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Zweites Bild:
Die Blütezeit des St. Michaelsberges unter den Vätern der Gesellschaft Jesu 1632-1773.

Als die Jesuiten das (Kollegium in Münstereifel gründeten und wenige Jahre später die Kirche und den Dienst auf dem Sankt Michaelsberge übernahmen, ging das erste Drittel des 17. Jahrhunderts zu Ende, das als eines der traurigsten und trostlosesten in der Geschichte Deutschlands zu werten ist. In Deutschland tobte vor allem der 30jährige Krieg. Es ist bekannt, wie unsäglich unser Land durch ihn zu leiden hatte. Es litt vor allem auch durch die unter den Einwirkungen des Krieges sich entwickelnde religiöse und moralische Verwilderung. Sie fand sich bei Hoch und Niedrig und so wird es verständlich, daß in einem erhaltenen Bruchstück der » Historia Collegii Monast. Eifl.« (Kölner Stadtarchiv Jes. 659), auch von den Zuständen in der Vordereifel wenig Erbauliches berichtet werden konnte. Der Münstereifeler Stiftskanonikus Hermann Gebour, in dessen Hause die ersten Jesuiten eine gastliche Aufnahme fanden, schrieb damals an den P. Baving, Provinzial der Jesuiten, daß in der Vordereifel Irrglaube, Aberglaube, Zauberwahn sowie religiöse Gleichgültigkeit herrsche und dazu Unwissenheit in einem Grade, daß alte Leute nicht einmal das Vaterunser richtig aufzusagen wüßten. Da fanden also die Jesuiten ein weites Arbeitsfeld, auf das sie sich mit Feuereifer stürzten. Man kann nicht anders als ihren Mut bewundern, der sich weder durch die traurige Zeitlage noch durch die Aussicht abschrecken ließ, zu jeder Stunde der plötzlichen Vernichtung des schon Erreichten gewärtig sein zu müssen. Aber der Segen ruhte auf ihrem Beginnen und schon in wenigen Jahren müssen sie große Erfolge erziehlt haben. Als Graf Karl von Manderscheid-Gerolstein ihnen im Jahre 1632 die Kirche auf dem St. Michaelsberge übergab, wies er in der Collationsurkunde mit lobenden Worten darauf hin, daß gerade die auch von ihm erkannte segensreiche Tätigkeit der Jesuiten unter seinen Untertanen ihn bewogen habe, ihnen für die Dauer ihrer Niederlassung in Münstereifel die uralte Verehrungsstätte Sankt Michaels zu treuen Händen zu übergeben.

Das Original der Collationsurkunde des Grafen Karl, vom 2. Juli 1632, ist leider nicht mehr erhalten. Aber glücklicher Weise existiert in dem Teile des alten Manderscheid-Blankenheim'schen Archivs, das sich bei der Herzoglich von Croy'schen Domänenverwaltung in Dülmen befindet, eine fast gleichzeitige beglaubigte Kopie des Vogtes und der Scheffen des Hauptgerichtes von Stadt und Amt Münstereifel, ausgefertigt am 27. Juni 1636 durch den Licentiaten der Rechte Philippus Koilhaß, der fast 50 Jahre lang Gerichtsschreiber und später Herzoglicher Rat in Münstereifel war.

Die Urkunde lautet:

 

»Wir Carll Graue zue Manderscheidtt Blankenheim und Gerolstein, Herr zue Cronenburg, Bettingen und Dhaun, des H. Römsichen Reichs Ritter, Kaiserl. Majest. bestelter Obrister fügen hiermit zu wissen.

Demnach Uns zu Underschiedlichen mahlen mit besonderem wolgefallen vorkommen, wassgestalt die Löbliche Societet Jesu zue Münster Eiffel residirend, in Umliegenden Orthen mit ihren heylsamen Uebungen so wol in den Schulen mit underweisung der Jugend alss auch mit Predigen, Beichthören, Catechisiren und anderen standmäßigen functionen dem gemeinen Wolstand und Besten in allweg sich unverdrossen auffhalten und gebrauchen lassen.

Wan nun wir jeder Zeit mehreres nit gewünscht haben, den wie wir Unseres theilß die höchste Ehr Gottes zu vorderest, dan auch die Unserer und Undergebener Lieber Underthanen und jedermenniglichen Seligkeit fürderlichst beförderen möchten: Unterdessen aber uns nit unbewußt ist welcher maßen uns das Jus Patronatus des sacelli Sancti Michaelis Archangeli in dem Kirspel Schönaw gelegen ungezweiflet competiren thue, Welches uhralter Veneration halber von vielen benachparten besucht wird mit sonderbarer Andacht, Damit dan alsolche devotion nit allein in ihrer gottseeligen Uebung sicherst Underhalten werde.

Also haben wir wolbedachtsam vorgen. Sacellum obgedachter Societet Jesu zue Münster Eiffel gleichwol ohne einiges präiudicium. der Pfarre und Pastors zue Schönaw und anderen gerechtigkeiten daselbst und sonsten jedermänniglich gnäthig conferirt und aufgetragen.

Wie wir dan in Krafft dieses conferiren alslang vielgenante Societet zue Münster Eiffel bleiben und verharren wirdt, Im widrigen Fall soll Uns einen Weg als den anderen frey und bevorstehen den Uns oder Unserer Posterität belieben möchte gnäthig damit zu willfahren alles ohne gefehrde und arglist.

Urkundt Unserer eignen handen Signaturen und herfürgedrücktem ahngeborenen Gräfflichen Insiegels.

Signatum Gerolstein Ipso Visitationis gloriosae Virginis Mariae Anno 1632.

Carol. Graff zu Manderscheidt.«

 

Das Archiv Djülmen bewahrt auch das Original der Verpflichtungsurkunde des P. Rektor gegenüber der Pfarre Schönau, das bisher noch nie veröffentlicht worden ist. Bei der Wichtigkeit der Urkunde folgt sie im lateinischen Text und in der genauen Uebersetzung:

 

» Donatio atque praesentatio capellae Sancti Michaelis in Monte ad manus Patrum Societatis Jesu ut sequitur;

Infrascriptus fateor ex eo quod Illustriss. comes Carolus de Manderscheit in Gerolstein p. gratiosus Dominus noster societati nostrae contulerit clementer sacellum Divi Michaelis Archangeli nihil präjudicatum Pastoralibus proventibus in Schönaw et Malberg nec unquam in futurum societatem nostram ullatenus praetensuram, nec quidquam quod aut huic moderno Domino Pastori aut sequentibus possit ullo modo curiae reditus Pastoralis incommodar.

