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Dreikönigslied.

Gott so wollen wir loben und ehr'n,
Die heil'gen drei König mit ihrem Stern.

Sie reiten daher in aller Eil'
In dreizehn Tagen vierhundert Meil'.

Sie kamen wohl vor Herodis Haus;
Herodes sah zum Fenster hinaus:

»Meine lieben Herren, wo wollet ihr hin?« –
»Nach Bethlehem steht unser Sinn.

Da ist geboren ohn' alles Leid
Ein Kindlein von einer reinen Maid.«

Herodes sprach aus großem Trotz:
»Ei, warum ist der eine so schwarz?« –

»O, lieber Herr, er ist wohlbekannt,
Er ist ein König im Mohrenland.

Und wollet Ihr uns recht erkennen,
Wir dürfen gar wohl uns vor Euch nennen.

Wir sind die König' vom Morgenstern
Und brächten dem Kindlein ein Opfer gern:

Myrrhen, Weihrauch und rotes Gold,
Wir sind dem Kindlein von Herzen hold.«

Herodes sprach aus Übermut:
»Bleibet bei mir und nehmet für gut.

Ich will euch geben Heu und Streu
Und will euch halten die Zehrung frei.«

Die heil'gen drei König täten sich besinnen:
»Fürwahr, wir wollen jetzt von hinnen.«

Herodes sprach aus trutzigem Sinn:
»Wollt ihr nicht bleiben, so fahret hin!«

Sie zogen über den Berg hinaus
Und fanden den Stern wohl über dem Haus.

Sie traten in das Haus hinein
Und fanden Jesum im Krippelein.

Sie gaben ihm einen reichen Sold,
Myrrhen, Weihrauch und rotes Gold.

Joseph bei dem Kripplein saß,
Bis daß er schier erfroren was.

Joseph nahm ein Pfännelein
Und macht dem Kinde ein Müselein.

Joseph, der zog sein Höselein aus
Und machte dem Kindlein zwei Windeln daraus

»Joseph, lieber Joseph mein,
Hilf mir wiegen mein Kindelein!«

Es waren da zwei unvernünft'ge Tier',
Die fielen nieder auf ihre Knie.

Das Öchslein und das Eselein,
Die kannten Gott den Herren rein.


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