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Anhang.
Das 600jährige Jubelfest der St. Michaelsverehrung am 29. September 1927.

Kaum hatte die Forschung in der alten Geschichte des St. Michaelsberges mit genügender Sicherheit feststellen können, daß der Beginn der Verehrung auf dem Eifelberge noch in das erste Drittel des 14. Jahrhunderts zu setzen sei, da regte sich auch schon in den Herzen aller Freunde und Verehrer des Michaelsberges der Wunsch, die 600jährige Jubelfeier der geliebten Stätte in besonders festlicher Weise zu begehen. Der ausgesprochene Gedanke zündete sofort. Besonders in der Pfarrgemeinde Schönau und Mahlberg wurde er mit Jubel aufgenommen und aus der Zustimmung erwuchs das freudige Versprechen eines jeden, alles aufbieten zu wollen, um dem seltenen Feste zu einem vollen Gelingen zu verhelfen. Alle aber waren einig, daß der Charakter des Festes ein rein kirchlicher zu sein habe, ohne den Rahmen der sonst üblichen weltlichen Feier. Alle empfanden aber das Jubelfest nur dann die richtige Weihe erhalte, wenn ein bischöflicher Oberhirte sie ihm geben werde. Auch das zu verwirklichen, ist zu Aller Freude und Genugtuung gelungen. Der hochwürdigste Herr Weihbischof von Köln, Dr. Hammels, ließ sich in liebenswürdiger Weise gewinnen, der Feier beizuwohnen, und ein besonders glücklicher Zufall fügte es, daß gerade der höchste Festtag des hl. Erzengels, der 29. September, zum Jubelfeste seines ehrwürdigen Kirchleins bestimmt werden konnte.

Nur wenige Tage trennten uns noch von dem Feste, als alles endgültig feststand. Wie regten sich die Hände nunmehr im Dörflein Mahlberg, ihm ein Festgewand zu schaffen, wie es ein solches noch nie getragen! Mit welcher Geschäftigkeit wetteiferte Alt und Jung Ehrenpforten und Triumphbogen erstehen zu lassen bis hinauf zu der ragenden Höhe des Berges. Wird St. Michael an seinem Ehrentage uns blauen Himmel und Sonnenschein bescheren, so klang die Frage in hunderten von Herzen! Auch aus des hochwürdigsten Bischofs Worten klang die gleiche sorgende Frage, als er die feste Zusage zum 29. September gab. Aber mit Zuversicht tönte ihm die Antwort entgegen: »Wir vertrauen auf St. Michaels Hilfe«!

Ein herrlicher Festesmorgen blaute über die Eifelhöhen empor so wunderbar, wie ihn selten der in diesem Berglande schon rauhe Herbst zu schenken pflegt. Prächtiger Sonnenglanz überstrahlte Berg und Tal und wob die schönste Gloriole um St. Michaels Kirchlein. Und mit dem Sonnenglanze zogen Sonne und Freude in die Herzen aller Festteilnehmer und strahlten zurück aus tausend fröhlichen Augen.

Kurz vor 10 Uhr traf, der hochwürdigste Herr und sein Geleite in zwei Autos am Eingange des Dorfes Mahlberg ein. Ein ganz reizender Anblick bot sich den aus den Wagen entsteigenden Festteilnehmern. Dicht gedrängt, die Breite der Straße sperrend, stand zur Seite des kurz vorher dem frommen Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Gemeindesöhne geschaffenen Denkmales, die festlich gekleidete Menge zur Begrüßung ihres Oberhirten. Wunderhübsch und harmonisch klangen zusammen die frohen Farben der festlichen Priestergewänder, der bei einer katholischen kirchlichen Festfeier selbstverständlich vertretenen Chorknaben in ihren hübschen Trachten, von denen einige in blauen Talaren mit dem reizenden Standbilde des hl. Erzengels Michael einherschritten, der bunten Fahnen, der leuchtenden Schärpen, der weißen Kleider der Schülerinnen und endlich der Girlanden und Kränze an den schönen alten Fachwerkhäusern.