In quam fidem haec propria manu scribsi (!) ac subscribsi (!) ac officiy mei consueto Sygillo munivi.

Monasteriy Eyffliae 23. Augusti 1632

Henricus Rincopius »Societatis Jesu.«

Uebersetzung.

Schenkung und Uebertragung der Kapelle des heiligen Michael auf dem Berge in die Hände der Väter der Gesellschaft Jesu wie folgt:

Ich bekenne mit meiner Unterschrift, daß, nachdem der hochgeborene Graf Karl von Manderscheidt zu Gerolstein, unser wohlgesinnter Herr, unserer Gesellschaft die Kapelle des heiligen Erzengels Michael gnädig übertragen hat, dadurch für die Einkünfte der Pfarre Schönau und Malberg nichts Nachteiliges entschieden ist. Auch wird unsere Gesellschaft in Zukunft niemals irgend etwas zum Vorwande nehmen, wodurch entweder dem derzeitigen Herrn Pfarrer oder seinen Nachfolgern die Einkünfte der Pfarrstelle beeinträchtigt werden könnten.

Zur Beglaubigung habe ich dieses Schriftstück mit eigner Hand geschrieben und unterzeichnet und mit meinem gewohnten Amtssiegel versehen.

Münstereifel, den 23. August 1632.

Heinrich Rincop S. J.

 

Ueber die Ereignisse, die mit der Verehrungsstätte St. Michaels in den ca. 140 Jahren der Jesuitenzeit zusammenhängen, müßten wir der Hauptquelle ermangeln, hätten nicht die Jesuiten selbst in ihren Jahresberichten ( Litterae annuae) der niederrheinischen Ordensprovinz, an die Berichte über das Kollegium zu Münstereifel fast regelmäßig längere oder kürzere Nachrichten über ihr Wirken und ihre Erfolge auf dem St. Michaelsberge angeschlossen. Unverkennbar ist in diesen Nachrichten vor allem die große Liebe, mit der die Jesuiten an dieser schlichten und einsamen Verehrungsstätte gehangen haben. Groß und reichlich aber ist die Fülle der Nachrichten aller Art, die uns erkennen läßt, wie die Zeitperiode, in der die Väter der Gesellschaft Jesu den St. Michaelsberg besaßen, eine wahre Glanzzeit des Berges darstellt, wie sie weder vorher noch nachher jemals erreicht worden ist. Leider stehen uns zurzeit nur die Berichte über die Jahre 1680-1772 (Kölner Stadtarchiv) zur Verfügung. Dagegen fehlen die gleichen Berichte über die Jahre 1632-1679. Es war zu hoffen, daß sie sich in dem Jesuitenarchiv zu Balkenburg in Holland vorfinden würden. Aber die Nachfrage hat ergeben, daß sie dort nicht mehr sind und daß auch der Aufbewahrungsort zurzeit unbekannt ist. Selbst P. Duhr, der sie zu seiner großen Geschichte der Jesuiten benutzt hat, war nicht mehr in der Lage, sie nachzuweisen. Lägen diese Berichte vor, so würden sie erkennen lassen, wie in den Jahren 1632-1679 der Zustrom zu St. Michaels Verehrungsstätte steigend sich entwickelte, bis er die Höhe erreichte, die wir im Jahre 1680 vorfinden. Andererseits würden sie sicher wie vom Jahre 1636 auch von den Jahren 1642, 1646, 1678-79 gemeldet haben, daß die durch die Belagerungen und Eroberungen der Stadt Münstereifel sich ergebenden Auswirkungen das Wallfahrtswesen zum Sankt Michaelsberge zeitweise sehr behindert, zeitweise auch gänzlich unterbunden haben.

Gemäß der kirchlichen Liturgie wurde St. Michael auf dem Eifelberge in erster Linie als Seelenführer und Fürsprecher nach dem Tode verehrt. Da aber seine Verehrer in der Ueberzahl stets die Landleute waren, so wurde er auch der Hauptpatron der Landleute in ihren irdischen Nöten. Wenn die Pestzeiten überall Furcht und Schrecken verbreiteten, so erflehten sie vertrauensvoll die Hilfe St. Michaels. Das Gleiche taten sie, wenn Viehseuchen ihre wertvollste Habe bedrohten, wenn anhaltende Dürre oder endlose Regenzeiten ihre Ernten in Frage stellten. Immer stand der heilige Erzengel gleichsam im Mittelpunkte ihres arbeitsvollen und entbehrungsreichen Lebens.

Schon vom Jahre 1629 ab war, wie wir in der Frühgeschichte gehört, das Gebiet der Vordereifel von einer Pestepidemie heimgesucht. Vom Jahre 1636 berichtet eine Notiz auf dem ältesten erhaltenen Schülerverzeichnisse des St. Michael-Gymnasiums zu Münstereifel, daß in diesem Jahre der Studiengang durch Krieg und Seuchen sehr gestört wurde (Archiv des Gymnasiums). Aber durch mehr als 30 Jahre hindurch scheint die Pest nicht zum Erlöschen gekommen zu sein, denn noch im Jahre 1666 suchte der Rat der Stadt Münstereifel seine Bürger bei der Prozession auf den Sankt Michaelsberg vor Ansteckung durch Berührung mit den Teilnehmern anderer Prozessionen zu schützen. Er befahl, daß am Montag nach dem 24. Juli »bey der ad montem s. Michaelis angestellten stattprocession die under St. Michaelsbergh gelegene päß und wegh ob periculum contagionis mit sicheren gewehrten burgeren besetzt und so lang verwahrt werden sollen, biß dahin hiesiger statt processionanten ihre andacht daselbst verrichtet.« (Scheins, urkundl. Beiträge zur Geschichte der Stadt Münstereifel 1894.)

