirken der empirischen Wirklichkeit »seltsam« – das heißt nichts anderes als: spät mit Sicherheit als tatsächlich erfaßt und noch wenig durchschaut.

Um »Wunder« handelt es sich durchaus nicht; Wunder, wenn man sie zuläßt, sind einmalige Durchbrechungen der Naturgesetze. Gerade die Einmaligkeit ist ihre Wesenskennzeichnung. Alles Parapsychische aber ist ja gesetzlich.

Auch um »Mystik« handelt es sich ganz und gar nicht, es sei denn, man nenne alles, was man, da es auf »Gegebenem« ruht, nicht restlos versteht, mystisch – also auch die Chemie. Mystik im eigentlichen Sinne, wie einige Philosophen sie vertreten haben, ist eine besondere philosophische Haltung, ruhend auf dem Glauben, daß der Mensch begabt sei, das Wesen des Wirklichen ohne Vernunftarbeit schauend unmittelbar zu erfassen. Von wenig Dingen wissen gerade wir uns so fern wie von Mystik. Hat man übrigens doch auch gelegentlich, in völliger Verkennung der Bedeutung des Wortes, meinen Vitalismus »Mystik« genannt!

Als »Magie« mag man meinetwegen die Parapsychologie bezeichnen – das heißt aber dann nur, daß die Gegenstände, mit denen sich diese Wissenschaft beschäftigt, noch sehr wenig durchschaut sind und sehr wenig, sozusagen, in der Hand gehalten werden. Primitive Völker halten in diesem Sinne ja auch den Europäer, der sie photographiert, für ein »magisches« Wesen.

In Wahrheit ist Parapsychologie echte Aufklärung. Denn »aufklärend« ist jedes Wissen, das in der Welt, wie sie einmal ist, Formen der Ordnung, d. h. Gesetzlichkeiten, erfaßt.

Wie solche Gesetzlichkeiten beschaffen sein mögen, weiß kein Mensch ohne Erfahrung oder »a priori«, um den in der Philosophie üblichen Ausdruck zu gebrauchen. Wer da glaubt, solches Wissen zu besitzen, täuscht sich selbst (und leider oft auch andere). Nur die Sätze der allgemeinen Logik und Mathematik sind »a priori« für alles mögliche Wissen verbindlich – nur sie.

Möglich im logisch-mathematischen Sinne – (Leibniz sagt: possibile) – wäre also jede in sich nicht widerspruchsvoll gestaltete Welt; Sagen und Märchen geben uns solche »mögliche« Welten. Was sachlich möglich ist – (Leibniz sagt: compossibile) – lehrt uns nur die Erfahrung; und sie lehrt es uns immer nur in vorläufiger, verbesserbarer Weise, weil wir das Wirkliche nur in Bruchstücken kennen.

Gewiß, man wird vorsichtig sein gegenüber neu behaupteten Wirklichkeiten, die auf Grund des bisher erworbenen Erfahrungswissens nicht als sachlich möglich erschienen. Man wird ihre Tatsächlichkeit in größter Strenge zu »sichern« suchen, denn der Irrtums- und Täuschungsquellen sind viele. Gerade das haben wir ja im ersten Teil dieser Schrift getan.

Was aber unter dem unendlich vielen logisch Möglichen sachlich gesichert, also als »wirklich« und damit tatsächlich möglich erwiesen ist, das hat man auch anzunehmen, das darf man nicht beiseite schieben und nicht sehen wollen.

Wer da meint, von vornherein über sachlich Mögliches und Unmögliches entscheiden zu können, und sich dann noch gar dem als tatsächlich Erwiesenen verschließt – der schädigt echte aufklärende Wissenschaft.

 


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