Mit beredten Worten der Freude und des Dankes bot Pfarrer König dem Oberhirten den Willkommengruß. Er wies hin auf das ehrwürdige Alter und die Geschichte des Michaels-Heiligtums, in dessen Schutze die Gemeinden Schönau und Mühlberg seit vielen Generationen sich geborgen fühlen. Er dankte dem Oberhirten, daß er gekommen, um teilzuhaben an dem Jubelfeste des hl. Erzengels und sprach den besonderen Dank der Gemeinde aus, die es wohl zu schätzen wisse, daß zum ersten Male ein Oberhirte an ihrem höchsten Feste teilnehme.

Der Ansprache des Pfarrers folgte ein hübsches Begrüßungsgedicht einer Schülerin, dann setzte sich der Prozessionszug mit Musik, Gesang und Gebet in Bewegung, in der Mitte der Bischof unter dem Baldachin. Von jedem Häuschen des Dorfes grüßten Fahnen, Kränze und Blumen.

Als der Zug die steile Höhe hinan zog, waren den auswärtigen Teilnehmern zwei besondere Ueberraschungen vorbehalten. In früheren Jahren tönte vom Turme des Kirchleins nur ein Glöcklein den Ankommenden entgegen und sein Klang verflatterte in dieser isolierten Höhe zart und dünn. Heute aber traute man fast seinem Ohre nicht, als ein starker, achtunggebietender Dreiklang ihm entgegenschwang. Der verwunderten Frage folgte stolze Antwort mit von froher Genugtuung strahlenden Gesichtern! Man hatte, dank dem schnellen Entschlusse des Pfarrers König, am Vorabende des Festes zugegriffen und zwei in der Glockengießerei Brilon entstandene und ursprünglich für die Nachbargemeinde Rupverath bestimmte Glocken herangefahren und sie in unendlich mühevoller Arbeit in der letzten Nacht an Ort und Stelle gebracht. Zum ersten Male ertönte ihr eherner Mund zur Einleitung des Jubelfestes.

Die zweite Ueberraschung erlebten wir auf der halben Höhe des Berges, dort wo sich eine Ehrenpforte mit der Zahl »600« über den Weg spannte. Hier empfing der durch seine künstlerischen Leistungen hervorragende Kirchenchor der uralten Münsterkirche in Bonn, mit seinem Dirigenten, Musikdirektor Veith den Herrn Weihbischof mit einem Begrüßungschore. Der Eindruck, den die freundliche Darbietung der Sänger und Sängerinnen unter den noch im frischen Grün prangenden und vom Sonnenschein durchblitzten Bäumen auf die Festteilnehmer machte, war ein außerordentlicher.

Als der Zug zum Kirchlein gelangte, war es bereits bis zum letzten Platze von den von fern und nah herbeigeströmten Scharen besetzt. Nur mit Mühe konnte eine schmale Gasse geöffnet werden, durch die sich der Bischof, die Priester und die Ehrengäste hindurch winden mußten, um noch einen Platz in dem kleinen Chore zu erlangen. Dann begann das feierliche Jubelhochamt, zelebriert von Dechant Kaulard aus Kirspenich. Der Bonner Münsterchor trug in vollendeter Weise die fünfstimmige Michaelsmesse von Haller und das vierstimmige Credo von Goller vor. Den Glanzpunkt bildete die Festpredigt des Herrn Bischofs, der mit Mantel, Mitra und Stab die im Freien errichtete Kanzel bestieg, um zu der etwa 1200 Köpfe betragenden, dicht gedrängten Menge zu sprechen. Die Gedanken und Worte seiner Rede waren schön, eindrucksvoll und zu Herzen gehend. Er beglückwünschte die gläubigen Söhne und Töchter des Eifellandes zu ihrer die Jahrhunderte überdauernden Treue und Anhänglichkeit an ihren vornehmsten Patron und Fürsprecher St. Michael und seine alte ehrwürdige Gnadenstätte. Er wies sie darauf hin, daß sie auf heiligem Boden stünden, der vielleicht schon dem Dienste des Allerhöchsten und seinem Fürsten Michael geweiht gewesen, von dem ersten Anbeginn ab, wo die christliche Lehre in diese noch einsame Bergwelt eingedrungen sei. Er sprach von der Möglichkeit, daß der Kultus auf dem Michaelsberge vielleicht noch älter sei als die Geschichtswissenschaft nachweisen könne, und daß möglicher Weise schon vor 1200 Jahren der hl. Willibrord oder einer seiner Gefährten seinen Fuß bis hier hingesetzt haben könne, wo damals noch das finstere Heidentum seinen heidnischen Göttern gedient und geopfert habe. Und das bot dem Redner Anlaß, seine Zuhörer auf das Glück hinzuweisen, das sie im wahren christlichen und katholischen Glauben besäßen, ein Glück, das sie in Treue und Festigkeit zu bewahren hätten bis an ihr Ende und das sie ebenso treu und fest auf Kinder und Kindeskinder zu vererben hätten, als Angehörige und Stammesglieder eines alten, treuen, ehrenfesten und gläubigen Eifelvolkes!