Alle Ungunst der Kriegszeiten hatte es nicht vermocht, den steigenden Besuch des St. Michaelsberges dauernd zu verhindern. So hören wir gleich im Jahre 1680, daß 8 Priester den Andrang zur Beichte während der Oktav nur mit Mühe bewältigen konnten, während im Jahre 1681 schon 11 Priester erforderlich waren. Einer von ihnen hatte dabei vom frühen Morgen ununterbrochen bis zur zweiten Nachmittagsstunde die heilige Kommunion zu spenden. Im Jahre 1682 war der Andrang der Sakramentsempfänger noch stärker, weil in diesem Jahre eine schwere Seuche das Vieh heimsuchte. Da die Kapelle die Menge nicht fassen konnte, blieb einzelnen Beichtvätern nichts übrig, als im Freien und sogar im Regen ihres Amtes zu walten. Ein ähnlicher Zustrom bestand im Jahre 1683. Es war das verhängnisvolle Jahr der Belagerung Wiens durch die Türken. Mit Staunen lesen wir, daß die Nachricht davon mit großer Schnelligkeit bis in die entlegene Eifel gelangte und sich hier in besonderem Andrange zu der Wallfahrtsstätte St. Michaels auswirkte, denn so heißt es: »man war überzeugt, daß nächst Gott von niemandem sicherere Hilfe gegen die Barbaren erfleht werden könne als von dem Führer der himmlischen Streitmacht.« 1684 war es eine große anhaltende Dürre, die so unzählige Scharen zum »heiligen Berge des Erzengels trieb, daß die Mauern der Kapelle fast eingedrückt wurden.« Vom Jahre 1685 ab, eine Reihe von Jahren hindurch, kamen auch aus der Stadt Köln große Prozessionen zum Michaelsberge. Sie gebrauchten für Hin- und Rückweg drei Tage und führten zu Ehren des Erzengels riesige Wachskerzen mit sich, die in der Kapelle Aufstellung fanden. Die feierlichste aller Kölner Prozessionen war die vom Jahre 1687. Die Schüler des Münstereifeler Gymnasiums, von ihren Lehrern geführt, erwarteten die Kölner Pilger vor den Toren der Stadt, obgleich es fast Mitternacht wurde, ehe sie, von der Glut des heißen Tages erschöpft, ankamen. Am folgenden Tage wurde die Prozession, die eine prächtige, mit seidenen Gewändern bekleidete Statue des heiligen Michael mit sich führte, feierlich auf den Berg und zurück begleitet und nach der Rückkehr mit der Aufführung eines Theaterstückes geehrt.

Die Jahre, die nun folgen, waren die der Raubkriege Ludwigs XIV. Nicht nur die Münstereifeler Burg sank in Trümmer, bei den Raubzügen weit in die Eifel hinein litt auch die Michaelskapelle, wie es heißt, nicht geringen Schaden, ohne daß Einzelheiten berichtet würden. Jedenfalls waren die Wallfahrten eine Reihe von Jahren so gut wie unmöglich und erst vom Jahre 1692 ab hoben sie sich wieder.

Im Jahre 1699 entstand das Priesterhaus an der Seite des Turmes aus freiwilligen Opfergaben. In dem gleichen Jahre wurde auch zum ersten Male ein Altar im Freien errichtet, weil die Kapelle bei weitem nicht mehr genügte. Nunmehr vollzog sich die lange Reihe der dargebrachten heiligen Meßopfer so, daß alle Anwesenden ihnen mit größerer Andacht als bisher beiwohnen konnten. Und um dem sehr störenden Gedränge an der Kommunionbank abzuhelfen, wurde auch im Freien eine solche errichtet, mit dem Erfolge, daß nunmehr alle in bester Ordnung hinzutreten konnten.

Im Jahre 1700 wurde die Kapelle zum ersten Male von Dieben heimgesucht. Sie raubten die Meßgewänder und alle Schmucksachen, die sie zu tragen vermochten. Im Jahre 1703 erlitt die Kapelle einen weiteren großen Verlust durch den Tod des P. Eduard Trockmorton, der als der Eifrigste unter den Eifrigen lange Jahre auf dem Berge gewirkt hatte. Von edler englischer Abstammung und im Jahre 1668 dem Orden beigetreten, war er von glühendem Seelsorgereifer durchdrungen. Vor Tagesanbruch eilte er schon den heranziehenden Pilgern entgegen und blieb fast bis zum Abend unaufhörlich um sie bemüht. Keine größere Freude konnte man ihm machen, als wenn man ihn den Missionar des Erzengels nannte.

Vom Jahre 1704 ab nahm die St. Michaels-Bruderschaft, die damals schon fast 400 Jahre bestand, einen besonders großen Aufschwung. Sie erhielt nunmehr das erste gedruckte Bruderschaftsbüchlein, mit der Geschichte der Bruderschaft, mit den Namen der ältesten hervorragenden Mitglieder und mit einer Reihe von Gebeten und Gesängen zu Ehren des heiligen Michael. Somit war das Büchlein, von dem anscheinend kein Exemplar bis auf unsere Zeit gerettet worden ist, schon ein Vorläufer des Büchleins »Schutz und Schirm etc.«, das in der Frühgeschichte des Michaelsberges wiederholt erwähnt worden ist. Es wird ausdrücklich berichtet, daß in den Jahren 1704-1706 ca. 4000 Mitglieder der Bruderschaft beitraten, sicherlich eine sehr große Zahl, die trotzdem nicht verwunderlich ist, wenn wir hören, daß allein im Jahre 1707 5000 Kommunionen auf dem Berge nur während der Oktav ausgeteilt wurden, nachdem 20 Beichtväter dem Ansturme kaum Genüge geleistet hatten. Die 8 Jesuiten, die das Kollegium Münstereifel für die Festzeit stellen konnte, waren längst nicht mehr ausreichend. Meist kamen 2-3 Mitglieder des Kölner Kollegiums zu Hilfe, und zu ihnen gesellten sich dann noch 8-10 Pfarrer der ankommenden Prozessionen. Im gleichen Jahre 1704 verlieh Papst Clemens XI. am 16. August der Bruderschaft mehrere Ablässe, was sicherlich die Zahl der Mitglieder sehr gesteigert hat. Den Wortlaut der Ablaß-Urkunde finden wir am Schlusse.

In das Jahr 1704 fällt endlich noch eine sehr wichtige Stiftung für den St. Michaelsberg. Laut Urkunde vom 9. August 1704 (im Gräflich von Mirbach'schen Archiv zu Harff) bekennt Elisabeth Gertrud Charlotte von Palant-Gladbach »nach dem Tode ihrer Kinder dessen mächtig«, daß sie in ihrer letzten Krankheit etc. den heiligen Franziskus Xaverius zu ihrem »sonderbaren Patron« gewählt und gelobt habe, im Jesuitenkollegium zu Münstereifel einen Priester der Gesellschaft Jesu zu fundieren, der in den Eifelpfarreien als Missionar tätig sein solle, vor allem aber auch auf dem St. Michaelsberge an 9 Festtagen im Jahre den Gottesdienst zu halten habe. Die Stiftung betrug mit zwei späteren Erhöhungen zusammen 3000 Reichstaler, zu je 80 Albus. Diese 9 Festtage finden wir in dem Berichte von 1712 zum ersten Male genauer aufgeführt. Es folgen zeitlich aufeinander:

1. am 17. Januar das Fest St. Antonii Eremitae,

2. der 3. Osterfeiertag,

3. das Fest Michaelserscheinung am 8. Mai,

4. der 3. Pfingstfeiertag,

5. das Fest des heiligen Rochus am 16. August,

6. das Schutzengelfest am ersten Sonntage im September,

7. das Fest des heiligen Erzengels am 29. September mit Oktav,

8. das Fest der heiligen Lucia am 13. Dezember,

9. das Fest der unschuldigen Kinder am 28. Dezember.

Die Michaels-Bruderschaft besaß aber außerdem noch andere Festtage: den ersten und vierten Sonntag in der Fastenzeit, das Fest der Kreuzerhöhung am 3. Mai, das Fest der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni und das Fest des heiligen Apostels Jakobus am 25. Juli. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß diese nur auf dem Michaelsberge gehalten werden mußten.

Die von Palant'schen Stiftungen, denen in den nächsten 30 Jahren noch eine Reihe von anderen Stiftungen folgte, ermöglichten es nunmehr, die bessere Ausstattung der Kapelle in die Hand zu nehmen und auch an die notwendigen baulichen Ergänzungen zu denken. Den Beginn machten zwei neue Altäre. Zwar enthalten die Jahresberichte auch darüber einige Nachrichten. Aber eine eingehendere Darstellung findet sich in einem handschriftlichen Buche des Gymnasialarchivs Münstereifel, von Katzfey das »Hausbuch« genannt, das 1664 begonnen, in der Hauptsache die lange Liste aller Patres und Brüder enthält, die von 1625 bis 1773 im Münstereifeler Kolleg tätig waren. Aber unter den sonstigen eingestreuten Berichten finden sich gerade die, welche die Ausstattung der Michaelskapelle mit den neuen Altären betreffen, und zwar aus dem Grunde, weil der kunstreiche Verfertiger derselben als Jesuitenbruder Jakobus Schmit im Münstereifeler Kollegium lebte. Der neue Hauptaltar zeigte im oberen Teile eine Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit. Im unteren Teile war St. Michael dargestellt, wie er über den höllischen Drachen triumphiert, während zu beiden Seiten die neun Chöre der Engel ihm zu einem solchen Siege gleichsam Glück wünschen und Beifall spenden. Der Altar machte besonders durch seine wunderbare Vergoldung einen so prächtigen Eindruck, daß, wie es heißt, »die ganze Eifel« von Staunen und Bewunderung hingerissen war, besonders da man im Chor zu beiden Seiten neue Fenster angebracht hatte, nur um die Lichtwirkung auf den Altar zu steigern. Aber auch die Jesuiten selbst müssen den Eindruck, vor einem wirklichen Kunstwerk zu stehen, gehabt haben, denn sie ehren den Künstler Jakobus Schmit mit den Worten » clarissimus Societatis nostrae Coadjutor«. In ähnlicher Pracht mit Silber, Gold und leuchtenden Farben und mit einer geschnitzten Statue erstrahlte der rechte Seitenaltar zu Ehren der allerseligsten Jungfrau. Das Hausbuch berichtet noch weiter, daß das Jahr 1708 als Geschenk des P. Gerhard Koch eine neue Kasel aus blumendurchwirkter Damascener Seide brachte, während zwei Kölner Wohltäterinnen, das fromme Fräulein Bourels und Frau Borchers, neun seidene Fahnen in weiß, rot, blau und grün für den Prozessions-Umzug auf dem Berge schenkten.

Das Jahr 1706 erzählt uns auch die Ordnung des Gottesdienstes, wie sie besonders am Tage des Michaelsfestes gehandhabt wurde. Schon beim ersten Morgengrauen wurde mit sakramentalem Segen die erste heilige Messe gelesen, in der laut der Rosenkranz gebetet wurde. Bis 9 Uhr folgte eine ununterbrochene Reihe von weiteren Messen, sodann zum Schlusse das feierliche Hochamt. Diesem reihte sich die Predigt und dann die Bruderschafts-Andacht an, in der lautes Gebet mit frommen Gesang und Ansprachen abwechselte. Den Beschluß machte die feierliche Prozession auf dem Stationswege, bei der nach allen vier Himmelsrichtungen der Segen erteilt wurde. Mit dem Ambrosianischen Lobgesange wurde der Berg wieder erstiegen. Vor der Kirche warfen sich alle zu Boden, riefen Sankt Michael um eine gute Sterbestunde an und wurden zum Schlusse mit dem Segen entlassen.

Es ist interessant zu hören, daß die Pilger auf die Beibehaltung der Prozession den Stationsweg entlang auch bei schlechtem Wetter großen Wert legten. Als es im Jahre 1709 stark regnete, und ein Pater sich überzeugen wollte, ob man sich trotzdem nicht abschrecken lasse, mußte er hören: »Für solche haltet ihr uns? Da wir heute hergekommen sind, um durch unseren heiligsten Patron Gott um Regen zu bitten, so möge der Himmel nur sich ausgiebig öffnen und Regen strömen lassen, denn auch ganz und gar durchnäßt wollen wir gern der Verehrung des Allerheiligsten folgen«.