Nach dieser sichtlich eindrucksvollen, oberhirtlichen Festpredigt setzte sich die sakramentale Prozession über den Stationsweg in Bewegung, wie sie urkundlich schon über 300 Jahre üblich und althergebracht ist. Auch der Bischof schloß sich dem letzten Teile des Umzuges an und erteilte von der hohen Freitreppe der Kirche zum Schlusse den feierlichen sakramentalen Segen. Mit dem Gesange »Großer Gott wir loben Dich« schloß die allen Teilnehmern zeitlebens unvergeßliche Jubelfeier.

An der Festfeier nahmen viele Geistliche teil, darunter

Domvikar Hinsenkamp,
Archidirektor Dr. Lohmann,
Bibliothekar Dr. Heusgen, alle aus Köln,
Dechant Kaulard aus Kirspenich,
Oberpfarrer Wertes aus Münstereifel,
Pfarrer Reinartz aus Weingarten,
Pfarrer Fremy aus Bouderath,
Pfarrer Linnartz aus Frohngau,
Pfarrer Hüren aus Effelsberg,
Pfarrer Overbach aus Lommersweiler (Diözese Lüttich),
Pfarrer Stinnesbeck aus Thommen (Diözese Lüttich),
Pfarrer Klinker aus Grefrath und
Pfarrer Knor aus Nievenheim,

letztere beide früher Pfarrer von Schönau und um den Sankt Michaelsberg sehr verdient.

Als weitere Ehrengäste nahmen teil:

Studiendirektor Dr. Hilff-Münstereifel,
Sanitätsrat Dr. R. Creutz, Köln,
Bauunternehmer Michael Fischer, Köln-Nippes,
Fabrikant Quirinus Jägers, Neuß.

Eine hübsche Episode darf nicht vergessen werden. Am Jubelfeste wurde dem Mahlberger Lehrer, Herrn Schmitz, der zu den Vorbereitungen und dem glücklichen Gelingen des Festes ein wohlgerüttelt Maß von Mühe und Arbeit beigetragen hat, eine besondere Freude und Ehrung zuteil dadurch, daß der Herr Weihbischof nachmittags den neugeborenen Sohn des Herrn Schmitz in der Michaelskirche taufte.

Nicht unerwähnt sollen bleiben die herzlichen Glückwünsche von nah und fern, insbesondere die herrlichen und huldvollen Schreiben, die anläßlich der Jubelfeier dem Pfarrer des Michaelsberges zugingen, darunter eines vom Herrn Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, Herrn Reichskanzler Dr. Marx, Herrn Landeshauptmann Dr. Horion, Herrn Oberpräsident Dr. Fuchs, Herrn Regierungspräsidenten Elfgen aus Köln und Herrn Landrat Dr. Knoll. Auch wurde im Laufe der Festtage ein Huldigungstelegramm an den glorreich regierenden Hl. Vater, Papst Pius XI., durch den Pfarrer im Namen der zahlreichen Pilger geistlichen und weltlichen Standes gerichtet.


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