Im Jahre 1707 erschien in Folge eines Gelübdes, das er in Indien gemacht, ein indischer Jesuiten-Missionar auf dem Berge. Ganz ungeheuer war die tägliche Zahl der Herbeigeströmten, die diesen indischen Herold St. Michaels hören wollten. Da viele ihn vom Boden nicht sehen konnten, kletterten sie gleich Zachäus auf die Bäume. Unter lautloser Stille der Tausende von Zuhörern (auch des geschwätzigen Geschlechtes, setzt der launige Chronist hinzu), erzählte der Redner, wie er in Indien durch die Hilfe St. Michaels aus den schlimmsten Lebensgefahren gerettet worden und nunmehr erschienen sei, um St. Michael seinen Dank in seinem Heiligtume abzustatten.

Fast in allen Jahren hören wir von dem gewaltigen Andrange zur Beichte, selbst an den kleineren Festen auf dem Berge, der so stark war, daß immer noch manche unverrichteter Sache heimkehren mußten. Da fanden die Pilger aus entfernteren Orten den Ausweg, bereits am Vorabende zum Berge zu ziehen und unterwegs auf die von Münstereifel kommenden Patres zu warten, die dann wohl oder übel im freien Felde die Beichte derer hören mußten, die mit Recht geltend machten, daß schon vor Tagesanbruch der Andrang so gewaltig sein würde, daß sie nicht zu ihrem Rechte kämen. Man kann nur staunen über den frommen Eifer der damaligen Eifelbewohner, der sich nicht nur in einzelnen Zeitabschnitten gezeigt, vielmehr während der ganzen Jesuitenzeit angehalten hat. Im Jahre 1711 lautet der Bericht, daß der Andrang zum St. Michaelsberge so stark war, daß man glauben sollte, die ganze Eifel habe ihre Wohnsitze verlassen, um sich auf dem Michaelsberge niederzulassen. Vom Jahre 1763 heißt es, daß »auf unserem Garganusberge« an 6000 Kommunionen gespendet wurden, während im Jahre 1765 allein in der Michaelsoktav 5000 gezählt wurden. Aehnliches künden die Berichte über sehr viele andere Jahre, sodaß es nur ermüdend wirken würde, wollte man sie alle zitieren.

Jeder, der die St. Michaelskapelle in ihrer hohen exponierten Lage besucht, verschließt sich nicht der Erkenntnis, wie vieler Aufwendungen an Mühe und Kosten es bedurft hat, sie durch die Jahrhunderte hindurch zu erhalten und die Schäden abzuwehren, denen sie unaufhörlich von allen Seiten durch Stürme, Regenfluten, Frost und Schnee ausgesetzt ist. Auch die Jesuitenberichte wissen davon manches zu erzählen. Schon im Jahre 1710 wäre man gerne zu einer wesentlichen Erweiterung der Kapelle geschritten, wenn die Spitze des Berges nur den nötigen Raum geboten hätte. Im Jahre 1721 mußte das gesamte Dach des Turmes und des Schiffes erneuert werden. Schon 1730 war dringlichst ein neuer Turmhelm zu beschaffen, wozu eine Kölner Verehrerin 50 Reichstaler stiftete. 1739 waren wiederum Dach und Gewölbe dem Einsturz nahe, und im Jahre 1748 ist die ganze Kirche fast durchgehends neu aufgebaut worden. Im Jahre 1771 wurde abermals das Dach erneuert, eine neue Außenkanzel erbaut und das ganze Innere dahin erneuert, daß nicht nur die Altäre neu vergoldet und mit leuchtenden Farben geschmückt wurden, sondern auch das Grabmal des Herrn von Goltstein in ähnlicher Weise erneuert wurde. Bei allen diesen Notwendigkeiten hat es niemals an frommen Wohltätern gefehlt, die reichliche Spenden zu Ehren Sankt Michaels dargebracht haben.

In den Jahren 1712-14 weilte mit Erlaubnis der erzbischöflichen Behörde und mit Zustimmung des P. Rektor ein Eremit auf dem Michaelsberge. Die Episode bietet so viel des Interessanten, daß sie in einem besonderen Bilde geschildert werden soll.

Das Jahr 1736 brachte ein trauriges und ein freudiges Ereignis. In einer Winternacht erbrachen Diebe die Kapelle und raubten insbesondere die heiligen Gefäße. Aber St. Michael, sagt der Chronist, trat als Rächer auf, denn in Reifferscheid, dem ebenfalls durch die Verehrung des Erzengels berühmten Dorfe, wurden die Missetäter ergriffen und büßten ihre Schuld durch den Strang. Von dem gestohlenen Gute erhielt die Kapelle nur wenig zurück, dafür erfuhr sie die Freude, am Feste der Kreuzerfindung eine Partikel des heiligen Kreuzes zu erhalten, die in feierlicher Prozession durch den Dekan der Münstereifeler Stiftskirche Johann Anton Aldenkirchen (1712-1748) auf den Berg übertragen wurde.

So viel Erfreuliches die Geschichte des St. Michaelsberges uns bisher berichtet hat, wir müssen auch der historischen Wahrheit zuliebe über Unerfreuliches berichten, soweit es in der Geschichte des Michaelsberges vorkommt. Denn immerhin unerfreulich müssen wir den langwierigen Rechtsstreit nennen, der zwischen den Jesuiten und den Gemeinden Schönau und Mahlberg in den Jahren 1715-1721 geschwebt hat. Die Litterae annuae enthalten sich seiner Erwähnung, aber die Jesuitenakten im Gymnasialarchiv zu Münstereifel und die Manderscheid-Blankenheim'schen Akten in Dülmen bieten so viel Material darüber, daß sich ein kurzgefaßter klarer Ueberblick gewinnen läßt.

Seit mehreren Jahrhunderten, jedenfalls aber seit langer Zeit vor dem Jahre 1632, übten die Eingesessenen der Gemeinden Schönau und Mahlberg in den Wäldern, die den Michaelsberg und die anstoßenden Höhen bedeckten, ein altes Gewohnheitsrecht aus. Sie trieben ihr Vieh dorthin auf die Weide und benutzten das Holz, das die Stürme zu Boden rissen, für ihre Zwecke. Es ist nicht genau bekannt, ob die Jesuiten bis zum Jahre 1715 dieses Recht stillschweigend geduldet haben. Zu dieser Zeit aber scheinen besonders die Mahlberger ihre Nutzungsrechte überschritten und sich auch andere Bäume angeeignet zu haben, sogar solche, die die Jesuiten für die nötige Reparatur der Kapelle hatten fällen lassen. Daher erheben die Jesuiten am 11. Mai 1715 zunächst Klage bei dem Vogt in Münstereifel wegen Holzfrevels und benennen u. a. einen gewissen Peter Spilles aus Mahlberg als den Hauptübeltäter. Sie erzielen auch eine vorläufige Verfügung, in der den Beklagten bei Strafe von drei Goldgulden verboten wird, ferneres Holz aus den Büschen zu entnehmen oder ihr Vieh dorthin zu treiben. Aber es scheint nicht viel genutzt zu haben, denn am 27. Januar 1718 entschließen sich die Jesuiten zu der förmlichen Klage auf Aufhebung des Holzungs- und Weiderechtes der Gemeinden Schönau und Mahlberg vor dem Hauptgericht zu Münstereifel. Sie berufen sich besonders darauf, daß für sie ein Jahr nach der Uebergabe der St. Michaelskapelle ein besonderes Dokument vom 18. August 1633 im Auftrage des damaligen Amtmannes von Münstereifel, sowie des Vogtes und der Schöffen von Münstereifel durch den vereideten Gerichtsschreiber Philipp Koilhaß ausgefertigt worden sei, als Besitztitel eines bestimmten Bezirkes um die Kapelle herum. Dieser Bezirk sei damals »abgeraihnt und abgesteint« worden. Die beklagten Gemeinden aber weigerten die Anerkennung und betonten nachdrücklich ihr altes Recht mit dem Erbieten, es durch die Zeugnisse der ältesten Leute zu erweisen. Mehr als zwei Jahre lang flogen nun die üblichen scharfen Schriftsätze hin und her. Erst am 24. Oktober 1720 entschloß sich das Gericht zu einer Ortsbesichtigung. Es wurden auch drei Marksteine gefunden, aber keine »raihn« mehr und dem Gericht blieb es zweifelhaft, ob diese Steine wirklich den Kapellenbezirk abgegrenzt hätten. Auch die Aussagen der Zeugen, besonders des Peter Oberhaus und des Peter Beyer von Esch und des Göddert Miessen von Mahlberg schienen mehr zu Gunsten der Gemeinde zu sprechen, während zwei weitere Zeugen Georg Staab und Wilhelm Schroder von Mahlberg eher das Recht der Jesuiten bestätigten. Somit senkte sich die Woge der Gerechtigkeit langsam auf die Seite der Gemeinden, und obgleich die Jesuiten ihre Ansprüche mit allen juristischen Gründen verfochten, die Hilfe des Grafen von Blankenheim anriefen und dazu noch betonten, daß nach ihrer Ueberzeugung ein verständiger und mit dem doppelten Salze des Wissens und des Gewissens begabter Richter ( duplici sale scientiae et conscientiae) dem hl. Michael niemals sein patrimonium (Erbe) absprechen könne, unterlagen sie doch. Der Spruch des Gerichtes vom Jahre 1721 (ausgefertigt durch E. Keiffenheim, Licentiaten der Rechte) lautete dahin, daß den Gemeinden Schönau und Mahlberg das Recht zustehe, das Abfall- und Windschlagholz zu ihrem Gebrauche zu holen und auch das Vieh in den Büschen weiden zu lassen. Dagegen sei es den Klägern ausdrücklich vorbehalten, alles für die Kapelle erforderliche Bau- und Brandholz zu entnehmen.

So waren die Jahre des Streites endlich beendigt. Glücklicherweise hatten sie die Verehrung auf dem Michaelsberge in keiner Weise beeinträchtigt, denn auch in diesen Jahren melden die Jahresberichte stets den gewohnten starken Zustrom. Und dieser Zustrom nahm auch nicht ab, solange die Jesuiten auf dem Berge weiter in segensreicher Mühe walten konnten.

Auch die Prozessionen der Stadt Münstereifel und des dortigen Gymnasiums pflegten in keinem Jahre auf dem Michaelsberge zu fehlen. Wiederholt finden sich in den Ratsprotokollen Beschlüsse, daß den Cantoren der ehemaligen St. Johanniskirche für ihren Gesang bei der Prozession Weinspenden zuerkannt wurden. Am 17. Juli 1748 ersuchte der herzogliche Kellner Weimbach den Herrn Stadtschreiber einen » extractum« zu erteilen, daß »denen patribus capucinis so morgen die prozession auf Michels-Bergs führen, acht quart Wein ex mediis civitatis hergegeben werden.« Im Jahre 1756 ersuchte der Senator und Scheffe der Stadt P. C. Ulrich einen, »hochgelehrten und hochgeehrten« Herrn Stiftsdekan für die Prozession zum bevorstehenden Michaels-Erscheinungsfest eine Resolution zu fassen, weil »die äußerste Not zu Erhaltung fruchtbaren und guten Wetters vorwaltend ist.« Derselbe P. C. Ulrich ersucht am 14. Juli 1757 Bürgermeister und Rat um Anordnung für die morgige Prozession zur Erhaltung fruchtbaren Regens. (Stadtarchiv Münstereifel.)

In den im Jahre 1912 erschienenen Lebenserinnerungen des Kölner Advokaten Joh. Baptist Fuchs (1757-1827), der in den Jahren 1771-73 Schüler des Münstereifeler Michael-Gymnasium war, findet sich eine anschauliche Schilderung. Das ganze Gymnasium mit seinen Fahnen und der größte Teil der Bürgerschaft zogen alljährlich in Prozession zu der Michaelskapelle, die »isoliert auf einem Berge in einer schauderhaft romantischen, oder besser gesagt wilden Gegend liegt. Wenn die Prozession ankommt, dann gleicht der ganze Berg einem Lager von 100 Kramläden mit Eßwaren und Getränken jeder Art. Ist der Gottesdienst gehalten, wird ein paar Stunden geruht, die die Studenten benutzen, um Wald- und Erdbeeren zu pflücken, die hier ganz fürtrefflich sind. Nachmittags gegen 5 Uhr wird wieder aufgebrochen, sodaß die Prozession zwischen acht bis neun Uhr abends wieder anlangt.«

Dem langen erfolgreichen Wirken der Väter der Gesellschaft Jesu wurde leider ein plötzliches Ziel gesetzt. Am 21. Juli 1773 verfügte eine päpstliche Verordnung die vorläufige Aufhebung des Jesuitenordens. Das war gewiß ein schwerer Schlag für das Kollegium Münstereifel und den ihm gehörenden Michaelsberg. Er scheint die dortigen Väter ganz unverhofft getroffen zu haben. P. Johannes Scheffer, der damals den Michaelsberg betreute, hatte noch am 28. Juni 1773 zur Niedermendig mit dem dortigen Steinmetzen Jakob Strahl einen Vertrag geschlossen, auf Lieferung von zwei Kreuzen für den Michaelsberg vor dem nächsten Michaelsfeste. Ein jedes »in Stein wohl ausgearbeitet«, sollte 17 Reichstaler kosten. Zwei Wochen später, am 12. Juli befand sich P. Scheffer in Königswinter und tätigte mit dem dortigen Steinhauermeister Urban Maurer einen weiteren Vertrag auf Lieferung von »sechs Fußstationen, jede Tafel in einer 3 Fuß breiten und 4 Fuß hohen Tafel also ausgehauen, daß mehr denn die halben Leiber aus den Tafeln hervorkommen«. Jede Station kostete 10 Reichstaler (Staatsarchiv Düsseldorf, Jes. 19).

Weder die Kreuze noch die Stationsbilder sind wahrscheinlich auf den Michaelsberg gekommen, denn zehn Tage später hatte die Blütezeit des St. Michaelsberges ihr jähes Ende erreicht.

Anhang.

I. Regulen und Statuten dero Löblichen Bruderschaft des h. Erz-Engels Michael, der ganzen Eifel nächst der Himmels Königinn Haupt- und Erz-Patrones und gemeinen Beschützers.

Erstlich. Alle und jede, so unterm Schirm des h. Erz-Engels Michaelis dieser Bruderschaft einverleibt sind, sollen alle Jahre zum wenigsten drei- oder viermal auf die hochzeitliche Fest-Tage oder so sie verhindert würden, nachmahlen, nach eines jeden besseren Gelegenheit mit wahrer Reu und Leid ihre Sünden beichten, und das h. h. Sakrament darauf empfangen. Rathsam und gar nützlich wäre es, wenn sie ihre Andacht zum h. Erz-Engel, und Sorg für das Heil ihrer Seele zu zeigen, solches alle Versammlungs Tage verichteten.

Zweitens. Sonn- und Feyrtag, so es immer möglich dem Amte der h. Messe, Predigt und anderen Kirchen-Diensten beiwohnen; und die übrigen dazu anhalten. Auch die bestimmten Tage der Bruderschaft, so viel Geschäften halber geschehen kann, mit ernstlicher und wahrer Andacht zubringen. Morgens und Abends 5 Vatter unser, und englische Gruß zur Ehre des hochwürdigsten Sakrament des Altars und 5 heilfließenden Wunden unseres Erlösers bethen, uni sein eigen, und aller Mitbrüder und Mitschwestern Wohlstand zum ewigen Leben zu erhalten.

Drittens. Weil nicht genug ist, um die mächtige Fürsprach des h. Erz-Engels Michaelis in seinen Nöthen und Anliegen zu erfahren, daß der blose Nahme der Zahl der Mitglieder aus der Bruderschaft einverleibt sey, sondern auch eine wahre Andacht und mögliche Verehrung des h. Erz-Engels erfordert wird, als geziemte es sich, daß man zum wenigsten wöchentlich einmal die Tag-Zeiten vom h. Michael, oder so man Lesens unerfahren, an deren Stelle, zur Ehre, der neun Chör der Engelen, neun Vatter unser und englische Grüß bethe: auch die Seinigen dazu anermahne.

Viertens. Wenn die Mittel es leiden, alle Jahr eine Meß für die Abgestorbenen aus der Bruderschaft lesen lassen, weil man nach seinem Tode sich gleicher Hülf zu trösten hat.

Fünftens. So oft es geschehen kann, bei der Bruderschafts-Versammlungen mit Andacht und Ehrbietsamkeit aufm Berg sich einfinden. Allen Ungebühr bei sich sowohl als bei andern suchen zu verhindern.

Sechstens. Weil die Engel allezeit das Angesicht des himmlischen Vatters anschauen, denselben zu ewigen Zeiten preisen und loben, und dann sich des Menschen Heil und Seeligkeit aus barmherzigkeit Anordnung Göttlicher Majestät am treulichsten annehmen. Als soll jedermänniglich, so sich dieser gottseeligen Gemeinschaft ergeben, mit Ernst eines aufrichtigen Christlichen Wandels in Haltung der Gebothen Gottes und Meidung aller Aergerniß sich befleißen.

Insonderheit aber für der höchstschädlichen, von Gott und allen Rechten verdammten Gotteslästerung, Fluchen und Schwören mit allem Fleiß hüten: auch mit gleicher Aemsigkeit andere, die Seinigen, aber gänzlich davon abhalten.

Alles (ohne Gewissens-Verpflichtung) zur größeren Ehre Gottes, und des heil. Erz-Engels Michaelis.

II. Ablässe, von Papst Clemens XI. am 18. August 1704 der St. Michaels-Bruderschaft erteilt.

(Uebersetzung des 18. Jahrhunderts.)

Zur ewigen Gedächtnis. Demnach (wie wir verstanden haben) in der Kirche des heil. Erz-Engels Michaelis auf St. Michaels-Berg, unweit der Stadt Münster-Eifel, eine andächtige Bruderschaft beides Geschlechts Christgläubigen, unterm Namen desselben Erz-Engels, rechtmäßiger Weise schon aufgerichtet ist, oder noch aufgerichtet werden solle, deren Mitbrüder, und Mitschwestern sich in vielen Werken der Andacht, und Liebe zu üben pflegen: Also thuen wir, damit allsolche Bruderschaft täglich mehr und mehr zunehme, und erweitert werde, mit gewissem Vertrauen auf die Barmherzigkeit des Allmächtigen Gottes, und auf die Gewalt seiner heiligen Apostel Petri und Pauli, hiemit gnädiglich verleihen allen beiderlei Geschlechts Christgläubigen, welche dieser Bruderschaft einverleibt werden, am ersten Tage ihrer Aufnehmung, wann sie nach verrichter reumüthiger Beicht das hochheilige Sakrament des Altars genießen, einen vollkommenen Ablaß.

Dann aber auch verleihen wir denselben Mitbrüdern und Mitschwestern, welche in dieser Bruderschaft jetzt, oder ins künftig sich befinden, wann sie in ihrem Sterbstündelein nach geschehener bußfertiger Beicht die h. Communion empfangen, oder so fern ihnen dies nicht möglich, den heil. Namen Jesus mit dem Munde, oder wenn sie dieses nicht könnten, zum wenigsten mit dem Herzen andächtiglich anrufen werden, vollkommenen Ablaß.

Ferner thuen wir eben denselbigen, wenn sie nach reumüthiger Beicht und andächtig empfangener h. Communion gemelte Kirch, Capell, oder Bethaus, am fürnehmsten Titular-Festtag gesagter Bruderschaft, so deren Brüder nur einmal für allzeit können erwählen, und vom Ordinario approbirt werden soll, von der ersten Vesper-Zeit bis zum Sonnen-Untergang selbigen Festtags alle Jahre andächtig besuchen, und darin für Einigkeit Christlicher Fürsten, Ausreutung der Ketzereyen, und Erhöhung der Catholischen Kirche Gott andächtig beten werden, vollkommenen Ablaß aller ihrer Sünden gnädiglich im Herrn mittheilen.

Darneben verleihen wir solchen Mitbrüdern und Mitschwestern, wenn sie mit vorgehender Beicht und Communion auf ebenfalls von ihnen erwählten, und vom Ordinario approbirten Werk- Feyr- oder Sonntägen gemelte Kirch-Capell, oder Bethhaus besuchen, und darinnen nach oben beschriebener Meinung bethen werden, an welchem Tage sie dieses verrichten.

Endlich so oft sie in selbiger Kirche, Capelle oder Bethaus dem h. Meßopfer mit lesen oder hören, oder sonsten angestellten andächtigen Zusammenkünften dieser Bruderschaft öffentlich, oder in geheim daselbsten, oder anderswo beiwohnen; die Armen beherbergen, die Feinde unter sich versöhnen, oder dazu behilflich sind; die Mitbrüder und Mitschwestern oder andere Todten zur Erde begleiten oder sonsten den Processionen, welche mit Erlaubnis des Ordinarii angestellt sind, andächtiglich beiwohnen; oder aber das heil. Hochwürdige, wann es öffentlich in Processionen, oder zum Kranken, oder auch sonsten sollte getragen werden, begleiten, und im Falle währender Verhindernis auf dazu gegebenes Glockenzeichen ein Vatter unser und englischen Gruß, oder selbiges Gebet 15mal für verstorbene Mitbrüder und Mitschwestern sprechen; oder einen Irrenden auf den Weg des Heils bringen, und die Unwissenden die Gebote Gottes, und was zur Seeligkeit gehöret, lehren; oder sonsten einiges Werk der Andacht und Liebe üben werden, so oft und vielmahl sie solches verrichten, erteilen wir ihnen nach der in Kirchen gebräuchlicher Form 60 Tage Ablaß deren Bußen und Strafen, so ihnen auferlegt, oder dazu sie auf andere Weise verbundene sind.

III. Verzeichnis der auf dem St. Michaelsberg tätig gewesenen Missionare von der Erbauung des Priesterhauses ab bis zur franz. Revolution

(nach Schüller a. a. O. mit Ergänzungen).

  1. P. Ed. Trockmorton 1699-1703
  2. P. Ad. Uebelgün 1704
  3. P. Andr. Schallenberg 1704-4705
  4. P. Pet. Speckart 1705
  5. P. Ant. Hüdigh 1705-1707
  6. P. Jak. Franzen 1707-1709
  7. P. Frz. Castenholz 1709-1713
  8. P. Joh. Dürsfeld 1714-1723
  9. P. Frz. Kemper 1724
  10. P. Joh. Stephani 1725-1729
  11. P. Pantal. Eschenbrender 1730-1735
  12. P. Jos. Burscheid 1733-1735
  13. P. Heinr. Koch 1733-1737
  14. P. Martin Deuren 1737-1738
  15. P. Joh. Fibus 1738
  16. P. Nicl. Körten 1739-1750
  17. P. Georg Molitor 1739-1740
  18. P. Heinr. Heupgen 1741-1743
  19. P. Peter Schlink 1744-1749
  20. P. Heinr. Lirtz 1751-1760
  21. P. Hilg. Rötgen 1750-1757
  22. P. Herm. Brickwede 1752
  23. P. Heinr. Maybaum 1758-1761
  24. P. Jos. Aldenbrück 1760-1764
  25. P. Klem. Bacon 1761-1765
  26. P. Wilh. Clasen 1765-1767
  27. P. Casp. Sturm 1767 – ca. 1780
  28. P. Joh. Dorweiler 1768 – ca. 1780
  29. Exjes. Herm. Schönenbusch 1781-1791
  30. Weltgeistlicher Kamps 1781-1785
  31. Weltgeistlicher Franz X. Fabritius 1786-1789
  32. Weltgeistlicher Jak. Hellmann und
    Exjesuit Dav. Heenen vertretungsweise 1789
  33. Exjesuit Wilh. Pingen 1791-1794
  34. Weltgeistlicher Jak. Hellmann 1794


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